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Marie-Joseph-Pierre
TEILHARD DE CHARDIN
unter
Verwendung des Artikels von Bernd Kettern im
"Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon"
Geboren
1881 als viertes von elf Kindern auf dem Landschloß Sarcenat
bei Clermont-Ferrand in der Auvergne
Gestorben
am 10. April 1955 (Ostersonntag) in New York
Der
Vater Alexandre-Victor-Emmanuel, einem
alten Adelsgeschlecht entstammend, hatte 1875 Berthe-Adèle de Dompierre
d'Hornoy, eine Großnichte Voltaires, geheiratet. Neben der
Bewirtschaftung seiner Güter galt sein Interesse der Erschließung der
Archive von Montferrand.
Seinen
Kinder erschloß er vielfältige Zugänge zur Natur; er leitete sie an,
sich naturgeschichtliche Sammlungen anzulegen. Bereits als Kind
interessierte sich Teilhard für Mineralogie und biologische
Beobachtungen.
1892
- 1905
Ab
April 1892 besuchte Teilhard das Jesuitenkolleg Notre-Dame de Mongré in
Villefranche-sur-Saône. Er war ein ausgezeichneter Schüler sowohl in
den humanistischen wie in den naturwissenschaftlichen Fächern. Die
Leistungen in Religion waren weniger glänzend. Am 20. März 1899 trat
er in das Noviziat der Jesuiten in Aix-en-Provence ein. Er durchlief die
ordensüblichen Ausbildungsstationen. An das Noviziat schloß
sich im Oktober 1900 das Juvenat in Laval an, wo er am 25. März 1901
seine ersten Gelübde ablegte.
In
dieser Zeit erreichte der Antiklerikalismus in Frankreich seinen Höhepunkt.
Die Jesuiten mußten sich nach England und auf die Kanalinseln zurückziehen.
Das zweite Juvenatsjahr verbrachte Teilhard bereits auf Jersey in
Bon-Secours, wo er auch ab Oktober 1902 drei Jahre Philosophie in
Saint-Louis studierte. Dort erhielt er die erste Ausbildung in Physik,
Chemie und Geologie. Er beteiligte sich an geologischen Exkursionen auf
der Insel.
1905
- 1914
Im
August 1905 reiste Teilhard nach Ägypten, um als Lektor für Physik und
Chemie am Jesuitenkolleg der Heiligen Familie in Kairo zu unterrichten.
In Ägypten nahm er erneut an geologischen Exkursionen teil: 1906 nach
Mokattam, 1907 nach Fayoum, 1908 nach Oberägypten. Kleinere Studien und
Funde machten ihn bei einigen Spezialisten des Faches bekannt.
1907
las er Henri Bergsons
„Schöpferische Entwicklung“ (L’évolution créatrice),
ein Buch,
das bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen sollte. Ab Oktober 1908
folgte das Theologiestudium in Ore Place bei Hastings (Sussex), das 1912
abgeschlossen wurde. In dieser Zeit wurde Teilhard in Anwesenheit seiner
Eltern am 24. August 1911 zum Priester geweiht.
Bereits
damals war er zutiefst von der ignatianischen Spiritualität
durchdrungen. Neben den Studien kam aber immer wieder der geologische
und paläontologische Forscher in ihm zum Vorschein. Wiederholt nutzte
er seine Freizeit, um Streifzüge durch die Umgebung des Klosters zu
unternehmen. Er konzentrierte sich auf die Paläontologie der
Wirbeltiere. Vom 27. August bis 4. September wurde er beauftragt, an der
Woche für religiöse Ethnologie in Löwen teilzunehmen. In den
folgenden Jahren vertiefte er seine wissenschaftlichen Beziehungen. Im
Oktober 1912 begann er in Paris das paläontologische Fachstudium bei
dem bedeutenden Paläanthropologen Marcellin Boule. Er machte die
Bekanntschaft der Forscher Abbé Henri Breuil und Hugo Obermaier, mit
denen er im Juni und Juli 1913 eine wissenschaftliche Exkursion nach
Spanien (Santander, Altamira) unternahm. Allmählich interessierte sich
Teilhard immer mehr für die menschliche Vorgeschichte, nachdem er sich
bis dahin vor allem mit Tertiär und Quartär beschäftigt hatte.
1914
- 1919
Ab
August 1914 hielt sich Teilhard wieder in England auf, um das Dritte
Jahr des Theologiestudiums in Canterbury abzuschließen. Der 1.
Weltkrieg verhinderte dies jedoch. Die Musterung im Dezember 1914 erklärte
ihn für tauglich, er wurde der 13. Sanitätsabteilung zugeteilt. Ab dem
20. Januar 1915 diente er als Sanitäter 2. Klasse im 8. marokkanischen
Schützenregiment, dem späteren 4. gemischten Zuaven- und Schützenregiment,
an der Front. Teilhard erlebte den Stellungskrieg und die
Materialschlachten in Ypern und Verdun mit. Sein außergewöhnlicher Mut
wurde mit militärischen Auszeichnungen und der Beförderung zum
Korporal gewürdigt - ein Jahr nach dem Krieg wurde er zum Ritter der
Ehrenlegion ernannt. Die Beförderung zum Feldgeistlichen der Division
lehnte er ab, er wollte lieber als Sanitäter (Bahrenträger) bei seiner Einheit
bleiben.
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Tagebucheintrag
am 8.11.1916 |
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Persönlich
scheint es meine Berufung, mein Schicksal zu sein, die aktiven
und passiven Energien des Universums zu feiern, zu
rechtfertigen, zu heiligen - und noch spezieller das menschliche
Bemühen ... Das Milieu der Heiligkeit, das um die Seelen meiner
Zeit herum zu schaffen ich beitragen möchte, ist der Kult des
evolutiven Milieus, das sie trägt und das sie in ihrer
Gesamtheit konstituiert... |
Ab 1916 verfaßte Teilhard, ungeachtet der schwierigen Umstände,
zahlreiche, spirituell angelegte kleinere Schriften (in den »Ecrits du
temps de la guerre« (1916-1919), Paris 1965, zusammengefaßt: z.B. »La
vie cosmique«, »Le milieu mystique«, »La grande monade«, »Mon
univers« in der ersten Fassung). Am 26. Mai 1918 legte er in
Sainte-Foy-lès Lyon seine feierlichen Gelübde ab. Im März 1919 wurde
Teilhard aus dem Militärdienst entlassen.
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19.
– 25. März 1918 - Verzy |
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Beginn
der Hymne an das
Ewig Weibliche
An Beatrix
Ab
initio creata sum…(Spr 8,22)
Seit
Weltbeginn bin ich erschienen. Vor den Ewen (Äonen) ging ich
hervor aus Gottes Händen – umrißhaft, um im Gang der Zeit an
Schönheit zu gewinnen, Mitwirkerin seines Werkes.
Alles im Universum erfolgt durch Vereinigung und Befruchtung –
durch Zusammenschluß der Elemente, die zueinander suchen,
paarweise verschmelzen und neugeboren werden in einem Dritten.
Gott hat mich in das ursprüngliche Viele hinein ergossen als
die Kraft, die verdichtet und den Dingen zu ihrer Mitte
verhilft.
Ich bin das einigende Antlitz der Seienden – bin der Duft, der
sie herbeilockt und sie in Freiheit und Leidenschaft mitzieht
auf den Weg ihrer Einigung.
Durch mich gerät alles in Bewegung und ordnet sich zueinander.
Ich bin der Zauber, der in die Welt gemischt ist, auf daß sie
sich sammle – das über ihr schwebende Ideal, auf daß sie
emporsteige.
Ich bin das wesenhaft Weibliche.
(Ins
Deutsche übertragen von Hans Urs von Balthasar, Johannes
Verlag, Einsiedeln 1968)
Den
ganzen Text hier ... |
1919
- 1923
Über
Lyon und Paris kehrte er zur Prüfungsvorbereitung nach Jersey zurück.
Zwischen Oktober 1919 und März 1920 legte er an der Sorbonne die
naturwissenschaftliche Diplomprüfung ab. Ab Ostern 1920 arbeitete der
Pater an seiner während des Krieges begonnenen Dissertation über die Säugetiere
des französischen unteren Eozäns. Er wurde zum außerordentlichen Professor der Geologie am
Institut Catholique ernannt. Die Ausübung des Amtes war aber nicht von
langer Dauer. Teilhard vertrat entschieden den Evolutionismus. Die
kirchlichen Oberen zeigten sich beunruhigt über Thesen Teilhards. Seit
1914 versuchte er in immer neuen Anläufen den Dualismus Materie -
Geist
bzw. Leib - Seele aufzulösen. Diese Begriffe bezeichneten für ihn zwei
Zustände ein und desselben kosmischen Stoffes. Im Begriff der
Noosphäre,
der denkenden Schicht des Lebens auf der Erde, versuchte Teilhard seinen
Gedanken Gestalt zu verleihen. Das Humanum, biologisch Art unter
anderen, gehört zugleich dem Reich des Geistes an, es weitet sich ins
Planetarische; das Christliche übersteigt mediterrane
Vorstellungsgrenzen und gewinnt kosmische Dimension. Teilhard.
missionarische Kraft möchte Ost und West miteinander synthetisieren. In
seinen Schriften erwies sich der Jesuit auch immer wieder als begnadeter
Mystiker.
1923
- 1932
Am 6. April 1923 erfolgte mit Billigung der Oberen der
Aufbruch zu einer Forschungsreise nach China - der Beginn eines von
Unterbrechungen gekennzeichneten Exils in China bis 1946. Gemeinsam mit
dem Geologen P. Licent S.J. erkundete er 1923 von Tientsin aus die Wüste
Ordos. Aus den zahlreichen Schriften dieser Zeit sind "Die Messe über
die Welt", "Mein
Universum"
(1924) sowie
"Paläontologie und das Auftreten des Menschen" zu nennen. Im
Jahr darauf reiste er mit Licent in die östliche Mongolei.
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Aus
den Reisebriefen 26.8.1923 (an Abbé
Breuil) |
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"Ich
arbeite meine "Messe sur les Choses" [später genannt
"La Messe sur le Monde"] nach und nach und
immer ein wenig besser aus, indem ich bete. Es will mir
scheinen, in einem gewissen Sinn sei die täglich zu
konsekrierende wirkliche Substanz das Wachstum der Welt am
heutigen Tag - wobei das Brot sehr gut das symbolisiert, was die
Schöpfung hervorbringt, und der Wein (das Blut) das, was sie
durch Erschöpfung und Leiden bei ihrer Anstrengung verlieren
läßt." |
Im
September 1924 trat Teilhard die Rückreise nach Paris an. Im Oktober
nahm er wieder seine Vorlesungen auf. Er interessierte sich immer wieder
für moderne Literatur, die er auch Studenten nahe brachte (z.B. André
Gide). Das Jahr 1925 brachte die Veröffentlichung »Die Hominisation.
Einführung zu einem wissenschaftlichen Studium des menschlichen
Phänomens«; eine Studie über die Erbsünde führte erneut zu
Schwierigkeiten mit den kirchlichen Oberen. 1926 reiste er aus diesem
Grund wieder nach China.
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Aus
einem Brief vom 11. Juni 1926 aus Tient-tsin |
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"Es
gibt wirklich einen musikalischen, christlichen Ton, der
die ganze Welt als einen unermeßlichen Gong im göttlichen
Christus schwingen läßt. Dieser Ton ist einzig und universell;
und in ihm allein besteht das Evangelium. Er allein ist wirklich
[glücklicherweise]. Und damit ist es unvermeidlich, daß die
Menschen bei dem Versuch, seine Wirklichkeit zu fixieren und zu
erfassen, ihn analysieren, soweit das Auge reicht [wie es die
Physiker mit den göttlichen Nuancen der Töne und Farben tun.]
Aus
"Briefe an eine Marxistin" S. 39
Mehr
zu Teilhard und die Künste ... |
Dort bereiste er 1927 mit Licent
Dalai-Nor; anschließend kehrte er im August für kurze Zeit nach Paris
zurück. 1928 lernte er Abessinien und Französisch-Somaliland kennen.
1929 erfolgte die Rückreise nach China.
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1929
lernte Teilhard die amerikanische Bildhauerin Lucile
Swan kennen, in der er ein Vierteljahrhundert
lang bis zu seinem Tode 1955 die Begegnung zwischen Gott und der
Erde suchte und erlebte, eine Begegnung, mal voll Gottseligkeit,
mal voll Erdenschwere, wie Karfreitag und Ostern. Günther
Schiwy hat die Geschichte dieser "heimliche
Liebe" in seinem Buch geschildert. |
Teilhard galt zu dieser Zeit
bereits als einer der führenden Geologen. In Peking übernahm er die
Oberaufsicht des National Geological Survey of China. Die Zusammenarbeit
mit amerikanischen und chinesischen Forschern war überaus erfolgreich:
Am 2. Dezember 1929 entdeckt W.C. Péi den ersten Schädel des fossilen
Pekingmenschen (Sinanthropus Pekinensis) in Chou Kou Tien. Die
Arbeitsgruppe um T. de C. erregte weltweites Aufsehen. 1930 unternahm er
eine Forschungsreise mit George Barbour, der dies in einem Buch später
dokumentierte: »Unterwegs mit Teilhard de Chardin« . Der Jesuit legte in diesen
Jahren zahlreiche Arbeiten über die Geologie und die Säugetierfauna
Chinas sowie den Sinanthropus vor. Unermüdlich bereitete er
Forschungsreisen vor, analysierte die Funde und referierte auf
Fachtagungen. Seine eigentliche schriftstellerische Leistung spiegelt
sich in der umfangreichen Korrespondenz, mit der Teilhard sich weltweit
Kontakte und Freundschaften erwarb. Teilhard war einer der seelsorglich
begabtesten Briefschriftsteller des 20. Jahrhunderts. Auch die besondere
Beziehung Teilhards zu Frauen hat ihren Niederschlag im Briefwechsel
gefunden. Unter Wahrung des Keuschheitsgelübdes gelang es Teilhard, die
Beziehung von Mann und Frau auf einer geistigen Ebene zu fassen und in
seine Sicht der Einheit der Welt einzubinden. 1931 hielt er sich ab
Januar in den Vereinigten Staaten auf, um die »Citroen - Haardt -
Expedition« vorzubereiten. Daneben entstand »Der Geist der Erde«. Von
Mai bis Februar 1932 beteiligte Teilhard sich dann an dieser »Gelben
Kreuzfahrt« ins westliche China.
1932
- 1946
Im September 1932 kehrte er für vier
Monate nach Frankreich zurück; dort hatte er Kontakt mit bedeutenden
wissenschaftlichen und religiösen Kreisen; in dieser Zeit verstarb der
Vater. Der Februar 1933 führte ihn zum fünften Mal nach China. Teilhard erarbeitete in dieser Phase die Schriften »Die Bedeutung und der
konstruktive Wert des Leidens«, »Das Christentum in der Welt«. 1934
wurde Teilhard Nachfolger seines verstorbenen Freundes Davidson Black
in der Leitung des Pekinger Instituts.

Peking,
Februar 1934
Mit Barbour erforschte er
Zentralchina. »Comme je crois« ist gleichfalls eine Frucht dieser
Zeit; Teilhards Ausgangspunkte sind der Weltstoff auf dem Niveau der
Reflexion und der Primat des christlichen Glaubens, an denen sich in
aufsteigender Linie die Akte des Glaubens an die Welt, an den Geist, an
Gott und Christus ordnen.
Der September 1935 sah T. de C. in Indien, wo
er mit Helmut de Terra zusammenarbeitete (vgl. dessen Buch »Mein Weg
mit Teilhard de Chardin«). Der Dezember führte ihn nach Java, dort besichtigt er
auf Einladung von Koenigswald Fundorte des Pithecanthropus. Im Jahr
darauf verstarben die Mutter und die Schwester Marguerite-Marie. Teilhard
lebte wieder in Peking und arbeitete am »Entwurf eines personalen
Universums« - die universale Konvergenz der Natur, der Geschichte und
des Christlichen wurde seitdem von Teilhard als in sich und
untereinander nach dem Gesetz der fortschreitenden Komplexität und
Zentrierung gedacht. 1937 reiste er in die USA, wo er einen Kongreß in
Philadelphia besuchte und mit der Gregor-Mendel-Medaille ausgezeichnet
wurde. Über Frankreich kehrte er nach China zurück. Im Dezember hielt
er sich mit de Terra in Birma auf. »Das geistige Phänomen« und »Die
menschliche Energie« entstanden in dieser Zeit. 1938 war er erneut mit
de Terra bei Koenigswald auf Java; im Juni 1938 begann er mit der Arbeit
an einem seiner Hauptwerke »Le phénomène humain«, die er im
September in den USA fortsetzte. Anfang August 1939 kehrte T. de C.
erneut nach Peking zurück, wo er bis 1946 blieb; der Weltkrieg
verhinderte weitere Forschungs- und Vortragsreisen. 1940-46 gründete
und leitete er dort mit P. Leroy ein Institut für Geobiologie (seit
1943 erschien die Zeitschrift »Geobiologia«). Im Juni 1940 war »Le phénomène
humain« fertiggestellt - trotz vieler Veränderungen durfte das Werk
selbst zehn Jahre später auf Anweisung des Vatikans nicht im Druck
erscheinen. Teilhard entwickelte in diesem Werk auf der Grundlage seiner
wissenschaftlichen Theorien eine Logik und Erkenntnistheorie, eine Phänomenologie
der inneren wie äußeren Erfahrungswelt unter Einschluß des Menschen,
eine eigenständige Dialektik des Seins und Tuns, und schließlich eine
Metaphysik als Theologie und Mystik der Einheit. Die zahlreichen paläontologischen
Arbeiten über Chou Kou Tien blieben unbeanstandet. Nach Fertigstellung
seines Hauptwerkes verfasste T. de C. weitere Abhandlungen wie z.B. »Der
Ort des Menschen im Universum«, »Gedanken über die Komplexität«, »Die
Zentrologie«, »Die menschliche Planetisation«.
1946
- 1955
1946 kehrte
Teilhard de Chardin
nach Paris zurück; er verschaffte sich Anschluß an das geistige Milieu
in Westeuropa (Marcel, Berdjajew, Mounier), besuchte Konferenzen und
erhoffte sich die Veröffentlichung seines Hauptwerkes.
Am 1. Juni
erlitt der unermüdlich Tätige einen Herzinfarkt; möglicherweise wurde
er durch die Androhung der Indizierung ausgelöst - Teilhard sollte
nichts Theologisches oder Philosophisches mehr veröffentlichen.
Anerkennung erhielt der Pater aber für seine geowissenschaftlichen
Leistungen. Am 25. Juni 1947 wurde er zum Offizier der Ehrenlegion
ernannt; drei Jahre später erfolgte die Bestellung zum
korrespondierenden Mitglied des Institut de France. In weiteren
Schriften rundete Teilhard seine Überlegungen vor allem durch die
Einbeziehung geschichtsphilosophischer Elemente ab: »Entwurf einer
Dialektik des Geistes« (1946), »Comme je vois« (1948), »Das Herz der
Materie« (1950). 1951 reiste er nach Südafrika, um den
Australopithecus zu erforschen. Er wurde zum zweiten Mal aus Frankreich
vom Orden verbannt. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Teilhard
in New York bei der Wenner Gren Foundation als Research Associate.
Nochmals reiste er 1953 nach Südafrika. Er verfasste weiterhin
Schriften, wie z.B. »Die Energie der Evolution«, »Der Stoff des
Universums«, »Die Aktivation der menschlichen Energie«. Einmal führte
ihn sein Weg nochmals 1954 nach Frankreich, wo er an einer Konferenz über
Afrika und den Ursprung des Menschen teilnahm. Ein letzter kurzer Besuch
in Sarcenat schloß diese Reise ab. Am 10. April 1955, auf Ostern, starb
Teilhard de Chardin in New York.
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Mathias
Trennert-Helwig: In: Vielfältige Wirkungen –
50 Jahre nach dem Tod von Pierre Teilhard de Chardin |
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Die
Beerdigung des „Sohnes der Erde“ (I.F. Görres) war denkbar
einsam: nach seinem Tod am Nachmittag des Ostersonntags in New
York feierten etwa 10 seiner Freunde am Osterdienstag ein
Requiem in St. Ignatius, dann begleitete P. Pierre Leroy und ein
weiterer Mitbruder den Verstorbenen zum Jesuitenfriedhof
St. Andrews–on-Hudson, etwa 160 km flußaufwärts. Wegen des
schlechten Wetters wurde der Sarg in der Friedhofskapelle
abgestellt – und später, so muss man vermuten, vom Totengräber
in die Erde gesenkt. |
Teilhard hat vor allem in den letzten Jahren
seines Lebens unter der zunehmenden Spannung mit Rom und dem Orden
gelitten. Dennoch lehnte er es entschieden ab, den Orden zu verlassen um
als Weltkleriker eine größere Freiheit bei Veröffentlichungen zu
besitzen. Teilhard bemühte sich immer wieder, seine Beziehung zur
Kirche zu vertiefen. Dieses Leben in innerer wie äußerer Verbannung,
zudem sich bisweilen willentlich verfremdend, ist nicht einfach
zugänglich.
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