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Hier
Auszüge:
"Das
eigentliche Ziel der mystischen Dynamik ist für ihn [Buddha],
daß man vom Leiden dieses
Lebens erlöst werden will." Der Rückzug vom Wollen - von
der "Gier" - ist also nur Mittel zum Zweck. ...
Die Realität des menschlichen und allgemein des animalischen
Lebens bestehe nicht nur darin, wie es jedermann als trivial
zugeben würde, daß das Leben von Leid durchwirkt ist, sondern
das Leben, wenn man es richtig sehe, sei nichts als Leiden.
Sieht
man das so, müßte man in der Tat motiviert sein, aus diesem
Leben auszuscheiden. ... An dieser Stelle kommt man nicht umhin,
die indische Lehre vom samsara - vom endlosen Rad des
Lebens in unaufhörlichen Widergeburten - zu berücksichtigen.
Von ihr kann man sich klarmachen, erstens, daß aus der
Perspektive der Selbstmord keinen Ausweg aus dem Leben bieten würde,
daß aber auch zweitens, wohl erst von daher die extrem düstere
Lebensauffassung verstehen läßt, die die Grundlage der
spezifisch indischen Mystik abgibt. ...
Für
Außenstehende macht das [karma-Konzept] den Anschein
eines Priesterbetrugs, da es ... offensichtlich zwei Funktionen
zu erfüllen scheint: erstens, durch Furcht und Hoffnung die
Menschen zu moralisch gutem Handeln anzuhalten; zweitens, die
unteren Kasten davon abzuhalten, gegen ihren Status
aufzubegehren, da sie ihn selbst verschuldet haben. ...
Offenbar
tritt die Bekümmerung um die Wiedergeburt und damit überhaupt
die primäre Orientierung der mystischen
Dynamik am Problem des Leidens im chinesischen Buddhismus in den
Hintergrund. Im
Zen wird die Leere mehr als ein Durchsichtigwerden aller Dinge
auf das Eine hin gesehen, wie
man sich das an der fernöstlichen Malerei veranschaulichen
kann. ...
In
der taoistischen Mystik
ist das Eine (das Tao) von vornherein einfach das
Eine, auf das hin alles Mannigfaltige gesehen wird. Die
taoistische Mystik ist diesseitig, sie ist keine Mystik der
Weltflucht, das Leiden spielt in ihr keine primäre Rolle und
soll lediglich integriert und gerade nicht vermieden werden.
Welches
sind die Willensüberschüsse, die der Taoismus abbauen oder
einschränken will? ... Wer sich vor das vom Tao durchherrschte
Universum stellt, wird sich angesichts seiner Immensität der
Relativität der Unterscheidungen von 'groß' und 'klein' bewußt
und bringt sich die eigene Geringfügigkeit und Unwichtigkeit zu
Bewußtsein. ...
Auf
Grund des Bedürfnisses nach Anerkennung erscheint es Menschen
wichtig, wichtig zu erscheinen. Bestätigung und Ruhm zu suchen,
sich zur Schau zu stellen, ist eine Komponente des menschlichen
Wollens, von dem der taoistische Weise meint, sich ganz frei
machen zu sollen. Die
Taoisten sprechen hier vom 'Nicht-Handeln'. Gemeint ist nicht
Untätigkeit, sondern ein Tun, das möglichst absichtslos ist
wie die Natur. ... Erstens, beim eigenen Tun (auch dem
politischen) nicht auf Anerkennung aus sein; zweitens, sich
nicht unnötige Ziele setzen, den Kreis des Tuns möglichst eng
sehen; die Sorge um die Zukunft nicht übertreiben, frei von
Hast sein; drittens, im Wirken nicht auf sich reflektieren.
Ein
dritter Gedankenkomplex betrifft das Zusammengehören der Gegensätze.
Auch hier rekurrieren die Taoisten auf die Natur: alles in der
Natur befindet sich in einem Auf und Ab: Geburt und Tod, Wachsen
und Vergehen, Steigen und Sinken; so auch das Sein des Menschen.
Wer die Dinge vom Tao her sieht, akzeptiert, ja begrüßt jede
Wende des Schicksals, auch die ungünstige, weil sie zum ganzen
Kreis gehört. ...
Im
Unterschied zu Heraklit, an den man sich bei dieser Lehre vom
Zusammengehören der Gegensätze erinnert sieht, ist die Meinung
nicht, daß
das Leben in Gegensätzen höher pulsiert, vielmehr wer es nach
der einen Seite zu weit treibt, wer nicht stillzustehen weiß,
werde ein schlimmes Ende finden. ...
Die
Menschen [...] sehen sich als steigend oder fallend, sie
reflektieren das Geschehen und sind sich daher in ihrer
zeitlichen Antizipation den Emotionen der Sorge, Hoffung und
Angst ausgeliefert. Sie können deswegen nur in einer zweiten
Reflexion zur Ruhe kommen, in der sie sich nicht mehr entweder
steigend oder fallend sehen, sondern
im Bewußtsein der Einheit der Kurve leben. ...
Die
taoistische Lehre von den Gegensätzen enthält nur ein Minimum
von theoretischen Komponenten. Ihre Absicht ist eine rein
praktische, die Erreichung der Stille im Sichbewußtmachen der
Einheit der Kurve. ...
Dabei
kann man aber nicht stehenbleiben, wenn man bedenkt, daß wir
handelnde Wesen sind. Wir sind dem Schicksal nicht einfach
ausgeliefert, sondern greifen aktiv ein. ... 'Es gibt Dinge, die
nicht in der eigenen Macht stehen', und die sollen mit 'Himmel'
bezeichnet werden. ... Worauf
es ankomme sei, daß der Mensch das Tun des Himmels nicht
durchkreuze. ...
'Wie
kann man wissen, ob das, was ich für die Sache des Himmels
halte, nicht wirklich die des Menschen ist, und was ich für die
des Menschen halte, nicht wirklich die des Himmels ist?' ...
Man
soll den Handlungsspielraum ausschöpfen, der einem gegeben ist,
ausschöpfen; man soll nur nicht gegen die Grenze dieses
Spielraums anrennen, und für die Frage, wo diese Grenze liegt,
gebe es keine einfachen Kriterien. ... Man
müsse die prinzipielle Bereitschaft des Weisen, sich im Blick
auf das Toa zurückzunehmen, ausgebildet haben, um die
Sensibilität zu erlangen, in der man das von Mal zu Mal
unterscheiden kann."
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