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Seiten von Theodor Frey |
über Gott - Welt - Mensch |
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experimente zur gestaltwerdung |
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geboren am 25.9.1906 (12.9. alte Zeitrechnung) in St. Petersburg - gestorben am 9.8.1975 in Moskau |
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Dimitri Schostakowitsch ist ein symphonischer Philosoph, und seine Musik ist eine Lebenserzählung, ein Lebensdrama aus der inneren Welt. Früher war es schwerer das Drama, die Depression, die inneren Erlebnisse in dieser Musik zu erfühlen. Aber die Welt ist schwieriger geworden - und Schostakowitsch damit spannender. (Mariss Jansons im Interview mit Wolfgang Schreiber SZ 6.9.2006) |
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Weiteres
Interessantes über Schostakowitsch auf den Seiten von Karlheinz
Schiedel . . . Dmitris Tanz auf dem Vulkan . . . Was
ein neuentdecktes Schostakowitsch-Fragment mit dem Scheitern
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| WERKE | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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ZUM
GESAMTEN WERKVERZEICHNIS IM:
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Mariss Jansons I über die Kunst und Schostakowitsch Mstislav Rostropowitsch I über Prokofjew und Schostakowitsch
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DVD
Video: |
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Plakat von Mendell &Oberer |
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UND UNTER HUNDERT MASKEN LÄCHELT ER - DER TOD |
Wjatscheslaw Iwanow 1906 |
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Orchestersuite aus der Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ Zusammengestellt von James Conlon 1. Adagio („Im Hof der Ismailows“) 2. Largo 3. Allegro con brio („Gefährliche Spannung“) 4. Allegro 5. Allegro molto („Katerina und Sergej I“) 6. Adagio 7. Passacaglia 8. Andante („Katerina und Sergej II“) 9. Allegro („Der Trunkenbold“) 10. Allegretto 11. Presto („Anrücken der Polizei“) 12. Adagio („In der Verbannung“)
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g-Moll op.103 (1957) |
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1957 schloss Schostakowitsch die Arbeit an seiner 11. Symphonie ab. er widmete sie dem 40. Jahrestag des Roten Oktober. Ihre Erstaufführung fand in Moskau am Vorabend des Feiertages statt - am 30. Oktober 1957. Sie wurde der Anfang seiner musikalischen Chronik, die der historischen Vergangenheit Rußlands gewidmet ist. Indem er die grandiosen Ereignisse der ersten russischen Revolution wieder heraufbeschwört... Er träumte davon, in der Musik das erhabene, einfache, das gewichtige und sichtbare Bild der russischen Geschichte wiederzugeben.... Er ließ das revolutionäre Lied wiedererstehen, und zwar als direktes Zitat, als Losung und als Appell an das Gedächtnis des Volkes. - und vernahm es in der Geschichte. Aus: N. W. Lukjanowa: Schostakowitsch Die vier Sätze: Der Schloßplatz Der 9. Januar Ewiges Gedenken Die Sturmglocke Was war 1905? In Petersburg schießt am 9.(22.) 1. 1905, dem "Blutigen Sonntag" das Militär einen Petitionszug des Priesters Gapon zum Zaren (Nikolaus II.) zusammen; daraufhin kam es zu Streiks und Revolten in ganz Rußland, Meuterei in Odessa (Panzerkreuzer "Potemkin") und der Garnison in Kronstadt. Die Bolschewiki (Mehrheitler unter Lenin , der die Diktatur des Proletariats durch eine Elite Partei auch für das agrarische Rußland fordert) beschließen in London den bewaffneten Umsturz, die Bildung von Arbeiterräten (Sowjets) u.a. durch Lenin und Trotzki. Der Zar verspricht im August 1905 eine DUMA (Parlament) und erläßt im Oktobermanifest eine von Witte ausgearbeitete Verfassung. Generalstreik und Dezemberaufstand in Moskau werden militärisch gebrochen. Reaktion und Polizei gewinnen in der Ära der Scheinkonstitution unter Stolypin wieder die Oberhand .
"Die zitternd uns ins Taumeln geratene aristokratische - kapitalistische Gesellschaft rettete sich in wirtschaftliche Überkonzentration, die durch die Staatsautorität getragen wurde, und in 'neoslawitische' Erregung, die in einer aggressiven Außenpolitik Entladung suchte. Weil Zar Nikolaus II. schwach war, drängten sich die Großfürsten in den Vordergrund. Die unglückliche Zarin Alexandra war als geborene Deutsche allen verdächtig, die Bluterkrankheit des Thronfolgers machte sie abhängig vom Wundermann Rasputin, dessen magische Kräfte alles zu faszinieren wußten, was er berührte. Es gab keinen Willen, der diese von Zersetzung ergriffene russische Welt der Ämter und der Gesellschaft noch einmal hätte zusammenzwingen können. Die stärkste Energie saß auf der anderen Seite - in dem Führer der Bolschewisten, in Lenin. Auch die Literatur half allen revolutionären Kräften - sie predigte das Antispießertum, den ästhetischen Anarchismus, das Evangelium des Fleisches, die Mission der Allerärmsten, des Lumpenproletariats, wie es Maxim Gorki unternahm - endlich die Flucht in die Religion, die Verwirklichung der urchristlichen Lebensauffassung. Dies war das letzte Wort des großen Grafen Leo Tolstoi. Folgerichtig, erfüllt von der Wonne grausamer, ins Ohr der Menschheit geschriener Wahrheit - so schleuderte er der gesamten geschichtlich gewordenen Welt die Absage entgegen. Er lehnte diesen... Staat ab, er forderte die Jünger auf, keinen Militärdienst zu tun, keinen Eid zu leisten, keinen Pfennig Steuer zu zahlen. Nur ein Positives konnte es noch geben - die Arbeit kleiner kommunistisch organisierter Zellen auf dem Boden und für den Boden. Der Ekel vor der russischen Wirklichkeit war der stärkste Revolutionsantrieb. Wenn der alte Tolstoi schließlich Haus und Hof verließ, zerfallen mit allem, was ihn an sein bisheriges Leben band, so kündigte sich darin erschütternd das kommende Schicksal Rußlands an - Entwicklung und Versöhnung gab es hier nicht mehr, es gab nur den Neuaufbau nach den Glaubenssätzen einer neuen Wert. Der greise Tolstoi konnte dem alten Rußland den Tod des König Lear vorsterben. Sein Geist aber verkündigte eine unsterbliche Zukunft des neuen Rußland." Aus der Weltgeschichte von Veit Valentin |
Die
Werke des russischen Komponisten Dmitrij Schostakowitsch geben vielfach
bis heute Rätsel auf, viele von ihnen blieben lange verschollen.
Wissenschaftler entdeckten einige von ihnen nach teilweise mühevoller
Suche. So zum Beispiel die „Finnische Suite“, die vor vielen Jahren
neben anderen unbekannten Werken im Tschaikowski-Konzertsaal gespielt
wurde. Das Stück entstand im November und Dezember 1939 zur Zeit des
Finnisch-Sowjetischen Krieges im Auftrag der politischen Verwaltung des
Leningrader Militärbezirkes. Die Suite sollte bei einer feierlichen
Zeremonie im von der Roten Armee „befreiten“ Helsinki gespielt
werden. Schostakowitsch komponierte jedoch keinen Marsch, sondern ein
Musikstück voller Poesie und Zärtlichkeit. Die Suite wurde nie öffentlich
gespielt, die Noten fanden sich erst vor kurzer Zeit in der Sammlung
eines Musikwissenschaftlers. Lenin und München 1901-1905 war Lenin in Westeuropa: in München (Kaiserstraße dann Siegfriedstraße 14 in Schwabing) begann er mit der Herausgabe der Zeitschrift »Iskra« (= Funke), hier schrieb er sein Werk »Was tun?«, eine Anleitung zum Aufbau einer revolutionären Partei, die eine »Organisation von Berufs- revolutionären« sein sollte. Auf dem Parteikongreß in London 1903 wurde Lenin der Führer der Bol'schewiki (= Mehrheitler), siegte also über Martov und Plechanov. Nach einem kurzen Aufenthalt in Rußland 1905 organisierte Lenin in Westeuropa (zumeist in Polen) den Aufbau der »Partei neuen Typs« und gründete 1912 die Parteizeitung »Pravda« (= Wahrheit).
Alltagsleben von Lenin und KrupskajaDie
Frau des russischen Revolutionärs Lenin schilderte in
autobiographischen Aufzeichnungen und Briefen ihr Leben im Exil: Lenin
ließ sich 1900 in der Kaiserstraße nieder, ohne sich offiziell
anzumelden, nannte sich ”Meyer“ und zog im Jahr darauf in die
Siegfriedstraße um. Seine Lebensgefährtin Nadeshda Krupskaja
charakterisierte das soziale Umfeld.
Luftbild: Das südlicbe Schwabing von Westen um
1902. Im Vordergrund liegt das Kasernengelände zwischen Infanterie-,
Kathi-Kobus- und Elisabetbstraße (links). Dahinter ist die noch kaum
bebaute Winzerer- und Schleißheimer Straße zu erkennen. Am rechten
Bildrand liegen die Kirchen St. Joseph und St. Ludwig. Die Bebauung mit
Mietshäusern beginnt erst an der Tengstraße.
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von
Sigrid Neef
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1. Satz: Der Schloßplatz Im Jahre 1905 herrschten in Rußland schreckliche Hungersnöte, unerträglich gesteigert durch Willkürakte der Obrigkeit, Polizeigewalt und Spitzelwesen. Das Leben wurde freudlos, die Kräfte erlahmten. Das äußere Bild - der vor Eis starrende Schloßplatz - fällt mit dem inneren Zustand - seelischer Erstarrung - zusammen. Musikalisch steht dafür das eröffnende Adagio: Hohle Quart- und Quintklänge der Streicher assoziieren Stille und Kälte; Chromatik und Dissonanz ergeben diffuse Klänge, das Bild eines weiten Raums. Militärsignale - Paukenwirbel und Fanfaren - umkreisen diesen Ort wie unsichtbare Kräfte, immer präsent und gewaltbereit. Schließlich fügen sich Akkorde zum Choral, zur christlich-orthodoxen Gebetsformel "Herr, erbarme dich". ... Es handelt sich um ein historisch konkretes Bild, darüber hinaus aber auch um eine von Ort und Zeit unabhängige existenzielle Situation. Wie ein Lichtstrahl leuchtet plötzlich in hellem As-Dur der Gesang zweier Flöten, Stimmen von Lebenden im Zarenreich der Toten, das Melodiezitat eines Gefangenliedes ("Gib acht!") ... Das Liedsubjekt emanzipiert sich, wird zur Fanfare, verwandelt sich allen Instrumenten an, wechselt die Ausdrucksformen und damit die Fronten. Dann ein Perspektivenwechsel. Aus der Tiefe steigt ein zweites Lied ("Der Arrestant") empor. ... Für einen kurzen Moment verbinden sich beide Liedsubjekte in solidarischem Ton, dann schließt sich der Kreis: Innere und äußere Erstarrung setzt wieder ein, wir kehren zurück ins Zarenreich des Todes.
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2. Satz: Der 9. Januar Als Hauptthemen diese Sonaten-Allegros wählte Schostakowitsch zwei Selbstszitate aus den A-cappella-Chören "Zehn Poeme". Mit dem ersten Liedzitat tritt die an einen irdischen Erlöser glaubende Volksmenge musikalisch in Erscheinung ... Auf dunklem Streichergrund erheben sich in Klarinette und Fagott die Melodiestimmen, schwellen zum mächtigen Chorus an, Sinnbild einer sich zusammenballenden Menschenmasse. In die plötzliche Leere dröhnen Schlagzeugsalven wie Gewehrschüsse. Parallel zum ersten Melodiesubjekt hat ein zweites zu agieren begonnen ("Entblößt die Häupter"). ... Dieses Liedmotiv ändert sich in einen Art Höllenwalzer. Es meint nun die Forderung, der Mörder-Zar möge sich vor den Opfern seiner eigenen Gewalt verbeugen. ... Das gesamte Orchester hat zu schreien. ... Es ist der Aufschrei, jede auf einen irdischen Erlöser vertrauende Idee aufzugeben, selbsternannten Führern nicht zu glauben. ... die liedhaft-gesanglichen Elemente verlieren sich, damit auch die Stimme der Liebe, Hass macht sich breit, alles reduziert sich auf Signalmotivik. Am Schluss kehrt die Adagio-Musik wieder, das Gebet "Herr, erbarme dich" erstarkt, von der zarten Flötenweise des "Gib acht!" flankiert.
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3. Satz: Ewiges Gedenken Dieser Adagio-Satz beginnt mit einem Trauergesang, einer von den Bratschen angestimmten Ostinato-Variation der Streicher über den Trauer Hymnus "Ihr seid als Opfer gefallen".... Unversehens geht ein Riss von g-moll nach fis-moll, vom Trauergesang zum Trauermarsch "Sei gegrüßt, ungezwungenes Wort der Freiheit". Am Schluss fügen sich zerstreute Motivsplitter allmählich zum Thema der "gefallenen Opfer" zusammen. Der alte Trauergesang bekommt eine neue gedankliche Dimension.
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4. Satz: Die Sturmglocke Das erste Liedzitat "Wütet, Tyrannen" ist ein spontan herausgeschleuderter Fluch. Dann folgt eine Generalpause, ein leiser Nachhall in den Streichern. In allen Ausdruckslagen kommt der Fluch einher, wird bis zum dreifachen Forte gesteigert. Dieses Liedsubjekt trägt einen geheimen Sinn, denn seine Autoren waren in einer Stadt ansässig, die nach wechselnden Herren (ukrainisch, russisch, polnisch, deutsch) benannt wurden: Lemberg - eine Stadt die beispielsweise nach 1944 unter den Sowjets zu leiden hatte. Als die Symphonie am 17. 12 1957 in Lemberg aufgeführt wurde, bejubelten seine Bewohner die aktuelle antisowjetische Botschaft. Dann tritt plötzlich mit einem auffälligen harmonischen Riss von h-moll zur Grundtonart g-moll die polnische "Marseillaise", die Warszawianka, auf: "Feindliche Stürme durchtoben die Lüfte". ... Schostakowitschs polnische Vorfahren hatten sich 1831 am Freiheitskampf gegen die russische Okkupation beteiligt und waren u.a. mit Verbannung nach Sibirien bestraft worden. Schostakowitsch setzt die Warszawianka Strophe für Strophe in Szene. ... Dann verliert sich die Hymne, ein anderes Zitat schiebt sich dazwischen und verändert ganz unerwartet die Atmosphäre. Schostakowitsch zitiert aus Swiridows ( Schüler Schostakowitschs) 1951 komponierten Operette "Lichtschimmer" und verändert so das musikalische Klima hin zum Operettenhaften, dem vorherrschenden Ton in einem abgetakelten Staatswesen. Darüber hinaus bezieht er die "geheiligte Weise" mit ein: das populäre "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit". Wen kann es wundern, dass die Adagio-Musik wiederkehrt, das musikalische Zeichen für Erstarrung. Es ist alles beim Alten geblieben. Nur das einst empört und verzweifelt herausgeschrieene "Entblößt die Häupter!" hat sich in einen einsamen Klagegesang verwandelt, in eine "piano, espressiva und maestoso" zu spielende Klarinettenweise. Doch das ist noch nicht das Ende. Im Allegro schlägt die "Totenglocke"... Im Finale der Symphonie ist die Erstarrungsmusik wieder präsent und die Gewalt trommelt und paukt ein unüberhörbares " Et cetera".
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Mstislav Rostropowitsch über Prokofjew und Schostakowitsch
Auf
der Generalprobe am 19.11.2003 bezeichnete Rostropowitsch die 11. als ein
sehr schweres Werk. Er sagte: |
Die Zeit "unter Stalin" gehört
zu den dunkelsten in der ganzen Geschichte Russlands, und der Einfluss
ihres Grauens und Schreckens ist noch bis heute zu spüren: eine tief
sitzende Angst. Das geistige Leben stand unter strengster Kontrolle des
Regimes, und alles, was sich nicht anpasste, wurde abgewürgt. Die Leute wurden zum Schweigen gebracht, ihnen wurde das selbständige
Denken abgewöhnt. Man musste nur das machen, was von oben befohlen
wurde. Handelte man selbständig, konnte man einen Fehler begehen, und
das konnte fatale Folgen haben: Gefängnis, Lager, Vernichtung. Allgemein herrschte die Angst, von jemandem denunziert zu werden,
und so konnte man sein Entsetzen über das Geschehene nur vielleicht dem
allerbesten Freund gegenüber zum Ausdruck bringen, was normalerweise
bei einer Flasche Wodka und im Flüsterton geschah. Nach solchen Treffen
rief mich dann aber der Freund am nächsten Tag an und sagte "zur
Sicherheit" laut ins Telefon: "Sag mal, haben wir uns gestern
zusammen besoffen? Ja? Ich kann mich aber an nichts mehr erinnern."
Das war dann unser Alibi. Und in diesem Alptraum lebte das ganze Land. Das Leben zweier meiner Freunde, zwei Genies, Sergej Prokofjew und Dmitri
Schostakowitsch, war von unendlichen Leiden erfüllt. Nach dem Erlass
von 10. Februar 1948 hatten sie buchstäblich kein Geld zum Leben.
Für Komponisten in der Sowjetunion gab es damals nur zwei Möglichkeiten,
Geld zu verdienen: Es wurden Honorare für die von der Regierung in
Auftrag gegebenen und gekauften Werke bezahlt, und danach bekam man
Tantiemen für die erfolgten Aufführungen. Prokofjew und
Schostakowitsch wurden aber offiziell und öffentlich als
"Kosmopoliten" und "Formalisten" verurteilt, deren
Musik das Volk gar nicht verstehen kann, so dass sie natürlich keine
Aufträge mehr erhielten. Ihre Namen wurden außerdem aus den
Repertoirelisten gestrichen, was hieß, dass man ihr Musik auch nicht
mehr aufführen durfte. Die Tantiemen fielen also auch aus.
Schostakowitsch wurde aus dem Moskauer Konservatorium entlassen, wo er
Komposition unterrichtete, unter dem schändlichen Vorwand, seine
Qualifikation sei für diese Stelle nicht ausreichend! Die großen Komponisten konnten diese Zeit nur mit der Hilfe einiger
Freunde überstehen, die ihnen das nötige Geld liehen. Einer der Retter
von Prokofjew war Sergej Balasanjan. Er war selbst Komponist (und
Kommunist!) und bekleidete damals einen ganz wichtigen Posten: Er war
Leiter der Musikabteilung des sowjetischen Rundfunks. Als Prokofjew mir
eines Tages sagte, dass er überhaupt kein Geld mehr habe, bat ich
Balasanjan um Hilfe. Er sagte mir, dass er, falls Prokofjew eine auch
ganz kleine Ouvertüre komponieren würde, deren Thema mit Stalin zu
verbinden wäre, ihm das Werk abkaufen würde. Ich habe Prokofjew diesen
Vorschlag unterbreitet und sogar selbst den Titel für das Werk
erfunden: "Das Treffen von Wolga und Don" [Anspielung auf den
im Bau befindlichen, auf Stalins Namen getauften Wolga-Don-Kanal - Anm.
d. Übs.]. Nachdem ich ihm das erzählt hatte, schaute er mich an und
sagte nur: "Was für ein Blödsinn!" Der Plan drohte zu
scheitern. Als er aber sah, dass ich den Tränen nahe war, fragte er:
"Na gut, aber was soll dabei interessant sein?" Ich wusste,
dass das meine letzte Chance war, und sagte mit aller möglichen Überzeugungskraft:
"Wie können Sie das bloß nicht verstehen?! Da durchpflügen
gleichzeitig 1000 Planierraupen die Erde!!" Er schaute mich nun
etwas verdutzt an und erwiderte: "Na, vielleicht haben Sie
recht." So entstand dieses Werk, und Prokofjew bekam dafür sein
Honorar. Das Leben Schostakowitschs unter Stalin konnte man mit einer Achterbahn
vergleichen. Der Erlaßss von 1948 war schon der zweite Schlag für ihn
- der erste war mit der Oper "Lady Machbeth von Mzensk"
verbunden. Es gab Zeiten, zu denen man ihn praktisch bis zum Nullpunkt
herunterließ: Seine Musik wurde als "Chaos" verurteilt und für
eine Zeit lang so gut wie verboten. Die Zeitungen druckten vernichtende
Artikeln über seine Musik und veröffentlichten "Leserbriefe"
von "Musikliebhabern". Zwei von denen kann ich sogar zitieren:
""Wenn im Rundfunk angesagt wird, daß jetzt die Musik von
Prokofjew oder Schostakowitsch gesendet wird, mache ich sofort das Radio
aus" und "Wenn einer nicht mal ein winziges Talent zum
Komponieren hat, wird aus ihm jemand wie Schostakowitsch oder
Prokofjew". Schostakowitsch war von seiner Mission als Künstler und Komponist überzeugt.
Nach allen diesen Schicksalsschlägen hatte er wahnsinnige Angst, das
Recht zum Komponieren zu verlieren. Mit jeder seiner musikalischen
Zeilen versuchte er, die Welt von seiner Wahrheit zu überzeugen. Sein
Schaffen ist von einem merkwürdigem Muster gekennzeichnet: So
komponierte er erst ein Werk, das als "politisch korrekt"
angesehen werden konnte und nach dem das Regime wieder der Meinung war,
Schostakowitsch sei "nicht ohne Talent". Anschließend
entstand ein anderes Werk, das praktisch einen Skandal auslöste. So
folgte zum Beispiel die Achte gleich auf die Siebente Symphonie, die die
Regierung auf den Schild hob [sie wurde während der Blockade Leningrads
komponiert und als Symbol des Widerstandes gefeiert, während die bei
Kriegsende entstandene 8. Symphonie befremdete, da sie nicht den
verordneten Jubel, sondern die Trauer in den Vordergrund stellte - Anm.
der Übers.]. Und nach der Lenin gewidmeten Zwölften Symphonie, zu der
die Partei ihm bescheinigte: "Ja, jetzt befinden Sie sich auf dem
richtigen Wege", komponierte er die 13., die "Babij-Jar-Symphonie"
[Babij-Jar bei Kiew war eines der größten Massengräber während der
Besatzung ermordeter Juden]. Sie wurde zwar nicht offiziell
verboten, aber man kann sich nicht vorstellen, was noch am Tag vor der
Premiere geschah. Etliche - nennen wir sie "Freunde" - redeten
auf Schostakowitsch ein, er solle die Premiere absagen. Einer von ihnen
war Dmitri Kabalewski, ein bekannter Komponist. Einen Dirigenten für
die Premiere zu finden, war nicht einfach. Ich kann hier ein Geheimnis lüften,
dass sogar Evgeny Mrawinskij, der bis dahin alle Symphonien von
Schostakowitsch aufgeführt hatte, sich weigerte, diese Symphonie zu
dirigieren. Er hatte einfach Angst, "politisch falsch" zu
handeln. Mit dem Solisten für die Bass-Partie sah es nicht besser aus.
Am Anfang hatte Schostakowitsch als Solisten einen ukrainischen Sänger,
Boris Gmyrja, für die Premiere eingeladen, der nach einiger Zeit seine
Zusage zurückzog. Dann wandte er sich ganz verzweifelt an mich und bat
mich, einen Solisten für die Premiere zu finden. Ich fragte zuerst den
Bass Wedernikow, der zuerst von der Musik der Symphonie ganz begeistert
war, aber um etwas Bedenkzeit bat. Als nach drei Wochen immer noch keine
Antwort von ihm kam, rief ich ihn an und fragte, ob er nun singen würde.
"Nein", antwortete er, er würde nicht singen, weil er ein
guter Bürger seines Landes sei. "Na gut", habe ich gesagt,
"dann sind Schostakowitsch und ich eben schlechte Bürger unseres
Landes." Dann fragte ich einen Solisten aus dem Bolschoj-Theater.
Er hat die Partie einstudiert und wollte unbedingt singen. Doch genau
einen Tag vor der Premiere wurde er von der Direktion vom Bolschoj vor
die Wahl gestellt: Entweder er vertrete an demselben Tag seinen
erkrankten Kollegen in einer Oper, oder er werde aus dem Theater
entlassen. Dem Kollegen wurde ohne Zweifel befohlen, "krank zu
werden". Nun sagte also auch er ab. Am Ende sang die Premiere ein
Student des Moskauer Konservatoriums, Wassilij Gromadskij, der die
Partie ebenfalls einstudiert hatte und bei den Proben dabei gewesen war.
Die Aufführung hatte enormen Erfolg, die Leute im Saal haben geweint -
aber auf die nächste Aufführung musste man lange Jahre warten. Man könnte sagen, dass Schostakowitsch mit den "offiziell
anerkannten" Werken eine Auszeit für sich gewann, in der er die
Werke komponierte, so wie er es für einzig richtig hielt. Und in jedem
seiner so "gewonnenen" Werke versuchte Schostakowitsch zu
zeigen, wer er in Wirklichkeit war. Obwohl man mit allen Mitteln versuchte, sein Talent zu unterdrücken,
fand er immer wieder die Kraft und die Energie zu beweisen, dass er ein
Genie war. Man musste Schostakowitsch wirklich gut kennen, um einige
seiner Handlungen zu verstehen. Er selbst war eine tadellose Persönlichkeit.
Aber man hat ihn beispielsweise regelrecht
gezwungen, den Brief gegen Sacharow [eine von der Partei inszenierte,
von zahlreichen Persönlichkeiten unter mehr oder weniger starkem Druck
unterzeichnete Verurteilung des Menschen- und Bürgerrechtlers - Anm. d.
Übs.] zu unterschreiben. Und Sacharow war sein Nachbar, ihre Datschas
standen nebeneinander! Nach diesem Brief ging Schostakowitsch
nicht mehr spazieren, da er sich schämte, Sacharow in die Augen zu
blicken. Und diese Spaziergänge waren für den damals schon sehr
kranken Schostakowitsch eine seiner letzten Lebensfreuden. Ich fragte
ihn einmal, warum er nun solche Briefe unterschreibe. Er wurde sehr nervös,
und sagte dann: "Wissen Sie, ich lese diese Briefe nicht mal. Ich
unterschreibe, ohne sie anzugucken. Und ich hoffe nur, dass man aus
meiner Musik mehr verstehen wird als aus solchen Briefen." So
errang er für sich die Möglichkeit zum Komponieren. Außer der Furcht
um sein Schaffen, hatte er auch große Angst, eines Tages seine Familie
nicht mehr ernähren zu können, die vollständig von ihm abhängig war.
Er liebte seine Kinder über alles. Sie waren damals zwar schon
verheiratet, studierten aber noch und waren so auf die Hilfe ihres
Vaters angewiesen. Zudem fühlte er sich auch für das Hauspersonal und
seine Sekretärin verantwortlich. Er sagte mir einige Male unter Tränen:
"Stellen Sie sich vor, wenn ich keine Aufträge bekomme, haben alle
diese Leute nichts zum Essen!" Prokofjew war zur seinem Glück ein großer Egoist; außer seiner Musik
interessierte ihn nichts. Er war irgendwie naiv, wie ein Kind. Er sagte
immer, was er in dem jeweiligen Moment dachte, ohne zu überlegen, dass
er vielleicht jemanden damit beleidigen könnte. Ein Gedanke kam ihm in
den Kopf, und er sprach ihn aus. Ich glaube, er hat die Tiefe des
Geschehens [gemeint ist der gegen "Formalisten und
Kosmopoliten" gerichtete Erlass von 1948 - Anm. d. Übs.] einfach
nicht verstanden; er dachte, seine Musik gefiel jemanden nicht, und
dieser Jemand war Stalin. Ich habe ihn einmal gefragt, ob er es nicht
bereute, nach Russland zurückgekehrt zu sein, und er antwortete:
"Nein. Auch in den schlimmsten Augenblicken nicht. Wissen Sie, wenn
ein Schöpfer in seinem Land schafft, dann wird es anders und einzig
richtig wahrgenommen und verstanden." Bis 1948 konnte Prokofjiew
relativ gut arbeiten, obwohl auch er manchmal kritisiert wurde. Aber
diese Kritik drang offensichtlich nicht bis zu Stalins Ohren. Hatte sich
Stalin aber erst einmal eine Meinung gebildet, wie es im Fall von
"Lady Macbeth" von Schostakowitsch war, wurde sie zum endgültigem
Urteil. Meinte Stalin, es sei keine Musik, war es also keine. Stalin war der Überzeugung, alles, was er nicht
verstand, sei schlecht.
Das Schlimme dabei war, dass man nie
im voraus wusste, was dem großen Führer nicht gefallen könnte. Stalin
entschied sozusagen "aus dem Wunsch seines linken Fußes
heraus" [russische Redewendung, entspricht etwa "aus dem Bauch
heraus" - Anm. d. Übs.]. Und was sich nun sein linker Fuß gerade
wünschte, wusste niemand. So sagte er einmal bei der Besprechung zur
Vergabe von Stalin-Preisen über einen Autor, bei dem man nicht ganz
sicher war, ob er diesen Preis nun bekommen sollte: "Na, gebt ihm
doch einen, wenn er sich das so wünscht!" Er liebte es eben, sich
als "gütigen Herrscher" darzustellen. Und zur gleichen Zeit:
strengste Zensur, Verfolgungen und Vernichtung Andersdenkender, oft nach
absolut absurden Beschuldigungen. Ich wünsche dem Festival, den Leuten die Wahrheit über die Stalin-Zeit
näher zu bringen. Es war eine Zeit, in der Millionen von unschuldigen
Menschen vernichtet wurden, wo auch große Musiker in ständiger Angst
um ihre Kunst und ihr Leben leben mussten. Solche Zeiten dürfen sich
nie mehr wiederholen. (Das Interview wurde aufgezeichnet von Natalia Sander, Ludwigsburg, den
24.7.2002) Mstislav Rostropowitsch
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Mstislav Rostropowitsch (*1927) Aus der Laudatio von Hans Heinz Stuckenschmidt zur Verleihung des Ernst Siemens Musikpreises (1976):
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Dem gebieterischen Charme von Rostropowitschs Persönlichkeit kann sich niemand entziehen, der ihm einmal begegnet ist. Doch über all seine Herzlichkeit und seine temperamentvolle Wärme hinaus entströmt ihm etwas, das alle Individualität hinter sich läßt, ein Ethos, wie es einst im 19. Jahrhundert die europäischen Künstler und Dichter und Denker vereinte. Ich möchte sagen: der Geist von Schillers und Beethovens "Alle Menschen werden Brüder" hat in Mstislav Rostropowitsch seine moderne Verkörperung gefunden. Rostropowitsch dirigierte am 21.11.2003 im Gasteig die 11. Sinfonie von Schostakowitsch mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in einer bewegenden Interpretation. Ein
eindrucksvolles Konzert gab Rostropowitsch am 15. Juli 2005 im
Herkulessaal der Residenz in München mit dem Symphonieorchester des
Bayerischen Rundfunks.
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1943 geboren in Riga und von 2003 an Chefdirigent des Bayerischen Rundfunks (seit 1949 fünfter Chefdirigent: Jochum, Kubelik, Davis, Maazel); Nach Studien in Lenigrad, bei Hans Swarowsky und Herbert von Karajan, war er von 1973 bis 1979 Assistent Mrawinskijs und danach Orchesterchef in Oslo und Pittsburg. Seit Jahren beschäftigt er sich mit den fünfzehn zwischen 1926 und 1972 uraufgeführten Symphonien Schostakowitsch, die er nach und nach auf CD herausbringt (Im Interview des BR am 25.10.03 hat er angekündigt, diese mit dem Symphonieorchester des BR einzuspielen) |
Als ich jung war, habe ich Schostakowitsch gekannt. Aber noch mehr habe ich über ihn gehört. Mrawinskij, der Chef unseres Orchesters, war ein guter Freund von Schostakowitsch. Er hat fast alle seine Symphonien aufgeführt. Das Wichtigste für Schostakowitsch war die Stimmung, die Atmosphäre, das was hinter den Noten steht: Die Einsamkeit, der Kampf gegen die Gesellschaft, die Unterdrückung, die damals in diesem Land herrschte. Gespannte innerliche Musik zu schreiben, das ist das Schwierigste. Oft wird etwas Langsames geschrieben, aber man versteht nichts, es gibt keine Stimmung und nur die Töne. Eine langsame und philosophische Musik, die lebendig ist, das ist das Komplizierteste. Dass sie zum Publikum spricht und nicht langweilig ist - das ist die große Kunst. Bei Mozart oder Haydn oder Beethoven ist das nie langweilig. Diese Adagi aufzuführen, ist das Schwierigste auf der Welt. Weil da nichts passiert. Sie sind ganz nackt. Alles kommt aus einer inneren Energie. Das ist fantastisch. Solche Stücke sind für einen Dirigenten viel schwieriger als für einen Pianisten oder einen Geiger. Denn er muss 60 und 70 Musiker dazu bringen, solch eine Tiefe zu fühlen. Wenn Sie es als Dirigent fühlen, aber 60 Musiker nicht, dann führen Sie nur die Noten auf, jedoch nicht den Inhalt. Reinhard J. Brembeck: aus einem Telefoninterview mit Mariss Jansons (Dezember 2001) |
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Der
Schostakowitsch-Zyklus der Symhonieorchesters des BR mit EMI Classics
fand seine Fortsetzung. Nach der 4. Symphonie, die im Herbst 2004
auf den Markt gebracht worden war, folgte im Juli 2005 die Veröffentlichung
der 13. Symphonie. Für November 2005 sind die Symphonien Nr. 2
und 12 angekündigt. Der Zyklus sämtlicher Symphonien Dmitri
Schostakowitschs, den Mariss Jansons mit verschiedenen Orchestern
begonnen hat, wird nun mit Aufnahmen des Symphonieorchesters des
Bayerischen Rundfunks komplettiert. Dabei wird das Symphonieorchester
des Bayerischen Rundfunks mit den Symphonien Nr. 2, 3 4, 12, 13
und 14 am stärksten vertreten sein. Die Komplettierung ist bis zum Schostakowitsch-Jahr
2006, in dem sich der Geburtstag des Komponisten zum 100. Mal jähren
wird, vorgesehen. Eine Box mit sämtlichen Symphonien wird im Sommer
2006 von EMI Classics auf den Markt gebracht werden. |
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Grammy
für Mariss Jansons und das BR-Symphonieorchester
mit einem Grammy ausgezeichnet: Mit der Aufnahme von Schostakowitschs 13. Symphonie "Babi Yar" können sich die Klangkörper in der Kategorie "Beste Orchesterdarbietung" über den begehrten Musikpreis freuen. den 100. Geburtstag von Dmitri Schostakowitsch feiert – einem der größten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Diese hohe Anerkennung ermuntert uns zu neuen künstlerischen Leistungen. Wir
hoffen, dass Musikliebhaber auf der ganzen Welt Freude mit unserer
Aufnahme haben werden." sie thematisiert unter anderem den Antisemitismus in der Sowjetunion
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Schostakowitschs 6. Sinfonie ist ein rätselhaftes Hybridgewächs. Die drei Sätze werden immer schneller, ein Prozess, der ins Rasen gerät. Kein Satz aber findet eine Mitte, alle thematischen Gestalten vagieren in falschem Glanz oder in leuchtender Fahlheit durchs Werk. Nur in solchen begrifflichen Widerspruchspaaren ist die Magie des Hintergründigen dieser Musik annähernd zu beschreiben: ob nun im ersten Satz scheinbare Idyllen zum Brachland werde, ob im zweiten der Exzess des Leerlaufs zwischen Walzer-Geschmeidigkeit und Etüden-Attrappen in frappierender Instrumentalkunst beschreiben wird, oder ob im dritten der außer Rand und Band geratende Orchesterklang überbordend Richtung Abgrund steuert. Siegesfanfaren mischen sich hier ein., wo die Schlacht noch tobt, Freund Hein spielt makaber dazwischen und wird vom fortlaufenden Widersinn verschüttet. Wie Jansons das durchgestaltete, dies wurde zum elementaren Ereignis. Die orchestrale Masse wirkte wie ein Gummiband, flexibel in grandiosen Verdichtungen, dann wieder schrill gezerrt zu dünnen Lagen. "Credo quia absurdum" schien als Motto darüber zu stehen. Und wirklich: Das Schlussrondo wirbelt so lange, einer fliehenden maus vergleichbar, durch Abseitigkeiten der Musik, bis es in einer lapidaren Zirkusmusik-Floskel einen Ausgang findet, in den es sich hinein- oder hinabstürzt. ... Mariss Jansons wurde stark von Schostakowitschs Uraufführungsdirigenten Mrawinskij geprägt, er war bei ihm vor gut 30 Jahren Assistent in Leningrad. Die Erfahrungen brachte er mit. Bestechend. Spätestens hier war klar: Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das wird eine gute Ehe. Viel Jubel darüber. Reinhard Schulz in der SZ vom 3. 11. 2003 "Der erste Satz gehört für mich zweifellos zum Bedeutungsvollsten, was Schostakowitsch je geschrieben hat. Diese Musik ist für mich eine Art von tragischer Erzählung: Da gibt ein Mensch Kunde von seiner inneren Befindlichkeit, seiner seelischen Einsamkeit, seiner zutiefst depressiven Stimmung. Kein Zweifel, das ist ein Selbstporträt des Komponisten; hier teilt uns Schostakowitsch unverhüllt Allerpersönlichstes mit." "Schostakowitsch war nie eine Kämpfernatur, er hat kaum öffentlich Widerstand geleistet." Mariss Jansons in einem Interview mit Werner Pfister anläßlich einer Aufführung mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra in Luzern Mariss Jansons leitete die 1939 entstandene Symphonie "in einer furiosen Aufführung. Dieses ... Werk hebt mit einem Largo der heftigsten Klage an. Die langen Kantilenen und geradezu lastend unbeweglichen Klangflächen erinnern mehr als sonst bei Schostakowitsch an Brucknersche Haltungen. Jansons und seine Musiker formulierten das mit höchster melodischer Intensität aus. Der Sarkasmus und überdrehte Schwung der beiden schnellen Sätze erschien in grellster Deutlichkeit." Harald Eggebrecht in der SZ vom 21./22. 10.2006 |
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Konzert
für Violine und Orchester Nr. 1 gehört am
17.4.2004 Besprechung
in der SZ vom 20.4.2004 |
Russland im Bürgerkrieg der 1920er Jahre. Ein Kellerversteck: Drinnen Vater, Mutter, Großmutter und Kinder, draußen Not und Gefahr - Angst. Der Vater beginnt zu tanzen, animiert die Kinder. Sie heben die Füße, strecken die Arme empor und öffnen die Hände zum Blütenkranz. Sie tanzen gegen die Angst, gegen den Tod! Immer schneller, immer kesser. Greisenhände und Kinderfinger wie ein Blütenreigen, wie schimmernde Kerzen in der Dunkelheit. Dann färbt ein fahler gelber Stern die Nacht! Noch immer dieser Blumenkranz tanzender Hände, nein -schwankend jetzt, dann wieder tanzend, wie Kerzen, in der Dunkelheit aufflackernd. Es ist die gleiche Familie, es sind viele Familien, eine endlose Kolonne von Menschen. Auf ihre gelbe Sterne sind Gewehre gerichtet. Noch immer diese tanzenden Hände - nun auf dem Weg nach Auschwitz, nach Berditschew. Diese Sequenz aus Alexander Askoldows Film "Die Kommissarin" machte Filmgeschichte, wird doch hier auf geniale Weise der Tanz der Chassidim, der ostjüdischen Mystiker, zur Chiffre für ein Leben mit offenen Händen. Und dies inmitten von Hass und Gewalt. Askoldows Film ist das Gegenstück zu Schostakowitschs Violinkonzert. Film wie Konzert konnten zum Zeitpunkt ihres Entstehens nicht aufgeführt werden. Schostakowitschs Konzert entstand 1947/48 und wurde erst 1955 uraufgeführt. Im
Finalsatz sind jeweils zwei musikalische und geistige Schichten
angelegt. es handelt sich um kein nostalgisch verklärtes Volksfest,
sondern um eine offiziöse Feierlichkeit. Und trotzdem ist es auch ein
Fest des Volkes. ... Gemeint ist ein Tanzen, bei dem die anbefohlene
Festlichkeit von innen her umgedeutet wird. Tanzen
wird hier zu einer Modalität, der Welt zu widerstehen, sich in Harmonie
zu bringen und sich selbst kreisend einen Mittelpunkt zu setzen. Ein
Tanzen gegen den Tod. |
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Hilary Hahn - Mariss JansonsSchostakowitsch Violin Konzert
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Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 107 (1959) |
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gehört
am 30.11.2006 gehört
am 14.4.2011 |
"Thematisches
Material des Cellokonzertes findet sich im 8. Streichquartett wieder. Schon das prägnante viertönige Motiv,
der vorantreibende Ohrwurm sowie eine markante Bläserbegleitung
im Kopfsatz-Allegretto sind eine Ableger des bekannten Mottos 'D S
C H ' (wobei S für ES steht.) Mit diesen Initialen hat
Schostakowitsch wie einst der von ihm geliebte Bach ( mit den
Noten ' B A C H ') in vielen Werken, so auch im 8. Streichquartett
seine Signatur hinterlassen. (Aus dem Beitrag im Programmheft von Marcus A. Woelfle)
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Streichquartett Nr.13 b-Moll op. 138 (1970) |
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TIEFE, ANRÜHRENDE, BEUNRUHIGENDE TRAURIGKEIT Mit einem elegischen Zwölftonthema eröffnet die Bratsche einen Klangraum, in dem sich spannungsreich Dissonanzen, harmonische Strukturen, heftige Striche und zartes Gewebe treffen. Das Streichquartett ist dem Bratschisten des Moskauer Beethoven Quartetts gewidmet. In einem Interview auf die Verwendung der Zwölftontechnik angesprochen sagte Schostakowitsch 1968. "In der Musik scheint mir die Formel 'Der Zweck heiligt die Mittel' bis zu einem gewissen Grad gerechtfertigt. Alle Mittel? Ja alle, wenn sie zum Ziel beitragen." |
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Streichquartett Nr.15 es-Moll op.144 (1974) |
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Joachim Kaiser über das letzte Streichquartett (SZ 13.12.2006) "Es geht um eines der extremsten Instrumental-Werke der Musikgeschichte. Durchgebrannt ist alle Mitte. Schostakowitschs Streichquartett-Vermächtnis besteht nämlich aus sechs langsamen, manchmal ineinander übergehenden Sätzen, die allesamt 'Adagio', oder gar, wie der Trauermarsch vor dem Epilog, 'Adagio molto' überschrieben sind. Damit kann man weder Haydns weit harmonischere Quartettfassung der letzten Worte Jesu noch auch Alban Bergs vertraut expressive 'Lyrische Suite' vergleichend uin einem Atem nennen. Das Beklemmende zumal am riesigen Kopfsatz stellt sich dar als ein fast audruckloses, fas stummes, immer wieder völlig unpathetisches Erstarren fahler, durchaus tonaler Gesten und Entwicklungen. Rhythmus und Melodik des Hauptthemas erinnern undeutlich an Schubert. Das weiter ausgreifende zweite Thema, auf welches Schostakowitsch im letzten, zusammenfassenden Satz zurückkommen wird, scheint sich auf den Beginn von Bruckners VII. Symphonie zu beziehen. Und da de Symphoniker Schostakowitsch ja einmal eindeutig an das Hauptthema von Bruckners VIII. erinnert, könnte es sich bei alldem durchaus um ein konkretes Zitat und nicht nur um einen musiksprachlichen Zufall handeln. Weit wichtiger als etwaige Analogien aber ist der namenlose, fahle Schmerz, dem Schostakowitsch in diesen Adagio-Sätzen seine Zunge, oder vielmehr sein Beinahe-Schweigen, verleiht. Man weiß wohl, dass Schostakowitsch von neurotischer Angst geplagt wurde, dass er sich - nicht ohne Grund! - von Stalin feindselig beargwöhnt fühlte. Ein Angst-Entsetzen wie vor etwas Schlimmerem als dem Sterben-Müssen spricht aus den sechs Adagios."
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| Eigene Zeichnung (TAM) |
| IM GEDENKEN
AN DIE OPFER DES FASCHISMUS UND DES KRIEGES STREICHQUARTETT NR. 8 ENDE DES IV. SATZES LARGO |
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Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester Nr. 1 c-Moll op. 35 (1933) Allegro moderato - Lento - Moderato - Allegro con brio Verzweifelte
Heiterkeit "Und doch stoßen wir uns allenthalben an schiefen Winkeln, grellen Farbakzenten und offensichtlichen Stilbrüchen. Ähnlich wie in den neoklassizistischen Werken Stravinskys finden sich die Irritationen im Detail. . . . Wo die Heiterkeit endet und der grübelnde, ja verzweifelte Ernst beginnt, das ist mitunterebenso schwer auszumachen . . . im zweiten Satz ist der vielleicht schönste, weil schwermütigste Moment des ganzen Konzerts. " Aus dem Programmheft des MKO
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