AM HAUPTEINGANGSTOR
IM SÜDWESTEN

Wie sollte es anders sein, die Zahl 3 , die Zahl der Bewegung, ist die Grundlage der Gestalt: dreieckiger Grundriss, 3 Türme, 3 Altäre, 3 Orgel, 3 Marmorportale.  Die Dreiheiten sind nicht isoliert, sondern gebunden in der horizontalen und vertikalen Gestalt der Einheit. Aber diese Dreifaltigkeit ist kaum in dieser Einheit zu fassen, nicht leicht zu erschauen. Im näheren Umfeld sind immer nur zwei Eingänge, nur zwei Türme zu sehen.  Vom Stift Lambach aus, ist die Gesamtgestalt gut zu erkennen.
Nach außen drei, nach innen eins, lautet das theologische Grundprinzip des gesamten Kirchenbaus. Durch den äußeren Dreiecksgrundriss ergeben sich drei gleiche Schauseiten mit drei reich gegliederten Fassaden. In deren Scheiteln erheben sich die drei Türme; sie flankieren den Zentralbau, der durch eine halbförmige Kuppel nach oben abgeschlossen ist. Die
Kuppel wird bekrönt von einer dreiseitigen Laterne, auf der sich eine dreieckige Pyramide mit dem Auge Gottes erhebt.

 















In den Tagebüchern des Abtes Maximilian Pagl von Lambach (1705-1725) findet sich "über Seiten hinweg der Alltag eines Barockprälaten: Reisen, Besuche, Geschäfte, Wetternotizen und Ökonomika, dazwischen Unterhandlungen mit Künstlern und Kunsthandwerkern oder die üblichen Haupt- und Staatsaktionen. Dass Abt Maximilian Pagl auch ein großer Beter war, ein Mann der durchwachten Nächte, ein Asket mit Geißel und Bußgürtel in der Prunkschatulle - das erfahren wir erst aus der Trauerrede auf den Dahingegangenen. Von seinem Grübeln, Sinne, Meditieren über das Geheimnis der Trinität, von seinem kindlichen Dank und seiner überschwänglichen Verehrung für den dreieinigen Gott aber erzählt uns keine einzige geschriebene oder gedruckte Zeile, sondern nur ein großes erschütterndes Werk barocker Kunst: die Dreifaltigkeitskirche von Paura bei Lambach, deren Bau und Zier ihn bis zum letzten Atemzug beschäftigt hat."

Benno Hubenstein - Vom Geist des Barock - S. 23