Eine Seite von Theodor Frey

Historische Aufnahmen

Kirill Petrenko

Lisa della Casa Hildegard Behrens    

                                            
  
suche auf meinen seiten
    http://www.theodor-frey.de

 

Die Bilder werden durch anklicken vergrößert

räume &
zeiten

musik &
spiel

denker &gedanken

tun &
lassen

 

Frau ohne Schatten

Der Rosenkavalier

Elektra

Salome  

 

Arabella

   
     

Vier letzte Lieder

Alpensinfonie



Leben



   
Richard Strauss

 

"Musik ist eine erhabene Kunst! Nur unwillig dient sie dem Trug des Theaters.
Nicht Trug! Die Bühne enthüllt uns das Geheimnis der Wirklichkeit.
Wie in einem Zauberspiegel gewahren wir uns selbst.
Das Theater ist das ergreifende Sinnbild des Lebens." 

Capriccio -  IX. Szene





Historische Aufnahmen









FRAU OHNE SCHATTEN

Neuinszenierung des Werkes von Richard Strauss an der Bayerischen Staatsoper

50 Jahre nach der Wiedereröffnung am 21. November 1963

 

Kritiken

Herrscher über den Verzückungsapparat . . .  (NMZ)






TAM ZUR "FRAU OHNE SCHATTEN"










ARABELLA










Renée Fleming
mit Wolfgang Brendel als Mandryka 2001
an der Bayerischen Staatsoper in München

 

2014 mit Thomas Hampson
bei den Salzburger Osterfestspielen

 

Münchner Opernfestspiele 2015

Musikalische Leitung: Philippe Jordan
Inszenierung: Andreas Dresen

Doris Soffel, Anja Harteros, Hanna-Elisabeth Müller

 


 

 

 

 

Lisa della Casa

Lisa della Casa gestorben

Die große Strauss- und Mozartsängerin ist am 10. Dezember 2012 in Münsterlingen am Bodensee im Alter von 93 Jahren. gestorben. Hier die "Arabellissima" als Arabella.

 

Lisa Della Casa, Anneliese Rothenberger - 1963 Nationaltheater München

 

 

Befreit op. 39,4 (1957)

Text: Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)

Du wirst nicht weinen. Leise
Wirst du lächeln und wie zur Reise
Geb' ich dir Blick und Kuß zurück.
Unsre lieben vier Wände, du hast sie bereitet,
Ich habe sie dir zur Welt geweitet;
O Glück!

Dann wirst du heiß meine Hände fassen
Und wirst mir deine Seele lassen,
Läßt unsern Kindern mich zurück.
Du schenktest mir dein ganzes Leben,
Ich will es ihnen wieder geben;
O Glück!

Es wird sehr bald sein, wir wissen's beide,
Wir haben einander befreit vom Leide,
So gab' ich dich der Welt zurück!
Dann wirst du mir nur noch im Traum erscheinen
Und mich segnen und mit mir weinen;
O Glück!

   

 

 

 

 

 

Hildegard Behrens

                  

 

 

Hildegard Behrens ist tot. Sie starb am Dienstag, 18. August 2009, in einem Krankenhaus in Tokio im Alter von 72 Jahren  an einem Aneurysma. Behrens war vor allem als Sängerin der dramatischen Sopranpartien in den Opern Richard Wagners und Richard Strauss' bekannt und trat an den bedeutenden Opernbühnen der Welt auf. Sie hatte sich anlässlich des Kusatsu Academy Music Festivals in Japan aufgehalten. Behrends habe sich plötzlich nicht wohl gefühlt. Sie starb in einer Klinik in Tokio.

 

   

 

 

 

 

 

Das Große an der Musik von Richard Strauss ist, 
daß sie ein Argument darstellt und untermauert, 
das über alle Dogmen der Kunst - alle Fragen von Stil 
und Geschmack und Idiom -, 
über alle nichtigen, unfruchtbaren Voreingenommenheiten 
des Chronisten hinausgeht. 
Sie bietet uns das Beispiel eines Menschen, 
der seine eigene Zeit bereichert, 
indem er keiner angehört. 
Er ist äußerstes Argument, daß der Mensch 
seine eigene Synthese der Zeit schaffen kann, 
ohne durch die Zwänge zur Anpassung gefesselt zu sein, 
die sie ihm auferlegt.

Glenn Gould

ÜBER RICHARD STRAUSS . . .

theodor frey

seitenanfang

Vier letzte Lieder

für Sopran und Orchester
nach Texten von Hermann Hesse (1877-1962)

und Joseph von Eichendorff (1788-1857)

 

Pierre Bonnard 1867 - 1947 

 
Frühling (Allegretto)
18.07.1948
In dämmrigen Grüften
träumte ich lang
von deinen Bäumen und blauen Lüften,
von deinem Duft und Vogelgesang.
Nun liegst du erschlossen
in Gleiß und Zier,
von Licht übergossen
wie ein Wunder vor mir.
Du kennest mich wieder,
du lockest mich zart,
es zittert durch all meine Glieder
deine selige Gegenwart!
 

September (Andante)

20.09.1948

Der Garten trauert,
kühl sinkt in die Blumen der Regen.
Der Sommer schauert
still seinem Ende entgegen.

Golden tropft Blatt um Blatt
nieder vom hohen Akazienbaum.
Sommer lächelt erstaunt und matt
in den sterbenden Gartentraum.

Lange noch bei den Rosen
bleibt er stehen, sehnt sich nach Ruh.
Langsam tut er die (großen)
müdgewordnen Augen zu.

 

Beim Schlafengehen (Andante)

04.08.1948

Nun der Tag mich müd gemacht,
soll mein sehnliches Verlangen
freundlich die gestirnte Nacht
wie ein müdes Kind empfangen.

Hände, laßt von allem Tun,
Stirn, vergiß du alles Denken,
alle meine Sinne nun
wollen sich in Schlummer senken.

Und die Seele unbewacht
will in freien Flügen schweben,
um im Zauberkreis der Nacht
tief und tausendfach zu leben.

 

Im Abendrot (Andante)


 Joseph von Eichendorff (1788-1857)

06.05.1948

Wir sind durch Not und Freude
gegangen Hand in Hand,
vom Wandern ruhen wir (beide)
nun überm stillen Land.

Rings sich die Täler neigen,
es dunkelt schon die Luft,
zwei Lerchen nur noch steigen
nachträumend in den Duft.

Tritt her, und laß sie schwirren,
bald ist es Schlafenszeit,
daß wir uns nicht verirren
in dieser Einsamkeit.

O weiter, stiller Friede!
So tief im Abendrot,
wie sind wir wandermüde -
ist dies etwa der Tod?



theodor frey

seitenanfang





Rosenkavalier

 Komödie für Musik in drei Aufzügen 
 von Hugo von Hofmannsthal


debauchieren : "verführen, ausschweifen"; 
einstmals vorzugsweise in der Militärsprache gebraucht 
mit der Bedeutung "zur Desertation verleiten".

Quiproquo/Qui-pro-quo: "Qui (einer) anstatt quo (eines anderen)", bedeutet also eine Personenverwechslung


Die
  Zeit,    die ist ein sonderbar Ding.
Wenn man so hinlebt, ist die rein gar nichts.
Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie.
Sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen.
In den Gesichtern rieselt sie,
im Spiegel da rieselt sie,
in meinen Schläfen fließt sie.
Und zwischen mir und dir,
da fließt sie wieder. Lautlos, wie eine Sanduhr.
 
...  Manchmal hör' ich sie fließen,
unaufhaltsam. Manchmal steh' ich auf
mitten in der Nacht
und lass' die Uhren alle, alle stehn.
Allein, man muß sich auch nicht vor ihr fürchten.
Auch sie ist ein Geschöpf des Vaters,
der uns alle erschaffen hat.

 


 
 
 

 

ROSENKAVALIER - SUITE


Konzert am 20.10.2006 des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks im Herkulessaal mit Mariss Jansons

Harald Eggebrecht schreibt in der SZ, dass die Suite auch "Momente des Weichen, Poetischen, Charmanten" verlangt. "Hier erklang sie so direkt brillant und schmissig, als hieße der Komponist Dmitri Straussowitsch."

 

"Du, du – was heißt das »du«? Was »du und ich«?
Hat denn das einen Sinn?
Das sind Wörter, bloße Wörter, nicht? Du sag'!
Aber dennoch: Es ist etwas in ihnen:
ein Schwindeln, ein Ziehen, ein Sehnen, ein Drängen!
Wie jetzt meine Hand zu deiner Hand kommt,
das Zudirwollen, das Dichumklammern,

das bin ich, das will zu dir,
aber das Ich vergeht in dem Du,"
ich bin dein Bub – aber wenn mir dann Hören und Sehen vergeht –


Schöner ist Juni, Juli, August.
Da hat's Nächte!
Da ist bei uns da droben so ein Zuzug
von jungen Mägden aus dem Böhmischen herüber:
Zur Ernte kommen sie und sind ansonsten anstellig und gut –
Ihrer zwei, dreie halt' ich oft
bis im November mir im Haus,
dann erst schick' ich sie heim.
Und wie sich das mischt,
das junge runde böhmische Völkel,
süß und schwer,
mit denen von uns, dem deutschen Schlag,
der scharf ist und herb wie ein Retzer Wein.
Wie sich das miteinander mischen tut!
Und überall steht was und lauert und rutscht durch den Gattern
und schlieft zueinander und liegt beieinander
und überall singt was
und schupft was die Hüften
und melkt was
und mäht was
und planscht und plätschert was im Bach und in der Pferdeschwemm.


Octavian zornig
Ich weiß nicht, wie alle Männer sind.
Sanft
Weiß nur, daß ich dich lieb hab',
Bichette, sie haben mir dich ausgetauscht.
Bichette, wo ist Sie denn?

Marschallin ruhig
Sie ist wohl da, Herr Schatz.

Octavian
Ja, ist Sie da? Dann will ich Sie halten
und Sie pressen, daß Sie mir nicht wieder entkommt!

Marschallin sich ihm entwindend
Oh sei Er gut, Quin-quin. Mir ist zu Mut,
daß ich die Schwäche von allem Zeitlichen recht spüren muß,
bis in mein Herz hinein:
wie man nichts halten soll,
wie man nichts packen kann,
wie alles zerlauft zwischen den Fingern,
alles sich auflöst, wonach wir greifen,
alles zergeht, wie Dunst und Traum.

Octavian
Wo Sie mich da hat,
wo ich meine Finger in Ihre Finger schlinge,
wo ich mit meinen Augen Ihre Augen suche,
gerade da ist Ihr so zu Mut?

Marschallin sehr ernst
Quin-quin, heut oder morgen geht Er hin
und gibt mich auf um einer andern willen,
Octavian will ihr den Mund zuhalten
die schöner oder jünger ist als ich.


wo ist dann dein Bub?

 



Musikalische Leitung
Leif Segerstam   
Nach einer Konzeption von
Jürgen Rose / Otto Schenk 


Die Feldmarschallin
Anja Harteros
Der Baron Ochs auf Lerchenau
Peter Rose 
Octavian
Ruxandra Donose 
Herr von Faninal
Martin Gantner   
Sophie
Lucy Crowe


 




 

theodor frey

seitenanfang




 

 

 

 

SALOME IM GEHEGE



Salome von Richard Strauss
und ihre neue Schwester
"Das Gehege" von Wolfgang Rihm
an der Bayerischen Staatsoper München

Dirigent: Kent Nagano
Inszenierung: Hans Schavernoch
Bühne: William Friedkin

 mit der großartigen:
Angela Denoke als Salome

und Renate Behle als 'Die Frau'

GUSTAVE MOREAU
Salomé brandissant la tete de St Jean Baptiste

Sehnsucht, Stärke, Liebe treiben die Frau in ein Gehege. Dort hält sie Zwiesprache mit einem Adler.

Sie befreit den Vogel, um ihn zu töten. Absurd, paradox? Töten, was wir lieben? Befreien, um zu lieben – durch Liebe sich befreien? Kein Zweifel: Mit diesen Fragen ist die Frau im Gehege eine Schwester im Geiste der 100 Jahre früher entstandenen Salome. Das Gehege, ein gigantisches monomanisches Solo. . . .

Was Salome will, das bekommt sie auch. Bisher. Aufgewachsen am Hofe ihrer verkommenen Mutter Herodias und ihres charakterlich asozialen Stiefvaters Herodes. Verständlich bei diesem familiären background, dass sich Salome überhaupt nicht damit abfinden will, einmal etwas nicht zu bekommen: Den Kuss des Propheten Johannes, des Jochanaan! Diesen Gefangenen ihrer Eltern lässt Salomes Schönheit und Verführungskunst gleichgültig. Doch Salome setzt sich durch. Mit einem Striptease erpresst sie ihren Stiefvater, Jochanaan zu enthaupten, um dessen Mund doch küssen zu können. Den Kuss bezahlt sie zwar mit dem Leben. Doch: „Allein was tut‘s“. Sie hat geküsst! Pervers? Wahnsinnig? Oder nur konsequent und doch verständlich diese Frau?

 (Quelle: Bayerische Staatsoper)

 WEITERE  AUFFÜHRUNGEN DER SALOME IN DER STAATSOPER

1971      GÜNTHER RENNERT - RUDOLF HEINRICH  -  COLETTE LORAND

1987      AUGUST EVERDING  -  JÖRG ZIMMERMANN  - HILDEGARD BEHRENS

                            

 


Salome mit dem Haupt des Johannes von Lovis Corinth
 


 

 

 

SALOME
BEI ODILON REDON  (1840 - 1916)




zum Seitenanfang zurüc
k



 

 

theodor frey

seitenanfang

 

 



 

ELEKTRA

mit Gabriele Schnaut als Elektra und Agnes Baltsa als Klytämnestra am 2.2.2008 im Nationaltheater München

Die Kraft und Gewalt dieser Musik, durchbrochen von Sehnsuchtsmotiven,

kann ich immer wieder stark empfinden. Elektra wartet auf einen "Erlöser" (Orest),
der Gewalt mit Gewalt sühnt.

Und Elektra sagt singend zu ihrer Schwester und den anderen:

"Schweig, und tanze. Alle müssen herbei!
Hier schließt euch an!
Ich trage die Last des Glücks, und tanze vor euch her.
Wer glücklich ist wie wir, dem ziemt nur eins: schweigen und tanzen."

Der Text von Hugo von Hofmannsthal hat sehr eindringliche Stellen.

 

Gleich zu Beginn schreit Elektra zu ihrem toten Vater Agamemnon und ganz
spontan hatte ich den Eindruck,

es könnte auch der Schrei nach dem abwesenden Gott sein:


Wo bist du, Vater?
Hast du nicht die Kraft, dein Angesicht herauf zu mir zu schleppen?
...
So kommst du wieder, setzest Fuß vor Fuß
und stehst auf einmal da,
die beiden Augen weit offen,
und ein königlicher Reif von Purpur ist um deine Stirn,
der speist sich aus des Hauptes Wunde.
...
Dein Tag wird kommen!
Von den Sternen stürzt die Zeit herab,
so wird das Blut aus hundert Kehlen stürzen auf dein Grab!
...
Wenn alles dies vollbracht
und Purpurzelte aufgerichtet sind,
vom Dunst des Blutes, den die Sonne nach sich zieht,
dann tanzen wir,
...
und glücklich ist, wer Kinder hat,
die um sein hohes Grab
so königliche Siegestänze tanzen!


Titelblatt Klavierauszug von Lovis Corinth

 

 

 

ALPENSINFONIE

 

 

 



Alpen des Münchner Malers Rudolf Reschreiter (1867-1938)

„Ich hab' einmal komponieren wollen, wie die Kuh, die Milch gibt."


Ernst Kraus  - Richard Strauss - Gestalt und Werk - 1954 S. 267 ff.

... unbegreiflich scheint die unmittelbare Nachbarschaft der romantisch-mystischen „Frau ohne Schatten" und der verinnerlichten „Deutschen Motette", die den Komponisten gleichzeitig mit seinem Alpenpoem beschäftigten. Nie wieder haben sich bei Strauss die Stile so überschnitten wie in diesen Schaffensjahren. Nie wieder hat sich sein Streben so klar ausgedrückt: eine Synthese zu finden zwischen einer psychologischen, deskriptiven und einer aus sich gestalteten, klassisch einfachen Musik. Strauss überraschte seine Freunde dadurch, daß er das den Schönheiten des Lebens zugewandte einstündige Werk nach jahrelangem „Anmarsch" in einer Schaffenspause zwischen dem zweiten und dritten Akt der „Frau ohne Schatten" im Winter 1914/15 in genau hundert Tagen instrumentierte.

Wie die erste Tondichtung, „Aus Italien", von den Naturerlebnissen des Südens ausging, so schöpfte der fünfzigjährige Meister seine Bilder und Stimmungen aus der geliebten Bergwelt der oberbayerischen Heimat. Große alpine Touren waren nicht nötig: von den Fenstern seines Garmischer Landhauses hatte er den schönsten Blick auf die Zugspitze und das gewaltige Wettersteingebirge. Kein musikalisches Werk Beethovenscher Naturempfindung (jeder Vergleich mit der „Pastorale" ist völlig abwegig) schwebte Strauss hier vor, sondern ein durch Naturerscheinungen und Naturerlebnisse imponierendes Alpen-Panorama. . . . Strauss hält sich bei seiner musikalischen Bergtour fast ausschließlich an sichtbare stoffliche Tatsachen. Alles seelisch Reflektierende drückt sich nur in der kurzen Episode der „Elegie" aus, die den Wanderer die Rätsel der Natur immerhin ahnen läßt. Sonst aber liegt das Charakteristische dieser lebensvollen, melodienreichen Musik eindeutig in ihrer betörenden farbigen Außenwirkung. Was zu einer Bergbesteigung gehört, ist in der völlig unliterarischen Musikreportage vorhanden - obwohl der Tondichter Strauss früher sicher weit höhere Gipfel angestrebt hat. Auffallend der Verzicht auf jedes erotische Moment. Der Wanderer bleibt mit der Natur allein. Er flüchtet in die Einsamkeit.

Naturschilderung? Dies schrieb der Maler Renoir: „Wie schwer ist es, den richtigen Augenblick nicht zu versäumen, wo man bei einem Bild mit der Naturnachahmung aufhören muß. Die Malerei darf nicht nach dem Modell riechen, und doch muß man die Natur durchfühlen." Der Musiker Strauss hat über solche ästhetischen Fragen unbekümmert hinwegmusiziert. Im Bestreben, die Natur möglich genau „abzumalen", ist er ins Naturalistische abgeglitten - die tönende Alpenkulisse „riecht" wirklich nach dem „Modell' Nicht nur, wenn Strauss zur Illustrierung der Naturvorgänge Herdengeläut, Wind- und Donnormaschine (allein auf die Regenmaschine muß der sensationslüsterne Hörer verzichten) aufbietet, auch bei der sonstigen musikalischen Bildberichterstattung fehlt kein Detail rein freskenhafter Zustandsschilderung. Strauss trägt diesmal keinerlei Scheu mehr, erklärende Worte der Partitur einzufügen. Mit den geheimnisvollen Schauern der „Nacht" hebt das Werk an: in feierlichen Akkorden löst sich das blechgepanzerte Bergmotiv. In strahlendem A-dur wird der„ Sonnenaufgang" in Szene gesetzt; der Tag bricht an. Nach kurzem Marsch durch die Ebene beginnt der „Anstieg". Jagdhörner erklingen von fern - der Wanderer tritt mit Hörnern und Posaunen in den Wald ein. Die „Wanderung neben dem Bach" führt zum „Wasserfall", bei dem es in den Springbogen der Geigen, der Harfen und der Celesta rauscht und glitzert. Über „Blumige Wiesen" schreitet der Bergfreund weiter zur „Alm". „Durch Dickicht und Gestrüpp" geht der Anstieg im Fugato weiter, bis er „Auf dem Gletscher" anlangt. (Meisterlich das Flimmern des Firns der in die höchsten Lagen geführten Trompeten.) „Gefahrvolle Augenblicke" sind zu bestehen. Endlich aber ist der „Gipfel" erreicht: eine stockende Oboenmelodie drückt die Beklemmung in der Brust des Wanderers aus. Das Erlebnis verdichtet sich zur „Vision" angesichts der einsam-erhabenen Natur. „Nebel steigen auf" (versinnbildlicht durch das Heckelphon [Das Heckelphon ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und kugelartigem Schallstück. Es ist eine Weiterentwicklung der Bassettoboe]). „Die Sonne verfinstert sich allmählich" bei mildem Orgelklang; die Altoboe stimmt ihre „Elegie" an. Stille herrscht ringsum: die „Stille vor dem Sturm". Unerwartet rasch erreichen „Gewitter und Sturm" (ein tumultarisches Orchesterunwetter) den Wanderer bei seinem „Abstieg". Wieder führt der Weg am Wasserfall vorüber; aber kein Aufenthalt wird genommen. Schließlich „Sonnenuntergang" in üppiger Tonmalerei, andachtvoller „Ausklang" und wieder „Nacht" mit der absteigenden b-moll-Skala: Ruhe nach Gefahr und Anstrengung. Der Ring ist geschlossen.

...  Ein technisches Wunderwerk: formal in seiner Einsätzigkeit, die aber alle Keime der vier Sätze einer richtigen Sinfonie (mit eingewobenen Variationen) in sich birgt, klanglich in seiner kaum zu überbietenden Virtuosität der Beherrschung des Kolorits. Farbengluten und Transparenz einer wahrhaft vitalen Klangphantasie geben dem von Haus aus flachen Sujet Licht und Schatten. . . .Kann man daran zweifeln, daß Strauss bei seiner Naturidylle (wie viel naturhafter ist die „Daphne"- Musik!) bewußt die Einfalt suchte? An zahllosen Beispielen zeigte er die naiv. freudige Melodie im blanken Kleide des üppigen Streicher-Wohlklangs: eingängig und unkompliziert. Vor der Berliner Premiere drückte er es so aus: „Ich hab' einmal komponieren wollen, wie die Kuh, die Milch gibt."


 

 

 

 

 

theodor frey

seitenanfang

 

 

 

LEBEN

 





RICHARD STRAUSS



Bildnis von W. Damian, München 1945
in der Stadtbibliothek im Gasteig München























1947







Aus dem Buch von Ernst Krause

" Richard Strauss - Gestalt und Werk"  (1956) - S. 464 ff. 

"
Diese Lieder, des Meisters Schwanengesang, sind erfüllt von dämmernder Abschiedsstimmung. Gesänge des sinkenden Lebens, gesungen voll Wehmut, doch voll Zuversicht auf das Kommende. Ihre Melodie ist nicht mehr gegenständlich, ist ganz fließendes Melisma und schwingt sich in "Freien Flügen" (Hesse) über alle stofflichen Bindungen. Die Krone der im Zeitmaß getragenen und meisterlich durchscheinend instrumentierten "Letzten Liedern" bildet das außerhalb der Gruppe komponierte "Im Abendrot" nach Eichendorffs Versen, das bei der Herausgabe ans Ende des Zyklus' gestellt wurde. Die ersten Skizzen dazu finden sich in einem Notenbüchlein von Ende 1946 oder Anfang 1947. "Wie sind wir wandermüde - Ist das etwa der Tod?", heißen die letzten Zeilen, und wie eine zarte Reminiszenz zieht im Horn das Hauptthema aus "Tod und Verklärung" vorüber. Dennoch ist es für Strauss bemerkenswert, daß er das Lied nicht in Schubertscher Schwermut ausklingen läßt, sondern nach der schicksalsschweren Frage nochmals das programmatische Lerchenmotiv anstimmt. Wie silbriger Glanz aus dem Tale des Todes tönt bis zuletzt der zart jubilierende Triller der Piccoloflöten, mit dem die beiden Vögel zuvor "nachträumend in den Duft" des Abendhimmels aufsteigen. Die anderen Gesänge sind nach Versen Hesses geschaffen, dessen stimmungsfeine Lyrik ein Verehrer des Dichters Strauss in die Hand gegeben hatte. "Frühling", das erste der Gruppe, ist ein "von Licht übergossenes" Bild heller Geistigkeit. ""Beim Schlafengehen" kleidet Empfindungen des Abschieds ("Nun der Tag mich müd gemacht") in eine sanft modulierende Melodielinie, die von der Solovioline an den Solosopran weitergegeben wird - das am stärksten inspirierte Stück der Folge. Das letzte, "September",  besingt in innig-hoffnungssuchendem Ton das Blühen des Gartens und das Vergehen der Natur. Es war wirklich September, als Strauss die Lied in Montreux abschloß - der gleiche Herbstmonat, in dem er eine Jahr später starb. Die letzten Worte dieses letzten Vermächtnisses lauten vieldeutig:

... sehnt sich nach Ruh,

Langsam tut er die großen,

Müdgewordenen Augen zu.

 


 

 

1843

Berlioz verfasst seine Instrumentationslehre.

1904

Richard Strauss ergänzt, aktualisiert und revidiert das Werk von Berlioz.  



 

 

 

 


theodor frey

seitenanfang

 




Bin gespannt wie an dieser Stelle an ihn zukünftig erinnert werden wird.







So sah seine Geburtsstätte am 4. April 2014 aus, allerdings ohne das einmontierte Foto!







 

theodor frey

seitenanfang