HANS WIMMER

1907 - 1992

Über die Bildhauerei

Zwei kräftige Wurzeln

Gerhard Marcks und Hans Wimmer

 

Werke in München

Richard Strauss Brunnen

Reiterfigur Kaiser Ludwig

Windspiel im Vorgarten des Lenbachhauses








Gedenkrelief für Kardinal Döpfner in der Münchner Frauenkirche

Kruzifix in der Krypta der Münchner Frauenkirche

Das große "Trojanische Pferd" auf der Grünanlage südlich der Alten Pinakothek

Das Relief "Christus und Johannes" an der Außenwand der Winthirkirche

Desdemona im Innenhof der Neuen Pinakothek



Ochsenbrunnen am Schlachthof

Goldene Ehrenmünze der Stadt München

 

Wimmer in Passau

Weitere Werke

"Der gefesselte Mensch" (Paulskirche Frankfurt)

Zeichnungen

Große Sitzende" 
auf der Feste in Coburg

Sein Grab (Bogenhauser Friedhof)

 

                                            

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Impressum


HANS WIMMER


"Ich kenne nur wenige Künstler, bei denen Mensch und Werk 
so identisch sind. Wimmers Lebenswerk
 ist ein tief wurzelndes menschliches Bekenntnis. 
Er schafft aus der Überzeugung, 
daß die Plastik (gegenüber der Malerei) 
nach wie vor in besonderer Weise 
an die Darstellung des Menschen 
und der Kreatur gebunden ist 
und deshalb auch um ihre Würde 
Sorge zu tragen hat."


Professor Dr. Erich Steingräber


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Zwei kräftige Wurzeln


(aus der Laudatio von Professor Dr. Erich Steingräber anläßlich der Verleihung des Oberbayerischen Kulturpreises 1980)


" Hans Wimmers Kunst hat zwei kräftige Wurzeln. Da ist zunächst sein altbayerisches Naturtalent, das er seiner bäuerlichen Herkunft aus dem allem Aufputz abgeneigten niederbayerischen Rottal mit seiner alt angestammten Pferdezucht verdankt. Seine Objektivität, Bescheidenheit und Naivität, die Ehrfurcht vor aller Kreatur, auch ein Schuß Bauernschläue haben hier ihre Wurzeln.

Zum anderen schöpft Wimmer aus einer umfassenden, in der abendländischen Tradition wurzelnden Bildung, wobei seine besondere Liebe der griechischen Kunst gilt. Unserer 'Zeit der Einseitigkeiten' (so klagte schon Goethe in 'Wilhelm Meisters Wanderjahren' 1820) setzt er eine universale Geisteshaltung entgegen. Seine humanistische Erziehung - womit nicht nur das Schulwissen gemeint ist - wurde ihm zur lebensbildenden Kraft, die bald zur fruchtbaren, sein Leben mitformenden Begegnungen mit vielen bedeutenden Persönlichkeiten führte:

1930 porträtierte er Karl Vossler,
1932
Hans Knappertsbusch

Marmorportrait - Unter dem Eindruck von Hans Knappertsbusch, der auch wie er auf dem Bogenhausener Friedhof in München begraben ist, wird der Plan Dirigent zu werden, fallen gelassen. Gleichzeitig Berührung und Umgang mit Rudolf Hindemith, Kurt Huber, Kiem Pauli, Leopold Weber, Karl Alexander von Müller, Ludwig Hoelscher, Freundschaft mit dem Pianisten Fritz Hübsch.


1934 Richard Billinger,
1936 und 1937 seine junge Frau, die er im archäologischen Seminar kennen lernte,
1946 Ernst Buschor,
1947 Hans Carossa,
1950 Ludwig Curtis,
1953 Wilhelm Furtwängler,


1958 Martin Heidegger - Maske

1967 Annette Kolb

 

Zeichnung von Hans Wimmer -  - Annette Kolb am Klavier - 1967, ihrem Todesjahr

Annette Kolb wohnte in der Händelstraße 1 im Nordosten des Bogenhausener Friedhofs. Die Inschrift am Haus lautet: "In diesem Haus wohnte von 1961 bis 1967 die Schriftstellerin Annette Kolb"

Die Grabstätten von Hans Wimmer und Annette Kolb befinden sich auf dem Bogenhausener Friedhof in der östlichen Reihe. 


 


Aus der Schrift: 
35 Jahre Festspiele Europäische 
Wochen Passau 1987



Über die Bildhauerei

Nachwort zu den Aufzeichnungen "Über die Bildhauerei" von Hans Wimmer


"Im Vorstehenden habe ich so getan, als ob alles in schönster Ordnung wäre, als ob es keine Fragezeichen, kein Rufzeichen gäbe; als ob ich das Eis unter den Füßen nicht krachen hörte und die Totengräber nicht bemerkte: das heitere Preisen unseres stündlichen Fortschritts ohne Perspektive auf seine Auswirkung, das Verlagern unserer Bildung von der Höhe in die Breite, die Ablösung von Qualität durch die Quantität, unsere ohnmächtig-neidische Sehnsucht nach den versunkenen Kulturen der Analphabeten; als hätte ich nicht sagen hören, daß wir kein Verhältnis mehr haben zur Natur (sondern nur mehr ein Verhältnis zu unserer Vorstellung von der Natur); daß wir im Begriff sind, außerhalb unseres Planeten Fuß zu fassen; daß wir das Leben auf der Erde auszulöschen in der Lage sind, andererseits durch Verpflanzung tierischer Zellen in den menschlichen Organismus uns unsere Jahre hektisch verlängern.

Auch die Kunst ist Mitvollzieherin einer Entwicklung, die in ihrer gegenwärtigen Phase die Kraft des Menschen beinahe übersteigt. Auch die Bildhauerei hat darin ihren Auftrag, nämlich: Das Ebenbild Gottes in der Figur zu retten. Nicht dadurch, daß wir die menschliche Figur den Kühlerhauben des Autos angleichen, indem wir in unbegreiflicher Verwirrung sinnliche Anschauung und technisches Gebilde in einen Topf werfen und umrühren - von dieser Suppe werden wir nicht satt -, sondern dadurch, daß wir es aufgeben, das Kranke, ja das Todbringende großartig zu finden. Es ist eben in nichts großartig - für sich allein. Das Kranke spielt in der Kunst eine Rolle, aber nicht die einzige, keinesfalls die tragende. Ebensowenig wie das Nur-Gesunde! Nein, wir müssen dem Kranken seine eigentliche Rolle zuweisen: daß wir mit ihm fertig werden. Wenn uns noch etwas zuwächst, dann allein aus dem Erkennen dieser unserer Situation. Das Erkennen aber muß zum Bekennen werden":

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Werke in München


      Gedenkrelief für Kardinal Döpfner in der Münchner Frauenkirche, das Hans Wimmer schuf. Er setzte dabei den Wahlspruch Kardinal Döpfners plastisch um:

 "Ich will der erste Kreuzträger unseres Bistums sein, indem ich die schmerzende Last frohgemut trage, die sich unter den Ehrungen des Bischofsamtes verbirgt" .

Das Erzbischöfliche Archiv verwahrt die Akten von Kardinal Döpfners Münchener Amtszeit (1961-1976). Anlässlich Döpfners 25. Todestags machte der Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, alle Akten zum Zweiten Vatikanischen Konzil bereits vor Ablauf der Sperrfristen uneingeschränkt zugänglich.


      Kruzifix in der Krypta der Münchner Frauenkirche
Dieses findet sich auch an seiner Grabstätte im
Bogenhausener St. Georg Friedhof



 

 

     Das große "Trojanische Pferd" auf der Grünanlage südlich der Alten Pinakothek

Das kleine
trojanische Pferd 
(37,5 cm) 1980










aus dem 
Ausstellungskatalog 
der Stadt Pfarrkirchen 
zum 100. Geburtstag


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Gerhard Marcks und Hans Wimmer 


Der Künstler mit dem "faible für Pferde" war nicht nur der "beste Pferde - Bildhauer des Jahrhunderts" (Heinz Spielmann), er war europaweit mit Ausstellungen vertreten und hatte in Hamburg, Nürnberg und Düsseldorf Professuren an der Akademie der Bildenden Künste inne.
Der 1907 in Pfarrkirchen geborene Künstler erlebte noch die Eröffnung seiner Sammlung im Oberhaus-Museum im Juni 1987, er starb 1992 im Alter von 85 Jahren.

Gerhard Marcks (1889-1981) und Hans Wimmer wehrten sich vehement gegen die seit den fünfziger Jahren unaufhaltsam voran- schreitende Bevorzugung der abstrakten Kunst sowie die aus Amerika herüber- schwappende Strömung der Pop-Art. Die Briefe von Gerhard Marcks sind voll von entsprechenden Invektiven. Bereits 1956 war er aus Protest gegen jene Entwicklung aus dem Deutschen Künstlerbund ausgetreten und auch Hans Wimmer distanzierte sich mehr und mehr von dieser Vereinigung, der er spätestens seit 1973 nicht mehr angehörte.


 

Hans Wimmer und Gerhard Marcks
auf Ägina, 1968

Wimmer blieb seiner bayerischen Heimat stets verpflichtet. Geboren im niederbayerischen Pfarrkirchen, zog er für das Studium nach München, wo er von 1928 bis 1935 als Schüler von Bernhard Bleeker an der Akademie der freien Künste eingeschrieben war. Nach einer schwierigen, durch Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg geprägten Zeit, erhielt er 1949 eine Professur an der Akademie in Nürnberg, die er bis 1972 innehatte. Sie ermöglichte es ihm, seinen Wohnsitz und sein Atelier in München beizubehalten. Seit der zweiten Hälfte der 40er Jahre wuchs seine Anerkennung als Bildhauer stetig, so dass Wimmer bald zum Träger wichtiger Auszeichnungen wurde, in vielen künstlerischen Gremien vertreten war und bedeutende öffentliche Aufträge erhielt. Ähnlich wie Gerhard Marcks geriet er durch die aktuellen Kunstströmungen seit den 70er Jahren ins Abseits, wurde als "Altmeister" der figürlichen Skulptur jedoch weiterhin von offizieller Seite geehrt.



Gerhard Marcks, Kleine Zweite Geige
1977, Bronze

Hans Wimmer, Portraitstatuette David Oistrach II
1972, Bronze

Beide Künstler, die sich 1936 kennen gelernt hatten, verband eine langjährige Freundschaft, die sowohl auf persönlicher Beziehung beruhte wie auf einer grundsätzlichen Übereinstimmung der künstlerischen Prinzipien. Sichtbarstes Zeugnis dieses engen Kontaktes ist ein zwischen den Jahren 1942 und 1978 erhaltener, ca. 1.000 Schriftstücke umfassender Briefwechsel. Einige gemeinsame Reisen bereicherten die Beziehung. Besondere Bedeutung kommt 1968 einem gemeinsamen Aufenthalt auf Ägina zu. Durch den unmittelbaren Austausch mit dem Kollegen am ,ideellen' Ursprungsort ihres bildhauerischen Herkommens erwies er sich für beide als fruchtbar. Mit ihrem künstlerischen Anliegen, strenge tektonische Gesetzmäßigkeiten mit dem Abbild der Natur zu verbinden, begriffen beide Bildhauer ihr stilbildendes Vorbild in der archaischen Plastik Griechenlands. Die gemeinsame Prämisse von Marcks und Wimmer lautet, die Figur auf das Wesentlichste zu reduzieren, ohne sie dabei unorganisch wirken zu lassen. In seinem 1961 erschienenen Büchlein "Über die Bildhauerei" verwendet Wimmer für diesen moderaten Abstrahierungsprozess den Begriff "Ornament". Er schreibt diesbezüglich: "Das Wort Ornament gebrauche ich hier in einem nicht allgemeinüblichen Sinn: dem Ornament nähert sich jede Darstellung, die Gültigkeit hat. In der Mathematik bezeichnet man es mit Formel. Vor allem meine ich damit keinen Gegensatz zum Figürlichen, sondern im Gegenteil die höchste Steigerung des Figürlichen. Ornament bedeutet in der Bildhauerei das Herausstellen der in der Natur enthaltenen architektonischen Elemente. ,Es ist eine Gewahrwerden der wesentlichen Form, mit der die Natur gleichsam nur immer spielt', sagt Goethe". Aufgrund ihrer persönlichen bildhauerischen Handschrift näherten sich die beiden Bildhauer diesem Ziel - quasi in einer Akzentverschiebung - dennoch auf unterschiedlichem Wege. Wimmers Plastiken erreichen in der Behandlung des Details einen maximalen Grad an Abstraktheit, vermitteln im Gesamtausdruck aber das Bild einer natürlichen Bewegtheit. Auf den ersten Blick von spröder Gestalt, berücksichtigen sie die individuellen Merkmale des Modells sehr genau. Marcks dagegen behandelte die Einzelform naturalistischer, blieb im Aufbau seiner Plastik jedoch in einem höheren Maße tektonisch.

 

Auszüge zu einer gemeinsamen Ausstellung von Veronika Wiegartz

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Weitere Werke

Paulskirche in Frankfurt "Der gefesselte Mensch"

Sockel: Sandstein, Skulptur: Muschelkalk

Das Mahnmal, der gefesselte Mensch, wurde am 24.10.1964 eingeweiht.
Auf dem Sockel werden 53 Konzentrations- und Vernichtungslager genannt, die von 1933 bis 1945 auch in den besetzten Ländern Europas eingerichtet wurden. Das Mahnmal steht für 11 Millionen Opfer; Menschen, die erschossen, gehenkt, zertrampelt, erschlagen, erstickt, ersäuft, verhungert, vergiftet, abgespritzt, vergaßt oder mit anderen Methoden ermordet wurden.

 






"Große Sitzende" 

mit der Inschrift auf der Rückseite "If love be the foot of love, play on" (Shakespeare)
entdeckt am 28.6.06 auf der Feste in Coburg



Zeichnungen

 



Reiterfigur (1967)  Kaiser Ludwig  

vor dem neuen Tor des Alten Hofs








 



















 




Richard Strauss Brunnen 

Salome-Brunnen

 Der Richard-Strauss-Brunnen wird auch Salome-Brunnen genannt, da er Motive aus der Oper "Salome" des Komponisten Richard Strauss zeigt. Die Stadt München stiftete ihn zu Ehren ihres bedeutenden Sohnes, dessen Geburtshaus in der Nähe stand (Altheimer Eck). Die Gestaltung lag in den Händen des Bildhauers Hans Wimmer. Errichtet wurde der 7 m hohe Bronzebrunnen in den Jahren 1961/62. Sie steht vor der Alten Akademie in der Neuhauserstraße.

 

 

Ah! Jokanaan, Jokanaan,
du warst schön.
Dein Leib war eine Elfenbeinsäule
auf silbernen Füßen.
Er war ein Garten voller Tauben
in der Silberlilien Glanz.
Nichts in der Welt
war so weiß wie dein Leib.
Nichts in der Welt
war so schwarz wie dein Haar.
In der ganzen Welt
war nichts so rot wie dein Mund.
Deine Stimme
war ein Weirauchgefäß,
und wenn ich ansah,
hörte ich geheimnisvolle Musik.
Ah! Warum hast du mich nicht angesehn,
Jokanaan? Du legtest über deine Augendie Binde eines,
der seinen Gott schauen wollte.Wohl!
Du hast deinen Gott gesehn, Jokanaan,
aber mich, mich, hast du nie gesehn.
Hättest du mich gesehn, du hättest mich geliebt!
Ich dürste nach deiner Schönheit.
Ich hungre nach deinem Leib.

 












 



Windspiel  

im Vorgarten des Lenbachhauses

 


 

theodor frey

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DESDEMONA

im Innenhof der Neuen Pinakothek in München
































 

 

 

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