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TEILHARD
DE CHARDIN
"Seit Aristoteles hat man
kaum aufgehört, die Gottes-'Modelle' vom Typ eines äußeren,
von den Ursprüngen (von hinten - a retro) wirkenden ERSTEN
BEWEGERS zu konstruieren. Seitdem in unserem Bewußtsein der 'evolutive
Sinn' emergiert ist, ist es uns physisch nicht mehr möglich,
etwas anderes als einen Gott, der der organische Erste Beweger
der uns von vorn anzieht (ab ante) ist, uns vorzustellen oder
anzubeten. Nur ein funktionell und totel 'Omega' seiender Gott
kann uns von nun an zufriedenstellen. Wo aber sollen wir einen
solchen Gott finden? Wer also wird der Evolution endlich Ihren
Gott geben?"
Wie
können wir uns vorstellen und hoffen, dass sich auf Erden die
menschliche Einmütigkeit verwirklicht?
1950
(Paris) schrieb Teilhard
de Chardin einen Essay mit diesem Titel.
Er
fragt, ob es nicht trotz allen gegenseitigen Anscheins positive
Anzeichen gibt, "dass die Menschheit als Ganzes tatsächlich
auf dem Wege wirklicher Einmütigkeit ist." Gibt es
"in der Erfahrung bereits definierbare und spürbare
planetare Energien", "die unbezwinglich dahin streben,
die bestürzende Vielzahl von Milliarden denkender Bewußtheiten
einander näherzubringen und in sich zu organisieren"?
Er
beschreibt zwei Wirkformen, "die so universell in der uns
umflutenden menschlichen Atmosphäre verbreitet sind, daß wir häufig
Gefahr laufen, sie ebensowenig wie die Luft oder das Licht zu spüren-
und die doch so einhüllend und nah sind, daß ihnen keine
unserer Gebärden zu entgehen vermag."
a)
Geographische Krümmung
Die
menschliche Gruppe entwickelt sich auf der geschlossenen
Kugeloberfläche der Erde. Die wachsende Menschheit führt
dazu, "als ob sie auf einer sich ständig zusammenziehenden
Erde wachse, was zu einem immer heftigeren Zusammendrängung in
sich selbst führt. Das erste Ergebnis dieser furchtbaren
ethnischen Kompression ist offensichtlich, daß sie
unbezwinglich die Körper einander nähert. Doch diese
Verdichtung des menschlichen Stoffes, so materiell sie auch in
ihren Ursprüngen ist, hat tiefgreifende Folgen für die Seelen.
Denn um vital, 'bequem', auf den um sie herum steigenden Druck
zu antworten - um zu überleben und um gut zu leben -, reagiert
die Vielzahl der denkenden Wesen auf natürliche Weise, indem
sie sich wirtschaftlich und technisch bestmöglich in
sich selbst anordnet. "-
Und das führt sie schließlich dahin, sich um einen Grad mehr
in sich zu reflektieren - also das über zu entwickeln, was am
spezifischsten und höchsten menschlich in ihr ist." ...
"Durch
das brutale Wirken der planetaren Kompression erwärmt und
erhellt sich die menschliche Masse geistig."
b)
Geistige Krümmung
"Zunächst
denken, um zu überleben, dann leben, um zu denken: das erweist
sich als das grundlegende Gesetz der Anthropogenese. Doch
nachdem der Denkvorgang einmal ausgelöst ist, zeigt er ein außerordentliches
Vermögen, sich gleich einem Organismus fortzusetzen und
auszudehnen, den, nachdem er einmal entstanden ist, nichts mehr
davon abhalten kann, zu wachsen, sich auszubreiten und alles mit
seinem Netz zu umgeben."
"Das
physische reflektierte Milieu, in das wir eingetaucht sind, ist
von Natur aus so eingerichtet, daß wir in ihm nicht
fortbestehen können, ohne voranzuschreiten; und daß wir in ihm
nicht voranschreiten können, ohne uns einander zu nähern und
ohne uns einander zu unterstützen. Als ob all unser
individuelles Sich-Emporschwingen zu mehr Wahrheit im Innern
einer geschlossenen geistigen 'Kuppel' ablaufe,
deren Wände unsere Intelligenzen unerbittlich einander näher
bringen!"
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