Das göttliche Milieu, so unermeßlich es auch sein mag, ist in Wirklichkeit ein Zentrum. Es vermag, die Seienden im Schoße seiner selbst zu vereinen und zu vollenden. In ihm berühren sich alle Elemente des Universums durch das, was sie an Innerstem und Endgültigstem haben. Sie konzentrieren dort nach und nach, ohne Verlust und ohne Gefahr eines späteren Zerfalls das, was ihr Reinstes und Anziehendstes ist, Sie verlieren dort, indem sie sich begegnen, das wechselseitige Außerhalbseins und die Zusammenhangslosigkeit, die die grundlegende Mühsal der menschlichen Beziehungen ausmachen.

 


In den äußeren Sphären der Welt wird der Mensch in jedem Augenblick durch die Entfernungen zerrissen, die zwischen die Körper den Abstand setzen; zwischen die Seelen die Unmöglichkeit, sich zu begreifen; zwischen alles Leben den Tod. Darüber hinaus noch muß er in jedem Augenblick seufzend feststellen, daß er im Zeitraum einiger Jahre nicht alles verfolgen und nicht alles umgreifen kann. Unaufhörlich schließlich überfällt ihn Unruhe, und zwar nicht ohne Grund, angesichts der wahnwitzigen Sorglosigkeit und der zur Verzweiflung bringenden Dumpfheit des natürlichen Milieus, in dem die meisten individueeln Bemühungen verschwendet zu sein scheinen - in dem die Schläge und die Schreie auf der Stelle erstickt zu werden scheinen, ohne irgendein Echo zu wecken. All das ist die Trostlosigkeit der Oberfläche.


 

TEILHARD DE CHARDIN

AUS "DAS GÖTTLICHE MILIEU"