< GOTT - Eine Seite von Theodor Frey
                     

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OFFENES  GEHEIMNIS




ähjäh
           aschär            ähjäh



J                H             W            H

 

 

 

 



ICH

BIN,

WELCHER

ICH

BIN


_____________


ICH 

WERDE

SEIN,

DER ICH,

SEIN WERDE



____________



ICH 

BIN FÜR EUCH

DA,

 ALS DER,

ALS DER ICH FÜR EUCH

DA SEIN WERDE



NAMEN,

in denen sich Gott selbst offenbart und zugleich verbirgt
(Ex 3, 14)

(Enthüllung - Verhüllung)

Paradox

 

 

 

 

 

 

 

 

   

Eigene Zeichnung


das blutet aus allen wunden
das wird vergewaltigt noch und noch
das ist verraten zertrampelt zerschossen geköpft
  gerädert gevierteilt gezehnteilt
verlorene glieder wurden durch monströse prothesen ersetzt
das ist sich selber und uns und allem entfremdet
ist schizo und neuro und psycho
zerstochen über und über von nadeln mit denen
  fremde substanzen injiziert worden sind
das agonisiert ohne ende
ist vielleicht schon tot oder noch nicht oder
  das consilium der ärzte diskutiert noch zur zeit
und ALSO wurde das wort GOTT
  zum letzten der wörter
  zum ausgebeutesten aller begriffe
  zur geräumten metapher
  zum proleten der sprache


Kurt Marti

 

 


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STADIEN DER WIEDERGEBURT 

nach Johann Caspar Lavater (1741 - 1801)

siehe auch Allgäuer Erweckungsbewegung . . .

 


Gottes Erfahrung
Gottes
Erfassung
Gottes
Genuss
Gottes
Gemeinschaft
Gottes
Ähnlichkeit


 

 


Alfred North Whitehead


(1861 - 1947)

Für Whitehead ist „Gott" ein nichtzeitliches, universales Ereignis, dessen Vorhandensein den Grund für alles geschöpfliche Werden und Entstehen, für Ordnungsstrukturen und den bleibenden Eigenwert des Gewordenen schafft. In seinem Werk „Wie entsteht Religion?" legt er einige Umschreibungsversuche vor, was sich für ihn mit dem Begriff „Gott" verbindet.

Zunächst ist alle Ordnung  „von der Immanenz Gottes (dem In-der-Welt-sein)abgeleitet". „Ohne Gott gibt es keine wirkliche Welt; und ohne die wirkliche Welt mit ihrer Kreativität gäbe es keine rationale Erklärung der ideellen Vision, die Gott konstituiert... Gott ist in der Welt die unablässige Vision des Weges, der zu den tieferen Realitäten führt." So ist Gott „die unbegrenzte begriffliche Realisierung des absoluten Reichtums an Potenzialitäten. Unter diesem Aspekt ist er nicht vor, sondern mit aller Schöpfung."Gott wird selbst in den Prozess einer werdenden Welt hineingezogen. Er „und die Welt stehen in ständiger Wechselwirkung miteinander. So wie die Welt nicht wirklich werden könnte ohne Gottes uranfängliche Bereitstellung der Möglichkeiten, so könnte Gott nicht wirklich werden, ohne dass sich die Welt in ihm objektivierte. Indem die Welt die verfügbaren Möglichkeiten verwirklicht, verwirklicht Gott sich letztlich selbst, da alles wirklich gewordene im Moment seines Wirklichwerdens von ihm erfasst und so zu einem Element in seinem Werden wird."

 

 

 

"Undogmatische Merksätze über Gott"

von ALBERT KELLER
(1932 - 2010)

 in

Grundfragen christlichen Glaubens

Alte Lehren neu betrachtet

2010

- Das Wort "Gott“ ist eher ein Ruf als eine Bezeichnung

- Gott kann nicht geleugnet werden, nur der Begriff von Gott
( Auch die eigene Existenz kann niemand leugnen, da sie Vorbedingung des
Leugnens ist; sie selbst ist jedoch bedingt. Gott aber ist Vorbedingung aller Existenz - also allen Leugnens - , Er selbst jedoch ist unbedingt)

- Was man in Frage stellen kann, ist nicht Gott

- Der Atheist: "Es gibt keinen Gott!“ - Gott:” Es gibt keine Atheisten!" - Gott hat recht.

- Gott ist alles Gute auf einmal und grenzenlos. Wer etwas Gutes liebt, liebt darin auch Gott

- Je mehr einer sich in Gott gründet, desto freier wird er. Und je freier er ist, desto mehr gründet er in Gott

- Wenn Gott sich zeigte, hätten wir ihm gegenüber keine Freiheit, jedenfalls keine Wahl. Um unserer Freiheit willen muss Er sich verbergen

- Am Anfang war die Vernunft (der logos“: Joh 1,1)

- Mit Gott kann man nicht zu Rande kommen, denn er hat keinen Rand.

- Gott taugt nicht zur Welterklärung, auch wenn es ohne Ihn keinen Sinn gäbe.

- Da Gott ständig alles in allen Einzelheiten schafft, ohne jedoch dessen innerweltliche Ursache zu sein, ist die Annahme, er greife ins Weltgeschehen ein, (von der Inkarnation abgesehen) grundlos

- Das Wirken Gottes und das der Welt (des Menschen) wachsen zugleich; ebenso Gnade und Freiheit.

- Es gibt nur eine Liebe: die zu Gott, der Welt, den Menschen und zu sich selbst. Wer eine ohne die andere will, geht fehl. Darin liegt die Sünde: in verkorkster, mangelnder Liebe.

- Nichts ist individueller als der Bezug zu Gott. Dennoch ist er nicht privat, da der uns mit allem verbindet.

- Alle Menschen sind eins in Christus und so erlöst; nur wer andere ablehnt, sperrt sich davon aus.

- Das Böse hassen und den Bösen lieben; den Irrtum bekämpfen und den Irrenden annehmen, das heißt Nächstenliebe - und gilt auch für die Liebe zu sich selbst

- Damit der Mensch hören kann, muss Gott in menschlicher Sprache zu ihm reden: Wort Gottes muss Menschenwort sein. Alles Menschenwort aber ist missverständlich.

- Wer anspricht, stellt einen Anspruch. Wie können wir es also wagen, Gott anzusprechen?

-”Die Ros’ ist ohn’ Warum“ - darin gleicht sie Gott (Gott ist der grundlose Grund von allem. Er ist das Ende aller Begründung. Wer ”Warum”? fragt, fragt zuletzt nach Gott.)

- Erst der Glaube an die Schöpfung lässt die Welt als Frage zu - Geschichtliche Persönlichkeit - vor Gott ist jeder eine; - Auch eine Putzfrau ist von Gottes Gnaden“ - wie alles ein Wunder ist.

- Niemand kann meinen Schmerz fühlen - nur Gott: Er fühlt ihn in mir

 

 

Revolution der Gotteserkenntnis

"Glaube kommt von innen. Wer heute glaubt, will dies nicht im Widerspruch zum Wissen aus Physik, Chemie, Biologie, Anthropologie, Medizin, Religionsgeschichte . . . Nicht Säkularisierung und Aufklärung sind schuld am großen Glaubensproblem. Sie haben nur die religiösen, theologischen Schwächen offengelegt und somit unser Bewußstsein umgewälzt.  . . . Es braucht anderes [als ein paar oberflächliche Therapiemaßnahmen]: eine Revolution der Gotteserkenntnis, der religiösen wie theologischen Sprache, intellektuell und emotional. . . . Als Gottsucher einer säkularen Welt sind wir niemals fertig mit den Paradoxien des Wahren, Guten und Schönen, mit dem Rätsel des Daseins und dem Mysterium des Erhabenen."

Johannnes Röser in CiG 10/2011 S. 100





GOTT
IST
EINGEFALTET
IN ALLEM
UND
AUSGEFALTET
ALLES



NIKOLAUS VON KUES

 

 


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Ignaz Heinrich Freiherr von Wessenberg (1774 - 1860)

Ein aufgeklärter römisch-katholischer Theologe
aus dem schwäbischem Adel

Aufgewachsen ist Wessenberg in Feldkirch im Breisgau auf dem Stammsitz der Familie. Er studierte, ohne je einen höheren akademischen Grad zu erwerben, in Augsburg, Dillingen, Würzburg und Wien und wurde theologisch maßgeblich beeinflusst von Johann Michael Sailer

hier zu seinen Zeitgenossen im Schwäbischen, besonders der Allgäuer Erweckungsbewegung im Umkreis von Johann Michael Sailer >>>

"Mein Glaube"

Ich glaube, dass die schöne Welt regiere
Ein hoher, weiser, nie begriff‘ner Geist,
Ich glaube, dass Anbetung ihm gebühre,
Doch weiß ich nicht, wie man ihn würdig preist.

Nicht glaub‘ ich, dass der Dogmen blinder Glaube
Dem Höchsten würdige Verehrung sei,
Er bildet uns ja, das Geschöpf im Staube,
Vom Irrtum nicht und nicht von Fehlern frei.

D‘rum glaub‘ ich nicht, dass vor dem Gott der Welten
Des Talmud und des Alkoran
Bekenner weniger als Christen gelten;
Verschieden zwar, doch alle beten an!

Ich glaube nicht, wenn wir vom Irrwahn hören,
Der Christenglaube mache nur allein
Uns selig! wenn die Finsterlinge lehren:
“Verdammt muss jeder Andersdenker sein!”

Das hat der Weise, der einst seine Lehre
Mit dem Tod besiegelt, nie gelehrt;
Das hat fürwahr - dem Herrlichen sei Ehre -
Kein Jünger je aus seinem Mund gehört!

Er lehrte Schonung, Sanftmut, Duldung üben,
Verfolgung war des Hohen Lehre fern;
Er lehrt‘ ohn‘ Unterschied die Menschen lieben,
Verzieh dem Schwachen und dem Feinde gern.

Ich glaube an des Geistes Auferstehen,
Dass, wenn dereinst das matte Auge bricht,
Geläuterter wir dort uns wiedersehen,
Ich glaub‘ und hoff‘ es! doch ich weiß es nicht.

Dort, glaube ich, werd‘ ich die Sehnsucht stillen,
Die hier das Herz oft foltert und verzehrt,
Die Wahrheit, glaub‘ ich, wird sich dann enthüllen
Dem Geiste dort, dem hier ein Schleier wehrt. –

Ich glaube, dass für dieses Erdenleben,
Glaub‘s zuversichtlich, trotz der Deutlerzunft,
Zwei schöne Güter mir der Herr gegeben,
Das eine Herz, das andere heißt Vernunft.

Die letzt‘re lehrt mich prüfen und entscheiden,
Was ich für Recht und Pflicht erkennen soll,
Laut schlägt das Erst‘re bei des Bruders Freuden,
Nicht minder, wenn er leidet, warm und voll!

So will ich denn mit regem Eifer üben,
Was ich für Wahrheit und für Recht erkannt,
Will brüderlich die Menschen alle lieben,
Am Belt, am Hudson und am Ganges-Strand.

Ihr Leid zu mildern und ihr Wohl zu mehren
Sei jederzeit mein herzlichster Beruf,
Durch Taten glaub‘ ich würdig zu verehren
Den hohen Geist, der mich und sie erschuf.

Und tret‘ ich dann einst aus des Grabes Tiefen
Hin vor des Weltenrichters Angesicht,
So wird er meine Taten  strenge prüfen,
Doch meinen Glauben?  Nein, das glaub‘ ich nicht!

 

 

 

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IX. Von der der praktischen Bestimmung des Menschen weislich angemessenen Proportion seiner Erkenntnisvermögen

Immanuel Kant: Werke in zwölf Bänden. Band 7, Frankfurt am Main 1977, S. 281-285.

Wenn die menschliche Natur zum höchsten Gute zu streben bestimmt ist, so muß auch das Maß ihrer Erkenntnisvermögen, vornehmlich ihr Verhältnis unter einander, als zu diesem Zwecke schicklich, angenommen werden. Nun beweiset aber die Kritik der reinen spekulativen Vernunft die größte Unzulänglichkeit derselben, um die wichtigsten Aufgaben, die ihr vorgelegt werden, dem Zwecke angemessen aufzulösen. . . . Also scheint die Natur hier uns nur stiefmütterlich mit einem zu unserem Zwecke benötigten Vermögen versorgt zu haben.

Gesetzt nun, sie wäre hierin unserem Wunsche willfährig gewesen, und hätte uns diejenige Einsichtsfähigkeit, oder Erleuchtung erteilt, die wir gerne besitzen möchten, oder in deren Besitz einige wohl gar wähnen sich wirklich zu befinden, was würde allem Ansehn nach wohl die Folge hievon sein? Wofern nicht zugleich unsere ganze Natur umgeändert wäre, so würden die Neigungen, die doch allemal das erste Wort haben, zuerst ihre Befriedigung, und, mit vernünftiger Überlegung verbunden, ihre größtmögliche und daurende Befriedigung, unter dem Namen der Glückseligkeit, verlangen; das moralische Gesetz würde nachher sprechen, um jene in ihren geziemenden Schranken zu halten, und sogar sie alle insgesamt einem höheren, auf keine Neigung Rücksicht nehmenden, Zwecke zu unterwerfen. Aber, statt des Streits, den jetzt die moralische Gesinnung mit den Neigungen zu führen hat, in welchem, nach einigen Niederlagen, doch allmählich moralische Stärke der Seele zu erwerben ist, würden Gott und Ewigkeit, mit ihrer furchtbaren Majestät, uns unablässig vor Augen liegen (denn, was wir vollkommen beweisen können, gilt, in Ansehung der Gewißheit, uns so viel, als wovon wir uns durch den Augenschein versichern). Die Übertretung des Gesetzes würde freilich vermieden, das Gebotene getan werden; weil aber die Gesinnung, aus welcher Handlungen geschehen sollen, durch kein Gebot mit eingeflößt werden kann, der Stachel der Tätigkeit hier aber sogleich bei Hand, und äußerlich ist, die Vernunft also sich nicht allererst empor arbeiten darf, um Kraft zum Widerstande gegen Neigungen durch lebendige Vorstellung der Würde des Gesetzes zu sammeln, so würden die mehresten gesetzmäßigen Handlungen aus Furcht, nur wenige aus Hoffnung und gar keine aus Pflicht geschehen, ein moralischer Wert der Handlungen aber, worauf doch allein der Wert der Person und selbst der der Welt, in den Augen der höchsten Weisheit, ankommt, würde gar nicht existieren. Das Verhalten der Menschen, so lange ihre Natur, wie sie jetzt ist, bliebe, würde also in einen bloßen Mechanismus verwandelt werden, wo, wie im Marionettenspiel, alles gut gestikulieren, aber in den Figuren doch kein Leben anzutreffen sein würde. Nun, da es mit uns ganz anders beschaffen ist, da wir, mit aller Anstrengung unserer Vernunft, nur eine sehr dunkele und zweideutige Aussicht in die Zukunft haben, der Weltregierer uns sein Dasein und seine Herrlichkeit nur mutmaßen, nicht erblicken, oder klar beweisen läßt, dagegen das moralische Gesetz in uns, ohne uns etwas mit Sicherheit zu verheißen, oder zu drohen, von uns uneigennützige Achtung fodert, übrigens aber, wenn diese Achtung tätig und herrschend geworden, allererst alsdenn und nur dadurch, Aussichten ins Reich des Übersinnlichen, aber auch nur mit schwachen Blicken erlaubt: so kann wahrhafte sittliche, dem Gesetze unmittelbar geweihete Gesinnung stattfinden und das vernünftige Geschöpf des Anteils am höchsten Gute würdig werden, das dem moralischen Werte seiner Person und nicht bloß seinen Handlungen angemessen ist. Also möchte es auch hier wohl damit seine Richtigkeit haben, was uns das Studium der Natur und des Menschen sonst hinreichend lehrt, daß die unerforschliche Weisheit, durch die wir existieren, nicht minder verehrungswürdig ist, in dem, was sie uns versagte, als in dem, was sie uns zu teil werden ließ.

Peter Wust in "Ungewissheit und Wagnis" über den Sinn der Beschränkung unseres Erkenntnisvermögens

1937, Siebte Auflage 1962, S. 173 ff.

Warum darf die menschliche Vernunft in der philosophischen Gottesfrage, bei aller prinzipiellen Möglichkeit einer streng vernunftgültigen Evidenz
im Hinblick auf die Realexistenz eines höchsten Wesens, doch nicht jene letzte Gesichertheit und innere Unanfechtbarkeit erreichen?  . . . Warum darf die menschliche ratio gerade in dieser Frage von ihrer letzten Insecuritas-Not nicht endgültig befreit werden?
Warum ist der Mensch überhaupt ein so merkwürdig indefinites Zwischenwesen? Warum hat er diese kentaurhafte Doppelgestalt, in der er vor uns immer wieder erscheint, halb Tier und halb Geist und doch weder Tier noch Engel, sondern einfach ein Mensch, der sowohl den Cbermenschen wie den Unmenschen der Möglichkeit nach in sich trägt?

[Was wäre, wenn unserer ratio "Gott" beweisen könnte? ]

Auf diese Frage hat schon Kant ... die sehr nachdenklich stimmende Antwort gegeben, daß dann unsere ganze menschliche Daseinssituation von Grund auf verwandelt sein würde. In diesem Falle, so argumentiert Kant, »würden Gott und Ewigkeit, mit ihrer furchtbaren Majestät, uns unablässig vor Augen liegen«. Wir wären Gestalten wie im Marionettentheater, wo »alle gut gestikulieren, aber in den Figuren doch kein Leben anzutreffen sein würde«. Es bliebe also, um mit anderen Worten Kants tiefgründigen Gedanken weiter auszuführen, kein Spielraum für jene letzte Entscheidung, die vom Menschen im Interesse seiner Seinsverwesentlichung gefordert ist. Zwar hat Kant an diesem Punkte das an sich, im Hinblick auf die großen Erkenntnisziele so winzige Lichtfünkchen unserer endlichen ratio vollkommen verlöschen lassen. Er hat, im Hinblick auf die philosophische Gottesfrage, das Wissen bis auf den Nullpunkt herabgesetzt, um dem Glauben allein, dem vernunftblinden Glauben, Platz zu schaffen. Damit ist er ohne Zweifel in den hier freilich manchmal naheliegenden Irrtum des absoluten Entscheidungs-Irrationalismus abgeglitten.
Trotz alledem aber muß man zugestehen, daß Kant hier der metaphysischen Bedeutung jener Insecuritas-Situation, der unsere ratio gerade in den höchsten Fragen der Metaphysik beständig ausgeliefert bleibt, mit einer geradezu bewundernswerten Klarheit gerecht geworden ist. Das kommt besonders in den ergreifenden Schlußworten jenes Passus zum Ausdruck, den er diesem so entscheidenden Problem gewidmet hat. »Also möchte es auch hier wohl damit seine Richtigkeit haben«, so lautet die wichtige Stelle, »was uns das Studium der Natur und des Menschen sonst hinreichend lehrt, daß die unerforschliche Weisheit, durch die wir existieren, nicht minder verehrungswürdig ist in dem, was sie uns versagte, als in dem, was sie uns zuteil werden ließ.« Es ist übrigens eine Stelle, die allen denjenigen unrecht gibt, die so ohne weiteres diesen größten deutschen Denker immer wieder als die Schutzwehr benützen zu dürfen glauben, hinter der sie ungestört ihre Zerstörungsarbeit an der Metaphysik betreiben zu können meinen.
Im Rückblick auf unsere Untersuchung dürfen wir nun aber auch vielleicht so weit gehen, zu sagen, daß nicht bloß die Möglichkeit des menschlichen Irrtums und Zweifels in der Gottesfrage, sondern auch die Wirklichkeit beider mit ganz anderen Augen zu betrachten ist, als es so oft zu geschehen pflegt. Wohl können die immer wieder neu eintretenden Abstürze der Philosophie in dieser für das menschliche Lebenso entscheidenden Frage manchmal tieftraurig stimmen und auch den einen oder anderen dahin führen, der Philosophie verzweifelt den Rücken zu kehren. Denn es offenbart sich hier bestimmt eine Tragik des menschlichen Erkenntnisstrebens, die viel schlimmer sein dürfte als diejenige Tragik, die wir überall sonst in dem weiten Raum menschlicher Schicksale beobachten können. Aber wenn irgendwo das Wort von der felix culpa, das uns so verheißungsvoll aus der Karsamstagsliturgie der Kirche entgegenklingt, einen ganz tiefen Sinn hat, dann hat es ihn hier, an der Stelle, wo die menschliche ratio seit Menschengedenken ihren äußersten logischen Scharfsinn eingesetzt hat, um dabei immer wieder die gleiche mystische Katastrophe der Vernunft zu erleben. Und manchmal möchte man geneigt sein, zu sagen, daß eben nicht die Siege der menschlichen Vernunft an diesem entscheidenden Punkte der Metaphysik, sondern gerade ihre beständig wiederkehrenden Niederlagen die eindringlichste Sprache für die Realexistenz des höchsten Wesens zu reden imstande sind. Mehr noch als die positiven Ergebnisse der mit äußerster Akribie seit Jahrhunderten aufgebauten Gottesbeweise ist die Geschichte des menschlichen Irrtums und des menschlichen Zweifels in der philosophischen Gottesfrage ein überwältigendes Zeugnis für das Dasein Gottes. Gerade alle Niederlagen der menschlichen Logik an diesem Kulminationspunkte der Metaphysik sind nichts anderes als die Siege jener höchsten Vernunft, die ihre überwältigende Weisheit immer dann am klarsten hervortreten läßt, wenn sie sich am tiefsten verhüllt hinter der Torheit und Armseligkeit der natürlichen Vernunft.

 

 

 

Du bist,
Du bist in jedem Atemzug,
In jedem Bissen,
In jedem Schritt
In jeder Regung,
So nah,
So weit,
Dass Ich meine
Nicht bist Du .


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                            

  
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