Seiten über Gott - Welt - Mensch

von Theodor Frey

 

 

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Experimente zur Gestaltwerdung

 

                                            
  
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 Schwabing östlich der Leopoldstraße

 Schwabinger Träume

 St. Sylvester

 St. Ursula

 Erlöserkirche

 

 Zum Modell der Straße 1930

 Zur weiteren Umgebung Maxvorstadt und Schwabing

 Luftschau in der Schellingstraße in Schwabing

 Zur Seite von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling . . .

 

 

Romano Guardini 

* 17. 2. 1885               †  1. 10. 1968

Seit 1997
Grab in St. Ludwig München

München, Fr. 20.11.53

Nun sind die Vorträge vorüber. Sieben im Ganzen. ... Herausgekommen ist nicht viel. Die Sache ist ziemlich trostlos. Der Widerstand gegen die Restauration wird sich verlaufen, und auch hierin werden die Dinge werden, wie sie waren - d.h. eben deshalb schlimmer, als sie waren, denn die zwölf Jahre, der Krieg und der Nachkrieg liegen dazwischen. Man hat nichts gelernt und fühlt nicht die Kraft zum neuen Beginn. Heute Abend war Heidegger hier. Menschlich schön und nahe.

München, So. 6.12.53

Heute in St. Ludwig waren viele Mützen zu sehen. Wie ich höre, ist in Bonn entschieden worden, das Farbentragen sei erlaubt. Jetzt kommt wieder eins nach dem anderen. Restauration in allem. Nichts ist gelernt worden.

Ludwigskirche
an der Stirnseite der Schellingstraße

Joseph Friedrich Wilhelm (von) SCHELLING 

* 1775            †  1854

Namensgeber der Straße

"Man hat zu oft vergessen – und dieses Vergessen reiht sich ein in die Tradition der abstrakten Entgegensetzung von Natur und Geist –, dass der Geist zum Naturreich dazugehört. Die schreckliche Verdrängung, der sich die Menschheit schuldig macht, besteht in der Vernachlässigung der Natürlichkeit des Menschenwesens – einer Natürlichkeit, die man als Gegenstand der technischen Naturausbeutung betrachtet hat.

Die Unmenschlichkeit des Bildes, das uns heute die natürliche Umwelt spiegelt, ist nur der Reflex des Verrats, den wir am »ursprünglichen Kompatriotismus mit der Natur« begangen haben. Es besteht keine Hoffnung, zu ihm zurückzukehren, es sei denn, wir besännen uns der Tatsache, dass die Natur den Menschen nicht zu ihrem Zweck hat, sondern dass sie Selbstzweck, nämlich ein selbstreflexiver Organismus ist, der sich souverän durch Assimilation und Adaptation reguliert, wie es auch – mutatis mutandis – der selbstbewusste Geist tut. Das ist die Lektion, die sich aus einer sensibilisierten Neulektüre Schellings ziehen lässt."

Manfred Frank, Professor für Philosophie, Uni Tübingen

 

 

 


Schellingstraße 4 - 12


Ecke Schelling- Amalienstr. 57 - 





Schellingstraße 24




Schellingstraße 32

Neuklassizistischer Schmuck durch Eugen Drollinger 1927
(Aufnahme 2011)



 

Schellingstraße 54 (1885 erbaut)

Der traditionelle "Schelling-Salon" (Gastwirt Sylvester Mehr) war Treffpunkt 
von allerlei mehr oder weniger bekannter Persönlichkeiten. 

(Aufnahme 2011)







<<  Ludwigstraße zum Siegestor

Zur Ludwig-Maximilians Universität - Universtitätsbibliothek

Zur Gedenkstätte der "Weißen Rose"

 

 

Ludwigstraße zum Odeonsplatz  >>

Wunden der Erinnerung

Ecke Schelling- zur  Ludwigsstraße

Universitätsgebäude

König Ludwig I.  holte, mit einer seiner ersten Amtshandlungen, die Universität 1826 nach München. 

1840 wurde das heutige Universitätshauptgebäude (Architekt Friedrich von Gärtner) bezogen. Die Studenten dankten es dem König aber schlecht, sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass er im Revolutionsjahr 1848 (wegen seiner Geliebten Lola Montez) zum Rücktritt gezwungen wurde.

Zur Ludwig-Maximilians Universität - Universtitätsbibliothek
Zur
Gedenkstätte der "Weißen Rose"

NR. 2
bis

12

4

Lehrstuhl für Didaktik der Physik

Salinenhof

In dem parkähnlichen Innenhof gibt es ein Denkmal von Karl Geyer zu entdecken; die Bäume sind mit Lehrschildchen gekennzeichnet; in der Mitte steht ein kleiner Pavillion, dessen Decke kunstvoll bemalt ist. In der Mitte thront eine Eulenstatue aus Stein.

Historicum

An der Ecke Schellingstraße/ Amalienstraße befindet sich das , das 1999 neu bezogene Zentrum für Geschichte und Archäologie.

 

<< Amalienstraße zur Akademie der schönen Künste

Amalienstraße zur Innenstadt (Siemens) >> 

 

23

Joachim Ringelnatz

"Ein Zettelchen im Briefkasten, so versuchte Hans Bötticher alias Joachim Ringelnatz 1909 seine Kundschaft für das "Tabakhaus zum Hausdichter" anzulocken. Dieses bestand nur vom März bis zum 31. Dezember 1909. Damals gab Ringelnatz seinen gesamten Besitz aus, um das Geschäft zu erwerben. In diesem verrückten Laden war ein menschliches Gerippe, ein Riesenkäfer, Trophäen aus seiner Seemannszeit und Totenköpfe aus Gips zu sehen. 

Ausschnitt aus dem Bild von Michael Mathias Prechtl 
(gestorben 2003)


Tabakhaus zum Hausdichter"

Die Erde hat ein freundliches Gesicht,
so groß, daß man's von weitem nur erfaßt.
Komm, sag mir, was du für Sorgen hast.

Reich willst du werden? -

                                   Warum bist du's nicht?

 

 

 

25


28a

27

Benjamin Franklin (Frank) Wedekind (1864-1918)
fristet in diesem Haus sein Studentendasein
. 1885 bezog er mit weiteren drei Studenten die Wohnung, in der er sich nur wenig begeistert auf juristische Vorlesungen vorbereitete. Theater hatte seine Leidenschaft geweckt. 84 mal zog es ihn vorigen Winter als Zuschauer zu den Bühnen, daher belegte er nun auch Vorlesungen in Philosophie, Literatur und Kunstgeschichte. Nach einer Tätigkeit als Lohndichter für Maggi in Kemptal bei Zürich kehrte er 1889 nach München zurück. 1891 erschien "Frühlingserwachen". Wedekind starb 1918 nach seiner vierten Blinddarmoperation an einer Lungenentzündung und an Herzschwäche.

<< Türkenstraße zum Arri-Kino

 

"Alte Simpl" (Türkenstraße 57)

Türkenstraße zur Landesbank>

Gaststätte Engelsburg

Lara Bistro

30

29

Hypo Vereinsbank

VdK

Antiquariat

Bistro

32

Semikolon Papeterie

Bäcker

34

Cutting Crew

Sonnenstudio

36

33

Franz Marc (1907/1908)
(Atelier Friedrichstraße 4)

"Die Dinge reden: in den Dingen ist Wille und Form, warum wollen wir dazwischensprechen? Wir haben nichts Kluges ihnen zu sagen. Haben wir nicht die tausendjährige Erfahrung, daß die Dinge um so stummer werden, je deutlicher wir ihnen den optischen Spiegel ihrer Erscheinung vorhalten? Der Schein ist ewig flach, aber zieht ihn fort, ganz aus Eurem Geiste weg - denkt Euch fort samt Eurem Weltbild -, die Welt bleibt in ihrer wahren Form zurück, und wir Künstler ahnen diese Form; ein Dämon gibt uns zwischen die Spalten der Welt zu sehen, und in Träumen führt er uns hinter die bunte Bühne der Welt."

PLUS

38

35

Goldankauf

Blumen

Schreinerei

40

Joh. Mendl vorm. Ulrich

(kunstgewerbliche Werkstätte)

Bears & Friends

(Fruchtgummi)

42

39

Im Juli 1920 wurde der "Völkische Beobachter" des Verlages des Franz Ehers von der NSDAP für 115 000 Reichsmark erworben. Wegen antisemitistischer Hetze wurde das Blatt wiederholt verboten. Im August 1921 wurde Dietrich Eckart, antisemitischer Schriftsteller und Mentor Hitlers, Hauptschriftleiter, Alfred Rosenberg und Hermann Esser wurden Schriftleiter.  Seit 8.2.1923 erschien der "Völkische Beobachter" als Tageszeitung, was nur durch private Spenden möglich wurde. Ernst Hanfstaengl gab im August 1323 ein Darlehen für den Kauf einer amerikanischen Rotationsmaschine, die im amerikanischen Großformat druckte und in der Druckerei Müller 6 Sohn, Schellingstraße 41 zum Einsatz kam.

Tailor

Hampel Auktionshaus

44

41

 

Verlagsgebäude des "Re-Edukation"-Blattes "Die Neue Zeitung". Sie erschien im selben Haus aus denselben Druckmaschinen, die im Franz Eher Verlag die süddeutsche Ausgabe des "Völkischen Beobachters hervorgebracht hatte.

Erich Kästner als Feuilleton-Redakteur der "Neuen Zeitung", mit seiner Mitarbeiterin Luiselotte Enderle




Alvensleben Kunshandel
Nähstube Schwabing

Hinterhaus:
Kunst und Raum
Anselm Roehr "Glas am Bau"

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"Schellingstraße 48 - Erfahrungen mit Deutschland"
(1984) von Walter Kolbenhoff 
(eigentlich Walter Hoffmann)
20.05.1908 - 29.01.1993

Der Ruf. Unabhängige Blätter der jungen Generation. Herausgeber: Alfred Andersch. (Ab 1. Oktober 1946 herausgegeben von Alfred Andersch und Hans Werner Richter; ab Heft 17 von Erich Kuby; ab. III. Jg. von Walter von Cube). 
 "Zweifellos war der 'Ruf' in dieser Zeit das Blatt der jungen heimkehrenden Generation. Diese Generation, hart, desilllusioniert, gewohnt, am Rande der menschlichen Existenz zu leben, ein Feind jeder Phraseologie, begann dennoch wieder mit großen Hoffnungen. Ihre Hoffnung war ein vereintes sozialistisches Europa. Leidenschaftlich wandte man sich gegen die Teilung Deutschlands, nicht aus Chauvinismus, sondern weil man sich bewußt war, daß ein neues Europa niemals auf der Basis geteilter Nationen möglich ist" (H.W. Richter). "Hätten die Amerikaner den 'RUF' 1947 nicht verboten, hätte es wahrscheinlich auch keine 'Gruppe 47' gegeben" (H.W. Richter). Unter den Beiträgern befinden sich Alfred Andersch, Günter Eich, Erich Kuby, Hans Werner Richter, Wolfdietrich Schnurre u.v.a.

Im September 1947 lud Hans Werner Richter die ehemaligen Mitarbeiter des RUF zu einer Tagung nach Bannwaldsee bei Füssen. Da man kein Publikationsorgan mehr besaß und ein neues von der Militärzensur nicht genehmigt wurde, lasen sich die Teilnehmer aus mitgebrachten Manuskripten vor. Das war die Geburtsstunde der Gruppe 47. Es dauerte mehrere Jahre, bis eine Gruppentagung und Angehörige der Gruppe lyrisch hervortrat.  WALTER JENS
berichtet: "Dann plötzlich geschah es. Ein Mann namens PAUL CELAN begann, ...seine Gedichte zu sprechen; INGEBORG BACHMANN, eine Debütantin, flüsterte stockend und heiser einige Verse; ILSE AICHINGER brachre ... die Spiegelgeschichte zum Vortrag. Damals, sieben Jahre nach dem Ende des Krieges, entfaltete sich ... die junge deutsche Literatur der Moderne."

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Reichsleitung des NSDAP - heute noch erkennbar der Adler mit dem herausgemeiselten Hakenkreuz -
Am 1. Januar 1931 zog die Reichsleitung von der Schellingstraße 50 in das ehemalige Barlow Palais in der Briennerstraße 45. Diese Gebäude wurde im Volksmund nach der Farbe der Parteiuniformen "Braunes Haus" genannt. Dieser Titel wurde schnell offiziell übernommen.

Atelier Heinrich Hoffmann (1885-1957)

Er war Hitlers persönlicher Portraitist und betätigte sich als wichtigster fotographischer Propagandist. Seine Aufnahmen prägten nachhaltig Hitlers Image als "Führer": 1909 etablierte Hoffmann ein eigenes Atelier in der Schellingstraße 33, später in Hausnummer 50. Sein Hinterhofatelier war zunächst alles andere als repräsentativ. Im April trat Hoffmann der DAP/NSDAP bei. Im selben Jahr übernahm er den Alleinvertrieb der judenfeindlichen Hetzschrift "Auf gut Deutsch". Direkt gegenüber lag das "Münchner Buchgewerbehaus M. Müller  Sohn", das den "Völkischen Beobachter", später auch "Mein Kampf" druckte und dessen Mitinhaber Adolf Müller ein enger Freund Hoffmanns war.

Es gab kaum einen führenden Parteigenossen, der sich nicht von Hoffmann portraitieren ließ. Zu ihm kamen Hermann Göring, Heinrich Himmler und Joseph Goebbels. Er durfte sich in Hitlers privater Umgebung frei bewegen und ungehindert fotografieren. Mit der Etablierung der NS-Herrschaft begann eine enorme Expansion seines Unternehmens, das im ein Millionenvermögen einbrachte.

Seit Mitte der zwanziger Jahre vermittelte Hoffmann einige Räume des Gebäudes der Reichshauptgeschäftsstelle der NSDAP. Im großräumigen Atelier über seinem Fotostudio wurde der "Ehrensaal der SA" eingerichtet. Dort tagte die Parteispitze. 1929 gab Hoffmann dieses Atelier auf. Das im Oktober 1929 gegründete "Photohaus Hoffmann" befand sich im ersten Stock über dem bekannten "Cafe Stefanie" an der Ecke Theresien/Amalienstraße. Unter den neuen Angestellten war auch die junge Eva Braun, die hinter der Ladentheke stand. Dort hatte sie 1930 Hitler erstmals getroffen.

50

Mashallah

Tengelmann

52

<< Barerstraße zum Elisabethplatz

                 Barerstraße über die Pinakotheken zum Karolinenplatz>

                              Oskar Maria Graf (Barerstraße 36)

Schellingsalon


Wer verkehrte hier alles?

Hitler
Lenin
Hugo Ball,
Gründer des  "Cabaret Voltaire" und der "Galerie Dada" in Zürich, lernte in München seine spätere Dada-Gefährtin und Frau Emmy Hennings kennen. Emmy Hennings als Sängerin und Diseuse im "Simplicissium", Hugo Ball als Dramaturg bei den "Münchner Kammerspielen".  Hier traf Hugo Ball auch den Medizinstudenten Richard Huelsenbeck, mit dem er im Anschluss an den Münchner Aufenthalt ein sehr programmatisches prädadaistisches Manifest vorlegte: "Wir wollen den Appetit verderben an aller Schönheit, Kultur, Poesie, an allem Geschmack, Sozialismus, Altruismus und Synonyismus. Wir gehen los gegen alle 'Ismen', Parteien und 'Anschauungen'. Negationisten wollen wir sein."

Cafe Altschwabing

56

58

 Internetseite Schellingstraße 60

60

 

<< Schraudolphstraße

Schraudolphstraße zur Neuen Pinakothek

Hermann Frieb Sozialdemokrat und Widerstandskämpfer

(11.12.1909-12.8.1943)

In der Münchner Schellingstraße befindet sich am Haus Nummer 78 eine schlichte Gedenktafel mit der Inschrift „Hier wohnte bis zu seiner Hinrichtung der Widerstandskämpfer Hermann Fried."

Hermann Fried wurde am 11. Dezember 1909 als Sohn des Wirtschaftsprüfers Eduard Frieb und seiner Frau Paula in Mauerkirchen geboren. Nach dem Umzug der Familie nach München im Jahr 1928 trat er der SPD bei und engagierte sich als Student der Volkswirtschaft als Vorsitzender des Sozialistischen Studentenbundes.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 betätigte er sich illegal politisch weiter. Am 27.3.1934 wies die Polizeidirektion München den österreichischen Staatsbürger Hermann Frieb wegen des Verdachts illegaler politscher Tätigkeit aus Bayern aus. Von Wien und später von Prag aus, wo er seine Studien weiterführte, kamm er mit dem späteren Landesvorsitzenden der SPD in Bayern, Waldemar von Knoeringen und der Bewegung Neu Beginnen in Kontakt.

Bereits im August 1933 hatte der Berliner Sozialist Walter Loewenstein unter der Pseudonym „Miles" eine Programmschrift mit dem Titel „Neu Beginnen" verfasst, in dem er den NS-Staat als längerfristige Herrschaftsform ansah und nicht -wie viele Sozialdemokraten- als ein Regime, das wegen seiner inneren Widersprüche in kurzer Zeit zugrunde gehen müsse. Loewenstein sah eine langfristig angelegte und konspirativ gründlich abgesicherte illegale Arbeit aller sozialistischen Gruppen gegen den Faschismus als größte Notwendigkeit. Lag für ihn doch das Aufkommen des Nationalsozialismus v.a. in der durch Spaltung bedingten Unfähigkeit der Arbeiterbewegung zur Durchsetzung der sozialistischen Revolution begründet. Loewenstein plädierte deshalb für die Schaffung einer übergreifenden revolutionären Arbeiterpartei. Von diesen Ideen fühlte sich auch Waldemar von Knoeringen angesprochen. Als für Südbayern zuständiger Grenzsekretär der SPD-Auslandsorganisation SoPaDe, nahm er Kontakt mit Widerstandsgruppen in Augsburg (Josef „Bebo" Wagner und Eugen Nerdinger) und München (Lotte und Gottlieb Branz bzw. Hermann Frieb) auf und gewann diese für Neu Beginnen.

Nach dem Tod seines Vaters und der Aufhebung seiner Ausweisung kehrte Frieb im Frühjar 1935 nach München zurück und übernahm als selbständiger Steuerberater die väterliche Kanzlei. In der Folgezeit baut er für den Widerstand mit Unterstützung seiner Mutter ein neues Informations- und Kontaktnetz auf und wurde neben Bebo Wagner zum maßgeblichen Mitglied von Neu Beginnen in Südbayern. Die Organisation wuchs während dieser Zeit auf ungefähr 200 Personen in ca. 15 Gruppen in Nördlingen, Rosenheim, im Bayerischen Wald, in Landshut und Regenburg an. Ein Hauptziel der „Revolutionären Sozialisten", diesen Namen hatten sich von Knoeringen und die Neu Beginnen-Kader in Südbayern und Österreich in der Zwischenzeit gegeben, lag in umfassender und vielseitiger Information über das NS-System, dessen Nachrichtenmonopol mit „qualifizierter Berichterstattung" unterlaufen werden sollte. Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurde die bisher von der Organisation propagierte „Taktik des Abwartens" aufgegeben, schien doch mit dem Beginn des Krieges einEnde der NS-Herrschaft absehbar. Trotz der anfänglichen Erfolge der deutschen Wehrmacht nahmen die Zusammenkünfte von Frieb und Wagner mit ihren Stützpunktleitern zu. Man legte Waffendepots an, führte Schießübungen durch und bemühte sich, neue Mitglieder anzuwerben. Angesicht der absehbaren Niederlage des NS-Regimes glaubte man auch, bestimmte Vorsichtsmaßnahmen gegenüber der Polizei vernachlässigen zu können. Ein fataler Irrtum, standen doch die Widerstandskämpfer bereits seit 1936 unter der Beobachtung durch die Gestapo. Nach sechs Jahren hatte diese ausreichend Material zusammengetragen, um die Organisation zu zerschlagen:Am 16. April 1942 wurden Bebo Wagner, Hermann und Paula Frieb verhaftet und des „Hoch- und Landesverrats" angeklagt. Der Volksgerichtshof verurteilte Hermann Frieb, Bebo Wagner und acht weitere Mitglieder zum Tode, andere zu langjährigen Haftstrafen, u.a. Paula Frieb zu 12 Jahren Gefängnis. Das Urteil gegen Hermann Frieb wurde am 12. August 1943 in der Haftanstalt München-Stadelheim vollstreckt, der inhaftierten Mutter stellte man die Kostenrechnung für die Hinrichtung des Sohnes zu. Waldemar von Knoeringen nannte Hermann Frieb später eine der außergewöhnlichsten Gestalten im sozialistischen Widerstand, wegen seiner Intellektualität, seiner moralischen Kompromisslosigkeit und seines unbedingten Anspruchs an sich selbst seier für die illegale Arbeit geeignet gewesen, wie kaum ein anderer. Zum Andenken an Hermann Frieb benannte die Landeshauptstadt München am 22. Januar 1964 die städtische Mittelschule für Knaben in der Hohenzollernstraße in Hermann-Frieb-Realschule um. Am 26.10.1987 wurde am ehemaligen Wohnhaus der Familie Frieb die eingangs erwähnte Gedenktafel angebracht. Der damalige SPD-Bürgermeister Klaus Hahnzog sagte anlässlich der feierlichen Enthüllung: „Mutigen Menschen wie ihnen verdankt München die Ehrenrettung. Nur ihretwegen darf es behaupten, nicht nur die Hauptstadt der Bewegung gewesen zu sein."

Text: Robert Bierschneider

 

78

Schwestern von der "Heiligen Familie"

Der Münchner Bischof stellte dem Oberabbiner von München einen Lastwagen zur Verfügung, damit geweihte Gegenstände aus der Synogoge in Sicherheit gebracht werden konnten. Juden fanden Unterschlupf bei den Schwestern von der "heiligen Familie" in der Schellingstraße.

Modell 1930

"Alte Simpl" (Türkenstraße 57) 

"30. April 1903. Das "Weinrestaurant Dichtelei" in der Türkenstraße 81 - damals Stammlokal von Mitarbeitern der satirischen Zeitschrift Simplizissimus - ist wieder einmal brechend voll. Kurz vor Mitternacht eröffnet Wirtin Kathi Kobus den überraschten Gästen, sie werde ihre Zelte hier in wenigen Minuten abbrechen. Wer Lust habe, könne sie jetzt gleich beim Umzug ins neue Domizil, nur ein paar Hausnummern entfernt, begleiten. Stets zu jedem Ulk aufgelegt, nimmt man Bilder von den Wänden, Sektkübel und Aschenbecher in den Arm und zieht mit brennenden Kerzen los. Als Spielmann marschiert frank Wedekind mit der Laute voraus. Das ist die Geburtsstunde der "Künstlerkneipe Simplizissimus" im Haus Türkenstraße 57 (früher "Cafe Kronprinz Rudolf").

Jeder der etwas zu sagen hat, darf bei Kathi Kobus das kleine Podium betreten, ein Gedicht oder ein Lied zum besten geben. Bei ihr verkehren all die Literaten, die München der Jahrhundertwende zum Leuchten bringen: Thomas Mann, Max Halbe, Ludwig Thoma, Erich Mühsam, Johannes R. Becher, Otto Julius Birnbaum, daneben Politiker, Diplomaten und Hochadel aus nah und fern. Auch der deutsche Kronprinz schnupperte gern "Simpl"-Atmosphäre. Enrico Caruso lässt sich zu einem Lied überreden, Isodora Duncan zu einem Tanz auf dem Marmortisch. Währenddessen klaut man ihr den Nerzmantel. Doch der reuige Dieb schickt ihn anderntags, gefüllt mit roten Rosen, ins Hotel zurück.

Eine literarische Kabarett-Kultur entwickelt sich, mit dem Elf-Scharfrichter-Kreis als Kern. Ein Sachse namens Hans Bötticher taucht 1908 auf und avanciert zum Hausdichter Joachim Ringelnatz. ...

1935 riskiert Adolf Gondrell seine Ersparnisse, erwirbt den Betrieb, engagiert den Wiener Humoristen und Handelskaufmann Theo Prosel als "Dichterwirt" und verkauft 1941 an ihn weiter. ...Es erklingt zum ersten Mal Prosels unvergessenes Schlagerlied "Ich hab' die schönen Madeln nicht erfunden, der guade Wein ist auch nicht mein Patent", zu dem Ludwig Schmidseder dort in einer Nacht die Melodie komponierte. Und Lale Andersen hebt den späteren Welt-Hit von der Lili Marleen aus der Taufe. Am 13. Juli 1944 explodiert eine Bombe im Bühnenraum. ...

Mit dem "Alten Simpl" in der Türkenstraße (Ausweichquartier am Platzl!) geht es erst wieder aufwärts, als 1960 die junge Schauspielerin Toni Netzle die Rolle der Wirtin übernimmt. .. Bis 1968 hält sie mit Kabarett-Programmen durch, danach agieren Künstler nur noch, wenn's was zu feiern gibt - doch es wird oft gefeiert. Auf Tonis Nudelbrett stehen Wolfgang Neuss und Ursula Herking, die Geschwister Ofarim und Evelyn Künneke, Oliver Hassenkamp, Helen Vita und viele mehr. An der Bar schmieden Teufel, Langhans und Genossen ihre Apo-Pläne. Bei einer Filmpremiere von Uschi Glas zur Saalschlacht. Bernd Eichinger kippt an seinem 30. Geburtstag in der Küche um, und Staatsminister Peter Gauweiler mimt den Ludwig Thoma. ...

1995 Umgestaltung. Ob aber je wieder Ringelnatzsches "Simpl-Glasglü-Morgenrot" dort die Nacht zur schöneren Hälfte des Tages macht - wie einst im Mai?

Aus der SZ von Franz Freisleder

Ringelnatz:   Zeichnung von Karl Arnold

 

Aus der "Münchner Illustrierte Presse" vom 28.12.1939 - Erster Kriegswinter

 

Engelsburg - Zeitungsausschnitt aus der SZ vom 29.9.2005

 

 

Hugo Ball „Der Katholik, Dadaist und deutsche Denker“

 

 „Deutsch sein heißt quer zu der Menschheit stehen; deutsch sein heißt alle Begriffe verwirren, umwerfen, beugen , um sich die ,Freiheit‘ zu wahren. Deutsch sein heißt babylonische Türme errichten, auf denen in zehntausend Zungen der Eigensinn Anspruch auf Neuheit macht; deutsch sein heißt renitente Systeme voller Sophistik ersinnen, aus einfacher Furcht vor Wahrheit und Güte.“( aus: „Kritik der deutschen Intelligenz“ (1918/19)

 

In Pirmasens aufgewachsen, wurde er katholisch erzogen, er studierte Philosophie, begeisterte sich für Nietzsche, ging dann aber doch zum Theater. Mit Erfolg. Bei Max Reinhardt in Berlin ausgebildet, brachte ihn seine kurze Karriere nach München, wo er an den Kammerspielen Dramaturg und Regisseur wurde. Er begann schon, auf sich aufmerksam zu machen, als der Erste Weltkrieg seiner Arbeit ein Ende setzte. Zusammen mit der Chansonsängerin Emmy Hennings ging Ball nach Zürich, wo beide Kabarett-Nummern vortrugen. ... Im Cabarett Voltaire wurde der Dadaismus erfunden. Ball, ein Verehrer Kandinskys, war Präzeptor und Organisator des Unternehmens zugleich. Und zog sich als erster davon zurück, als er begann, es für vergeblich zu halten. Von ihm blieben ein paar Lautgedichte für die Anthologien, wo andere die Basis für lebenslangen Ruhm sich schufen. Ball schien das alles nicht mehr sinnvoll zu sein. Ein Weg vom Futurismus zum Surrealismus hatte über die Kreuzung geführt, auf der er stand und nach Besserem Ausschau hielt.

 

Er wurde Redakteur der linksgerichteten Freien Zeitung in Bern. Er schrieb vehement gegen die deutschen Kriegsillusionen, analysierte die Ursachen des deutschen Verhängnisses und mahnte die Deutschen, ihre Schuld am Krieg anzuerkennen, anders könnten sie nicht mit sich ins Reine und zu einer besseren Zukunft kommen.

 

Bei dieser Tätigkeit lernte Ball auch Ernst Bloch kennen. – „Ernst Bloch ist merkwürdigerweise ganz besessen von mir“, schreibt er im November 1917 an Emmy. Wenig später erschien ihm das weniger merkwürdig, als er nämlich bemerkte, dass Bloch sich für seine Artikel der ihm überlassenen Entwürfe von Balls im Entstehen begriffener „Kritik der deutschen Intelligenz“ bediente. Ball diagnostizierte die deutsche Fehlentwicklung als Folgen der Reformation. Er schalt Luther und pries Thomas Münzer. Kurz nach Balls „Kritik“ erschien Blochs „Münzer“, den manche für sein bestes Buch halten und in dem die Spuren der Lektüre des einstigen Freundes überdeutlich sind.

 

Aber nicht deshalb waren sie jetzt entzweit. Bloch hatte sich entschieden – „Ubi Lenin, ibi Jerusalem“. Ball hatte sich, nachdem er zuvor einige Hoffnungen auf die Münchner Räterepublik gesetzt hatte, auch entschieden. Er kehrte zum Katholizismus zurück. Er schrieb ein Buch über „Byzantinisches Christentum“. ... Inzwischen hatte er jenen anderen prominenten Freund gewonnen, den er bald wieder verlieren sollte: Carl Schmitt. Über die ersten Bücher des Staatsrechtlers schrieb er einen fulminanten Aufsatz in der katholischen Monatszeitschrift Das Hochland. Man traf sich im Tessin.

 

Ball stiess sich an dem Extremismus Schmitts. Dessen Diktaturideen, notiert er 1924 in sein Tagebuch, kämen der „preußischen Restauration und der Revanchepolitik zugute“. Dasselbe gelte von seinem Abscheu gegen die Ideen von 1789. „Seine Beurteilung der Menschenrechte ist ungerecht und unsachlich“, fügt Ball an. Eine „katholische Diktatur in Deutschland“ werde Schmitt in den „nächsten Jahrzehnten vergebens erwarten und durch seine Doktrin zunächst auch nicht befördern.“ Da passte nichts zusammen.

 

Eine Freundschaft aber hielt. Es war die zu Hermann Hesse, dessen Nachbar Ball im Tessin geworden war. Hesse half der Familie, die so gröbste Not vermeiden konnte. Und Ball wurde zum kompetenten Freund eines schwieriger werdenden Schriftstellers. Als zu Hesses 50. Geburtstag der S. Fischer Verlag eine Biographie seines Autors herausbringen wollte, sorgte dieser dafür, dass Ball den Auftrag bekam. ... Es ist Balls schönstes Buch geworden. Man kann es auch als eine Art Testament des Autors lesen, das beglaubigt, dass das Bissige und Heftige nur ein Teil, der ungewollte Teil seines Wesens war.

 

JÜRGEN BUSCHE in der SZ über:  HUGO BALL: Briefe 1904 bis 1927.

 


 Franz von Stuck (Maler) war in der Schellingstraße Nr. 5 kreativ.

 Ferdinand von Reznicek (Zeichner) lebte in der Schellingstraße 19 und 111.

 Joachim Ringelnatz (Schriftsteller) wohnte ein Zeit in der Schellingstraße Nr. 23.

 Wilhelm Hüsgen (Bildhauer) lebte in der Schellingstraße Nr. 24.

 Wilhelm Hoegner (Politiker) hatte in der Schellingstraße 26 ein zu Hause gefunden.

 Frank Wedeking (Schriftsteller) lebte ein zeitlang in der Hausnummer 27.

 Alfred Rosenberg (NS Philosoph) lebte in der Schellingstraße Nr. 39.

 Franz Josef Strauss ( Politiker) wuchs in der Schellingstraße 44 und 49 auf.

 Henrik Ibsen (Schriftsteller) wohnte in der Schellingstraße 55.

 Wassily Kandinsky (Maler) malte und lebte in der Schellingstraße 62 und 75.

Quelle:  Maxvorstadt München 


 

















 




Fürstenhäusern in der Schellingstraße 83 -93 (1888-89 errichtet - zerstört 7.1.1945)

(Aufnahme 1944 - von mir bearbeitet)

Fassadenmalerei des Historienmalers Ferdinand Wagner Ferdinand Wagner (* 1847 in Passau † 1927 in München)
mit dem Thema "Die fünf bayerischen Herrscher und deren Beförderung der Wissenschaften"

"Es war Ende April 1897. Lou reiste von Berlin nach München, um hier ihre gute Freundin Frieda von Bülow zu treffen und einem Vortrag von ihr über Afrika beizuwohnen. Sie war mit ihr in den sogenannten Fürstenhäusern in der Schellingstraße in München-Schwabing abgestiegen (diese wurden im Krieg zerstört. An ihrer Stelle stehen heute die Neubauten Schellingstraße 83-98.) Bei dieser Gelegenheit traf sie viele andere Freunde und Bekannten, unter ihnen auch Frank Wedekind. Durch diesen lernte Lou den jungen Schriftsteller Jakob Wassermann kennen. Zwischenzeitlich bekam sie, offenbar von einem Verehrer, wiederholt anonyme Briefe mit beigefügten Gedichten, die sie nicht weiter beachtete, weil sie sie nicht sonderlich beeindrucken konnten. Am 12.5.1897 stellte ihr in seiner Wohnung der neue Freund Jakob Wassermann einen schlanken, 21 Jahre jungen Mann von zarter Erscheinung vor, dem seine Sensibilität und Aufgeregtheit ins Gesicht geschrieben standen, René Maria Rilke. Zwar hatte der junge Rilke die von ihm unbekannterweise verehrte Autorin nur aufgesucht, um durch sie Kontakte zu knüpfen und als Literat protegiert zu werden. Aber von Anfang an zog ihn die 36-jährige Lou, die fast seine Mutter sein könnte, in ihren Bann."

Quelle: Lebensreform

theodor frey

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Der unspektakuläre Beginn an der Lothstraße








Das Ende bis zur Ludwigstraße mit Ludwigskirche









































Türkenstrasse von Norden nach Süden gesehen














 

 




















































































































































































 

 

 

 

 

 

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