ST. ULRICH / SEEG

 


JOHANN BAPTIST
ENDERLE

1725 - 1798


WERKE IN ST. ULRICH

FRESKEN 

SEESCHLACHT VON LEPANTO (1769/70)
DIE ENGEL
 ANBETUNG DES KINDES
JUDIT RETTET ISRAEL
ABIGAJIL VERSÖHNT DAVID

ALTARBLÄTTER 

HAUPTALTAR (1775/78)
LINKER SEITENALTAR

KARTUSCHEN
 GRISSAILLEN
 

KREUZWEG 

VERBREITUNG SEINER WERKE

 

Fingerabdruck des himmels /  
Der göttliche daumen war eingefärbt über und über mit licht
                                                                                     
Reiner Kunze


LEBEN UND WERK 
VON JOHANN 
BAPTIST ENDERLE



ZUR STARTSEITE VON THEODOR FREY

HAUPTFRESKO "SEESCHLACHT VON LEPANTO"

INTERPRETATION

Das trinitarische Gottesbild prägt das Hauptfresko von Johann Baptist Enderle. Im Aufbau des Freskos (vergleiche Skizze unten) sind drei Ebenen zu unterscheiden. Im oberen Teil die Ebene der Transzendenz mit der Darstellung der göttlichen drei Personen  in der Einheit des einen Gottes, in der mittlerer Ebene die Vermittlung der weltlichen zur göttlichen Sphäre durch und in Maria. Damit wird die Trinität um das weibliche Element erweitert, eine "Quaternität" wird sichtbar,  ohne die zentrale Trinität in Frage zu stellen.. Schließlich sind in der unteren, weltlichen Ebene die Seeschlacht von Lepanto und die Schau des Papstes Pius dargestellt.   

 

 

Entwurf des Hauptfreskos von Johann Baptist Enderle (1770) Ulm - Museum


Auf dem gesamten Fresko wird das Heilsgeschehen in vertikaler Sicht dargestellt.  Im geöffneten Himmel (der Kreis als Symbol der Einheit mach dies anschaulich) sind in einer Dreiecksbeziehung Gott als Geist (Taube), als Vater (thronender Weltenherrscher mit Zepter) und als Sohn (Jesus Christus mit Kreuz) dargestellt.  Die Engel umrunden diese transzendentale Sphäre.

Christus und Maria sind einander eng zugeordnet. Christus und Maria schauen aufeinander und die Verlängerung der Querbalkens des Kreuzes führt zu Maria in der mittleren Sphäre. Der vertikale Kreuzbalken dagegen führt in der Verlängerung zur  unteren weltlichen Ebene, zu den kirchlichen und weltlichen Würdenträgern.

Vermittler der göttlichen Macht beim Eingreifen in die Weltgeschichte ist ein kleiner, lieblicher  Engel, der den Blitz auf die türkischen Schiffe schleudert.  Papst, Kaiser und andere Würdenträger eilen schnellen Schrittes aus einer barocken Festung ins Bild und schauen auf die tobende Schlacht. Sie stehen dem Schlachtgetümmel horizontal gegenüber. Papst Pius scheint der Blick auf den kleinen Engel mit dem Blitz zu richten. Die Kriegsutensilien im rechten unteren Bereich sind dekorativ und friedlich  als Gegengewicht zur den lichten oberen Sphären  in dunkleren Farben gehalten. 

Im gesamten Kirchenraum sind vordergründig kaum bedrohliche, erschreckende Motive zu finden. So ist der Eindruck eines Raumes des Jubels und der Schönheit vorherrschend. 



(Foto von Heinrich Scherbaum jun.)

Hauptfreskos von Johann Baptist Enderle - Ausschnitt der Trinitätsszene mit  Maria

                                                                   

Von Aussagekraft  ist auch die farbliche Gestaltung des Freskos. Enderle wählte für die Gewandung Marias die Farbe blau. Weiter im Hintergrund ist Jesus Christus mit wallendem roten Gewand dargestellt. In den Hintergrund ist Gott Vater in zarten gelblich Töne und im Zentrum die weiße Taube, als Symbol des Geistes gerückt. Um den Kreis der Einheit werden dunklere grauschwarze Töne eingebunden. So ist der Kosmos der drei Grundfarben mit Weiß und Schwarz hier entfaltet.


Brennende Widersprüche

Der geflügelte Januskopf, ein männlicher, der auf das Kriegsgeschehen blickt, ein weiblicher, der sich abwendet. Die Sense zeigt den Tod an, der die blühende Jugend fortmäht wie Gras. Dem Januskopf ist eine Krone aufgesetzt als Zeichen der Regentschaft des Todes. Er allein ist mächtig, er allein ist groß:

" . . . Wir sind die Seinen,
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen
Wagt er zu weinen
Mitten in uns."

(Rainer Maria Rilke).


Aber der bekrönte Januskopf zeigt auch an, dass die Zeit regiert, die davonfliegt, wie es die Flügel andeuten. Unter dem Kopf ist in römischen Ziffern die Jahreszahl MDLXXI  (1571)  in Unzialschrift angebracht.  Sie erinnert an an das geschichtliche Ereignis der Seeschlacht von Lepanto ,  aber auch an den uralten Gott Kronos, den Gott der Vergänglichkeit, der seine Kinder verschlingt.

Du sollst nicht töten! Du sollst deinen Nächsten, ja deine Feinde lieben! Du sollst deine Werte, deinen Glauben gegen Angriffe verteidigen? Du sollst wachsam sein? Widersprüche, die das Herz verbrennen! Jede kriegführende Nation reklamiert den Herrn der himmlischen Heerscharen für ihre irdischen Heerscharen, Gott wird missbraucht. Aber wo die Menschen bluten, weint der Himmel.

Eine dramatische Szene: Ein Schiff mit dem Halbmond an der Mastspitze wird getroffen.

 

 

DIE SEESCHLACHT - DIE AKTEURE

Juan d' Austria 

Pius V.

Doge von Venedig

In der Mitte ist mit dem Zepter in der Hand der Kriegsherr Juan d'Austria von Enderle dargestellt worden. Er trägt einen prächtigen goldenen Mantel mit runden Schnallen unter dem die Rüstung hervorglänzt.  Der Vergleich mit zeitgenössischen Portraits (links) zeigt, wie Enderle die Elemente der Rüstung, der Halskrause und der Barttracht in seine Gestaltung aufnimmt.  Auch die Darstellung von Pius V. mit seiner scharf geschnittenen Nase, dem weißen Bart und die Kopfbedeckung, , Camauro genannt, wurde von Enderle aufgegriffen. Dies zeigt ein Vergleich mit der berühmten Darstellung von Pius V. von El Greco (1600). Der Camauro, ist eine mit Hermelinpelz besetzte rote Samtmütze, die vom Mittelalter an bis ins 19. Jahrhundert die Kopfbedeckung der Päpste außerhalb der Liturgie war und von Benedikt XVI. wieder ins Gespräch gebracht wurde, als er sie an Weihnachten 2005 trug. 

Auch auf dem Altarblatt von Balthasar Riepp am rechten Seitenaltars ist der Papst mit dieser Kopfbedeckung dargestellt. Auch Juan d'Austria glaube ich hier erkennen zu können.

 

Hier mehr zu Papst Benedikt XVI. auf meinen Seiten  . . .

Die Lilie wird nicht nur Maria als Symbol der Reinheit Antonius von Padua aber auch Franz von Assisi zugeordnet. Wer ist es?

 

 

Auch die Darstellung des Dogen von Venedig, der mit seiner Flotte an der Seeschlacht beteiligt war,  orientiert sich an den historischen Vorbildern. Dies zeigen die Vergleich mit dem Gemälde des Dogen Agostino Barbarigo (1420 - 1501) von Gentile Bellini und besonders mit dem Stich des Dogen Alvise Mocenigo I. (Aloysius Mocenicus), der zur Zeit der Seeschlacht von Lepanto regierte. 
Zur Zeit der Entstehung des Freskos (1769/70) war ebenfalls einer aus der Familie der Mocenigo Doge von Venedig, nämlich Alvise Giovanni  oder Alvise Mocenigo IV. (1763 - 1778).

 

 

KARTUSCHEN UND GRISSAILLEN

 



ALLEGORIE DER HOFFUNG - SPES MEA IN DEO PS. 61
DIE NEUE ENZYKLIKA VON PAPST BENEDIKT XVI :   SPE SALVI

 

DER KREUZWEG

 

DER KREUZWEG VON JOHANN BAPTIST ENDERLE IN DER SEEGER KIRCHE

 

In der Seeger Kirche ist ein sehr eindrucksvollen Kreuzweg in fünf Dreiergruppen zu betrachten. Die Einzelheiten und die Kompositionen sind jedoch nicht in den Einzelheiten von unten zu erkennen. Deshalb hier die ersten drei Stationen in Ausschnitten, wobei die gegenübergestellten inversen Darstellungen bzw. die schwarzweiße Fassung die Dynamik der  Personenzuordnungen besonders deutlich machen.

 

 

 



Die Kompositionen sind teilweise aus früheren Kreuzwegen von J.B. Enderle entlehnt. In Station X (Jesus wird seiner Kleider beraubt) und XI (Jesus wird ans Kreuz genagelt) kopierte er aus Stichen von Giovanni Domenico Tiepolo aus der Folge "Via Crucis, Domenico Tiepolo invento, pinse, et incise, anno MDCCXLIX in Venezia".  Giovanni Domenico Tiepolo war der älteste Sohn  Giovanni Battista Tiepolos. Er lernte in der Werkstatt seines Vaters und arbeitete dann sehr eng mit ihm zusammen, bevor er ein eigenständiges Werk begann. Zusammen mit seinem Vater Giovanni Battista Tiepolo arbeitete er 1750 bis 1753 in der  Würzburger Residenz. (Quelle: Karl Ludwig Dasser - "Johann Baptist Enderle - 1725 - 1798" - Konrad Verlag 1970)

 

STATIONEN  X  UND XI

 

Bei der Gestaltung der STATION IV griff Enderle auf einen Kupferstich  (1742) 
von
Gottfried Bernhard Göz (1708 - 1774) zurück.  Die gleiche Darstellung hat Enderle
bereits 1762 in der Klosterkirche in Wettenhausen gewählt.
Beachtenswert sind im Vergleich aber auch die Abweichungen zur Vorlage. 

 

 

 

 

VERBREITUNG DER WERKE VON JOHANN BAPTIST ENDERLE


KARTE MIT ÜBERSICHT

Signatur von B. Enderle im Deckengemälde der Seeger Kirche

ÜBERSICHT DER ORTE MIT WERKEN 

Durch Anklicken der Orte mit Fresken erhalten sie nähere Informationen

 







Quelle:  Karl Ludwig Dasser - Johann Baptis Enderle (1725-1798) - Ein schwäbischer Maler des Rokoko; Anton H. Konrad Verlag, 1970

 

Rezension von: Der Donauwörther Rokokomaler Johann Baptist Enderle (1725 - 1798) : Höhepunkte schwäbisch-bayerischer Freskenmalerei ; Ausstellung zum 200. Todestag von Johann Baptist Enderle in der Städtischen Kunstgalerie im Deutschordenshaus Donauwörth vom 3. Juli bis 4. Oktober 1998. - Donauwörth, 1998 / Römmelt, Stefan W.

Anmerkungen und Ergänzungen zum Werk von Johann Baptist Enderle (1725 - 1798) / Paula, Georg

Die Augustinusrezeption in der barocken Freskomalerei von Johann Anwander (1715 - 1770) und Johann Baptist Enderle (1724 - 1798) / Eckermann, Willigis

Der Kirchenneubau zu Hochwang : ein Werk von Johann Adam Dossenberger? / Seitz, Reinhard H.

Der Enderle-Zyklus im Pfarrhof zu Zaisertshofen (Unterallgäu) : ein didaktisches Kunstwerk barocker Rhetorik mit ethischem Imperativ / Weißenhorn, Rudolf Georg

Rezension von: Karl Ludwig Dasser: Johann Baptist Enderle, ein schwäbischer Maler des Rokoko. - Weissenhorn, 1970 / Bushart, Bruno

Rezension von: Karl Ludwig Dasser: Johann Baptist Enderle (1725 - 1798) : ein schwäbischer Maler des Rokoko. - Weissenhorn, 1970 / Knorre, Eckhard von

Rezension von: Karl Ludwig Dasser: Johann Baptist Enderle : (1725 - 1798). - Weissenhorn, 1970 / Preiss, Pavel

Johann Baptist Enderle : (1725 - 1798), Ein schwäbischer Maler des Rokoko / Dasser, Karl Ludwig

R.G. Weißenhorn 'Der Enderle-Zyklus im Pfarrhof zu Zaisertshofen (Unterallgäu) ...', P. Rummel (Hrsg.) in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte e.V., 32. Jahrgang, Augsburg 1998, 261-304; - R.G. Weißenhorn, 'Freskomalerei in Bayrisch Schwaben ...', Münster (Westfalen), 1998.

E. Lidel: Johann Baptist Enderle als Führer durch die Kindheit Jesu, in: Der Bayerische Krippenfreund, Juni 1998, 35-46.

 

 

 

WETTENHAUSEN

PFARRKIRCHE MARIÄ HIMMELFAHRT

(ehem. Klosterkirche des Augustinerchorherrenstifts

Wettenhausen)

Entstehung: 12./16./17. Jh.

Baustil: Frühbarock, Chor gotisch

Baumeister: Michael Thumb

Stuckator: Georg Vogel und Christoph Gigl

Freskant: Johann Georg Knappich

Besonderheiten: Wessobrunner Stuck; prunkvolle Altäre (um

1680), Kanzel um 1670 mit den Evangelisten und Marienfigur.

Kartuschen mit gemalten Themen des Kreuzwegs und

Marienlebens von Johann Baptist Enderle.

Hl. Nikolaus (15. Jh.);

Grabstein für Probst Ulrich (vor 1519). Seitenaltar mit den 14

Rosenkranzgeheimnissen auf Kupferblech gemalt und Krönung

Mariens.

 

 

 

 

 

HAMMERSTETTEN

FILIALKIRCHE ST. NIKOLAUS

Entstehung: l8. Jh.

Baustil: Rokoko

Baumeister: Simpert Kraemer und Joseph Dossenberger

Besonderheiten: Stukkaturen um 1762/63;

Decken- und Wandfresken von Johann Baptist Enderle (1763),

im Chor hl. Nikolaus als Fürbitter der Menschheit; Muttergottes, Holz gefasst, um

1620.

 

Literatur:

Willigis Eckermann: Die Augustinusrezeption in der barocken Freskomalerei von Johann Anwander (1715 - 1770) und Johann Baptist Enderle (1724 - 1798). Rom: Inst. Historicum Augustinianum, 2001. In: Studia Augustiniana historica; Artikel: Iconografía agustiniana, S. 145 - 170,

 

 





 

DIE ENGEL DES J.B. ENDERLE

 

 



JUBELNDE SINNLICHE WESEN