Aus PETER DE MENDELSSOHNS Roman
"DAS ZWEITE LEBEN",
den er in London 1936 - 38 verfasste

Über den Zusammenbruch der Banken

Über die Reichtagswahl am 5. März 1933

Über das, was man nicht sagen durfte

 

"Zwei deutsche Großbanken brechen in der Krise zusammen! 

So lautete die Schlagzeile der Zeitung. Zwei der deutschen Großbanken hatten schließen müssen, über Nacht, ohne jede Warnung. Sie hatten ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können und waren vom Staat übernommen worden. Eine dritte hatte der Staat gezwungen, das Geschäft einzustellen, ehe der Krach unvermeidlich wurde.

'L' Allemagne déclare, qu'elle n'a plus le sou.'

So stand in der Zeitung, Deutschland erklärte, es besitze keinen Heller mehr. Das reich hatte jährlich rund zwei Milliarden an Reparationen und ungefähr den gleichen Betrag an Kriegsschulden aufgebracht, viele Jahre hindurch. Nun ging es nicht mehr.

Viele Tausende hatten anscheinend ihre kleinen Ersparnisse verloren; es schien zweifelhaft, ob sie schadlos gehalten werden konnten. Die auswärtigen Anleihen an Deutschland waren angeblich schwer gefährdet. er Reichsbankpräsident Dr. Luther kabelte an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Hoover, und bat ihn um ein einjähriges Moratorium für alle deutschen Anleihen und Schulden. Hoover gewährte das Moratorium. Als dies erreicht war, flog Dr. Luther nach Paris und London. In Paris und London nahm man ihn nicht gerade begeistert auf. Er hielt sich in keiner der beiden Städte lange auf, sonder flog zurück und brachte eine Regierungsverordnung heraus, des Inhalts, daß von nun an niemand, der sich in Deutschland aufhielt, monatlich mehr als einen bestimmten Betrag ins Ausland senden durfte. Es waren pro Kopf zweihundert Mark." (S. 46 - Ausgabe von 1948 - Krüger)

Mendelssohn bezieht sich auf die Ereignisse im Juli 1931. 
Mendelssohn Grabstätte ist auf dem Friedhof in München - Bogenhausener zu finden.
Hier zur Grabstätte . . .

Hier die geschichtlichen Ereignisse. Quelle Wikipedia

"Schon am 14. Juli, nach dem auf die Bekanntgabe der Schließung der DANAT-Bank [Bankengemeinschaft Darmstädter-Nationalbank Berlin - zweitgrößte Bank Deutschlands] erfolgten allgemeinen Ansturm der Bankkunden, musste die Dresdner Bank jedoch der Reichsregierung ihre Illiquidität eingestehen. Insgesamt ist es daher verständlich, dass Brüning innerhalb der von staatlicher Seite initiierten Umstrukturierung und Sanierung auf einen personellen Wechsel in den Vorständen der einbezogenen Banken drängte. Aufgrund der weiter anhaltenden bzw. noch durch die Bankfeiertage verstärkten Vertrauenskrise und der unveränderten strukturellen Daten schränkte die Reichsregierung durch mehrere Notverordnungen den Zahlungsverkehr auch nach den Bankfeiertagen stark ein, um eine Wiederholung der Vorgänge vom 13. Juli zu vermeiden. Zunächst durften Auszahlungen und Überweisungen nur zur Begleichung von Unterstützungszahlungen, öffentlichen Abgaben sowie Löhnen und Gehältern geleistet werden. ... Schon am 15. Juli wurde der Handel mit Devisen auf die Reichsbank beschränkt. Mit der Einführung der Devisenbewirtschaftung kam die Reichsregierung im Wesentlichen auch einer Forderung der amerikanischen Federal Reserve und der Bank of England nach, die vor allem die Kapitalflucht für die Abnahme des Gold- und Devisenbestandes der Reichsbank verantwortlich machten. Am 18. Juli waren schließlich durch Notverordnung Devisenbestände der Reichsbank anzuzeigen und auf Verlangen an sie zu verkaufen. Zur besseren Kontrolle und Informationsbeschaffung schuf die Reichsregierung mit der Verordnung über die Bankenaufsicht vom 19. September das sog. „Kuratorium für das Bankgewerbe”, dem als ausführendes Organ ein Reichskommissar vorstehen sollte. Dieser hatte das Recht, Auskünfte über alle Geschäftsangelegenheiten anzufordern, Geschäftsbücher und Schriftstücke aller Art einzusehen und an den Sitzungen von Bankorganen teilzunehmen. . . . Da die Großbanken wegen der Wirtschaftskrise allgemein und der sich in der akuten Bankenkrise dramatisch zuspitzenden Kapitalabzüge hohe Verluste zu bewältigen hatten, sah die Reichsregierung sich genötigt, wie oben erwähnt mittels staatlicher Gelder die Eigenkapitalbasis der Kreditinstitute zu stärken und damit faktisch fast alle großen Geschäftsbanken zu verstaatlichen. So waren das Reich und die an der Kapitalrekonstruktion beteiligte Golddiskontobank 1932 zu 91 % an der mit der DANAT-Bank fusionierten Dresdner Bank, zu 70 % an der mit dem Barmer Bankverein zusammengeschlossenen Commerz- und Privatbank und schließlich zu 30 % an der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft beteiligt. Trotz dieser beherrschenden Stellung der öffentlichen Hand in der Eigentümerstruktur sahen sich die Kreditinstitute außer bei der teilweisen Ablösung bisher agierender Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder keinem großen Einfluss der Reichsregierung ausgesetzt. Nach 1933 wurden die Großbanken schrittweise reprivatisiert."

 

MEIN BILDKOMMENTAR ZUM EINSTURZ DER FINANZMÄRKTE IM JAHRE 2008

 

Über die Reichtagswahl am 5. März 1933

"Der nächste Tag, Sonntag, der fünfte März, war kalt und trübe. Ich stand zeitig auf und ging auf die Straße hinunter. Der Himmel über der Stadt war bewölkt, es fiel ein feiner Staubregen, der nach einiger Zeit aufhörte. . . . Dann bog ich um die Ecke und ging den Kurfürstendamm hinauf in Richtung Halensee.
Die Flaggen an den Fenstern hingen schlaff herunter, weil es windstill war, dazu waren sie schwer von Nässe. Trotz des Lärms machte alles einen müden abgekämpften Eindruck. Nicht nur die Menschen auf der Straße, sondern sogar die Häuser selbst, ja die ganze Stadt samt ihren Flaggen und Bannern, alles schien zu sagen: "Wir sind müde und erschöpft, wir haben es satt." Ich wußte nicht genau, wo das für mich zuständige Wahllokal lag, deshalb ging ich zu der Ecke, wo die Zeitungsleute standen und fragte meinen alten Freund danach. Der grüßte mich freundlich lächelnd und gab Auskunft. . . . Ich fand auch alsbald das Lokal, es war eine Turnhalle. Vor dem Eingang standen wieder Leute mit Wahlplakaten und Fahnen, die kleine Flugzettel austeilten, aber keiner von ihnen machte Lärm. Die Polizei stand daneben und überwachte sie aufs genaueste. Drinnen mußte man an einem Tisch vorüber, an dem zwei Männer saßen. Dazu wartete man in einer langen Schlange, die langsam vorwärtsrückte.  . . . Drinnen [in der Wahlzelle] stand ein kleiner Tisch, auf ihm lag eine Bleistift, der an einem Bindfaden hing. Ich nahm den Bleistift zur Hand und überflog die lange Liste der Parteien auf dem Wahlzettel.  . . . Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei führte die Liste an, dann folgten alle anderen, Sozialdemokraten, Demokraten, das katholische Zentrum, die Deutschnationalen und noch viele andere mehr. Auch Kommunisten waren dabei. Nicht viel Auswahl, dachte ich. Außerdem: man kann wählen, was man will, es ist doch umsonst. Was hatte es für einen Sinn, den Kommunisten das Kreuz zu geben? Im nächsten Reichstag gab es keine Kommunisten, denn sie saßen schon alle im Gefängnis. Sollte man seine Stimme der großen republikanischen Partei schenken? Die Sozialdemokraten würden ebensowenig zu sagen haben, auch von ihnen saß die Hälfte schon im Gefängnis, die andere Hälfte würde den Mund nicht aufmachen, wenn es darauf ankäme. Wer würde seinen Mund aufmachen? Wer würde auftreten gegen die Tyrannei der Mörder, Diebe, Lügner und Betrüger? Wer würde seine Stimme gegen diese falschen Propheten erheben? Wer anders konnte in dieser Stunde noch helfen, als Gott?
Gott - - ich wußte wenig oder gar nichts von Gott. Ich kannte ihn kaum. war ich je in Seinem Hause gewesen? Ich war Protestant, wenn mich diese Welt auch zum Juden stempeln wollte. Ja, ich war protestantisch, auch meine Frau und mein Kind waren es. Aber in der Tiefe meines Herzens, so dachte ich während der wenigen, kostbaren Augenblicke in dieser würfelförmigen Zelle, bin ich ebensowenig Protestant wie Jude. Nein, ich kannte es nicht, das Antlitz des Judengottes, ich kannte Ihn nicht, ebensowenig aber kannte ich den Gott Martin Luthers. Trotzdem kannte ich Gott. Einmal hatte ich Ihn sogar recht gekannt, damals, als ich am sinkenden Abend durch die Felder ging, als Friede und Ruhe über meinen Tal lagen und auch mein Herz voll Frieden und Ruhe war. Da hatte ich Ihn kennengerlernt. Ich hatte Ihn nicht vergessen.
Als ich nun mein kleines Kreuz in den Kreis malte, der der katholischen Kirche zugehörte, da schämte ich mich sehr. Rasch faltete ich den Zettel zusammen und steckte ihn in den blauen Umschlag. Ich wußte nicht einmal, wie die Leute hießen, denen ich meine Stimme gegeben hatte. Aber auf jeden Fall glaubten sie an Gott. Wahrscheinlich würden sie in den kommenden Tagen wenig zu sagen haben, vielleicht gar nichts. Das würde ihnen aber wenig ausmachen. Sie würden weiter an Gott glauben. Sie würden weiter an den guten Kern im Menschen glauben, ganz gleich, was sie taten, wie würden ihren Glauben an Anstand und Rechtschaffenheit nicht verlieren. Sie wenigstens würden an ihrem Vertrauen festhalten. Sie hatten Gott, und Gott würde ihnen irgendwie helfen. Sie würden offen sprechen, und wäre es auch nur in der Abgeschlossenheit ihrer Kirchen, in der Totenstille ihrer Gefängniszellen. Sie würden ihre Stimme erheben, und Gott würde sie nicht verlassen. Ich wußte es nicht. Wer konnte es wissen? Es gab hier nichts zu wissen und nichts zu tun.  Aber vielleicht konnte ich glauben. Vielleicht.
Ich warf den kleinen, blauen Umschlag draußen in den großen Holzkasten und ging wieder auf die Straße hinaus. Es hatte aufgehört zu regnen.

Der nächste Morgen brachte einen Sieg. Aber es war ein Sieg für beide Seiten.
Die Sozialdemokraten, als größte republikanische Partei, gingen unberührt aus der Sturmflut der gehässigen Propaganda hervor. Sie hatten keine Zeitungen gehabt, sie hatten keine Aufrufe und Plakate kleben dürfen. es war ihnen verboten worden, öffentliche Versammlungen abzuhalten und öffentliche Ansprachen zu veranstalten. Trotzdem hatten sie nur einen einzigen Sitz verloren. Die Kommunisten, gejagt und verfolgt, ihre Führer entweder im Gefängnis oder ins Ausland geflüchtet, verloren weniger als ein Fünftel ihrer Stimmen, und das in einer Schlacht, die ihren politischen Tod, ihre endgültige Vernichtung zum Ziel gehabt hatte.
Die Deutschnationalen, die Verbündeten der neuen Herren, blieben so stark wie zuvor, die katholische Zentrumspartei gewann sogar eine Anzahl Stimmen.
War das ein Sieg? Es war keiner.
Die Nationalsozialisten konnten nicht einlösen, was sie ihren Wählern versprochen hatten. Sie hatten die absolute Mehrheit nicht gewonnen. Es reichte nicht dazu. Dreiundvierzig Prozent waren alles, was sie zusammenbekommen hatten. Nur mit den Stimmen ihrer Verbündeten konnten sie die einundfünfzig Prozent vollmachen. Neunundvierzig Prozent der deutschen Männer und Frauen blieben ihre wütenden Gegner, blieben ihre Gegner selbst um den preis des Todes, der Gefangenschaft und der Verfolgung. Nein, das war kein Sieg.
Aber Mord, Terror und Lüge fälschten es in einen Sieg um. Von den einundachtzig neugewählten kommunistischen Abgeordneten war keiner imstande, im Reichstag zu erscheinen. Sie waren im Gefängnis, sie konnten nicht sprechen, sie waren verschwunden. Sie waren rechtmäßig gewählt, aber es wurde ihnen nie gestattet, ihre Wähler zu vertreten. Die riesige verkohlte Kuppel des Reichstages hatte nicht umsonst gebrannt. Ihre Stimmen fielen an Hitler.
Alles konnte nun geschehen.
Und es geschah."

[Abbildung]

Partei

Stimmen

NSDAP

43,90%

DNVP

8,00%

DVP

1,10%

BVP

2,70%

Zentrum

11,20%

Deutsche Staatspartei

0,90%

SPD

18,30%

KPD

12,30%

Sonstige Parteien

1,60%


Zahlen nach StJbDR, 1933, S. 539

 

Noch vor der ersten (konstituierenden) Sitzung des neu gewählten Reichstags wurden die Mandate der KPD annulliert, sodass das Parlament 566 Abgeordnete umfasste. Dieser Schritt brachte der NSDAP zwar die absolute Mehrheit; um ihr nächstes Vorhaben – die Übertragung der gesetzgebenden Gewalt des Reichstags auf die Regierung mithilfe des sogenannten Ermächtigungsgesetz – umsetzen zu können, bedurfte es allerdings einer Zwei-Drittel-Mehrheit. Es gelang den Nationalsozialisten, die Parteien der Mitte dazu zu bewegen, diesem Gesetz zuzustimmen. Am 23. März 1933 passierte das Ermächtigungsgesetz gegen die Stimmen der SPD den Reichstag, der von nun an bedeutungslos war. Der nächste Schritt, das Verbot aller Parteien neben der NSDAP, war im Juli 1933 abgeschlossen.

Quelle: Wikipedia

Der große Parlamentarier Dr. Wilhelm Hoegner schrieb in seinen Erinnerungen: „Als wir Ende April 1933 im Landtag den ersten zerschlagenen, blutverkrusteten Rücken eines unserer Freunde sahen, der zur Landtagssitzung aus dem Konzentrationslager Dachau entlassen worden war, packte uns das Grauen vor Menschen, die solcher Schandtaten an Wehrlosen fähig waren.“


Seit ihrer Machtergreifung in Bayern am 9. März 1933 verbreiteten die Nationalsozialisten mit Hilfe der SA Angst, Einschüchterung und Terror. Zahlreiche bayerische Landtags- und Reichstags­abgeordnete wurden willkürlich verfolgt, verhaftet, eingesperrt oder im Konzentrationslager Dachau in so genannte „Schutzhaft“ genommen und dort schwer misshandelt und gedemütigt.


Am frühen Abend des 9. März besetzte die SA das Landtagsgebäude und signalisierte damit das Ende des Parlamentarismus in Bayern. Offiziell vollzogen wurde dies am 29. April, als die nationalsozialistische Fraktion den Landtag über das – wie es beschönigend hieß – „Gesetz zur Behebung der Not des bayerischen Volkes und Staates“ abstimmen ließ.


Der SPD-Fraktionsvorsitzende Albert Roßhaupter sprach mutig zur demokratischen Tradition Bayerns, zu Freiheit und Gerechtigkeit: „Bayern ist seit uralten Zeiten ein demokratisches Land. Nirgends wird die Unterdrückung der persönlichen Freiheit und der freien Meinung in Wort und Schrift vom Volke bitterer empfunden wie bei uns. Bis jetzt hat die neue Staatsführung diesem Volksempfinden nicht Rechnung getragen.“ Aufrecht forderte er „die Achtung vor jeder ehrlichen Überzeugung“ und mahnte die neuen Machthaber, in historischen Dimensionen zu denken: „Keines Menschen Werk ist von ewigem Bestand. Unvergänglich sind allein die großen Ideen, die sich die Menschheit in jahrtausendealten Erfahrungen geschaffen hat, in denen sie die Bürgen für den Kulturfortschritt der Völker erblickt. Zu diesen Ideen gehören staatsbürgerliche Freiheit und gleichmäßige Gerechtigkeit. Kein Volk, am wenigsten das deutsche, kann sich von diesen Leitsternen lossagen, ohne schwersten Schaden zu nehmen.“


Das Ermächtigungsgesetz erhielt schließlich 84 Ja-Stimmen und die 16 Nein-Stimmen der SPD-Abgeordneten. Damit wurde unter die mehr als 100 Jahre währende bayerische Parlamentsgeschichte ein vorläufiger Schlussstrich gezogen und das politische Leben gleichgeschaltet.

Quelle: Bayerischer Landtag

 

 

Über das, was man nicht sagen durfte

Damals erhielt die Wahrheit einen neuen Namen. Man nannte sie Greuelpropaganda.
Das hieß, daß man außerhalb Deutschlands sagte, was man innerhalb seiner Grenzen nicht sagen durfte:
Daß Hunderte von Menschen offen oder insgeheim gemordet wurden. Daß Tausende von Menschen offen oder insgeheim verschleppt wurden und in sogenannten Konzentrationslagern verschwanden.
Daß man Ärzte aus ihren Krankenhäusern und Praxen vertrieb, Rechtsanwälte ihre Klienten vor Gericht nicht verteidigen durften, Geschäftsleute gewaltsamen Drohungen ausgesetzt waren, wenn sie die Börse betraten.
Daß man Schriftstellern verbot, ihre Bücher zu veröffentlichen, Schauspieler und Sänger nicht auftreten ließ, Studenten daran hinderte, ihre Vorlesungen zu besuchen und ihre Prüfungen abzulegen, Professoren, Dirigenten, Herausgeber, höhere und niedere Beamte ihrer Posten enthob.
Daß Leute, die der Regierung oder irgendeiner neuen Behörde oder auch nur dem örtlichen SA.-Führer nicht genehm waren, einfach verschwanden und eines Tages erschossen oder erdolcht in einem Wald, mit zertrümmertem Schädel in einem Fluß, zerfetzt und verstümmelt in einem Moorgraben gefunden wurden oder ganz verschwunden blieben.
Daß man Schaufenster mit scheußlichen Inschriften in einer Ölfarbe beschmierte, die sich nicht abwaschen ließ, daß man die Fenster von Synagogen zertrümmerte und auf ihrem Dach die Hakenkreuzfahne hißte, daß man Friedhöfe entweihte und Grabsteine umstürzte.
Daß man Männer und Frauen dazu zwang, geschlossen durch die Straßen von Städten und Dörfern zu marschieren und dabei Plakate um den Hals zu tragen, auf denen stand: Ich bin ein Verbrecher, ich bin ein Schwein, ich habe das deutsche Volk belogen, ich bin ein Jude.
Daß Recht und Ordnung ausgelöscht, Anstand und Schamgefühl verschwunden waren, daß Haß, blutdürstige Brutalität, Ungerechtigkeit und Gesetzlosigkeit den Tag beherrschten.
Daß Tyrannei und Despotie Tag und Nacht wie ein Pestilenz durch die gequälte deutschen Lande rasten.
Das nannte man Greuelpropaganda. Aber es war keine Propaganda. Die Greueltaten wurden wirklich begangen.
Es war die nackte Wahrheit.