SEEG HEIMATMUSEUM ST. ULRICH KAPELLENWEG IMPRESSIONEN
EINE SEITE VON THEODOR FREY
SEEG im Allgäu
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RÄUME  ZEITEN  MENSCHEN
"Frische Milch ergießt sich ins Glas, dann perlt Honig hinein. Einmal umrühren - und das Wasser läuft im Mund zusammen. Man kann sich vorstellen, wie solch ein Versprechen auf ein Nomadenvolk wirkte, das vor seinem Marsch durch die Wüste mit solch einer Verheißung angespornt wurde. Vor dem Exodus aus Ägypten, bei der Berufung des Mose, spricht Gott im brennenden Dornbusch davon, dass er die Israeliten hinausführen will "in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt" (2. Mose 3,8). Das bedeutete für die Menschen damals aber etwas anderes als die weiße Milchflasche oder der goldene Honig im Supermarktregal. Sie verbanden damit Wälder und Grasland, eine Landschaft, in der üppige Gräser und Blumen die Bienen anlockten. Milch war ein Lebensmittel, das in allen Jahreszeiten verfügbar war; Honig verdarb zudem nicht. Wer die kargen Landschaften Israels anschaut, stellt freilich fest, dass die Vision von der Wald- und Wiesenlandschaft recht vollmundig war. Heute wirkt die Redewendung von Milch und Honig oft wie die Beschreibung einer Utopie." Quelle: Stuttgarter Zeitung
Nur  Utopie oder der aufgezeigte Weg auch im 21. Jahrhundert ? Welche Gestaltungsmöglichkeiten hat eine Dorfgesellschaft heute ? Was kann aus dem, was in der Dorfgestaltung, im Dorfleben, nicht gelungen ist, wieder ausgeglichen werden ?
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SEEG im Allgäu
Seeg ist das Dorf, in dem ich am 29.9.1946 (Michaelitag) geboren wurde, der Ort, an dem ich meine Kindheit und Jugend verbrachte. Das Leben im Dorf hat mich geprägt. Deshalb möchte ich diese Wurzeln auf meinen Seiten ein Gesicht verleihen. Auch dies ist ein Versuch meine Gestaltwerdung besser nachzuempfinden.
IMPULS
IMPULS
EIGENE ZEICHNUNGEN 1967
RÄUME ZEITEN MENSCHEN
Das Vermächtnis widmete Helga Lenkeit („von einer Fremden“) der Gemeinde Seeg und ihrem Forscher Pius Böck
Im Poesiealbum von Theodor Frey, zeichnete Helga Lenkeit, das von ihr entworfene Seeger Wappen.
Seit 1986 zeigt der Museumsverein auf einer Ausstellungsfläche von rund 820 m2 im ehemaligen Schulgebäude seine lokalgeschichtliche Sammlung. Durch den Bau des Museumsstadels 1998, in dem vorwiegend Ausstellungsstücke zur Land- und Forstwirtschaft untergebracht sind, wurde das Museum erheblich vergrößert. Überörtlich bedeutend sind eine Dokumentation zur Uhrmacherfamilie Barensteiner, auch Barnsteiner, die 1647/1837 im Gemeindeteil Kirchthal ansässig war, und ein Kirchturmuhrwerk des 18. Jh. aus ihrer Werkstatt. Die 1994 durch Zufall wiederentdeckten ehemaligen Kirchenfenster der nazarenischen Schule, die 1889/1942 im Chor der Seeger Pfarrkirche St. Ulrich eingebaut waren, sind aus meiner Sicht von besonderer Bedeutung. Heimatmuseen als Partner der Heimatpflege Heimatmuseen stellen heute nicht nur eine wesentliche Bereicherung des regionalen oder lokalen Kulturlebens dar, sondern ergänzen mit ihren oft qualitätsvollen, ja einzigartigen Beständen sehr häufig die staatlichen Museen und Sammlungen und runden mit ihren Leihgaben themenbezogene Ausstellungen großen Stils ab. Mit ihrem ausgeprägten lokalen oder regionalen Bezug sind die Heimatmuseen schließlich die erste Anlaufstelle für all jene, die etwas über die Geschichte und Kultur ihrer Heimat, ihres momentanen Wohnortes oder ihres Urlaubsortes wissen wollen. Gleiches gilt für die Erwachsenenbildung und die Schulen: Fast jedes dieser Museen verfügt zumindest über eine mehr oder weniger umfangreiche orts- oder regionalgeschichtliche Abteilung, die sowohl die historische Bildungsarbeit erleichtert als auch den Schulunterricht ideal ergänzt. Die Heimatmuseen modernen Zuschnitts gehören somit zu den wichtigsten Partnern, Stützen und Informationsträgern der Heimatpflege in Stadt und Land.
HEIMAT- MUSEUM
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WO MILCH & HONIG FLIEßT
Auszüge aus den Aufzeichnungen von Josef Krehut in der Gemeindechronik von Pia Böck Seit 1829 wurden im Allgäu die holländischen Weichkäsesorten erzeugt und von Karl Hirnbein aus Lindenberg im süddeutschen Raum vermarktet. Zu diesem Zweck errichtete er in Ulm eine Art Zentrale, von wo aus er Käse und Schmalz mit Frachtern in alle Himmelsrichtungen schickte. Hirnbein führte außerdem die schon lange aufgegebene Alpwirtschaft wieder ein. Ein Pionier der Käseerzeugung war in unserer Gegend der Bauer Berkmiller aus der Zeller Schweinegg. Er war gebürtiger Schweizer und betrieb die erste Hauskäserei im Füssener Land und wurde Lehrmeister seiner Umgebung. Er käste bereits in den Jahren 1850 - 1860. Der erste Hauskäser in Seeg war der Rößlewirt Ulrich Krösser. Er betrieb eine Käserei von 1860- 1876. Er hatte 20 Milchkühe und war mit Abstand der größte Viehhalter und lieferte Butter und Käse in größeren Mengen bis nach Köln. Der Viehbestand muß zu jener Zeit schon derart zugenommen haben, daß die erzeugte Milch nicht mehr in einer Hauskäserei verarbeitet werden konnte. So haben sich in Seeg 1891 , in anderen Weilern bis zu zehn Jahren früher, die Bauern zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen und begannen im gleichen Jahr mit dem Bau einer eigenen Käsküche. 1893 übernahm Peter Hartmann die neue Sennerei und führte sie bis zu seinem Tode im Jahr 1901. Seine Ehefrau führte dann die Käsküche bis zum Jahre 1922 weiter. Unter Albert Wahl erfolgte die rechtzeitige Umstellung von der Weichkäseerzeugung auf die Erzeugung des Emmentaler-Käses. Im Herbst des Jahres 1938 vergrößerte die Sennereigenossenschaft ihr Gebäude, um Raum für den Reifungsprozeß des Hartkäses zu gewinnen. Nach der Währungsreform im Jahre 1948 stieg von Jahr zu Jahr die Milchanlieferung. Wie der seinerzeitige Käsermeister Lingg erklärte, drängte die Entwicklung in der Milchwirtschaft zu einer Änderung. Er war deshalb keineswegs von der Errichtung der Großmilchwerke überrascht worden. Aber alle Meisterkäser verfolgten die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Großmilchwerke würden nun auch für die Käser eine geregelte Arbeits- und Freizeit bringen, die sie bisher nicht hatten. Die Einbußen der Käser sind aber auf der anderen Seite nicht klein. Wenn auch jeder Käsermeister in dem neuen Milchwerk seinen Arbeitsplatz gesichert hat, so empfindet er die Umstellung doch als eine Zurückstufung vom Meister zum Facharbeiter. Jeder Käsermeister hatte seinen begründeten Stolz, wenn er seinem Arbeitgeber Markenware lieferte und ließ es nicht an Ehrgeiz fehlen. Das Sennereigebäude, die Käsküche, zählte zu den markanten Gebäuden des Ortes, trotzdem es meistens nur sehr leicht gebaut war. Es hatte in der Regel im Erdgeschoß die Fertigungsräume und im Obergeschoß die Wohnungen für den Meisterkäser und den Untersenn. Bald hatte es neben der Kirche und Schule einen führenden Platz im Ortsbild und -leben. Hier wurden morgens und abends die Dorfneuigkeiten ausgetauscht, wenn die Milch angeliefert und von den Verbrauchern geholt wurde. An den Türen der Käsküchen wurden Bekanntmachungen und Einladungen angebracht. Eine schnellere Bekanntmachung gab es durch viele Jahrzehnte hindurch nicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von Jahr zu Jahr der in die Sennereien fließende Milchstrom größer. Die Böden konnten mit Kunstdünger zusätzlich wieder saniert werden. Die Zeit der Pferde war vorbei. Überall wurden sie von den Traktoren verdrängt. In die leeren Roßställe kamen Milchkühe und lieferten mehr Milch. Kleine Landwirtschaften gaben auf, andere stockten durch Kauf oder Zupachtung auf. Das Ende der Sennereien war etwa vor 1970 gekommen. An ihre Stelle traten die Großmilchwerke, die in Tankwagen die Milch beim Hof abholen. Aber mit den Sennereien ging ein Stück echter „Dorfromantik“ verloren, die nicht einmal 100 Jahre gedauert hatte.
Milchwirtschaft in Seeg
Starke Käser . . . (rechts. Weichkäsermeister Magnus Frey)
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Alte Landkarte der Seeger Schule
ohne Forggensee, mit Bahnstrecke Lechbruck nach (Markt)Oberdorf
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FLACHS & LEINEN
DAS BLAUE LAND ?
Auf Peter Dörfler (Allgäu-Triologie) geht die Aussage vom blauen Land zurück. Die Farbe Blau bezieht sich auf den Anbau der blau blühenden Flachspflanze. Es lässt sich jedoch nach der Quellenlage nicht ausreichend belegen, welche wirtschaftliche Bedeutung der Flachsanbau und die Leinenweberei im Allgäu hatte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war - regional unterschiedlich - noch ein großer Teil der Landwirtschaft Ackerbau (Hafer, Weizen, Roggen, Gerste). Auch der Anbau von Hülsenfrüchten und Kartoffeln zum Eigenbedarf erfolgte in den Gärten. Flachs wurde vor allem angebaut um das Leinen für das „Häs“ (Kleidung) und auch Öl für die Lampen und Schmiermittel herstellen zu können. Zwar kam schon um 1800 der erste Schweizer Emmentaler nach Deutschland und mit ihm auch die „Kunst der Käseherstellung“. Mitte des 18. Jahrhunderts aber war die Milch- und Käsewirtschaft noch nicht dominierend, vielmehr bildete der Getreideanbau, die Viehwirtschaft (Zucht des Allgäuer Braunviehs), die Milchproduktion (Enstehung der Molkereien) und der Anbau von Flachs ein „buntes“ Allgäu. Die meisten Bauern hatten nur wenige Kühe, häufig noch Schweine und Hühner. Die 1873 erschienene Darstellung „Das Landvolk des Allgäus in seinem Thun und Treiben“ des Pfarrers und Reichstagsabgeordneten Joseph Schelbert (* 1834 bei Sonthofen) weist darauf hin, dass in der Zeit vor der Blüte der Milchwirtschaft der Anbau von Korn eine große Bedeutung hatte. Für die damals ärmere Bevölkerung war der Flachsanbau und die Leinenweberei eher ein Nebenerwerb. (Quelle: Wikipedia) In den Wintermonaten wurde Garn gesponnen und aus diesem entstand an den Webstühlen das begehrte Leinen, das auf den Märkten, zum Beispiel in Immenstadt, auf Qualität geprüft und in alle Welt verkauft wurde. Insoweit spielte die Leinenherstellung vielleicht nicht die so oft erwähnte herausragende, aber doch eine wirtschaftlich nicht zu unterschätzende Rolle. Als mit dem Aufkommen der Baumwolle (etwa 1830) auch diese Erwerbsquelle wegfiel, war der Druck für die Familien mit ihren vielen Kindern groß, sich andere Einnahmequellen zu erschließen oder sogar das Glück in der „Neuen Welt“ zu suchen.
BUNTE
Die meisten aus dem Seeger Land verließen ihre Heimat zwischen 1860 und 1890. Es war weniger das Abenteuer, als vielmehr der Hunger und bittere Not, die die Menschen zu diesem unwiderruflichen Schritt drängte. Da die Landwirtschaft in der bergigen Landschaft nicht sehr ergiebig war, wurde ca. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Flachs (= Lein) angebaut und in Webstuben oder -keller weiter verarbeitet. Verdrängt wurde das Leinen im 19. Jahrhundert von der billigeren Baumwolle. Erst Karl Hirnbein und Johann Althaus war es durch die Umstellung auf Milchwirtschaft und deren erfolgreichen Vermarktung gelungen, dass die Bauern auch mit der Milchwirtschaft Geld verdienen konnten. Auch ging im 19. Jahrhundert die Kindersterblichkeit erheblich zurück, so dass die Nachkommen kaum Aussichten eine gesicherte Existenz aufzubauen. Ein Ausweg war auch in diesen Fällen die Auswanderung in das „gelobte Land“. Welche Schicksale damit verbunden waren, zeigt sich zum Beispiel an der Familie Günther (Dederles/Seeweiler), die bei der Überquerung des Altantik im Jahre 1865 beim Untergang des Schiffes ihr Leben verloren. Weitere Auswanderungen erfolgten nach dem 1. Weltkrieg und in den Inflationsjahren. Es wäre interessant zu erfahren, welche Schicksale die Seeger in der Neuen Welt erfahren haben.
IMPULS
AUSWANDERER
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FLACHS & LEINEN
DAS BLAUE LAND ?
BUNTE
IMPULS
AUSWANDERER
IMPULS
SEEGER FRAUEN BEIM BRECHEN DES FLACHSES
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MOOS & WASEN
DAS MOOSLAND ?
Wasenstechen
Sind Moose nur unnütze Feuchtgebiete? So wurden sie lange gesehen und immer mehr Flächen in landwirtschaftlich nutzbare Grünflächen umgewandelt. Dazu mussten die Moose entwässert werden. Dies geschah mit Hilfe von Entwässerungskanälen (Drainagen) durch die das Wasser abgeleitet wurde. Noch in den Nachkriegsjahren wurden auch im Kirchthaler Filz Wasen gestochen. Wasen waren ein billigeres Brennmaterial als Holz oder Kohle. Heute wird immer mehr erkannt, welchen Beitrag die Moore zur Bewahrung unserer Umwelt darstellen, z. B. als CO 2 - (Kohlendioxid)- Speicher, als Wasserspeicher und als Schutzgebiete für Pflanzen und Insekten und nichtzuletzt als ästhetischer Beitrag für unsere Sinne.
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Der Adler war der vornehmere Teil des ehemaligen Reichs- und Meierhofs, weil hier der Wohnsitz des Meierherrn war und bis zum Bau des Amperhauses Nr. 1 auch der Sitz des Amtmanns. Im alten Kataster sind neben dem Hauptgebäude noch das Brauereigebäude mit Keller, Stadel, Stall, Küferei, das Torfmagazin und Dienstbotenwohnungen eingetragen. Seit 1424 sind die Inhaber dieses bischöflichen Herrenguts bekannt: ein "Haintz Frölich hat zusätzlich ein Jauchert Acker empfangen" (als Lehen); seit 1510 hatte es Hans Frölich inne, der 1529 dafür Daffern geld (Taferngeld) entrichtete. 1544 heiratete Hans Herkomer aus Rückholz, der Ururgroßvater des Füssener Baumeisters , die Tochter Barbara des Bäckers und Tafernwirts Hans Frelich aus Seeg. Herkomer war nun der Adlerwirt und erwarb bald ein weiteres halbes Herrengut dazu. 1592 übernahm sein Sohn Peter Herkomer das Gut. Schon 1596 verkaufte er, da er kein weiteres Darlehen auftreiben konnte, an seinen Vetter gleichen Namens aus Rückholz ein Gut, "Maierhof genannt". Danach scheint er auf seinem anderen Gut, der Kreuzwirtschaft, gelebt zu haben. Sein Sohn Christof war der Vater von Balthus Herkomer, der 1629 heiratete und nach dem Brand von 1635 nach Sameister zog und dessen Sohn der Baumeister Herkomer war, der die Pläne zum Umbau der Seeger Kirche fertigte. Auf dem Anwesen waren auch Eugen Gabler (Aschau-Murnau) und Antonie Rauschmann (Nesselwang) ansässig. Sie verkauften die Brauerei 1908 an die Aktienbrauerei Kaufbeuren. Nach einer Renovierung mit Einbau eines Saales kaufte sie 1919 der Metzgermeister Jörg. Was geschieht 2019 mit dem Anwesen?
ADLERWIRT
MOHRENWIRT
Amperhaus
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EISEN IM OSTALLGÄU
Aus dem „Füssener Blatt“ in unseliger Zeit (vom 15. Januar 1944)
Der hl. Magnus findet am Säuling Eisenerz (Aus der Magnuslegende, St. Gallen, Stiftsbibliothek, cod. 602 um 1451)
Die vorwiegend unter den Herrn von Hohenegg und den Äbten von St. Mang sowie vom Kloster Steingaden betriebenen Gruben und Eisenschmelzen waren keine großen Bergwerke bzw. Hüttenwerke. Das gebrochene Erz wurde an Ort und Stelle verhüttet. Die dazu notwendige Holzkohle wurde aus den Wäldern der Umgebung bezogen. Namen wie Zunderkopf deuten auf die einstigen Standorte der Kohlenmeiler hin. Flurnamen wie Arzgraben oder Erzgraben. . .sind Relikte des einstigen Bergbaues. Die Inhaber des Bergregals vergaben das Schürfrecht an eigenlehner, die ihrerseits das Erz an die Schmelzen verkauften. In der Füssener Gegend profitierten um 1750 noch 12 Hammerwerke vom Bergbau. Quelle: Ostallgäu - Einst und Jetzt - 1984
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1952 und 1953 machte Theodor Heuss, der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland Urlaub am Schwaltenweiher. Dazu wurde die Straße nach Schwalten verbreitert und geteert.
DORFGESCHICHTE(N)
Das Standardwerk über Seeg ist bis heute ist die Chronik von Pia Böck - „Seeg , wie es war - wie es ist“ aus dem Jahre 1989. Es fußt auch auf der von ihrem Vater, Pius Böck, verfassten Schrift „Seeg, das kleine Bistum im Allgäu“. 1930 hat Marcus Singer ein Allgäuer Heimatbuch für Schule und Haus unter dem Titel: „Seeg und Umgebung in Geschichte und Sage“ herausgegeben. Er erwähnt im Quellennachweis von Dr. E. H. von Ried, München die Publikatio1n: „Beiträge zur Geschichte der Pfarrei Seeg“.
Über die Zeit von 1933 bis 1945 gibt es von Seeg in der Chronik von Pia Böck nur spärliche Hinweise. Wäre das nicht gerade heute (2019) ein lohnendes Erkundungsfeld? Ein Beispiel für die Befindlichkeiten um 1930 ist das Schlußwort im Heimatbuch von Marcus Singer. Ein aufschlußreiches, erschreckendes Zeugnis seiner Zeit.
1959 Abriss des Feuerwehrhauses und Erstellung des Rathauses (1961). Es ist kein Bau, der dem Dorf etwas Sehenswertes hinzugefügt hat. Schade, aber wohl auch der Nachkriegszeit geschuldet.
Theodor Rinderle Bürgermeister
Hans Gassner Malermeister
2009 stattete Horst Köhler, der neunte Präsident der Bundesrepublik Deutschland mit seiner Frau der Gemeinde Seeg und Irene und Theodor Waigel einen Besuch ab. Er eröffnete den Theodor Waigel Weg, der durch den Dorfanger führt.
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DORFGESCHICHTE(N)
PFARRER KARL KNAUS 1886 - 1961
5.11.1936 Pfarrer in Seeg „Als er sich nach 1933 zu sehr als mutiger Kritiker der NS-Politik exponierte und das schillernde Wort vom 'positiven Christentum' durchschaut hatte, wechselte er [von Kühbach bei Aichach] in die Pfarrei Seeg bei Füssen. Dort „rettete“ ihn ein Reichskultursenator, der früher in Buchenbühl im Westallgäu lebende Schriftsteller Edwin Erich Dwinger, vor der Verhaftung. 'Unser Pfarrer ist durch und durch sozial, durch und durch national', sagte man in seinen Gemeinden." (Quelle: Hermann Mors) In den Qualifikationsbogen finden sich folgende Hinweise: "Predigt in jeder Beziehung gut, vielleicht manchmal zu starke Ausdrücke" "Sehr tätig im kath. Arbeiter- und Arbeiterinnenverein" "Beschäftigt sich viel mit der sozialen Frage ... Ein Draufgänger, der es gut meint aber vielleicht mehr erreichen würde, wenn er sich mehr Reserve auflegen würde. Vorwurf der "stillen Gegenpropaganda" gegen das NS-Regime An die Regierung von Schwaben u.Nbrg. wurde im Juni 1938 gemeldet: Die "Gemeinde Seeg ist politisch immer noch nicht zur Ruhe gekommen." Es "geht die Meinung vieler Pg. [wohl: Partei- genossen] dahin, daß die seitens Pfarrer Knaus und des Kaplans Hefele, ... nicht greifbare stille Gegenpropaganda gegen alles was nationalsoz. ist, die eigentliche Ursache der Unruhe darstellt. Der Unruheherd kann nur dadurch aus der Welt geschafft werden, wenn seitens der Reg. beim B. Ordinariat in Augsb. die sofortige Versetzung des Geistlichen durchgesetzt, zu mindestens aber bei beiden die Erlaubnis zur Ausübung des Religionsunterrichtes widerrufen wird." Das Ordinariat schreibt in seiner Stellungnahme, daß der größte Teil der Gemeinde hinter den beiden Seelsorgern steht und es großes Aufsehen erregen würde, wenn Maßnahmen ergriffen werden würden und beteuert: "Die beiden Geistlichen werden sich bemühen in kirchlicher und vaterländischer Treue friedlich weiter zu wirken."
1941 - 1944 Am 1.1.1944 ging folgender Antrag auf den Erlass eines Strafbefehls an das Amtsgericht Füssen. Das Dokument (Abschrift) liegt beim Bayerischen Hauptstaatsarchiv unter der Nummer MK 37915: " Nach einer Anzeige der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizei -Leitstelle München vom 18.11.1943 haben Sie der Verordnung über die Handhabung des Feiertagsrechtes während des Krieges [vom 27.10.1941 - RGBl. I.S. 662] zuwidergehandelt: Nach dieser Verordnung wurde für die Dauer des Krieges der Fronleichnamstag auf den darauffolgenden Sonntag verlegt; der Wochentag, auf den das Fronleichnamsfest fällt, ist ein Werktag, das Abhalten von kirchlichen Veranstaltungen ist für die Kriegsdauer auf den Umfang der Veranstaltungen an gewöhnlichen Werktagen zu beschränken. Demnach haben Sie am 26.6.1943 (Fronleichnamstag) in der Pfarrkirche in Seeg eine Messe unter Mitwirkung des Kirchenchores abgehalten. Der Kirchenchor singt sonst an gewöhnlichen Werktagen nur bei Hochzeiten und Beerdigungen, die Mitwirkung des Kirchenchores bei der Messe am 24.6.1943 ging also über den an gewöhnlichen Werktagen üblichen Rahmen hinaus. Wenn auch die Anregung hiezu von Mitgliedern des Kirchenchores ausgegangen ist, so hätten Sie doch diesem Wunsche nicht nachgeben dürfen." "Beweismittel: Zeugnis des Meisters der Gendarmarie [Handschriftlich eingefügt: Schmitt] in Seeg." Beantragt wurde eine Geldstrafe von "50 Reichsmark festzusetzen, an deren Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit eine Gefängnisstrafe von 10 Tagen tritt und dem Beschuldigten die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen."
NAZISMUS
Aus der Zeit des
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DORFGESCHICHTE(N)
NAZISMUS
Aus der Zeit des
Von Christbaum ist nicht die Rede . . .
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VERBLENDUNG
NAZISMUS
Aus der Zeit des
Wer hätte 1939 gedacht . . .
Von der großen Gotteswaage . . .
Wenn wir nicht siegen . . .
Die Leidenschaften übertönen die Vernunft
. . .
Sonst ist das Leben nicht mehr lebenswert . . .
Die Seelenkraft und Seelentiefe des Führers . . .
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DORFGESCHICHTE(N)
DER ERSTE FENDT "GING" NACH SEEG Die handwerkliche Tradition der Familie Fendt geht zurück bis an den Anfang des 17. Jahrhunderts. Im Jahr 1635 ließ sich Schlossermeister und Turmuhrbauer Sylvester Fendt im Alter von 34 Jahren in Oberdorf (heute Marktoberdorf) nieder und begründete die Oberdorfer Fendt-Linie. Die Kirchturmuhrenherstellung wurde über einige Generationen betrieben. Im Jahr 1898 übernahm Johann Georg Fendt als Spezialist für Turmuhren und Bleizugmaschinen den Betrieb seines Vaters Franz Xaver Fendt. Er erkannte schnell, dass die Zeit des Kirchenbaus vorbei war und begann den Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen und Geräten, sowie deren Reparatur. Mit sehr viel Mut und handwerklichem Geschick gingen Johann Georg Fendt und sein Sohn Hermann inmitten der Weltwirtschaftskrise ans Werk. Ihre neue Idee war ein Kleinschlepper für die Allgäuer Wirtschaft. Nach einer etwa zweijährigen Orientierungsphase, vor allem mit dem Benzingrasmäher, war es 1930 so weit: Der erste Fendt- Dieselkleinschlepper konnte an den fortschrittlichen Landwirt Peter Guggemoss aus Burk bei Seeg im Allgäu ausgeliefert werden. Der zweite Fendt mit Dieselmotor ging im selben Jahr an den Marktoberdorfer Landwirt und Brauereibesitzer Franz Sailer. Er nannte seinen Schlepper "Dieselross". Damit war eine neue Marke geboren: Das Fendt-Dieselross. Zum 75 jährigen Jubiläum gab's einen Dieselross für Kinder.