TEILHARD DE CHARDIN

1. MAI 1881       -       10. APRIL 1955

TEILHARD 

UND DIE KÜNSTE

Bildende Kunst

Musik

 

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TAGEBUCHEINTRAG am 25. Februar 1920

"An einen Künstler:

einen Christus universalis malen, -

ein Herz, in dem sich die Welten bewegen und fortsetzen." 

Teilhard hat in seinem Werk den Bezug zu den Künsten - soweit ich es derzeit überschaue - nur am Rande angesprochen. Aber es finden sich auch immer wieder Hinweise, dass in seinem Denken das Ästhetische durchaus einen Bedeutung hatte. Abgesehen von seinen Texten, die oft bewegend, sprachmächtig, und schöpferisch sind, stelle ich mir die Frage: „Wo finden sich in seinem Werk Bezüge zu den Künsten und zu Künstler? Wo und in welchem Zusammenhang hat er sich auf diese bezogen . Ich glaube, das Thema "Teilhard und die Künste" aufzugreifen, wäre eine lohnende und eine wichtige Ergänzung.

Für Hinweise zu dieser Thematik wäre ich sehr dankbar.

Tagebucheintrag 5. Februar 1917

An Marguerite:

"... die Liebe zum göttlichen Willen ist eine einfache Form, die nach Stütze und einer Achse verlangt; die Liebe ist vereinend, doch in sich selbst stationär. -  In der Richtung der natürlichen Vervollkommnung der Seelen, die durch das vereinte Bemühen aller Wissenschaften, aller Ästhetik und alle Moral erreicht wird [hier scheint das Wahre, Schöne, Gute auf ! ], muß der Weg und das dynamische Feld gesucht werden, durch die das totale menschliche Bemühen in seiner Substanz koordiniert wird."

In seinem Werk "Christus in der Materie" (Geschrieben vor dem Gefecht von Douaumont im ersten Weltkrieg 1916) verfaßte Teilhard im Kapitel "Das Bild" eine Hymne an die  Schönheit der Welt und an die Schönheit Christi. 

Ich sehe immer mehr, dass Teilhard eigentlich die gesamte, sich erfüllende Schöpfung als ein großes Kunstwerk (als ein Drama, als einen großen Gesang, als eine Diaphanie) betrachtete. 

"Wenn es erlaubt ist, ein geheiligtes Wort neu abzuändern, dann würden wir sagen, daß nicht das Erscheinen, sondern das Durchscheinen Gottes im Universum das große Geheimnis des Christentums sei.  0 ja, Herr, nicht nur der Strahl, der durchdringt. Nicht Deine Epiphanie, Jesus, sondern Deine Diaphanie.

(Der Göttliche Bereich, Olten und Freiburg 1962, S. 155)

Bekenntnis: Was Teilhard gerne möchte

Tient-tsin, 12. Oktober 1926 (Aus: Brief an eine Marxistin S. 57ff.))

Da mir leider weder die Musik noch die Dichtung, noch auch [und das bedauere ich vor allem] das Talent oder die Kunst des Romanschriftstellers gegeben ist, habe ich bisher Entspannung gesucht in allen möglichen philosophisch-literarischen Essays, von denen ich Ihnen bisher nur einen winzigen Teil zeigen konnte.

...

Das einzige Buch, das ich schreiben möchte, das ich schreiben muß, wäre nicht das Buch Chinas, sondern das 'Buch der Erde'. ich möchte endlich sprechen, wie ich denke, ohne mich zu kümmern, was zugelassen wird, mit der alleinigen Sorge, so getreu wie möglich das zum Ausdruck zu bringen, was ich in mir wie eine Stimme oder ein Lied brausen höre, die nicht von mir, sondern von der Welt in mir sind. Ich möchte aussagen, was ein man denkt, der endlich die Scheidewände und die Decken der kleinen Länder, der kleinen Gesellschaften, der kleinen Sekten durchstoßen hat, und nun über allen diesen Kategorien auftaucht und sich als Kind und Bürger der Erde entdeckt.

...

Ich weiß, ich werde als Tor angesehen, wenn ich diese Dinge schreibe. Aber weshalb eigentlich? Sind es nicht die Braven und die Gemäßigten, die blind sind. Wirklich, wir führen eine beschränkte Existenz in einem Milieu, das einen unermeßlichen Atem verlangen würde. All das möchte ich in irgendeiner Form in ein Buch der Erde einbringen. ... Ich möchte, daß es ebensosehr ein Werk der Kunst sein wie des Denkens.

 

 

Am Sonntag, 10. April 2005, 

dem 50. Todestag von Teilhard de Chardin,

fand in der Aula der Theologischen Hochschule Chur

eine Teilhard gewidmete Aufführung statt:

"Le coeur de la matière"

Die Bilder sind von Maria Hafner,

die Komposition von Matthias Müller in 21 Teilen

ensemble zero:

Rahel Cunz (violin)
Daniel Pezzotti (violoncello)
Magda Schwerzmann (flutes)
Matthias Müller (clarinets)
Raul Diaz (horn)
Peter Waters (piano)
Jacqueline Ott Yesilalp (percussion)

 

Zum Buch "Nichts als das Ganze" der Zuger Künstlerin Maria Hafner

André Jolivet,  

geboren am 8. August 1905, er starb am 20. Dezember 1974 in Paris

Sein Werk : Ascèses pour Clarinette (1967)
bezieht sich im III. Satz auf Teilhard de Chardin

Jolivet war zusammen mit Olivier Messiaen und mehreren anderen jungen Komponisten ein Gründungsmitglied von "La Jeune France", einer 1936 mit dem Ziel gebildeten Gruppe, in der Musik wieder menschliche Belange in den Vordergrund zu rücken. Jolivet übernahm nicht den Serialismus, sondern strebte danach, Befreiung von den Fesseln der Tonalität durch die Verwendung von Modi, neuen Modulationsformen und harmonischer und rhythmischer Innovation zu erlangen Unter dem Einfluß seines Lehrers, Edgar Varese, nutzte er auch die verschiedenen Möglichkeiten der Musikinstrumente.

Es besteht aus fünf kontrastierenden Sätzen, denen in der Partitur jeweils ein Zitat aus Gedichten von Max-Pol Fouchet (1913—80) (I, II und V), des algerisch-französischen Schriftstellers und Dichters, der eng mit Albert Camus befreundet war, Pierre Teilhard de Chardin (III) und Papyrus Insinger (IV) folgt. Die Zitate lauten: 

I "So dass das Geheimnis bleibt, schweigen wir sogar die Stille") 

II "Du entspringst der Abwesenheit ... " (Max-Pol Fouchet)

III "Materie, dreifacher Abgrund der Sterne, der Atome und der Generationen (Pierre Teilhard de Chardin)

IV "Gott hat die Träume geschaffen, um dem Schlafenden den Weg zu zeigen, dessen Augen in der Dunkelheit sind" (Papyrus Insinger) 

V "Oh Frau, die nicht weißt, dass Du die Welt in Dir trugst" ) (Max-Pol Fouchet) 

Tina Davidson 

"Hymn of the Universe" von  für Chor, Streichquartett, Englischhorn und Schlagzeug 

nach Schriften von Pierre Teilhard de Chardin

 

Georges Lentz   (Komponist)

 

"Caeli enarrant..." ('Die Himmel erzählen...' - Psalm XIX)

 

Georges Lentz ist eine paradoxe Erscheinung für seine Zeit und Generation. 1965 in Luxemburg geboren, lebt er seit 1990 in Australien. Seine Musik wird regelmäßig in Australien, Europa und den USA aufgeführt, doch er nimmt nur selten Kompositionsaufträge an und zieht es vor, oft über Jahre an einer kleinen Anzahl von Werken zu feilen. Seine musikalische Sprache ist höchst individuell, und trotzdem gelingt es dem Komponisten, in ihr Aussagen von großer Überzeugung über die Natur des Universums zu vermitteln. Seine Technik zeugt von höchstem Können, doch steht sie dabei immer ganz im Dienste des geistigen Programms, das sein gesamtes Schaffen durchzieht: fast alle bisherigen Werke gehören zur "Caeli enarrant…“ betitelten Werkgruppe, eine Anspielung an die Vision des Kosmos als Inbegriff Gottes im XIX. Psalm. "Caeli enarrant…“ ist, laut Georges Lentz, "ein Werkzyklus, der meine Faszination für Astronomie sowie meine geistigen Überzeugungen, Fragen und Zweifel widerspiegelt“. Man gewinnt den Eindruck, dass diese Werke eine gewisse Verwandschaft mit der Gedankenwelt christlicher Mystiker wie Meister Eckhart, Hildegard von Bingen, Teilhard de Chardin oder Thomas Merton haben.

Internetseiten von Theodor Frey

Eigene Werke 
Maria Hafner und Matthias Müller
André Jolivet
Tina Davidson
Georges Lentz

 

Auguste Rodin

Tagebucheintrag am 25. Februar 1916

"In Studio (1898) bin ich auf ein Werk von Rodin gestoßen: ein passiver und geneigter Frauenkopf, der aus einem unförmigen Steinblock herauswächst ... Ist das nicht das Bild des menschlichen Bewußtseins, das sich aus der Materie befreit (im Schoße der Materie und ex materia). Wir sind durch Introversion bewußt gewordene Materie, die durch einen Zuwachs (Summe allen Zuwachses = Totale Materie)  zum Bewußtsein erhoben ist. Wir sind (inadäquat [mit Ausnahme der Seele]) - aus Materie gemacht, das darf man nicht vergessen ...

Auguste Thierry

Tagebucheintrag am 19. Februar 1916

... die Kirchenfenster von Auguste Thierry , von innen oder von außen gesehen ...  Teilhard bezieht sich auf die Idee, eine Studie mit dem Titel "Der Schleier" zu schreiben. "Der Schleier, der die Kontaktfläche Kirche/Welt, das strahlende Antlitz der Kirche trübt und den Leuten draußen nur eine schäbige und abstoßende Oberfläche einander bekämpfender Egoismen, befriedigter Eitelkeiten, kultiviertes Nichtstun und lächerliche Süffisanz zeigt." 

Wer weiß mehr über August Thierry?

Sieger Köder

Hohenberg - Schöpfungsfenster

... Das Bild ist der Beginn des Hohenberger Schöpfungsfensters. Auf ihm hat Sieger Köder die Schöpfung so dargestellt, wie sie die heutige Theologie, besonders  Teilhard de Chardin sieht, als Evolution. 

Gen1

Musik

Tagebucheintrag am 27. März 1916

"..Die Musik führt nicht nur zum pantheistischen, heidnischen Sichergießen." Die(se) Künste [Musik und Dichtung - lt. Brief an Marguerite Teillard-Chambon] regen lediglich in allgemeiner Weise die Seele an, Schöneres und Größeres zu suchen. 

Sie sensibilisieren sie [die Seele] für das Ganze; sie 'kosmisieren' sie , indem sie sie dazu drängen, sich im niederen Nirvana zu verlieren, oder indem sie sie veranlassen, sich leidenschaftlich dem großen Bemühen in Richtung der höheren Sphären zu vereinen."

Tagebucheintrag am 2. Januar 1917

"Weshalb entsteht die pantheistische Empfindung so häufig angesichts der Leere (Meer, Wüste, stellare Räume, Vergangenheit ...)

Ich muß die verschiedenen kosmischen Empfindungen gruppieren und zusammen studieren, so ... der von der Musik gewiegte und angestachelte Elan des Seins.

... Diese verschiedenen Empfindungen sind dadurch gekennzeichnet, daß sie vom Ganzen, oder vom Unbestimmten, getragen sind ...

.. Unerbittlich kondensiert sich der Elan, unmittelbar das All zu erreichen, zur Prosa menschlichen Bemühens und zum strengen Gesetz der Entsagung .....

Brief an eine Marxistin  - Peking 14. Februar 1927

"Im Grunde wollte ich nicht so sehr eine Theorie, ein System, eine Weltanschauung verbreiten, sondern eine gewisse Lust, eine gewisse Wahrnehmung der Schönheit, des Pathetischen, der Einheit des Seins. genau das verursacht wahrscheinlich das Unverständnis, auf das ich stoße. Ich versuche, diese Art ruhiger Trunkenheit, die das Bewußtsein des tiefen Stoffes der Dinge mir verursacht, in Begriffen von Theorien auszusagen [wie ich es, wenn ich dazu fähig wäre, in Musikstücken tun möchte!]; doch diese Theorien gelten für mich in Wirklichkeit nur wegen ihrer Resonanz in einem Bereich der Seele, der nicht der des Intellektualismus ist. Diejenigen, die die tiefe Harmonie des Universums nicht hören, die ich zu transkribieren versuche [sehr viele hören sie auch glücklicherweise], suchen in dem, was ich schreibe, ich weiß nicht welches eng logische System, und sie sind verwirrt oder wütend. Im Grunde ist es nicht möglich, die Wahrnehmung einer Qualität, eines Geschmacks direkt durch Worte zu übermitteln. 

Wagner

Aus dem Buch von Thomas  Broch - Pierre Teilhard des Chardin - 1989: 

Man wird "Teilhards Einheitsdenken nicht gerecht, wenn man es nicht in erster Linie versteht als Schau, als intuitives, existenzielles und zugleich 'sinnliches' Erleben, als 'psychologische Erfahrung', von welcher er selbst sagt, er würde sie lieber in der Sprache der Musik als in theoretischer Begrifflichkeit entfalten, und er wäre lieber ein 'Schatten Wagners' ein 'Schatten Darwins' [Briefe an eine Marxistin 14.2.1927].


Eigene Werke zur Evolution