FRANZ ROSENZWEIG

 

 

 

STERN DER ERLÖSUNG

DIE PHILOSOPHIE FRANZ ROSENZWEIGS 
IN BEZUG AUF MEIN DENKEN

 

             
 

 

   
         
 

DIE ELEMENTE

 

 

DIE BAHN

 

 

DIE GESTALT

 

Einleitung Übergang

Schwelle

Tor

 

DIE

IMMERWÄHRENDE

VORWELT

 

DIE

ALLZEITERNEUERTE

 WELT

DIE

EWIGE

ÜBERWELT

 

Meta-Physik

 

Schöpfung Feuer
Gott

und sein Sein

 

Der immer-

währende

Grund

der Dinge

 

Das

ewige Leben

Meta-Logik Offenbarung Die Strahlen
Die Welt

und ihr Sinn

 

Die allzeit-

erneuerte

Geburt

der Seele

 

Der ewige Weg
Meta-Ethik Erlösung Der Stern
Der Mensch

und sein Selbst

 

Die ewige Zukunft

des Reichs

 

Die ewige

Wahrheit

Franz Rosenzweig

 25.12.1886 - Kassel                  10.12.1929 - Frankfurt a. M.

 

 

EINLEITUNG

 

ÜBER DIE MÖGLICHKEIT DAS ALL ZU ERKENNEN

in philosophos!

VOM TODE, von der Furcht des Todes,

hebt alles Erkennen des All an.

Die Angst des Irdischen abzuwerfen,

dem Tod seinen Giftstachel, dem Hades seinen Pesthauch zu nehmen,

des vermißt sich die Philosophie.

 

Alles Sterbliche lebt in dieser Angst des Todes,

jede neue Geburt mehrt die Angst um einen neuen Grund,

denn sie mehrt das Sterbliche.

Ohne Aufhören gebiert Neues der Schoß der unermüdlichen Erde,

und ein jedes ist dem Tode verfallen,

jedes wartet mit Furcht und Zittern auf den Tag seiner Fahrt ins Dunkel.

 

Aber die Philosophie leugnet diese Ängste der Erde.

Sie reißt über das Grab, das sich dem Fuß vor jedem Schritt auftut.

Sie läßt den Leib dem Abgrund verfallen sein,

aber die freie Seele flattert darüber hinweg.

Daß die Angst des Todes von solcher Scheidung in Leib

und Seele nichts weiß, daß sie Ich Ich Ich brüllt

und von Ableitung der Angst auf einen bloßen „Leib“

nichts hören will – was schert das die Philosophie.

 

Mag der Mensch sich wie ein Wurm

in die Falten der nackten Erde verkriechen

vor den herzischenden Geschossen des blindunerbittlichen Tods,

mag er es da gewaltsam unausweichlich verspüren,

was er sonst nie verspürt:

daß sein Ich nur ein Es wäre, wenn es stürbe,

und mag er deshalb mit jedem Schrei,

der noch in seiner Kehle ist, sein Ich ausschreien

gegen den Unerbittlichen,

von dem ihm solch unausdenkbare Vernichtung droht

– die Philosophie lächelt zu all dieser Not ihr leeres Lächeln

und weist mit ausgestrecktem Zeigefinger

das Geschöpf, dem die Glieder in Angst um sein Diesseits schlottern,

auf ein Jenseits hin, von dem es gar nichts wissen will.

Denn der Mensch will ja gar nicht irgend welchen Fesseln entfliehen;

er will bleiben, er will – leben.