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OLIVIER MESSIAEN |
Saint-François d'Assise |
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DER HEILIGE FRANZ VON ASSISI |
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"Die Natur und die Vogelgesänge - das sind meine Leidenschaften. Sie sind auch meine Refugien. In den düsteren Stunden, wenn ich mir meiner Nutzlosigkeit brutal bewußt werde und mir alle musikalischen Sprachen - die klassischen, exotischen, antiken, modernen und ultramodernen - auf das bewunderungswürdige Ergebnis geduldigen Suchens reduziert erscheinen, ohne daß hinter den Noten etwas stünde, das soviel Arbeit rechtfertigte: Was bleibt dann anderes zu tun, als sein wahres Antlitz irgendwo im Wald, auf den Feldern, im Gebirge, am Meeresstrand, im Kreise der Vögel wiederzufinden ? Dort ist für mich Musik. Eine freie, anonyme Musik, improvisiert zum eigenen Vergnügen, um die aufgehende Sonne zu begrüßen, die Geliebte zu verführen, um allen zuzurufen, daß dieser Ast oder dieses Feld nur mir gehört, um jeglichen Streit, jegliche Meinungsverschiedenheiten oder Rivalität zu beenden, daß Übermaß an Energie loszuwerden, das in dem Gefühl der Liebe und in der Lebensfreude brodelt, um Zeit und Raum zu durchschneiden, mit seinen Habitatsnachbarn ausgiebig und glücklich sich fügende Kontrapunkte entstehen zu lassen, um sich müde in den Schlaf zu singen oder, wenn der Abend kommt, von einem Stück Leben Abschied zu nehmen. Göttlich spricht Rilke: "Musik: Atem der Statuen: Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen enden. [An die Musik 11./12. Januar 1918]. Der Vogelgesang steht noch über diesem Traum des Dichters. Vor allem steht er weit über dem Musiker, der ihn aufzuzeichnen versucht. Und wenn schon ! Die Ornithologie ist eine Wissenschaft, und wie jede Wissenschaft zieht sie Arbeit und Schwierigkeiten mit sich . . . "
Zitiert nach: Thomas Daniel Schlee, Dietrich Kämper (Hrsg.), Oliver Messiaen - ´Das himmlische Jerusalem - S. 157 f.
Lebendige Leitmotive " . . . aber das Nützlichste von allem, was mich am meisten erneuerte, war, glaube ich, mein Umgang mit den Vögeln. Das hat viele zum Lachen gebracht, weil sie glauben, da es kleine Tiere sind, handele es sich um niedere Tierarten. Das ist vollkommen idiotisch . . . Als ich mich mit den Vögeln befaßte, habe ich begriffen, daß der Mensch nicht so viele Dinge selbst erfunden hat, sondern daß vorher schon viele Dinge um uns herum in der Natur existierten - nur, man hat sie nie gehört. Man hat viel von Tonarten und Modi geredet - die Vögel haben sie. Man hat auch von der Unterteilung der kleinen Intervalle - Dritttel-, Viertel - Töne - gesprochen: die Vögel machen sie. Auch hat man seit Wagner viel von Leitmotiven gesprochen: jeder Vogel ist ein lebendiges Leitmotiv, weil er seine eigene Ästhetik und sein eigenes Thema hat. Man spricht heute auch viel von aleatorischer Musik: das Erwachen der Vögel, die alle zusammen singen, ist ein aleatorisches Phänomen, sie machen viel kollektive Improvisation, und auch Glissandi, wie bei Xenaxis. Ich habe den Eindruck, daß sie alles gefunden haben, sogar die Mischungen von Klangfarben, die man heute sucht. . . . indem ich in die Natur ging und dem Gesang der Vögel zuhörte - das hat mir erlaubt, mich zu erneuern in meinen melodischen Linien. meinen Kontrapunkten, meinen Klangfarben und meiner Orchestrierung."
Aus dem Interview von Almut Rößler mit Olivier Messiaen: abgedruckt in "Münchner Messiaentage 1988" |