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Vom Finden
Die Sechs
Im Du erfahre ich, daß mich das Sein angeht, daß es sich an mich richtet, daß ich verletzbar und beglückbar bin.
Das Du schenkt sich, gibt sich hin, berührt und durchdringt damit auch meine Seiten des Ichs. Im Du werde ich angesprochen, wird die Dreiheit meines Ichs Sechsfach durchbrochen.
Die Beziehungen von Ich und Du verdoppeln die Dreiheit
Die Farben, die Töne des Ichs mischen und verbinden sich, das Klangbild des Lebens entsteht. Die Symphonie erklingt im miteinander. Violett, in dem sich Blau und Rot durchdringen, gibt dem Empfinden ein Wollen, damit daraus die Tat entsteht, wie auch aus dem Tun das Empfinden immer wieder neue Anstöße erfährt.
Grün blüht auf aus dem Blau des Empfindens und wird zusammen mit dem Gelb des lichten Denkens zur Hoffung, daß sich Sinn zeigen kann in immer neuem Werden.
Verschränken sich Tun und Lassen mit dem in erfüllter Leere sich selbst vergessenden Denkens, wird Orange, die Symbolfarbe, die auszudrücken vermag, wie eng Körper und Geist aufeinander angewiesen sind.
Die verdoppelte Dreiheit, sie bindet die Seiten des Ichs enger aneinander und näher zur Mitte hin. In ihrer Farbigkeit erscheint die Sehnsucht nach der heilenden Einheit von Körper, Seele und Geist.
In diesem Miteinander kann das Ich den Weg finden, der den Verlust der Einheit für Augenblicke in Lust vergessen macht. So wird in der Vereinigung von Ich und Du das Werden im Sein bezeugt, und in der Verschmelzung von Ich und Du neues Leben, neues Werden gezeugt.
Im anderen Ich begegne ich mir selbst, im Du erfahre Ich das Andere, wie auch das mir Gleiche. Erst in dieser unablässigen Erfahrung der Begegnung wird der Mensch zum Individuum und die Menschen zur Gattung.
Erst im Du finde ich mich, erhalte ich durch den Ruf des Du meinen Namen.
Finde ich mich im Du, entsteht eine Gestalt, die mehr ist als nur die Zuordnung der Elemente. Vom Du her wird mir der Sinn im Dasein eröffnet. Im sechseckigen Stern blinkt das Licht des Ursprungs.
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Zu den mitreißensten Kapiteln zählt die liebestrunkene Epoche mit Alma Mahler. Auch die letzten Spuren Wiener Jugendstils wurden nun weggefegt. Porträt, Allegorie, Landschaft - alles verband sich mit einem Schlage zu neuer dramatischer Wucht, als 1912 die Witwe von Gustav Mahler in Kokoschkas Leben trat und eine ungleiche, fast bis zur Selbstzerstörung gehende Leidenschaft begann. Mit dem dräuenden Liebesschwur der "Windsbraut" schuf Kokoschka ein Bild von Shakespearscher Tonlage: im tosendem Dunkel des Lebenssturms treiben die nackt Umschlungenen dahin. Wünsche, Prophezeiungen und Ahnungen malte Kokoschka seiner Geliebten auf Fächer. Von unerschöpflicher Zärtlichkeit sind die Briefe an die kühle Witwe, der die Wiener Gesellschaft letztlich wichtiger war als die heftige Leidenschaft des genialen Außenseiters. Die Anreden an Alm überstürzen sich: Mein liebes Almi! Meine über alles geliebte süße Alma! Mein süßes, kleines Mädchen Almili! Mein Almi, Du süßer kleiner Kerl! Meine wunderbare Geliebte! Der Verbindung mit Alma Mahler entsprang ein Kind, das Alma aber abtreiben ließ. Von der im Sanatorium Genesenden nahm Kokoschka einen Wattebausch voll Blut und trug diesen bis zuletzt bei sich: "Dies ist mein einziges Kind!" |
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"Phantasien der Wiederholung"
"Ich glaube jetzt zu wissen: Es gibt zum einen das schweigende, das ruhige Ich, und zum zweiten das auf dieses einredende, andere 'Ich': dieses schmeichelt jenem, lobt es, verhimmelt es, und verteufelt es dann, immerzu sprechend, ausdrückend, meinend, urteilend, einordnend, vergleichend, sich selber kommentierend - immer jedenfalls (das merk dir) dabei, das stille, das ruhige Ich zu verderben. Dieses Gerede-Ich, mit nichts beschäftigt als das ruhige Ich anzureden, sieht keinen Baum, hört kein Rauschen, spürt keine Wurzel unter den Füßen - es redet nur immer, zwischenträgerisch, verderblich (wie Goethes 'Mittler'), während das ruhige Ich, wenn es endlich einmal das mephistophelische (eigentlich ist das andere Ich nicht das mephistophelische, sondern das törichte). - Und
dann gibt es eines, das die beiden gegensätzlichen Ich umschließt und
die Gegensätze im guten aufhebt: das innehaltende, verlangsamende,
phantasierende, ausdrückliche Denken: dieses ist dann meine strahlende
Rüstung; oder: das phantasierende (umphantasierende) Ich ist mein
Schreiber." |