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ELEMENTE BEZIEHUNGEN BEWEGUNGEN GESTALTEN |
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SEITEN ÜBER GOTT, WELT UND MENSCH |
EXPERIMENTE ZUR GESTALTWERDUNG |
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DIE PHILOSOPHIE FRANZ ROSENZWEIGS IN BEZUG AUF MEIN DENKEN |
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DIE ELEMENTE |
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GOTT |
WELT |
MENSCH |
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mythischer Gott |
plastische Welt |
tragischer Mensch |
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Gott
ist |
Die
Welt ist |
Der
Mensch ist |
| GRENZENLOS - ALLGEGENWÄRTIG | RAUM UND ZEIT | ORT UND STUNDE |
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Im
Übergang vom ersten zum zweiten Teil seines Buches "Der Stern der
Erlösung" beschreibt |
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Die
EINHEIT des Alls zerbricht, wenn wir versuchen seine ELEMENTE, den
mythischen GOTT, die plastische WELT, den tragischen MENSCH, zu
ergründen. Herausgelöst, abgezogen zu bloßen Elementen einer
rechnerischen Bahnkonstruktion, herausgerissen aus dem Strom, erkennen
wir die ELEMENTE nicht wieder. Das Stückwerk des Wissens, das uns
umgibt, schaut seltsam fremd zu uns auf. Wir erkennen aber
BEZIEHUNGEN, lebendige BEWEGUNGEN, einen Stromkreis, in dem diese
ELEMENTE schwimmen. Erst die Bahnkurve kann ja das GEHEIMNIS der
ELEMENTE ins Sichtbare bringen. |
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Die
ELEMENTE mögen ehe man fragt in ruhiger Festigkeit nebeneinander
liegen. Doch nach Rosenzweig stürzt ein ganzer Schwarm von Antworten
auf uns ein: Die Fragen nach den Verhältnissen steigert die Verwirrung auf höchst. Denn es gibt kein Verhältnis, das hier ausgeschlossen wäre. Es gibt keine feste Ordnung. Aus den Wenns springen die Vielleichts. Ist GOTT der Schöpfer der Welt, der sich selbst dem MENSCHEN offenbarend Mitteilende ? Sind nicht die GÖTTER Teile und Ausgeburten der ewigen WELT ? Offenbart nicht der alten ERDE Mund dem MENSCHEN alles, was ihm zu wissen frommt ? Ist
alles GÖTTLICHE nichts als erhöhtes menschliches Selbst ? |
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Hier eine Passage aus dem Werk von Rosenzweig (S. 93):
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DER MENSCH UND SEIN SELBST |
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WAS WISSEN WIR VON IHM? |
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GOTT - WELT - MENSCH |
Der Mensch ist unbeweisbar, so gut wie die Welt und wie Gott. Sucht das Wissen gleichwohl eins von diesen dreien zu beweisen, so verliert es sich mit Notwendigkeit ins Nichts. Diesen Koordinaten, zwischen denen jeder Schritt, jede Bewegung, die es tut, sich abzeichnet, kann es nicht entweichen – und nähme es Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer; denn aus der Bahn, die von jenen drei Elementen bestimmt wird, kann es nicht herausspringen.
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DAS NICHTS DES WISSENS |
Und
das Wissen kann deshalb hier nichts weiter als den
Weg von dem Unbeweisbaren, dem Nichts des Wissens,
hin zur Tatsächlichkeit der Tatsache
nachgehn. |
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JA - NEIN - UND |
Und auch dieses Nichts ist nur ein Anfang, ja nur der Anfang eines Anfangs. Auch in ihm erwachen die Urworte, das schaffende Ja, das zeugende Nein, das gestaltende Und. Und das Ja schafft auch hier im unendlichen Nichtnichts das wahre Sein, das „Wesen“. |
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Was ist dies wahre Sein des Menschen? |
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VERGÄNGLICHKEIT |
Der Mensch ist vergänglich, Vergänglichsein ist sein Wesen, wie es das Wesen Gottes ist, unsterblich und unbedingt, das Wesen der Welt, allgemein und notwendig zu sein. Des Menschen Sein ist: Sein im Besonderen. |
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ICH
BIN DA, |
Der Mensch ist nicht, wenn das Wissen aufhört, sondern ehe es anfängt; und nur weil er vor dem Wissen ist, kommt es, daß er auch nachher noch ist und allem Wissen, mag es ihn noch so vollständig in die Gefäße seiner Allgemeingültigkeit und Notwendigkeit aufgefangen zu haben wähnen, immer wieder sein sieghaftes „Ich bin noch da“ zuruft. Seine Besonderheit trumpft stets gegen den Machtspruch des Allgemeinen auf.
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ENDLICH UND DOCH GRENZENLOS |
Im grenzenlosen Nicht seines Nichts gründet diese Bejahung sein Besonderes, sein Eigenes als sein Wesen. Ein Einzelnes also, aber kein Einzelnes wie das Einzelne der Welt, das momenthaft in einer unaufhörlichen Reihe von Einzelnen aufschießt, sondern ein Einzelnes im grenzenlosen leeren Raum, ein Einzelnes also, das von andern Einzelnen neben ihm nichts weiß, das überhaupt von einem „neben ihm“ nichts weiß, weil es „überall“ ist, ein Einzelnes nicht als Tat, nicht als Ereignis, sondern als immerwährendes Wesen. Diese Eigenheit des Menschen ist also etwas anderes als die Individualität, die er als einzelne Erscheinung innerhalb der Welt annimmt. Sie ist keine Individualität, die sich gegen andre Individualitäten abscheidet, sie ist kein Teil – und das Individuum bekennt, grade indem es auf seine Unteilbarkeit pocht, daß es selber Teil ist. Sie ist eben zwar nicht selbst unendlich, aber „im“ Unendlichen; sie ist Einzelnes und dennoch Alles. Um sie herum liegt die unendliche Stille des menschlichen Nicht-nichts; sie selber ist der Ton, der in diese Stille tönt, ein Endliches und doch Grenzenloses.
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DEM AUGENBLICK DAUER VERLEIHEN |
Die Besonderheit nicht als Überraschung des Augenblicks und Augen-Blicks, sondern als daseiender Charakter findet ihre Stätte im persönlichen Ethos des Menschen – „nur allein der Mensch vermag das Unmögliche, er kann dem Augenblick Dauer verleihn“; er kann es, eben weil er selbst gerade das, was den Augenblick „in schwankender Erscheinung schweben“ läßt, die Besonderheit, als sein dauerndes Wesen in sich trägt. Ihm allein wird die Besonderheit nicht zur teilhaften „Individualität“, sondern zur unbegrenzten Eigenheit des „Charakters“.
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ENDLICHE FREIHEIT |
Dem Menschen erschließt sich sein Nichts in der Verneinung gleichfalls zu einer Freiheit, seiner Freiheit, einer sehr andern zwar als der göttlichen. Denn Gottes Freiheit war infolge ihres unendlichen und ganz passiven Gegenstandes, des göttlichen Wesens, ohne weiteres unendliche Macht, das heißt Freiheit zur Tat. Die Freiheit des Menschen aber wird auf ein Endliches, wenn auch Unbegrenztes, nämlich Unbedingtes, stoßen; so wird sie selber schon in ihrem Ursprung ein Endliches sein. |
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FREIER WILLE |
Die menschliche Freiheit ist endliche, aber infolge ihres unmittelbaren Ursprungs aus dem verneinten Nichts unbedingte, unbe-dingte, Nichts und nur Nichts und keinerlei Ding voraussetzende Freiheit. Sie ist also nicht, wie die Gottes, Freiheit zur Tat, sondern Freiheit zum Willen; nicht freie Macht, sondern freier Wille. Das Können ist ihr, im Gegensatz zur göttlichen Freiheit, schon in ihrem Ursprung versagt, aber ihr Wollen ist so unbedingt, so grenzenlos wie das Können Gottes. |
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DER FREIE WILLE HAT RICHTUNG |
Dieser freie Wille ist endlich und augenblickshaft in seinen Äußerungen, wie es die weltliche Erscheinungsfülle ist. Aber im Gegensatz zu dieser begnügt er sich nicht einfach mit seinem Dasein und kennt ein andres Gesetz als das der eigenen Schwere; er stürzt nicht, er hat Richtung. |
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Welchen Inhalt hat der freie Wille? |
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DAS SELBST |
Wir
suchen den lebendigen Menschen, das Selbst.
Das Selbst ist mehr als Wille, mehr als Sein. Wesen;
aber dies eigene Wesen, das er will,
ist kein unendliches, in dem die Freiheit
sich als Macht erkennen dürfte, sondern ein endliches.
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VOM TROTZ ZUM CHARAKTER ZUM SELBST |
Als
Trotz nimmt das Abstraktum des freien
Willens Gestalt an. |
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DIE PERSÖNLICHKEIT UND DAS SELBST |
Die
Persönlichkeit ist, wie schon der Ursprung des Namens
sagt, der Mensch, der seine ihm vom Schicksal her
zugewiesene Rolle spielt, eine Rolle neben andern, eine
Stimme in der vielstimmigen Symphonie der Menschheit.
Sie ist wirklich „höchstes Gut der Erdenkinder“, –
eines jeden von ihnen. Das Selbst hat keine Beziehung
zu den Menschenkindern, immer nur zu einem
einzigen Menschen, eben dem „Selbst“. |
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DER MENSCH IM KREIS DES WELTLAUFES |
Die natürliche Geburt war auch die Geburt
der Individualität; in der Begattung starb sie den
Tod in die Gattung zurück. Der natürliche Tod gibt hier
nichts mehr hinzu; der Kreislauf ist schon erschöpft; daß
das individuelle Leben noch über die Erzeugung des
Nachkommen hinaus fortdauert, ist gerade von
der Individualität aus unbegreiflich; vollends das Phänomen
der Fortdauer des individuellen Lebens sogar über
die Jahre der Zeugungskraft hinaus, das Greisentum,
ist für eine rein natürliche Ansicht des Lebens ganz
unfaßbar. Schon von hier aus also müßten wir
auf das Unzulängliche der Gedanken von Individualität und
Persönlichkeit zum Begreifen des menschlichen Lebens
hingeführt werden.
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KREISLAUF UND GERADE |
Der
Teil des Menschen, an dem die Gattung sich ihr
Recht nicht schon hatte nehmen können, der fällt im Tode
dem nackten, dem übergattungsmäßigen Allgemeinen, der
Natur selber zur Beute. Aber während so in
diesem Augenblick das Individuum den letzten Resten
seiner Individualität entsagt und heimkehrt, erwacht das
Selbst zur letzten Vereinzelung und Einsamkeit. Es
gibt keine größere Einsamkeit als in den Augen eines
Sterbenden, und es gibt keine trotzigere, hochmütigere Vereinzelung
als die, welche sich auf dem erstarrten
Antlitz eines Toten malt. Zwischen diesen beiden
Geburten des Daimon liegt alles, was uns vom Selbst
des Menschen sichtbar wird; was vorher, was nachher?
– das sichtbare Dasein dieser Gestalten ist gebunden
an den Lebenskreislauf der Individualität und verliert
sich ins Unsichtbare, wo es sich in diesem Kreislauf
löst. so zu
seiner bloßen „besonderen Voraussetzung“macht, wird nun gleichzeitig
auch die ganze Welt ethischer
Allgemeinheit, die an dieser ethischen Besonderheit
der Individualität hängt, in diesen bloßen Hintergrund
des Selbst geschoben. Mit der Individualität zusammen
sinkt also auch die Gattung, sinken Gemeinschaften,
Völker, Staaten, sinkt die ganze sittliche Welt
zur bloßen Voraussetzung des Selbst herab. Jeder bleibt für sich, jeder bleibt Selbst. Es entsteht keineGemeinschaft. Und dennoch entsteht ein gemeinsamer Gehalt. Die Selbste kommen nicht zueinander, und dennoch klingt in allen der gleiche Ton, das Gefühl des eigenen Selbst. Diese wortlose Übertragung des Gleichen geschieht, obwohl noch keine Brücke führt von Mensch zu Mensch. Sie geschieht nicht von Seele zu Seele – es gibt noch kein Reich der Seelen; sie geschieht von Selbst zu Selbst, von einem Schweigen zum
andern Schweigen. Das ist die Welt der
Kunst. Eine Welt stummen Einverständnisses, die
keine Welt ist, kein wirklicher, hin und
her lebendiger Zusammenhang der hin und wider ziehenden
Rede, und dennoch an jedem Punkt fähig, auf
Augenblicke belebt zu werden. Kein Laut durchbricht dies
Schweigen, und dennoch kann in jedem Augenblick
ein jeder das Innerste des andern in sich selber
spüren. Es ist die Gleichheit des Menschlichen, die
hier als Gehalt des Kunstwerks wirksam wird, vor aller
wirklichen Einheit des Menschlichen. Noch vor aller
wirklichen Menschensprache schafft die
Kunst als Sprache des Unaussprechlichen die erste und
für alle Zeit unter und neben der eigentlichen Sprache
unentbehrliche stumme Verständigung. Das Schweigen
des tragischen Helden schweigt in aller Kunst
und wird in aller Kunst verstanden ohne alle Worte.
Das Selbst spricht nicht und wird doch vernommen. Das
Selbst wird gesehen. Das reine stumme Schauen
vollzieht in jedem Beschauer die Wendung hinein
ins eigene Innere. Die Kunst ist keine wirkliche Welt;
denn die Fäden, die in ihr von Mensch zu Mensch
gezogen werden, laufen nur für Augenblicke, nur
für die kurzen Augenblicke des unmittelbaren Schauens
und nur am Ort des Schauens. Das Selbst wird
nicht lebendig, indem es vernommen wird. Das Leben,
das im Betrachter erweckt wird, erweckt nicht das
Betrachtete zum Leben; es wendet sich im Betrachter selber
sogleich nach innen. Das Reich der Kunst
gibt den Boden, wo überall das Selbst erwachsen kann;
aber jedes Selbst ist wieder ein ganz einsames, einzelnes
Selbst; die Kunst schafft nirgends eine wirkliche Mehrheit
von Selbsten, obwohl sie überall die Möglichkeit
zum Erwachen von Selbsten herstellt: das Selbst,
das erwacht, weiß dennoch nur von sich selbst. Mit
andern Worten: das Selbst bleibt in der Scheinweltder Kunst stets Selbst,
wird nicht – Seele. Und wie sollte
es Seele werden? Seele, das hieße heraustreten aus
der in sich gekehrten Verschlossenheit; aber
wie sollte das Selbst heraustreten? wer sollte es rufen
– es ist taub; was sollte es hinauslocken – es ist blind;
was sollte es draußen anfangen – es ist stumm.
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