EINE SEITE VON THEODOR FREY

Die Eroberung des gesamten Mittelmeerraumes brachte dem Römischen Reich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. ungeheuren Wohlstand. Das ermöglichte der Oberschicht ein Leben in nie zuvor gekanntem Luxus und Prunk.
Luxuria
galt als Inbegriff üppiger Lebensart und Kultur. Reichtum zur Schau zu stellen wurde zum Lebensstil, geradezu zur Pflicht, wenn man dazugehören wollte.

Kritiker beklagen den Verfall der Sitten, sahen wie der Politiker Cato Habgier und Verschwendung gar als die beiden Seuchen, an denen noch alle großen Reiche zugrund gegangen seien. Dass man sogar Gesetze gegen übertriebenen Luxus erließ, zeugt von den Auswüchsen einer Prunksucht der letztendlich nichts Einhalt gebieten konnte.

In der Ausstellung der Archäologischen Staatssammlung in München können sie LUXUS als LUST und KUNST und als SÜßES GIFT, bewundern

 

Der Historiker Christian Meier (SZ 16.2.09)antwortet auf folgende Fragen: "Fehlt uns das Zukunftsinteresse?

"Ich beobachte, dass Deutschlands Eliten sich ihre Gedanken machen über Lehmann Brothers, über isländische Banken und dergleichen. Aber wenn ich dann sage: Ich möchte eigentlich wissen, wie es weitergeht! - dann merken vielleicht einige unter den Jüngeren auf, die Etablierten zucken nur mit den Schultern. Bin ich denn ein Auslaufmodell, dass ich nach der Zukunft frage? Hat vielleicht unser System einen Grad an Sättigung erreicht, dass das 'Immer schneller, immer mehr' nicht mehr funktionieren kann? Ist vielleicht vieles in eine Sackgasse geraten? Was wird mit der Sozialstruktur, Lebensqualität, Bildung? Solche Fragen müsste man zu beantworten versuchen, sonst kann man auch seinen historischen Ort nicht verstehen."

"Hängt die Identifikation mit diesem Staat nur am Geld?"

"Sie hängt gewiss nicht nur am Geld; aber man muss sich fragen, was denn diese Demokratie erfahrbar macht. Die alte Bedeutung von Demokratie impliziert doch was zu sagen zu haben . . . Nun, sagen können wir heute alles, es nimmt nur keiner ernst, während man früher bei manchen Äußerungen geschossen oder verhaftet hat. Heute lassen die Regierenden die Leute reden was sie wollen . . . Politische Fragen im eigentlichen Sinne - also Fragen, was der Staat insgesamt tun soll - werden kaum noch in der Bürgerschaft diskutiert. Wir haben Gedankenfreiheit - aber wir denken uns nichts mehr! Die Demokratie ist auf diese Weise kaum spürbar - dafür Beengungen und Bevormundungen durch Bürokratie umso mehr."

Statue der Tochter des Balbus - gefunden in Herculaneum (1. Jh. v. Chr.) - Farbreste belegen, dass die Statue aus Marmor einst aufwändig bemalt war

 

 

 

Barbara Reitter-Welter schreibt zur Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung München in Welt-Online

" Nur knapp ein Prozent der insgesamt 50 bis 80 Millionen Einwohner des Römischen Reichs gehörte der wohlhabenden Oberschicht an. Sie hatte sich am Golf von Neapel, in der klimatisch und topografisch bevorzugten Lage der "Campania felix" unterhalb des Vesuvs, ihre Sommerresidenzen errichtet. Kleine Provinzorte wie Baiae, Stabiae, Herculaneum und Pompeji erlebten eine ungeheure Blüte, denn der Adel, die Reichen und Schönen, darunter Dichter und Kaiser von Cicero über Caesar und Lucullus bis zu Vergil, lebten dort in den Sommermonaten ein Leben des Müßiggangs in "Luxus und Dekadenz".   . . .  Durch die Eroberung zahlloser Gebiete im Mittelmeerraum flossen dem Römischen Reich seit dem 2. Jahrhundert vor Christus ungeheure Kapitalmengen, reiche Rohstoffvorräte und prunkvolle Kunstgegenstände zu. Man war unglaublich reich, und man zeigte, was man besaß. Das waren in der römischen Sommerfrische am Golf von Neapel in erster Linie natürlich prachtvolle Villen mit Meerblick, riesige, palastartig ausgedehnte Komplexe mit opulent angelegten Gärten, großen Schwimmbecken und elegant mit Marmor und Stuck ausgestatteten Interieurs. Der Fantasie und Protzsucht waren keine Grenzen gesetzt.  . . .

Der elitäre Lebensstil der Oberschicht zeigte sich jedoch auch im Alltäglichen, denn in einer Gesellschaft, die alles hatte, geriet alles zum Akt persönlicher Selbstinszenierung. Bei Einladungen konnte nicht nur der Kunstsinn demonstriert werden, der sich in dekorativen Skulpturen und Gemälden äußerte. Auch stundenlang ausgedehnte lukullische Gelage mit vielen Gästen dienten der Zurschaustellung des Besitzes. Verschwenderischer Tafelluxus mit Gold- und Silbergeschirr, wertvollem Glas, Purpurtischdecken, aber auch kulinarischen Extravaganzen mit Delikatessen aus fernen Ländern wie Kamelfersen, Flamingozungen oder Hahnenkämmen standen auf dem Speiseplan. "

Weitere Informationen zur Ausstellung . . .

 

Pietro Bembo

 5. Sonett der "Rime"



Haar aus gekräuseltem Gold und aus reinem und klarem Bernstein,
das in der Luft über dem Schnee wogt und schwebt,
Augen, süß und heller als die Sonne,
[geeignet] um die dunkle Nacht zu hellem Tag zu machen,

Lachen, das alle rauhe und harte Pein stillt,
Rubine und Perlen, aus denen Worte hervorkommen
so süß, daß die Seele kein anderes Gut will,
Hand aus Elfenbein, die das Herz zerreißt und raubt,

Singen, das wie die göttliche Harmonie ist,
reifer Geist im grünsten Alter,
Anmut, niemals unter uns [Menschen] gesehen,

verbunden mit höchster Schönheit höchste Züchtigkeit,
waren Speise meines Feuers und es sind in Euch
Gnaden, die der weite Himmel nur wenigen [Frauen] zuteil werden läßt.

Übersetzung von Hans-Jürgen Schlütter