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ÜBERSICHT DER HAUPTTHEMEN

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EINTRÄGE OKTOBER/ NOVEMBER/DEZEMBER 2006

ZU DEN ÄLTEREN EINTRÄGEN

10.12.2006

Hat der Papst kein Interesse an der Ökumene?

08.12.2006

Mut zur Weite der Vernunft, nicht Absage an ihre Größe

05.12.2006

DIE PHILOSOPHIE ROSENZWEIGS IN BEZUG AUF MEIN DENKEN

Der Mensch ist 

und ist einsames Selbst

hier mehr ...

 

01.12.2006

Olivenhain

29.11.2006

Öffnung der nationalen Lebensformen

mehr hier ...

28.11.2006

Der Papst und Europa

Siehe auch: 
Vernunft und Glaube

27.11.2006

Aktualität der Bayerische Verfassung

26.11.2006

Zwischen Sein und Nichts 

25.11.2006

ICH das ewige Rätsel

23.11.2006

Die Welt von innen schmecken

22.11.2006

Handle so, als ob das Leben
ein Geschenk, die Welt ein Licht sein könnte.

Ludger Lütkehaus

20.11.2006

ZEIT UND RAUM 
RÄTSEL DER WIRKLICHKEIT

18.11.2006

Der Olymp des Klaus Mann

DAZWISCHENSEIN

NEU

        

17.11.2006

Ort der Kräfte verleiht

NEU

Determinismus und Freiheit
(Vortrag von Ernst Tugendhat)

09.11.2006

Steine mit Leben füllen

04.11.2006

Die glühende Mitte des Kosmos

30.10.2006

Das Ich als Knoten im Faden des Determinismus

28.10.2006

Empfinden und Erkenntnis

27.10.2006

Moral braucht den Umweg über das Glück

25.10.2006

Feuerprobe des Herzens

22.10.2006

Der souveräne, freie Blick 

20.10.2006

Zeitgebilde mit Jansons und Kremer 

19.10.2006

Vernunft und Glaube

18.10.2006

Erinnerung an Stefani Jarke

17.10.2006

ABSOLUTE WILSON

16.10.2006

Zwei Sendung mit Eugen Biser 

14.10.2006

Hannah Arendt, die Leidenschaft des Denkens

13.10.2006

Friedensnobelpreis für "Bankier der Armen"

12.10.2006

Vortrag von Robert Spaemann

 

 

 

 

   EINTRÄGE  OKTOBER BIS DEZEMBER 2006

10.12.2006

Hat der Papst kein Interesse an der Ökumene?

Prof. Friedrich Wilhelm Graf (Inhaber des Lehrstuhls für Systematische Theologie und Ethik an der Uni München - "Die Wiederkehr der Götter") geht in einem ausführlichen Artikel in der SZ am 6.12.2006 auf die Regensburger Ansprache von Papst Benedikt XVI. ein. Ich möchte seine Ausführungen zu den kultur- und religionspoltitischen Intentionen unkommentiert den Kernaussagen von Papst Benedikt gegenüberstellen und dem Leser überlassen zu beurteilen, ob diese starken Interpretationen wirklich aus der Rede abgeleitet werden können. 

"Nur wer der europäischen Kultursynthese von biblischer Überlieferung und griechischem Geist folge, sei wahrhaft Christ. Den boomenden neuen Christentümern der südlichen Hemisphäre bestreitet der Papst damit jede christliche Legitimität. Indem er 'die Reformation' als erste Enthellinisierungswelle deutet, formuliert er eine radikale antiprotestantische religionspolitische Agenda. Seine Kritik gilt insbesondere den protestantischen Pfingstkirchen, zu denen in den letzten Jahren allein in Lateinamerika mehrer Millionen Katholiken konvertiert sind.

Kein vernünftiger Deutscher kann ein Interesse an neuen innerchristlichen Konfessionskonflikten und Kulturkämpfen haben. Aber gebotener intellektueller Respekt gegenüber dem Regensburger Redner zwingt dazu, seine implizite Botschaft ernst zu nehmen. Der Bischof von Rom spricht rund 400 Millionen Menschen, die sich als Christen bekennen wahre - weil dem griechischen Geist verpflichtete - Christlichkeit ab. ... [Das versteh ich nicht; Weil sie dem griechischen Geist verpflichtet oder nicht verpflichtet sind?]

Gerade weil er aus Deutschland kommt, weiß er, dass das, was in Deutschland Ökumene heißt, bloß ein nationales, germanisches Problem ist. Allein in Deutschland sind Katholizismus und Protestantismus mit je einem Drittel der Bevölkerung gleich starke Konfessionen. Warum sollte dies einen Papst noch interessieren, der seine Bündnispartner nun einmal in den orthodoxen Christentümern sucht?"

 

08.12.2006

Mut zur Weite der Vernunft, nicht Absage an ihre Größe

Die umstrittene Regensburger Rede in der Aula Magna der Universität Regensburg am, 12. September 2006 von Papst Benedikt XVI. liegt jetzt unter dem Titel "Glaube und Vernunft" in Buchform vor. Der Buchtext ist gegenüber der Originalrede an mehreren Stellen verändert und wird von Karl Kardinal Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, von Adel Theodor Khoury, Religionswissenschaftler in Münster, und von der Präsidentin der Europa-Universität in Frankfurt an der Oder, Gesine Schwan, kommentiert. Erschienen ist das Werk bei Herder, Freiburg.

Hier die wesentlichsten Aussagen seiner Ansprache:

 

Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit.[...]

An dieser Stelle tut sich ein Scheideweg im Verständnis Gottes und so in der konkreten Verwirklichung von Religion auf, der uns heute ganz unmittelbar herausfordert.

Ist es nur griechisch zu glauben, daß vernunftwidrig zu handeln dem Wesen Gottes zuwider ist, oder gilt das immer und in sich selbst?

 

Ich denke, daß an dieser Stelle der tiefe Einklang zwischen dem, was im besten Sinn griechisch ist, und dem auf der Bibel gründenden Gottesglauben sichtbar wird.

 

Den ersten Vers der Genesis... hat Johannes den Prolog seines Evangeliums mit dem Wort eröffnet: Im Anfang war der Logos.  ... Logos ist Vernunft und Wort zugleich – eine Vernunft, die schöpferisch ist und sich mitteilen kann, aber eben als Vernunft.  Johannes hat uns damit das abschließende Wort des biblischen Gottesbegriffs geschenkt, in dem alle die oft mühsamen und verschlungenen Wege des biblischen Glaubens an ihr Ziel kommen und ihre Synthese finden.

 

Heute wissen wir, daß die in Alexandrien entstandene griechische Übersetzung des Alten Testaments – die Septuaginta ... ein selbständiger Textzeuge und ein eigener wichtiger Schritt der Offenbarungsgeschichte ist, in dem sich diese Begegnung auf eine Weise realisiert hat, die für die Entstehung des Christentums und seine Verbreitung entscheidende Bedeutung gewann.

 

Hier ist der Redlichkeit halber anzumerken, daß sich im Spätmittelalter Tendenzen der Theologie entwickelt haben, die diese Synthese von Griechischem und Christlichem aufsprengen. Gegenüber dem sogenannten augustinischen und thomistischen Intellektualismus beginnt bei Duns Scotus eine Position des Voluntarismus, die schließlich in den weiteren Entwicklungen dahinführte zu sagen, wir kennten von Gott nur seine Voluntas ordinata. Jenseits davon gebe es die Freiheit Gottes, kraft derer er auch das Gegenteil von allem, was er getan hat, hätte machen und tun können. Hier zeichnen sich Positionen ab, die auf das Bild eines Willkür-Gottes zulaufen könnten, der auch nicht an die Wahrheit und an das Gute gebunden ist. 

Die Transzendenz und die Andersheit Gottes werden so weit übersteigert, daß auch unsere Vernunft, unser Sinn für das Wahre und Gute kein wirklicher Spiegel Gottes mehr sind, dessen abgründige Möglichkeiten hinter seinen tatsächlichen Entscheiden für uns ewig unzugänglich und verborgen bleiben.

 

Demgegenüber hat der kirchliche Glaube immer daran festgehalten, daß es zwischen Gott und uns, zwischen seinem ewigen Schöpfergeist und unserer geschaffenen Vernunft eine wirkliche Analogie gibt, in der zwar – wie das Vierte Laterankonzil 1215 sagt – die Unähnlichkeiten unendlich größer sind als die Ähnlichkeiten, aber eben doch die Analogie und ihre Sprache nicht aufgehoben werden. 

 

Gott wird nicht göttlicher dadurch, daß wir ihn in einen reinen und undurchschaubaren Voluntarismus entrücken, sondern der wahrhaft göttliche Gott ist der Gott, der sich als Logos gezeigt und als Logos liebend für uns gehandelt hat. Gewiß, die Liebe „übersteigt“, wie Paulus sagt, die Erkenntnis und vermag daher mehr wahrzunehmen als das bloße Denken (vgl. Eph 3, 19), aber sie bleibt doch Liebe des Gottes-Logos, weshalb christlicher ... Gottesdienst, der im Einklang mit dem ewigen Wort und mit unserer Vernunft steht (vgl. Röm 12, 1).

Dieses hier angedeutete innere Zugehen aufeinander, das sich zwischen biblischem Glauben und griechischem philosophischem Fragen vollzogen hat, ist ein nicht nur religionsgeschichtlich, sondern weltgeschichtlich entscheidender Vorgang, der uns auch heute in die Pflicht nimmt. Wenn man diese Begegnung sieht, ist es nicht verwunderlich, daß das Christentum trotz seines Ursprungs und wichtiger Entfaltungen im Orient schließlich seine geschichtlich entscheidende Prägung in Europa gefunden hat. Wir können auch umgekehrt sagen: Diese Begegnung, zu der dann noch das Erbe Roms hinzutritt, hat Europa geschaffen und bleibt die Grundlage dessen, was man mit Recht Europa nennen kann.

 

Der These, daß das kritisch gereinigte griechische Erbe wesentlich zum christlichen Glauben gehört, steht die Forderung nach der Enthellenisierung des Christentums entgegen, die seit dem Beginn der Neuzeit wachsend das theologische Ringen beherrscht. Wenn man näher zusieht, kann man drei Wellen des Enthellenisierungsprogramms beobachten, die zwar miteinander verbunden, aber in ihren Begründungen und Zielen doch deutlich voneinander verschieden sind.[11]

 

Die Enthellenisierung erscheint zuerst mit den Anliegen der Reformation des 16. Jahrhunderts verknüpft. Die Reformatoren sahen sich angesichts der theologischen Schultradition einer ganz von der Philosophie her bestimmten Systematisierung des Glaubens gegenüber, sozusagen einer Fremdbestimmung des Glaubens durch ein nicht aus ihm kommendes Denken. Der Glaube erschien dabei nicht mehr als lebendiges geschichtliches Wort, sondern eingehaust in ein philosophisches System. Das Sola Scriptura sucht demgegenüber die reine Urgestalt des Glaubens, wie er im biblischen Wort ursprünglich da ist.

 

Metaphysik erscheint als eine Vorgabe von anderswoher, von der man den Glauben befreien muß, damit er ganz wieder er selber sein könne. In einer für die Reformatoren nicht vorhersehbaren Radikalität hat Kant mit seiner Aussage, er habe das Denken beiseite schaffen müssen, um dem Glauben Platz zu machen, aus diesem Programm heraus gehandelt. Er hat dabei den Glauben ausschließlich in der praktischen Vernunft verankert und ihm den Zugang zum Ganzen der Wirklichkeit abgesprochen.

 

Die liberale Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts brachte eine zweite Welle im Programm der Enthellenisierung mit sich, für die Adolf von Harnack als herausragender Repräsentant steht. ...

 

Als Kerngedanke erscheint bei Harnack die Rückkehr zum einfachen Menschen Jesus und zu seiner einfachen Botschaft, die allen Theologisierungen und eben auch Hellenisierungen voraus liege: Diese einfache Botschaft stelle die wirkliche Höhe der religiösen Entwicklung der Menschheit dar. Jesus habe den Kult zugunsten der Moral verabschiedet. Er wird im letzten als Vater einer menschenfreundlichen moralischen Botschaft dargestellt. Dabei geht es Harnack im Grunde darum, das Christentum wieder mit der modernen Vernunft in Einklang zu bringen, eben indem man es von scheinbar philosophischen und theologischen Elementen wie etwa dem Glauben an die Gottheit Christi und die Dreieinheit Gottes befreie. Insofern ordnet die historisch-kritische Auslegung des Neuen Testaments, wie er sie sah, die Theologie wieder neu in den Kosmos der Universität ein: Theologie ist für Harnack wesentlich historisch und so streng wissenschaftlich. Was sie auf dem Weg der Kritik über Jesus ermittelt, ist sozusagen Ausdruck der praktischen Vernunft und damit auch im Ganzen der Universität vertretbar. Im Hintergrund steht die neuzeitliche Selbstbeschränkung der Vernunft, wie sie in Kants Kritiken klassischen Ausdruck gefunden hatte, inzwischen aber vom naturwissenschaftlichen Denken weiter radikalisiert wurde.

 

Diese moderne Auffassung der Vernunft beruht auf einer durch den technischen Erfolg bestätigten Synthese zwischen Platonismus (Cartesianismus) und Empirismus, um es verkürzt zu sagen.

Auf der einen Seite wird die mathematische Struktur der Materie, sozusagen ihre innere Rationalität vorausgesetzt, die es möglich macht, sie in ihrer Wirkform zu verstehen und zu gebrauchen: Diese Grundvoraussetzung ist sozusagen das platonische Element im modernen Naturverständnis. Auf der anderen Seite geht es um die Funktionalisierbarkeit der Natur für unsere Zwecke, wobei die Möglichkeit der Verifizierung oder Falsifizierung im Experiment erst die entscheidende Gewißheit liefert. Das Gewicht zwischen den beiden Polen kann je nachdem mehr auf der einen oder der anderen Seite liegen. ...

 

Dies bringt zwei für unsere Frage entscheidende Grundorientierungen mit sich. Nur die im Zusammenspiel von Mathematik und Empirie sich ergebende Form von Gewißheit gestattet es, von Wissenschaftlichkeit zu sprechen. Was Wissenschaft sein will, muß sich diesem Maßstab stellen. So versuchten dann auch die auf die menschlichen Dinge bezogenen Wissenschaften wie Geschichte, Psychologie, Soziologie, Philosophie, sich diesem Kanon von Wissenschaftlichkeit anzunähern.

 

Wichtig für unsere Überlegungen ist aber noch, daß die Methode als solche die Gottesfrage ausschließt und sie als unwissenschaftliche oder vorwissenschaftliche Frage erscheinen läßt. Damit aber stehen wir vor einer Verkürzung des Radius von Wissenschaft und Vernunft, die in Frage gestellt werden muß.

 

... Wenn dies allein die ganze Wissenschaft ist, dann wird der Mensch selbst dabei verkürzt. Denn die eigentlich menschlichen Fragen, die nach unserem Woher und Wohin, die Fragen der Religion und des Ethos können dann nicht im Raum der gemeinsamen, von der so verstandenen „Wissenschaft“ umschriebenen Vernunft Platz finden und müssen ins Subjektive verlegt werden.

 

Das Subjekt entscheidet mit seinen Erfahrungen, was ihm religiös tragbar erscheint, und das subjektive „Gewissen“ wird zur letztlich einzigen ethischen Instanz. So aber verlieren Ethos und Religion ihre gemeinschaftsbildende Kraft und verfallen der Beliebigkeit. Dieser Zustand ist für die Menschheit gefährlich: Wir sehen es an den uns bedrohenden Pathologien der Religion und der Vernunft, die notwendig ausbrechen müssen, wo die Vernunft so verengt wird, daß ihr die Fragen der Religion und des Ethos nicht mehr zugehören. Was an ethischen Versuchen von den Regeln der Evolution oder von Psychologie und Soziologie her bleibt, reicht einfach nicht aus.

 

...[Ich muß ] noch kurz die dritte Enthellenisierungswelle andeuten, die zurzeit umgeht. Angesichts der Begegnung mit der Vielheit der Kulturen sagt man heute gern, die Synthese mit dem Griechentum, die sich in der alten Kirche vollzogen habe, sei eine erste Inkulturation des Christlichen gewesen, auf die man die anderen Kulturen nicht festlegen dürfe. Ihr Recht müsse es sein, hinter diese Inkulturation zurückzugehen auf die einfache Botschaft des Neuen Testaments, um sie in ihren Räumen jeweils neu zu inkulturieren.

Diese These ist nicht einfach falsch, aber doch vergröbert und ungenau. Denn das Neue Testament ist griechisch geschrieben und trägt in sich selber die Berührung mit dem griechischen Geist, die in der vorangegangenen Entwicklung des Alten Testaments gereift war. Gewiß gibt es Schichten im Werdeprozeß der alten Kirche, die nicht in alle Kulturen eingehen müssen. Aber die Grundentscheidungen, die eben den Zusammenhang des Glaubens mit dem Suchen der menschlichen Vernunft betreffen, die gehören zu diesem Glauben selbst und sind seine ihm gemäße Entfaltung.

 

Die eben in ganz groben Zügen versuchte Selbstkritik der modernen Vernunft schließt ganz und gar nicht die Auffassung ein, man müsse nun wieder hinter die Aufklärung zurückgehen und die Einsichten der Moderne verabschieden. Das Große der modernen Geistesentwicklung wird ungeschmälert anerkannt: Wir alle sind dankbar für die großen Möglichkeiten, die sie dem Menschen erschlossen hat und für die Fortschritte an Menschlichkeit, die uns geschenkt wurden. 

 

Das Ethos der Wissenschaftlichkeit ... ist im übrigen Wille zum Gehorsam gegenüber der Wahrheit und insofern Ausdruck einer Grundhaltung, die zu den wesentlichen Entscheiden des Christlichen gehört. Nicht Rücknahme, nicht negative Kritik ist gemeint, sondern um Ausweitung unseres Vernunftbegriffs und -gebrauchs geht es. Denn bei aller Freude über die neuen Möglichkeiten des Menschen sehen wir auch die Bedrohungen, die aus diesen Möglichkeiten aufsteigen, und müssen uns fragen, wie wir ihrer Herr werden können. Wir können es nur, wenn Vernunft und Glaube auf neue Weise zueinanderfinden; wenn wir die selbstverfügte Beschränkung der Vernunft auf das im Experiment Falsifizierbare überwinden und der Vernunft ihre ganze Weite wieder eröffnen. In diesem Sinn gehört Theologie nicht nur als historische und humanwissenschaftliche Disziplin, sondern als eigentliche Theologie, als Frage nach der Vernunft des Glaubens an die Universität und in ihren weiten Dialog der Wissenschaften hinein.

 

Nur so werden wir auch zum wirklichen Dialog der Kulturen und Religionen fähig, dessen wir so dringend bedürfen.

 

In der westlichen Welt herrscht weithin die Meinung, allein die positivistische Vernunft und die ihr zugehörigen Formen der Philosophie seien universal. Aber von den tief religiösen Kulturen der Welt wird gerade dieser Ausschluß des Göttlichen aus der Universalität der Vernunft als Verstoß gegen ihre innersten Überzeugungen angesehen. Eine Vernunft, die dem Göttlichen gegenüber taub ist und Religion in den Bereich der Subkulturen abdrängt, ist unfähig zum Dialog der Kulturen.

 

Dabei trägt .. die moderne naturwissenschaftliche Vernunft mit dem ihr innewohnenden platonischen Element eine Frage in sich, die über sie und ihre methodischen Möglichkeiten hinausweist. Sie selber muß die rationale Struktur der Materie wie die Korrespondenz zwischen unserem Geist und den in der Natur waltenden rationalen Strukturen ganz einfach als Gegebenheit annehmen, auf der ihr methodischer Weg beruht. 

 

Aber die Frage, warum dies so ist, die besteht doch und muß von der Naturwissenschaft weitergegeben werden an andere Ebenen und Weisen des Denkens – an Philosophie und Theologie. Für die Philosophie und in anderer Weise für die Theologie ist das Hören auf die großen Erfahrungen und Einsichten der religiösen Traditionen der Menschheit, besonders aber des christlichen Glaubens, eine Erkenntnisquelle, der sich zu verweigern eine unzulässige Verengung unseres Hörens und Antwortens wäre.

 

... Der Westen ist seit langem von dieser Abneigung gegen die grundlegenden Fragen seiner Vernunft bedroht und könnte damit einen großen Schaden erleiden. Mut zur Weite der Vernunft, nicht Absage an ihre Größe – das ist das Programm, mit dem eine dem biblischen Glauben verpflichtete Theologie in den Disput der Gegenwart eintritt.

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05.12.2006

DIE PHILOSOPHIE ROSENZWEIGS IN BEZUG AUF MEIN DENKEN


GOTT - mythischer Gott

WELT - plastische Welt

MENSCH - tragischer Mensch


Gott ist 

und ist seiendes Leben

Die Welt ist 

und ist 'begeistete' Gestalt

Der Mensch ist 

und ist einsames Selbst

hier mehr ...


01.12.2006

Olivenhain


Zwei Entdeckungen:

  Die Komponistin Onute Narbutaite mit ihrem Werk "Melody in the Garden of Olives (2000) für Trompete und zwei Streichquartette" 

"Der Titel des Stücks bezieht sich auf Jesus' letztes Gebet im Olivengarten. ... Es handelt sich einfach um eine sehr persönliche Melodie innerhalb meiner Assoziationen. Mein Werk ist reine Musik, die aus dem Lied entsteht, aus Hymnen. Wie das Singen der Seele.
... Es geht einfach um die ewigen Dinge, die Komponisten aller Generationen auf ihre Art fortführen. ... Meine Werke haben häufig ein offenes Ende." 
(Aus einem Gespräch mit Onute Narbutaite anläßlich der Uraufführung 2000)

  Textpassage über Ölbäume im Buch von Walter Kappacher in "Selina - oder das andere Leben"

"Am liebsten schaute er auf die Olivenbäume direkt vor ihm. Ihre knorrige Gestalt, ihr eigenwillig ausgestrecktes verwinkeltes Geäst - sie schienen sich mitzuteilen. Wenn er sie lange genug betrachtete, und nichts mehr dachte, schien er manchmal für einen Augenblick ihr Wesen zu verstehen; in Worte hätte er, was sie ausdrückten, nicht übersetzen können. Abends schimmerten ihre zerfurchten, schief gewachsenen Stämme in einem silbrigen Graublau. Nie wurde er müde, sie anzuschauen, wie sich ihre Erscheinung wandelte, bis sie sich völlig in der Schwärze der Landschaft auflösten und nur noch das zarte junge Geäst ihrer Kronen, das über die schwarze Masse der Hügel hinausragte, gegen den etwas helleren Nachthimmel sichtbar war, fein wie Spinnweben.


30.11.2006

Papst Benedikt XVI.  bot den Orthodoxen  Gespräche über die "Ausübung des Papstamtes" an. 
Der Anspruch auf umfassende Autorität Roms gilt als das entscheidende Hindernis bei der Annäherung zwischen der römisch- katholischen Kirche und den Ostkirchen. 

Der Papst feiert in Istanbul gemeinsam mit dem Patriarchen Bartholomäus I., dem geistigen Oberhaupt der weltweit 300 Millionen orthodoxen Christen, das Andreasfest. Der Apostel Andreas ist der Patron des Patriarchats von Konstantinopel.

29.11.2006

Öffnung der nationalen Lebensformen

Jürgen Habermas schreibt in "Blätter für deutsche und internationale Politik"(12'06):

"Die säkularen Bürger erkennen, dass sie es sich zu leicht gemacht hatten, als sie die religiösen Zeitgenossen als Exemplare einer aussterbenden Spezies und das Grundrecht auf freie Religionsausübung als eine Form des Artenschutzes betrachteten.
Die gelingende Integration ist ein Lernprozess auf Gegenseitigkeit. Bei uns stehen die Muslime unter dem größten Zeit- und Anpassungsdruck. Der liberale Staat verlangt von allen Religionsgemeinschaften ohne Ausnahme, dass sie die Tatsache des religiösen Pluralismus, die Zuständigkeit der institutionalisierten Wissenschaften für säkulares Wissen und die universalistischen Grundlagen des modernen Rechts anerkennen. Er garantiert die Grundrechte, auch innerhalb der Familien. Er ahndet Gewalt, auch in der Form des Gewissenszwangs gegenüber eigenen Mitgliedern.  Aber der Bewusstseinswandel, der die Verinnerlichung dieser Normen erst möglich macht, verlangt gleichzeitig eine selbstreflexive Öffnung unserer nationalen Lebensformen."

Siehe auch:

Wie Habermas und Ratzinger den Glauben rechtfertigen ....

 

27.11.2006

Der Papst und Europa

    

 

Zu Beginn seiner Türkei-Reise machte das Oberhaupt der katholischen Kirche ein besonderes Gastgeschenk: Nach Worten von Ministerpräsident Erdogan sagte der Papst, er sei zwar kein Politiker, aber er wünsche sich, dass die Türkei in die EU kommt.
Der Vatikan erklärte dazu: "Man ermutige den Weg des Dialogs und der Annäherung in Europa."


Siehe auch: 
Christliche Werte und Traditionen -
Sollte sich EUROPA darauf berufen?


Stoiber griff auf dem CDU-Parteitag die Regierung in Ankara scharf an: Die "Sitten und Gepflogenheiten" Ankaras, in "die europäische Familie" zu wollen und zuvor Forderungen zu stellen, seien inakzeptabel. "Die Türkei ist kein europäischer Staat, sie in die Union aufzunehmen, würde den Charakter Europas verändern"

Siehe auch: 

Vernunft und Glaube

27.11.2006

Aktualität der Bayerischen Verfassung

 In Artikel 151 heißt es: "Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl" und "die wirtschaftliche Freiheit des einzelnen findet ihre Grenze in der Rücksicht auf den Nächsten und auf die sittlichen Forderungen des Gemeinwohls".

In Artikel 157: "Kapitalbildung ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur Entfaltung der Volkswirtschaft".

Artikel 160: Abs. 2: Für die Allgemeinheit lebenswichtige Produktionsmittel, Großbanken und Versicherungsunternehmen können in Gemeineigentum überführt werden, wenn die Rücksicht auf die Gesamtheit es erfordert."

Artikel 168 Abs. 2: "Arbeitsloses Einkommen arbeitsfähiger Personen wird nach Maßgabe der Gesetze mit Sondersteuern belegt."

Artikel 161 Abs. 2: "Steigerungen des Bodenwertes, die ohne besonderen Arbeits- oder Kapitalaufwand des Eigentümers entstehen, sind für die Allgemeinheit nutzbar zu machen."

Kommentar von Heribert Prantl in der SZ vom 25./26.11.2006


"Mein Gott, welche Verfassung! Sie ist sprachgewaltig, anrührend, pathetisch, sie ist zärtlich und stolz, edel und derb, besorgt und mütterlich, gelegentlich ist sie auch komisch altertümlich; sie ist christlich und sozialistisch, bäuerlich und hausväterlich; einmal ist sie verzopft und dann wieder ist sie unglaublich modern. Diese Verfassung ist ein Abbild des bayerischen Landes; und es rührt beim Lesen unendlich an, dass dieses Land damals, 1946, so gewesen ist. Die Bayerische Verfassung ist wie ein Bauerngarten, sie macht Freude: Alles blüht und prahlt und reift. Sie ist das verständlichste und leutseligste deutschsprachige Gesetz seit dem Preußischen Allgemeinen Landrecht aus dem Jahr 1794."


 

 

 

      Frei
VERFASSUNG DES VOLKS/STAATES BAYERN

Entwurf der Verfassung, die am 8.12.1946 in Kraft trat.

26.11.2006

Zwischen Sein und Nichts

Heute wieder einmal eine bereichernde Sendung des Bayerischen Rundfunks in der Sendereihe "Katholischen Welt". Sie kann jetzt auch als Podcast heruntergeladen werden und handelt vom Nichts. 

Der Raum und das Nichts
Die Theologie und das Unfassbare

Von Geseko von Lüpke

Was war, bevor etwas war? Was ist jenseits aller Konzepte? Die Antwort scheint einfach. Sie lautet: Das Nichts! Es geistert durch die Albträume von Kindern ebenso wie durch die Philosophien der Weltgeschichte. Es beschäftigt Heerscharen von Physikern und Generationen von Mystikern. Es gilt als Urgrund der Schöpfungsmythen und als Forschungsgegenstand hochmoderner Teilchenbeschleuniger. Buddha nannte es Nirvana: Nicht-Etwas. Und meinte damit Alles. Aristoteles sprach von der ‚materia prima’, aus der alles andere entstand. Die Physiker nannten es ‚Vakuum’ und finden es bis heute nicht. Die spirituellen Traditionen der Welt nannten es das Tao, Manitu, Jahwe, Gott. Die Sendung untersucht das Nichts als Koan der Neuzeit. Noch ist das Rätsel des Nichts ungelöst geblieben. Doch indem wir suchend die große Leere umkreisen, bereichern wir das Sein. Denn das Nichts scheint mit dem Sein verwoben zu sein, wie das Leben mit dem Tod.

zum Gesamtbild KOSMOS von TAM (2006)

Materie als geronnenes Nichts

In der Sendung kommen der Quantenphysiker Hans Peter Dürr und der Atomphysiker Harald Lesch zu Wort:

Dürr: 
„Wenn sie heute das Handy benützen und mit jemanden telefonieren - über 3000 km Entfernung - frage ich immer: ‚Weißt Du eigentlich, was da passiert, du tippst da etwas ein, und hast dann einen Kontakt mit jemand ohne dass ein Draht dich verbindet. Es gibt nichts Materielles was dich verbindet.’

‚Ja’, sagen alle, ‚da ist da so ein Feld, ein elektromagnetisches Feld.’ Ich sage: ‚Und weißt du auch, dass das nicht materiell ist, es hat keinen materiellen Träger, es gibt keinen Äther, der da schwingt sondern das elektromagnetische Feld ist eine Form des Nichts.’ Es gibt Form ohne einen materiellen Träger.“

Harald Lesch führt dann aus, dass auch wir fast nur aus nichts bestehen. Anschaulich wird dies, wenn man sich vergegenwärtigt wie groß Atome sind, also wie weit die Elektronen vom Atomkern entfernt sind.

 

„Es gibt ein wunderbares Bild davon. Wenn ein Atom das Olympiastadion in München ist, und das Elektron sitzt draußen auf der Haupttribüne, dann ist der Atomkern ein kleines Reiskorn im Mittelkreis, am Anstoßpunkt. Das heißt dazwischen ist nichts. Gar nichts. Insofern bestehen wir in Tat im wesentlichen aus Nichts. Fast alles besteht aus nichts, abgesehen von den wenigen winzig kleinen Volumina, die aus Atomkernen bestehen, dann die Elektronen. Und alles andere ist nur eine ziemlich faszinierendes Konglomerat von nichts.“

 

Die Welt besteht aus mehr, als was wir es uns in unseren abstrusesten Vorstellungen eigentlich ausdenken können.

Unser Universum besteht – großzügig gerechnet – nur aus 1%  Materie, die wir einigermaßen verstehen. „Auf der anderen Seite gibt es dann etwa 29% Dunkelmaterie, wo wir nicht wissen was das ist und 70% dunkle Energie oder Vakuumfluktuation.“

 

Hans Peter Dürr führt dann aus, dass auch das bisschen Materie verschwindet.

 

„Das was für uns begreifbar ist, im ganz wortwörtlichen Sinne mit der Hand greifbar ist, verschwindet. Was bleibt sind nur Beziehungsstrukturen, also Relation, Form, Gestalt, alles Dinge die für uns immer nur etwas Abgeleitetes sind. ...  Alles was wir Materie nennen ist gewissermaßen, dass diese Form des Nichts ab und zu dann gerinnt und Formen bildet, die wir dann als Materie bezeichnen. Und auf diese konzentrieren wir uns als die eigentliche Basis unserer Wirklichkeit, weil sie so verlässlich auftritt."

 

25.11.2006

ICH das ewige Rätsel

Richard Sennett, bezieht sich in seinem Buch "Der flexible Mensch" auf den Romanschriftsteller Salam Rushdie. Er behauptet, daß das moderne Ich 'ein schwankendes Bauwerk ist, das wir aus Fetzen, Dogmen, Kindheitsverletzungen, Zeitungsartikeln, Zufallsbemerkungen, alten Filmen, kleinen Siegen, Menschen, die wir hassen, und Menschen, die wir lieben, zusammensetzen'. "Für Rushdie ist die Lebenserzählung also eine Collage, eine Sammlung des Zufälligen und Beliebigen, des Vorgefundenen und Improvisierten. Dieselbe Betonung der Diskontinuität findet sich in den Schriften des Philosophen Zygmunt Bauman und des Theologen Mark Taylor; sie feiern die Werke von Autoren wie Joyce und Calvino, weil in ihnen die herkömmliche Handlung aufgegeben wird, um den Fluß der Alltagserfahrung besser erfahrbar zu machen. Die Psyche befindet sich in einen Zustand endlosen Werdens - ein Selbst, das sich nie vollendet. Unter diesen Umständen kann es keine zusammenhängende Lebensgeschichte geben, keinen klärenden Moment, der das Ganze erleuchtet."

 

23.11.2006

Die Welt von innen schmecken

In der Wochenzeitschrift "Christ in der Gegenwart" ist ein Text von Niklaus Brantschen [in: 'Die Augen meiner Augen sind geöffnet' - Verlag Herder 2006] abgedruckt. Er handelt vom Schmecken, dem innersten der Sinne. Er bezieht sich auf Ignatius von Loyola der sagt:

"Nicht das Vielwissen sättigt die Seele, sondern das Schmecken und Verkosten der Dinge von innen her." 

"Wer die Dinge draußen von innen her schmeckt und verkostet, ihren Duft aufnimmt, sie achtsam berührt, sie erlauscht und sehend wahrnimmt, bringt die Welt über die Sinne ins Innere. Dabei verlieren die Sinne nichts an Schärfe und Klarheit. Im Gegenteil: Das Sehen wird zum Schauen, das Hören zum Horchen, das Tasten zum Ergreifen und Ergriffensein, das Riechen und Schmecken zum Kosten und Verkosten."

20.11.2006

Zeit und Raum - Rätsel der Wirklichkeit

Bindu

"ZEIT und RAUM sind die Rätsel der Wirklichkeit, die sich in ihnen gleichsam selber sucht und nicht erreicht:

Es ist alles außereinander in einer Mannigfaltigkeit, die nicht zur ruhenden Einheit werden kann; jedes Sein ist zugleich Ortsein - der Raum ist der Grund des Einzelseins als Vereinzeltsein - das Sein ist zerrissen in das viele Sein, das nicht mit sich selbst eins und identisch werden kann, sondern sich gegenseitig bedrängt, verdrängt, ausschließt. Die Zeit trennt das Seiende in sich selber in die Folge von Zeiten, läßt es werden und vergehen, legt über es den Schleier des Nichtseins und die Schwermut der Vergänglichkeit.

Es ist ein Drang zur Einheit des Räumlichen, zum Sichtreffen und Sichfinden allen Seins, und der Drang zur Ewigkeit - Raum und Zeit möchten getilgt werden, um zum eigentlichen Sein zu kommen. Daraus erwächst im menschlichen Bewußtsein der unablässige Trieb zum Transzendieren in Raum und Zeit über Raum und Zeit."

Karl Jaspers - Nachlaß zur Philosophischen Logik - S. 112

Bindu

 

Wir haben nie "den reinen Raum vor uns". Das Wort  meint nicht den physikalischen Raum, der den Dingen; auch nicht den psychischen, der den Akten und Gefühlen zugeordnet ist; ebensowenig den geistigen, in welchem der Sinn auf- leuchtet. Vielmehr den Ort des Einfachhin-Seienden, den Ort einfachhin, in dem alles Eines ist - und ebendamit den Zustand, in welchen das "Hiesige" gelangt, sobald es die Bewegung "hinüber" vollzieht; die Freiheit vom Hier oder Da.

[...]

Wir aber sind so gefesselt, daß wir diese Unendlichkeit - die Überzähligkeit" des "Erlebnisses" - für gewöhnlich nicht bemerken. Nur in bestimmten flüchtigen Erfahrungen werden wir vorübergehend inne, worum es geht;

[...]

Dann wird diese Fülle näher zu Gefühl gebracht, und durch jede Bestimmung erwächst dem Offenen ein weiterer Name. Es ist das "Reine", von keinem Begehren noch Gebrauch Befleckte .. Das "Unüberwachte, das man atmet und unendlich weiß"

[...]

Das Kind hat eine ursprüngliche Beziehung zum Offenen. In seiner frühesten Zeit lebt es ganz in der auf dieses zugehenden kreatürlichen Bewegung.

[...]

Es lebt blinkend ins Offene hinaus, und ist eben damit wahrhaft innerlich, atmend, in Allem seiend.

[...]

Sobald man aber "nah dem Tod" ist, oder dieser schon begonnen hat, sieht man ihn nicht mehr, sondern "starrt hinaus", ins Offene. Dann ist der Mensch nur noch Kreatur [...]

wir kehren [dem Freien] den Rücken und wenden uns "der Schöpfung", dem raum- zeitlichen Konkreten zu. Von seinem Licht sehen wir bloß "die Spiegelung", den geheimnisvollen Abglanz auf den Dingen; es selbst schauen wir nie, denn nicht irgend ein Ding, sondern wir selbst stehen im Wege.

[...]

Umgewendet zu sein gegen die große Wesensrichtung; Beobachtender zu sein, der vor den Gestalten steht und sie untersucht; Begehrender, der die Dinge will und greift; immer "gegenüber zu sein / und nichts als das" - das ist die Eingeschlossenheit des Daseins und das ist "Schicksal".

Romano Guardini

über die achte Elegie: "Rainer Maria Rilke - Deutung des Daseins"

 

18.11.2006

Der Olymp des Klaus Mann

Klaus Mann

Am 18. November 2006 wurde Klaus Manns 100. Geburtstag begangen. Uwe Naumann zeichnete heute am 19.11. in der Monacensia in München anhand zahlreicher eindrucksvoller Dias die Lebensstationen Klaus Manns nach und berichtete über Werk und Wirkung des Schriftstellers. Die Monacensia besitzt viele Dokumente zur Familie Mann und deren literarischem Umfeld

Naumann beantwortet die Frage , ob nur die besondere Dramatik seines Lebens – als Enfant terrible der 'amazing family', Bohemien, bekennender Schwuler, kämpferischer Exilant, Morphinist – Klaus Mann vor dem Vergessen schützt, nicht aber sein literarisches und essayistisches Werk, folgendermaßen:

"In gewisser Hinsicht kann man sagen: Sein Leben war sein Werk! Und genau dieses Leben fasziniert vor allem junge Menschen. Seine Schriften sind dabei von recht unterschiedlicher Qualität, teilweise mit viel Pathos und Gefühlsüberschwang, was heutige Leser nicht mehr unbedingt goutieren. Aber als Essayist und Briefeschreiber, auch als Tagebuchautor, ist er großartig; und seine Autobiographie Der Wendepunkt ist ein Buch von bleibender Bedeutung.

In diesem Buch schreibt Klaus Mann über seinen literarischen Olymp:


" Ich schau sie mir an, die Heiligen, die Dämonen meiner sechszehn Jahre, und ich finde keinen unter ihnen, dessen ich mich heute schämen müßte. ... Der Glanz, der mich einst blendete und berauschte, mag in einigen Fällen schwächer geworden sin; auch sind andere Sterne hinzugekommen, die jenen ersten Konstellationen den Rang streitig machen. Aber sie leuchten doch noch, die Sonnen meiner Jugend; ihre Feuer, selbst wo es an Stärke verloren hat, ist rein geblieben. Nein, ich habe mich nicht täuschen lassen von Irrlichtern und künstlichen Flammen, ich habe keine falschen Götter angebetet. 

In unverminderter Glorie strahlt das Viergestiern, das um diese Zeit meinen Himmel beherrschte und dem ich mich noch heute gerne anvertraue: Sokrates, Nietzsche, Novalis und Walt Whitman.

Ich liebte den Sokrates des 'Gastmahl' und des 'Phaidon', weil er die Schönen liebte - ach, mit welcher Verschlagenheit, welch zärtlicher Ambivalenz und schillernder Ironie! - und weil er alles vom Eros wußte und nichts von seinem furchtbaren Wissen verriet.  ....

Ich liebte Nietzsche, nicht um seiner Lehre willen (weder der 'Übermensch' noch die 'Ewige Wiedekehr' haben mich je überzeugt), sondern als Künstler, als Gestalt. ...

Ich liebte Novalis, weil er mir tiefer als alle anderen bewandert schien in den Mysterien der Nacht, der Wollust, des Todes. ...

Ich liebte Walt Whitmann, den Amerikaner, 'of mighty Manhattan the son', weil er den Leib, den elektrischen, sang und weil er mein Kamerad sein wollte. Sein Zuspruch war kräftiger als die geisterhaften Winke des romantischen Sehers, weniger paradox und pathologisch als die krasse Selbstglorifizierung, Selbstgeiselung Zarathustras, weniger vertrackt und doppeldeutig als die ironische Dialektik des Sokrates. Der transatlantische Barde redete zu mir mit einem Überschwang, der niemals ins Hysterisch-Manische ausartet. Realistisch bei aller Hingerissenheit, zählte er in dithyrambischen Katalogen die Herrlichkeiten dieser Schöpfung auf."

Erika und Klaus Mann -  Pamela Wedekind und Gustav Gründgens

Klaus Mann wurde aufs Wilhelmsgymnasium in der Thierschstraße in München geschickt, aber viel lieber als die Schule besuchte er das Arbeitszimmer seines Vaters - heimlich, das Betreten war für die Kinder strikt verboten. Doch Bücher wie die von Frank Wedekind, denen damals noch der Geruch des Verbotenen anhaftete, waren zu verlockend, um dem väterlichen Tabu Folge zu leisten.


Weitere Hinweise zu Klaus Mann:

http://tamseeg.blogg.de/eintrag.php?id=263

http://www.rororo.de/sixcms/detail.php?id=1801533&_archiv

http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,449217,00.html

http://www.welt.de/data/2006/11/18/1113426.html

http://www.exil-archiv.de/index2.html

17.11.2006

Ort der Kräfte verleiht

Die "Süddeutsche" (Helmut Mauró) berichtet von der Pianistin Janina Fialkowska. Ein Tumor im Arm drohte ihre internationale Karriere zu beenden. Sie kann heute wieder spielen und sagt von sich selbst: "Ich spüre, dass ich jetzt mehr von dem verstehe, was hinter der Musik ist." Bei einem Spaziergang auf den 'Senkele' in der Gemeinde Seeg erzählt sie, dass es dieser Blick hinunter auf den Hopfensee ist, nach Neuschwanstein und hinauf zu den sonnenbeschienenen Berggipfel, der sie immer wieder berührt. "Sie hatte sich damals ein Foto schicken lassen von diesem Paradies und es auf ihrem weißlackierten Nachtkästchen plaziert im New Yorker Sloan Kettering Memorial Cancer Center, wo es zwischen all den Apparaten und den vor sich hinsterbenden Krebspatienten nicht viel Ermunterndes zu sehen gab. Welches Glücksgefühl die Pianistin nun bei ihrem Spaziergang im Allgäuer Voralpenland empfindet, kann man sich kaum vorstellen, denn ihr Karriereende mutet ebenso tragisch an wie ihr Comeback wundersam."

Weiteres siehe hier ...

4.11.2006

Die Glühende Mitte des Kosmos

Heute sprach Mathias Trennert-Helwig, Münsterpfarrer und Stadtdekan von Konstanz, beim Forum der Jesuiten in München zum Thema " Dimensionen der Liebe bei Teilhard de Chardin"

   Hier finden sich einige Aspekte seines Vortrages ...

   Hier gibt es mehr über Teilhard de Chardin auf meinen Internetseiten...

30.10.2006

Das Ich als Knoten im Faden des Determinismus

Soeben komme ich von einem außergewöhnlichen Vortrag zurück, den Ernst Tugendhat an der Hochschule für Philosophie in München gehalten hat. In atemberaubender Stringenz referierte er über den vermeintlichen Gegensatz von "Freiheit und Determinismus". Es ist mir hier und jetzt nicht möglich, die Gedankenfülle  wiederzugeben. Ich werde deshalb  versuchen den Vortrag zu erhalten, um dann den Gedankenwegen folgen zu können.

 

Gerade entdecke ich eine Zusammenfassung des Inhaltes hier ...

Hier bleibt mir "nur" der Verweis auf sein Buch "Egozentrizität und Mystik - Eine anthropologische Studie" (2003):

Hier Auszüge: 

"Was das menschliche Wollen viel wesentlicher kennzeichnet als irgendwelche Gegenstände, ist das Bewußtsein des radikalen Ungenügens des eigenen Handelnkönnens im Erreichen nicht nur ganz elementarer Ziele: Leben, Gesundheit, Ernährung, Verbundensein mit anderen. Die Unglücke, mit denen die Tiere der anderen Spezies erst konfrontiert werden, wenn sie hereinbrechen, werden von den Menschen als mögliche antizipiert, und so stehen sie lebenslang im Bewußtsein zwischen Erfüllung und Enttäuschung, die nicht von ihnen abhängt, und folglich in der Angst vor den Frustrationen und Unglücken, zuhöchst natürlich dem Tod, dem eigenen und dem ihrer Nahen und Nächsten. 

Um diesen leidvollen Zustand zu lindern, sind in der Geschichte der Menschheit zwei Wege beschritten worden, den der Religion und der der Mystik, und beide implizieren eine unterschiedliche, ja entgegengesetzte Deutung im Verhältnis zum numinosen Universum, in dem die Menschen sich vorfinden. 
Der Weg zur Mystik wird darin besehen, daß man das Gewicht, das die eigenen Wünsche für einen haben, relativiert oder geradezu leugnet, also eine Transformation des Selbstverständnisses. 
Der Weg der Religion hingegen besteht darin, daß man die Wünsche läßt, wie sie sind und statt dessen eine Transformation der Welt mittels einer Wunschprojektion vornimmt: die Macht, die die Menschen umgibt, wird zu diskreten Wesen verdichtet, von deren Wirken man sich vorstellen kann, daß das eigene Glück oder Unglück abhängt, und die als von uns beeinflußbar angesehen werden. Ein solches Beeinflussen ist auch durch Riten und Magie denkbar, aber es ist naheliegend, sich diese machtvollen Wesen personalisiert vorzustellen, so daß man sich zu ihnen auf analoge Weise verhalten kann wie zu mächtigen Mitmenschen: bittend, dankend, ihre Macht anerkennend und sich ihnen gegenüber für verantwortlich ansehend."...

Im Phänomen des Religiösen verbinden sich mehrere Faktoren, "die teilweise aufeinander irreduzibel sind: erstens das Gefühl des Numinosen, zweitens ...der pragmatische Faktor [Glaube an Mächte, von denen Erfolg und Glück abhängen und auf die man beeinflussen kann], drittens die Personalisierung und viertens der Glaube, daß Gott gut in einem 'unvergleichlichen' Sinn ist. Ist der Glaube an Gott einmal so weit entwickelt, kann er auch Aspekte aufnehmen, von denen ich meine, daß sie primär zur Mystik gehören." ...

Sagt man, "Gott existiere außerhalb von Raum und Zeit,  sind wir unfähig, mit der Vorstellung, daß etwas existiert, das nicht im Raum lokalisierbar ist, auch nur einen Sinn zu verbinden. Es kommt hinzu, daß der Glaube an Gott, wenn man sich klarmacht, daß er in einem Wunsche motiviert ist, an der Barriere des intellektuellen Gewissens scheitert."

In der Religion "werden in das Universum Instanzen projiziert, die helfen können sollen; hingegen dient dem Mystiker das Sichbewußtmachen der Existenz des Numinosen - mag er es nun das Universum oder Sein oder Tao nennen oder er es auch als Gott sehen - als Bezugspunkt, auf den hin er von seinen Wünschen - sei es schlechterdings, sei es einen Schritt - zurücktritt und so versucht, einen Zustand des Seelenfriedens zu erreichen. ...

Wird das Universum, in das man sich zurückstellt verstanden, "als das Viele in seiner Einheit oder als Verschwinden des Vielen im Einen?

Universum kann als Eines gesehen werden, "in dem alles Mannigfaltige verschwindet, oder als das Universum, so wie es gegeben ist in der Vielfalt der Dinge in Raum und Zeit, aber in einem einheitlichen Zusammenhang gesehen.

"Nach der ersten Auffassung ist es das Ziel des Mystikers, mit dem Einen eins zu werden (die sog. unio mystica). Nach der zweiten stellt sich der Mystiker in die Welt zurück: statt alles aus der egozentrischen Perspektive zu sehen, sieht er sich von der Welt her."

"Das Ziel ist die vollständige Entsagung von allem Wollen, ein 'Seelenfrieden', der jenseits dieser konkreten Welt in einem reinen Bewußtseinszustand gesucht wird. ... Die andere Möglichkeit ist der Seelenfrieden, ... ist ein solcher unseres normalen Lebens; das Wollen wird nicht verneint, sondern relativiert und eingeschränkt; die Frustrationen werden nicht überwunden, sondern integriert."

"Das eigentliche Ziel der mystischen Dynamik ist für ihn [Buddha], daß man vom Leiden dieses Lebens erlöst werden will." Der Rückzug vom Wollen - von der "Gier" - ist also nur Mittel zum Zweck.  ... Die Realität des menschlichen und allgemein des animalischen Lebens bestehe nicht nur darin, wie es jedermann als trivial zugeben würde, daß das Leben von Leid durchwirkt ist, sondern das Leben, wenn man es richtig sehe, sei nichts als Leiden.

Sieht man das so, müßte man in der Tat motiviert sein, aus diesem Leben auszuscheiden. ... An dieser Stelle kommt man nicht umhin, die indische Lehre vom samsara - vom endlosen Rad des Lebens in unaufhörlichen Widergeburten - zu berücksichtigen. Von ihr kann man sich klarmachen, erstens, daß aus der Perspektive der Selbstmord keinen Ausweg aus dem Leben bieten würde, daß aber auch zweitens,  wohl erst von daher die extrem düstere Lebensauffassung verstehen läßt, die die Grundlage der spezifisch indischen Mystik abgibt. ...

Für Außenstehende macht das [karma-Konzept] den Anschein eines Priesterbetrugs, da es ... offensichtlich zwei Funktionen zu erfüllen scheint: erstens, durch Furcht und Hoffnung die Menschen zu moralisch gutem Handeln anzuhalten; zweitens, die unteren Kasten davon abzuhalten, gegen ihren Status aufzubegehren, da sie ihn selbst verschuldet haben. ...

Offenbar tritt die Bekümmerung um die Wiedergeburt und damit überhaupt die primäre Orientierung der mystischen Dynamik am Problem des Leidens im chinesischen Buddhismus in den Hintergrund. Im Zen wird die Leere mehr als ein Durchsichtigwerden aller Dinge auf das Eine hin gesehen, wie man sich das an der fernöstlichen Malerei veranschaulichen kann. ...

In der taoistischen Mystik ist das Eine (das Tao) von vornherein einfach das Eine, auf das hin alles Mannigfaltige gesehen wird. Die taoistische Mystik ist diesseitig, sie ist keine Mystik der Weltflucht, das Leiden spielt in ihr keine primäre Rolle und soll lediglich integriert und gerade nicht vermieden werden.

Welches sind die Willensüberschüsse, die der Taoismus abbauen oder einschränken will? ... Wer sich vor das vom Tao durchherrschte Universum stellt, wird sich angesichts seiner Immensität der Relativität der Unterscheidungen von 'groß' und 'klein' bewußt und bringt sich die eigene Geringfügigkeit und Unwichtigkeit zu Bewußtsein. ...

Auf Grund des Bedürfnisses nach Anerkennung erscheint es Menschen wichtig, wichtig zu erscheinen. Bestätigung und Ruhm zu suchen, sich zur Schau zu stellen, ist eine Komponente des menschlichen Wollens, von dem der taoistische Weise meint, sich ganz frei machen zu sollen. Die Taoisten sprechen hier vom 'Nicht-Handeln'. Gemeint ist nicht Untätigkeit, sondern ein Tun, das möglichst absichtslos ist wie die Natur. ... Erstens, beim eigenen Tun (auch dem politischen) nicht auf Anerkennung aus sein; zweitens, sich nicht unnötige Ziele setzen, den Kreis des Tuns möglichst eng sehen; die Sorge um die Zukunft nicht übertreiben, frei von Hast sein; drittens, im Wirken nicht auf sich reflektieren.

Ein dritter Gedankenkomplex betrifft das Zusammengehören der Gegensätze. Auch hier rekurrieren die Taoisten auf die Natur: alles in der Natur befindet sich in einem Auf und Ab: Geburt und Tod, Wachsen und Vergehen, Steigen und Sinken; so auch das Sein des Menschen. Wer die Dinge vom Tao her sieht, akzeptiert, ja begrüßt jede Wende des Schicksals, auch die ungünstige, weil sie zum ganzen Kreis gehört. ...

Im Unterschied zu Heraklit, an den man sich bei dieser Lehre vom Zusammengehören der Gegensätze erinnert sieht, ist die Meinung nicht, daß das Leben in Gegensätzen höher pulsiert, vielmehr wer es nach der einen Seite zu weit treibt, wer nicht stillzustehen weiß, werde ein schlimmes Ende finden. ...

Die Menschen [...] sehen sich als steigend oder fallend, sie reflektieren das Geschehen und sind sich daher in ihrer zeitlichen Antizipation den Emotionen der Sorge, Hoffung und Angst ausgeliefert. Sie können deswegen nur in einer zweiten Reflexion zur Ruhe kommen, in der sie sich nicht mehr entweder steigend oder fallend sehen, sondern im Bewußtsein der Einheit der Kurve leben. ...

Die taoistische Lehre von den Gegensätzen enthält nur ein Minimum von theoretischen Komponenten. Ihre Absicht ist eine rein praktische, die Erreichung der Stille im Sichbewußtmachen der Einheit der Kurve. ...

Dabei kann man aber nicht stehenbleiben, wenn man bedenkt, daß wir handelnde Wesen sind. Wir sind dem Schicksal nicht einfach ausgeliefert, sondern greifen aktiv ein. ... 'Es gibt Dinge, die nicht in der eigenen Macht stehen', und die sollen mit 'Himmel' bezeichnet werden. ... Worauf es ankomme sei, daß der Mensch das Tun des Himmels nicht durchkreuze. ...

'Wie kann man wissen, ob das, was ich für die Sache des Himmels halte, nicht wirklich die des Menschen ist, und was ich für die des Menschen halte, nicht wirklich die des Himmels ist?' ...

Man soll den Handlungsspielraum ausschöpfen, der einem gegeben ist, ausschöpfen; man soll nur nicht gegen die Grenze dieses Spielraums anrennen, und für die Frage, wo diese Grenze liegt, gebe es keine einfachen Kriterien. ... Man müsse die prinzipielle Bereitschaft des Weisen, sich im Blick auf das Toa zurückzunehmen, ausgebildet haben, um die Sensibilität zu erlangen, in der man das von Mal zu Mal unterscheiden kann."

 

Frage von Ernst Tugendhat in Egozentrizität und Mystik

" Liegt, wenn wir glauben, von den persönlichen Einstellungen nicht absehen zu können ("Dein Wille geschehe"), das nur daran, daß wir in der jüdisch-christlichen Tradition stehen, oder heißt das, daß Menschen von vornherein so sehr auf persönliche Beziehungen angewiesen sind, daß wenn sie sich auf das Numinose hin sammeln, ihnen ohne die Projektion einer göttlichen Person etwas wesentliches abgeht?"

Seine Antworten:

Vergleicht man die christliche mit der taoistischen Haltung, fällt auf, daß bei den Toaisten die Liebe fehlt.  Der taoistische Weise ist freundlich und wohlwollend, aber zurückgezogen und selbstgenügsam. Die Frage stellt sich, ob und in welcher Weise die Idee einer allseitigen selbstlosen Liebe sich einerseits in der Religion, andererseits in der Mystik ergeben kann. ...

Im Alten Testament war der Satz "Liebe deinen Nächsten" ein Gebot. Auf die Frage, warum soll man seinen Nächsten lieben, lautet die Antwort: weil es von Gott geboten ist. Die Idee der selbstlosen Liebe gründet hier also im personellen Aspekt der Religion in seiner krassen Form von Autorität und Gehorsam. Fragt man, worin das Gebot seinen Grund hat, läßt sich keine Antwort geben oder man dreht sich im Kreis. 

Im Neuen Testament ist die Liebe weiterhin ein göttliches Gebot, dieses Gebot wird jetzt aber durch die Vorstellung abgestützt, daß Gott die Menschen liebt (1 Joh. 4). Das Motiv zur selbstlosen und allseitigen Liebe ergibt sich aus dem Wunsch, Gott nahe zu sein. Allerdings ist damit die Verständnisfrage nur um einen Schritt verschoben, denn daß Gott die Menschen liebt (oder sogar 'die Liebe ist!, 1 Joh. 4,16), erscheint lediglich als Faktum. Innerhalb der religiösen Haltung nimmt man dieses Faktum staunend und demütig hin, aber wenn man darüber reflektiert, bleibt dieses Faktum ein Letztes (die Theologen sprechen von 'Offenbarung'). Diese Schwierigkeit scheint mir eine prinzipielle zu sein. Ich sehe nicht, wie sich aus der religiösen Haltung als solcher (d.h. ohne einen mystischen Faktor hinzuzunehmen) die Idee einer allseitigen Liebe verständlich machen läßt. ...

Wenn überhaupt an die Stelle de kontemplativen Haltung des Mystikers eine aktive tritt, ist dies kaum anders vorstellbar denn als allseitiges Mitleid oder desinteressierte Liebe. Hier drängt sich für uns das Wort 'Herzensgüte' auf.  Es gehört wahrscheinlich zum Begriff der Herzensgüte, daß sie 'gegenüber allen gleich' ist. Wie soll man aber dieses gleichmäßige und desinteressierte Verhalten anders verstehen als von der Mystik her? ...

Ein primär moralischer Begriff ist das nicht, und als genetische Charakteranlage läßt sich Herzensgüte auch nicht verstehen; wenn man also bei manchen Menschen den Eindruck hat, Herzensgüte eigne ihnen 'von Natur', hängt diese Natürlichkeit eher damit zusammen, daß die Möglichkeit der Ausbildung einer mystischen Sichtweise - der Schritt zurück von sich - in der natürlichen Struktur von 'ich'-Sagern gründet.

Muß dann nicht gegenüber anders begründeten Liebeskonzepten die Mystik als einzig verständliche Grundlage einer Haltung der allseitigen Liebe erscheinen? Die einzigen anderen Begründungen, die des Gebots und die des Vorbildes, wie wir sie aus dem Alten und Neuen Testament kennen, lassen sich ihrem eigenen Sinn nach nur als sekundär verstehen. Es liegt nahe, die Art und Weise, wie Jesus die Sorglosigkeit gegenüber der Zukunft (Matth. 6,25), darin den Taoisten nahestehend, mit der allseitigen Liebe verbunden hat, als Mystik im religiösen Gewand zu deuten. "

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28.10.2006

Empfinden und Erkenntnis
oder was Gerhard Schröder tun würde, wenn er noch Kanzler wäre

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder antwortete auf die Frage der SZ "Welche Lektion haben die Deutschen im 21. Jahrhundert zu lernen":

"Wir müssen die ökologische Dimension der Politik allgemeinverbindlich machen. Das lerne ich erst jetzt, weil ich sehr kleine Kinder habe. Das habe ich in meiner Zeit als Kanzler nicht ausreichend gesehen. Ökologie muss Teil der Industriegesellschaft werden. Der Atomkonsens, der Ausstieg aus der Kernenergie, hätte Verfassungsrang verdient. Er hat schon sehr viel bewirkt. Er hat bewirkt, dass Deutschland industriepolitisch bei der Entwicklung der alternativen und regenerativen Energie die Nummer eins ist. Wäre ich noch Kanzler, ich würde eine noch ökologischere Politik machen, als wir sie mit Rot-grün gemacht haben." 

27.10.2006

Moral braucht den Umweg über das Glück

Jetzt hab ich wieder Zeit und Muße zu lesen. Orhan Pamuks Roman "Schnee" und Dieter Thomäs philosophische Abhandlung "Vom Glück in der Moderne"

In Bezug auf Kants  Aussage "Die Ehrwürdigkeit der Pflicht hat nichts mit Lebensgenuß zu schaffen" führt Thomä aus:

"Über das 'Sollen' kann der Moralist befinden; doch kann er die Frage nicht vereinnahmen, ob jemand überhaupt so leben will, daß ihn das Sollen, die Verpflichtung gegenüber Dritten, die Rücksicht auf deren Absichten beeindruckt. Das Wollen entgeht der Moral: Ihr folge ich eben nur, wenn ich das so will, wenn es mir paßt, wenn es sich in mein Selbstverständnis, in das Bild, das ich von mir habe, fügt; der Moral folge ich, anders gesagt, nur, wenn ich dazu motiviert bin. Und dieses Motiv, das sich der Moral entzieht, liegt auf der Ebene der Lebens-Qualität, des Lebens Glück: Ich kann es um meines Glückes willen sinnvoll finden, mich einer Moral zu verschreiben, statt sie auf Abruf von mir fernzuhalten. Damit wird Moral nicht zur Geschmacksache, aber sie kann diesen Umweg über das Glück nicht abkürzen - und sie kann das Glück auch nicht von sich abhängig machen.

Es ist arg billig, wenn heutzutage Politiker und Theoretiker die Erhaltung unserer Rechtsordnung und die Restaurierung moralischer Grundwerte als Leitfrage für die Zukunft der Massen- und Konsumgesellschaft lancieren und ob des Geredes über das Glück ihre staatstragende Nase rümpfen. Die gesellschaftliche Ordnung hängt auf Gedeih und Verderb eben davon ab, daß in ihr auch Glücks-Gelegenheiten entdeckt werden, die nicht auf die Seite des 'Sollens' gehören, sondern auf die des 'Wollens' und der individuellen Lebensführung. Am Ende widersteht deshalb das Glück auch dem Angriff des Moralisten."

In Orhan Pamuks Buch "Schnee" findet sich folgende Sequenz:

"Ka war einer der Moralisten, die sich selbst überzeugt haben, daß das größte Glück des Menschen sei, nichts für sein persönliches Glück zu tun. Überdies hätte er es mit seiner elitären westlichen Bildung nicht vereinbaren können, eine Frau, die er kaum kannte, aufzusuchen, um sie zu heiraten. Trotzdem war ihm nicht unwohl, als er bei der Grenzstadtzeitung ankam, denn seine erste Begegnung mit Ipek war besser verlaufen, als er es sich im Autobus vorgestellt hatte, ohne es sich selbst einzugestehen."

Und hier noch ein Bild einer glücklichen Reise:

25.10.2006

 Feuerprobe des Herzens

"Wohl dem, der sie überstanden hat,

diese Feuerprobe des Herzens"

Hilde Domin
geborene Löwenstein, verheiratete Hilde Palm (*1909 in Köln † 2006)

TOD

Von der Erlösung zur Fülle des Seins

Das Totengebet des Judentums


Cornelius
stark wie ein Horn (lat.)

22.10.2006

Der souveräne, freie Blick

Vor hundert Jahren, am 22.Oktober 1906: 
Paul Cézanne stirbt an den Folgen einer Lungenentzündung in Aix-en-Provence. Er war beim Malen in ein Unwetter geraten.


Cezanne's Mont-Sainte Victoire, 1900

Andreas Beyer widmet in der SZ Paul Cézanne einen hymnischen Artikel. Cézanne summiere kritisch die Maltradition und stelle die Bausteine der Moderne bereit.

"In Cézannes Werk vollzieht sich die Ablösung aus der tradierten Moderne der Malerei und Konstruktion eines ganz eigenen Kosmos aus Form und Farbe graduell. Aber dass die vorgängige Kunst hier zu einer kritischen Summe addiert wird und eine wie befreite Neugründung des Malerischen sich vollzieht, bleibt eine der unhintergehbaren Erfahrungen bei jeder Begegnung mit seinen Werken. Andere Künstler haben nicht auskommen können ohne wissenschaftliche Exegese und verdanken ihren Rang nicht selten manch unverzichtbarer Handreichung. Nicht so Cézanne, der überhaupt erst das Sehen lehrt. ...

Seine Konstruktionsprinzipien haben die Bausteine der Moderne bereitgestellt, zugleich aber erhellen sie im Blick zurück die Maltradition insgesamt als unausgesetzten Versuch, der Wahrnehmung und Empfindung der Welt als Korrelat den souveränen, freien Blick zu parallelisieren. Seine Bilder ermächtigen, wie wenig andere Werke, zu solch selbstbewusster Schau."

In der Neuen Pinakothek in München:

Stillleben mit Kommode um 1883/87
Öl auf Leinwand, 73,3 x 92,2 cm
1912 im Rahmen der Tschudi-Spende erworben

20.10.2006

Zeitgebilde mit Jansons und Kremer

Harald Eggebrecht schreibt in der SZ über das Konzert des Symphonieorchesters des BR im Herkulessaal:

"Zarter kann kaum ein Solokonzert beginnen als das Andante sostenuto aus Bela Bartók erstem Violinkonzert von 1907/08. Doch muss es so hingebungsvoll, behutsam und zugleich bezwingend gespielt werden, wie es der große Gidon Kremer tat. ... Doch wenn sich jemand diesem Gebilde aus Intimität und Verzauberung so aufmerksam und liebevoll nähert wie Gidon Kremer, dann entfaltet es seinen Reichtum an Sehnsucht und Seelenschmerz, an Jugendstilgesten und Vorahnungen einer neuen, eigenen Musik."

"Zu Beginn leitete Mariss Jansons seine Musiker durch Dimitri Schostakowitschs 1939 entstandene sechste Symphonie in einer furiosen Aufführung. Dieses ... Werk hebt mit einem Largo der heftigsten Klage an. Die langen Kantilenen und geradezu lastend unbeweglichen Klangflächen erinnern mehr als sonst bei Schostakowitsch an Brucknersche Haltungen. Jansons und seine Musiker formulierten das mit höchster melodischer Intensität aus. Der Sarkasmus und überdrehte Schwung der beiden schnellen Sätze erschien in grellster Deutlichkeit."

"Etwas von diesem Geist prägte auch die bejubelte
'Rosenkavalier'-Suite von Richard Strauss. Die verlangt bei aller Zugabe- und Showpiece-Qualitäten auch Momente des Weichen, Poetischen, Charmanten. Hier erklang sie so direkt brillant und schmissig, als hieße der Komponist Dmitri Straussowitsch."

19.10.2006

Vernunft und Glaube

Auf die in der SZ vom 17.10.2006 gemachten Ausführungen von Kurt Flasch sollte Papst Benedikt XVI. antworten. Er sollte die Gelegenheit wahrnehmen um manches klarzustellen, was in seiner Regensburger Vorlesung nicht ausreichend berücksichtigt oder auch missverständlich vermittelt wurde.

 

Nach Kurt Flasch war es das Argumentationsziel Papst Benedikts aufzuzeigen,

  • dass religiöse Unterschiede keine Gewaltanwendung rechtfertigen

  • und dass das Christentum eine „harmonische Verbindung von Vernunft und Glauben, von Griechentum und Christentum“ ist.

 „Dies sind die klar erkennbaren Grundlinien; hierüber gibt es keine Missverständnisse“.

 

Flasch fragt weiter: „Worüber dann der Ärger? Wieso verkehrte sich die Aufforderung zum Dialog ins Gegenteil?“ und führt dazu eine Reihe von Gründen auf:

 

Zunächst zum Stein des Anstosses, das Zitat des griechischen Kaisers über Mohammed.
Flasch dazu:

„Wissenschaftlich und islamfreundlich wäre es gewesen, diese Behauptung nicht nur kommentarlos zu wiederholen, sondern sie entweder wegzulassen oder zu überprüfen. Trifft sie zu, ja oder nein? ... Diese Sorgfalt hat der Papst nicht angewendet.“ Und Flasch fragt weiter: „Hat er die politische Brisanz seiner Unterlassung nicht erkannt oder hat er sie gewollt?“

 

In der Fußnote der auf den Internetseiten des Vatikans [Fußnote 3] veröffentlichten Vorlesung gibt Papst Benedikt folgenden Kommentar:

 

„Dieses Zitat ist in der muslimischen Welt leider als Ausdruck meiner eigenen Position aufgefaßt worden und hat so begreiflicherweise Empörung hervorgerufen. Ich hoffe, daß der Leser meines Textes sofort erkennen kann, daß dieser Satz nicht meine eigene Haltung dem Koran gegenüber ausdrückt, dem gegenüber ich die Ehrfurcht empfinde, die dem heiligen Buch einer großen Religion gebührt. Bei der Zitation des Texts von Kaiser Manuel II. ging es mir einzig darum, auf den wesentlichen Zusammenhang zwischen Glaube und Vernunft hinzuführen. In diesem Punkt stimme ich Manuel zu, ohne mir deshalb seine Polemik zuzueignen.“

 

Papst Benedikt beschreibt den Gottesbegriff des Islam. „Dieser sei „entweder völlig unbestimmt oder irrationale Willensenergie. Die christliche Auffassung denke hingegen Gott als Vernunft (Logos) und Liebe.“

 

„Dieses hier angedeutete innere Zugehen aufeinander, das sich zwischen biblischem Glauben und griechischem philosophischem Fragen vollzogen hat, ist ein nicht nur religionsgeschichtlich, sondern weltgeschichtlich entscheidender Vorgang, der uns auch heute in die Pflicht nimmt. Wenn man diese Begegnung sieht, ist es nicht verwunderlich, daß das Christentum trotz seines Ursprungs und wichtiger Entfaltungen im Orient schließlich seine geschichtlich entscheidende Prägung in Europa gefunden hat. Wir können auch umgekehrt sagen: Diese Begegnung, zu der dann noch das Erbe Roms hinzutritt, hat Europa geschaffen und bleibt die Grundlage dessen, was man mit Recht Europa nennen kann.“

 

Flasch sieht hier eine „unhistorische Schwarz-Weiß-Malerei“, die nicht der tatsächlichen westlichen Denkentwicklungen“ entspricht und auch die „vielfältigen denkerischen Bemühungen im Islam“ verkürzt.

 

Er geht dann auf das Verhältnis von Macht und Gewalt in den Religionen ein. Der Papst führte aus, dass die Sure 2,256 eine Sure sei, in der Mohammed selbst noch machtlos und bedroht war. Als Mohammed dann Macht besaß, rechtfertigte er die Gewalt.

 

Dagegen setzt Flasch die Feststellung, das die Kirche „die Toleranz erst entdeckte, als ihr Militär und Polizei nicht mehr zur Verfügung standen. Als sie schwach war, sprach sie sanft.“

 

Er geht auch auf Thomas von Aquin ein, der als „Grundsatz der christlichen Moraltheologie verkünde, ein Getaufter, der den christlichen Glauben ablege, sei des Todes würdig und dem weltlichen Arm zur Hinrichtung zu übergeben“ , gleichzeitig aber eine gewaltsame Bekehrung Ungetaufter verwarf.

 

„Als das Christentum 313 an die Macht kam, eignete es sich ‚ in kurzer Zeit jene Zwangsmaßnahmen an, unter denen es bis dahin selbst gelitten hatte.“

 

Flasch zitiert dazu das ‚Lexikon für Theologie’: ‚Als es machtlos war, plädierte es für Glaubensfreiheit. Wo es Staatsreligion war, regierte es fundamentalistisch roh gegen Häretikergruppen. Noch wo es im 19. Jahrhundert die Mehrheit stellte, polemisierte es gegen die Idee der Toleranz.’

 

Flasch geht auch ausführlich auf den von Papst Benedikt aufgeführten Hinweis auf Kant ein:

 

„In einer für die Reformatoren nicht vorhersehbaren Radikalität hat Kant mit seiner Aussage, er habe das Denken beiseite schaffen müssen, um dem Glauben Platz zu machen, aus diesem Programm heraus gehandelt. Er hat dabei den Glauben ausschließlich in der praktischen Vernunft verankert und ihm den Zugang zum Ganzen der Wirklichkeit abgesprochen.“

 

Kant sagte aber in der Vorrede zur zweiten Auflage der „Kritik der reinen Vernunft“: ‚ Ich musste das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen.“

 

Auch Robert Spaemann machte in seinem Vortrag in der Katholischen Akademie auf diesen „Lapsus“ aufmerksam. Flasch bezichtigt Papst Benedikt der „üblen Nachrede“. „Die historische Einordnung Kants als Vollendung der Intention der Reformatoren (Luthers? Calvins?) entspricht einem überholten Forschungsstand; das Gegenteil zeigen Kants Texte und neuerdings die große Kant-Biographie von Manfred Kühn (hier noch mehr von Kurt Flasch über Kant ...). Der Papst will das Christentum als Erbe der antiken Vernunft. Dafür fordert er einen ‚weiten’ Begriff der ‚Vernunft’ ohne zu sagen, was das ist, außer dass die Vernunft mit dem Glauben harmoniert.“

 

Hierzu hatte aus meiner Sicht Robert Spaemann in seinem Vortrag in der Katholischen Akademie über die "Vernünftigkeit des Glaubens an Gott" einiges zu sagen. Eine sehr gute Zusammenfassung von Burkhard Haneke findet sich in der "Die Tagespost" vom 17.10.2006.


Weiteres zu dieser Thematik:

"Aufklärung ist eine Metapher. Die darin enthaltene Metapher des „Lichts“ lässt sich unterschiedlich verwenden. ... In der islamischen Welt lautet die Frage: Brauchen wir eine von außerhalb unserer Kultur kommende Aufklärung? ...

18.10.2006

Erinnerung an Stefani Jarke

Heute vor 10 Jahren verstarb Stefani Jarke, die mir als CORDELIA in der großartigen Aufführung von Shakespeares KÖNIG LEAR  (Premiere 20.2.1992 - Regie: Dorn / Bühne: Rose) in den Kammerspielen/ München in Erinnerung blieb.

Ich erinnere mich auch noch gut an die bewegende Trauerfeier 
am 25. Oktober 1996 in der Himmelfahrtskirche München-Sendling. Gedenkworte sprach GISELA STEIN und als Abschiedslied wurde die "Mondnacht" von Robert Schumann gesungen.

Ausschnitte aus meinen Buchmalereien

Gisela Stein sagte:

"Es kam dann die Zeit, dass ich sie nur stumm begleitete. Der Umgang mit einer Realität "von unserer Seite" war sicher nicht aufmerksam genug. Prozesse, Veränderungen sind der allgemeinen Wahrnehmung entgangen. Am 13. Oktober durfte ich Stefani sehen. Ich küsste sie und habe sie von uns allen gegrüßt.

Sprechen konnte sie nicht mehr - aber ich spürte ihre Unruhe - sie fühlte die Nähe. Als ich sie sah, wusste ich, dass sie verloren hatte. Hier endete ihr Weg.

15. Brief an die Korinther: 'Siehe, ich sage Euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden.'

Wir trauern um Dich, wir neigen uns, wir nehmen Abschied von Dir. 
Wir werden Dich nicht vergessen - Stefani."

17.10.2006

Kinowelt      Website zum Film

ABSOLUTE WILSON

Zur Zeit täglich 18.45 Uhr im Theatiner Film 

Deutschland 2006 - engl. O.m.U. - Regie: Katharina Otto-Bernstein. - Mit Robert Wilson, David Byrne, Susan Sontag, Philipp Glass, Jessye Norman, Charles Fabius, Suzanne Wilson.

Seine Bühnenproduktionen gelten als revolutionär, doch die Person hinter den Kulissen ist bis heute ein Rätsel geblieben: Robert Wilson. Der Film Absolute Wilson öffnet die Tür zu Leben und Wirken dieses Visionärs, der so grandiose Theaterinszenierungen wie „Black Rider“, „Einstein on the Beach“ und „Deafman Glance“ schuf und im Oktober seinen 65. Geburtstag feiert. Zum ersten Mal offenbart Wilson vor der Kamera auch Persönliches – er berichtet von seiner Lernschwäche, seiner Kindheit in der strengen und rassistischen Welt des amerikanischen Südens und von den Hürden, die er auf seinem außerordentlichen Lebensweg zu überwinden hatte. Zu Wort kommen auch Weggefährten und Freunde wie Tom Waits und David Byrne, die Publizistin Susan Sontag und die Sängerin Jessye Norman.
Mit Absolute Wilson drehte die Hamburger Filmemacherin Katharina Otto-Bernstein ein faszinierendes Porträt über einen der innovativsten und rätselhaftesten Künstler unsere Zeit.

Bisher gesehen und jedes mal beeindruckt:

  • Der Mond im Gras  - Einmal Keinmal Immer - in der Münchner Kammerspielen (Uraufführung 10.4.1994)

  • Persephone - Musik von Gioachino Rossini und Philip Glass im Luzerner Theater 1999

  • The Black Rider (Robert Wilson/Tom Waits/ William S. Burroughs) im Residenztheater in München in der Saison 1999/2000 mit der großartigen Natali Seelig


Entdeckte Schöne im Abgussmuseum in der Meiserstraße in München, das sich zur Zeit dem Thema "Persephone" widmet.  Hier kann man den Hauptraum auch virtuell besichtigen.

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16.10.2006

 

Zwei Sendung mit Eugen Biser auf BR alpha, 
am 18.10 und 15.11 um 20.15 Uhr 


"Glaube und Politik - Visionen für eine humane Zukunft"

Über das komplexe und spannende Thema "Glaube und Politik - Visionen für eine humane Zukunft" diskutieren zwei bedeutende Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik: 

Prof. DDr. Dr. h.c. Eugen Biser Professor em. für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Begründer und Leiter des Seniorenstudiums der LMU, Päpstlicher Ehrenprälat

im Gespräch mit Dr. Theo Waigel , Jurist, Bundesminister der Finanzen a. D. und bekennender Katholik, 1973-1988 Vorsitzender der CSU-Grundsatzkommission, 1988-1999 CSU-Vorsitzender, seit Anfang 2006 Leiter des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie in Tutzing.

Unter dem Titel "Das spirituelle Vakuum: Die entbehrte Mystik" führt der Religionsphilosoph Eugen Biser in seinem Buch "Glaubensprognose" aus:

Wenn die Anzeichen nicht trügen, steht das Christentum insgesamt im Begriff, sich von seiner moralischen Selbstdarstellung [..] zu verabschieden, um in seine mystische Zukunft einzutreten. Da eine derartige Verabschiedung sich niemals reibungslos, sondern immer nur in Stauungen, Konflikten und Brüchen vollzieht, sind die gegenwärtigen Spannungen [..] aus der Natur des Übergangs zu erklären. Verständlich wird in dieser Sicht vor allem die moral- und sexualethische Engführung der kirchlichen Doktrin, die nun als nachdrückliche Manifestation einer sich primär als moralische Autorität verstehenden Kirche erscheint; [..] Die Glaubensgemeinschaft wird in ihrer sensiblen Spitze mit aller Kraft dem Kommenden entgegenstreben, wenn nicht gar es vorwegnehmen.

Karl Rahner versicherte, der Christ der Zukunft werde ein Mystiker sein oder er werde überhaupt nicht sein. Damit setzte er Nietzsches aggressiver Untergangsprognose die Überzeugung von einem zu seiner eigenen Innerlichkeit erwachenden Christentum entgegen.

Diese Mystik-Prognose läßt sich durch eine theologische Deutung der neueren Geistesgeschichte stützten, sofern sich diese wie ein sich zusehends verschärfender Disput um den ontologischen Gottesbeweis ausnimmt.

14.10.2006

Hannah Arendt, die Leidenschaft des Denkens

Zum hundertsten Geburtstag der Philosophin

«Vita activa» - der Titel des philosophischen Hauptwerks von Hannah Arendt könnte auch als Motto über dem Leben der Denkerin stehen. Die am 14. Oktober 1906 Geborene hat immer wieder in die öffentlichen Angelegenheiten, in die «res publica», eingegriffen.

>>> In der NZZ ist ein Aufsatz von Martin Meyer zu finden
>>> In der TAZ ein Interview unter dem Titel "Hannah Arendt wird in Israel gehasst" mit Idith Zertal

"Kein Denker polarisiert in Israel so stark wie Hannah Arendt. Denn ihre Kritik des Zionismus rührt an die Mythologien des israelischen Staates. Doch mit dem Verblassen des Zionismus wächst das Interesse an Arendt, so Idith Zertal"

Interessante Verweise finden sich im 
Münsteraner Forum für Theologie und Kirche (MFThK)

 

13.10.2006

Friedensnobelpreis für "Bankier der Armen"

Oslo/Dhaka (dpa) - Der diesjährige Friedensnobelpreis geht völlig überraschend an den Wirtschaftsfachmann Mohammed Junus aus Bangladesch und die von ihm gegründete Grameen Bank. Das Nobelkomitee in Oslo begründete seine unerwartete Entscheidung am Freitag mit "erfolgreichen Bemühungen zur Erzeugung wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten".Mohammed Junus

Der 66-Jährige organisiert mit der Bank seit mehr als dreißig Jahren vor allem Kleinstkredite für arme Menschen in dem südasiatischen Land.

In der Preisbegründung hieß es weiter, dass es "dauerhaften Frieden nicht geben kann, so lange große Bevölkerungsgruppen keine Wege aus der Armut finden". Kleinstkredite, wie sie von Junus und seiner Bank vergeben werden, seien solch ein Weg. "Junus hat sich als Führungsgestalt erwiesen, die Visionen in praktische Handlung zum Vorteil von Millionen Menschen umsetzen konnte", hieß es weiter. Allein in Bangladesch hätten zwei Millionen Menschen von den zinsfreien Kleinstkrediten profitiert, die ohne Sicherheit und überwiegend an Frauen vergeben werden.

12.10.2006

Vortrag von Robert Spaemann in der Katholischen Akademie in München über das Thema: "Die Vernünftigkeit des Glaubens an Gott"

Das Gute ist fundamentaler als das Böse
Vortrag des Philosophen Robert Spaemann über die Vernünftigkeit des Glaubens an Gott von Burkhard Haneke
Die Tagespost vom 17.10.2006

Im Portal zur katholischen Geisteswelt von P. Engelbert Recktenwald  findet sich ein Vortrag von Robert Spaemann über "Rationalität und Gottesglaube", der einige Gedanken des Vortrages von München am 12.10.2006 beinhaltet.

 

11.10.2006

Konzert der Münchner Philharmoniker unter Lorin Maazel mit Mozarts Klavierkonzert d-Moll KV 466 mit Martin Stadtfeld (SZ - Harmlos!) und der 2. Symphonie von Jean Sibelius 

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ICH
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Theodor Frey  I   München   I   Seeg /Allgäu    

(Theo Frey)  

Kontakt:
theodor.a.m.frey@gmx.de

Anregungen, Hinweise und Reaktionen sind herzlich willkommen

Ignaz-Günther-Straße 1
81927 München

Geboren am 29.9.1946  in Seeg /Allgäu 

TAM (Signatur meiner Bilder und Zeichnungen )

Bitte haben sie Nachsicht über manches noch sehr
unvollkommen Gestaltetes und nicht ausreichend Ausgeführtes. 
Meine Absicht  ist es aber nichts Fertiges anzubieten, 
sondern die Inhalte und die Gestaltung, auch nach den
auf mich zukommenden Themen und Inspirationen
auszurichten.
Es sollen bewegte und farbige Seiten sein.

Als Gestalter der Seiten unter theodor-frey.de habe ich Hyperlinks zu anderen Homepages  gelegt. Für all diese Verweise  möchte ich ausdrücklich betonen, dass ich keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe. Obwohl ich diese Seiten sorgfältig auswähle, möchte ich mich vorsorglich ausdrücklich von allen Inhalten aller gelinkten Seiten distanzieren und darauf hinweisen, dass ich mir deren Inhalte nicht zueigen mache.

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   BESONDERE HINWEISE MIT AUSFÜHRLICHEREM INHALTSVERZEICHNIS

Die zusammenfassenden  Gedanken finden sich in folgenden Ausführungen

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Hier einige Philosophen und Theologen sowie philosophische Themen

PHILOSOPHIEN   I   THEOLOGIEN   I   RELIGIONEN    

Teilhard de Chardin   I   Romano Guardini   I   Karl Jaspers   I   Franz Rosenzweig   I   . . . .

Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.)

 

ENZYKLIKA
 "
DEUS CARITAS EST " 
VON PAPST BENEDIKT XVI. 



Über die Zeit

Über Zahlen

Über Symbole

Über Räume

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Meine Beschäftigungen mit den Künsten
vor allem dem in den letzten Jahren Gehörten und Gesehenen finden sie hier


THEATER

Claudel   I    Shakespeare   I   Tschechow   I   Ibsen    I    . . . . . . .


KONZERT UND OPER

Bruckner   I   Mahler   I   Mozart   I   Messiaen   I   Schostakowitsch   I   Wagner   I   Widmann


LITERATUR

Orhan Pamuk (Literaturnobelpreis 2006)   I   . . . .

Jankélévitch (DER TOD) untersuche den "Skandal" des Todes, der trotz aller Anstrengungen unbegreiflich bleibt. 
Dazu überschreitet er die Grenzen der eigenen Disziplin und nimmt auch Literatur und Musik zu Hilfe, um sich dem Tod in "genau kreisenden Bewegungen" anzunähern. 

Der Tod ist bei Jankélévitch eine "Ordnungsmacht", 
die Vergangenheit und Zukunft des Menschen strukturiert. Der unumstößlichen Wahrheit des Lebensendes setzt der Philosoph ein "Vielleicht" entgegen, das gleichsam eine letzte Hoffnung auf die schöpferischen Kräfte des Menschen verdeutlicht.


BILDENDE KUNST

Hans Wimmer   I   In memoriam Salvator Dali   I   . . . . . . 

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Beispiele meiner Beschäftigungen mit gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen

GESELLSCHAFT   I POLITIKEN   I    

WISSENSCHAFTEN   
  

Darm   I   Gehirn   I   Genom     Sonnen und Sterne    Urknall     String-Theorie   I   . . . . . .

 

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Und hier einiges Persönliche

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THEODOR ALBERTUS MAGNUS FREY

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ÄLTERE EINTRÄGE

[31.08.] BISER - NIETZSCHE - HITLER
[26.08.] ALL-EINHEIT / ALL-JETZT
[25.08.] BISER UND BENEDIKT
[25.08.] DARÜBER HINAUSSCHAUEN
[24.08.] STERNENKUNDIG UND STURMERPROBT
[19.08.] VERBLENDUNG
[17.08.] HEIMAT ALS DREIFACHER SCHIRM
[16.08.] ZEITENBAUM
[16.08.] BEZIEHUNGEN: EINHEIT - DUALITÄT - ICH
[15.08.] BACHMANN UND HÖLDERLIN
[14.08.] SINNENWEGE
[14.08.] FREYHEIT
[13.08.] ZUVORKOMMENDE ZURÜCKHALTUNG
[11.08.] DIE ETWAS ANDERE BILANZ
[07.08.] PHILOSOPHIE MEETS ZEN
[01.08.] WEHMÜTIGE ABSCHIEDE
[31.07.] WENN ZEIT ZU STEIN ERSTARRT
[27.07.] WANDEL IM DENKEN UND HANDELN ERFORDERLICH
[25.07.] RÜCKBLICK AUF DIE VORFREUDE
[21.07.] SPÜRBARER ZINSESZINS - GOTT
[21.07.] A REVOLUZZER
[10.07.] SIE HÖREN WEIT - SIE SEHEN FERN
[09.07.] TRAUERFARBENES LAND
[09.07.] WANDLUNGEN
[04.07.] WER GEWINNT ?
[01.07.] WEITVERZWEIGTES
[23.06.] ZWEISEITIG
[22.06.] ÉLAN VITAL
[19.06.] ALLES WAS MÖGLICH IST, WIRD IRGENDWANN AUCH WIRKLICH
[17.06.] WO BLEIBT DIE KUNST DES UMGANGS MIT DEN LÜSTEN ?
[13.06.] GROßER MAGIER DER TÖNE
[09.06.] FUSSBALLWELT
[07.06.] WUNDER PROBIEREN
[06.06.] SAAL DER GEFORENEN SEELEN
[01.06.] URFASSUNG BRUCKNERS VIERTER
[30.05.] DEMUT UND SELBSTBEWUßTSEIN
[27.05.] VERSÄUMTE VOLLENDUNG
[24.05.] DREI - ZWEI - EINFACH
[22.05.] AUS - EINANDER
[18.05.] (OHN)MÄCHTIGE ZEIT
[13.05.] KREISEN
[11.05.] WANDEL DER FRAGEN
[09.05.] ÜBERHOLVORGANG
[06.05.] 12 WEGSTATIONEN ZUR ARBEIT
[06.05.] VERGÄNGLICH - UNSTERBLICH
[05.05.] SCHÖN - WEISE - GUT
[04.05.] STARKE BILDER
[04.05.] RAUMPHILOSOPHIEN
[01.05.] MISSVERSTEHEN
[29.04.] ERSTE SCHRITTE
[28.04.] NAHELIEGENDES
[26.04.] SCHUTZ RELIGIÖSER SYMBOLE
[26.04.] VERGEGENWÄRTIGUNG DES VERSAGENS
[25.04.] NATUR + ZEICHEN
[23.04.] HELLDUNKEL
[23.04.] KULTURGESTALTEN
[18.04.] UNBARMHERZIGER SAMARITER
[17.04.] WO WIR STARK VERTRETEN SIND?
[16.04.] NÄHE
[15.04.] ERKENNEN UND TOD
[14.04.] SCHULD
[13.04.] BEGEGNUNG
[12.04.] SYSTEM - KALT UND KLAR?
[11.04.] MEIN LEIB
[09.04.] GEH DEINEN WEG
[08.04.] VERGANGENES - KOMMENDES
[07.04.] HERZ UND FEDER
[01.04.] AM ORT DIE ZEIT LESEN
[29.03.] SILBE, DIE WORTE ZUM SCHILLERN BRINGT
[28.03.] WER IST SCHULD ?
[27.03.] MEHR KREIDE!
[25.03.] SCHEUES LICHT
[24.03.] POETISCHE PHYSIK
[23.03.] WELT - ENDE - TRAUM - RAUM
[22.03.] AUGENSYMPHONIE
[18.03.] SEGEN
[17.03.] BAUELEMENTE
[16.03.] DU BIST GERUFEN
[16.03.] STERNENMAß
[15.03.] HEITER ?
[14.03.] LAST
[14.03.] STUNDE
[10.03.] Einfach einfach
[08.03.] Ein Engel möge dich begleiten
[05.03.] Frühlingserwachen oder die weiße und goldene Welt
[01.03.] L’oeuvre d’art, un arrêt du temps
[26.02.] Irrfahrten mit Unterbrechungen
[26.02.] Aspiringestützer Nihilismus oder Fortschrittsglaube?
[24.02.] Bescheidenheit
[17.02.] Luftschau in der Schellingstraße in Schwabing
[16.02.] Fröhliche Tiefe von oben
[11.02.] Nesselwanger gewinnt erste Goldmedaille bei der Olympiade in Turin
[09.02.] Grammy für Mariss Jansons mit Schostakowitsch
[08.02.] Musikschätze des Vatikan
[07.02.] Keusche Göttin im silbernen Glanze
[04.02.] Klare Eindringlichkeit
[02.02.] So machen's (nicht) alle

[27.01.] Reich mir die Hand ....
[23.01.] Heute 20. Todestag von Joseph Beuys
[21.01.] Florenz 1996
[19.01.] Weicher und harter Naturalismus
[19.01.] musica viva
[15.01.] Stadt - Land - Nacht - Tag
[12.01.] Zum 100. Geburtstag von Emmanuel Lévinas
[06.01.] SEIN - NICHT SEIN - NICHTS - NICHT NICHTS
[02.01.] Wechsel mit Wiener Klängen

2005
[31.12.] Veränderungen sind möglich
[29.12.] Neues Cafe in der Alten Pinakothek in München
[29.12.] Nähe und Weite - Mitleid und globale Moral
[26.12.] Kugelgestalten
[24.12.] ZUVERSICHT
[21.12.] Der Tag ist nicht mehr fern
[18.12.] Im Anfang war das JA
[15.12.] Lenkst den Himmel wirbelnden Schwunges
[14.12.] Eselsbrücke
[11.12.] JETZT IM ADVENT
[06.12.] Ausgangslage und Hindernisse
[05.12.] Tapferkeit
[04.12.] ADVENTSSCHAM
[29.11.] Suggestionstherapie für Thomas Mann
[27.11.] ADVENTSSEHNEN
[21.11.] Himmlisch - Irdisch
[19.11.] Weiße Rose
[13.11.] Erleben
[12.11.] Entdeckungen der letzten Woche
[12.11.] Widersprüche
[09.11.] 30 Zentimeter weiter rechts
[08.11.] SYMBOLE
[05.11.] Teurer Name, dessen Klang
[02.11.] "Keine Angst. Es kann nichts schiefgehen." Aus dem Finale des ersten Aktes der Verdi Oper - Rigoletto
[30.10.] Friede sei mit euch!
[29.10.] Aus-gedacht (Eine dürre und eine fette Version)
[27.10.] Herbstzauber und grüner Geist
[24.10.] Die bewegenste Geschichte, von der ich seit langem hörte
[23.10.] Friedenspreis des deutschen Buchhandels an Orhan Pamuk
[23.10.] Zahlen und Figuren
[22.10.] Auerdult
[20.10.] Wandlungen
[19.10.] Lektüre für die Koalitionäre
[18.10.] Schwarz und Rot suchen ein Format
[17.10.] Gegliederte Schönheiten
[17.10.] Zwischen der Dritten und der Vierten
[17.10.] Ein leuchtender Stern am Denkerhimmel
[16.10.] Hinreißende Vitalität
[09.10.] Herbst-Traum - Herbst-Raum im Hofgarten
[09.10.] Zunge und Auge sind Vögel den Dingen - Auszug aus einem Gedicht des mexikanischen Dichters Mendiola
[08.10.] Munich Soul of Gospel
[08.10.] Schweinfurter Rahmen
[07.10.] Friedrich Rückert - Ich bin der Welt abhanden gekommen
[03.10.] Offen nach Ost und West, nach links und rechts
[03.10.] Crossart - Hella Santarossa
[02.10.] Der dreizehnte Tag des zwölften Monats
[30.09.] In memoriam Karl Amadeus Hartmann von Ingeborg Bachmann
[29.09.] ZEITSTRAHL
[26.09.] Zirkeleien
[25.09.] Neunundzwanzig
[23.09.] Gestalt - Werdung
[21.09.] Schnelle Skizze - Großes Gesicht im Süden
[21.09.] Weiblein und Männlein
[20.09.] Verstehen
[18.09.] Entdeckungen
[09.09.] Zeit ... Urlaubszeit ... Auszeit ...
[07.09.] Im frühen Morgenlicht
[06.09.] See - See
[06.09.] Grenzziehungen
[03.09.] 2 mal morgens um Sieben in München ...
[31.08.] In Muße gehen ist allen Denkens Anfang
[29.08.] Es ist mal wieder soweit - Beginn des ARD - Musikwettbewerbs 2005
[28.08.] Das Elend der Größe
[26.08.] Mir Gott spielt man nicht - aber mit dem Hund aus der Stadt
[21.08.] Ursprung, Ziel und Gegenwart
[16.08.] Träume und Wirklichkeit
[15.08.] MUSIK als Rückkehr in das Reich des Herzschlags und des archaischen Soprans
[12.08.] Jahrestag III
[12.08.] Jahrestag II
[12.08.] Jahrestag I
[09.08.] Raumphilosophien unseres Sohnemanns
[08.08.] Doch sehr Neuzehntesjahrhundertlastig!
[04.08.] Evolutionisten - Kreationisten - Intelligente Designer und andere Sucher im göttlichen Millieu
[04.08.] Anno domini 1770 - Gefühlsreichtum eines Vierzehnjährigen
[31.07.] CELAN - Feinfügig
[31.07.] Verborgen in Bücher
[25.07.] Wachstum, Wachstum, Wachstum .....
[24.07.] Wie lang bleibt ein Erlebnis?
[22.07.] Was sollen wir tun?
[17.07.] Teilhard de Chardin am 30.9.1918:
[16.07.] 500 Jahre Hauptstadt Bayerns
[15.07.] Wortspiel: Ratzinger entspringt dem Atzinger
[09.07.] Kennst Du das Land ...
[07.07.] Zur Neiddebatte II - Spart euch Zeit und Ärger
[06.07.] Der 14. Dalai Lama wird 70
[05.07.] Ein Beitrag zur Neiddebatte
[04.07.] Europa am Scheideweg?
[29.06.] Offenbarung im Raum
[28.06.] Die Geschichte neigt sich zum glücklichen Ende
[25.06.] Das Dieselross und seine Nachfahren
[24.06.] Er saß einfach da und schnupperte
[23.06.] Preise für zwei engagierte Zeitgenossen
[22.06.] Auch ein Matador hat Angst ...
[21.06.] Hoffnung trotz mögliches Scheitern der Welt
[19.06.] Aufmarsch in der Arena
[18.06.] Canale Grande gleich um die Ecke
[16.06.] Der Augenblick nach dem Stich ....
[14.06.] Das Volkstum als Wurzel des Geistes - Neue Diskussion um Heideggers Verstrickung
[12.06.] Au! Das tat weh ... 6. Blatt der Ferdinandgeschichte
[10.06.] Elend und Zärtlichkeit - Fassbinder und Hüsch und eine eigene Sicht
[08.06.] Wozu Musik? - Und der Abschied von Carl Amery
[05.06.] Das Fremde dringt in die Idylle ein ...
[04.06.] Vormittags in den Gottesdienst - Nachmittags Autowaschen
[03.06.] H zwei O - Quelle des Lebens - Göttliche Macht
[02.06.] Ferdinand schnuppert weiter ...
[01.06.] Und weiter geht's mit der Ferdinandgeschichte ...
[31.05.] Rainer Werner Fassbinder wäre heute 60 Jahre alt geworden
[30.05.] Carl Amery ist tot
[30.05.] Heute Namenstag von Ferdinand
[29.05.] Es war einmal in Spanien ... und die Ich-AG des Joachim Ringelnatz in der Schellingstraße
[28.05.] Ferdinand feiert am 30.Mai seinen ersten Namenstag
[22.05.] Eifersucht pur
[14.05.] Frohe Pfingsten
[14.05.] Wilde, bunte Show und wilde, traurige Auswegslosigkeit
[10.05.] Ermutigend ! - Lesungen zur Erinnerung an die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933
[08.05.] Neid und Zorn in Händels Saul
[08.05.] Zum zweimonatigen Geburtstag von Ferdinand - Rot- und Weißkäppchen
[07.05.] Irrende Abenteurer zwischen Gott und Welt
[04.05.] Zwei Öffnungen am alten Flughafengelände in München - Riem
[03.05.] Liebesblick
[01.05.] Leszek Kolakowski zu Teilhard
[30.04.] Der Vatikan im Jahre 1981 zu Teilhard de Chardin
[30.04.] Aufregende Begegnungen zweier Sichtweisen - Joseph Ratzinger und Johann Baptist Metz
[28.04.] Olivier Messiaen und Teilhard de Chardin
[25.04.] Drei Tage in Salzburg
[22.04.] Eugen Biser zur Wahl Benedikts XVI.
[20.04.] Die erste Predigt - mit ermutigenden Ansätzen
[19.04.] Reinheit - Habemus Papam - Benedikt XVI
[18.04.] Ethik der Industrieritter
[17.04.] Kooperation mit der Evolution
[15.04.] Elementare Leidenschaften
[12.04.] Tiefer als der Tod und die Substanzen
[09.04.] Gottessohn - Menschensohn
[09.04.] Von zwei wunderbaren Händen - Teilhard de Chardin zum 50. Todestag
[09.04.] Nichts Vergangenes ist verloren - Dietrich Bonhoeffer zum Gedenken
[02.04.] Paradisi gloria
[01.04.] Selig, die Frieden stiften
[01.04.] Elmar Goerdens vorerst letzte Inszenierung am Münchner Residenztheater
[01.04.] Symbole für ein Neugeborenes
[28.03.] Stefani Jarke - Wir werden dich nicht vergessen!
[28.03.] Realist der Vision
[28.03.] Offene Tore
[27.03.] Nahe im Schweigen - Papst Johannes Paul II spendete den Segen Urbi et Orbi
[26.03.] Ferdinand, der von einer Hummel gestochene Stier
[24.03.] Das Glück nicht überanstrengen
[24.03.] Ort der Verlassenheit
[23.03.] Kunst ist keine glückliche Verwirrung
[22.03.] FERDINAND - Zweite Zeichnung am 11.3.2005
[21.03.] Sein und Haben
[21.03.] Preisgabe - Selbstläuterung
[20.03.] Wer in sich fremde Ufer spürt ... (NOVALIS)
[18.03.] Ein prächtiges neues Gewand - Wiedereröffnung der Stuck Villa
[17.03.] Ben Willikens im Haus der Götter
[16.03.] Dimensionswechsel zwischen Bewußtsein und Physiologie
[15.03.] In der Ruhe liegt die Kraft
[15.03.] Alles nur ein Irrtum?
[14.03.] Der Zusammenklang von Denken - Empfinden - Handeln
[12.03.] Ein geglückter Tag
[10.03.] Milch und Käse - Haut und Fleisch - Leben und Huld
[09.03.] Ferdinand
[08.03.] ER IST DA !
[08.03.] Lebensgeschichtliche Sinndeutung
[07.03.] Vom Wert des sterblichen Seins
[06.03.] Glaubensfragen im Theater II
[05.03.] Glaubensfragen im Theater I
[04.03.] Die große Fuge des Gottestages und Gärten der Hoffnung
[03.03.] Gottes Arm aus dem Frontalhirn
[02.03.] Menschenrechte im blogg
[02.03.] Münchner Philharmoniker - Programm A für 2005/2006
[02.03.] Entfaltung und Einfaltung (explicatio und complicatio)
[01.03.] Mit was würde sich Thomas von Aquin heute auseinandersetzen?
[28.02.] Wohin soll ich mich wenden ....
[26.02.] Barocke Lebensfreude
[23.02.] Münchner Theater beim Berliner Theatertreffen
[23.02.] Einheit
[20.02.] O Mensch! Gib acht!
[19.02.] Bauch- und Rückenansicht der Dinge
[18.02.] Gesichts- Spuren
[17.02.] Trauer um Marcello Viotti
[17.02.] Der Zorn - oder der Kampf mit unseren tierischen Geistern
[15.02.] Sozialtheorie mit ausgeprägter Zärtlichkeit
[14.02.] Sophie Scholl - Die letzten Tage - Julia Jentsch im neuen Film
[13.02.] Erde und Himmel
[13.02.] Ein Mensch ... mit gründlicher Einsicht
[12.02.] Delikates Malen - Erinnerung an einen Blick
[11.02.] Mozart normal - Mozart als Kindskopf
[10.02.] Ikarus und der ruhende Stolz
[08.02.] Dazwischensein
[05.02.] Tugendschwarm
[05.02.] Lazarus in Sri Lanka
[04.02.] Neupfarrplatz in Regensburg
[02.02.] Lichtmess
[01.02.] Folgen der Ideologien
[31.01.] Hintergedanken ent-decken und vom Genie des Herzens
[31.01.] Jetzt hat der Boandlkramer ihn erwischt
[29.01.] Wir verletzen, also sind wir - Botho Strauß Uraufführung im Residenz Theater am 27.1.
[28.01.] Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung
[24.01.] Gemalte Beziehungen - Manet in München
[23.01.] Pantheist - Polytheist - Monotheist
[22.01.] Sodom und Gomorrha - In den Bergen fand man Diamanten und in den Zellen Atome
[20.01.] Die Riesenüberraschung beim Roll-out des A380 - Reise mit Daedalos
[19.01.] Ethisches Paradox -Lieber erfolgreich als gut?
[18.01.] Raumplaner - Raumerkunder - Raumerfahrer
[17.01.] das blutet aus allen wunden - Kurt Marti
[16.01.] Das Lied von der Schöpfung - Der Beginn von PSALM 104 in verschiedenen Übertragungen
[16.01.] Keine Angst vor neuen Tönen
[15.01.] Die ZEIT ernährt sich von den Dimensionen des RAUMS
[14.01.] Heimat - Hoimat - Hoamat
[13.01.]Tränen eingesogen vom Sand
[12.01.] Jener, der weder ich noch der Andere ist
[11.01.] Besuch im Quadrat der Götter - Die Glyptothek in München
[10.01.] Ökumenisches Gebet für die Opfer der Flutkatastrophe
[09.01.] weiß - blau - orange - grün
[09.01.] nahdran - Kunst als tiefe Aufklärung
[09.01.] Wohin führt der Engel des Todes? - Eine stammelnde Trostrede
[08.01.] Altersglück
[08.01.] Leidensbewältigung - Eine christliche und eine philosophische Sichtweise
[06.01.] Das Bild des Menschen im Islam
[04.01.] Rezept für das Neue Jahr
[02.01.] Hiobfrage und Zimzum
[02.01.] Vermessener Glaube - Überheblichkeit oder Ordnungssuche?
[01.01.] Anstoß und Anziehung

2004

[31.12.] Erinnern - Verlangsamen - Verlieren
[28.12.] Ein Monat mit köstlicher Musik
[26.12.] Verfehlte Schöpfung?
[26.12.] Drei Monate Tagebuch - Drei Monate Öffnung und Sammlung
[25.12.] Kinderfrage? - Erwachsenenantwort?
[24.12.] Gottessohn - Menschensohn
[22.12.] Zeitweise weise oder die Weisen das Unfassbare zu fassen
[21.12.] 7 Todsünden
[19.12.] Erquicken an den Wassern der Güte - Advent (IV)
[18.12.] Stille Nacht - Wohin?
[17.12.] Die Türkei und Europa aus der Sicht des Schriftstellers Orhan Pamuk
[14.12.] Wie soll ich handeln? Karl Jaspers im Blick auf Kant
[13.12.] Charta für Muslime
[12.12.] Freut und liebt euch - Advent (III)
[11.12.] Rodion Schtschedrin
[10.12.] Internetseiten für Kinder
[08.12.] Ich bin - Ich werde sein - Vernunft und Glaube
[07.12.] Form und Inhalt – Inhalt und Form
[06.12.] Die Zerrissenheit des Seins und die Wege zur Wahrheit - Karl Jaspers
[05.12.] ERWARTUNGEN - ADVENT (II)
[04.12.] Zeichenelemente - Beziehungsgestalten - Sinngebung
[03.12.] Nibelungentreue oder Deutsche Werte
[02.12.] Zeitrhythmen
[30.11.] Eugen Biser - Vorlesungsmitzeichnungen
[29.11.] Das spirituelle Vakuum: Sichtweise des Religionsphilosophen Eugen Biser
[28.11.] Anfänge - Ankünfte - Advent (I)
[27.11.] Spiel der Schatten und Falten
[26.11.] Byzanz und die Ukraine
[24.11.] Messiaen - der Mystiker der Musik
[24.11.] Weltzeit und Lebenszeit: Kurz ist das Leben – Lang die Kunst – Noch länger die Welt
[23.11.] Das liebste schwäbisch-allgäuerische Wort
[22.11.] Erfindungen lassen sich nicht ent-finden
[21.11.] Planung
[20.11.] Globalisierung des Hasses oder die Würde des kulturell Anderen
[19.11.] Helmut Griem in München gestorben
[19.11.] Fürchte dich nicht - Welche Bedeutung hat der Angekündigte für uns heute?
[19.11.] Gottesbilder - Ist der christliche Glaube ein Auslaufmodell?
[18.11.] Evolution und Geist
[17.11.] CAVEMAN - In der Redoute in Passau
[17.11.] Im Innviertel - Braunau
[15.11.] Albertus Magnus
[14.11.] Göttlich - Dämonisch - Himmlisch
[12.11.] Gesellschaftliche Aufrufe / Meinhof - Beuys - Geissler
[12.11.] Die Gestalt und ihre Elemente - Der Kreis und seine Kreiswerdung
[11.11.] Zukunftsmusik - Hans Magnus Enzensberger zum 75. Geburtstag
[10.11.] Zukünftiges
[09.11.] Die Farben in der Musik der Literatur
[08.11.] L ICH T - DAS ICH ZWISCHEN Leben und Tod
[08.11.] Der 9. Tag im November in der deutschen Geschichte
[07.11.] Richtet nicht! - Maß für Maß von William Shakespeare
[06.11.] ZEIT Prüfung - Die Ausgabe vom 27.9.1963
[05.11.] Stein und Baum - "Das Ende des 20. Jahrhunderts" von Beuys
[04.11.] Zahl in Kunst und Natur
[03.11.] Himmlisches Wasser - Claude Monet
[02.11.] Italia und Germania - und noch mehr Beziehungen
[02.11.] Anton Bruckner 5. Symphonie
[31.10.] Anton Bruckners ringen um Gestalt - Seine 5. Symphonie unter Thielemann
[30.10.] Henze über Karl Amadeus Hartmann(1905 - 1963)
[30.10.] Gegenmittel zur Angst oder die Konter-Evolution - Fortsetzung
[29.10.] Gegenmittel zur Angst oder die Konter-Evolution (Teilhard de Chardin)
[28.10.] Menschenverführung - Menschenverachtung - Menschenvernichtung
[26.10.] Eins – Zwei – Drei
[25.10.] Einen Monat "Tagebuch" - Wie solls weitergehen?
[24.10.] Kultur und Natur im Seeger Land
[22.10.] Versuche im Dschungel der wilden Farben - Asger Jorn
[21.10.] Versuch über eine schwarze Tafel - Joseph Beuys (1921 – 1986)
[20.10.] Schöne neue Welt
[20.10.] Umkehrung der Machtverhältnisse
[19.10.] Zwei Welten - Neubau und Aufbau
[18.10.] Dichtung und Religion
[17.10.] Zwei Sichtweisen - Derrida und Rosenzweig - und eine dritte dazu
[17.10.] Zweifach D I C H T
[16.10.] Fragen? Fragen?
[16.10.] Naturphilosophie - Schelling
[16.10.] SAID - AUSSENHAUT BINNENTRÄUME
[15.10.] Friedensträume des Nobelpreisträgers Jaroslav Seifert
[14.10.] Prolog: VOM OFFENEN GEHEIMNIS"
[14.10.] Genesis von Fridolin Stier
[13.10.] Von Gurus und Götzendienst - Aus dem Nachlass von Erich Fromm
[12.10.] Stadtgestalt
[11.10.] München aus der Sicht des jordanischen Dichters Al-Amiri
[10.10.] Pinakotheken in München
[10.10.] Christliche Werte und Traditionen
[09.10.] Christian Dietrich Grabbe: Theodor von Gothland
[09.10.] Musik und Nietzsche
[08.10.] Solarenergie
[08.10.] Konzert mit Mariss Jansons
[08.10.] Moralische Regeln und soziale Tatsachen
[07.10.] Zwieträchtige Eintracht
[06.10.] Theater - Opern - Konzertsaison 2004/2005 in München
[05.10.] Poesie und Wissen
[04.10.] Soziale Ungleichheiten
[03.10.] Christoph von Schmid
[03.10.] Zugzeichen
[02.10.] Analyse oder Synthese (Element oder Gestalt)?
[01.10.] Plausibler Verdacht zur Sinnfrage
[01.10.] Teilhard de Chardin und die Konvergenz des Universums
[30.09.] Zeichnungen und ein Gedicht
[29.09.] Geburtstagsfunde
[28.09.] Cézanne und der Raum
[28.09.] Nächtliche Fundstücke
[27.09.] Vor langer Zeit
[26.09.] Geist und Computer
[25.09.] Soviel Anfang war noch nie

 

 

 

  

Das Jahr  

2003

2004


 

Genussorte       I   II  III


 

SCHLAGWÖRTER

Achtgeben
Ankunft

Arabische Antworten

Aufklärung
      Kant
Bewegungen
Chaos
Einfühlen
Erkenntniswege
Fortschritt
Fundamentalismus

Ganzes
Geheimnis
Genesis
Genom
Gewalt
Glauben

Globalisierung
Gottesbilder

Hälfte
Heilige

Hilfen
Humor

Karusell
Kinder

Leiden
Licht

Materie/Geist
Menschenwürde
Opfer

Planen
Sammlung
Schweigen
Seelenfrieden

Sinne
Staunen
Struktur

Sünde

Veränderung

Verantwortung

Verborgenheit
Vernetzung
Vernichtung
Verstrickung

      Heidegger
Wasserstoff
Werden
Werte

Wollen
Wunder
Zeichen

Karl Jaspers

Pantheist - Polytheist - Monotheist

Entweder Monotheist, oder Polytheist, oder Atheist, oder .... Oder? Karl Jaspers schreibt über die Philosophie Goethes und stellt seine Fähigkeit heraus, die Vielfalt der Anschauungen und Symbole zu wahren. Goethe wahrt die Freiheit je nach Situation zu denken, etwa Pantheist zu sein, als Naturforscher - Naturwissenschaftler - Welterkunder Polytheist zu s...
23.01.2005 Zum Eintrag

Wie soll ich handeln? Karl Jaspers im Blick auf Kant

 Sein Handeln kommt mir wie ein Bestätigung der Worte von Jaspers vor. "Was können wir denn tun? Wir können dem jeweils bestimmten moralischen Gesetz entsprechend ... handeln. Aber das Gute wie das Böse liegt in der Gesinnung, aus der gehandelt wird. Wir müssen mehr tun als objektiv nach dem Gesetz zu handeln. Wenn ich mir meine Gesinnung...
14.12.2004 Zum Eintrag

Freut und liebt euch - Advent (III)

Karl Jaspers über die Liebe:(Von der Wahrheit) "Das Wort 'Liebe' trifft Weites und Enges, Unergründliches und Banales, und doch hat es seinen Klang nicht verloren. Es wird zwar so leichthin gebraucht, so sentimentalisch gewendet, so zweckhaft benutzt, so sehr verkehrt, daß wohl eine Abneigu...
12.12.2004 Zum Eintrag

Die Zerrissenheit des Seins und die Wege zur Wahrheit - Karl Jaspers

Karl Jaspers ein großer Philosoph (1883-1969) auf der Suche nach der Wahrheit in der Zeit "Wir leben nich unmittelbar im Sein, daher wird Wahrheit nicht unser fertiger Besitz. Wir leben im Zeitdasein: Wahrheit ist unser Weg. Unsere höchsten Augenblicke sind unser Innesein des Wahren, sei es im Tun, sei es in der Wirklichkeit des bewegten Bewußtsein, sei es in der Teilnahme am...
6.12.2004 Zum Eintrag

Das Jahr 2003 

Ankunft

21.12.2003

-längste Nacht -

 

"Geben wir dem Advent Gottes wirklich noch eine "Zu-kunft"? Oder haben wir nicht heimlich Gott in das Ghetto einer puren Vergangenheit gefesselt? 

Die Gefahr ist groß, daß wir diesen Advent Gottes niederhalten vor den Augen unseres Geistes, daß wir uns einringeln und abschirmen gegen ihn. Immer wieder erfindet unser Herz tausend listen, das religiöse Schicksal der Menschheit hineinzuvergessen in eine bloße Vergangenheit, welche die Erinnerung der Jahrtausende längst entschärft und verharmlost hat. Diese Neigung, alles Schicksalhafte des Religiösen gleichsam im Praeteritum zu lesen, geht so weit, daß wir auch in unserer ganz persönlichen religiösen Erfahrung vielfach nur von unserer eigenen Vergangenheit zehren, von der Kindheit und einer frühen jugendlichen Begeisterung, daß wir mithin in diesem fatalen Sinn in den Kinderschuhen steckengeblieben sind, weil wir in geheimer Absicht alles Künftige eines reifen Lebens profanieren und entzaubern, Gott selbst darin sozusagen keine Chance für seine Initiative geben und keine Möglichkeit, sich in jenen Zügen zu enthüllen, die ihn glaubwürdig machen als den Gott schmerzlicher Einsamkeit und Angefochtenheit des Alters. Und dies, weil wir letztlich den noch harrenden Advent Gottes auf uns hin ignorieren und die Wolke des schweigenden Gottes, die adventlich über unserem noch unverfügten Dasein liegt, verscheuchen möchten."

Johann Baptist Metz

Wunder

15.12.2003

 

Eine große Überschwemmung. Das Wasser dringt schon in die Häuser. Boote kommen, um die Menschen zu retten. Ein Typ steht im Wohnzimmer und betet. Die Leute sagen: "Komm jetzt ins Boot. " Er sagt: "Nein, ich bete, dass Gott ein Wunder macht." Die Männer im Boot: "Okay, wir kommen in einer Viertelstunde wieder." Sie fahren weiter. Als sie wiederkommen, ist das Wasser noch mal gestiegen. Der Mann steht immer noch da, betet und weigert sich, in das Boot zu steigen. Die Männer im Boot: "Beeil dich mit deinem Gebet, wir kommen in fünf Minuten wieder." Das Wasser steigt höher und höher. Die Männer im Boot werden grob, beschimpfen ihn, aber er weigert sich weiterhin einzusteigen. Das Wasser steht ihm bis zum Hals. Er betet und betet. Eine Flutwelle kommt, er ertrinkt. Ist tot. Seine Seele kommt in den Himmel, geht durch die Himmelspforte, sieht ein Licht und fragt: "Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum hast du kein Wunder geschehen lassen?" Und Gott sagt: "Was für ein Wunder? Ich hab dreimal ein Boot geschickt."

ZEICHEN

26.11.2003

 

 

Gmäeß eneir  Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige, was wcthiig ist, ist dsas der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion sehten. Der Rset knan ttoaelr Bsinöldn sien, todzterm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das legit daarn, dsas wir nihct jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als Gnaezs.

 

Wasserstoff

20.11.2003

 

Die meisten Beobachter sind sich einig, dass mit dem Wasserstoff – dem leichtesten und im Universum häufigsten Element – die nächste große Energierevolution kommen wird. Von Wissenschaftlern wird Wasserstoff gern als „Unendlich-Brennstoff“ bezeichnet, weil seine Vorräte unerschöpflich sind. Bei seiner Nutzung zur Stromerzeugung fallen reines Wasser und Wärme als einzige Nebenprodukte an. Wasserstoff bietet die Chance, die Abhängigkeit der Welt vom Erdöl im Persischen Golf zu beenden. Durch ihn werden die Kohlendioxid-Emissionen drastisch reduziert und die Auswirkungen der Klimaerwärmung gedämpft. Man wird auch dort Strom mit Wasserstoff erzeugen können, wo die Menschen bisher keine Möglichkeit der Stromgewinnung hatten. ...

 

 Wasserstoff tritt mit einem Janusgesicht auf. Zwar existiert er überall auf der Erde, aber selten kommt er frei fließend in der Natur vor. Wasserstoff muss vielmehr aus fossilen Brennstoffen, aus Wasser oder aus Biomasse extrahiert werden. Mit anderen Worten: Es gibt schwarzen und es gibt grünen Wasserstoff. Hierin liegt der wesentliche Unterschied zwischen Bushs Vision einer Wasserstoff-Zukunft und der Vision, die vielen in der Umweltbewegung vorschwebt.

 

Laut Präsident Bush und US-Energieminister Spencer Abraham kann Wasserstoff unabhängig machen von ausländischem Erdöl. Sie erwähnen nicht, dass nach ihren Plänen all die bisherigen Energiequellen wie Erdöl, Erdgas, Kohle und sogar Kernenergie für die Gewinnung von Wasserstoff herangezogen werden sollen. Kurz: Präsident Bush möchte uns in eine Wasserstoff-Zukunft führen, ohne die fossilen Brennstoffe und die Kernkraft eines Tages hinter sich zu lassen. Derzeit wird Wasserstoff meist mittels Dampfreformierung aus Erdgas gewonnen. Zwar verursacht Erdgas weniger CO2-Emissionen als andere fossile Brennstoffe, doch es ist eine endliche Ressource mit relativ knappen Vorräten und deshalb kein brauchbarer Weg, langfristig die Erzeugung von Wasserstoff zu sichern. Wasserstoff lässt sich auch aus Kohle gewinnen. Das Problem ist, dass bei der Kohleverbrennung doppelt so viel CO2 frei wird wie bei Erdgas, so dass die Klimaerwärmung weiter stark zunähme. Auch die Atomindustrie würde gern Wasserstoff produzieren, wären da nicht ungelöste Fragen wie die sichere Lagerung von atomaren Abfällen, hohe Kosten für den Bau neuer Reaktoren und die Gefahr terroristischer Angriffe auf Kernkraftanlagen.

 

Es gibt indes eine ganz andere Möglichkeit der Wasserstoffproduktion – eine, bei der weder fossile Brennstoffe noch Atomenergie nötig sind. Erneuerbare Energien – Photovoltaik, Wind, Wasser und Geothermie – werden zunehmend zur Stromerzeugung genutzt. Dieser Strom lässt sich zur Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mittels Elektrolyse verwenden. Der so erzeugte Wasserstoff kann gespeichert werden oder dem Antrieb von Fahrzeugen und der Sicherung der Stromversorgung dienen. Wasserstoff kann zudem aus nachwachsenden Rohstoffen und Agrarabfällen in einem als Vergasung bezeichneten Prozess gewonnen werden. Bei der Nutzung von Biomasse steigen die CO2-Emissionen kaum an, da der bei der Wasserstoffgewinnung frei werdende Kohlenstoff zuvor von den Pflanzen aus der Atmosphäre entnommen wurde. ...


Die Vorteile einer Wasserstoff-Zukunft kommen nur voll zur Wirkung, wenn für die Wasserstoff-Gewinnung zunehmend erneuerbare Energiequellen erschlossen und schließlich primär genutzt werden. Bis zum Erreichen dieses Ziels könnte die US-Regierung in ihrem Land viel für den Klimaschutz tun: die Einführung von Hybrid-Autos fördern sowie das landesweite Stromnetz instand setzen und umbauen und die Kyoto-Protokolle zum Klimaschutz ratifizieren. Parallel zu diesen Aktivitäten müsste sie die Erforschung und Entwicklung von Technologien zur Nutzung erneuerbarer Energien, von Wasserstoff und Brennstoffzellen fördern.


SZ am 20.11.2003

Jeremy Rifkin ist Zukunftsforscher, 
Autor und Präsident der Foundation on Economic Trends in Washington. 

 

ACHTGEBEN

17.11.2003

 

Globalisierte Emotionen

Der neue europäische Antisemitismus / Von Ulrich Beck

 (Auszüge SZ vom 17.11.2003)

... Die Theorie der Identität, der Gesellschaft und der Politik, die davon ausgeht, dass wir nach wie vor in klar gegeneinander abgegrenzten, nationalstaatlich organisierten Containern leben, wird historisch falsch. Auch das Mitleiden ist in der globalisierten Fernsehkultur nicht länger an das nationale Freund-Feind-Schema gebunden. Seit die Fernsehbilder der Kriegshandlungen und ihrer Opfer überall empfangen werden, begreift man, dass Gewalt in einem Winkel des Globus Gewaltbereitschaft in vielen anderen Winkeln des Globus hervorbringen kann. Wenn Zivilisten und Kinder in Israel, Palästina, im Irak oder in Afrika leiden und sterben, und dieses Leiden in ergreifenden Bildern in den Massenmedien präsentiert wird, dann entsteht ein kosmopolitisches Mitleiden, das zur Stellungnahme aufruft. ...

 

Die Mehrzahl der Deutschen (und der Europäer) akzeptiert nicht die für die deutsch-jüdische Versöhnung so zentrale Unterscheidung von Juden und Israelis. Bei dem obligatorischen Small Talk nach der Rede des israelischen Staatspräsidenten sieht sich Ignatz Bubis, der ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, mit dem Kompliment konfrontiert: „Ihr Staatspräsident hat aber eine gute Rede gehalten“. „Klar“, antwortet Bubis, „Roman Herzog hält eigentlich immer gute Reden.“ „Nein, nein, ich meine Ihren Staatspräsidenten, Herrn Weizman.“ In dieser essentialistischen Gleichsetzung von Juden mit Israelis sehen sich angesichts der Israel-Kritik deutsche Juden erneut ausgegrenzt: Die Israel-Kritik schlägt um in Judenkritik, Judenfremdheit, Judenfeindlichkeit. So vollzieht sich schleichend der Übergang vom deutschen Juden als Symbolfigur des schlechten Gewissens zum Juden als Fremden. Die Risikozeit für alltägliche Ausgrenzungserfahrungen (und Schlimmeres) wächst.

Auf der anderen Seite akzeptieren angesichts der eskalierenden Gewalt viele Israelis offenbar immer weniger die Unterscheidung zwischen Israel-Kritik und Antisemitismus. Das hat seine Gründe. Das flinke Wort „Israel-Kritik“ ist bemerkenswert zweideutig: Wird das Existenz-Recht dieses Staates kritisiert? Oder die Regierungspolitik Sharons? Oder legitimiert gar dieses jenes? Was also besagt es, wenn Israel von mehr als der Hälfte der EU-Bürger als Weltfriedensstörer Nummer eins angesehen wird – schlimmer als Nordkorea und Iran, von arabischen Staaten ganz zu schweigen? Wird Israel oder Scharon oder beiden die Legitimität abgesprochen? Hinter der Wortfassade „Israel-Kritik“ brodelt und zündelt es.

Gerade diejenigen, die den Antisemitismus mit Wort und Tat bekämpfen, geraten mit dem eskalierenden Atavismus des israelisch-palästinensischen Konfliktes in diese Zwickmühle: Sie wollen und können die israelische Gesellschaft nicht kritisieren, um ihren Anti-Antisemitismus nicht zu gefährden. Aber sie müssen die Politik Scharons kritisieren aus demselben Grund, um nämlich die moralischen Grundlagen ihres Anti-Antisemitismus nicht in Frage zu stellen. Diese klassische Double-bind-Situation wiederum enthemmt den ganz normalen Antisemitismus, der sich, anti-israelisch gewendet, legitimieren und entfalten kann. Zugespitzt gesagt: Das Neuartige ist, dass ungewollt eine Koalition zwischen Anti-Antisemitismus und Antisemitismus entsteht.

Neu sind nicht die Fratzen des Antisemitismus. Neuartig jedoch ist der zugleich globale und lokale Wirrwarr der Konfliktknäuel, die „Globalisierung“ des israelisch-palästinensischen Konflikts und das Paradoxon, dass es ausgerechnet die menschenrechtliche Sensibilität und die darauf fußende Kritik Israels ist, die die Dämme bedrohen, die gegen den Antisemitismus errichtet wurden. Gerade weil es selbstverständlich ist, dass Europäer die Politik der israelischen Regierung kritisieren, und weil selbstverständlich ist, dass derjenige, der Scharon kritisiert, nicht automatisch Antisemit ist, unterhöhlt der in Europa verinnerlichte israelisch-palästinensische Konflikt die in den letzten Jahren errungenen Umgangsformen des Multikulturalismus: Je moralisch berechtigter diese Scharon-Israel-Kritik auftrumpft oder ist, je einseitiger sie nur auf Israel zielt, je atavistischer die Gewalt- und Hass-Spirale sich dreht, je deutlicher der Nahost-Konflikt also zivilisatorisch regressive Formen annimmt, und je länger er dauert, desto nachdrücklicher gefährdet er die Verständigungs- und Versöhnungsformen zwischen Juden und Nicht-Juden nicht nur in Deutschland und nicht nur in Europa.

 

Wie ist es möglich, dem entgegenzutreten? Vielleicht ist es heilsam, sich die Frage vorzulegen: Wie würde ich werden, wenn ich täglich in Haifa mit dem Linienbus zur Arbeit fahren müsste? Man argumentiert in Europa anders als in Israel nicht – bildlich gesprochen – mit einem Linienbusticket in der Tasche. Um so schmerzlicher ist es, dass gerade diejenigen, die die im Holocaust angelegte Verpflichtung ernstnehmen, in dieser Situation Israel in ein moralisches Ghetto sperren. Schließt die Israel-Kritik etwa auch die israelische Opposition ein, die sich ja gerade wieder mit dem Genfer Plan – einem substaatlich von Israelis und Palästinensern ausgehandelten, historischen Friedenskompromiss – zu Wort gemeldet hat? Das ist ein winziger, wichtiger Hoffnungsschimmer, ein Ölzweig, dem alle Aufmerksamkeit der Welt gebührt. Genau umgekehrt muss in Europa dem palästinensischen Selbstmordterrorismus das stillschweigende Einverständnis entzogen werden, er muss demonstrativ und weltöffentlich als das verurteilt werden, was er ist: eine barbarische Tat, die die zivilisatorischen Minimalia eklatant verletzt und gerade nicht als „Gegenterror“ gerechtfertigt werden kann oder in Kauf genommen werden muss.

ACHTGEBEN

9.11.2003

Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muß den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat. Das ist die Lehre, das ist das Fazit dessen, was uns 1933 widerfuhr ... Drohende Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben. Es ist eine Angelegenheit des Terminkalenders, nicht des Heroismus. 
Obacht geben!

Schriftleitung Schellingstraße 39

Anzeigen Tierschstr. 11-17

Die Acht

Jüdisches Leben in München

Als Ovid sein "Principiis obsta!" niederschrieb, als er ausrief: "Bekämpfe den Beginn!", dachte er an freundlichere Gegenstände. Und auch als er fortfuhr: "Sero medicina paratur!", also etwa "Später helfen keine Salben!", dachte er nicht an Politik und Diktatur. Trotzdem gilt sie auch hier und heute. Trotzdem gilt sie immer und überall.

Erich Kästner - Ansprache auf der Hamburger PEN-Tagung am 10. Mai 1958

VERNETZUNG

5.11.2003

 

Alles hängt mit allem zusammen. Das kann man als dummen Spruch verstehen, aber auch als eine tiefe Weisheit. Frederic Vester, der in der Nacht zum Sonntag im Alter von 77 Jahren in München gestorben ist, hat es als seine Lebensaufgabe angesehen, uns die Kunst, vernetzt zu denken zu lehren. ... "Wir müssen lernen, dass die Beziehungen zwischen den Dingen oft wichtiger sind als die Dinge selbst". ... Nicht das Lernen unendlich vieler Informationen sondern die richtige Herstellung von Beziehungen zwischen verschiedenen Daten ist, wie Neurowissenschaften heute wissen, die Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit des Gehirns. ... Vernetztes Denken müsse man bereits  in jungen Jahren lernen, weshalb Vester auch Kinderbücher schrieb und Spiele [Wie oft haben wir mit Thomas und Daniel Ökolopoly gespielt?]entwickelte.

 

 STAUNEN

5.11.2003

 

Wittgenstein hat in seinem "Vortrag über Ethik" das Sichwundern über die Existenz der Welt einerseits als sein "Erlebnis par excellence" bezeichnet und "hat andererseits die Sätze, in denen er es zum Ausdruck bringt - 'Wie sonderbar, daß überhaupt etwas existiert', 'Wie sonderbar, daß überhaupt etwas existiert' - für sinnlos angesehen. Der sprachliche Ausdruck solcher Erlebnisse sei 'Unsinn', ein 'aussichtsloses Anrennen' gegen die Grenzen der Sprache.

...man könne nicht über etwas staunen, wenn man sich vorstellen könne, daß es nicht der Fall ist. ...

Wie ist es zu verstehen, daß im 20.Jahrhundert die Formel vom Staunen über die Welt an die Stelle vom Staunen über das Seiende als Seiendes (Aristoteles Metaphysik 1003a21) getreten ist? In der heute üblichen historisierenden Rede vom 'Ende der Metaphysik' würde man sagen: die Metaphysik sei zu Ende, also könne man jetzt nicht mehr ihre Grundformel verwenden. Aber solche Vorstellungen, man 'könne' nicht mehr, und als ob die Zeit 'der' Metaphysik abgelaufen wäre wie die eines Gewächses, stellen die Dinge auf den Kopf. Statt so zu reden, kann man sich überlegen, was es an der alten Formel ist, das unbefriedigend ist und worin es begründet ist, daß man sich jetzt in dieser anderen Formel artikuliert. In der aristotelischen Formel wird nur nach einer universellen Charakteristik von allem - allem einzelnen - gefragt, und daß alles einzelne im Zusammenhang mit allem anderen in der Welt ist, ist ausgeblendet. ...

Ernst Tugendhat:  "Egozentrizität und Mystik. Eine anthropologische Studie" C.H. Beck (2003) 

 

  LEIDEN

4.11.2003

 

"Das eigentliche Ziel der mystischen Dynamik ist für ihn [Buddha], daß man vom Leiden dieses Lebens erlöst werden will." Der Rückzug vom Wollen - von der "Gier" - ist also nur Mittel zum Zweck.  ... Die Realität des menschlichen und allgemein des animalischen Lebens bestehe nicht nur darin, wie es jedermann als trivial zugeben würde, daß das Leben von Leid durchwirkt ist, sondern das Leben, wenn man es richtig sehe, sei nichts als Leiden.

Sieht man das so, müßte man in der Tat motiviert sein, aus diesem Leben auszuscheiden. ... An dieser Stelle kommt man nicht umhin, die indische Lehre vom samsara - vom endlosen Rad des Lebens in unaufhörlichen Widergeburten - zu berücksichtigen. Von ihr kann man sich klarmachen, erstens, daß aus der Perspektive der Selbstmord keinen Ausweg aus dem Leben bieten würde, daß aber auch zweitens,  wohl erst von daher die extrem düstere Lebensauffassung verstehen läßt, die die Grundlage der spezifisch indischen Mystik abgibt. ...

Für Außenstehende macht das [karma-Konzept] den Anschein eines Priesterbetrugs, da es ... offensichtlich zwei Funktionen zu erfüllen scheint: erstens, durch Furcht und Hoffnung die Menschen zu moralisch gutem Handeln anzuhalten; zweitens, die unteren Kasten davon abzuhalten, gegen ihren Status aufzubegehren, da sie ihn selbst verschuldet haben. ...

Offenbar tritt die Bekümmerung um die Wiedergeburt und damit überhaupt die primäre Orientierung der mystischen Dynamik am Problem des Leidens im chinesischen Buddhismus in den Hintergrund. Im Zen wird die Leere mehr als ein Durchsichtigwerden aller Dinge auf das Eine hin gesehen, wie man sich das an der fernöstlichen Malerei veranschaulichen kann. ...

In der taoistischen Mystik ist das Eine (das Tao) von vornherein einfach das Eine, auf das hin alles Mannigfaltige gesehen wird. Die taoistische Mystik ist diesseitig, sie ist keine Mystik der Weltflucht, das Leiden spielt in ihr keine primäre Rolle und soll lediglich integriert und gerade nicht vermieden werden.

Welches sind die Willensüberschüsse, die der Taoismus abbauen oder einschränken will? ... Wer sich vor das vom Tao durchherrschte Universum stellt, wird sich angesichts seiner Immensität der Relativität der Unterscheidungen von 'groß' und 'klein' bewußt und bringt sich die eigene Geringfügigkeit und Unwichtigkeit zu Bewußtsein. ...

Auf Grund des Bedürfnisses nach Anerkennung erscheint es Menschen wichtig, wichtig zu erscheinen. Bestätigung und Ruhm zu suchen, sich zur Schau zu stellen, ist eine Komponente des menschlichen Wollens, von dem der taoistische Weise meint, sich ganz frei machen zu sollen. Die Taoisten sprechen hier vom 'Nicht-Handeln'. Gemeint ist nicht Untätigkeit, sondern ein Tun, das möglichst absichtslos ist wie die Natur. ... Erstens, beim eigenen Tun (auch dem politischen) nicht auf Anerkennung aus sein; zweitens, sich nicht unnötige Ziele setzen, den Kreis des Tuns möglichst eng sehen; die Sorge um die Zukunft nicht übertreiben, frei von Hast sein; drittens, im Wirken nicht auf sich reflektieren.

Ein dritter Gedankenkomplex betrifft das Zusammengehören der Gegensätze. Auch hier rekurrieren die Taoisten auf die Natur: alles in der Natur befindet sich in einem Auf und Ab: Geburt und Tod, Wachsen und Vergehen, Steigen und Sinken; so auch das Sein des Menschen. Wer die Dinge vom Tao her sieht, akzeptiert, ja begrüßt jede Wende des Schicksals, auch die ungünstige, weil sie zum ganzen Kreis gehört. ...

Im Unterschied zu Heraklit, an den man sich bei dieser Lehre vom Zusammengehören der Gegensätze erinnert sieht, ist die Meinung nicht, daß das Leben in Gegensätzen höher pulsiert, vielmehr wer es nach der einen Seite zu weit treibt, wer nicht stillzustehen weiß, werde ein schlimmes Ende finden. ...

Die Menschen [...] sehen sich als steigend oder fallend, sie reflektieren das Geshehen und sind sich daher in ihrer zeitlichen Antizipation den Emotionen der Sorge, Hoffung und Angst ausgeliefert. Sie können deswegen nur in einer zweiten Reflexion zur Ruhe kommen, in der sie sich nicht mehr entweder steigend oder fallend sehen, sondern im Bewußtsein der Einheit der Kurve leben. ...

Die taoistische Lehre von den Gegensätzen enthält nur ein Minimum von theoretischen Komponenten. Ihre Absicht ist eine rein praktische, die Erreichung der Stille im Sichbewußtmachen der Einheit der Kurve. ...

Dabei kann man aber nicht stehenbleiben, wenn man bedenkt, daß wir handelnde Wesen sind. Wir sind dem Schicksal nicht einfach ausgeliefert, sondern greifen aktiv ein. ... 'Es gibt Dinge,die nicht in der eigenen Macht stehen', und die sollen mit 'Himmel' bezeichnet werden. ... Worauf es ankomme sei, daß der Mensch das Tun des Himmels nicht durchkreuze. ...

'Wie kann man wissen, ob das, was ich für die Sache des Himmels halte, nicht wirklich die des Menschen ist, und was ich für die des Menschen halte, nicht wirklich die des Himmels ist?' ...

Man soll den Handlungsspielraum ausschöpfen, der einem gegeben ist, ausschöpfen; man soll nur nicht gegen die Grenze dieses Spielraums anrennen, und für die Frage, wo diese Grenze liegt, gebe es keine einfachen Kriterien. ... Man müsse die prinzipielle Bereitschaft des Weisen, sich im Blick auf das Toa zurückzunehmen, ausgebildet haben, um die Sensibilität zu erlangen, in der man das von Mal zu Mal unterscheiden kann."

Ernst Tugendhat:  "Egozentrizität und Mystik. Eine anthropologische Studie" C.H. Beck (2003) 

 

Warum soll man alle Gier fahren lassen? 
Weil alles Leiden auf Gier beruht.

WOLLEN und
SEELENFRIEDEN

2.11.2003

 

"Was das menschliche Wollen viel wesentlicher kennzeichnet als irgendwelche Gegenstände, ist das Bewußtsein des radikalen Ungenügens des eigenen Handelnkönnens im Erreichen nicht nur ganz elementarer Ziele: Leben, Gesundheit, Ernährung, Verbundensein mit anderen. Die Unglücke, mit denen die Tiere der anderen Spezies erst konfrontiert werden, wenn sie hereinbrechen, werden von den Menschen als mögliche antizipiert, uns so stehen sie lebenslang im Bewußtsein zwischen Erfüllung und Enttäuschung, die nicht von ihnen abhängt, und folglich in der Angst vor den Frustrationen und Unglücken, zuhöchst natürlich dem Tod, dem eigenen und dem ihrer Nahen und Nächsten. 

Um diesen leidvollen Zustand zu lindern, sind in der Geschichte der Menschheit zwei Wege beschritten worden, den der Religion und der der Mystik, und beide implizieren eine unterschiedliche, ja entgegengesetzte Deutung im Verhältnis zum numinosen Universum, in dem die Menschen sich vorfinden. 
Der Weg zur Mystik wird darin besehen, daß man das Gewicht, das die eigenen Wünsche für einen haben, relativiert oder geradezu leugnet, also eine Transformation des Selbstverständnisses. 
Der Weg der Religion hingegen besteht darin, daß man die Wünsche läßt, wie sie sind und statt dessen eine Transformation der Welt mittels einer Wunschprojektion vornimmt: die Macht, die die Menschen umgibt, wird zu diskreten Wesen verdichtet, von deren Wirken man sich vorstellen kann, daß das eigene Glück oder Unglück abhängt, und die als von uns beeinflußbar angesehen werden. Ein solches Beeinflussen ist auch durch Riten und Magie denkbar, aber es ist naheliegend, sich diese machtvollen Wesen personalisiert vorzustellen, so daß man sich zu ihnen auf analoge Weise verhalten kann wie zu mächtigen Mitmenschen: bittend, dankend, ihre Macht anerkennend und sich ihnen gegenüber für verantwortlich ansehend."...

Im Phänomen des Religiösen verbinden sich mehrere Faktoren, "die teilweise aufeinander irreduzibel sind: erstens das Gefühl des Numinosen, zweitens ...der pragmatische Faktor [Glaube an Mächte, von denen Erfolg und Glück abhängen und auf die man beeinflussen kann], drittens die Personalisierung und viertens der Glaube, daß Gott gut in einem 'unvergelichlichen' Sinn ist. Ist der Glaube an Gott einmal so weit entwickelt, kann er auch Aspekte aufnehmen, von denen ich meine, daß sie primär zur Mystik gehören." ...

Sagt man, "Gott existiere außerhalb von Raum und Zeit,  sind wir unfähig, mit der Vorstellung, daß etwas existiert, das nicht im Raum lokalisierbar ist, auch nur einen Sinn zu verbinden. Es kommt hinzu, daß der Glaube an Gott, wenn man sich klarmacht, daß er in einem Wunsche motiviert ist, an der Barriere des intellektuellen Gewissens scheitert."

In der Religion "werden in das Universum Instanzen projiziert, die helfen können sollen; hingegen dient dem Mystiker das Sichbewußtmachen der Existenz des Numinosen - mag er es nun das Universum oder Sein oder Tao nennen oder er es auch als Gott sehen - als Bezugspunkt, auf den hin er von seinen Wünschen - sei es schlechterdings, sei es einen Schritt - zurücktritt und so versucht, einen Zustand des Seelenfriedens zu erreichen. ...

Wird das Universum, in das man sich zurückstellt verstanden, "als das Viele in seiner Einheit oder als Verschwinden des Vielen im Einen?

Universum kann als Eines gesehen werden, "in dem alles Mannigfaltige verschwindet, oder als das Universum, so wie es gegeben ist in der Vielfalt der Dinge in Raum und Zeit, aber in einem einheitlichen Zusammenhang gesehen.

"Nach der ersten Auffassung ist es das Ziel des Mystikers, mit dem Einen eins zu werden (die sog. unio mystica). Nach der zweiten stellt sich der Mystiker in die Welt zurück: statt alles aus der egozentrischen Perspektive zu sehen, sieht er sich von der Welt her."

"Das Ziel ist die vollständige Entsagung von allem Wollen, ein 'Seelenfrieden', der jenseits dieser konkreten Welt in einem reinen Bewußtseinszustand gesucht wird. ... Die andere Möglichkeit ist der Seelenfrieden, ... ist ein solcher unseres normalen Lebens; das Wollen wird nicht verneint, sondern relativiert und eingeschränkt; die Frustrationen werden nicht überwunden, sondern integriert."

Ernst Tugendhat:  "Egozentrizität und Mystik. Eine anthropologische Studie" C.H. Beck (2003) 

 


siehe zu diesem Thema auch die Versuche eine "Topographie des ethischen Seins" zusammenzustellen























in diesem Zusammenhang ist Karl Rahners Wort zu beachten, dass die Zukunft des Christentums in der Öffnung zur mystischen Dimension liegt.          



Tugenthat führt dazu aus: " Ich weiß, daß die Sache damit aus der Sicht des Gläubigen nicht abgetan ist, ich wollte auch nur meine Karten auf den Tisch legen und will niemand etwas ausreden"

GEWALT

1.11.2003

 

Stimmt die These?  Ein "signifikanter" Wirkungszusammenhang zwischen Mediengewaltkonsum und Gewaltbereitschaft bis hin zur offenen Gewalt ist nicht nachweisbar.

Am 25.7.2002 fand in der Universität München ein Kongress statt, der sich dem Thema "Mediengewalt - Handeln statt Resignieren!" widmete. Die Wissenschaftler verschiedener Universitäten konnten überzeugend darlegen,, daß bei 10-15% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland (ca. 1,5 Millionen) der Gewaltkonsum Aggressivität bewirkt. Intensiver Horrorgewaltkonsum und Killerspiele bewirken das Lernen destruktiver Emotionen, wie Haß, Neid, Rache und von Feindbildern.

 

Jeder von uns hat wie Siegfried ein Lindenblatt. Wenn wir an der Stelle verletzt werden, dann ist das wie ein Schlüssel, der genau ins Schloss passt. In der Kindheit wurden den Verbitterten strenge Grundsätze vermittelt. Wenn das Leben sich dann anders entwickelt und sich die Kollegen oder die Partnerin anders verhalten als erwartet, kann das als Trauma erlebt werden. Die tragende Säule des Lebensentwurfes bricht zusammen. Manchmal genügt es, wenn man von einem Menschen angelogen oder hintergangen wird, dem man bedingungslos vertraut hat.  Der Zusammenbruch der Wertewelt kann außerordentlich quälend sein. Und dabei scheint die seelische Pein in denselben Schaltkreisen des Gehirns abzulaufen wie körperliche Schmerzen, dem vorderen Gyrus cinguli.

Aus der SZ vom 21.10.2003 von Oliver Bantle

zum Thema Eifersucht

SAMMLUNG

6.10.2003

 

Der Philosoph Ernst Tugendhat stellt in  seinem bei C.H. Beck (2003) erschienen Buch "Egozentrizität und Mystik. Eine anthropologische Studie" die Frage: "Kann man sich einfach auf sich hin sammeln?" Mit Argumenten, die er aus seiner subtilen Analyse des Selbstverständnis entwickelt, begründet er seine strikte Verneinung der Frage. Menschen haben ein genuines Bedürfnis sich aus der Zerstreutheit ihres Wollens und Wünschens zu sammeln, und finden sich dabei auf etwas "Unverlierbares" verwiesen, das "nicht von dieser Welt" sein kann. 

Tugendhat kommt für einen aus der analytischen Philosophie kommenden Philosophen zu der verblüffenden Auffassung, dass es außerhalb von Religion und Mystik "keine Möglichkeit einer 'gesammeltem Existenz' gibt". Diese Wiederentdeckung der Transzendenz wird heftige Kontroversen auslösen. Sie wird nicht nur Philosophen und Theologen, sondern auch Soziologen, Religionswissenschaftler und Historiker herausfordern. Und das kann, Ernst Tugendhat sei Dank, nur wirklich gute Philosophie.

 

HÄLFTE

1.9.2003

 

Hälfte des Lebens

 

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm' ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.



Friedrich Hölderlin

Zu Scardanelli

IV. Satz:  Ruhig, verhalten

Das Finale entspricht einer instrumentalen Fassung des berühmten Hölderlin- Gedichtes ,Hälfte des Lebens‘. Henze ging es darum, „gewissermaßen Lieder ohne Worte zu machen oder, genauer gesagt, Lyrik zu analysieren und entsprechend den bei der Analyse möglicherweise zutage getretenen formalen und figurativen Kriterien in Musik zu setzen. Das heißt, dass man ein dichterisches Formgebilde in ein musikalisches Formgebilde transponiert. Und dass musikalische Gestalten zu erfinden sind, die tendenziell und auf die eine oder andere Weise dem einen oder anderen poetischen Gegenstand, einem Gedanken, einem Bild, einem Affekt, einer Gestalt, einem Effekt entsprechen.“

Für diesen Finalsatz trifft am ehesten zu, was Henze meinte, wenn er sagte, er könne „fast Takt für Takt in Worte übersetzen“.

Es ist kein lustiger Kehraus, sondern ein zutiefst pessimistischer Ausklang, der keinen Platz für die Hoffnung auf eine bessere Welt lässt. Fast vermeint man die im Winde klirrenden Fahnen zu hören, ganz folgerichtig scheint die Musik kein Ziel zu haben, sondern endet im Verstummen. Henze nennt es eine „apokalyptische Schluss-Vision einer menschenleeren, kalten und sprachlosen Welt“. Komponiert hat er das Umkippen der Idylle in Trostlosigkeit und Einsamkeit. Die Intensität der musikalischen Sprache zeigt sich in diesem Satz mitunter auch in einer Rücknahme der Mittel, in einer geradezu zarten und zerbrechlichen Gestik. Henze hat jedoch mit seiner siebten Sinfonie keine bloße „Hölderlin-Sinfonie“ schaffen wollen. Ihm geht es immer auch um den Bezug zur gesellschaftlichen Realität. Hatte er mit seiner sechsten, auf Kuba entstandenen Sinfonie noch ein Bekenntnis zur Revolution ablegen wollen, so sind ihm die gesellschaftlichen Zustände auch 15 Jahre später keineswegs gleichgültig geworden: „Ganz im Sinne meiner bisherigen Beschäftigung mit der Sonatenform und der deutschen Symphonik begreift sich auch dieses Stück, im Strom der geschichtlichen Entwicklung, als Reflektion über Musik, ihre Sprachlichkeit und ihre Bildhaftigkeit. Von unserem klassischen Schönheitsbegriff ausgehend und an ihm sich orientierend, wage ich eine persönliche Darstellungsform, Ausdrucksweise, komme ich zu einer eigenen Deutung unserer konfliktreichen Zeit, der Welt, in der wir leben und zu der wir in einem empfindlichen Spannungsverhältnis stehen.“ 

Henze: VII: Symphonie

Henze selbst hat gespürt, dass er mit seiner siebten Sinfonie kompositorisches Neuland betrat. „Diese Sinfonie ist ein Punkt, auf den ich zugegangen bin durch viele andere Arbeiten. Sie ist meiner Meinung nach der Anfang für etwas Neues. Sie bedeutet für mich das Öffnen einer Tür zu etwas anderem, als ich bisher gemacht habe.“ Den neuen Charakter seiner Musik, der mit einer Rückbesinnung auf strenge Formen einher ging, hat er wie folgt beschrieben: „Mehr Landschaft – mehr Seelisches – mehr Offenheit... Und etwas, das hinzu kommt, wenn man sehr viel gearbeitet hat und weiter sehr viel arbeiten möchte: große Empfindlichkeit und in verstärktem Maße das Bedürfnis, diese Empfindlichkeiten gegen die Unempfindlichkeiten und gegen die grauen Mauern und klirrenden Fahnen anzusetzen – als eine bewusste Gegenwelt, wo das menschliche Sensorium nicht verarmt und nicht verkümmert und nicht verdummt, sondern wo der Gegenvorschlag gemacht wird zu einem reicheren Empfindungsleben,z u einem vielfältigeren und offeneren, zu mehr Mut zu sich selbst, zum Menschsein, und mit noch viel mehr Liebe zu den Menschen als je, vielleicht mit einer etwas distanzierteren Art von Liebe, die man, glaube ich, auch Reife nennt.

 

 

Karussell

22.7.2003

 



Altes Karussell 

von Georg Schneider     

Im Englischen Garten

Weißt du noch?
Hier saßen wir:

Schwan zog die Karosse.
Vorne schwamm das Schuppentier
Mit der roten Flosse.
Rokoko und Brautgelock,
Ach, schon Biedermeier -
Raimund, der Verschwender,
Hob zum Menuett den Stock,
Drehte dann die Leier,
Und es flog der Bratenrock...
Weißt noch? Hier vergaßen wir
Trambahn und Kalender,
Und wir waren im Barock.



Dreh dich, dreh dich, Karussell!
Einmal komm ich wieder,
Und dann fahr ich mit dir schnell
Ins Geheimnis nieder.
Und ich steig nicht mehr ab
Von dem alten Rappen,
Ob mich auch die Schatten knapp
Überm Abgrund schnappen.

Sagt mir doch, wann war das nur,
Menuett und Händel
Und ein kleines Herz in Dur,
Kutsche und Lavendel ...
Sagt mir doch, wann war das nur,
Daß wir dieses hatten
Lippenstift und Perlenschnur,
Walzer, Scherzo in A-Dur ...?
Wieder fällt ein Schatten
Von der alten Sonnenuhr,
Dreht sich langsam, dreht sich schnell
Wie das kleine Karussell

Für Thomas/Daniel/Barbara/Anna

Das erste Karussell wurde anfangs des 19. Jahrhunderts errichtet und 1912/1913 durch ein neues ersetzt. Dieses wurde 1979 bis 1981 restauriert.

 

SINNE

13.7.2003

Epiphanie

Laß das Sein dich empfinden! 

Reinige deine Sinne!

Öffne sie!

Laß dich das Sein empfinden!

PLANEN

3.7.2003

 

 

„Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.“ 


Diese Lied aus Brechts „Dreigroschenoper“ ist ein einziger Abgesang auf die Planbarkeit, denn das was „dazwischenkommt“ ist eben das Leben in seiner Unvorhersehbarkeit, sind  Lug und Trug, eigene Dummheit, die Schlechtigkeit des Lebens, Selbstbetrug. Es zeigt sich ein chaotisch, unentwirrbares Durcheinander von Aktion und Reaktion, Tun und lassen, Auf und Ab, Vor und Zurück, Um- und Abwegen. All das ist Leben, kein Plan kann ihm beikommen und wenn doch, dann allenfalls um den Preis, sämtliche Spannung und Abwechslung verlustig zu gehen.

Das Gegenmodell zum Plan ist das Spiel. Es steht der Kreativität, Inspiration, Improvisation offen... Wenn das Leben als Spiel verstanden werden soll, muß die Lebenskunst ein Spiel mit dem Widrigen sein können. Nicht zu ändern ist, dass es Widriges gibt, aber es bleiben uns noch ein paar Optionen im Umgang damit: 

·          es zu ignorieren (mag dies auch fruchtlos sein, so verschafft es doch eine Atempause),

·          zu resignieren („die Waffen zu strecken“ als bewusste Wahl, nicht nur als Verlegenheit),

·          zu akzeptieren (die bloße Zurkenntnisnahme dessen, was ist, leidenschaftslos),

·          zu affimieren (die Verhältnisse zu bestärken und sogar zu bejahen, aus welchen Gründen auch immer),

·          zu utilisieren (aus dem Widrigen noch Nutzen zu ziehen, es „umzunutzen“).

Hauptsache, nicht immer nur zu klagen, sondern zu einer spielerischen Antwort zu finden. Die Wahrheit ist, wie die Fußballer sagen, „auf’m Platz“. Also mitten im Leben.

Wilhelm Schmid in der Zeit –26. 6. 2003

 

SÜNDE

28.6.2003

 

Erstmals wurden acht Todsünden und niederträchtigen Leidenschaften vom griechischen Theologen Evagrius von Pontus erwähnt:

Völlerei
Wollust

Habgier
Traurigkeit
Zorn
geistige Faulheit
Ruhmsucht
Stolz

Papst Gregor der I. reduzierte im 6.Jhrh. diese auf die sieben Todsünden:

Hochmut
Neid
Zorn
Traurigkeit
Habgier
Völlerei
Wollust

 

CHAOS

27.6.2003

 

Das Chaos soll durch jedes Kunstwerk hindurchschimmern, denn die gewöhnliche Welt leide an allzu großer Klarheit (Novalis).

Aber gilt nicht auch das umgekehrte?

BEWEGUNGEN

15.6.2003

 

Ich glaube, daß der unendliche und geheimnisvolle Zauber, der in der Betrachtung eines Schiffes liegt, und vornehmlich eines Schiffes in Bewegung, in erster Linie von der Regelmäßigkeit und Symmetrie herrührt, die zu den grundlegenden Bedürfnissen des menschlichen Geister gehören, in gleichem Maße wie die Kompliziertheit und die Harmonie; - und in zweiter Linie von der immerwiederkehrenden Vielfalt und der eingebildeten Vorstellung all der Kurven und Figuren, welche durch die tatsächlichen Grundelemente des Gegenstandes im Raume entstehen. Der poetische Gedanke, der durch diesen Vorgang der Bewegung in den Linien ausgelöst wird, ist die Vorstellung eines ungeheuren, unermeßlichen, komplizierten, jedoch ebenmäßigen Wesens, eines von Geist erfüllten Lebewesens, welches leidet und alle Seufzer und Verlangen der Menschheit zum Ausdruck bringt. 

Baudelaire

 

Geradezu ein Programm meines Bestrebens!
MATERIE/GEIST

8.6.2003

Pfingsten 2003

Nicht eingeschränkt werden vom Größten [und doch] umschlossen werden vom Kleinsten, ist göttlich. 

Non coerceri maximo, contineri minimo, divinum est. - 

Hölderlin Friedrich; Motto aus Hyperion oder der Eremit in Griechenland

 



HYMNE 
AN DIE
MATERIE

Wir haben nie, 
nicht einen einzigen Tag,
den reinen Raum vor uns, 
in den die Blumen
unendlich aufgehn. 
Immer ist es Welt
und niemals Nirgends ohne Nicht: 
das Reine,
Unüberwachte, 
das man atmet und
unendlich weiß und nicht begehrt.
 
Rainer Maria Rilke

 

Pfingstrot

Erwartungsrot
VERÄNDERUNG

22.5.2003

 

Die fünf wichtigsten Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen sind nicht bis zum 30. Lebensjahr fertig entwickelt, sondern verändern sich das ganze Leben hindurch (Studie der Standfort Universität mit 130 000 Menschen). Dabei hat man gute Chancen, sich zum Besseren zu wandeln. So nehmen Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit zu, während sich übertriebene Empfindsamkeit und Extrovertiertheit mildern. Lediglich um die Offenheit für neue Erfahrungen steht es nicht ganz so gut. Sie wird im Laufe der Jahre etwas geringer.

Die Persönlichkeit liegt eben nicht nur in den Genen, sondern wird auch von der Umwelt beeinflusst. Der Einzelne hat aber durchaus die Möglichkeit aktiv an seiner Persönlichkeit zu arbeiten. Bestimmte Erfahrungen und Einsichten können auch dazu führen, dass ein Mensch in einem bestimmten Alter mit seinem bisherigen Leben ins Hadern gerät.

SZ 20.5.2003 - Quelle: Journal of Personality and Social Psychologie - Bd. 84

 

Sich dem Sein immer neu zu öffen, dazu  sind diese Seiten gedacht.
HUMOR

21.5.2003

 

"Ein liebenswürdiger Landedelmann lädt Don Quijote in sein Haus ein, das er mit seinem Sohn, einem Dichter, bewohnt. Der Sohn, klarsichtiger als sein Vater, erkennt in dem Gast sofort einen Verrückten und bleibt betont auf Abstand. Dann fordert Don Quijote den jungen Mann auf, ihm seine Dichtung vorzulesen; der gehorcht eifrig, und Don Quijote lobt seine Begabung in den höchsten Tönen. Geschmeichelt und glücklich, ist der Sohn auf einmal überwältigt von der Intelligenz des Gastes und vergisst auf der Stelle dessen Verrücktheit.

Wer also ist der verrücktere, der Verrückte, der den Klarsichtigen lobt, oder der Klarsichtige, der das Lob des Verrückten glaubt? Damit sind wir in die Sphäre einer anderen Komik eingetreten, einer feineren, unendlich kostbaren. Wir lachen nicht, weil jemand lächerlich gemacht, verspottet oder gar gedemütigt wird, sondern weil eine Realität sich plötzlich in ihrer Mehrdeutigkeit zeigt, weil die Dinge ihre sichtbare Bedeutung einbüßen, die Menschen sich als andere erweisen, als sie selbst zu sein meinen. ...

Der Humor ist kein Funke, der bei der komischen Auflösung einer Situation oder einer Geschichte kurz aufblitzt, um uns zum Lachen zu bringen. Sein unauffälliges Licht liegt über der ganzen weiten Landschaft des Lebens."

Aus: Milan Kundera: "Der zerrissene Vorhang" (2003)

Autor von "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" (1984), das sich lohnt wieder einmal zu lesen

 

ERKENNTNISWEGE

20.5.2003

Ist Kunst eine privilegierte Weise des Erkenntnis? 
Der als Selbstbewusstsein gedachte Mensch ist dazu genötigt, sein Leben im Wissen von sich selbst zu vollziehen, ohne dass der Grund dieses Selbstbezugs ihm aber durchsichtig würde. Der Nachvollzug von Kunst kann Aufschluss geben über die Verfasstheit des Menschen, kann ein Bewusstsein von der "Unverfügbarkeit des Grundes" gewähren - und durch die Bemühung um einen eigenen stimmigen Formverlauf in der ästhetischen Kontemplation geheilt werden.
Welche Kunstwerke können dies erfüllen?
Werke, in denen eine Anfangssituation in ein Widerspiel mit Kontrasten gebracht wird, die jedoch - wie die Lebensbewegung - auf einen Abschluss hin tendieren und den Verlauf nicht aufsprengen; Werke, in denen die Kontraste in einen Einklang gebracht werden, ohne sie abzuschwächen oder zu verwischen. 

In diesem Insistieren auf Figuren der Ganzheit und Harmonie, in der Erschließung des uns sonst entzogenen Grundes, wird eine Nähe zwischen ästhetischer und religiöser Erfahrung hergestellt. 

nach Dieter Henrich

Man könnte Sinn (und Erbe) des Modernismus in der Anstrengung jeder einzelnen Kunst sehen, sich ihrer Besonderheit, ihrer Essenz so weit wie möglich anzunähern. So hat die Lyrik alles über Bord geworfen, was rhetorisch, didaktisch, ornamental war, um die tiefe und reine Quelle der poetischen Phantasie sprudeln zu lassen. Die Malerei hat ihre dokumentierende, mimetische Funktion aufgegeben, all das, was ein anderes Mittel (die Fotografie zum Beispiel) ausgedrückt werden konnte. Und der Roman? Auch er weigert sich, zur Illustration der Geschichte, zur Beschreibung einer Gesellschaft, zur Verteidigung einer Ideologie da zu sein, und macht sich auf die Suche nach dem, "was allein der Roman sagen kann".

Aus: Milan Kundera: "Der zerrissene Vorhang" (2003)

"Einmal zugestanden, die Kunst sei das Ins-Werk-Bringen der Wahrheit und Wahrheit bedeute die Unverborgenheit des Seins, muß dann nicht im Werk der bildenden Kunst auch der wahre Raum, das, was sein Eigenstes entbirgt, maßgebend werden?"

Heidegger 1968 "Die Kunst und der Raum" aus Bewunderung für den Bildhauer Eduardo Chillida, dessen letztes Werk "Das Licht suchen", eine dreigeteilte, wie Fackeln konisch aufstrebende monumentale Struktur, vor der Pinakothek der Moderne steht. Chillida suchte nach dem Licht im Raum, in der Welt. Er suchte für uns zugleich das Licht eines anderen Raumes.























Was allein kann die Vernetzung aussagen?

Ein Rot,
das traumhaft dich erschüttert - 
Durch deine Hände scheint die Sonne.
Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne
Sich still zu einer Tat bereiten.

Georg Trakl - 
Kleines Konzert

 

zur Drei

Wenn du es eilig hast, bleibe stehen und laß dich gehen.

HILFEN
12.5.2003

 

       
          

Cap Anamur Gründer Rupert Neudeck hat eine neue Hilfsorganisation ins Leben gerufen. Sein Verein "GRÜNHELME" will als erstes Projekt 2320 Kindern im Alter von 5 - 12 Jahren am Rande von Saddam City eine Schule bauen. Weitere Aufbauprojekte sind in Bosnien, Tschetschenien, Afghanistan und in der Osttürkei geplant. Junge Freiwillige, vorzugsweise mit einer technischen oder handwerklichen Ausbildung, sollen in kleinen Teams jeweils für ein Vierteljahr an den Projekten mitarbeiten. Die Idee ist, drei Monate seiner Lebenszeit dafür zu geben anderen zu helfen. 
Zugleich will der Verein auch einen praktischen interreligiösen Dialog ermöglichen und den akademischen Seminaren Taten gegenüberstellen. Die Interreligiosität spiegelt sich auch im Vereinskuratorium wider, dem auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Prinz Hassan von Jordanien und der afghanische Wiederaufbauminister angehören. 

Für den Schulbau ist Neudeck der größte Spender: Er erhält in diesem Jahr den Preis der Unesco-Stiftung für Bildung und Kinder in Not- das Preisgeld hat er den Grünhelmen zur Verfügung gestellt.

Quelle: taz 12.5.2003

 

 

Grünhelme e.V.

Heute zu zeichnen, ist so eine Art Widerstand gegen die  bedrängende Bilderflut, so eine Art Forschungsarbeit um die inneren Bilder zu retten.

 

10.5.2003

Vor hundert Jahren wurde Hans Jonas geboren

"Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden"

 

Zur Neun

Zu den Lichtblicken

VERNICHTUNG

10.5.2003

 

       
          

Dreimal Büchervernichtung

Die Staatsbibliothek brennt - 9./10. 3. 1943

Bücherverbrennung der Nazis, insb. organisiert von der "Deutschen Studentenschaft (DSt), am 10.5.1933 (u.a. wurden verbrannt Werke von Lion Feuchtwanger, Sigmund Freund, Erich Kästner, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky, Arnold Zweig, Karl Marx, Ernst Maria Remarque, Tucholsky und Ossietzky))

Oskar Maria Graf hat es als Schmach empfunden, daß die Nationalsozialisten seine Bücher auf ihre "weiße" Liste der zur Lektüre empfohlenen Bücher (außer - "Wir sind Gefangene") gesetzt haben. Er schrieb in der Wiener Arbeiterzeitung: "Nach meinem ganzen Leben und nach meinem ganzen Schreiben habe ich das Recht zu verlangen, daß meine Bücher der reinen Flamme des Scheiterhaufens überantwortet werden und nicht in die blutigen Hände der braunen Mordbanden gelangen".

In Passau kam es zu keiner Bücherverbrennung. Der Führer der Studentenschaft teilte mit: "Eine Verbrennung jüdischen Schrifttums wird nicht erfolgen, da sich in unseren Büchereien solches nicht findet."

Büchervernichtung 1803

Wertvolle Bücher wurden anläßlich der Säkularisation zu Altpapier. Allein aus den altbayerischen Klosterbibliotheken wanderten 94 Tonnen Bücher in die Papierherstellung

 





Liste der Bücher im Netz













Der schwarze Fleck

Vorschlag des Münchner Künstlers Stephan Doesinger basiert auf der Skizze "Der schwarze Fleck", des von den Nazis als "entartet" aus- gegrenzten Künstlers Kandinsky. Über der unterirdischen Bibliothek in Form einer gekrümmten und verschlungenen Blase, deren Umrisse den flüchtigen Linien Kandinskys folgen, sollen gleichsam als deren oberirdische Fassade die weitgehend abstrakten, nervösen Lineaturen der Skizze mit Hilfe von Lavagestein und Mosaiken appliziert werden.

GLAUBEN

5.5.2003

       
          

"Pfarrgemeinden sind häufig Orte geworden, wo Menschen sich mit Menschen beheimaten, mit denen sie gruppendynamisch gut zusammenpassen. Man lebt in eine Kuschelecke und schließt, ohne es zu wollen, andere aus."
"Die meisten Menschen, die aus der Kirche austreten, gehen in ein religiöses Niemandsland, in die religiöse Unverbindlichkeit."

Michael Ebertz - Religionssoziologe - SZ. 4.5. -  "Aufbruch in der Kirche-Anstöße für ein zukunftsfähiges Christentum" - Herder Verlag -

Woran Katholiken glauben

nach einer von Allensbach durchgeführte Untersuchung „Trendmonitor ‚Religiöse Kommunikation‘

In der Gesamtbevölkerung ist vor allem der Anteil der Areligiösen gewachsen, die glauben, auf jegliche Religion verzichten zu können (1999: 18 Prozent, 2002: 22 Prozent), und zwar nicht nur in Ostdeutschland, (1999: 48 Prozent, 2002: 52 Prozent), sondern auch im Westen (1999: 11 Prozent, 2002: 14 Prozent). Religiöse Empfindungen außerhalb des Bekenntnisses zum Christentum haben sich allenfalls minimal verstärkt (1999: 6 Prozent, 2002: 7 Prozent).

Der Glaube an Gott eint fast alle Katholiken (86 Prozent). 6 Prozent aller katholischen Konfessionsmitglieder allerdings glauben nicht einmal an Gott, und 8 Prozent äußern ausweichend ,unentschieden’.

An ein Leben nach dem Tod glauben 56 Prozent aller deutschen Katholiken, aber nicht unbedingt an eine ,Auferstehung der Toten’, so wie Christus auferstanden ist’ (41 Prozent). Dass es eine ,Wiedergeburt’ gibt, bezweifelt fast jeder zweite Katholik.
Von anderen zentralen Glaubensbotschaften, wie ,Dass Gott die Welt erschaffen hat’ (56 Prozent) oder ,Den dreifaltigen Gott der Christen – Vater, Sohn und Heiliger Geist’ (55 Prozent) sind Katholiken zwar mehrheitlich, aber längst nicht alle, überzeugt.
An die Existenz von Engeln glauben 42 Prozent aller Katholiken, aber fast ebenso viele, 38 Prozent, bezweifeln, dass es Engel gibt.

An ein Leben nach dem Tod glauben auch sehr viele junge Katholiken (50 Prozent). Aber dass Gott die Welt erschaffen hat, glauben sie in ungleich geringerem Anteil als 60-jährige oder ältere Katholiken (38 gegen 73 Prozent). Auch zum dreifaltigen Gott der Christen oder zur Auferstehung der Toten, so wie Christus auferstanden ist, bekennen sich junge Katholiken sehr viel seltener als ältere.

 

VERSTRICKUNG

2.5.2003

       
          


Heideggers Verhältnis zum Nationalsozialismus ist ein heiß umstrittenes Thema. "Während einige Kritiker von der Einheit von Leben und Werk ausgehen und seinem politisches Engagement nach 1933 eine bedeutende Rolle beimessen, sind andere der Auffassung, die philosophischen Schriften würden nicht davon berührt. ...In einer Tischrede bei der Feier des Instituts für Pathologische Anatomie (Anfangs August 1933) ...polemisiert Heidegger zunächst gegen die herkömmliche Medizin, die 'auf weiten Strecken zu einer bloßen Technik der Beseitigung und Erleichterung von Krankheitszuständen' herabgesunken sei. Stattdessen will er die Medizin in den Dienst der völkischen Erneuerung stellen. Die Volksgesundheit solle dazu dienen, dass das deutsche Volk sein eigenes Wesen wiederfinden und sein großes Schicksals würdig machen soll. ... Demnach wäre Hitler berufen, dem Deutschen Volk seine durch den Vertrag von Versailles verlorene Würde zurückzugeben. Der Preis dafür waren die Abschaffung der Demokratie und die Gleichschaltung der Lebensbereiche. ... Heidegger, einer der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts, hat sich politisch verrannt und sich anderthalb Jahre lang für ein verbrecherisches Regime engagiert. Indem er dem Nationalsozialismus seinen berühmten Namen lieh, hat er größere Schuld auf sich geladen als unbedeutende Professoren."

 SZ - F-R. Hausmann

 

Das Einfache verwahrt das Rätsel des Bleibenden und des Großen. Unvermittelt kehrt es bei den Menschen ein und braucht doch ein langes Gedeihen. Im Unscheinbaren des immer Selben verbirgt es seinen Segen. Die Weite aller gewachsenen Dinge, die um den Feldweg verweilen, spendet Welt. Im Unausgesprochenen ihrer Sprache ist, wie der alte Lese- und Lebemeister Eckehardt sagt, Gott erst Gott.

 

Hans Jonas - Philosophie - Rückschau und Vorschau am Ende des Jahrhunderts -Vortrag, gehalten und gehört am 25. Mai 1992 im Prinzregententheater, München

Geht das Verhalten Heideggers im Jahre 1933 die Philosophie etwas an? 

" Ich meine, ja. Die Philosophie steht seit alters, ungleich jeder sonstigen Wissenschaft, unter der Idee, daß ihr Dienst nicht nur das Wissen, sondern auch das Verhalten ihrer Diener formt, und zwar im Sinne des Guten, um das es dem Wissen doch geht. Zumindest vor Ansteckung durch die Massenmeinung sollte ihre Schule der Wertunterscheidung schützen. Das Bild des Sokrates, das der Philosophie vom Anfang des Weges voranleuchtete, ließ den Glauben an eine solche adelnde Kraft nie erlöschen. So war denn das Einschwenken des tiefsten Denkers der Zeit in den tosenden Gleichschritt der braunen Bataillone nicht nur eine bittere persönliche Enttäuschung, sondern in meinen Augen ein Debakel der Philosophie: Sie, nicht nur ein Mensch, hatte versagt. War ihr Nimbus etwa immer falsch gewesen? Würde sie je etwas vom Glanz der alten Erwartungen wiedererlangen? Das einmalige Kaliber der Figur machte den Sündenfall zum historischen Ereignis."

Das Gegenbeispiel: Julius Ebbinghaus, ein scharfer und starrer Kantianer, an Bedeutung nicht zu vergleichen mit Heidegger.

"Er hatte die Probe rühmlich bestanden; ich hörte davon und besuchte ihn 1945 in Marburg, um ihm meine Huldigung darzubringen. er sah mir mit dem alten Feuer unbedingter Überzeugung ins Auge und sagte: 'Aber wissen Sie , Jonas, ohne kant hätte ich es nicht gekonnt.' Da durchzuckte es mich. Hier waren Lehre und Leben eins. In wessen Händen war die Philosophie also besser aufgehoben? Bei dem schöpferischen Großen, den Tiefsinn in der Stunde der Entscheidung nicht vor Treuebruch schützte, oder bei dem Unorginellen, aber Aufrechten, der rein geblieben war? Bis heute getraue ich mir keine Antwort auf diese Frage ..."

Heidegger über Heimat: (Ein Text, der uns seine Verstrickung begreiflicher machen läßt?)

Heimatlos ist der Mensch, obgleich sich fast kaum mehr eine Stelle der Erde ausfinden läßt, wo der Mensch sich nicht einrichtet und nicht seine Umtriebe betreibt. Bedenken wir dies alles auch nur flüchtig, dann möchten wir dazu neigen, überall nur Verlust und Verderb zu sehen. Wir sind versucht, gegenüber solcher Bedrohung auf ein Rettendes zu sinnen, das uns unmittelbar, gleichsam über Nacht, schon das Rettende in die Hand spielt, wodurch Sprache und Heimat in ihr Eigenes bewahrt werden. Allein Rettung wird uns erst und nur dort gewährt, wo wir zuvor die Gefahr im Ganzen erblicken, wo wir die Macht des Gefährdenden eigens erfahren und sie als ein solches anerkennen, was ist. Denn es könnte sein, daß in dem, was zunächst und weiterhin nur wie Verfall und Zerstörung, wie Niedergang und Untergang aussieht, sich Anderes und Höheres verbirgt. Solches könnte aber, zureichend gedacht und durchdacht, zum Anstoß einer Besinnung werden, die unumgänglich bleibt, gesetzt, daß eh und je die Gedanken alles Werk und jede Tat bestimmen. Mag nun auch eine solche Besinnung einen so weiten Weg vor sich haben, daß wir Heutigen ihn nicht durchmessen können, es dürfte schon genügen, wenn wir von einem geringen Ort aus versuchen, den Weg erst einmal einzuschlagen.

 

Diese Thematik ist im Zusammenhang mit Karl Jaspers, Hannah Arendt und Hans Jonas nochmals aufzunehmen.

Auch die Interpretation der Rektoratsrede von Karl Löwith ist mit einzubeziehen 

LICHT

30.4.2003

 

 

Das Ich eingebunden im     L ich t

Das  L ich t  begrenzt durch das L eben und den T od

Das Licht wandelt sich, scheint aus der Welt, aus dem Ich, zurück, und erscheint dann in einer anderen, einer noch nicht entschlüsselten Sprache. 

Aber auch im verwandelten Licht bleibt das ICH einge- bunden.

 

 

GANZES

26.4.2003

Ein Werk ist ein Ganzes und auch zweier Menschen Werk kann ein Ganzes werden. Vieles ist den Gleichzeitig-Lebenden gemeinsam, auch vom Eigensten. Fäden laufen hin und wider, verwandte Elemente laufen zusammen. Wer sondert, wird unrecht tun. Wer eines heraushebt, vergißt, daß unbemerkt immer das Ganze mitklingt. Die Musik soll nicht vom Text gerissen werden, das Wort nicht vom belebten Bild. Für die Bühne ist dies gemacht, nicht für das Buch oder für den einzelnen an seinem Klavier.

Hugo von Hofmannsthal

 

Kunstsplitter

Rosenkavalier

MENSCHENWÜRDE

25.4.2003

Menschen sind für Institutionen Fälle, nicht Individuen; Regime und "Amtsinhaber" aller Art können sie leicht zu "systematischer institutioneller Demütigung" nutzen und die Menschen, die ihnen unterworfen sind, der Anerkennung berauben, die sie zum Leben brauchen. Unter welchen Bedingungen werden Menschen davor bewahrt? Voraussetzung ist eine "gerechte Gesellschaft" im Sinne von John Rawls, eine Gesellschaft, die elementare Freiheiten und ein Minimum materieller Existenzsicherung sowie die institutionelle körperliche Grausamkeit abschafft.  Doch sofern Menschen symbolische Wesen sind, ist auch Entwürdigung durch Diskriminierung Grausamkeit, "seelische Grausamkeit", und vor ihr schützt die gerechte Gesellschaft nicht. Abweichende Lebensformen sollen dann als moralisch legitim gelten, wenn sie einander ihrerseits nicht demütigen und auch für Kritik offen sind. Tolerant wäre eine Gesellschaft aber erst dann, wenn abweichende Lebensformen nicht nur geduldet, sondern geschätzt, als wertvoll erachtet werden. Achtung und positive Schätzung läßt sich aber nicht institutionalisieren

Kerngedanken von Avishai Margalit: Politik der Würde

 

GOTTESBILDER

23.4.2003

Eine der historischen Blindheiten der christlichen Theologie war ihre Verwerfung der außerchristlichen Religionen. Die Intoleranz des Elia gegen die Baalspriester war der Kampf für die Erkenntnis des Unterschieds von Gut und Bös, eines geschichtlich nötigen Schritts über jene Vegetationsgottheiten hinaus. Die Anwendung der Intoleranz auf Islam, Buddhismus, Hinduismus ist eine Simplifizierung eines sehr viel subtileren, noch völlig unerkannten Verhältnisses. Die religiös suchenden westlichen Intellektuellen sind hier in aller Ratlosigkeit weiter vorgedrungen, als es die Kirche noch vor kurzem war. Ihnen sind Chassidismus, Zen, Yoga lebendige Begriffe geworden, auch wenn sie daraus keine gültige Lebensform gewonnen haben. In dieser Durchdringung bisher getrennter Wirklichkeiten steht ein Bewußtseinswandel vor der Tür, der freilich nicht nach Jahrzehnten zu bemessen ist.

Carl  Friedrich von Weizsäcker - Die Einheit der Natur -

 

Was Christen, Juden und Muslime miteinander verbindet, ist die gemeinsame Rückführung ihrer Religionen auf den Patriarchen Abraham. Dieser hatte zwei Frauen. Beide Frauen bekamen Söhne. Zuerst seine zweite Frau, sie bekam Ismael. Und seine erste Frau bekam Isaak. Wenn wir von Muhammed zurückblicken, dann sehen wir Ismael. Auf Isaak geht die jüdische und in ihrer Nachfolge die christliche Abstammungslinie zurück.

Juden und Christen 

- trennend: Der Glaube an Jesus, den Sohn Gottes und Messias 

-verbindend: Der Glaube Jesu als Jude, der als Gottes Ebenbild geschaffen wurde und dem aufgetragen wurde den Nächsten zu lieben;


Muslime und Christen

 - trennend: Der Glaube an Jesus den Sohn Gottes - Nach dem Koran ist Jesus nicht am Kreuz gestorben. Auch kennt der Islam keine Dreieinigkeit sondern das Bekenntnis zur Einzigartigkeit des einzigen Einen." Der Messias ist im Koran der von Gott Gesegnete, aber kein göttlicher Mensch. Von sich selbst sagt Jesus im Koran: "Siehe, ich bin Gottes Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und er machte mich zum Propheten. Und er machte mich gesegnet, wo immer ich bin, und befahl mir Gebet und Almosen, solange ich lebe."

- verbindend: Das Bekenntnis, dass Jesus von der Jungfrau Maria geboren wurde. "Wenn Gott, der Allmächtige diese Welt geschaffen hat und dieses unglaubliche Wunder seiner Schöpfung uns präsent ist, dann können wir sagen, dass er auch ohne Probleme Jesus hat schaffen können.
Hohe Wertschätzung Jesu im Koran 

Hinduisten und Christen


-trennend: Lehre vom Karma: Jede Tat, ob gut oder böse setzt einen ihr innewohnenden Vergeltungsmechanismus in Gang, der im Weiteren zu einem besseren oder schlechteren Leben führt.

- verbindend: Einer der Hauptgötter (Vishnu), der Gott der die Welt erhält und schützt kommt immer wieder in unterschiedlichen Gestalten auf die Erde herunter, um Recht und Ordnung wiederherzustellen. So glauben Hindus, dass Jesus eine Inkarnation Vishnus und Brahmans ist.

Buddhisten und Christen

-verbindend: Für Dalai Lama ist Jesus ein werdender Buddha. Er nennt Jesus den großen Friedensbringer. Er ist der Antityp zu dem brutalen Sieger- und Durchsetzungstyp unserer Zeit, eben das Vorbild selbstloser Liebe, die gewinnt, wenn sie verliert.

ZUM GLAUBEN AN EINEN PERSONALEN GOTT UND DEN GOTT DER LIEBE

Frage von Ernst Tugendhat: Egozentrizität und Mystik

" Liegt, wenn wir glauben, von den persönlichen Einstellungen nicht absehen zu können ("Dein Wille geshehe"), das nur daran, daß wir in der jüdisch-christlichen Tradition stehen, oder heißt das, daß Menschen von vornherein so sehr auf persönliche Beziehungen angewiesen sind, daß wenn sie sich auf das Numinose hin sammeln, ihnen ohne die Projektion einer göttlichen Person etwas wensentliches abgeht?"

Seine Antworten:

Vergleicht man die christliche mit der taoistischen Haltung, fällt auf, daß bei den Toaisten die Liebe fehlt.  Der taoistische Weise ist freundlich und wohlwollend, aber zurückgezogen und selbstgenügsam. Die Frage stellt sich, ob und in welcher Weise die Idee einer allseitigen selbstlosen Liebe sich einerseits in der Religion, andererseits in der Mystik ergeben kann. ...

Im Alten Testament war der Satz "Liebe deinen Nächsten" ein Gebot. Auf die Frage, warum soll man seinen Nächsten lieben, lautet die Antwort: weil es von Gott geboten ist. Die Idee der selbstlosen Liebe gründet hier also im personellen Aspekt der Religion in seiner krassen Form von Autorität und Gehorsam. Fragt man, worin das Gebot seinen Grund hat, läßt sich keine Antwort geben oder man dreht sich im Kreis. 

Im Neuen Testament ist die Liebe weiterhin ein göttliches Gebot, dieses Gebot wird jetzt aber durch die Vorstellung abgestützt, daß Gott die Menschen liebt (1 Joh. 4). Das Motiv zur selbstlosen und allseitigen Liebe ergibt sich aus dem Wunsch, Gott nahe zu sein. Allerdings ist damit die Verständnisfrage nur um einen Schritt verschoben, denn daß Gott die Menschen liebt (oder sogar 'die Liebe ist!, 1 Joh. 4,16), erscheint lediglich als Faktum. Innerhalb der religiösen Haltung nimmt man dieses Faktum staunend und demütig hin, aber wenn man darüber reflektiert, bleibt dieses Faktum ein Letztes (die Theologen sprechen von 'Offenbarung'). Diese Schwierigkeit scheint mir eine prinzipielle zu sein. Ich sehe nicht, wie sich aus der religiösen Haltung als solcher (d.h. ohne einen mystischen Faktor hinzuzunehmen) die Idee einer allseitigen Liebe verständlich machen läßt. ...

Wenn überhaupt an die Stelle de kontemplativen Haltung des Mystikers eine aktive tritt, ist dies kaum anders vorstellbar denn als allseitiges Mitleid oder desinteressierte Liebe. Hier drängt sich für uns das Wort 'Herzensgüte' auf.  Es gehört wahrscheinlich zum Begriff der Herzensgüte, daß sie 'gegenüber allen gleich' ist. Wie soll man aber dieses gleichmäßige und desinteressierte Verhalten anders verstehen als von der Mystik her? ...

Ein primär moralischer Begriff ist das nicht, und als genetische Charakteranlage läßt sich Herzensgüte auch nicht verstehen; wenn man also bei manchen Menschen den Eindruck hat, Herzensgüte eigne ihnen 'von Natur', hängt diese Natürlichkeit eher damit zusammen, daß die Möglichkeit de Ausbildung einer mystischen Sichtweise - der Schritt zurück von sich - in der natürlichen Struktur von 'ich'-Sagern gründet.

Muß dann nicht gegenüber anders begründeten Liebeskonzepten die Mystik als einzig verständliche Grundlage einer Haltung der allseitigen Liebe erscheinen? Die einzigen anderen Begründungen, die des Gebots und die des Vorbildes, wie wir sie aus dem Alten und Neuen Testament kennen, lassen sich ihrem eigenen Sinn nach nur als sekundär vestehen. Es liegt nahe, die Art und Weise, wie Jesus die Sorglosigkeit gegenüber der Zukunft (Matth. 6,25), darin den Taoisten nahestehend, mit der allseitigen Liebe verbunden hat, als Mystik im religiösen Gewand zu deuten. "

 

       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
       
"Zenith" - Zeitschrift für den Orient


Informationen aus der arabischen Welt des Goethe Instituts

Die LMU München bringt im Jahres- wechsel führende jüdische und islamische Wissen- schaftler zusammen (Michael Brenner -   Prof. für jüdische Geschichte und Kultur - Avinoam Shalem - Prof. für islamische Kunstgeschichte)
       
       
       
       
       
       GOTTESFURCHT

 KINDER

22.4.2003

 


"... ähnlich wie Camus hat der Philosoph Hans Jonas (Prinzip Verantwortung S. 85 / 193) vor einem utopischen Denken gewarnt, das den Blick für den Wert des Bestehenden verliert. Der Drang, die Welt immer wieder zu verbessern, ist für Jonas natürlich und sinnvoll. Allerdings nur, solange dabei bewusst bleibt, dass unser Wissen von zukünftigen Dingen sehr begrenzt ist und es daher fahrlässig wäre, alles auf die unsichere Karte der Hoffnung zusetzen. Der Blick in die Zukunft braucht als Gegengewicht die Fähigkeit zur Pflege des Naheliegenden, zur Verantwortung. ... Diese erfahren wir am elementarsten in unserem Verhältnis zu Kindern. Hier zeigt sich für ihn in unmittelbarer 'Wucht' eine Pflicht zur Sorge, die sich nicht begründen lässt. Und hier zeigt sich auch, dass man nicht die Menschheit, ein Volk oder eine Gruppe lieben kann, sondern immer nur einen einzelnen Menschen." 

(aus : Alois Prinz - Lieber wütend als traurig - Die Lebensgeschichte der Ulrike Marie Meinhof - S. 217)

Vergleiche:
Levinas






Wer ist mein Nächster?

Ausschnitt
aus dem Bild: Auferstehung
1990
Ölkreide mit Bleistift

"Die Ideologien"

15.4.2003

 GENOM

Offenes Buch

Die Wissenschaftler des Deutschen Humangenomprojekts haben 99 Prozent vom zugänglichen Teil des menschlichen Bauplans entziffert – mit einer Genauigkeit von weniger als einem Fehler auf 10000 Gen Buchstaben, die durch die Buchstaben A,C,G und T symbolisiert werden. Es gibt nur noch rund 250 Lücken, die mit heutiger Technik aber nicht lesbar sind. Die Forscher gehen davon aus, dass darin keine wichtigen Informationen gespeichert sind.

Die erstellte Datenbank, die auf einem repräsentativen Gemisch des Erbgutes mehrerer Personen verschiedener Herkunft beruht, soll Forschern weltweit kostenlos zur Verfügung stehen.

SZ – 15.4.


Die Krankheit, die selbst mit vier Buchstaben, SARS, bezeichnet wird, läßt sich ihrerseits auf den universellen Vier-Buchstaben-Code des Lebens zurückführen. Noch nie habe man einen Erreger so schnell identifizieren können, aber wahrscheinlich konnte sich auch noch nie eine völlig neue Krankheit innerhalb so kurzer Zeit so weit ausbreiten. Der Virus reist real per Flugzeug, die Information, die seiner Bekämpfung dient, parallel dazu via Internet. Es ist als hätten sich die Welten getroffen bei SARS, eine alte und eine neue.

SZ - 24.4.  


Das Genomprojekt hat einen schnellen Fortschritt vorgetäuscht. Mit der Gensequenz allein lasse sich wenig erklären, nicht die Regulationsmuster in der Zelle, geschweige denn die Entstehung eines vollständigen Organismus. Wir haben ein Plateau erreicht. Jetzt gehe es darum, die Lücken mit Detailwissen aufzufüllen; bahnbrechende Entdeckungen seien binnen kurzem nicht unbedingt zu erwarten: "Ich fürchte, wir kommen an die Grenzen des Erklärbaren.

 

SZ - 26.4. Prof. Nüsslein-Volhard - Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie - Tübingen

"Was war das Leben? Niemand wußte es. Niemand kannte den natürlichen Punkt, an dem es entsprang und sich entzündete... Zwischen der scheinfüßigen Amöbe und dem Wirbeltier war der Abstand geringfügig, unwesentlich im Vergleich mit dem zwischen der einfachsten Erscheinung des Lebens und jener Natur, die nicht einmal verdiente, tot genannt zu werden, weil sie unorganisch war. denn der Tod war nur die logische Verneinung des lebens; zwischen Leben und unbelebter Natur aber klaffte ein Abgrund, den die Forschung vergebens zu überbrücken strebte ... Was war also das Leben?"

Gedanken von Hans Castorp in Thomas Manns 'Zauberberg'

 

 

  

 

Wenn aber in den Lücken , im Dazwischen, das Wichtigste verborgen ist?






Quarantäne: 
Vermutlich wurde 1397 im heutigen Dubrovnik die geltende Zeit der Absonderung der Kranken von 30 auf 40Tage verlängert, italienisch quaranta giorni.

Die Pestepidemie des 14. Jahrhunderts kostete ein Viertel der europäischen Bevölkerung das Leben.














Welchen Beitrag kann die Nanowissenschaft zur Frage des Ursprungs des Lebens leisten?


 

Zur Zeichnung: „ Zwischen 3 und 4“ / Erkenntnisse über das Genom / Wissenschaft

 

 FORTSCHRITT

In Bagdad wurde das Irak-Museum geplündert

Die geraubten Schätze wiederzufinden dürfte schwierig sein. Sie landen vermutlich in irgendeinem Tresor eines Privatmannes.

SZ – 15.4. 

Das am vergangenen Donnerstag geplünderte irakische Nationalmuseum verfügte über Kunstwerke des frühen Altertums von 7000 vor bis etwa 1000 nach Christus. Die Gesetzestafel des Hammurabi ist fortgeschafft worden, ebenso wie der 4300 Jahre alte Kupferkopf eines akkadischen Königs, der nach dessen Tod ähnlich zugerichtet worden war wie die Saddam-Bronzen heute. Es fehlen zahllose Statuen und noch unentzifferte Keilschrift-Tontafeln, 170000 Werke nach ersten Schätzungen insgesamt.

Die Bilanz ist grauenerregend. Die Spuren einer Vergangenheit sind geraubt worden, welche der islamischen Welt genauso gehört wie dem der Bibel verpflichteten Westen. Die gemeinsamen Wurzeln der islamischen und der jüdischen Zivilisation liegen im mesopotamischen Zweistromland.

 ZEIT - 17.4.

Rund 650 Kunstwerke sind wieder aufgetaucht, darunter ein 7000 Jahre altes, fast unbeschädigtes Tongefäß. Zurückgebracht wurde auch eines der ältesten erhaltenen Bronzereliefs eines Bullen sowie wertvolle Manuskripte. Die Unesco will alle im Irak verschwundenen Kunstgegenstände in einer Datenbank speichern.

SZ - 30.4. 

Fast 40 000