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Sich länger Zeit lassen -
ein paar Gedanken zum Zeitwohlstand - Es
gilt ein Maß für die richtige Geschwindigkeit des Lebensgestaltung zu
finden.
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Augenblick
Stunde
Tag
Woche
Mondlauf
Jahr
Sonnenlauf
Sphärenlauf
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Wie ist es denkbar, die Ewigkeit zum Nächsten, zum Heute zu machen? Wie sähe eine solche Vorwegnahme der Zukunft in den Augenblick, eine richtige Umschaffung der Ewigkeit in ein Heute aus? Wenn wir sonst nichts von der Ewigkeit wissen, dies ist sicher: das sie das Un-vergängliche ist. Das unvergängliche Heute -aber ist es nicht wie jeder Augenblick pfeilschnell verflogen? und soll nun unvergänglich sein? Da bleibt nur ein Ausweg: der Augenblick, den wir suchen, muß, indem er verflogen ist, im gleichen Augenblick schon wieder beginnen, im Versinken muß er schon wieder anheben; sein Vergehen muß zugleich ein Wiederangehen sein.
Franz Rosenzweig - Aus: Stern der Erlösung S. 322
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Dazu genügt nicht, daß er [der Augenblick] immer neu kommt. Er darf nicht neu kommen, er muß wiederkommen. Er muß wirklich der gleiche Augenblick sein. Die bloße Unerschöpflichkeit des Gebährens ändert nichts an der Vergänglichkeit der Welt, ja mehrt sie noch. So muß dieser Augenblick mehr zu seinem Inhalt haben als den bloßen Augenblick. Der Augen-blick zeigt dem Auge, so oft es sich öffnet, immer Neues. Das Neue, das wir suchen, muß ein Nunc stans sein, kein verfliegender also, sondern ein "stehender" Augenblick. Ein solches stehendes Jetzt heißt man zum Unterschied vom Augenblick: Stunde. Die Stunde, weil sie stehend ist, kann in sich selber schon die Vielfältigkeit des Alten und Neuen, den Reichtum der Augenblicke haben; ihr Ende kann wieder in ihren Anfang münden, weil sie eine Mitte, nein viele Augenblicke der Mitte zwischen ihrem Anfang und ihrem Ende hat. Mit Anfang, Mitte, Ende kann sie werden, was die bloße Abfolge einzelner immer neuer Augenblicke nie werden kann: ein in sich zurücklaufender Kreis. Nun kann sie in sich selber reich an Augenblicken und dich immer wieder sich selber gleich sein. Indem eine Stunde herum ist, beginnt nicht bloß "eine neue" Stunde, wie ein neuer Augenblick den alten ablöst, sondern es beginnt "wieder eine" Stunde. Dies Wiederbeginnen aber wäre der Stunde nicht möglich, wenn sie bloß eine Folge von Augenblicken wäre, wie sie es in ihrer Mitte ja wirklich ist, sondern nur weil sie Anfang und Ende hat. |
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J. Ritter, Karlfried Gründer (Hrsg.) Historisches Wörterbuch der Philosophie Bd. 4, Schwabe: Basel 1976 kairos, (griech. kairos)I. 1. Ausgehend von der in mythischer Mentalität wurzelnden Überzeugung, daß alles Geschehen einer schicksalshaft festgelegten Symmetrie unterliegt, bezeichnen die frühgriechischen Weisen und Dichter (besonders HESIOD und PINDAR) mit Kairos (...) die durch eine Gunst der Natur (oder Gottheit) ausgezeichnete Stelle im Raum (zunächst) und Zeit (später), deren Erkenntnis und Nutzung dem menschlichen Handeln Gelingen verspricht. Der Vergöttlichung des Kairos bei ION VON CHIOS [1] entspricht im philosophischen Bereich das besondere Interesse, das die Schule des Pythagoras dem Kairos entgegenbringt: Mit dem Vollendungsideal der Siebenzahl identifiziert [2], d.h. als Grundmaß kosmischer Rhythmen verehrt, wird er zum Inbegriff des Ebenmäßigen und Glückenden, von woher wiederum sein Auftauchen in den Bereichen von Arbeit, Wettkampf und Gesang zu verstehen ist. GORGIAS erhebt den Kairos zu einem wichtigen Topos der Rhetorik, zur Norm einer auf das Interesse des Augenblicks gerichteten Überredungstechnik. Vom Naturzeitmaß zusehends zu einem vom Menschen berechenbaren Ideal des ethisch und ästhetisch Angemessenen relativiert, erhält der Kairos erst bei PLATON seine transsubjektive Verankerung zurück: In der metaphysisch unterbauten Ethik [...] figuriert das Kairos [...] als Inbegriff von Grenze, Vollkommenheit, Einheit und Glück [3], als das alle hiesige Angemessenheit ermöglichende Urmaß (das z.B. auch das <plötzliche> , d.h. zeitlose Umschlagen von Sein und Nichtsein zumeßbar macht [4]). 2. Solcher sozusagen transzendenten Hoch-Zeitigkeit setzt ARISTOTELES wieder das an der sophistischen Rhetorik orientierte, aber nicht nur in menschliches Ermessen gestellte Ideal empirischer Rechtzeitigkeit entgegen. Im Rahmen seiner Kritik an Platons Idee des Guten definiert er den Kairos als das Gute in der Kategorie der Zeit, als das günstige Wann [...] [5]. Neben dem Aspekt des Tauglichen und Geeigneten (an der Zeit) betont er daher auch den des Vollendeten und Erfüllenden; so könnte man neben dem passenden Anfangspunkt einer Handlung auch deren Kulmination (entweder in der Mitte oder am Ende) mit <Kairos> bezeichnen, um den inzeptiven, kulminativen und finitiven Kairos zu unterscheiden. Allen Prozessen in Natur und Handeln ist vom ersten Beweger her eine Tendenz auf Ein- und Zuordnung mitgegeben, die auch im Menschen naturhaft arbeitet als das instinktive Aufspüren von Sinnvollem, Seinsangemessenem, Gestalthaftem. Regel für die Orientierung in Einzelfällen ist die Annahme, daß alle Situationen als untereinander verbunden gelten, einen Zusammenhang eventueller Konvergenzen (von Naturgeschehen und menschlichem Handeln) bilden, in der der Einzelne sich durch Erfahrung einfühlen lernt; da ein System von Vorschriften, eine Kasuistik, in einer <Situationsethik> fehlt, ist es für die Wahl des rechten Moments charakteristisch, daß die unvorhersehbaren Erfordernisse des Augenblicks die an sich sinnwidrigsten Aktionen zu sinnvollen, weil rechtzeitig unternommenen Handlungen werden lassen [6]. So spricht Aristoteles zwar von einer <Wissenschaft des Kairos> [7] - und sein Schüler Theophrast soll denn auch eine Kairologie der Politik verfaßt haben - fügt aber gleich hinzu, daß die verschiedenen Einzelwissenschaften (verstanden als Techniken der gegenseitigen Anpassung von Mitteln und Zielen) den Kairos je verschieden bestimmen werden; sie haben aber in der Kategorie des <Notwendigen im Kontingenten> eine das praktische Wissen ermöglichende Konstante. Jenseits des sophistischen <Opportunismus> der totalen Verfügbarkeit der geeigneten Augenblicke kalkuliert die <Nikomachische Ethik> der Unsicherheitsfaktor [...] mit ein, der die Sichtung [...] und die Bestimmung [...] der richtigen Zeit zu einer Art experimentellen Stochastik werden läßt. Zwar gilt es als Zeichen praktischer Weisheit, wenn vor jeder Aktion das Wann mitbedacht wird [8] - das zu früh oder zu spät Getane entwertet die Praxis -, aber gerade die kluge Ausmittelung situativer Möglichkeiten stößt auf ein Element des Unverfügbaren, das andererseits erst die Bedingung des Möglichkeit von Glück [...] zu sein scheint, ein Element von <Gunst>, dessen Erleben als zeitlos (und plötzlich) charakterisiert wird [9]; solch ein <göttlicher> Kairos [10] wäre die Maßeinheit für alles an ihm gemessene Gelingen: Das herausgehobene [...] verhält sich dann zur ganzen Handlung wie das Maß zum Abmeßbaren oder wie das Glücken zur Verwirklichung des Möglichen. 3. Diese an der Maßethik orientierte Kairologie wird von den Stoikern weiter ausgebaut [11]: Das Sicheinpassen in Naturabläufe, die Anmessung von pysikalischem und ethischem Jetzt (commendatio), wird zur Maxime des Handelns; dem Ideal der [...] tritt die [...] als das unbedingt zu Meidende gegenüber. In der Auslegung dessen, was in einem jeweiligen Moment mit Bezug auf das Zeitganze gegeben, d.h. aktualisierbar ist, in der Ansetzung des Jetzt als Zeichen (von Vergangenem und Zukünftigem), d.h. von einer ewig wiederkehrenden, gleichgültigen Augenblicksfolge, sieht der Stoiker eben jene beglückende Erkenntnis <meiner> Stelle innerhalb des Ganzen sich artikulieren, die schon PHILOLAOS mit dem Wesen von Philosophie gleichgesetzt haben soll [12]. __________________________________________- Anmerkungen:
[1] ION VON CHIOS, nach PAUSANIAS V, 14, 9. - [2]
Schule des Pythagoras, nach AROSTOTELES, Met. 985 b 27. - [3]
PLATON, Phileb. 24 a-d. - [4] Vgl. Parmenides 126 e.
- [5] ARISTOTELES, Eth. Nic. 1095 a 26. - [6]
a.a.O. 1110 a 13. - [7] 1096 a 32. - [8]
1104 a 8. - [9] 1174 b 5. - [10]
Vgl. aber Anal. pr. I, 48 b 35. - [11] Vgl.
V.GOLDSCHMIDT: Le système stoïcien et l'idée du temps (Paris 1969)
bes. 168-211. - [12] PHILOLAOS, VS 1, 419.
II. Durch den Berliner Kreis der Religiösen Sozialisten (Kairos-Kreis) wird der Begriff <Kairos> um 1920 in die theologische Diskussion eingeführt. Er bedeutet im Gegensatz zu Chronos (<die formale Zeit>) [1] die rechte, die gefüllte Zeit. P. TILLICH findet den Sprachgebrauch zwar bei den Griechen vorgeformt [2], sieht ihn aber erst im neuen Testament zur vollen Entfaltung kommen. Die zentrale Stelle für das Verständnis des Begriffs ist Mk. 1, 15. Kairos als Fülle der Zeit bedeutet, daß das Unbedingte in einem bestimmten Moment der Geschichte in die Zeit einbricht und sie mit einem unbedingten Gehalt und mit einer unbedingten Forderung erfüllt [3]. In diesem Sinn wird der Begriff in der Auseinandersetzung mit den Problemen der Utopie aufgenommen: Die Idee des Kairos <enthält das Hereinbrechen der Ewigkeit in die Zeit, den unbedingten Entscheidungs- und Schicksalscharakter dieses geschichtlichen Augenblicks, aber sie enthält zugleich das Bewußtsein, daß es keinen Zustand der Ewigkeit in der Zeit geben kann, daß das Ewige wesenmäßig das in die Zeit hereinbrechende, aber nie das in der Zeit Fixierbare ist> [4]. Der Kairos wird vom Propheten angekündigt, der eine Zeit in ihrer Tiefe existentiell erlebt; der Prophet steht in dialektischer Beziehung zum Kairos-Bewußtsein: Einerseits ist dieses ihm vorgegeben, andererseits schafft er es durch seine Botschaft. Er treibt die Geschichte vorwärts in Richtung auf eine neue Theonomie. Kairos bezeichnet zwar den Übergang von einer autonomen zu einer theonomen Kulturepoche, inhaltlich aber sind Kairos und Theonomie nahezu identisch. Vom Kairos kann man in dreifacher Weise reden. <Kairos in seinem einzigartigen und universalen Sinn ist für den christlichen Glauben das Erscheinen Jesu als des <Christus>. Kairos in seinem allgemeinen und speziellen Sinn ist für den Geschichtsphilosophen jeder Wendepunkt in der Geschichte, in dem das Ewige das Zeitliche richtet und umwandelt. Kairos in seinem besonderen Sinn für uns, in seinem für unsere augenblickliche Lage entscheidenden Charakter ist das Hereinbrechen einer neuen Theonomie auf dem Boden einer profanierten und entleerten autonomen Kultur> [5]. Die dritte Bedeutung des Begriffs tritt bei Tillich in den späteren Jahren zurück. Es gibt den einen zentralen Kairos, die Erscheinung des Christus, der durch viele Kairoi vorbereitet war und dem viele andere folgen: <Der <große Kairos> bedarf auch vieler <kleiner Kairos>, damit er von der ihm folgenden Entwicklung rezipiert werden kann.> Der Begriff Kairos <wird heute als Bezeichnung einer prophetischen Geschichtsdeutung gebraucht, die die <Zeichen der Zeit> sehen und die Geschichte als Ganzes verstehen will> [6]. Im breiteren Sprachgebrauch wird der Begriff heute sowohl im Sinne von <rechte Zeit> [7] als auch synonym zu <Gottes Zeit> und <Heilsgeschichte> verwandt [8]. _____________________________ Anmerkungen:
[1] P. TILLICH: K. (1922). Ges. Werke 6 (1963)
9ff. - [2] Vgl. dazu Theol. Wb. zum NT, hg. KITTEL
3, 456ff. - [3] P. TILLICH: Grundlinien des Relig.
Sozialismus (1923). Ges. Werke 2 (1962) 94. - [4] K.
(1926) a.a.O. [1] 35. - [5] a.a.O. 24. - [6]
K. (1958) a.a.O. [1] 138f. - [7] H. THIELICKE: Theol.
Ethik 1 (1958) 443. - [8] a.a.O. 459.
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ICH
HABE GELERNT, DIE PHÄNOMENE ZEIT
UND UHRZEIT
AUSEINANDERZUHALTEN. DIE
UHRZEIT,
DIE DAS LEBEN GLIEDERN UND EINTEILEN SOLL, DIE ES ÜBERSCHAUBAR
UND REGISTRIERBAR MACHEN WILL, IST DIE SCHLIMMSTE PLAGE, DIE DIE
MENSCHEN ERFUNDEN HABEN. DIE ZEIT DAGEGEN LÄSST UNS RAUM UND MÖGLICHKEITEN; VON DER ZEIT IST DAS LEBEN NICHT BEGRENZT, SONDERN MIT IHR IST ES AUSGESTATTET ZU EINER KAUM FASSBAREN VIELFALT. |
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André Krellmann |
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ÜBER
DIE ZEITEN |
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(Blick durch die Stahlskulptur des baskischen Bildhauer Eduardo
Chillida 1924 bis 2002 |
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Norberto
Bobbio - Vom Alter - De senectute |
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DENN
ZEIT IST WIE EIN WIRT NACH HEUT'GER MODE, NIE
HOFFE WERT FÜR DAS, WAS WAR, DEN LOHN; NATUR
MACHT HIERIN ALLE MENSCHEN GLEICH; DIE
GEGENWART RÜHMT GEGENWÄRT'GES NUR. |
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Priamus
/ Nestor Barbara Nüsse Hektor
/ Agamemnon Hans Kremer
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