Bis 1857  LÖWENSTRASSE

 Auf Wunsch von König Max II. wurde sie zu Ehren seines Erziehers zur SCHELLINGSTRASSE umbenannt.
   

 

       


Seiten über Gott - Welt - Mensch

von Theodor Frey
 


  
suche auf meinen seiten     http://www.theodor-frey.de

 

Zur Straße im Einzelnen

In Martin Walsers neuem Roman "Ein sterbender Mann" (2016) führt  der Hauptprotagonist Theo Schadt im Tangoladen seiner Frau Iris in der Münchner Schellingstraße die Kasse, während Iris alles für den Tango verkauft.

"Draußen an Hauswänden und Schaufenstern entlang. Instinktiv Richtung Ludwigstraße. Iris rief: Theo! Er drehte sich um, deutete an, dass er hinüber zum Atzinger wolle. Eine Wirtschaft, in die er ging, wenn er eine Pause brauchte. Noch stand er auf dem Trottoir mitten im Fußgängerstrom.
In der
 Schellingstraße  drängen die Leute oft, als seien sie schon zu spät dran und müssten deshalb rücksichtslos eilig sein. Auf die Ampelerlaubnis an der Amalienstraße konnte er nicht warten. Er kam hinüber, dann auch noch über die Schelling und die paar Stufen zum Atzinger hinauf und hinein und sogar noch zu seinem Tisch, der zum Glück frei war. Die zwei Bedienungen kennen ihn. Das Weißbier stand auf dem Tisch, kaum dass er saß. "

Martin Walser in ""Ein sterbender Mann" (2016)

 

 


 WEITERE THEMEN -  MAXVORSTADT UND SCHWABING

Schellingstraße im Überblick

Impressionen aus der Schellingstraße

 Schwabinger Träume

 St. Sylvester

 St. Ursula

 Erlöserkirche

 Zum Modell der Straße 1930

 Zur weiteren Umgebung Maxvorstadt und Schwabing

 Zur Seite von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling

Wertvolle Informationen und Hinweise stammen aus dem Werk:

Hödl, Joseph - Schellingstraße:-  Von Häusern, Menschen und ihren Schicksalen - München : Bezirksausschuss Maxvorstadt, 2001 

Hinweis: Die meisten Bilder zeigen sich durch Anklicken vergrößert. Die Seiten sind noch unvollständig! Sie werden nach und nach ergänzt. Ich bitte dafür um Verständnis.

Für Hinweise, Ergänzungen und Berichtigungen bin ich sehr dankbar.

Ludwigskirche
an der Stirnseite der Schellingstraße

Romano Guardini 

* 17. 2. 1885               †  1. 10. 1968

Seit 1997
Grab in St. Ludwig München

 

München, Fr. 20.11.53

Nun sind die Vorträge vorüber. Sieben im Ganzen. ... Herausgekommen ist nicht viel. Die Sache ist ziemlich trostlos. Der Widerstand gegen die Restauration wird sich verlaufen, und auch hierin werden die Dinge werden, wie sie waren - d.h. eben deshalb schlimmer, als sie waren, denn die zwölf Jahre, der Krieg und der Nachkrieg liegen dazwischen. Man hat nichts gelernt und fühlt nicht die Kraft zum neuen Beginn. Heute Abend war Heidegger hier. Menschlich schön und nahe.

München, So. 6.12.53

Heute in St. Ludwig waren viele Mützen zu sehen. Wie ich höre, ist in Bonn entschieden worden, das Farbentragen sei erlaubt. Jetzt kommt wieder eins nach dem anderen. Restauration in allem. Nichts ist gelernt worden.

Joseph Friedrich Wilhelm (von) SCHELLING 

* 1775            †  1854

Namensgeber der Straße

 

"Man hat zu oft vergessen – und dieses Vergessen reiht sich ein in die Tradition der abstrakten Entgegensetzung von Natur und Geist –, dass der Geist zum Naturreich dazugehört. Die schreckliche Verdrängung, der sich die Menschheit schuldig macht, besteht in der Vernachlässigung der Natürlichkeit des Menschenwesens – einer Natürlichkeit, die man als Gegenstand der technischen Naturausbeutung betrachtet hat.

Die Unmenschlichkeit des Bildes, das uns heute die natürliche Umwelt spiegelt, ist nur der Reflex des Verrats, den wir am »ursprünglichen Kompatriotismus mit der Natur« begangen haben. Es besteht keine Hoffnung, zu ihm zurückzukehren, es sei denn, wir besännen uns der Tatsache, dass die Natur den Menschen nicht zu ihrem Zweck hat, sondern dass sie Selbstzweck, nämlich ein selbstreflexiver Organismus ist, der sich souverän durch Assimilation und Adaptation reguliert, wie es auch – mutatis mutandis – der selbstbewusste Geist tut. Das ist die Lektion, die sich aus einer sensibilisierten Neulektüre Schellings ziehen lässt."

Manfred Frank, Professor für Philosophie, Uni Tübingen

 

 

Aus: GLADIUS DEI von Thomas Mann (2)

"Es schritt ein Jüngling die Schellingstraße hinan; er schritt, umklingelt von den Radfahrern, in der Mitte des Holzpflasters der breiten Fassade der Ludwigskirche entgegen. Sah man ihn an, so war es, als ob ein Schatten über die Sonne ginge oder über das Gemüt eine Erinnerung an schwere Stunden. Liebte er die Sonne nicht, die die schöne Stadt in Festglanz tauchte? Warum hielt er in sich gekehrt und abgewandt die Augen zu Boden gerichtet, indes er wandelte? . . .

Hieronymus schritt die Schellingstraße hinan, schritt langsam und fest, indes er seinen weiten Mantel von innen mit beiden Händen zusammenhielt. Zwei kleine Mädchen, zwei dieser hübschen, untersetzten Wesen mit den Haarbandeaux, den zu großen Füßen und den unbedenklichen Sitten, die Arm in Arm und abenteuerlustig an ihm vorüberschlenderten, stießen sich an und lachten, legten sich vornüber und gerieten ins Laufen vor Lachen über seine Kapuze und sein Gesicht. Aber er achtete dessen nicht. Gesenkten Hauptes und ohne nach rechts oder links zu blicken, überschritt er die Ludwigstraße und stieg die Stufen der Kirche hinan."



Ludwigskirche an der Stirnseite der Schellingstraße



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Für Hinweise, Ergänzungen und Berichtigungen bin ich sehr dankbar.

 


Blick in Richtung Norden zum Siegestor (Schwabing)


Blick von der Luwigskirche
in die Schellingstraße nach Westen


LUDWIGSTRASSE
 
Blick in Richtung Süden zur Feldherrnhalle (Innenstadt)
           

UNIVERSITÄT
Eckgebäude zur Ludwigstraße 27

Ehemaligen Salinengebäude

 

Wunden der Erinnerung am Salinengebäude

an der Schelling-/Ecke Ludwigstraße - Einschußlöcher an der Backsteinwand im ehemaligen Salinengebäude (heute Universität) mit Erinnerungstafel

Im Rahmen des Europäischen Projekts »Wunden der Erinnerung« wurden von Beate Passow und Andreas von Weizsäcker in sieben europäischen Ländern die Spuren des Zweiten Weltkrieges sichtbar gemacht.

In München auch noch:

 


Rückseite ehem. Salinengebäude (Salinenhof)

     


UNIVERSITÄT
Eckgebäude zur Ludwigstraße 25


U

Durchgang zwischen dem Gebäude der Ludwigstraße und der Schellingstraße 3, dem Gebäudekomplex, der 1944 völlig zerstört wurde.

 

Universitätsgebäude
König Ludwig I. holte, mit einer seiner ersten Amtshandlungen, die Universität 1826 nach München. 
1840 wurde das heutige Universitätshauptgebäude (Architekt Friedrich von Gärtner) bezogen. Die Studenten dankten es dem König aber schlecht, sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass er im Revolutionsjahr 1848 (wegen seiner Geliebten Lola Montez) zum Rücktritt gezwungen wurde.

 

Zur Ludwig-Maximilians Universität - Universtitätsbibliothek

Zur Gedenkstätte der "Weißen Rose

 

   3

 

Lesecafé "LOST WEEKEND"

Es hat in den Räumen der ehemaligen Universitätsbuchhandlung eröffnet.

Gebäude 1944 bei Luftangriff völlig zerstört

Bewohner: Eduard Graf Keyserling um 1900, unterhält Beziehungen zu Künstler- und Literatenkreisen um Max Halbe, Frank Wedekind, Rainer Maria Rilke, Rudolf Kassner, Korfiz Holm und Alfred Kubin, Treffpunkte sind dabei das Café Stefanie sowie die Torggelstube.

Seit 1908 zunehmend erblindet, verlässt er kaum noch das Haus in der Ainmillerstraße 19 in Schwabing, wo er bis zu seinem Tode lebt.

        Zu weiteren Bildern  

Salinenhof

In dem parkähnlichen Innenhof gibt es ein Denkmal von Karl Geyer zu entdecken; die Bäume sind mit Lehrschildchen gekennzeichnet; in der Mitte steht ein kleiner Pavillon, dessen Decke kunstvoll bemalt ist. In der Mitte thront eine Eulenstatue aus Stein.

 


  Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft

Eingangshalle der Geisteswissenschaftlichen
Fakultät der LMU

Buchbinderei Georg Konrad

Einkauf von selbst gebundenen Leerbüchern (Skizzenbücher) mit individuellem marmoriertem Einband

Antiquitäten Helena von Sarközy

 
 
10 5/7 

Gebäude 1856 errichtet,

1944 von Brandbomben getroffen

1967 vor Abriß gerettet

Nr. 5

Im 1. Stock wohnte vom 16.3.1896 bis Ende 1898 der "Malerfürst" Franz Stuck



1856/60 für den Offizier Friedrich Weiß errichtet, mit vereinfachter spätklassizistischer Fassade;  

Historicum

An der Ecke Schellingstraße/ Amalienstraße befindet sich das ,
das 1999 neu bezogene Zentrum für Geschichte und Archäologie.

12  9    




Gaststätte Atzinger 

1853 wird das Hauses für den Schreinermeister Johann Sauermann erbaut. Damals werden die späteren Gasträume im Erdgeschoss noch als Wohnung genutzt. 1925 zieht die erste Gaststätte ein,

1975 soll das Haus abgerissen werden.
Es wurde aber von 2000 an saniert.

Hier gründet sich im Jahr 1958 die Künstlergruppe "Spur".

Zur Gruppe SPUR
gehörten folgende Künstler:

1853 für den Schreinermeister Johann Sauermann errichtet, Fassade im Rundbogenstil (vereinfacht), in der Nachfolge Friedrich von Gärtners; 1893 Ladeneinbau an der Amalienstraße; 1925 Gaststätteneinbau


 




Blick  Richtung Norden zur Akademie für Bildende Künste
Hier mehr zu den Jahresausstellung der Akademie

 AMALIENSTRASSE  
Blick  Richtung Süden zu Siemens Zentrale

 

Eckgebäude zur Amalienstraße 57

viergeschossiger, im Kern klassizistischer Bau, von Carl Deiglmayr, 1827–30, 1864 aufgestockt, neubarocke Stuckdekoration bez. 1924.





   


 


alte Aufnahme
Ecke zur Amalienstraße 55

viergeschossiger Backsteinbau mit Mansarddach und reich gegliederter Fassade mit Erkerturm, Flacherker und Giebel, errichtet in Formen der Neurenaissance, von Franz Xaver Renner, 1887/88.

Bar 55 Eleven










      11    Hotel Hauser  
      13     
    16  15     
    18  17 
 


alte Aufnahme
Antiquariat Hauser
     20 19  Spätbiedermeierliches Mietshaus, erbaut 1853 von Max Kuppelmayr, im Krieg schwere Schäden



Bewohner:
Ferdinand von Reznicek
(Zeichner beim "Simplicissimus", "Kunst und Leben", "Jugend", "Fliegende Bblätter")
    22  21  Mietshaus mit reich stuckierter Fassade, Louis-Seize-Schmuck, aufgebracht nach Entwurf von Dülfer auf alten Bau 1895 Bewohner:
Hans Carossa
(1906-1907)

Mehr zuCarossa


   




Vor dem N
eubau
24  23

Ausschnitt aus dem Bild von Michael Mathias Prechtl 
(gestorben 2003)


Tabakhaus zum Hausdichter"

Joachim Ringelnatz

"Ein Zettelchen im Briefkasten, so versuchte Hans Bötticher alias Joachim Ringelnatz 1909 seine Kundschaft für das "Tabakhaus zum Hausdichter" anzulocken. Dieses bestand nur vom März bis zum 31. Dezember 1909. Damals gab Ringelnatz seinen gesamten Besitz aus, um das Geschäft zu erwerben. In diesem verrückten Laden war ein menschliches Gerippe, ein Riesenkäfer, Trophäen aus seiner Seemannszeit und Totenköpfe aus Gips zu sehen. 

 

 

Die Erde hat ein freundliches Gesicht,
so groß, daß man's von weitem nur erfaßt.
Komm, sag mir, was du für Sorgen hast.

Reich willst du werden? -

 warum bist du's nicht?

 

Atelier von Julius Exter ▶
 von 1906 bis 1910 im 5. Stock


Architekt Martin Dülfer
(1900)
Ein Paradebeispiel des Münchner Jugendstils

weiter Werke von Dülfer in München

1895: Grabmal für Georg Pschorr auf dem alten südlichen Friedhof

1898: Mietshaus Adelbertstr. 98

1900–1901: Geschäftshaus des Verlages der Münchner Allgemeinen Zeitung, , Bayerstraße 57/59

11902–1903: „Hotel Terminus“ Bayerstraße 43 und Mittererstraße 1

Hausfassade an der Münchner Freiheit


Mehr zum Dülferbau in der "Vierteljahresbeigabe zum Profanbau" 1906

Bewohner:

 Wilhelm Hoegner (um 1925) - Erster Bayerischer Ministerpräsident

 
Edgar Ende - Kunstmaler - Vater von Michael Ende

 Hermann Hahn - Bildhauer - Werk am Westportal der Universität ("Der Sieg" und "Die Wahrheit")


Mehr zum Jugendstil in München  

Gustav Kraus (1804-1852)
Künstlers und Lithographen

"1836 kaufte Kraus  ein Anwesen in der Maxvorstadt (Löwenstraße 19, heute Schellingstraße 26). Dort richtete er neben seiner Wohnung auch eine Werkstatt und einen kleinen Verlag ein. Von nun an veröffentlichte er die meisten seiner Werke selbst. Im selben Jahr erwarb er auch das Münchener Bürgerrecht (20. September). Zwei Tage später wurde ihm ein Sohn geboren, der jedoch bereits am 18. Dezember desselben Jahres an der Cholera verstarb. Am 18. Oktober 1836 heiratete Kraus die Mutter dieses Kindes, die damals 22jährige Maria Anna Kunigunda Wanner. Das Ehepaar lebte aber nur zeitweise zusammen."

Quelle: Bavarikon

 



26>      
Hof zur Grundschule Türkenstraße
(Georg Elser Platz)

Mehr zum Widerstand in München

Das mit dem Haus Nr.26 verbundene Gebäude Nr. 27 wurde im Krieg zerstört und nicht mehr aufgebaut. Das Grundstück wurde zur Erweiterung des Schulhofes verwendet.
  28      

UNIMODEN

  25  J. KITZINGER
Buchhandlung und Antiquariat
 

Bürgerbüro - Bezirksausschuss 3 Maxvorstadt .

seit 1995


Mehr zum Widerstand in München

Früher Bedürfnisanstalt -"Klohäusl"

Ringelnatz (Hsnr. 23) hat einem "Geschwätz in der Bedürfnisanstalt in der Schellingstraße" nachgelauscht:

"Heute wurde Geld gesammelt,
Wo ich angestellt bin, in dem Büro,
Für die Frau von jemand, der sich erhängte.

Eine Büchse ging ru. Und jeder schenkte,
Drei Mark; das ist bei uns immer so.Es braucht niemand zu wissen, wodran ich bin.
Ich habe das Geld meiner Mutter gestohlen.

Ich habe noch gestern acht Mark für Kohlen
Bezahlt. Und die Alte stumpft doch bloß so hin.
Und bei ihrer Schwindsucht und sowieso
Kann es ja doch nicht mehr lange währen.
Ich kann auch nicht ewig fünf Menschen ernähren
Bei der Arbeit in dem Büro.

Ich möchte mal wieder eine Muhsik hören;
Das stimmt einen wieder mal froh."


 

 

28a 27 

Rückblick von der Türkenstraße zur Ludwigskirche 



alte Aufnahme mit Cafe Hölzl
Bewohner

Frank Wedekind

Benjamin Franklin (Frank) Wedekind
(1864-1918)
fristet in diesem Haus sein Studentendasein
. 1885 bezog er mit weiteren drei Studenten die Wohnung, in der er sich nur wenig begeistert auf juristische Vorlesungen vorbereitete. Theater hatte seine Leidenschaft geweckt. 84 mal zog es ihn vorigen Winter als Zuschauer zu den Bühnen, daher belegte er nun auch Vorlesungen in Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte. Nach einer Tätigkeit als Lohndichter für Maggi in Kemptal bei Zürich kehrte er 1889 nach München zurück. 1891 erschien "Frühlingserwachen". Wedekind starb 1918 nach seiner vierten Blinddarmoperation an einer Lungenentzündung und an Herzschwäche.
 

 

 

Blick Richtung Norden in die Türkenstraße zum Arri-Kino

TÜRKENGRABEN hier mehr . . .

Der Türkengraben war ein zeitweise bestehender Kanal, den  Kurfürst Max Emanuel (1662–1726) bauen lies. Ziel war es, die Münchener Residenz mit dem neuen Schloss in Schleißheim zu verbinden.


"Alter Simpl" (Türkenstraße 57)




TÜRKENSTRASSE



 

Blick Richtung Süden in die Türkenstraße

 

früher:
Engelsburg
- Zeitungsausschnitt aus der SZ vom 29.9.2005
 

 
Nordwestliche Ecke zur Türkenstraße


30 29  Südwestliche Ecke zur Türkenstraße
 

VdK

Deutschlands größter Sozialverband mit 1,75 Millionen Mitgliedern !

James T. Hunt Bar
32 31     
    34 33   

Franz Marc (1907/1908)
(Atelier Friedrichstraße 4)

"Die Dinge reden: in den Dingen ist Wille und Form, warum wollen wir dazwischensprechen? Wir haben nichts Kluges ihnen zu sagen. Haben wir nicht die tausendjährige Erfahrung, daß die Dinge um so stummer werden, je deutlicher wir ihnen den optischen Spiegel ihrer Erscheinung vorhalten? Der Schein ist ewig flach, aber zieht ihn fort, ganz aus Eurem Geiste weg - denkt Euch fort samt Eurem Weltbild -, die Welt bleibt in ihrer wahren Form zurück, und wir Künstler ahnen diese Form; ein Dämon gibt uns zwischen die Spalten der Welt zu sehen, und in Träumen führt er uns hinter die bunte Bühne der Welt."

Zu Franz Marc auf meinen Seiten

    36 35     
    38 37    Pension Lorsche in der I. und II. Etage 

Bewohner:
Rudolf Wilke
(auch Schellingstraße 44)
(Zeichner beim "Simplicissimus", "Kunst und Leben", "Jugend")
    40 39-41  Buchgewerbehaus Müller & Sohn 





Letzte Ausgabe vom 8.3.1933
Im Juli 1920 wurde der "Völkische Beobachter" des Verlages des Franz Ehers von der NSDAP für 115 000 Reichsmark erworben. Wegen antisemitistischer Hetze wurde das Blatt wiederholt verboten. Im August 1921 wurde Dietrich Eckart, antisemitischer Schriftsteller und Mentor Hitlers, Hauptschriftleiter, Alfred Rosenberg und Hermann Esser wurden Schriftleiter.  Seit 8.2.1923 erschien der "Völkische Beobachter" als Tageszeitung, was nur durch private Spenden möglich wurde. Ernst Hanfstaengl gab im August 1323 ein Darlehen für den Kauf einer amerikanischen Rotationsmaschine, die im amerikanischen Großformat druckte und in der Druckerei Müller & Sohn, Schellingstraße 41 zum Einsatz kam.

 

 Auf den gleichen Druckmaschinen, ließ Fritz Gerlich sein antinational-sozialistisches Blatt "Der gerade Weg . Deutsche Zeitung für Wahrheit und Recht" drucken.

Beispiele der Artikelüberschriften.

  • Der Nationalsozialismus ist eine Pest

  • Deutsche! Eure Menschenrechte in Gefahr!

  • Hetzer, Verbrecher und Geistesverwirrte (Führertum und Presse der Hitlerbewegung)

"OHNE" - Erster verpackungsfreier Supermarkt an der Schellingstr. 42  

Müll vermeiden lautet das Credo von Hannah Sartin

"Ohne" möchte das Erlebnis des verpackungsfreien Einkaufens nahebringen. Die Lebensmittel stehen unverpackt für sich und diese Transparenz macht ihre Schönheit aus. Alles Bio, alles unverpackt und so regional wie möglich. Neben dem Onlinebestellservice wird es auch einen Lastenradlieferservice geben, der euch euren Einkauf CO2 sparend nach Hause bringt.




Bewohner:
August Heisenberg, Byzantinist, Sprachforscher, Kunsthistoriker und Vater des Atomphysikers und Nobelpreisträgers Werner Heisenberg;
Erste Wohnung in der Schellingstr. 75
  42 39
-41
 


Erich Kästner als Feuilleton-Redakteur der "Neuen Zeitung", mit seiner Mitarbeiterin Luiselotte Enderle im Verlagsgebäude

Zum Grab von Kästner und Enderle . . .



Verlagsgebäude des "Re-Edukation"-Blattes "Die Neue Zeitung".

Sie erschien im selben Haus aus denselben Druckmaschinen, die im Franz Eher Verlag die süddeutsche Ausgabe des "Völkischen Beobachters hervorgebracht hatte.

Franz Josef Strauß (1915-1988

Die Metzgerei in der Schellingstraße49 behielt sein Vater auch bei, als die Familie die bequemere größere Wohnung im 3. Stock des Hauses Nr. 44 beziehen konnte.

Weiteres bei Hausnummer 49

Hampel Auktionshaus
im Hinterhaus



Bewohner:
Rudolf Wilke
(auch Schellingstraße 37
(Zeichner beim "Simplicissimus", "Kunst und Leben", "Jugend")

  44 43    Robert Walser
1878 - 1956)
deutsch-schweizer Schriftsteller

Walsers Hauptwohnsitz – die Zimmer wechselte er häufig – sollte noch bis 1905 Zürich bleiben, wobei er für einige Zeit auch in München lebte. Zunächst Amalienstraße 48, dann Schellingstraße 43
 

Eintrag in Wikipedia  
    46 45     

"Schellingstraße 48 - Erfahrungen mit Deutschland"
(1984) von Walter Kolbenhoff 

(eigentlich Walter Hoffmann)
20.05.1908 - 29.01.1993

Kolbenhoff verbrachte zwei Jahre in Internierungslagern in den USA, wo er Alfred Andersch und Hans Werner Richter kennenlernte. Er wurde Mitarbeiter bei deren Lagerzeitschrift Der Ruf: Zeitung der deutschen Kriegsgefangenen in USA. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er bis 1949 Redakteur der Neuen Zeitung in München, . . . Er war ständiger Mitarbeiter der von Andersch und Richter neu gegründeten Zeitschrift Der Ruf – unabhängige Blätter der jungen Generation und engagierte sich unter anderem für den Aufbau eines demokratisch-sozialistischen Deutschlands.[ Als die Zeitschrift vorübergehend verboten wurde, gehörte er zu den Autoren, die Hans Werner Richter im September 1947 zur Gründung einer Nachfolgezeitschrift unter dem Titel Der Skorpion um sich versammelte. Aus deren Gründungstreffen entwickelte sich die Gruppe 47, an deren regelmäßigen Versammlungen Kolbenhoff in der Folge teilnahm. Beim Gründungstreffen war auch seine Frau, die Journalistin und Übersetzerin Isolde Kolbenhoff (* 1922) dabei[].

Seit 1949 war Kolbenhoff als freier Schriftsteller, Lektor und Übersetzer aus dem Dänischen und Englischen tätig. 1984 erschien seine Autobiographie Schellingstraße 48 – Erfahrungen mit Deutschland.[5]

Sein Grab liegt auf dem Friedhof St. Martin in Germering.

Quelle: Wikipedia

 



Signatur von Kolbenhoff
48 47     

Reichsleitung des NSDAP - heute noch erkennbar der Adler mit dem herausgemeiselten Hakenkreuz -

Atelier Heinrich Hoffmann (1885-1957)

Er war Hitlers persönlicher Portraitist. Seine Aufnahmen prägten nachhaltig Hitlers Image als "Führer": 1909 etablierte Hoffmann ein eigenes Atelier in der Schellingstraße 33, später in Hausnummer 50.  Im April trat Hoffmann der DAP/NSDAP bei. Im selben Jahr übernahm er den Alleinvertrieb der judenfeindlichen Hetzschrift "Auf gut Deutsch". Gegenüber lag das "Münchner Buchgewerbehaus M. Müller  Sohn", das den "Völkischen Beobachter", später auch "Mein Kampf" druckte und dessen Mitinhaber Adolf Müller ein enger Freund Hoffmanns war.

Es gab kaum einen führenden Parteigenossen, der sich nicht von Hoffmann portraitieren ließ. Zu ihm kamen Hermann Göring, Heinrich Himmler und Joseph Goebbels. Er durfte sich in Hitlers privater Umgebung frei bewegen und ungehindert fotografieren. Mit der Etablierung der NS-Herrschaft begann eine enorme Expansion seines Unternehmens, das im ein Millionenvermögen einbrachte.

Seit Mitte der zwanziger Jahre vermittelte Hoffmann einige Räume des Gebäudes der Reichshauptgeschäfts-stelle der NSDAP. Im großräumigen Atelier über seinem Fotostudio wurde der "Ehrensaal der SA" eingerichtet. Dort tagte die Parteispitze. 1929 gab Hoffmann dieses Atelier auf. Das im Oktober 1929 gegründete "Photohaus Hoffmann" befand sich im ersten Stock über dem bekannten "Cafe Stefanie" an der Ecke Theresien/Amalienstraße. Unter den neuen Angestellten war auch die junge Eva Braun, die hinter der Ladentheke stand. Dort hatte sie 1930 Hitler erstmals getroffen.

Am 1. Januar 1931 zog die Reichsleitung von der Schellingstraße 50 in das ehemalige Barlow Palais in der Briennerstraße 45. Diese Gebäude wurde im Volksmund nach der Farbe der Parteiuniformen "Braunes Haus" genannt.



Mehr zum Nationalsozialismus
in München




"Führersitzung" 1927 in der NSDAP-Reichsleitung
50 49 
51 
 

Franz Josef Strauß (1915-1988)

Er wurde am 6. September 1915 als Sohn des Metzgermeisters Franz Strauß und seiner Ehefrau Walburga (geb. Schießl) in der Maxvorstadt, Schellingstraße 49 (Hinterhaus), geboren. Die Metzgerei des Vaters befand sich im Erdgeschoß des Vorderhauses. befand. Dieses Geschäft  behielt er auch bei, als die Familie später die bequemere größere Wohnung im 3. Stock des Hauses Nr. 44 beziehen konnte.

Eingeschult wurde Strauß 1922 in der Amalienschule, und 1926 durfte er auf Anraten seines Volksschullehrers zur Gisela-Oberrealschule überwechseln. Da er sich zu den Alten Sprachen hingezogen fühlte, trat er 1927 in das Maxgymnasium ein, in dem er 1935 das Abitur ablegte. Als der begabteste Schüler seines Jahrgangs wurde Strauß in das Maximilianeum aufgenommen. Das Fach Philosophie studierte Strauß bei Professor Kurt Huber.

 Die Nummer 49 wurde nicht mehr vergeben

    52
      53  




Bewohner:

Henrik Ibsen (1878),
ab 1880 Amalienstraße 50,ab 1883 Nr. 53, ab 1885 bis 1891 Maximilianstraße 32

 

     

55


Scherenschnitt von
Dora Branadenburg Polster

Bewohner:
Hans Brandenburg

(Schwabinger Kunstpreis 1967)
Dora Brandenburg Polster

Brandenburg (1885-1968) siedelte mit 17 Jahren nach München über. Er war verheiratet (1911)mit der Malerin Dora Polster(1884–1958), die viele seiner Werke bebildert hat.

In der NS-Zeit engagierte er sich für eine „nationale Erneuerung“ des Theaters und wurde im Juli 1933 in den Dichterkreis im Bundesausschuß des Reichbundes der deutschen Freilicht- und Volksschauspiele berufen. Brandenburg war Mitglied im nationalsozialistisch ausgerichteten Bamberger Dichterkreis.

Damals populär waren seine biographischen Bücher über bekannte Dichter.In seinen Erinnerungswerken "München leuchtete"(1953) und  "Im Feuer unserer Liebe" (1956) schildert es seine Begegnungen mit München.

 



In Richtung Norden zur Nordendstraße



BARERSTRASSE



 













In Richtung Süden über das Kunstareal zum Karolinenplatz

Oskar Maria Graf  lebte in der Barerstraße 36

 Schellingsalon

Bilder von Gestern und Heute

Wer verkehrte hier alles?

Lenin, Theodor Heuss, Franz Josef Strauß, Bertolt Brecht, Rainer Maria Rilke, August Heisenberg, Wassily Kandinsky, Henrik Ibsen, Franz Marc, Hans Carossa, Joachim Ringelnatz, Otto Ortler, Alfred Pongratz, Schmidt Wildy, Michel Ehbauer, Hugo Ball


Hugo Ball, Gründer des  "Cabaret Voltaire" und der "Galerie Dada" in Zürich, lernte in München seine spätere Dada-Gefährtin und Frau Emmy Hennings kennen. Emmy Hennings als Sängerin und Diseuse im "Simplicissium", Hugo Ball als Dramaturg bei den "Münchner Kammerspielen".  Hier traf Hugo Ball auch den Medizinstudenten Richard Huelsenbeck, mit dem er im Anschluss an den Münchner Aufenthalt ein sehr programmatisches prädadaistisches Manifest vorlegte: "Wir wollen den Appetit verderben an aller Schönheit, Kultur, Poesie, an allem Geschmack, Sozialismus, Altruismus und Synonyismus. Wir gehen los gegen alle 'Ismen', Parteien und 'Anschauungen'. Negationisten wollen wir sein."



 Ödön von Horváth:
(Bd. 12 der gesammelten Werke, S. 151)

 Am Abend bevor Kobler zur Weltausstellung fuhr, betrat er nochmals sein Stammlokal in der Schellingstraße, das war ein Café-Restaurant und nannte sich „Schelling-Salon“. Er betrat es, um zu imponieren, und bestellte sich einen Schweinsbraten mit gemischtem Salat. „Sonst noch was?“, fragte die Kellnerin. „Ich fahre nach Barcelona“, sagte er. „Geh, wer wird denn so blöd sein!“, meinte sie und ließ ihn sitzen 

54 57   Eckgebäude Barer-Schellingstraße

Stadtsparkasse

Cafe Altschwabing

Hier mehr über das Lokal  ▶

Das Café Altschwabing ist ein traditionelles Kaffeehaus, das Gebäude wurde 1887 im historischen Stil erbaut. Schon damals öffnete in diesen Räumen ein Großkaffee seine Pforten und etablierte sich als Künstlertreff. Noch heute zeugt der prachtvolle Stuck mit einer verspielten Malerei von einem liebevoll geführten Kaffeehaus, wo sich Schriftsteller wie Thomas Mann, Frank Wedekind, Joachim Ringelnatz, Stefan George, Maler wie Kandinsky, Franz Marc, Paul Klee und andere wie Lenin wohlfühlten.

Quelle: Internetseite des Cafes



56  59    
58

Bar del Osteria. 

  60       

Osteria Italiana

Das Haus wurde in den Jahren 1889 und 1890 von dem Architekten Johann Lihm errichtet. Noch im Fertigstellungsjahr pachtete Joseph Deutelmoser das Erdgeschoss und eröffnete dort das italienische Restaurant unter dem Namen „Osteria Bavaria“, der die durch das Lokal geschaffene Verbindung zwischen Italien und München zum Ausdruck bringen sollte. Die Gaststätte war noch nach dem Zweiten Weltkrieg in Familienbesitz und erhielt erst später den heutigen Namen.

Das Restaurant wurde schnell zum Treffpunkt von Studenten, Professoren und Künstlern. Zu den wiederkehrenden Gästen zählte Oskar Maria Graf, der sich dort mit Redakteuren des Simplicissimus traf; in seinen Erinnerungen „Gelächter von Außen“ schildert er den unangenehmen Eindruck, den Adolf Hitler und seine Gefolgsleute auf ihn machten, wenn sie im Nebenzimmer des Lokals saßen. Seine britische Verehrerin Unity Mitford lernte Hitler 1935 in der damaligen Osteria Bavaria kennen.]

Quelle: Wikipedia

 


Blick von der Osteria Italiana in Richtung Osten

62      

 

Nach Norden


SCHRAUDOLPHSTRASSE



 


Nach Süden zur Rückseite der Neuen Pinakothek

 

  64 67     
      69    
    66 71   

CARTA PURA

Laden mit den schönen Papieren 

      73     
    68  75    Bewohner:
Wassily Kandinsky
(kurzer Aufenthalt - Wohnung in der Ainmillerstraße 36)

Hier mehr über Kandinsky und Münter ▶


August Heisenberg
           
           





Zum Alten nördlichen Friedhof und Elisabethplatz
ARCISSTRASSE

ÄGYPTISCHES MUSEUM

GLYPTOTHEK

ALTE PINAKOTHEK

NEUE PINAKOTHEK

LENBACHHAUS

PINAKOTHEK DER MODERNE

BRANDHORST MUSEUM


zur Alten Pinakothek, Museum für Ägyptische Kunst, Hochschule für Musik und Theater, Dokumentationszentrum Nationalsozialismus

Mehr zum Museumsareal  



Nordwestecke Arcis-/Schellingstraße
früher: Nr. 70

Café Elite

Stammlokal der Künstlervereinigung "Die Sturmfackel"

         

Studienheim Maria Dominika
Andrea Schendel

In Anlehnung an den Vornamen der Ordensmitgründerin, der hl. Maria Dominika Mazzarello, hat das Studienheim seinen Namen erhalten.  Seit dem Umzug im Dezember 2012 bietet es Studentinnen und sich in Ausbildung befindenden jungen Frauen ab 18 Jahren Wohnmöglichkeit und ein Zuhause.

 

 

  72 81     
    72a  83 FÜRSTENHÄUSER
Hausnummer 83 - 93 
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Hermann Frieb

Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer (11.12.1909-12.8.1943)

Hermann Fried wurde 1909 als Sohn des Wirtschaftsprüfers Eduard Frieb und seiner Frau Paula in Mauerkirchen geboren. Nach dem Umzug der Familie nach München im Jahr 1928 trat er der SPD bei und engagierte sich als Student der Volkswirtschaft als Vorsitzender des Sozialistischen Studentenbundes.

Am 27.3.1934 wies die Polizeidirektion München den österreichischen Staatsbürger Hermann Frieb wegen des Verdachts illegaler politscher Tätigkeit aus Bayern aus. Von Wien und später von Prag aus . . . kam er mit dem späteren Landesvorsitzenden der SPD in Bayern, Waldemar von Knoeringen und der Bewegung Neu Beginnen in Kontakt.

Bereits im August 1933 hatte der Berliner Sozialist Walter Loewenstein unter der Pseudonym „Miles" eine Programmschrift mit dem Titel „Neu Beginnen" verfasst, in dem er den NS-Staat als längerfristige Herrschaftsform ansah und nicht . . .als ein Regime, das wegen seiner inneren Widersprüche in kurzer Zeit zugrunde gehen müsse. .... Loewenstein plädierte deshalb für die Schaffung einer übergreifenden revolutionären Arbeiterpartei. Von diesen Ideen fühlte sich auch Waldemar von Knoeringen angesprochen. Als für Südbayern zuständiger Grenzsekretär der SPD-Auslandsorganisation SoPaDe, nahm er Kontakt mit Widerstandsgruppen in Augsburg (Josef „Bebo" Wagner und Eugen Nerdinger) und München (Lotte und Gottlieb Branz bzw. Hermann Frieb) auf und gewann diese für Neu Beginnen.

Nach dem Tod seines Vaters und der Aufhebung seiner Ausweisung kehrte Frieb im Frühjar 1935 nach München zurück und übernahm als selbständiger Steuerberater die väterliche Kanzlei. In der Folgezeit baut er für den Widerstand mit Unterstützung seiner Mutter ein neues Informations- und Kontaktnetz auf und wurde neben Bebo Wagner zum maßgeblichen Mitglied von Neu Beginnen in Südbayern. Die Organisation wuchs während dieser Zeit auf ungefähr 200 Personen in ca. 15 Gruppen .... Ein Hauptziel der „Revolutionären Sozialisten". . . lag in umfassender und vielseitiger Information über das NS-System, dessen Nachrichtenmonopol mit „qualifizierter Berichterstattung" unterlaufen werden sollte.

Mehr zum Widerstand . . . 



Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde die bisher von der Organisation propagierte „Taktik des Abwartens" aufgegeben, schien doch mit dem Beginn des Krieges ein Ende der NS-Herrschaft absehbar.  . . . Man legte Waffendepots an, führte Schießübungen durch und bemühte sich, neue Mitglieder anzuwerben. Angesicht der absehbaren Niederlage des NS-Regimes glaubte man auch, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen gegenüber der Polizei vernachlässigen zu können. Ein fataler Irrtum, standen doch die Widerstandskämpfer bereits seit 1936 unter der Beobachtung durch die Gestapo. . . . Am 16. April 1942 wurden Bebo Wagner, Hermann und Paula Frieb verhaftet und des „Hoch- und Landesverrats" angeklagt. Der Volksgerichtshof verurteilte Hermann Frieb, Bebo Wagner und acht weitere Mitglieder zum Tode, andere zu langjährigen Haftstrafen, u.a. Paula Frieb zu 12 Jahren Gefängnis. Das Urteil gegen Hermann Frieb wurde am 12. August 1943 in der Haftanstalt München-Stadelheim vollstreckt, der inhaftierten Mutter stellte man die Kostenrechnung für die Hinrichtung des Sohnes zu. Waldemar von Knoeringen nannte Hermann Frieb später eine der außergewöhnlichsten Gestalten im sozialistischen Widerstand, wegen seiner Intellektualität, seiner moralischen Kompromisslosigkeit und seines unbedingten Anspruchs an sich selbst sei er für die illegale Arbeit geeignet gewesen, wie kaum ein anderer.

Text im Auszug: Robert Bierschneider

78  89 

Der Baumeister Martin Wintergerst errichtete 1889 eine Gruppe von drei Bau-Blöcken mit insgesamt sechs hervorragend ausgestatteten Mietshäusern. Es entstanden so 39 erlesene Luxus-Wohnungen der Zeit zu je 3 bis 9 Zimmern, wobei 176 Raume mit stuckierten Decken und farbigen Fresken geschmückt wurden.
Die Fassaden (1700 qm) wurden von Ferdinand Wagner (1847 -1927) bemalt.
Dargestellt waren die Wittelsbacher Herrscher des 19. Jh. von König Max 1. bis zum Prinzregenten Luitpold - umringt von ihren Baumeistem, Malern, Bildhauern, Dichtem, Musikern und Wissenschaftlern.
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Auftraggeber für das Ganze war der Schlossermeister, Bauunternehmer, Immobilienhändler, Aktionär und Realienbesitzer Friedrich Trump aus Treuchtlingen,(1857 - 1931).

Am 7. Januar 1945 versank die ganze Pracht in Schutt und Asche. Lediglich die Hauser 91 und 93 blieben schwer beschädigt erhalten. Beim Wiederaufbau 1948/50 hatte man andere Sorgen als die Rekonstruktion der Malereien. Nur die eigenartige Anordnung der Fensterachsen erinnert an den vergangenen Bezug.

Quelle: Hödl, Joseph -Schellingstraße:-  Von Häusern, Menschen und ihren Schicksalen (Textauszug)

Zum Historismus in München

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LUISENSTRASSE


 

 


AUGUSTENSTRASSE



 

 


SCHWINDSTRASSE



 

 


SCHLEIßHEIMERSTRASSE



 

Projekt von Kerstin Ullsperger

Das Haus in der Schellingstraße 134 zeigt im Nov./Dez. 2016
seine Innenräume, als sei die Fassadenwand verschwunden.

Bedruckte Vinylnetze am Baugerüst zeigen Fotografien der dahinterliegenden Zimmer.
Der letzte Privatraum der Bewohner wird preisgegeben - in Zeiten der medialen Selbstadarstellung
ein analoger öffentlicher Voyeurismus?

Schellingstr. 134 | München

Ihre Furcht vor dem Verlust der Wohnung haben die Mieter
Oberbürgermeister Dieter Reiter  in einem Brief geschildert.

"Soweit wir die aktuelle Lage überblicken können,
reiht sich das Schicksal unseres Hauses nahtlos in die Welle von Luxussanierungen im Münchner Stadtgebiet ein".

 

Blick von der Winzererstraße zum Anfang der Schellingstraße im Osten

 


WINZERERSTRASSE


 

Das unspektakuläre Ende der Straße bei der Lothstraße im Westen 

 


LOTHSTRASSE


 

 

LA GONDOLA IN DER TÜRKENSTRASSE

"Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ Max Emanuel schließlich – als direkte Verbindung seiner Stadtresidenz mit Schleißheim – den so genannten "Türkengraben" bauen, dessen geplante geradlinige Verlängerung als "nouveau canal de Schleißheim" auf Schleißheim treffen sollte, jedoch nicht zur Vollendung gelangte. Im frühen 19. Jahrhundert wurde der Türkengraben eingeebnet. Zu dem Namen des Kanals wird angeführt, dass es sich dabei um einen Irrtum handele, da die türkischen Kriegsgefangenen bereits 1699 ausgetauscht wurden. Der "Türkengraben" wäre gleichzeitig eine direkte Kanalverbindung von Nymphenburg über die Georgenschwaige nach Schleißheim gewesen. "

"Diese riesigen Kanalstrecken mit ausgedehnten Erdbewegungen wurden bis zum Frieden von Carlowitz 1699 zum Teil von kriegsgefangenen Türken und dann vor allem von Truppenteilen der Münchner Garnison ausgeführt. Die Kanäle dienten sofort nach Fertigstellung zur Verladung von Frachten für den Schlossbau auf dem Wasserweg; gleichzeitig wurden sie für höfische Spazierfahrten benutzt, für die man mehrfach venezianische Gondolieri engagierte."

Quelle: Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen  Schloss Nymphenburg

   

 

 

 

   

 

 

 

Stadtmodell 1930

"Alte Simpl" (Türkenstraße 57) 

"30. April 1903. Das "Weinrestaurant Dichtelei" in der Türkenstraße 81 - damals Stammlokal von Mitarbeitern der satirischen Zeitschrift Simplizissimus - ist wieder einmal brechend voll. Kurz vor Mitternacht eröffnet Wirtin Kathi Kobus den überraschten Gästen, sie werde ihre Zelte hier in wenigen Minuten abbrechen. Wer Lust habe, könne sie jetzt gleich beim Umzug ins neue Domizil, nur ein paar Hausnummern entfernt, begleiten. Stets zu jedem Ulk aufgelegt, nimmt man Bilder von den Wänden, Sektkübel und Aschenbecher in den Arm und zieht mit brennenden Kerzen los. Als Spielmann marschiert frank Wedekind mit der Laute voraus. Das ist die Geburtsstunde der "Künstlerkneipe Simplizissimus" im Haus Türkenstraße 57 (früher "Cafe Kronprinz Rudolf").

Jeder der etwas zu sagen hat, darf bei Kathi Kobus das kleine Podium betreten, ein Gedicht oder ein Lied zum besten geben. Bei ihr verkehren all die Literaten, die München der Jahrhundertwende zum Leuchten bringen: Thomas Mann, Max Halbe, Ludwig Thoma, Erich Mühsam, Johannes R. Becher, Otto Julius Birnbaum, daneben Politiker, Diplomaten und Hochadel aus nah und fern. Auch der deutsche Kronprinz schnupperte gern "Simpl"-Atmosphäre. Enrico Caruso lässt sich zu einem Lied überreden, Isodora Duncan zu einem Tanz auf dem Marmortisch. Währenddessen klaut man ihr den Nerzmantel. Doch der reuige Dieb schickt ihn anderntags, gefüllt mit roten Rosen, ins Hotel zurück.

Eine literarische Kabarett-Kultur entwickelt sich, mit dem Elf-Scharfrichter-Kreis als Kern. Ein Sachse namens Hans Bötticher taucht 1908 auf und avanciert zum Hausdichter Joachim Ringelnatz. ...

1935 riskiert Adolf Gondrell seine Ersparnisse, erwirbt den Betrieb, engagiert den Wiener Humoristen und Handelskaufmann Theo Prosel als "Dichterwirt" und verkauft 1941 an ihn weiter. ...Es erklingt zum ersten Mal Prosels unvergessenes Schlagerlied "Ich hab' die schönen Madeln nicht erfunden, der guade Wein ist auch nicht mein Patent", zu dem Ludwig Schmidseder dort in einer Nacht die Melodie komponierte. Und Lale Andersen hebt den späteren Welt-Hit von der Lili Marleen aus der Taufe. Am 13. Juli 1944 explodiert eine Bombe im Bühnenraum. ...

Mit dem "Alten Simpl" in der Türkenstraße (Ausweichquartier am Platzl!) geht es erst wieder aufwärts, als 1960 die junge Schauspielerin Toni Netzle die Rolle der Wirtin übernimmt. .. Bis 1968 hält sie mit Kabarett-Programmen durch, danach agieren Künstler nur noch, wenn's was zu feiern gibt - doch es wird oft gefeiert. Auf Tonis Nudelbrett stehen Wolfgang Neuss und Ursula Herking, die Geschwister Ofarim und Evelyn Künneke, Oliver Hassenkamp, Helen Vita und viele mehr. An der Bar schmieden Teufel, Langhans und Genossen ihre Apo-Pläne. Bei einer Filmpremiere von Uschi Glas zur Saalschlacht. Bernd Eichinger kippt an seinem 30. Geburtstag in der Küche um, und Staatsminister Peter Gauweiler mimt den Ludwig Thoma. ...

1995 Umgestaltung. Ob aber je wieder Ringelnatzsches "Simpl-Glasglü-Morgenrot" dort die Nacht zur schöneren Hälfte des Tages macht - wie einst im Mai?

Aus der SZ von Franz Freisleder

Ringelnatz:   Zeichnung von Karl Arnold

 

Aus der "Münchner Illustrierte Presse" vom 28.12.1939 - Erster Kriegswinter

 

Engelsburg - Zeitungsausschnitt aus der SZ vom 29.9.2005

 

 

 

Hugo Ball „Der Katholik, Dadaist und deutsche Denker“

„Deutsch sein heißt quer zu der Menschheit stehen; deutsch sein heißt alle Begriffe verwirren, umwerfen, beugen , um sich die ,Freiheit‘ zu wahren. Deutsch sein heißt babylonische Türme errichten, auf denen in zehntausend Zungen der Eigensinn Anspruch auf Neuheit macht; deutsch sein heißt renitente Systeme voller Sophistik ersinnen, aus einfacher Furcht vor Wahrheit und Güte.“( aus: „Kritik der deutschen Intelligenz“ (1918/19)

"In Pirmasens aufgewachsen, wurde er katholisch erzogen, er studierte Philosophie, begeisterte sich für Nietzsche, ging dann aber doch zum Theater. Mit Erfolg. Bei Max Reinhardt in Berlin ausgebildet, brachte ihn seine kurze Karriere nach München, wo er an den Kammerspielen Dramaturg und Regisseur wurde. Er begann schon, auf sich aufmerksam zu machen, als der Erste Weltkrieg seiner Arbeit ein Ende setzte. Zusammen mit der Chansonsängerin Emmy Hennings ging Ball nach Zürich, wo beide Kabarett-Nummern vortrugen. ... Im Cabarett Voltaire wurde der Dadaismus erfunden. Ball, ein Verehrer Kandinskys, war Präzeptor und Organisator des Unternehmens zugleich. Und zog sich als erster davon zurück, als er begann, es für vergeblich zu halten. Von ihm blieben ein paar Lautgedichte für die Anthologien, wo andere die Basis für lebenslangen Ruhm sich schufen. Ball schien das alles nicht mehr sinnvoll zu sein. Ein Weg vom Futurismus zum Surrealismus hatte über die Kreuzung geführt, auf der er stand und nach Besserem Ausschau hielt.

Er wurde Redakteur der linksgerichteten Freien Zeitung in Bern. Er schrieb vehement gegen die deutschen Kriegsillusionen, analysierte die Ursachen des deutschen Verhängnisses und mahnte die Deutschen, ihre Schuld am Krieg anzuerkennen, anders könnten sie nicht mit sich ins Reine und zu einer besseren Zukunft kommen.

Ball stieß sich an dem Extremismus Schmitts. Dessen Diktaturideen, notiert er 1924 in sein Tagebuch, kämen der „preußischen Restauration und der Revanchepolitik zugute“. Dasselbe gelte von seinem Abscheu gegen die Ideen von 1789. „Seine Beurteilung der Menschenrechte ist ungerecht und unsachlich“, fügt Ball an. Eine „katholische Diktatur in Deutschland“ werde Schmitt in den „nächsten Jahrzehnten vergebens erwarten und durch seine Doktrin zunächst auch nicht befördern.“ Da passte nichts zusammen.

Eine Freundschaft aber hielt. Es war die zu Hermann Hesse, dessen Nachbar Ball im Tessin geworden war. Hesse half der Familie, die so gröbste Not vermeiden konnte. Und Ball wurde zum kompetenten Freund eines schwieriger werdenden Schriftstellers. Als zu Hesses 50. Geburtstag der S. Fischer Verlag eine Biographie seines Autors herausbringen wollte, sorgte dieser dafür, dass Ball den Auftrag bekam. ... Es ist Balls schönstes Buch geworden. Man kann es auch als eine Art Testament des Autors lesen, das beglaubigt, dass das Bissige und Heftige nur ein Teil, der ungewollte Teil seines Wesens war."

 

JÜRGEN BUSCHE in der SZ über:  HUGO BALL: Briefe 1904 bis 1927.


 Franz von Stuck (Maler) war in der Schellingstraße Nr. 5 kreativ.

 Ferdinand von Reznicek (Zeichner) lebte in der Schellingstraße 19 und 111.

 Joachim Ringelnatz (Schriftsteller) wohnte ein Zeit in der Schellingstraße Nr. 23.

 Wilhelm Hüsgen (Bildhauer) lebte in der Schellingstraße Nr. 24.

 Wilhelm Hoegner (Politiker) hatte in der Schellingstraße 26 ein zu Hause gefunden.

 Frank Wedeking (Schriftsteller) lebte ein zeitlang in der Hausnummer 27.

 Alfred Rosenberg (NS Philosoph) lebte in der Schellingstraße Nr. 39.

 Franz Josef Strauss ( Politiker) wuchs in der Schellingstraße 44 und 49 auf.

 Henrik Ibsen (Schriftsteller) wohnte in der Schellingstraße 55.

 Wassily Kandinsky (Maler) malte und lebte in der Schellingstraße 62 und 75.

Quelle:  Maxvorstadt München 

 

IMPRESSIONEN AUS DER SCHELLINGSTRASSE

hier noch mehr . . .

 

 


Fürstenhäusern in der Schellingstraße 83 -93 (1888-89 errichtet - zerstört 7.1.1945)

(Aufnahme 1944 - von mir bearbeitet)

Fassadenmalerei des Historienmalers Ferdinand Wagner Ferdinand Wagner (* 1847 in Passau † 1927 in München) mit dem Thema "Die fünf bayerischen Herrscher und deren Beförderung der Wissenschaften"

 

 

 

 

Fritz Gerlich beim Abschiedstrunk mit Adolf Müller, dem Eigentümer des Buchgewerbehauses,
nachdem Hitler Müller vor das Ultimatum stellte: Entweder Gerlich verschwindet
oder der Völkische Beobachter wird bei der Konkurrenz hergestellt.

 

theodor frey

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