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Richard Strauss

(1864-1949)

 

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Unsere Sache ist es, den Funken des Lichts festzuhalten, 
der aus dem Leben überall da hervorbricht, 
wo die Ewigkeit die Zeit berührt.

Friedrich Schiller

 

                                            
  
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Neues

Lisa della Casa

Lisa della Casa gestorben

Die große Strauss- und Mozartsängerin ist am 10. Dezember 2012 in Münsterlingen am Bodensee im Alter von 93 Jahren. gestorben. Hier die "Arabellissima" als Arabella.

 

Lisa Della Casa, Anneliese Rothenberger - 1963 Nationaltheater München

 

 

Befreit op. 39,4 (1957)

Text: Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)

Du wirst nicht weinen. Leise
Wirst du lächeln und wie zur Reise
Geb' ich dir Blick und Kuß zurück.
Unsre lieben vier Wände, du hast sie bereitet,
Ich habe sie dir zur Welt geweitet;
O Glück!

Dann wirst du heiß meine Hände fassen
Und wirst mir deine Seele lassen,
Läßt unsern Kindern mich zurück.
Du schenktest mir dein ganzes Leben,
Ich will es ihnen wieder geben;
O Glück!

Es wird sehr bald sein, wir wissen's beide,
Wir haben einander befreit vom Leide,
So gab' ich dich der Welt zurück!
Dann wirst du mir nur noch im Traum erscheinen
Und mich segnen und mit mir weinen;
O Glück!

 

 

Rosenkavalier

ELEKTRA

SALOME


______________________

Vier letzte Lieder
EINE ALPENSINFONIE
METAMORPHOSEN

Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, 
daß sie ein Argument darstellt und untermauert, 
das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil 
und Geschmack und Idiom -, 
über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten 
des Chronisten hinausgeht. 
Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, 
der seine eigene Zeit bereichert, 
indem er keiner angehört. 
Er ist äußerstes Argument, daß der Mensch 
seine eigene Synthese der Zeit schaffen kann, 
ohne durch die Zwänge zur Anpassung gefesselt zu sein, 
die sie ihm auferlegt.

Glenn Gould

ÜBER RICHARD STRAUSS

Vier letzte Lieder

 für Sopran und Orchester
nach Texten von Hermann Hesse (1877-1962)
und Joseph von Eichendorff (1788-1857)

 

Pierre Bonnard 1867 - 1947 

 
Frühling (Allegretto)
18.07.1948
In dämmrigen Grüften
träumte ich lang
von deinen Bäumen und blauen Lüften,
von deinem Duft und Vogelgesang.
Nun liegst du erschlossen
in Gleiß und Zier,
von Licht übergossen
wie ein Wunder vor mir.
Du kennest mich wieder,
du lockest mich zart,
es zittert durch all meine Glieder
deine selige Gegenwart!
 

September (Andante)

20.09.1948

Der Garten trauert,
kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.

Golden tropft Blatt um Blatt
nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
in den sterbenden Gartentraum.

Lange noch bei den Rosen
bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die (großen)
müdgewordnen Augen zu.

 

Beim Schlafengehen (Andante)

04.08.1948

Nun der Tag mich müd gemacht,
soll mein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.

Hände, laßt von allem Tun,
Stirn, vergiß du alles Denken,
alle meine Sinne nun
wollen sich in Schlummer senken.

Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.

 

Im Abendrot (Andante)


 Joseph von Eichendorff (1788-1857)

06.05.1948

Wir sind durch Not und Freude
gegangen Hand in Hand,
vom Wandern ruhen wir (beide)
nun überm stillen Land.

Rings sich die Täler neigen,
es dunkelt schon die Luft,
zwei Lerchen nur noch steigen
nachträumend in den Duft.

Tritt her, und laß sie schwirren,
bald ist es Schlafenszeit,
daß wir uns nicht verirren
in dieser Einsamkeit.

O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot,
wie sind wir wandermüde -
ist dies etwa der Tod?


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Bildnis von W. Damian, München 1945
in der Stadtbibliothek im Gasteig München










Aus dem Buch von Ernst Krause

" Richard Strauss - Gestalt und Werk"  (1956) - S. 464 ff. 

"
Diese Lieder, des Meisters Schwanengesang, sind erfüllt von dämmernder Abschiedsstimmung. Gesänge des sinkenden Lebens, gesungen voll Wehmut, doch voll Zuversicht auf das Kommende. Ihre Melodie ist nicht mehr gegenständlich, ist ganz fließendes Melisma und schwingt sich in "Freien Flügen" (Hesse) über alle stofflichen Bindungen. Die Krone der im Zeitmaß getragenen und meisterlich durchscheinend instrumentierten "Letzten Liedern" bildet das außerhalb der Gruppe komponierte "Im Abendrot" nach Eichendorffs Versen, das bei der Herausgabe ans Ende des Zyklus' gestellt wurde. Die ersten Skizzen dazu finden sich in einem Notenbüchlein von Ende 1946 oder Anfang 1947. "Wie sind wir wandermüde - Ist das etwa der Tod?", heißen die letzten Zeilen, und wie eine zarte Reminiszenz zieht im Horn das Hauptthema aus "Tod und Verklärung" vorüber. Dennoch ist es für Strauss bemerkenswert, daß er das Lied nicht in Schubertscher Schwermut ausklingen läßt, sondern nach der schicksalsschweren Frage nochmals das programmatische Lerchenmotiv anstimmt. Wie silbriger Glanz aus dem Tale des Todes tönt bis zuletzt der zart jubilierende Triller der Piccoloflöten, mit dem die beiden Vögel zuvor "nachträumend in den Duft" des Abendhimmels aufsteigen. Die anderen Gesänge sind nach Versen Hesses geschaffen, dessen stimmungsfeine Lyrik ein Verehrer des Dichters Strauss in die Hand gegeben hatte. "Frühling", das erste der Gruppe, ist ein "von Licht übergossenes" Bild heller Geistigkeit. ""Beim Schlafengehen" kleidet Empfindungen des Abschieds ("Nun der Tag mich müd gemacht") in eine sanft modulierende Melodielinie, die von der Solovioline an den Solosopran weitergegeben wird - das am stärksten inspirierte Stück der Folge. Das letzte, "September",  besingt in innig-hoffnungssuchendem Ton das Blühen des Gartens und das Vergehen der Natur. Es war wirklich September, als Strauss die Lied in Montreux abschloß - der gleiche Herbstmonat, in dem er eine Jahr später starb. Die letzten Worte dieses letzten Vermächtnisses lauten vieldeutig:

... sehnt sich nach Ruh,

Langsam tut er die großen,

Müdgewordenen Augen zu.

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Rosenkavalier

 Komödie für Musik in drei Aufzügen 
 von Hugo von Hofmannsthal


debauchieren : "verführen, ausschweifen"; 
einstmals vorzugsweise in der Militärsprache gebraucht 
mit der Bedeutung "zur Desertation verleiten".

Quiproquo/Qui-pro-quo: "Qui (einer) anstatt quo (eines anderen)", bedeutet also eine Personenverwechslung


Die    
  Zeit,    die ist ein sonderbar Ding.
Wenn man so hinlebt, ist die rein gar nichts.
Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie.
Sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen.
In den Gesichtern rieselt sie,
im Spiegel da rieselt sie,
in meinen Schläfen fließt sie.
Und zwischen mir und dir,
da fließt sie wieder. Lautlos, wie eine Sanduhr.
 
...  Manchmal hör' ich sie fließen,
unaufhaltsam. Manchmal steh' ich auf
mitten in der Nacht
und lass' die Uhren alle, alle stehn.
Allein, man muß sich auch nicht vor ihr fürchten.
Auch sie ist ein Geschöpf des Vaters,
der uns alle erschaffen hat.

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MIDEM Classical Awards 2006

Mariss Jansons wird Künstler des Jahres

 

 

ROSENKAVALIER - SUITE


Konzert am 20.10.2006 des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks im Herkulessaal mit Mariss Jansons

Harald Eggebrecht schreibt in der SZ, dass die Suite auch "Momente des Weichen, Poetischen, Charmanten" verlangt. "Hier erklang sie so direkt brillant und schmissig, als hieße der Komponist Dmitri Straussowitsch."





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"Du, du – was heißt das »du«? Was »du und ich«?
Hat denn das einen Sinn?
Das sind Wörter, bloße Wörter, nicht? Du sag'!
Aber dennoch: Es ist etwas in ihnen:
ein Schwindeln, ein Ziehen, ein Sehnen, ein Drängen!
Wie jetzt meine Hand zu deiner Hand kommt,
das Zudirwollen, das Dichumklammern,
das bin ich, das will zu dir,
aber das Ich vergeht in dem Du,"
ich bin dein Bub – aber wenn mir dann Hören und Sehen vergeht –


Schöner ist Juni, Juli, August.
Da hat's Nächte!
Da ist bei uns da droben so ein Zuzug
von jungen Mägden aus dem Böhmischen herüber:
Zur Ernte kommen sie und sind ansonsten anstellig und gut –
Ihrer zwei, dreie halt' ich oft
bis im November mir im Haus,
dann erst schick' ich sie heim.
Und wie sich das mischt,
das junge runde böhmische Völkel,
süß und schwer,
mit denen von uns, dem deutschen Schlag,
der scharf ist und herb wie ein Retzer Wein.
Wie sich das miteinander mischen tut!
Und überall steht was und lauert und rutscht durch den Gattern
und schlieft zueinander und liegt beieinander
und überall singt was
und schupft was die Hüften
und melkt was
und mäht was
und planscht und plätschert was im Bach und in der Pferdeschwemm.

Octavian zornig
Ich weiß nicht, wie alle Männer sind.
Sanft
Weiß nur, daß ich dich lieb hab',
Bichette, sie haben mir dich ausgetauscht.
Bichette, wo ist Sie denn?

Marschallin ruhig
Sie ist wohl da, Herr Schatz.

Octavian
Ja, ist Sie da? Dann will ich Sie halten
und Sie pressen, daß Sie mir nicht wieder entkommt!

Marschallin sich ihm entwindend
Oh sei Er gut, Quin-quin. Mir ist zu Mut,
daß ich die Schwäche von allem Zeitlichen recht spüren muß,
bis in mein Herz hinein:
wie man nichts halten soll,
wie man nichts packen kann,
wie alles zerlauft zwischen den Fingern,
alles sich auflöst, wonach wir greifen,
alles zergeht, wie Dunst und Traum.

Octavian
Wo Sie mich da hat,
wo ich meine Finger in Ihre Finger schlinge,
wo ich mit meinen Augen Ihre Augen suche,
gerade da ist Ihr so zu Mut?

Marschallin sehr ernst
Quin-quin, heut oder morgen geht Er hin
und gibt mich auf um einer andern willen,
Octavian will ihr den Mund zuhalten
die schöner oder jünger ist als ich.


wo ist dann dein Bub?

 



Musikalische Leitung
Leif Segerstam   
Nach einer Konzeption von
Jürgen Rose / Otto Schenk 


Die Feldmarschallin
Anja Harteros
Der Baron Ochs auf Lerchenau
Peter Rose 
Octavian
Ruxandra Donose 
Herr von Faninal
Martin Gantner   
Sophie
Lucy Crowe


 







 

 

 

 

SALOME IM GEHEGE



Salome von Richard Strauss
und ihre neue Schwester
"Das Gehege" von Wolfgang Rihm
an der Bayerischen Staatsoper München

Dirigent: Kent Nagano
Inszenierung: Hans Schavernoch
Bühne: William Friedkin

 mit der großartigen:
Angela Denoke als Salome

und Renate Behle als 'Die Frau'

GUSTAVE MOREAU
Salomé brandissant la tete de St Jean Baptiste

Sehnsucht, Stärke, Liebe treiben die Frau in ein Gehege. Dort hält sie Zwiesprache mit einem Adler.

Sie befreit den Vogel, um ihn zu töten. Absurd, paradox? Töten, was wir lieben? Befreien, um zu lieben – durch Liebe sich befreien? Kein Zweifel: Mit diesen Fragen ist die Frau im Gehege eine Schwester im Geiste der 100 Jahre früher entstandenen Salome. Das Gehege, ein gigantisches monomanisches Solo. . . .

Was Salome will, das bekommt sie auch. Bisher. Aufgewachsen am Hofe ihrer verkommenen Mutter Herodias und ihres charakterlich asozialen Stiefvaters Herodes. Verständlich bei diesem familiären background, dass sich Salome überhaupt nicht damit abfinden will, einmal etwas nicht zu bekommen: Den Kuss des Propheten Johannes, des Jochanaan! Diesen Gefangenen ihrer Eltern lässt Salomes Schönheit und Verführungskunst gleichgültig. Doch Salome setzt sich durch. Mit einem Striptease erpresst sie ihren Stiefvater, Jochanaan zu enthaupten, um dessen Mund doch küssen zu können. Den Kuss bezahlt sie zwar mit dem Leben. Doch: „Allein was tut‘s“. Sie hat geküsst! Pervers? Wahnsinnig? Oder nur konsequent und doch verständlich diese Frau?

 (Quelle: Bayerische Staatsoper)

 WEITERE  AUFFÜHRUNGEN DER SALOME IN DER STAATSOPER

1971      GÜNTHER RENNERT - RUDOLF HEINRICH  -  COLETTE LORAND

1987      AUGUST EVERDING  -  JÖRG ZIMMERMANN  - HILDEGARD BEHRENS

                            

  9.2.2007    Hildegard Behrens wurde 70 Jahre

Hildegard Behrens ist tot. Sie starb am Dienstag, 18. August 2009, in einem Krankenhaus in Tokio im Alter von 72 Jahren  an einem Aneurysma. Behrens war vor allem als Sängerin der dramatischen Sopranpartien in den Opern Richard Wagners und Richard Strauss' bekannt und trat an den bedeutenden Opernbühnen der Welt auf. Sie hatte sich anlässlich des Kusatsu Academy Music Festivals in Japan aufgehalten. Behrends habe sich plötzlich nicht wohl gefühlt. Sie starb in einer Klinik in Tokio.

 

Salome mit dem Haupt des Johannes von Lovis Corinth 

 

 

 

SALOME
BEI ODILON REDON  (1840 - 1916)




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ELEKTRA

mit Gabriele Schnaut als Elektra und Agnes Baltsa als Klytämnestra am 2.2.2008 im Nationaltheater München

Die Kraft und Gewalt dieser Musik, durchbrochen von Sehnsuchtsmotiven, kann ich immer wieder stark empfinden. Elektra wartet auf einen "Erlöser" (Orest), der Gewalt mit Gewalt sühnt.

Und Elektra sagt singend zu ihrer Schwester und den anderen:

"Schweig, und tanze. Alle müssen herbei!
Hier schließt euch an!
Ich trage die Last des Glücks, und tanze vor euch her.
Wer glücklich ist wie wir, dem ziemt nur eins: schweigen und tanzen."

Der Text von Hugo von Hofmannsthal hat sehr eindringliche Stellen. Gleich zu Beginn schreit Elektra zu ihrem toten Vater Agamemnon und ganz spontan hatte ich den Eindruck, es könnte auch der Schrei nach dem abwesenden Gott sein:

Wo bist du, Vater?
Hast du nicht die Kraft, dein Angesicht herauf zu mir zu schleppen?
...
So kommst du wieder, setzest Fuß vor Fuß
und stehst auf einmal da,
die beiden Augen weit offen,
und ein königlicher Reif von Purpur ist um deine Stirn,
der speist sich aus des Hauptes Wunde.
...
Dein Tag wird kommen!
Von den Sternen stürzt die Zeit herab,
so wird das Blut aus hundert Kehlen stürzen auf dein Grab!
...
Wenn alles dies vollbracht
und Purpurzelte aufgerichtet sind,
vom Dunst des Blutes, den die Sonne nach sich zieht,
dann tanzen wir,
...
und glücklich ist, wer Kinder hat,
die um sein hohes Grab
so königliche Siegestänze tanzen!

Titelblatt Klavierauszug von Lovis Corinth


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