Seiten von Theodor Frey über Gott - Welt - Mensch

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Unsere Sache ist es, den Funken des Lichts festzuhalten, der aus dem Leben überall da hervorbricht, wo die Ewigkeit die Zeit berührt.

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Doris Schade

Gisela Stein

Peter Herzog

Stefani Jarke

Jörg Hube

Rolf Boysen

       

 



Rolf Boysen

1978/79 - 2000/2001 an den Münchner Kammerspielen (Auswahl)

 

 Kabale und Liebe von Friedrich Schiller:  Präsident von Walter

 Was ihr wollt von William Shakespeare:  Orsino

Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing :  Nathan

Troilus und Cressida von William Shakespeare:  Ulysses

Der zerbrochne Krug von Heinrich von Kleist:  Adam

Onkel Wanja von Anton Tschechow:  AJexander Wladimirowitsch Serebrjakow

John Gabriel Borkman von Henrik Ibsen:  John Gabriel Borkman

König- Lear von Williarn Shakespeare: Lear

Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist: Kurfürst Friedrich Wilhelm


 

 

 

 

 

Dieser strahlende, beherrschende Stein-Blick ist immer auch eingetrübt im Wissen und das Entsetzliche, das Menschen einander antun, ist voll der Trauer und Wehmut vor diesem umgestürzten Hafen.

Dienstag, 5. Mai 2009

Mit Trauer und Dankbarkeit für eine Jahrzehnte lange, reiche und faszinierende Zusammenarbeit geben wir bekannt, dass die Schauspielerin Gisela Stein gestern am 4. Mai 2009 gestorben ist.

Gisela Stein, am 2.10.1934 in Swinemünde (Pommern) geboren und in Wiesbaden zur Schauspielerin ausgebildet, erlebte nach ersten Engagements in Koblenz, Krefeld und Essen ihre prägenden Jahre an den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin, wo vor allem der Regisseur Hans Lietzau ihr Mentor war. In seinen Inszenierungen von Frischs „Graf Öderland“ und Tschechows „Iwanow“ und „Der Kirschgarten“ spielte sie zentrale Rollen, doch auch bei anderen wichtigen Regisseuren der Zeit war sie Protagonistin: Erwin Piscator, Fritz Kortner, Niels-Peter Rudolph und seit 1970 Dieter Dorn, dem sie 1980 an die Münchner Kammerspiele folgte und so, in 20 Jahren dort und in acht Jahren im Ensemble des Bayerischen Staatsschauspiels, zu einer Größe des Münchner Theaterlebens und einer prägenden Figur des deutschen Theaters wurde. Über Jahrzehnte war sie in fast jeder der großen Dorn-Inszenierung zu sehen: als Protagonistin der großen antiken Tragödien („Die Perser“, „Hekabe“) und der deutschen Klassik („Iphigenie auf Tauris“, „Torquato Tasso“, „Prinz Friedrich von Homburg“), als Shakespeare-Darstellerin („Was ihr wollt“, „König Lear“, „Der Sturm“, „Cymbelin“), in Stücken der klassischen Moderne („Glückliche Tage“) und immer wieder in neuen Stücken von Botho Strauß. Ihre letzten großen Rollen im Residenz Theater waren die Mutter in Genets „Wänden“ (2003), Lissie Kelch in der Uraufführung von Botho Strauß’ „Die eine und die andere“ und die Chorführerin in Euripides’ „Bakchen“. Neben ihrer Arbeit auf der Bühne war Gisela Stein auch eine glänzende Leserin; ihr Herzensprojekt war die Rezitation der Bibel in der Übersetzung von Buber und Rosenzweig.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl):
Trägerin des Tilla-Durieux-Schmucks 1977
Deutscher Kritikerpreis 1988
Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst 1999
Oberbayerischer Kulturpreis 2001
Hermine-Körner-Ring 2004
Mitglied der Akademie der Künste, Berlin und Bayerischen Akademie der Schönen Künste


Dieter Dorn:
„Gisela Stein war in ihrer langen Zeit an den Münchner Kammerspielen und am Bayerischen Staatsschauspiel eine zentrale Figur der Ensembles und verstand sich immer als Ensembleschauspielerin im Dienst des Theaters, dem sie ihr Leben und all ihre viele Kraft gewidmet hat. Wir haben uns in einem ununterbrochenen künstlerischen Streit befunden, positiv und von gegenseitigem Respekt und Zuneigung geprägt. Aus ihm sind alle unsere Versuche entstanden, klassischer und moderner Theaterliteratur gerecht zu werden. Gisela Steins sprachliche Ausdrucksfähigkeit war unvergleichlich, ob in der Versrede der antiken Tragödie oder der wirklichkeitsnahen Sprache zeitgenössischer Autoren. Was die Sprache angeht, sind wir gemeinsam bis zum Äußersten gegangen. Wir haben ein ganzes Leben auf der Bühne verbracht und uns dabei immer aufeinander verlassen können – es fällt schwer, nach einer solchen lebenslangen gemeinsamen Arbeit einzelne Stücke und Rollen hervorzuheben. Die Begegnung mit Gisela Stein war eine der wichtigsten meines Theaterlebens.“

In Troilus und Cressida

Das Spiel vom Fragen
Peter Handke
Regie Elmar Goerden
Ein Einheimischer
12. Oktober 2001 Residenz Theater

Hekabe
Euripides
Regie Dieter Dorn
Hekabe
24. Oktober 2001 Residenz Theater

Uraufführung
Die eine und die andere
Botho Strauß
Regie Dieter Dorn
Elisabeth (Lissie) Kelch
27. Januar 2005 Residenz Theater

Die Bakchen
Euripides
Musik Robyn Schulkowsky
Regie Dieter Dorn
Chorführerin der Bakchen
11. Oktober 2005 Residenz Theater


Was ihr wollt

 

Wir verletzen, also sind wir - 
Botho Strauß 
Uraufführung im Residenz Theater 
am 27.1. 2005  

Die eine und die andere -
Insa und Lissie -
Cornelia Froboess 
und Gisela Stein

Insa und Lissie zelebrieren ihre Lebensfeindschaft aus den Verletzungen der Vergangenheit und ordnen sie neu, für die Ankunft der letzten Hoffnung, der Ankunft des letzten Liebhabers. Sie sind aneinander gekettet durch die Verletzungen, die sie erfahren und sich gegenseitig schamlos weitergegeben haben.

"Niemand passt mehr in ein einzelnes Leben. Ein Mensch flieht zum nächsten. der flieht zum übernächsten. Uns so fort. Unendlich. Irgendwo, auf freier Strecke, mitten auf der Flucht von einem zum nächsten, bleibt der Mensch plötzlich stehen, erstarrt in seiner letzten Figur."

Das Stück lässt seine Szenenfolge wie ein Kiesel über das Wasser springen; es entdeckt - wie Rolf Schröder im Programmheft schreibt - viel Komik in der weitläufigen Tristesse des 'großen Nachlassens'. Es nimmt das Schwere leicht und das Unbedeutende ernst.

"Die Gegenwart der einen und der anderen ist in dem neuen Stück von Botho Strauß direkt geknüpft an Erinnerung. An die Erinnerung vergangener Anstrengungen, Kämpfe und Intrigen, verschwundener Männer und nicht recht gelungener Lebenspläne. Insa: ?Aber das Furchtbare ist: ich sehe meine Spur nicht. Ich finde sie nicht. Nicht vor, nicht hinter mir. Ich weiß nicht, wo sie geblieben ist.? Der überraschende Neubeginn der einen mit der anderen erweist sich als Fortsetzung der Vergangenheit, die Erwartungen erweisen sich als so trügerisch wie die vergangenen. Die nächste Generation, Tochter und Sohn treffen sich, können aber zueinander nicht finden, schon und gerade nicht, weil sie denselben Vater haben. Die Verhältnisse sind ?belastet?, nicht nur die zwischen den Menschen, sondern auch die zu den Dingen. ?So ein Stuhl ist eben nicht bloß ein Stuhl. Niemand könnte sagen: dieser Stuhl ist nichts als ein Stuhl.? In der Wirklichkeit ist nichts eindeutig, aber was ist wirklich? Das Stück spielt in der Stadt und auf dem Land, an keinem der beiden Orte kommen die Personen zu sich, ihr eigentlicher Ort ist der Dialog, in dem jede der beiden sich zu situieren versucht."

Überblick über die Stücke von Botho Strauß(ss), 
die ich bisher auch noch gesehen habe:

Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia - Residenz Theater (2002)
Ithaka - Kammerspiele (1996)
Das Gleichgewicht - Kammerspiele(1996)
Schlusschor - Kammerspiele (1991)
Besucher - Kammerspiele (1988)
Der Park - Kammerspiele (1984)
Kalldewey Farce - Kammerspiele (1983)





 

 

Doris Schade wird achtzig Jahre jung - eine Liebeserklärung von C. Bernd Sucher

 " Sie will die Frauen, die sie spielt, einnehmen, gewinnen. Nicht, dass sie hinter den Gestalten verschwindet - nein, man erkennt sie noch an der klaren Artikulation, an der Sparsamkeit der genau gesetzten, nie zufälligen gestischen Zeichen - und an ihrem Lachen! -, aber nie, nein nie, drängelt sich die Schade vor die Frauen, die sie verkörpert. Sie ordnet sich ihnen unter, verhilft ihnen zu Recht und Gegenwärtigkeit; befragt jedes Wort, das sie äußert, nach dem Wert, das es besitzt, einem Menschen eine Biographie zu geben.  . . . 

Nur die Hartherzigen vielleicht, die ganz Unsensiblen und jene, die von der Liebe nichts wissen (wollen), schaffen es, ernst zu bleiben, wenn eine der Doris Schade-Frauen lacht; nicht zu weinen, wenn sie das Leid einer Gedemütigten oder Verzweifelten offenbart. Und jeder will sich verlieben, sofort und immer wieder, spricht Doris Schade von Begehren. Sie vermag, worum andere Schauspieler ein Leben lang vergeblich ringen: In den Rollen anderer verführt sie den Zuschauer, nicht allein die Shakespeare-, Kleist-, Müller-, Schwab- und Lessing-Frauen zu mögen, sondern sie, die ihnen Leben verleiht, noch dazu. Der Verwandlungsvorgang dieser Schauspielerin ist absurd schön.  . . .

Ein Regisseur hat sie wie kein anderer geprägt: Fritz Kortner, der sie nach München geholt hatte und mit ihr ¸¸Othello" - sie in der Rolle der Desdemona - und ¸¸Richard III." inszenierte: ¸¸Bei ihm fragte ich mich: Warum habe ich nicht immer so gespielt? Er hat mich gelehrt, mit dem Körper umzugehen, damit das Wort Fleisch wird." So, als erstaunte sie der Gedanke, hält sie inne, fixiert den Frager nachdenklich. Schweigt. ¸¸Ja, das ist der richtige Ausdruck!" Die Augen jubilieren über den Wort-Fund.  . . .

Doris Schade ist fleißig, sie hatte Glück, sie besitzt diesen kindlichen Geltungstrieb noch heute, sie ist besessen und eine der besten Schauspielerinnen in Deutschland. Sie wird heute achtzig Jahre alt - und wer sie sieht, denken und lachen hört, glaubt, sie schwindelt sich älter als sie ist. Aber Doris Schade schwindelt nicht. Nie. "

C. BERND SUCHER - Quelle: Süddeutsche Zeitung - 21. Mai 2004

 

 

Doris Schade, 
eine wunderbare Schauspielerin, interpretierte als "Taubenmutterl" anrührend:

Wenn ich ein Vöglein wär,

Satisfaction

und als Zugabe: Das Hobellied

Rolling Stones

Satisfaction

 

Ich find´ einfach keine Befriedigung, nein,
so sehr ich es auch versuche und versuche...
Ich kann sie nicht finden, find einfach keine...

Wenn ich Auto fahre und dieser Mann da im Radio kommt,
dann informiert er mich mehr und mehr von diesem überflüssigen Zeug,
das angeblich meine Vorstellungskraft anheizen soll...

Ich krieg´ sie nicht. Oh nein...
Hey, eins sage ich euch:
Ich find´ einfach keine Befriedigung, nein,
so sehr ich es auch versuche und versuche....
Ich kann sie nicht finden, find einfach keine...

Wenn ich vor´m Fernseher sitze und der Typ dann kommt
und mir erzählen will, wie weiß meine Hemden sein sollten...
Na, der kann doch kein richtiger Mann sein, er raucht ja nicht mal
diesselben Zigaretten wie ich...

Ich krieg sie halt nicht. Oh nein...
Hey, das sage ich euch:
Ich find´ einfach keine Befriedigung, nein,
so sehr ich es auch versuche und versuche...
Ich kann sie nicht finden, find´ einfach keine...

Wenn ich so um die Welt reise und erst dies machen
und dann jenes unterschreiben muß...
und wenn ich mich dann an irgendein Mädchen ´ranmachen will,
die zu mir sagt: Baby, du solltest vielleicht besser nächste Woche kommen...
Seht ihr: Dann befinde ich mich mitten in einer Pechsträhne
Und ich krieg´ sie einfach nicht. Oh nein...
Hey, eins sage ich euch: Ich find´ sie nicht, ich find´ sie nicht,
ich krieg´ keine Befriedigung, keine Befriedigung, einfach keine Befreidigung...

 


Peter Herzog
*9.12.1929
† 26.7.2004

Trauerfeier am 2.8.2004 im Krematorium Ostfriedhof

Peter Herzog, geboren 1929 in Breslau, nahm Schauspielunterricht bei Marlise Ludwig in Berlin. Erste Engagements in Berlin, Vagantenbühne und Schaubühne am Halleschen Ufer von 1963–1969. Nebenbei Film- und Fernseharbeit. Weitere Stationen: Deutsches Schauspielhaus Hamburg, hier zum ersten Mal unter der Regie von Dieter Dorn, und Staatliche Schauspielbühnen Berlin, bevor er 1977 Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele wurde. Viele Rollen in Inszenierungen von Ernst Wendt: "Ödipus auf Kolonnos" von Sophokles, "Trommeln in der Nacht" von Brecht, "Die Riesen vom Berge" von Pirandello, Horatio in "Hamlet" von Shakespeare und Adam in "Wie es euch gefällt". In Dorn-Inszenierungen spielte er unter vielen anderen den Philippeau in Büchners "Dantons Tod", den Fabian in Shakespeares "Was ihr wollt", den Alf in "Groß und Klein" von Botho Strauß, den Erstling in "Der Park" von Botho Strauß und Sir Kay in "Merlin oder Das wüste Land" von Tankred Dorst. Er trat in Inszenierungen seines Sohnes Jens Daniel Herzog auf wie u.a. als Professor Chrobath in Marlene Streeruwitz "New York. New York.", als Wärter in Simone Schneiders "Die Nationalgaleristen" und als Dr. Schwarzkopf in Wedekinds "Musik".

2001 folgte er Dieter Dorn an das Bayerische Staatsschauspiel und ist hier in den Dorn-Inszenierungen als der Alte Gobbo in "Der Kaufmann von Venedig" von Shakespeare, Photidas in "Amphitryon" von Heinrich von Kleist, in "Der Tag Raum" von Don DeLillo und "Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia" von Botho Strauß und als Wärter, Madani und Lassen in "Die Wände" von Jean Genet zu sehen. Außerdem spielt er den Nagg in "Endspiel" von Samuel Beckett, Regie Barbara Frey.


Der Kaufmann von Venedig
William Shakespeare
Regie Dieter Dorn
Der alte Gobbo
11. Oktober 2001 Residenz Theater

Amphitryon
Heinrich von Kleist
Regie Dieter Dorn
Photidas
26. Oktober 2001 Residenz Theater

Der Tag Raum
Don DeLillo
Regie Dieter Dorn
Wärter, Empfangsportier
8. Dezember 2001 Theater im Haus der Kunst

Der Narr und seine Frau heute abend in Pancomedia
Botho Strauß
Regie Dieter Dorn
Ein Gast, Greis, Der Hausdetektiv, Er, Der Greis
24. April 2002 Residenz Theater

Endspiel
Samuel Beckett
Regie Barbara Frey
Nagg
20. November 2002 Residenz Theater

Die Wände
Jean Genet
Regie Dieter Dorn
Der Wärter, Madani, Lassen
28. Mai 2003 Residenz Theater

Nathan der Weise
Gotthold Ephraim Lessing
Regie Elmar Goerden
Ein Derwisch
30. November 2003 Residenz Theater

Der jüngste Tag
Ödön von Horváth
Regie Florian Boesch
Ein Gendarm
22. Januar 2004 Residenz Theater

Zum Tod des Münchner Schauspielers am 26.7.2004 

Wahrscheinlich machte es ihm nichts aus, aber ungerecht war es allemal: Peter Herzog, seit 1977 Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele und seit 2001 mit Dieter Dorn am Bayerischen Staatsschauspiel, erwähnten fahrlässige Kritiker meist nur in Klammern. Sie versahen den Namen mit einem schmückenden Adjektiv und meinten wohl, ihrer Rezensentenpflicht damit genügt zu haben - Kleindarsteller erwähnt.

Sie unterschätzten Peter Herzog. Sehr. Gewiss spielt er nie die Hauptrollen, stand nie im Licht der Öffentlichkeit, niemand führte mit ihm Interviews, aber wer sich an die großen Inszenierungen von Hans Lietzau, Dieter Dorn und Ernst Wendt erinnert, sieht ihn wieder vor sich: den Mann mit den wasserblauen Augen und der knarzigen Stentorstimme. Wenn er schaute, schaute jeder auf ihn; wenn er zu sprechen begann, hörte jeder ihm zu. Er schaffte es ohne Kraftmeierei, ohne Attitüde und ohne alle Manierismen, Interesse, ja Neugier zu wecken für die Figuren, derer er sich annahm.

Zuletzt, am 19. Juni noch, war er der Derwisch in Lessings ¸¸Nathan der Weise" - und er lenkte die gespannte Aufmerksamkeit auf diesen etwas wirren Chaoten, der, wiewohl eitel, schließlich mit der Welt und mit dem Geschachere um Macht, Geld und Geltung nichts mehr zu tun haben wollte. Wir sahen einen Aussteiger, der aus Vernunft und Lebenswillen Job und Karriere hinwarf, um Mensch zu sein. Herzog machte die kleinen, die unbedeutenden Figuren an den Rändern der Dramen stark. Durch seine Menschenkenntnis, seinen Humor, seine Klugheit.

Just deshalb mochten ihn die Theatermacher, seine Kollegen und das Publikum. Es war Verlass auf ihn und seine Kunst. Herzog schmiss nie etwas hin, er arbeitete mit den schwierigsten Regisseuren - auch mit Peter Zadek -, weil er seinen Beruf ernst nahm. Er ging zu Proben wie andere in eine Bank oder eine Fabrik. Sicher war ihm das Spielen eine Lust, aber zunächst einmal bedeutete es ihm Arbeit. Das viel gerühmte Kammerspiel-Ensemble hatte - und hat als Residenztheater-Ensemble - Klasse, weil neben den Protagonisten Schauspieler darin agierten und agieren, die nicht minder begabt sind als die anderen, dennoch nicht ehrgeizig große Rollen beanspruchen, sondern an ihrem Ort und mit ihren Mitteln das Beste leisten wollen und leisten. Peter Herzog hatte kein Fach. Er erschuf die sympathischen Männer genauso wie die Fieslinge. Er war ein rührender Fürstendiener in Ernst Wendts Inszenierung von ¸¸Wie es euch gefällt", ein wunderbarer Verlierer in Feydeaus ¸¸Klotz am Bein" und konnte doch auch ganz anders. 1995 schlich er als ein zynisch-bürokratischer, devot mieser Kerl durch den Raum. Er hatte den Loyal für sich entdeckt, in Molières ¸¸Tartuffe", einer Inszenierung seines Sohnes Jens-Daniel, 1995 an den Kammerspielen.

 Wie sehr er geschätzt wurde, zeigt sich an den Stationen seiner Karriere: Berliner Schaubühne, Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Staatliche Schauspielbühnen Berlin. Peter Herzog starb am Montag im Alter von 74 Jahren in München, fünf Tage nach seinem letzten Auftritt in ¸¸Der jüngste Tag". Dieter Dorn und das Ensemble haben einen ihrer treuesten und besten Weggefährten verloren. Und das Münchner Publikum einen Lieblingsschauspieler: Peter Herzog.

C.BERND SUCHER

 Süddeutsche Zeitung, den 28. Juli 2004

 

 

Erinnerung an Stefani Jarke

1996 verstarb Stefani Jarke, die mir als CORDELIA in der großartigen Aufführung von Shakespeares KÖNIG LEAR  (Premiere 20.2.1992 - Regie: Dorn / Bühne: Rose) in den Kammerspielen/ München in Erinnerung blieb.


Ich erinnere mich auch noch gut an die bewegende Trauerfeier 
am 25. Oktober 1996 in der Himmelfahrtskirche München-Sendling.
Gedenkworte sprach GISELA STEIN und als Abschiedslied wurde die
"Mondnacht" von Robert Schumann gesungen.

Gisela Stein sagte:

"Es kam dann die Zeit, dass ich sie nur stumm begleitete. Der Umgang mit einer Realität "von unserer Seite" war sicher nicht aufmerksam genug. Prozesse, Veränderungen sind der allgemeinen Wahrnehmung entgangen. Am 13. Oktober durfte ich Stefani sehen. Ich küsste sie und habe sie von uns allen gegrüßt.

Sprechen konnte sie nicht mehr - aber ich spürte ihre Unruhe - sie fühlte die Nähe. Als ich sie sah, wusste ich, dass sie verloren hatte. Hier endete ihr Weg.

15. Brief an die Korinther: 'Siehe, ich sage Euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden.'

Wir trauern um Dich, wir neigen uns, wir nehmen Abschied von Dir. 
Wir werden Dich nicht vergessen - Stefani."



JÖRG HUBE