LIGETI 

 










1923  -  2006

CHARAKTER SEINER MUSIK

                                                                           GEHÖRTE WERKE

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  ZUR HAUTSEITE VON THEODOR FREY 

 

 

György Ligeti

  1923 - 2006

Geboren am 28.5.1923 als Sohn ungarisch-jüdischer Eltern
in Dicsoszentmárton (heute Tîrnaveni, Siebenbürgen)

Gestorben am 12. 6. 2006 nach schwerer Krankheit in Wien



I
n seinem Nachruf weist Reinhard J. Brembeck in der SZ vom 13.6.2006  auf Ligetis berühmten Vortrag zum Thema „Die Zukunft der Musik“ hin. Es war ein Skandel, denn er sagte kein Wort.

Aber was konnte er nicht alles mit seiner Musik offenbaren. 

Brembeck dazu:

„Er schuf ... in wildesten Farben schillernde Welten, durchpulst von aufpeitschenden Rhythmen. Das war komplizierte Musik, aber von einer geordneten Kompliziertheit, die weniger auf Charme und Eleganz setzte als auf unverstellte Erotik. Eine Musik, die sich auf den Körper des Hörers wirft, ihn drängend und unwiderstehlich umfängt.“

Brembeck erinnert auch an die Vorstellung seiner Werke bei einem „musica viva“ Kammerkonzert vor mehr als 15 Jahren in München, wo das erste Buch seiner Klavieretüden (Anknüpfung an Debussy!)und sein Horntrio (Fortschreibung Brahms!) aufgeführt wurden sowie an sein Werk „Atmosphères“.
Für Brembeck die „einzige Avantgarde-Komposition, 
die selbst, die Klassik-fernsten Hörer unmittelbar überwältigt.

 

 

TEUFLISCH GUT

"Nouvelles Aventures" ( 1962 -1965)


"
Ob die Musik in den Noten liege oder im klanglichen Ereignis, ist eine in der Geschichte der musikästhetischen Diskussion unterschiedlich beantwortete Frage. Während der Laie Musik 
einzig als klingende erfährt und deshalb das Hörbare für das ihr Wesentliche halten wird, 
haben Theoretiker und Komponisten immer wieder ihr Schriftliches in den Vordergrund gestellt."

Hierzu mehr von Volker Straebel ...

"Bach als Minimalist - Zu den Bach-Zyklen von Linda Schwarz"


Aus Linda Schwarz' Beschäftigung mit György Ligeti heraus entstand die Umschlaggestaltung zu dem Buch Harald Kaufmann: Von innen und außen. Schriften über Musik, Musikleben und Ästhetik hrsg. v. Werner Grünzweig und Gottfried Krieger, Hofheim / Ts. 1993.

 

 

 

 

 

 

CHARAKTER SEINER MUSIK        

                                                                               

                                                                                                                             

                                                                                                                                                                                                

                                                                                                                                                                            

 

Meine Musik ist . . .

 

"Abenteuer der Form und des Ausdrucks, imaginäre Handlung,

labyrinthische Verquickungen von verfremdeten Gefühlen und Trieben,

von Spott, Verhöhnung, Idyll, Nostalgie, Trauer, Angst,

Liebe, Humor, Exaltation, Leidenschaft,

von Traum und Wachsein, Logik und Absurdität."

 

 

 

"Ich habe eine Vision, kein Dogma, kein fertiges System.

Ich möchte bei keinem Resultat stehenbleiben. 

Ich halte mich offen für Einflüsse, denn ich bin exzessiv neugierig ... "

 

"Musik, die immer da ist wie eine Landschaft. 

Wir öffnen ein Fenster auf die Landschaft und schließen es wieder.

Die Musik, die ich höre, ist ewige Sphärenmusik."

 

 

 

"Die Musik scheint zu stehen, aber das ist nur Schein.

Innerhalb des Stehens, dieser Statik, gibt es allmähliche Veränderungen;

ich würde hier an eine Wasseroberfläche denken,

auf der ein Bild reflektiert wird;

nun trübt sich allmählich diese Wasseroberfläche, 

und das Bild verschwindet - aber sehr, sehr allmählich. 

Dann glättet sich das Wasser wieder, und wir sehen ein anderes Bild."

 

Er denke in Bildern, Formen und Farben, wenn er komponiere, gestand Ligeti.

"Erst ein Umweg über die Bildenden Künste ermöglichte, sehr allmählich, eine Annäherung an die Aufzeichnung von statischer Musik; Klee, vor allem seine flickteppichartigen Aquarelle und Mondrian, gleichsam optische Entsprechungen meiner klanglichen Vorstellungen, halfen mir, musikalische Montagen, Collagen, Farbflächen herantasend aauch schriftlich zu fixieren."

"Hinter der Musik gibt es eine Musik und dahinter noch eine Musik - eine unendliche Perspektive, so, wie wenn man sich in zwei Spiegeln sieht und eine unendliche Spiegelung entsteht."

 

Paul Klee - Ad parnassum 1932 (Auschnitt)

 

 

 

 

 

GEHÖRTE WERKE

                                                                               

                                                                                                                                          

                                                                                                                                                                                                

                                                                                                                                                                            

 

RICERCARE (1951-53)
LONTANO (1967)
RAMIFICATIONS (1968/69)
DOPPELKONZERT FÜR FLÖTE UND OBOE (1972)
SAN FRANCISCO POLYPHONY (1973/74)
ATMOSPHERES (1961)

 


RAMIFICATIONS (1968/69)








Der Titel "Ramifications (Verästelung) bezieht sich auf die polyphone Technik der Stimmführung: in einem Knäuel zusammengebundene Einzelstimmen bewegen sich divergent, so daß sich die Stimmbündel allmählich auflösen. Die Gesamtform wird durch das Abwechseln von Verästelung und Vereinigung der Stimmen und durch die dabei entstandenen Risse oder Verknäuelungen des musikalischen Netzgebildes gegliedert. 

Die Hälfte der Streichinstrumente ist einen Viertelton heraufgestimmt. Durch von selbst sich einstellende Intonationsunterschiede beim Greifen entsteht jedoch eine Tonhöhenfluktuation, sa daß man fast nie exakte Vierteltonabstände hört. Nur an einigen dichten Stellen ergeben sich annäherungsweise Viertelton-Clusters, sonst erscheint eine ganz neue Art von "unsicherer" Harmonik, als ob die Harmonien "verdorben" wären. Sie haben einen haut goût, Verwesung ist in die Musik eingezogen.  


György Ligeti

RICERCARE (1951-53)

Eine unwiderstehliche Elementarkraft geht von den elf Stücken der 1951-53 komponierten „Musica Ricercata“ aus. Das frühe Klavierwerk entstand aus Experimenten mit minimalistischen Strukturen von Rhythmus und Klang, „um sozusagen eine Neue Musik aus dem Nichts heraus zu bauen“, wie Ligeti selbst sagt. Begeisternd ist die Wirkung, die er mit nur wenigen Tönen erreicht.

Im ersten Stück wird ein einziger Ton verwendet, zu dem am Ende noch ein Ton hinzukommt, im zweiten besteht die Musik aus drei Tönen, im dritten aus vier, bis zu zwölf Tönen im elften Stück. Das zweite Stück der „Musica Ricercata“, diente als Soundtrack zum Film „Eyes Wide Shut“ von Stanley Kubrick.

I                   Sostenuto – Misurato – Prestissimo
II                  Mesto, rigido e ceremoniale
III                Allegro con spirito
IV                Tempo di valse (poco vivace – “à l’orgue de Barbarie”)
V                 Rubato. Lamentoso
VI               Allegro molto capriccioso
VII              Cantabile, molto legato
VIII             Vivace. Energico
IX                (Béla Bartók in memoriam) Adagio. Mesto – Allegro
                     maestoso
X                 Vivace. Capriccioso
XI                (Omaggio a Girolamo Frescobaldi) Andante misurato e
                     tranquillo

 

Entdeckt am 12.11.2005

SAN FRANCISCO POLYPHONY (1973/74)

Gehört am 17.03.2007 mit dem Münchner Philharmonikern unter Jonathan Nott

LONTANO (1967)

Gehört am 22.03.2007 mit dem Münchner Philharmonikern unter  Michael Tilson-Thomas

 


ATMOSPHERES (1961)

 




"Diese flirrend-ätherischen Klangflächen eigneten sich in ihrer Unverbrauchtheit besonders gut für die Sphärenmusik in einem Science-Fiction-Film ". (2001:Odyssee im Weltraum von Stanley Kubrick).

Renate Ulm

Sie hat  "eine Form, die in ihrer Veränderung Unveränderliches widerspiegelt, in ihrer Bewegung Stillstand, in ihrer Endlichkeit die Unbegrenztheit der Zeit".

"Die Gesamtform des Stückes ist wie ein einziger, weit gespannter Bogen zu realisieren, die einzelnen Abschnitte schmelzen zusammen und werden dem großen Bogen untergeordnet".

"Es gibt in Atmosphères  Sonoritäten, die Ergebnis der Verwebungsart der einzelnen, in sich bewegten Instrumentalstimmen sind. Ein Vergleich mit einem textilen Gewebe kann dies vielleicht erläutern: die farbliche Gesamtwirkung eines Stoffes hängt nicht nur von den Farben der einzelnen Fäden . . . und von dem mengenmäßigen Verhältnis der verschieden gefärbten Fäden ab, es spielt vielmehr auch deren Verteilung und Verschlingungsart sowie die Webdichte und das schließlich entstehende Webmuster eine entscheidende Rolle."

György Ligeti

 

TAM - DURCHSCHEINEN - DIAPHANIE

"Nicht das Erscheinen, sondern das Durchscheinen Gottes
im Universum ist das große Geheimnis." 

 

 

 

 

 

 

 

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