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Eine etwas andere Weise, das Raumkunstwerk der Seeger Pfarrkirche St. Ulrich zu erleben
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EINE SEITE von Theodor Frey in Erinnerung an Pfarrer Alois Meisburger |
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Für die Bilder wurden Ausschnitte von Photos, die Erwin Reiter, Haslach für den Kirchenführer von Karl Pörnbacher " Die Pfarrkirche St. Ulrich in Seeg" (Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg) fotografierte |
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Δ |
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Ω |
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| EPILOG |
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Ich habe diesen Raum in meiner Kindheit und
Jugend beglückend in alltäglicher und in Festtagsstimmung erfahren, aber erst im Nachhinein, aus der Distanz, verdichten sich diese frühen
Eindrücke zu einer bewegenden Erfahrung der Licht- und Klangstimmungen.
für diesen
Raum, denn Schauen braucht Dauer,. Erst dann
können sich die Bilder ins Herz senken und entfalten. Gönnen Sie sich den
Wohlstand, Zeit in der Zeit zu haben.
Es ist aber auch ein Ort um den Fragen nach unserem Sein, seiner Zeit- und Raumbezogenheit, nachzuspüren und uns zu dem zu öffnen, der Raum und Zeit übersteigt. Ich lade sie ein, lassen sie sich auf dem Weg in Sorgfalt ein , aber lassen sie die Sorgenfalten an der Eingangstüre zurück.
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Treten
Sie durch den Nordeingang, der Frauenseite, in die Kirche ein. Hinter dem
kleinen Vorraum, Vorzeichen genannt, könnte Ihnen die symbolische Geste
des Eintauchens ihrer Finger in den Weihwasserkessel helfen, sich
zu sammeln und für das Kommende zu öffnen. Betrachten Sie zunächst den Chorraum mit dem Hauptaltar insgesamt. Hier wird diese Harmonie besonders anschaulich. Geben sie sich dieser Gestalt in Stille hin und versuchen sie selbst zur Ruhe zu kommen.
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Im Anfang liegt, was auch mich bedingt, liegt bereits, was mich fragen lässt, warum ist überhaupt Etwas, warum ist nicht vielmehr Nichts. Wie ist geworden, was mich diesen Ort zu dieser Stunde so staunend wahrnehmen läßt? Im goldenen, gleichschenkligen Dreieck, dem abstrakten Symbol für die Gottheit in der Dreieinigkeit vor der Zeit, ist das Auge des Schöpfers, des Gottes als Vater, eingewoben. Er, der alles Werden zur Entfaltung bringt, steht im Zentrum, Er, der das grenzenlose Geheimnis auch zu mir hin öffnet. Er spricht, es werde Licht. Den Dreiecksseiten sind im inneren Kreis drei Engelköpfe zugeordnet. Vier Engel in ganzer Gestalt, als Symbol für die vier Himmelsrichtungen der Welt, kann man etwas weiter außen sehen. Ein Engel aber steht an der Spitze des Strahlenkranzes und weist über die Welt hinaus. Das von der Gottheit und dem Schöpfer leuchtende Licht wird im Strahlenkranz der Seitenaltäre aufgenommen. Auf der linken Seite ist dieses Licht in Jesus Christus, symbolisiert durch das Lamm, zur Welt gekommen. Am rechten Seitenaltar schwebt die dritte Person der Trinität, die Taube, als Symbol des Heiligen Geistes in der Glorie. So ist eines der Hauptmotive der Kirche, die Dreieinigkeit/ Dreifaltigkeit Gottes, bereits in den Auszügen der Altäre auf Schönste entfaltet.
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als ein Hauptthema der Seeger Kirche, wird - wie das Leitmotiv in einer Symphonie - immer wieder dargestellt . Wenn Sie die obere Sphäre des Hauptfreskos betrachten, das Johann Baptist Enderle 1770 gestaltete, dann sehen Sie im Kreis der Einheit die drei Manifestationen des Göttlichen in einer bewegten Szenerie. Uns am nächsten Christus, der Aufgenommene, im Hintergrund Gott Vater und alles überstrahlend und verbindend im Kreis der Einheit den Heilige Geist. Ist damit nicht auch ein Spiegelbild unseres fleischgewordenen Ichs erkennbar, unserer Dreiheit aus Körper, Geist und Seele, unserem Empfinden, Denken und Tun? Wer bin ich, wie bringe ich diese Dreiheit in meinem Leben zu einer harmonischen Einheit zusammen? Wie schaut diese Dreiheit in meinem Leben aus? Welche Seite dominiert und läßt somit die anderen verkümmern? Und
wer ist es, der mich diese Fragen überhaupt stellen läßt? So
kann mich diese bildliche Darstellung in den Sog einer tiefen Bewegung
zur Grundthematik unseres Seins führen.
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"Du sollst dir kein Bild von Gott machen".
Betrachten sie den Bildaufbau anhand der schwarzweißen Entwurfsskizze. Das Fresko ist nicht nur durch die dargestellten konkreten Elemente sondern wesentlich durch die durchscheinenden symbolischen Formen geprägt. Erst mit ihrer Entschlüsselung wird das vermittelte Gottesbild umfassender verständlich.
Dieser
obere Teil des Freskos ist auch durch die Form der Stukkaturbegrenzung
abgehoben vom ebenfalls in ovaler Gestalt gestalteten unteren - hier
grün hervorgehoben - Teil, der die Sphäre der irdischen Welt
darstellt. Weltliche und Geistliche Macht drängen von links horizontal
in des Bild und betrachten die kriegerische Auseinandersetzung. Die drei horizontalen Sphären sind durch die verbindende vertikale Ebene - rotes Oval - verbunden. Diese Durchdringung im Heilsgeschehen wird noch anschaulicher, betrachtet man die aufwärtsstrebende Dreieckskomposition . Die der Welt zugeordneten Bauwerke werden in der Verlängerung im Kreuz des Auferweckten aufgenommen. Hier kehrt die Interpretation in den zentralen Gedanken der dreieinigen Gottheit zurück. In ihr wird die Mitte gesucht, in der auch ich den Zugang zum Urgrund und Zielgrund finden kann. Und wenn wir im Äußersten die Nähe suchen, so zeigt sich darin auch ein Weg zur innersten Weite.
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Ausschnitt aus dem Fresko im Langhaus mit der Signatur von J.B. Enderle |
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Hier
etwas zum historischer
Hintergrund der Seeschlacht 1650
wurde in Seeg die Rosenkranzbruderschaft gegründet, die erhebliche
Finanzmittel zum Kirchenbau beisteuerte. |
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Warum?
Millionenfach wurde in der Menschheitsgeschichte diese Frage gestellt: Warum, du guter und
allmächtiger Gott hast Du das alles so zugelassen? Warum trifft es
mich, der ich so auf dich vertraute? Warum ist in dieser Welt das Böse
nicht überwindbar?
Foto Heinrich Scherbaum jun.
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Die Formen und Farben des Raumes, aber auch die Leere zwischen den Formen, die Zwischenräume können sinnbildlich für unser Dasein stehen. Unsere Sein ist Dazwischensein - ist inter-esse, meistens sind wir nicht ganz da, wo wir eigentlich sein wollen oder sein sollten. Jetzt sind wir angekommen, wo sich vor dem Chorraum der Mittelgang mit dem Gang vor den beiden Seitenaltären kreuzen. Wir sehen am linken Seitenaltar im Altarbild die Taufe des Jesu durch Johannes dargestellt . „Und als Jesus aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.“ (Mk 1,10). Gekrönt wird auch diese Szene vom Schöpfergott. Auch hier wiederum das Dreifaltigkeitsmotiv. In allen Kulturen ist die Reinigung als eine der bedeutendsten rituellen Handlungen verankert. Sie ist mit den Gedanken des Umkehrens, der Öffnung, des Neuanfangs, des Aufgenommenseins verbunden. Wir hoffen zu uns selbst zu kommen, wenn wir uns dem Licht öffnen, dass aus der Tiefe der Zeiten uns anspricht. Wenn ein Du mich anspricht, mich annimmt, wie ich zu sein vermag, wird es heller, ein heilendes Licht kommt mir entgegen. Im Wort LICHT ist in den mittleren drei Buchstaben das ICH eingebunden. Es beginnt mit L, wie LEBEN und endet mit T, wie TOD. Kann es einen schöneren Hinweis geben, als dieses Schlüsselwort LICHT für unser Erdendasein. Augenblicke können Lichtblicke sein, die uns allen Zweifel nehmen. Das Bild Marias mit ihrem Kind ist ein schönes Sinnbild dafür. Nur aus der Ferne ist eine Anbetungsszene (südliche Seitenempore über der Sakristei) zu sehen, die in großer Intensität das Licht, das vom Gottessohn und Menschensohn ausgeht, zur Gestalt bringt.
Ich
möchte Sie noch einladen meine Meditationsgrafik über das
Spannungsverhältnis von GOTTESSOHN - MENSCHENSOHN zu betrachten.
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Gönnen wir uns die Zeit in der ersten Bank uns niederzulassen um aufzuschauen, um nach vorne zu schauen. Aber was sehen wir überhaupt, wenn wir etwas sehen? Was kommt uns entgegen und was davon hat eine Chance in uns zu wirken. Einige Titel des Fernsehprogramms eines x-beliebigen Tages.
Es
scheinen lauter existentielle Themen zu sein, die unser Auge und Ohr
finden wollen. Aber es sind Titel seichter Serien, meist Krimis. Sie
treffen uns und wir können uns ihrer Macht kaum entziehen. Regieren uns
die Medien? Halten sie uns gefangen? Im
Deckenbereich erkennen wir eine Schlacht, die Schlacht gegen die Ungarn
auf dem Lechfeld aus dem Jahre 955, die Balthasar Riepp gestaltet hat. Aber
was kann uns eine solche Darstellung heute noch sagen, wenn wir täglich
die Kriege, das Sterben, die Opfer, den Tod im Fernsehen scheinbar
hautnah erleben können. Aber wird dies nicht alles durch die ungehemmten Gewaltdarstellung, die täglich unsere Wohnzimmer belagern, konterkariert? Wer hat den Mut dieser Verrohung Einhalt zu gebieten! I |
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EXSULTATE, JUBILATE !
9
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1770, als Johann Baptist Enderle sein Hauptfresko vollendete, war er am Gipfelpunkt seiner Meisterschaft angelangt. Seine schwungvollen Engeldarstellungen geben davon Zeugnis. Deshalb empfehle ich Ihnen, sich diese himmlischen Wesen in der Seeger Kirche zu Gemüte zu führen. 1773,
also kurze Zeit danach komponierte der 17-jährige Mozart sein "Exsultate,
jubilate", sein "Jauchzet, jubelt". Diese Musik und
dieser Raum, dieser Text und die Seeger Engel sind eine Einheit, die den
Himmel ein Stück weit öffnen können.
Es
leuchtet der freundliche Tag, Überall
regierte die dunkle Nacht;
Du, Krone der Jungfrauen, du, gib uns Frieden, du, stille die Leidenschaften, unten denen das Herz seufzt.
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10 Im KNOTEN DES SEINS
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Wo
liegt sie verborgen? Ist es unser Los, dass wir sie in dieser Welt
in ihrer vollen Klarheit nie erfassen werden . Die
Kreuzwegstationen sind in fünf Dreiergruppen zusammengefasst, so
dass sich fünfzehn Stationen ergeben. Verurteilen Denkend
fragen wir was ist richtig, was ist falsch. Auch Jesus stellt vor
Pilatus die Frage: Was ist Wahrheit? Aufsichnehmen Was empfinden wir, wenn uns Leid zugefügt wird, wenn wir bloßgestellt, wenn wir erniedrigt werden? Wie verändern diese Erfahrungen unser Denken, wie wird daraus unser Handeln geleitet? Jesus hat den Weg des Geschehenlassens gewählt. War damit aber nicht ein umso machtvolleres heilsgeschichtliches Handeln verbunden, nicht eine unvergleichlich größere Wirkung erreicht? Pilatus wusch sich seine Hände in Unschuld. Die Angst Unrechtes getan zu haben brennt sich aber in unserem Empfinden fest. Auch wir suchen ja oft nach Gründen um unsere vermeintliche Wahrheit zu rechtfertigen. Fallen Wie
schnell verraten wir unsere Grundsätze, wenn das uns Aufgeladene
uns zu erdrücken droht, wie schnell schauen wir weg, wenn anderen
Unrecht geschieht. Auch wenn wir es als Unrecht empfinden,
sagt unser Denken: "Was kann ich bloß machen, ich kann doch eh
nichts ausrichten!" Hat unser Empfinden in der
schnelllebigen Mediengesellschaft überhaupt noch eine Chance für
tieferes Empfinden, das zum Handeln führt? Heute, Tagesschau, eine
Katastrophe verwischt die andere und dann die Fußballergebnisse und
der neuesten Klatsch. Was ist wichtig, was ist wahr, wer kann uns
helfen im Knoten des Seins, diese Fragen auflösen? Was
hat das alles mit der darstellten Geschichte, die vor 2000 Jahren
geschah, zu tun?
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11
Können
so nicht die Künste den "Himmel bessrer Zeiten" mir
erschließen, wie es in einem Schubert Lied so ausdruckvoll
anklingt und in dem die letzte Zeile lautet "du holde Kunst, ich
danke dir dafür!" Eine dankbare Erinnerung für
den Vermittler der göttlichen Geistes mittels des Geistes der Musik
wird im mittleren Fresko durch das Notenblatt mit der Überschrift
"Alois Meisburger
1980" ausgesprochen. "Heil dem Tage,
der unsre Tage krönt", diesen Text vertonte der Pfarrer mit
dem tönenden Herzen.
Foto Heinrich Scherbaum jun. |
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12 Alles ist Eines
Was ist in diesem Raum noch Materie, was schon Geist. Sie fallen zusammen in dieser Symphonie der Elemente. Im Sternenkranz spiegeln sich die unendlichen Möglichkeiten wieder und lassen Raum und Zeit verschwinden. Immer wieder finden wir in der Kirche Strahlen- und Sternenkränze. Diese strahlen uns entgegen. Alle Bewegungen, die aus den Widersprüchen unseres Daseins geboren wurden, können in diesem Abbild des schattenlosen Geheimnisses ihre Ruhe finden. Unsere bohrenden Fragen und unzureichenden Antworten treffen und versöhnen sich in einem erfüllten Schweigen. Was
bleibt uns mehr als zu Staunen, aber damit beginnt, was uns der zu uns
geöffnete, wunderbare Raum uns sehen, hören und empfinden lässt.
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er
ist ein Geschenk, dass Ihnen ohne eine Verpflichtung, einfach so, gegeben wird.
Es ist eine Kostbarkeit, die sie sich immer wieder schenken können und
sie werden erleben, dass sie immer wertvoller wird. Verabschieden
möchte ich mich von Ihnen mit meinem Lieblingsengel, der sie einlädt
wieder und wieder den Klang des Raumes im Zusammenklang seiner Elemente
zu erleben. Diese Raumsymphonie ist ein unerschöpfliches Ereignis
auf unserem Erdenrund.
Foto Heinrich Scherbaum jun. |
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