TEILHARD DE CHARDIN

1. MAI 1881       -       10. APRIL 1955

Hymne an das Ewig-Weibliche

Der Göttliche Bereich

Vom Glück des Daseins

Mein Universum

Christus in der Materie
Hymne an die Materie

 

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Hymne an das Ewig-Weibliche

19. – 25. März 1918  - Verzy


An Beatrix

Ab initio creata sum…(Spr 8,22)

Seit Weltbeginn bin ich erschienen. Vor den Ewen (Äonen) ging ich hervor aus Gottes Händen – umrißhaft, um im Gang der Zeit an Schönheit zu gewinnen, Mitwirkerin seines Werkes.
Alles im Universum erfolgt durch Vereinigung und Befruchtung – durch Zusammenschluß der Elemente, die zueinander suchen, paarweise verschmelzen und neugeboren werden in einem Dritten.
Gott hat mich in das ursprüngliche Viele hinein ergossen als die Kraft, die verdichtet und den Dingen zu ihrer Mitte verhilft.
Ich bin das einigende Antlitz der Seienden – bin der Duft, der sie herbeilockt und sie in Freiheit und Leidenschaft mitzieht auf den Weg ihrer Einigung.
Durch mich gerät alles in Bewegung und ordnet sich zueinander.
Ich bin der Zauber, der in die Welt gemischt ist, auf daß sie sich sammle – das über ihr schwebende Ideal, auf daß sie emporsteige.
Ich bin das wesenhaft Weibliche.


Im Anfang war ich nur ein ungewiß wogender Dampf, verbarg mich unter kaum bewußtwerdenden Verwandtschaften, unter einer ungestrafften, lockeren Polarität.
Und dennoch war ich schon da! –
Die Schichten kosmischer Substanz, die in ihrem werdenden Gefält die Verheißung tausendfacher Welten enthalten, umzeichneten in ihrem Gewall die ersten Andeutungen meiner Gestalt.
Wie eine noch schlummernde, doch wesentliche Seele durchwirkte ich den ursprünglichen Klumpen, der noch beinah gestaltlos war und sich hin zum Feld meiner Anziehung stürzte; – und ich brachte selbst den Atomen, den abgrundhaft winzigen, einen dunklen, zähen Drang bei, sich ihrer ohnmächtigen Einsamkeit zu entringen – sich an etwas zu klammern außerhalb ihrer selbst.
Ich war´s, die auf diese Weise die Grundlagen des Weltalls mauerte.
Denn jede Monade, sie mag noch so gering sein – falls sie nur wirkender Mittelpunkt ist –, gehorcht in ihren Regungen einem Ansatz von Liebe zu mir,
– dem Allgemein-Weiblichen.


Mit dem Leben begann ich in den Wesen Gestalt anzunehmen, die erwählt waren, in Sonderheit nach meinem Bild geformt zu sein.
Stufenweise nahm ich die Einzelheit an.
Ungewiß und flüchtig zuerst, als hätte ich gezögert, mich unter einer tastbaren Form festzulegen . . .
– dann ging ich trotz allem ins Vereinzelte, im Maß als die Seelen fähig wurden zu einer reicheren, tieferen, geistigeren Vereinigung.
Dergestalt formte sich geduldig, im Geheimnis, das Wesen der Gattin und der Mutter heraus . . .
Im Laufe dieser Verwandlung habe ich keinen der unteren Antriebe verworfen, welche die aufeinanderfolgenden Phasen meiner Erscheinung bestimmten – sowenig das Herz des Ölbaums in jedem Frühling aufs neue sich höhlt.
Ich habe sie bloß in mich eingeschlossen und sie gezwungen, sich zu einem vermehrten Bewußtsein zu weiten. So konnte ich, derweil die Lebendigen sich auf der Erde vervollkommneten, mich allen konzentrischen Zonen ihrer Begierden widersetzen, Kreis um Kreis – jedoch ihrem Wachstum voraus – als die ihrer Seligkeit angemessene Form.


Betrachtet das ungeheure Erbeben, das von einem Horizont zum anderen durch die Städte und den Wald hinzittert.
Erwägt, vom höchsten zum untersten Leben, die menschliche Wallung, in der das All mitgärt – Gesang und Schmuckgefieder der Vögel – Gesumm der Insekten – das unermüdliche Aufblühen der Blumen – die zähe Arbeit der Zellen – die endlose Mühe des befruchteten Wachstums.
Ich bin´s der, der einzige Strahl, von dem her und in dessen Schoß dieses alles erregt wird.
Der Mensch, Inbegriff der Natur, wirkt gar Vieles mit dem Feuer, das lodert in seinem Herzen. Er speichert die Macht, er verfolgt den Ruhm, er schafft Schönheit, er ergibt sich der Wissenschaft. Und zuweilen bedenkt er es nicht, daß unter so vielen verschiedenen Formen die immer gleiche Leidenschaft ihn beseelt – gereinigt, verwandelt, aber lebendig –, die weibliche Anziehungskraft.


Im Lebendigen habe ich angefangen, mich kundzutun.
Der Mensch aber ist der erste, der mich wiedererkannt hat, an der Verwirrung, in die ihn meine Gegenwart stürzte.
Wenn der Mann ein Weib liebt, bildet er sich zuerst ein, seine Liebe wende sich bloß an ein Einzelnes, das ihm gleich ist, das er in seinen Machtbereich einbezieht und sich frei zugesellt.
Wohl bemerkt er dabei, indem er mein Antlitz zum Schimmern bringt, ein gewisses Strahlen, das sein Herz in Rührung versetzt und alle Dinge erleuchtet.
Aber er schreibt diese Einstrahlung meines Wesens einer subjektiven Verfaßtheit seines bezauberten Geistes zu, oder dem einfachen Widerschein meiner Schönheit auf den tausend Splitterflächen der Natur.
Bald jedoch wundert er sich über die Gewaltsamkeit, die sich in ihm entfesselt, wenn ich herannahe, und er stellt fest, daß er mit mir nicht auskommen kann, ohne unvermeidlich, als Diener eines Schöpfungswerkes, in Beschlag genommen zu sein.
Er meinte, neben sich eine Gefährtin zu finden: und nun merkt er, daß er in mir die große verborgene Kraft angerührt hat, die geheimnisvolle Latenz – die unter dieser Gestalt auf ihn zutrat, um ihn mitfortzuziehen.
Wer mich gefunden hat, steht am Eingang zu allen Dingen.
Nicht allein durch die Vermittlung seiner eigenen Fühlsamkeit, sondern durch die seinshaften Verflechtungen meines mir eigentümlichen Wesens, mit dem ich mich in die Seele der Welt hinein verlängere. Denn in Wahrheit: ich bin die Anziehung der universalen Gegenwart und ihres zahllosen Lächelns.
Ich bin der Zugang zum gesamthaften Herzen der Schöpfung – die Tür zur Erde – die Einweihung . . .
Wer mich ergreift, der gibt sich mir preis und wird vom Universum ergriffen.


Mein Wissen – ich muß es beklagen – kennt das Gute und Böse . . .
Dem Menschen stieg seine Einweihung zu Gehirn . . .
Als er begriff, daß ich die Welt für ihn bin, meinte er, mich in seine Arme einkreisen zu können.
Mit mir zusammen wollte er sich in eine geschlossene Welt einsperren, in der wir zwei einander genügen könnten.
In eben diesem Augenblick habe ich mich unter seinen Händen zersetzt . . .
Und es konnte der Anschein entstehen, ich wäre die Verderbnis der Menschheit – die reine Versuchung!
O Menschen, warum innehalten mitten in der andrängenden Mühsal der Läuterung, zu der mein Zauber euch zu sammeln berufen ist?
Ich bin wesenhaft fruchtbar – das heißt hingeneigt auf die Zukunft, das Ideal.
Sobald ihr mich also festzulegen, mich unter einer fertigen Gestalt zu besitzen versucht, muß ich ersticken . . .
Ja noch mehr: ihr verunstaltet mich, ihr stellt geometrisch meine Natur auf den Kopf.
Weil des Lebens Gleichgewicht euch zwingt, ohne Unterlaß zu steigen, könnt ihr euch nicht an mein erstarrtes Idol anklammern, ohne nach rückwärts verkehrt zu werden; ihr verstofflicht euch statt zu Göttern zu werden.
Sobald ihr eure Schwingen um mich faltet, fallt ihr mit der Materie; denn was die Materie zum Fall zwingt, ist die unfruchtbare, entkräftende Verbindung ihrer Teile.
Ihr umschlingt dann nur Materie – denn die Materie ist ein Sinn, eine Richtung –, das Antlitz des Geistes, wenn man im Rückwärtsschreiten ihm begegnet.
Und euer Sturz beschleunigt sich auf erschreckende Art – so rasch wie das Auseinanderstreben eurer wahren Sehnsüchte und der immer niedrigeren Formen, unter denen ihr sie verfolgt.
Und am Ende eurer Bemühung, Staub, umarmt ihr nur Staub.
Je mehr ihr mich in der Richtung des Vergnügens sucht, ihr Menschen, desto weiter entfernt ihr euch von mir.
Denn in der Tat, das Fleisch, das wie die Anziehungskraft des Bösen hin und her spielt zwischen euch und der unteren Vielheit (diesem spiegelverkehrtem Gott), ist auch nur meine umgestülpte Erscheinung, flackernd über einem Abgrund des Verwesens, der unbegrenzten Zersetzung.


Ungeschickt, das Trugbild von der Wahrheit zu unterscheiden, hat der Mensch lange Zeit nicht gewußt, ob er mich fürchten oder mich anbeten sollte.
Er liebte mich meines Zaubers und meiner Machtstellung wegen; er bebte zurück vor meiner ihm fremden Gewalt und meinen unerklärlichen Berauschungen.
Ich war seine Stärke und seine Gebrechlichkeit – seine Hoffnung und seine Probe. – An mir vollzog sich die Unterscheidung der Guten und der Bösen.
Vielleicht hätte er mich endgültig böse gemacht, wäre nicht Christus erschienen.

Et usque ad futurum
saeculum non desinam . . .

Christus hat mich gerettet. Er hat mich befreit.
Als er sprach: Es ist besser, nicht zu heiraten, dachte man, ich sei tot für das ewige Leben.
In Wahrheit aber hat er mich mit diesen Worten auferweckt, wie Lazarus – wie die Magdalena – und mich zwischen sich und den Menschen gestellt wie einen Nimbus von Glorie:
Seine Tucht offenbarend, hat er in der Tat mein wahrhaftes Wesen offenbart und hat den Menschen, die meine Spur verloren hatten, auf den Weg zurückversetzt, auf dem ich gewandelt war.
In der wiedergeborenen Welt bin ich weiterhin, wie seit meiner Geburt, der Anruf zur Einigung mit dem All – die Anziehungskraft der Welt, gelegt auf ein menschliches Antlitz.
Aber Einigung ist dann wahr, wenn sie vereinfacht und das heißt vergeistigt.
. . . Die Fruchtbarkeit ist dann wahr, wenn sie das Wesen im zeugenden Geiste vereinigt.
Um Weib zu bleiben in der neuen Sphäre, zu der das Geschöpf Einlaß fand, mußte ich meine Gestalt verändern, ohne daß mein früheres Wesen verstört worden wäre.
Während mein Irrbild noch immer den Wollüstigen in der Richtung auf die Materie hin fesselt, hat meine Wirklichkeit sich erhöht, nach sich ziehend: sie schwebt zwischen dem Christen und Gott.
Noch immer verführe ich, aber dem Licht zu. Noch immer schleife ich hinter mir her: aber zur Freiheit.
Von jetzt ab bin ich Jungfräulichkeit.


Die Jungfrau ist noch immer Weib und Mutter: das ist das Zeichen der Neuen Zeiten.
Die Heiden auf der Akropolis verklagen das Evangelium, es habe die Welt entstellt, und sie betrauern die Schönheit. – Das ist Lästerung Gottes.
Die Stimme Christi ist nicht das Signal eines Risses, einer Emanzipation: – als Gottes Erwählte, das Gesetz des Fleisches verwerfend, die Bande zerreißen, die sie mit dem Geschick ihres Geschlechtes verknüpften, und der kosmischen Strömung entrinnen, in er ihr Beginnen lag.
Wer Jesu Ruf vernimmt, darf die Liebe nicht aus dem Herzen verbannen. Er muß im Gegenteil wesenhaft menschlich bleiben.
Deshalb bedarf es immer noch meiner: um seine Fähigkeiten fühlsam zu machen, und in seiner Seele die Leidenschaft des Göttlichen zu erwecken.
Mehr als für jemand sonst bin ich für die Heiligen der mütterliche Schatten, der sich über seine Wiege beugt – und die strahlende Form, die seine Jugendträume annehmen – und die alles begrünende Sehnsucht, die das Herz wie eine unfragbare und fremde Gewalt durchzieht –, die Spur im Einzeldasein, der Achse des Lebens.
Christus hat mir alle meine Kleinodien belassen.
Nur hat er vom Himmel einen Strahl auf mich niedergesandt, der mich, entgrenzt, ins Ideale gerückt hat.


Als erstes hat es ihm gefallen, der natürlichen Schwungkraft meiner Entwicklung einen neuen Antrieb zu geben.
Vor einer Menschheit, die ohne Unterlaß aufsteigt, verlangt mein Auftrag, daß ich mich höher entziehe – schwebend über den wachsenden Aspirationen der Erde, wie eine Lockspeise, eine Beute –, beinah gepackt, niemals festgehalten. Das Weibliche muß (so gehört es zu seiner Natur) sich immer mehr in seiner Eigentlichkeit herausstellen, in einem All, das sich längst nicht fertig entwickelt hat: das letzte Aufblühen meines Stengels zu sichern, wird Ruhm und Freude der Keuschheit sein.
Zahllos sind die neuen Wesenheiten, die von Ewe zu Ewe von der Natur dem Leben preisgegeben werden! . . .
Unter dem christlichen Einfluß werde ich, bis die Schöpfung sich vollendet, ihre gefährlichen und subtilen Verfeinerungen zusammenfassen, in einer immer wechselnden Vollkommenheit, in der sich die Sehnsüchte jeder neuen Generation ausdrücken werden.
Deshalb wird man, solange die Welt besteht, auf dem Antlitz von Beatrix die Träume der Kunst und der Wissenschaft sich abspiegeln sehen, zu denen hin sich jedes neue Jahrhundert emporhebt . . .
– Seit den Ursprüngen hat das Weib nicht aufgehört, alles für sich in Anspruch zu nehmen, was der Saft der Natur und menschliche Geschicklichkeit hervorbrachten.
Wer vermöchte zu sagen, in welchen Blütenstrauß von Vollkommenheiten, einzelnen und gemeinsamen, ich mich ausfalten werde, am Abend der Welt, im Angesicht Gottes?
Ich bin die unverwelkliche Schönheit der künftigen Zeiten – das weibliche Ideal.


Je mehr ich auf diese Art Frau werde, desto entstofflichter und himmlischer wird meine Gestalt sein.
In mir strebt die Seele, den Leib zu sublimieren – die Gnade, das Seelische zu vergöttlichen.
Wer mich behalten will, muß sich mit mir wandeln . . .


Schaut!
Unvermerklich gleitet der Brennpunkt meiner Anziehungskraft hin auf den Pol, zu dem alle Richtungen des Geistes konvergieren . . .
Das Prisma meiner Zaubereien, hingestreut wie Geschmeide über die Schöpfung, faltet langsam seine Säume zusammen . . .
Schon legen sich die Schatten über das Fleisch, selbst über das durch die Sakramente geläuterte.
Eines Tages werden vielleicht diese Schatten die Kunst erreichen, die Wissenschaft selbst – die Dinge, die geliebt werden wie eine Frau . . .
Der Strahl wendet sich.
Man muß ihm folgen.
Bald wird nichts mehr sein als Gott für euch in einem gänzlich verjungfräulichten All.
Gott ist es, der euch in mir erwartet.
Gott, ich habe ihn längst vor euch zu mir angezogen . . .
Längst bevor der Mensch die Ausdehnung meiner Macht ermessen und den Sinn meiner Anziehungskraft vergöttlicht hat, hatte der Herr mich bereits als ganze in seiner Weisheit empfangen, und ich hatte sein Herz gewonnen.
Meint ihr, er wäre auch ohne meine Reinheit, um ihn zu verführen, je herabgestiegen, Fleisch, in die Mitte der Schöpfung?
Die Liebe allein ist fähig, das Sein zu bewegen.
Und so mußte Gott, um heraustreten zu können, vor sich her zuerst einen Pfad der Sehnsucht entwerfen, vor seiner Ankunft her einen Duft von Schönheit verbreiten.
Damals ließ er mich entstehen, einen lichtvollen Dampf, überm Abgrund – zwischen Erde und sich –, um meine Wohnstatt zu beziehen unter euch.
Versteht ihr jetzt das Geheimnis eures Erbebens, wenn ich herannahe?
Das zarte Mitleid, der Zauber der Heiligkeit, die vom Weibe ausströmen – so natürlich, daß ihr sie nirgendwo anders suchen geht als bei ihr, und trotzdem so geheimnisvoll, daß ihr den Quellpunkt nicht anzugeben vermögt – ,das ist Gottes Gegenwart, die sich spürbar macht und euch ganz in Gluten versetzt.
Zwischen Gott und die Welt gestellt, wie ein Feld gemeinsamer Anziehung, führe ich sie beide zusammen, leidenschaftlich.
. . . Bis daß in mir die Begegnung stattfinde, worin sich das Geschlecht und die Fülle Christi ereignen, durch die Ewen hindurch.
Ich bin die Kirche, Jesu Braut.
Ich bin die Jungfrau Maria, aller Menschen Mutter.


Man könnte glauben, bei diesem Zusammenschluß des Himmels mit der Erde wäre ich dazu bestimmt, zu verschwinden wie eine unnütze Magd – unterzugehen wie ein Schatten vor der Wirklichkeit.
Die mich lieben, mögen diese Furcht von sich bannen!
Sowenig das teilnehmende Sein sich verliert, wenn es seinen Ursprung erreicht – wie es sich vielmehr erfüllt, indem es einströmt in Gott . . .
Sowenig die Seele, wenn sie einmal gebildet ist, die zahllosen Elemente, aus denen sie hervorging, schlechthin abstößt – wie sie vielmehr wesentlich in sich eine Mächtigkeit und Forderung nach dem Fleische behält, sich darin einzuhüllen . . .
Ebensowenig wird der vergöttlichte Kosmos meinen anziehenden Einfluß aus sich verstoßen, durch den allgemach das immer zusammengesetztere und immer vereinfachtere Bündel seiner Atome geschnürt wurde und zusammengebunden bleibt.
Bis in die Brände der göttlichen Berührung hinein werde ich überstehen, ich Ganze mit meiner gesamten Herkunft. –
Ja mehr, ich werde fortfahren, mich kundzutun – in meinem Werden ebenso unerschöpflich wie die unendlichen Zaubereien, für die ich immer, auch wenn keiner es merkt, das Gewand, das Antlitz und der Zugang bin . . .


Wenn ihr meinen werdet, ich sei abwesend – mich vergessen werdet, mich, Luft eurer Lunge und Licht eurer Augen –, werde ich immer noch dasein, ertrunken in der Sonne, die ich an mich heranzog . . .
Genügt es euch doch, nicht wahr, ihr selig Erwählten, für einen Augenblick die Spannung zu lockern, die euch in Gott hineinstürzt, oder einen noch so flüchtigen Blick unter den Glutherd, der euch bannt, zu werfen, um erneut auf der Oberfläche des göttlichen Feuers das Farbenspiel meines Bildes zu sehen.
– Und dann, ein Nu lang, bestaunt ihr´s, daß in den langen Falten meiner Reize sich immer lebendig die Reihe der nacheinander durchschrittenen Anziehungen entrollt, die von den Grenzen des Nichts her, die Elemente des Geistes heraneilen ließ und sich sammeln – aus Liebe.

Ich bin das Ewig-Weibliche.

Verzy – 19.–25. März 1918

Ins Deutsche übertragen von Hans Urs von Balthasar

 

 

Der Göttliche Bereich

Tientsin, November 1926  bis  März 1927

Ein Entwurf des Innern Lebens
Die Heiligung des Handelns

"Im Weltall, wo jeder Geist in Unserem Hernn auf Gott zustrebt, ist alles Wahrnehmbare für den Geist da"

Das Erleiden des Wachstums und der Minderung
Die geistige Kraft der Materie
Die Natur und das Anwachsen des göttlichen Bereichs
Der universale Christus
Die Freude am Sein und das Durchschimmern Gottes
Die Erwartung der Parusie
 

 

 

 

Vom Glück des Daseins

Gedanken über das Glück

Peking, 28. Dezember 1943

I. Die theoretischen Leitlinien des Glücks

Einleitung

A. Der Ansatz des Problems: 

Drei verschiedene Haltungen angesichts des Lebens

Die Müden (oder die Pessimisten)

Als nächstes die Genießer

Und schließlich die Begeisterten

B. Die Antwort der Tatsachen

Allgemeine Lösung: 

Auf dem Wege zum größten Bewußtsein

Detaillierte Lösung:

Die drei Schritte der Personalisation

II. Die Grundregeln des Glücks

 

Drei Trauungsansprachen

1928 - 1935 - 1948

 

In der Einleitung zu seinem Vortrag,  gehalten 1943 zwischen Weihnachten und Neujahr in Peking, führt Teilhard aus, dass der Mensch als reflektierendes und kritisches Lebewesen "zwei zu fürchtende Eigenschaften" mitbekommen hat, die der "Wahrnehmung des Möglichen und der Zukunft. Diese beiden verbinden sich, um "sowohl unsere Ängste als auch unsere Hoffnungen unerschöpflich zu machen und in alle Richtungen zu zerstreuen ... " "Daraus ergibt sich bei jedem Schritt und in jede Richtung ein Problem, zu dem er ... unaufhörlich erfolglos eine endgültige und universelle Lösung gesucht hat."

Teilhard fragt, ob sich daraus als praktische Schlussfolgerung ableiten lässt, dass es vergeblich ist, weiter zu suchen oder ob es nur eine Unendlichkeit von Sonderlösungen gibt und die Glücksuche eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Teilhard spricht beispielhaft drei Bereiche an, wobei er die Dichtung und die Wohltätigkeit und überraschender weise die Automobile als Beispiele nennt.

Gegen diesen "relativistischen und letzten Endes pessimistischen Skeptizismus" seiner Zeitgenossen will er angehen und zeigen, dass die "allgemeine Richtung des Glücks keineswegs so zweideutig" für uns Menschen ist. Teilhard versucht, den besten Weg zum menschlichen Glück zu definieren (theoretischer Teil) um dann zu fragen, "wie wir unser individuelles Leben mit den allgemeinen Leitlinien der Beseligung in Einklang bringen können."

 

Drei grundlegende Haltungen angesichts des Lebens:

Die Müden
(Die Pessimisten)

Die Genießer 

Die Begeisterten

Die Müden  bedauern die Herberge verlassen zu haben.

Gefahren stehen in keinem Verhältnis zum Gelingen.

Rückkehr wäre das Richtige

Die Sonne scheint, die Aussicht ist schön.

Besser ist es dort zu genießen, wo man sich befindet.

Sie legen sich ins Gras und erwarten das Picknick.

Die Gipfel werden nicht aus den Augen verloren.

Sie brechen von neuem auf.

Vergangenheitsbezogen

Augenblicksbezogen

Zukunftsbezogen

Die Existenz ist ein Irrtum

Wir befinden uns auf dem falschen Weg.

Wie ziehe ich mich so geschickt wie möglich aus dem Spiel zurück?

Das Universum ist eine Illusion (Hinduismus, Schopenhauers Pessimismus) 

Es ist besser weniger als mehr zu sein

Es wäre besser überhaupt nicht zu sein.

Es ist besser zu sein als nicht zu sein.

Doch Sein heißt sich vom gegenwärtigen Augen blick erfüllen zu lassen.

Weisheit ist es, ohne sich darum zu bemühen, auf eine höhere Ebene zu gelangen.

Das Wagnis um seiner selbst willen genießen um das Beben des Wagens zu kosten oder den Schauder des Angsthabens zu verspüren.

Bereit sein, sich immer begieriger über jede neue Quelle zu beugen.

Es ist immer möglich und einzig bedeutsam, mehr zu werden

Das Leben ist Aufstieg und Entdeckung

Das Sein ist unerschöpflich, das man in alle Richtungen  drehen kann, ohne seiner Müde zu werden.

Aus dieser Haltung will die Erde von morgen hervorgehen.

Glück der Ruhe Glück des Vergnügens Glück des Wachsens

Kein Ärger, keine Risiken, keine Anstrengungen

Einschränken der Bedürfnisse

Zurückziehen in unsere Schale

Wenig denken, fühlen und wünschen

Unaufhörlich erneuertes Vergnügen

Geringes aber gerade notwendiges Bemühen

Den Augenblick, den man in den Händen hält vollständig  genießen

Glück hat seinen Wert nicht in sich selbst als ein Objekt; es ist Zeichen und Belohnung des Wirkens

Keine Wandlung beseligt, es sei denn, sie vollzieht sich im Aufstieg

Der glückliche Mensch findet die Freude als Zugabe in dem Akt, in dem er voranschreitend zur Fülle und ans Ende seiner selbst gelangt.

Teilhard trägt vor, dass jeder diese drei Menschentypen in der Tiefe seiner selbst trägt und - dies ist eine interessante, aus meiner Sicht aber gewagte Weiterung -  in die auch die Menschheit seit je faktisch um uns herum zerfiel. Er fragt weiter, ob sich ein unbestreitbarer, weil objektiver Grund finden lässt um zu entscheiden, welcher Weg absolut der bessere und folglich der einzige sei, der uns authentisch beglücken könne.

Die Antwort der Tatsachen

Teilhard ist davon überzeugt, dass sich ein solches "unbestreitbares und objektives Kriterium gibt. Diese liegt vor unseren Augen und es genüge die Natur im Lichte unserer jüngsten Vorstellungen über das "große Phänomen der Evolution" zu betrachten.

Das Universum bewegt sich seit immer in den Urtiefen seiner gesamten Masse in zwei entgegengesetzte Strömungen:

- "die eine reißt die Materie mit in Richtung der Zustände äußersten Zerfalls;

- die andere gelangt zum Aufbau organischer Einheiten, deren höhere astronomisch komplexe Typen das bilden, was wie 'die lebende Welt' nennen.

Ist die Bewegung der Evolution nur ein kreisförmig geschlossener Wirbel, oder aber führt sie in Richtung eines höheren Zustands?

Nach Teilhard schreitet das Leben, "sowohl in seiner Gesamtheit wie auch im Detail der organischen Wesen genommen, methodisch, irreversibel in Richtung immer höherer Bewusstseinszustände voran."

Daraus möchte Teilhard die direkte Konsequenz für unsere innere Einstellung und unser inneres Verhalten ableiten.

Die unermessliche Masse der Seienden, zu der wir gehören, strebt "hartnäckig, unermüdlich empor zu mehr Freiheit, mehr Empfindsamkeit, mehr innerer Schau: und wir fragen uns noch, wohin wir gehen sollen? 

Wollen wir "nicht all das, was wir sind, und all das, was uns gemacht hat, leugnen, können wir nicht umhin, und zwar jeder im Namen aller, die ursprüngliche Entscheidung anzunehmen, die in der Welt impliziert ist, deren reflektierte Elemente wir sind." - Nur der Weg nach vorn bleibt offen. Zurückweichen und stehen bleiben, um zu genießen, bedeutet ein schwimmen gegen den Strom und erscheint als absurde Unmöglichkeit.

Das einzig wahre Glück ist das Glück des Wachsens oder der Bewegung. "Schließen wir uns ohne Zaudern der Gruppe jener an, die den Aufstieg bis zum letzten Gipfel wagen wollen. Vorwärts! "

Aber so fragt Teilhard weiter: "Welches ist der rechte Weg, um den Gipfel in Freuden zu erreichen?"

Seine detaillierte Lösung stellt er in den drei Schritten der Personalisation vor:

Dies sind die natürlichen Phasen unserer Personalisation:

Zuerst sein

Dann lieben

Und schließlich anbeten

Drei ineinanderergreifende Stufen ... in der Aufsteigebewegung des Lebens; und folglich auch drei sich aufschichtende Stufen des Glücks. 

Glück des Wachsens

Glück des Liebens

Glück des Anbetens

Das ist in letzter Konsequenz die dreifache Seligkeit, die wir theoretisch im Ausgang von den Gesetzen des Lebens vorauszusehen vermögen. ...

Versuchen wir ein wenig, mit Hilfe direkter Messungen an den Fakten, die Richtigkeit unserer Deduktionen zu verifizieren.

Das Glück , in der Tiefe seiner selbst zu wachsen - an Kräften, an Empfindsamkeit, im Besitzen seiner selbst. Auch das Glück, sich miteinander zu verbinden, zwischen Körpern und Seelen, die geschaffen sind, einander zu ergänzen und sich zu vereinen. 

Es ist unnütz, die Reinheit und Intensität dieser beiden ersten Formen der Freude weiter zu betonen. Alle Welt ist sich im Grund darüber einig, sie zu feiern.

Doch das Glück, in der Zukunft in einem Größeren als man selbst einzutauchen und sich zu verlieren ... Befinden wir uns hier nicht im Reiche der Spekulation oder des Traumes? - Sich über das, was wir weder sehen noch berühren können ... Wer denn, von einigen Schwarmgeistern abgesehen, kümmert sich um etwas Derartiges in der positivistischen und materialistischen Welt, in die wir eingetaucht sind!

Teilhard führt dann beispielhaft Menschen auf, die ihr Leben um einer Idee willen aufs Spiel setzen oder tatsächlich hingegeben haben und eine machtvolle Freude eines Lebens gefunden haben. ( das Ehepaar Curie, Nansen, ...) und fährt fort:

Im allgemeinen wird unser Glück dadurch unterhöhlt und vergiftet, daß wir den Grund, das Ende all dessen, was uns anzieht, so nah spüren: Leiden der Trennung und des Verschleißes - Angst der Zeit, die vorübergeht - Schrecken vor der Gebrechlichkeit des besessenen Güter - Enttäuschung, so schnell an das Ende dessen zu gelangen, was wir sind, und dessen, was wir lieben ...

Für den, der in einem Ideal oder einem Anliegen das Geheimnis entdeckt hat, von nahem oder weitem an dem in Fortschritt befindlichen Universum mitzuwirken und sich mit ihm zu identifizieren, verschwinden all diese Schatten. Da sie auf die Freude des Seins und auf die Freude zu lieben, zurückströmt, um sich auszuweiten und sie zu festigen, und keineswegs, um sie zu vermindern oder sie zu zerstören, bringt die Freude der Anbetung in ihrer Fülle einen wunderbaren Frieden mit sich.

Seite 36 ff.

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