TEILHARD DE CHARDIN

1. MAI 1881       -       10. APRIL 1955

 

Startseite

Werkübersicht

Begriffsübersicht

Beziehungen

Biographie

Werke

Begriffe

Links

 

Christus in der Materie

Nant-le-Grant, 14. Oktober 1916 - vor dem Gefecht von Douaumont geschrieben

Drei Geschichten nach Benson
Das Bild
Die Monstranz
Die Pyxis

 

 

   Das Bild   

 

 

 

   " ...in jenem Augenblick ... war mein Geist mit einer halb philosophischen, halb ästhetischen Frage beschäftigt."       

   "... wie würde Er sich sinnlich faßbar in die Materie einfügen?"   

   "... würde Er sich Sich gegen die Ihn umgebenden Gegenstände absetzten?"   

   ... würde der Leib Christi sich in dem Dekor der Welt neben die Menge der niederen Körper stellen können, ohne daß diese die Kraft verspürten und erkennten, die sie streifte?   

   ... mein Blick war bei einem Bild stehengeblieben, das Christus darstellt mit Seinem den Menschen angebotenen Herzen.   

 

Teilhard weiß keine Antwort auf die Frage: Wie könnte es möglich sein, die heilige Menschheit Jesu darzustellen, ohne ihr diese allzu genau Bestimmtheit Seines Leibes zu lassen, die Ihn von allen anderen Menschen zu isolieren scheint, ohne Ihm diesen allzu individuellen Ausdruck Seiner Gestalt zu geben.

Bereits am 24. Februar 1916 findet sich folgender Tagebucheintrag, in dem Teilhard ebenfalls über die bildliche Darstellung des "Herrn" reflektiert:

... Eine Frage, die ich ... mir bereits gestellt haben: wenn ich ein Bild des Herrn zu machen hätte, müßte ihm ein Leib gegeben werden, der mit der materiellen Umgebung verschmilzt, oder im Gegenteil ein Leib, der deutlicher als der unsrige von dem ganzen umgebenden Rahmen abgehoben ist? ... 

 

   ... wie seine Schönheit darstellen, ... die alle anderen Schönheiten ausschließt ...?   

   ... plötzlich bemerkte ich, daß die Konturen des Bildes zerschmolzen ...   

   "Wenn ich versuchte, den Umriß der Person Christi zu sehen, erschien Er mir deutlich umgrenzt. Und dann, wenn ich mein Bemühen zu sehen sich entspannen ließ, gingen der Lichtschein Christi, die Falten Seines Gewandes, das Strahlen Seiner Haare, die Blume Seines Fleisches sozusagen in alles übrige ein ...   

   ..., die trennende Oberfläche zwischen Christus und der umgebenden Welt verwandle sich in eine vibrierende Schicht, in der alle Grenzen verschmolzen.   

   ... die vibrierende Atmosphäre, die Christus wie ein Lichtschein umgab ... strahlte bis ins Unendliche aus ...    

    "Von Zeit zu Zeit zog etwas wie phosphoreszierende Streifen dahin, die ein fortwährendes Aussprühen bis in die äußersten Sphären der Materie verrieten - sie zeichneten eine Art von Adergeflecht oder Nervennetz, das sich durch alles leben zog."   

  ... "Diese ganze Bewegung schien von Christus auszugehen, vor allem von Seinem Herzen."   

 ... die Kleider Christi waren licht.  ... die Materie, eine Blüte der Materie, hatte "spontan sich selbst verflochten bis in das innerste ihre Substanz, wie zu einem wunderbaren Linne. Und ich glaubte, unendlich ihre Maschen laufen zu sehen, harmonisch in einer natürlichen Zeichnung verbunden, die sie bis in den Grund ohrer selbst durchdrang.

 

Tagebucheintrag am 7. Oktober 1916
Ein Maler des kosmischen Christus:
seine Gewänder aus Äther,

sein Leib Kern allen Lebens -

sein Herz Echo aller Liebe - usw. ...

Alles findet dort seinen Widerhall, 

alles wird bewirkt, alles wird übertragen ...

Möglicher Plan:
eine Vision der Kirche:

1. Die Hostie wird blendend hell (ganz Licht, ganz Zauber) ...

2. Und dann werden die Objekte erhellt und fallen in sie wie Feuertropfen für die ewige Verschmelzung, die ewige Konzentration.

3. Und dann entzündet ihr Licht und ihre Weißglut aller Dinge und verwandelt alles in einen riesigen Sternennebel ... 

 

   "Das verklärte Antlitz des Meisters zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich und nahm sie gefangen. ... So leuchteten in einem unsagbaren Schillern auf der unbeweglichen Physiognomie Jesu die Lichter aller unserer Schönheiten."    ...   Gewiß ist, daß diese zahllosen Tönungen der Majestät, der Süße, der unwiderstehlichen Anziehung aufeinander folgten, sich verwandelten, ineinander verschmolzen gemäß einer Harmonie, die mich völlig sättigte."   

 ... "jedesmal, wenn ich versuchte, die Schicht der niederen Schönheiten zu durchstoßen, die sie mir verbargen, erhoben sich andere Sonder- und Teilschönheiten, die mir die wahre verhüllten, während sie durchaus bewirkten, daß ich sie ahnte und verlangte."    

 ... "das Zentrum der Strahlung und des Schillern war in den Augen des verklärten Portraits verborgen ...

   "Über die prächtige Tiefe dieser Augen lief in Irisfarben der Widerschein all dessen, was bezaubert, all dessen, was lebt ...    Und die lichte Einfachheit ihres Feuers löste sich unter meinem Bemühen, sie zu beherrschen, in eine unerschöpfliche Komplexität auf, in der alle Blicke vereint waren, an denen sich jemals ein Menschenherz erwärmt oder gespiegelt hatte."   

   "Diese Augen ... so sanft und zärtlich , daß ich glaubte meine Mutter vor mir zu haben, wurden im Augenblick darauf leidenschaftlich und zwingend wie die einer Frau - so gebieterisch rein zugleich, daß unter ihrer Herrschaft das Empfinden physisch unfähig gewesen wäre, irrezugehen."   

    "Dieses Funkeln der Schönheiten war so vollkommen, so einhüllend, auch so rasch, daß ... mein Sein bis in das Mark seiner selbst in einer streng einzigen Note des Aufblühens und des Glücks schwang."   

   ... "da sah ich aus dem Grund eben dieser Augen wie eine Wolke etwas aufsteigen, das die Mannigfaltigkeit verwischte und überschwemmte ... 

    "Ein außerordentlicher und intensiver Eindruck breitet sich nach und nach über die verschiedenen Tönungen des göttlichen Blicks aus, sie zunächst durchdringend und dann aufsaugend ...   

   "Und ich blieb verwirrt stehen"   

 

zum Anfang zurück