WAGNER ALS APOSTEL DER KEUSCHHEIT von Friedrich Nietzsche

"- Ist das noch deutsch?
Aus deutschen Herzen kam dies schwüle Kreischen?
Und deutschen Leibs ist dies Sich-selbst-Zerfleischen?
Deutsch ist dies Priester-Hände-Spreizen,
Dies weihrauchdüftelnde Sinne-Reizen?
Und deutsch dies Stürzen, Stocken, Taumeln,
Dies zuckersüße Bimbambaumeln?
Dies Nonnen-Äugeln, Ave-Glockenbimmeln,
Dies ganze falsch verzückte Himmel-Überhimmeln? ...

Ist das noch deutsch?
Erwägt! Noch steht ihr an der Pforte ...
Denn was ihr hört, ist Rom, - Roms Glaube ohne Worte!


Zwischen Sinnlichkeit und Keuschheit gibt es keinen notwendigen Gegensatz; jede gute Ehe, jede eigentliche Herzensliebschaft ist über diesen Gegensatz hinaus. Aber in jenem Falle, wo es wirklich diesen Gegensatz gibt, braucht es zum Glück noch lange kein tragischer Gegensatz zu sein. Dies dürfte wenigstens für alle wohlgerateneren, wohlgemuteren Sterblichen gelten, welche fern davon sind, ihr labiles Gleichgewicht zwischen Engel und petite bête ohne weiteres zu den Gegengründen des Daseins zu rechnen, - die Feinsten, die Hellsten, gleich Hafis, gleich Goethe, haben darin sogar einen Reiz mehr gesehn ... Solche Widersprüche gerade verführen zum Dasein ... Andrerseits versteht es sich nur zu gut, daß, wenn einmal die verunglückten Tiere der Circe dazu gebracht werden, die Keuschheit anzubeten, sie in ihr nur ihren Gegensatz sehn und anbeten werden - o mit was für einem tragischen Gegrunz und Eifer! man kann es sich denken -, jenen peinlichen und vollkommen überflüssigen Gegensatz, den Richard Wagner unbestreitbar am Ende seines Lebens noch hat in Musik setzen und auf die Bühne 

" Dies dürfte wenigstens für alle wohlgerateneren, wohlgemuteren Sterblichen gehen, welche ferne davon sind, ihr labiles Gleichgewicht zwischen Engel und petite bête ohne weiteres zu den Gegengründen des Daseins zu rechnen – die Feinsten, die Hellsten, gleich Hafis, gleich Goethe, haben darin sogar einen Reiz mehr gesehn ... Solche Widersprüche gerade verführen zum Dasein... Andrerseits versteht es sich nur zu gut, daß, wenn einmal die verunglückten Tiere der Circe dazu gebracht werden, die Keuschheit anzubeten, sie in ihr nur ihren Gegensatz sehn und anbeten werden – o mit was für einem tragischen Gegrunz und Eifer! man kann es sich denken –, jenen peinlichen und vollkommen überflüssigen Gegensatz, den Richard Wagner unbestreitbar am Ende seines Lebens noch hat in Musik setzen und auf die Bühne bringen wollen. Wozu doch? wie man billig fragen darf."

Nietzsche contra Wagner  ist Friedrich Nietzsches letzte Schrift, die er zu Weihnachten 1888 zu Papier brachte, bevor er am 3. Januar 1889 in Turin zusammenbrach.

 

"Wo keine Götter sind, walten Gespenster" – Heines und Wagners Geisterwelt

Fünfzig Jahre Eichendorff-Gesellschaft: Eine Tagung vom 13. bis 15. Juni 2002 in Heidelberg – Hier die Rede des Heidelberger Germanisten Prof. Dr. Dieter Borchmeyer bei der Tagung im Wortlaut

 

 

 

 

 

WALKÜRE

GÖTTERNOT

Reingold  Siegfried  Götterdämmerung

 

 

7.Mai 2003

Siegmund    Seiffert

Hunding         Rydl

Wotan      Tomlinson

Sieglinde      Meier

Brünnhilde   Schnaut

Fricka      Lipovsek

     Zubin Mehta

     David Alden

 

>Kritik
>Der machtlose Gott Wodan

Sieh mir ins Auge: schweige den Zorn, 
zähme die Wut und deute mir hell 
die dunkle Schuld, die mit starrem Trotze 
dich zwingt, zu verstoßen dein trautestes Kind!

 

BEZIEHUNGEN

Wagners gigantische Geschichten von Sex und von Gewalt - was zugleich heißt: von der Sexualität der Gewalt und von der Gewalt der Sexualität - beschreiben seine eigenen Qualen. Das wäre nicht besonders interessant, wenn es nicht auch die Beschreibung seiner gesellschaftlichen Welt wäre und unserer. Die Faszination von Wagners Werk besteht bis heute darin, daß es solche Beziehungen offenlegt. Und zwar so, daß man sie verstehen kann, ohne es aussprechen zu müssen: das sind wir selbst, begreifen wir, und schließen vor Erregung die Augen.              Dieter Schickling

Wir hörten einem Team von Weltklasse-Solisten zu. Waltraut Meier hat betörend wohllautende Momente, Gabriele Schnaut singt, mit bemerkenswert perfekter Durchsichtigkeit und müheloser Kraft. Die ernorme Lyrizität des Peter Seiffert fügte sich sehr zur innigen und durchsichtigen Aura, die Zubin Mehta gerade im ersten Akt rückhaltlos herstellt. Wenn Sieglinde sich da besinnt, den "Klang" der Stimme des Bruders als Kind gehört zu haben - dann tauchen Methas Orchester und das gedämpfte erste Horn uns magisch zart in die Tiefe träumerischen Erinnerns. Ein herzbewegender lyrischer Wagner-Moment.                                                    

 Joachim Kaiser - SZ

Wagner an seinen Freund Röckel 1854

"Wir müssen sterben lernen, und zwar sterben, im vollständigen Sinn des Wortes, die Furcht vor dem Ende ist die Quelle aller Lieblosigkeit, und sie erzeugt sich nur da, wo selbst bereits die Liebe erbleicht ... Wodan schwingt sich bis zu der tragischen Höhe, seinen Untergang - zu wollen. Dies ist Alles, was wir aus der Geschichte der Menschheit zu lernen haben: das Notwendige zu wollen und selbst zu vollbringen. ... Wodan ist nach dem Abschied von Brünnhilde in Wahrheit nur noch ein abgeschiedener Geist: seiner höchsten Absicht nach kann er nur noch  g e w ä h r e n  lassen, es gehen lassen, wie es geht, nirgends aber mehr bestimmt eingreifen, deswegen ist er nun auch 'Wanderer' geworden: sieh Dir ihn recht an! Er gleicht  u n s aufs Haar; er ist die Summe der Intelligenz der Gegenwart, wogegen Siegfried der von uns gewünschte, gewollte Mensch der Zukunft ist, der aber nicht durch uns gemacht werden kann, und der sich selbst schaffen muß durch  u n s e r e  V e r n i c h t - u n g ."