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(W.G. Sebald : Austerlitz. München 2001, 165) |
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Alte Pinakothek |
Neue Pinakothek |
Pinakothek
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P I N A K O T H E K D E R M O D E R N E
"Die neue Pinakothek der Moderne ist ein Museum, das zu dem ausschließlichen Zweck entworfen wurde, Kunst betrachten zu können. Dieser Umstand macht es zu einer Seltenheit unter den jüngst vollendeten Museen ... Münchens Vorzeigeprojekt für moderne Kunst stellt einen der außergewöhnlichsten Museumskomplexe der Welt dar ... Es ist groß, aber zugleich löscht es sich selbst aus - ein 'unsichtbares' Gebäude: von außen ein farbloser Schuhkarton, innen ein Traum subtil proportionierter, schattenloser(???) und zuckerweißer Galerien, die von einer luftigen, dreistöckigen Rotunde abzweigen ...(Peter Schjeldahl in der Ausgabe des "New Yorker" vom 13.1.2003)
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| Saal der
Expressionisten
Franz Marc Wassily Kandinsky (1913)
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Das Expressive ist eine Art rote Narbe, welche sich durch die ganze Kunstgeschichte der Moderne bis in unsere Gegenwart zieht - Expressiv - das meint: Extremformen der Befindlichkeit, auf die Leinwand gewühlt.
Vertreter:
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Henze über München |
Die Kulturstadt München, ihr Publikum, das Fluidum, ihre Kultur, ihre Geschichte: Ich betrachte das alles mit der ratlosen Faszination des benachteiligten Norddeutschen und teile die resignierte Bewunderung des übervorteilten Italieners, ich schau es von oben bis unten an - und ich begreife: Dies ist die Hauptstadt nicht meines, sondern eines anderen, des Bayerischen Landes! Es hat eine märchenhafte Geschichte und eine Art Folklore, der nichts gleichzusetzen ist auf dieser Welt, und sie ist, trotz aller phänomenologischen Exzentrik doch wirklich echt und wahr, nicht künstlich aufgemacht. Das hat wohl auch was mit der sprachlichen Bodenbeschaffenheit, mit der geologischen Lage und der Religion zu tun, der katholischen, deren Ausübung und Auswirkungen überall deutlich zu sehen und zu spüren sind, mehr wohl als in irgendeinem anderen europäischen Lande außer vielleicht Irland, Katholisch Westfalen und dem Vatikanstaat. ... Am besten gefallen mir das gebildete bürgerliche Publikum und die kunstverständigen Leute. ... Es ist der groß- und residenzstädtische Grundton, der mich da anzieht, das Tempo, die Energie, das Fortschrittliche in der urbanen Sozialpolitik, das Gefühl, sich in einem modernen demokratisch funktionierenden System zu bewegen, auf dessen Leistungen und Absicherungen man sich verlassen kann. Es gibt hier auch weniger Manifestationen von Ausländerfeindlichkeit als andernorts, find ich - man hat aus der Geschichte gelernt: Man muß sich einer Anzahl ehemaliger Mitbürger schämen für immer, und man muß die Wiederkehr solchen Gesindels für alle Zeiten ablehnen und Verhindern. Die Münchner, die Bayern im allgemeinen sind dazu prädestiniert und sind natürlich wohl auch ein wenig toleranter den Andersdenkenden und -glaubenden gegenüber als gewisse Vertreter anderer germanischer Stämme, oder liege ich da ganz falsch? Übersehe ich was? Am meisten gefällt mir in München, wie hier und da inm Frühjahr die blühenden Kastanienbäume und der Weißdorn im Flusse sich verdoppeln und wie ihre unteren Äste sich ins Wasser neigen, in den Strom, der sie kühlt und wiegt. Der Duft blühender Bäume in Nymphenburg und Schleißheim erinnert mich an lang zurückliegende Episoden freundlicher, leutseliger Natur, an Jausen und Spaziergänge. Zuweilen fröstelt man mitten im Sonnenschein. Wenn man nun einfach immer weiter geradeheraus schritte, wäre man schon recht bald im ganz Offenen, auf dem Hochplateau mit seinem Ackerland, den Bauersleuten, mit ihren in voller Opulenz stehenden, wohlgestriegelten und elektrisch beschälten und gemolkenen Haustieren, und könnte auch, kurz hinterm Gelände des ehemaligen KZ Dachau, ohne Zweigleinknacken und mit Gänsehaut den ersehnten Wald betreten und wilden Tieren begegnen, die alle ganz scheu und verstört sind und um ihr Leben bangen und rennen bei unserem Anblick, weil sie so eine wahnsinnige und absolut berechtigte Angst vor uns haben. Aus Hans Werner Henze - Reiselieder mit böhmischen Quinten - S.567 ff. |
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München - Englischer Garten |
Der Chinesische Turm wurde 1789/1790 nach dem Entwurf von Joseph Frey von Johann Baptist Lechner errichtet. Vorbild des 25 m hohen Holzbaus war die doppelt so hohe "Große Pagode" im königlichen Schlossgarten in London, die sich wiederum an einer Porzellanpagode in den Gärten eines chinesischen Kaisers orientierte. Im Juli 1944 brannte der Turm nach einem Bombenangriff ab, 1952 wurde er originalgetreu wieder aufgebaut. zum Karussell im Englischen Garten
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Dreifaltigkeitskirche um 1714 |
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| Bauernhaus bei Bogenhausen 1790/1800 - Johann Georg von Dillis - 1759 Schwindkirchen/Erding - 1841 München | |||||||||||||||||||||||||||
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| Franz von Kobell - Blick vom Isarhochufer nach München | |||||||||||||||||||||||||||
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| Großer wilder Birnbaum im Garten des Wirtshauses "Zum Lettinger" an der heutigen Isartalstraße von Carl August Lebschée 1800-1877 | |||||||||||||||||||||||||||
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Winfried Sebald I Gerhard Köpf I Christian Wagner I Theo Waigel I Markus Pfeiffer I
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Winfried G. Sebald wurde am 18.5.1944 in Wertach (Allgäu) als zweites Kind von Georg und Rosa Sebald geboren. Bis zu seinem 9. Lebensjahr wohnte die Familie bei Seefelder Ulrich und später über der Gaststätte von Pepi Steinlehner in Wertach. Nach dem Umzug nach Sonthofen besuchte er das Gymnasium in Immenstadt und Oberstdorf. In seinem Werk "Schwindel. Gefühle" beschreibt er auch seine Kindheit in Wertach. Er kam am 14.12.2001 bei einem Autounfall ums Leben. |
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Auszüge aus seinem Buch "Schwindel.Gefühle"
" Gegen Mittag ...erreichte der Bus mit dem letzten Fahrgast das Zollamt von Oberjoch. Das Wetter hatte inzwischen wieder umgeschlagen. Eine dunkle, ins Schwarzfarbene übergehende Wolkendecke lag über dem ganzen Tannheimer Tal, das einen niedergedrückten, lichtlosen und gottverlassenen Eindruck machte. Nirgends rührte sich das geringste. ... Auf der einen Seite stiegen die Berge in den Nebel hinein, auf der anderen dehnte sich eine nasse Moorwiese, und dahinter erhob sich aus dem Vilsgrund herauf der kegelförmige, aus nichts als aus schwarzblauen Fichten bestehende Pfrontner Wald. Der diensthabende Zöllner, der, wie er mir sagte, in Maria Rain zu hause war, versprach mir, meine Tasche nach Feierabend, wenn er auf der Heimfahrt durch W. komme, für mich im Engelwirt abzuladen. Ich konnte also, ..., bloß mit dem kleine ledernen Rucksack über der Schulter durch die ans Niemandsland grenzenden Moorwiesen und den Alpsteigtobel hinab nach Krummenbach und von dort über Unterjoch, die Pfeiffermühle und das Enge Plätt nach W. hinausgehen. ... Das letzte Tageslicht war im schwinden, als ich ins enge Plätt kam. Linker Hand war der Fluß, zur Rechten die triefenden Felswände, aus denen man um die Jahrhundertwende die Straße herausgesprengt hatte. Oberhalb, voraus und bald auch hinter mir nichts als die unbeweglichen schwarzen Tannenwälder. Das letzte Wegstück zog sich tatsächlich so endlos lange hin, wie ich es von früher in Erinnerung hatte. ... Als ich aus dem Plätt herauskam, war es auch draußen Nacht geworden. Aus den Wiesen stiegen die wei0en Nebel, und drunten an dem nunmehr ein gutes Stück weit entfernten Flußlauf erhob sich die schwarze Sägmühle, die im fünfziger Jahr, unmittelbar nach meiner Einschulung, mit ihrem gesamten Holzlager in einem großen, das ganze Tal erleuchtenden Feuer niedergebrannt war. ... Auf der steinernen Brücke kurz vor den ersten Häusern von W. blieb ich lange stehen, horchte auf das gleichmäßige Rauschen der Ach und schaute in die nun alles umgebende Finsternis. ... Gut dreißig Jahre war ich nicht mehr in W. gewesen. Obzwar im Verlauf dieser langen Zeit - eine längere Zeit gab es für mich überhaupt nicht - viele der mit W. verbundenen Örtlichkeiten wie das Altachmoos, der Pfarrwald, die Allee nach Haslach hinaus, das Wasserwerk, der Pestfriedhof von Petersthal oder das Haus des buckligen Dopfer in der Schray in meinen Tag- und Nachtträumen beständig wiederkehrten und mir jetzt vertrauter schienen, als sie es vormals gewesen waren, lag das Dorf, wie ich mir bei meiner späten Ankunft dachte, weiter für mich in der Fremde als jeder andere denkbare Ort. In gewissem inn war es mir eine Beruhigung, daß ich jetzt, bei meinem ersten Rundgang durch die in einem bleichen Licht daliegenden Straßen, alles von Grund auf verändert fand. Das Haus des Forstverwalters, eine geschindelte kleine Villa mit einem Hirschgeweih und der Jahreszahl 1913 über dem Eingang, hatte samt dem kleinen Baumgarten einem Ferien heim Platz gemacht, das Spritzenhaus mit dem schönen jalousierten Turm, in dem die Feuerwehrschläuche hingen in stiller Erwartung der nächsten Brandkatastrophe, stand nicht mehr, die Bauernhöfe waren ausnahmslos umgebaut und aufgestockt, der Pfarrhof, das Kaplanhaus, die Schule, das Bürgermeisteramt,...die Käsküche, das Armenhaus, die Kurz- und Kolonialwarenhandlung von Michael Mayr, all das war auf das gründlichste renoviert, wo nicht gar vollends verschwunden. "
Vortrag
des Schriftstellers W. G. Sebald zur Eröffnung des ersten Literaturhauses
in Baden-Württembergs (19.11.2001) Ich sehe uns noch
in der Vorweihnachtszeit des neunundvierziger Jahrs in unserer Stube über
dem Engelwirt in Wertach sitzen. Die Schwester
ist damals acht, ich selber bin fünf gewesen, und beide hatten wir uns noch
nicht recht an den Vater gewöhnt, der seit seiner Rückkehr aus der französischen
Kriegsgefangenschaft im Februar 1947 wochentags in der Kreisstadt Sonthofen
als Angestellter (wie er sich ausdrückte) beschäftigt und immer nur von
Samstag- bis Sonntagmittag zu Hause war. Vor uns auf dem Stubentisch
aufgeschlagen lag der neue Quelle-Katalog, der erste, den ich zu Gesicht
bekommen hatte, mit seinem mir märchenhaft erscheinenden Warenangebot, aus
dem dann im Verlauf des Abends und nach längeren Diskussionen, in denen der
Vater seinen Vernunftstandpunkt durchsetzte, für die Kinder je ein paar
Kamelhaarhausschuhe mit Blechschnallen ausgesucht wurde. Reißverschlüsse
waren, glaube ich, zu jener Zeit noch ziemlich rar. |
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Gehard Köpf, geboren 1948 in Pfronten/Allgäu Innerfern I Die Strecke I Die Erbengemeinschaft I
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Mithin
räumliches Erzählen als Alternative zum stumpfsinnig additiv Linearen |
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Theo Waigel über die Kappler Alm (Pfronten) Es gibt in der Nähe von Nesselwang eine Hütte, die Kappler Alm. Man erreicht sie, indem man von Nesselwang über einen schönen Kreuzweg bis zu einer Barockkirche (Maria Trost) geht und dann nochmals durch den Wald wandert. Oder man nimmt den Weg durch eine Schlucht (Höllschlucht), wo man dann diretissima zum Gipfel kommt. Und da kann ich mich an ein Erlebnis erinnern im Jahr 1990, als ich fast jeden Sonntag schon nachmittags wieder nach Bonn fliegen musste, um Gespräche zur Deutschen Einheit zu führen. Unter der Woche reichte die Zeit nicht aus, um auch längerfristige Projekte und Strategien zu besprechen. Das war natürlich schon hart, bereits am Sonntagnachmittag wieder weg zu gehen, von daheim. Da haben an diesem Vormittag Irene und ich die Tour gemacht; es war ein traumhafter Spätsommertag. Es waren nicht mehr viele Menschen auf dem Weg. Man hörte noch das Läuten der Glocken von den Almkühen. Eine unglaublich schöne, ruhige, abgeklärte Stimmung. Eine halbe Stunde, da habe ich mich unter das Gipfelkreuz ins Gras gelegt und mich entspannt. Ich fragte mich: Warum tust du dir den ganzen Stress eigentlich an? Warum bleibst du jetzt nicht hier? Warum trinkst du jetzt nicht noch ein Weizenbier? Warum bestellst du dir jetzt nicht einen Wurstsalat? Und da überkam mich die Sehnsucht: Wenn ich jetzt ein Stück Papier und einen Bleistift hätte, dann würde ich darauf schreiben: "Lieber Helmut, sei mir bitte nicht bös`. Aber ich bin auf der Kappler Alm geblieben. Hier ist es schöner als in Bonn. Grüße bitte die anderen. Es war eine schöne Zeit. Dein Theo." Theo
Waigel |
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"Pfeiffers
Liste" - wie ein Schwangauer Bäckergeselle zum Engel von Rom
30 Jahre lang
stand er an der Spitze des Ordens. Nach der deutschen Besatzung Roms (Andrea Zinnecker) |
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