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München, Fr. 20.11.53 Nun sind die Vorträge vorüber. Sieben im Ganzen. ... Herausgekommen ist nicht viel. Die Sache ist ziemlich trostlos. Der Widerstand gegen die Restauration wird sich verlaufen, und auch hierin werden die Dinge werden, wie sie waren - d.h. eben deshalb schlimmer, als sie waren, denn die zwölf Jahre, der Krieg und der Nachkrieg liegen dazwischen. Man hat nichts gelernt und fühlt nicht die Kraft zum neuen Beginn. Heute Abend war Heidegger hier. Menschlich schön und nahe. München, So. 6.12.53 Heute
in St. Ludwig waren viele Mützen zu sehen. Wie ich höre, ist in Bonn
entschieden worden, das Farbentragen sei erlaubt. Jetzt kommt wieder
eins nach dem anderen. Restauration in allem. Nichts ist gelernt worden. |
Ludwigskirche |
Joseph Friedrich Wilhelm (von) SCHELLING
"Man hat zu oft vergessen – und dieses Vergessen reiht sich ein in die Tradition der abstrakten Entgegensetzung von Natur und Geist –, dass der Geist zum Naturreich dazugehört. Die schreckliche Verdrängung, der sich die Menschheit schuldig macht, besteht in der Vernachlässigung der Natürlichkeit des Menschenwesens – einer Natürlichkeit, die man als Gegenstand der technischen Naturausbeutung betrachtet hat. Die Unmenschlichkeit des Bildes, das uns heute die natürliche Umwelt spiegelt, ist nur der Reflex des Verrats, den wir am »ursprünglichen Kompatriotismus mit der Natur« begangen haben. Es besteht keine Hoffnung, zu ihm zurückzukehren, es sei denn, wir besännen uns der Tatsache, dass die Natur den Menschen nicht zu ihrem Zweck hat, sondern dass sie Selbstzweck, nämlich ein selbstreflexiver Organismus ist, der sich souverän durch Assimilation und Adaptation reguliert, wie es auch – mutatis mutandis – der selbstbewusste Geist tut. Das ist die Lektion, die sich aus einer sensibilisierten Neulektüre Schellings ziehen lässt." Manfred Frank, Professor für Philosophie, Uni Tübingen |
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Wunden der Erinnerung Ecke Schelling- zur Ludwigsstraße Universitätsgebäude König Ludwig I. holte, mit einer seiner ersten Amtshandlungen, die Universität 1826 nach München. 1840 wurde das heutige Universitätshauptgebäude (Architekt Friedrich von Gärtner) bezogen. Die Studenten dankten es dem König aber schlecht, sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass er im Revolutionsjahr 1848 (wegen seiner Geliebten Lola Montez) zum Rücktritt gezwungen wurde. Zur Ludwig-Maximilians
Universität - Universtitätsbibliothek |
NR.
2 12 |
4 |
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Lehrstuhl für Didaktik der Physik Salinenhof In dem parkähnlichen Innenhof gibt es ein Denkmal von Karl Geyer zu entdecken; die Bäume sind mit Lehrschildchen gekennzeichnet; in der Mitte steht ein kleiner Pavillion, dessen Decke kunstvoll bemalt ist. In der Mitte thront eine Eulenstatue aus Stein. An der Ecke Schellingstraße/ Amalienstraße befindet sich das , das 1999 neu bezogene Zentrum für Geschichte und Archäologie.
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Joachim
Ringelnatz
"Tabakhaus zum Hausdichter"
Die
Erde hat ein freundliches Gesicht, |
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28a |
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Benjamin
Franklin (Frank) Wedekind (1864-1918) |
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Türkenstraße zur Landesbank> |
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Lara Bistro |
30 |
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Hypo Vereinsbank VdK |
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Antiquariat Bistro |
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Semikolon Papeterie Bäcker |
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Cutting Crew Sonnenstudio |
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Franz
Marc (1907/1908) |
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PLUS |
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Goldankauf Blumen Schreinerei |
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Joh. Mendl vorm. Ulrich (kunstgewerbliche Werkstätte) Bears & Friends (Fruchtgummi) |
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Im Juli 1920 wurde der "Völkische Beobachter" des Verlages des Franz Ehers von der NSDAP für 115 000 Reichsmark erworben. Wegen antisemitistischer Hetze wurde das Blatt wiederholt verboten. Im August 1921 wurde Dietrich Eckart, antisemitischer Schriftsteller und Mentor Hitlers, Hauptschriftleiter, Alfred Rosenberg und Hermann Esser wurden Schriftleiter. Seit 8.2.1923 erschien der "Völkische Beobachter" als Tageszeitung, was nur durch private Spenden möglich wurde. Ernst Hanfstaengl gab im August 1323 ein Darlehen für den Kauf einer amerikanischen Rotationsmaschine, die im amerikanischen Großformat druckte und in der Druckerei Müller 6 Sohn, Schellingstraße 41 zum Einsatz kam. |
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Tailor Hampel Auktionshaus |
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Verlagsgebäude
des "Re-Edukation"-Blattes "Die Neue Zeitung". Sie
erschien im selben Haus aus denselben Druckmaschinen, die im Franz Eher
Verlag die süddeutsche Ausgabe des "Völkischen Beobachters
hervorgebracht hatte. Erich
Kästner als Feuilleton-Redakteur der "Neuen Zeitung", mit
seiner Mitarbeiterin Luiselotte Enderle
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Alvensleben
Kunshandel |
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Im
September 1947 lud Hans Werner Richter die ehemaligen Mitarbeiter des
RUF zu einer Tagung nach Bannwaldsee bei Füssen. Da man kein
Publikationsorgan mehr besaß und ein neues von der Militärzensur nicht
genehmigt wurde, lasen sich die Teilnehmer aus mitgebrachten
Manuskripten vor. Das war die Geburtsstunde der Gruppe 47. Es dauerte
mehrere Jahre, bis eine Gruppentagung und Angehörige der Gruppe lyrisch
hervortrat. WALTER JENS |
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Er war Hitlers persönlicher Portraitist und betätigte sich als wichtigster fotographischer Propagandist. Seine Aufnahmen prägten nachhaltig Hitlers Image als "Führer": 1909 etablierte Hoffmann ein eigenes Atelier in der Schellingstraße 33, später in Hausnummer 50. Sein Hinterhofatelier war zunächst alles andere als repräsentativ. Im April trat Hoffmann der DAP/NSDAP bei. Im selben Jahr übernahm er den Alleinvertrieb der judenfeindlichen Hetzschrift "Auf gut Deutsch". Direkt gegenüber lag das "Münchner Buchgewerbehaus M. Müller Sohn", das den "Völkischen Beobachter", später auch "Mein Kampf" druckte und dessen Mitinhaber Adolf Müller ein enger Freund Hoffmanns war. Es gab kaum einen führenden Parteigenossen, der sich nicht von Hoffmann portraitieren ließ. Zu ihm kamen Hermann Göring, Heinrich Himmler und Joseph Goebbels. Er durfte sich in Hitlers privater Umgebung frei bewegen und ungehindert fotografieren. Mit der Etablierung der NS-Herrschaft begann eine enorme Expansion seines Unternehmens, das im ein Millionenvermögen einbrachte. Seit Mitte der zwanziger Jahre vermittelte Hoffmann einige Räume des Gebäudes der Reichshauptgeschäftsstelle der NSDAP. Im großräumigen Atelier über seinem Fotostudio wurde der "Ehrensaal der SA" eingerichtet. Dort tagte die Parteispitze. 1929 gab Hoffmann dieses Atelier auf. Das im Oktober 1929 gegründete "Photohaus Hoffmann" befand sich im ersten Stock über dem bekannten "Cafe Stefanie" an der Ecke Theresien/Amalienstraße. Unter den neuen Angestellten war auch die junge Eva Braun, die hinter der Ladentheke stand. Dort hatte sie 1930 Hitler erstmals getroffen. |
50 |
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| Mashallah
Tengelmann |
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<< Barerstraße zum Elisabethplatz |
Barerstraße über die Pinakotheken zum Karolinenplatz> Oskar Maria Graf (Barerstraße 36) |
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| Schellingsalon
Hitler |
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| Cafe Altschwabing | 56 | ||||||||||||
| 58 | |||||||||||||
| Internetseite
Schellingstraße 60
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60 | ||||||||||||
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<< Schraudolphstraße |
Schraudolphstraße zur Neuen Pinakothek |
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Hermann Frieb Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer (11.12.1909-12.8.1943) In der Münchner Schellingstraße befindet sich am Haus Nummer 78 eine schlichte Gedenktafel mit der Inschrift „Hier wohnte bis zu seiner Hinrichtung der Widerstandskämpfer Hermann Fried." Hermann Fried wurde am 11. Dezember 1909 als Sohn des Wirtschaftsprüfers Eduard Frieb und seiner Frau Paula in Mauerkirchen geboren. Nach dem Umzug der Familie nach München im Jahr 1928 trat er der SPD bei und engagierte sich als Student der Volkswirtschaft als Vorsitzender des Sozialistischen Studentenbundes. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 betätigte er sich illegal politisch weiter. Am 27.3.1934 wies die Polizeidirektion München den österreichischen Staatsbürger Hermann Frieb wegen des Verdachts illegaler politscher Tätigkeit aus Bayern aus. Von Wien und später von Prag aus, wo er seine Studien weiterführte, kamm er mit dem späteren Landesvorsitzenden der SPD in Bayern, Waldemar von Knoeringen und der Bewegung Neu Beginnen in Kontakt. Bereits im August 1933 hatte der Berliner Sozialist Walter Loewenstein unter der Pseudonym „Miles" eine Programmschrift mit dem Titel „Neu Beginnen" verfasst, in dem er den NS-Staat als längerfristige Herrschaftsform ansah und nicht -wie viele Sozialdemokraten- als ein Regime, das wegen seiner inneren Widersprüche in kurzer Zeit zugrunde gehen müsse. Loewenstein sah eine langfristig angelegte und konspirativ gründlich abgesicherte illegale Arbeit aller sozialistischen Gruppen gegen den Faschismus als größte Notwendigkeit. Lag für ihn doch das Aufkommen des Nationalsozialismus v.a. in der durch Spaltung bedingten Unfähigkeit der Arbeiterbewegung zur Durchsetzung der sozialistischen Revolution begründet. Loewenstein plädierte deshalb für die Schaffung einer übergreifenden revolutionären Arbeiterpartei. Von diesen Ideen fühlte sich auch Waldemar von Knoeringen angesprochen. Als für Südbayern zuständiger Grenzsekretär der SPD-Auslandsorganisation SoPaDe, nahm er Kontakt mit Widerstandsgruppen in Augsburg (Josef „Bebo" Wagner und Eugen Nerdinger) und München (Lotte und Gottlieb Branz bzw. Hermann Frieb) auf und gewann diese für Neu Beginnen. Nach dem Tod seines Vaters und der Aufhebung seiner Ausweisung kehrte Frieb im Frühjar 1935 nach München zurück und übernahm als selbständiger Steuerberater die väterliche Kanzlei. In der Folgezeit baut er für den Widerstand mit Unterstützung seiner Mutter ein neues Informations- und Kontaktnetz auf und wurde neben Bebo Wagner zum maßgeblichen Mitglied von Neu Beginnen in Südbayern. Die Organisation wuchs während dieser Zeit auf ungefähr 200 Personen in ca. 15 Gruppen in Nördlingen, Rosenheim, im Bayerischen Wald, in Landshut und Regenburg an. Ein Hauptziel der „Revolutionären Sozialisten", diesen Namen hatten sich von Knoeringen und die Neu Beginnen-Kader in Südbayern und Österreich in der Zwischenzeit gegeben, lag in umfassender und vielseitiger Information über das NS-System, dessen Nachrichtenmonopol mit „qualifizierter Berichterstattung" unterlaufen werden sollte. Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde die bisher von der Organisation propagierte „Taktik des Abwartens" aufgegeben, schien doch mit dem Beginn des Krieges einEnde der NS-Herrschaft absehbar. Trotz der anfänglichen Erfolge der deutschen Wehrmacht nahmen die Zusammenkünfte von Frieb und Wagner mit ihren Stützpunktleitern zu. Man legte Waffendepots an, führte Schießübungen durch und bemühte sich, neue Mitglieder anzuwerben. Angesicht der absehbaren Niederlage des NS-Regimes glaubte man auch, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen gegenüber der Polizei vernachlässigen zu können. Ein fataler Irrtum, standen doch die Widerstandskämpfer bereits seit 1936 unter der Beobachtung durch die Gestapo. Nach sechs Jahren hatte diese ausreichend Material zusammengetragen, um die Organisation zu zerschlagen:Am 16. April 1942 wurden Bebo Wagner, Hermann und Paula Frieb verhaftet und des „Hoch- und Landesverrats" angeklagt. Der Volksgerichtshof verurteilte Hermann Frieb, Bebo Wagner und acht weitere Mitglieder zum Tode, andere zu langjährigen Haftstrafen, u.a. Paula Frieb zu 12 Jahren Gefängnis. Das Urteil gegen Hermann Frieb wurde am 12. August 1943 in der Haftanstalt München-Stadelheim vollstreckt, der inhaftierten Mutter stellte man die Kostenrechnung für die Hinrichtung des Sohnes zu. Waldemar von Knoeringen nannte Hermann Frieb später eine der außergewöhnlichsten Gestalten im sozialistischen Widerstand, wegen seiner Intellektualität, seiner moralischen Kompromisslosigkeit und seines unbedingten Anspruchs an sich selbst seier für die illegale Arbeit geeignet gewesen, wie kaum ein anderer. Zum Andenken an Hermann Frieb benannte die Landeshauptstadt München am 22. Januar 1964 die städtische Mittelschule für Knaben in der Hohenzollernstraße in Hermann-Frieb-Realschule um. Am 26.10.1987 wurde am ehemaligen Wohnhaus der Familie Frieb die eingangs erwähnte Gedenktafel angebracht. Der damalige SPD-Bürgermeister Klaus Hahnzog sagte anlässlich der feierlichen Enthüllung: „Mutigen Menschen wie ihnen verdankt München die Ehrenrettung. Nur ihretwegen darf es behaupten, nicht nur die Hauptstadt der Bewegung gewesen zu sein." Text: Robert Bierschneider
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Schwestern von der "Heiligen Familie" Der Münchner Bischof stellte dem Oberabbiner von München einen Lastwagen zur Verfügung, damit geweihte Gegenstände aus der Synogoge in Sicherheit gebracht werden konnten. Juden fanden Unterschlupf bei den Schwestern von der "heiligen Familie" in der Schellingstraße. |
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"Alte Simpl" (Türkenstraße 57) |
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"30. April 1903. Das "Weinrestaurant Dichtelei" in der Türkenstraße 81 - damals Stammlokal von Mitarbeitern der satirischen Zeitschrift Simplizissimus - ist wieder einmal brechend voll. Kurz vor Mitternacht eröffnet Wirtin Kathi Kobus den überraschten Gästen, sie werde ihre Zelte hier in wenigen Minuten abbrechen. Wer Lust habe, könne sie jetzt gleich beim Umzug ins neue Domizil, nur ein paar Hausnummern entfernt, begleiten. Stets zu jedem Ulk aufgelegt, nimmt man Bilder von den Wänden, Sektkübel und Aschenbecher in den Arm und zieht mit brennenden Kerzen los. Als Spielmann marschiert frank Wedekind mit der Laute voraus. Das ist die Geburtsstunde der "Künstlerkneipe Simplizissimus" im Haus Türkenstraße 57 (früher "Cafe Kronprinz Rudolf"). Jeder der etwas zu sagen hat, darf bei Kathi Kobus das kleine Podium betreten, ein Gedicht oder ein Lied zum besten geben. Bei ihr verkehren all die Literaten, die München der Jahrhundertwende zum Leuchten bringen: Thomas Mann, Max Halbe, Ludwig Thoma, Erich Mühsam, Johannes R. Becher, Otto Julius Birnbaum, daneben Politiker, Diplomaten und Hochadel aus nah und fern. Auch der deutsche Kronprinz schnupperte gern "Simpl"-Atmosphäre. Enrico Caruso lässt sich zu einem Lied überreden, Isodora Duncan zu einem Tanz auf dem Marmortisch. Währenddessen klaut man ihr den Nerzmantel. Doch der reuige Dieb schickt ihn anderntags, gefüllt mit roten Rosen, ins Hotel zurück. Eine literarische Kabarett-Kultur entwickelt sich, mit dem Elf-Scharfrichter-Kreis als Kern. Ein Sachse namens Hans Bötticher taucht 1908 auf und avanciert zum Hausdichter Joachim Ringelnatz. ... 1935 riskiert Adolf Gondrell seine Ersparnisse, erwirbt den Betrieb, engagiert den Wiener Humoristen und Handelskaufmann Theo Prosel als "Dichterwirt" und verkauft 1941 an ihn weiter. ...Es erklingt zum ersten Mal Prosels unvergessenes Schlagerlied "Ich hab' die schönen Madeln nicht erfunden, der guade Wein ist auch nicht mein Patent", zu dem Ludwig Schmidseder dort in einer Nacht die Melodie komponierte. Und Lale Andersen hebt den späteren Welt-Hit von der Lili Marleen aus der Taufe. Am 13. Juli 1944 explodiert eine Bombe im Bühnenraum. ... Mit dem "Alten Simpl" in der Türkenstraße (Ausweichquartier am Platzl!) geht es erst wieder aufwärts, als 1960 die junge Schauspielerin Toni Netzle die Rolle der Wirtin übernimmt. .. Bis 1968 hält sie mit Kabarett-Programmen durch, danach agieren Künstler nur noch, wenn's was zu feiern gibt - doch es wird oft gefeiert. Auf Tonis Nudelbrett stehen Wolfgang Neuss und Ursula Herking, die Geschwister Ofarim und Evelyn Künneke, Oliver Hassenkamp, Helen Vita und viele mehr. An der Bar schmieden Teufel, Langhans und Genossen ihre Apo-Pläne. Bei einer Filmpremiere von Uschi Glas zur Saalschlacht. Bernd Eichinger kippt an seinem 30. Geburtstag in der Küche um, und Staatsminister Peter Gauweiler mimt den Ludwig Thoma. ... 1995 Umgestaltung. Ob aber je wieder Ringelnatzsches "Simpl-Glasglü-Morgenrot" dort die Nacht zur schöneren Hälfte des Tages macht - wie einst im Mai? Aus der SZ von Franz Freisleder |
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Ringelnatz: Zeichnung von Karl Arnold |
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| Aus der "Münchner Illustrierte Presse" vom 28.12.1939 - Erster Kriegswinter | |||||||||||||
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Engelsburg - Zeitungsausschnitt aus der SZ vom 29.9.2005
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