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PROLOG

ERLÄUTERUNGEN UND WEITERE HINWEISE ZUM PROLOG

 

EINE SEITE VON THEODOR FREY


Zu meinem Evangeliar


Neues Testamen; Joh 1,1-3 (Einheitsübersetzung)

"Im Anfang war das Wort (logos), und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen."

  ... oder anders übersetzt: ... und ohne das Wort wurde nichts. Was geworden ist, das war in ihm Leben ...

Das Wort (der Logos) braucht jemanden, an den es gerichtet werden kann und zu dem hin er sich entfalten kann.  Im Anfang liegt das Wort, das mir in jedem Augenblick meines Seins eine fragende Antwort ermöglicht. Das mich Fragen lässt: „Warum ist Etwas, warum bin Ich“?

Goethe Johann Wolfgang, Faust, Der Tragödie erster Teil, 1226 - 1237

Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,

Ich muß es anders übersetzen,

Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.

Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.

Bedenke wohl die erste Zeile,

Daß deine Feder sich nicht übereile!

Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?

Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!

Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,

Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.

Mir hilft der Geist! auf einmal seh ich Rat

Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!



Laube Johannes, Dialektik der absoluten Vermittlung, S. 26; Über die Philosophie von Hajime Tanabe

Die Tat kommt auch vor der Kraft, vor dem Sinn, vor dem Wort, vor dem Denken. Die Tat ist Grund des Denkens. Sein und Denken sind Abstraktionen, die von dem Konkretesten ausgehen: von der Tat. In der Tat sind Sein und Denken als in ihrer Ureinheit enthalten.

 
Balthasar, Hans Urs von, Herrlichkeit, S. 15

[...] der Anfang ist auch für den antwortenden, sich entscheidenden Menschen eine Ur-Entscheidung, die alle späteren in sich schließt. Zwar ist Gottes Wahrheit groß genug, um unendliche Zugänge und Einstiege zu haben; sie ist auch frei genug, um den, der einen zu engen Ansatz gewählt hat, nachträglich zu erweitern und ihm auf die Beine zu helfen. Wer aber vor der Wahrheit im ganzen steht - nicht nur des Menschen und der Welt, sondern des sichschenkenden Gottes, vor der Wahrheit nicht nur des historischen Evangeliums und der Kirche, die es behütet, sondern des wachsenden Gottesreiches, wie es jetzt ist in der Fülle der Schöpfung Gottes, aber auch in der Ohnmacht de sterbenden Kornes in mir und in all meinen Brüdern, in der Nacht unserer Gegenwart, in der Zweideutigkeit unserer Zukunft: der möchte ein erstes Wort sagen, das er nicht zurücknehmen, nicht nachträglich gewaltsam zurechtrücken müßte, weil es weit  genug war, alle folgenden zu bergen, und klar genug, um als Licht durch alle hindurchzuscheinen.


Balthasar, Hans Urs von, Herrlichkeit, S. 16

Schönheit heißt das Wort, das unser erstes sein soll. Schönheit ist das letzte, woran der denkende Verstand sich wagen kann, weil es nur als unfaßbarer Glanz das Doppelgestirn des Wahren und Guten und sein unauflösbares Zueinander umspielt, Schönheit, die interesselose, ohne die die alte Welt sich selbst nicht verstehen wollte, die aber von der neuen Welt der Interessen unmerklich-merklich Abschied genommen hat, um sie ihrer Gier und ihrer Traurigkeit zu überlassen.


Balthasar, Hans Urs von, Herrlichkeit, S. 151

Weil das Sein kein Seinendes und Gegenständliches ist, sondern das, worin alles Seinende als Gegenständliches aufleuchtet, weil im Licht des Seins alles gesehen wird, ohne daß dieses Licht zur Gegebenheit und zum Stehen gebracht werden kann, darum besagt der philosophische Akt für den seienden denkenden Menschen sowohl eine überschwengliche Beglückung und letzte Begründung wie eine Bedrohung seiner ganzen Existenz, die sich nur als unendliche verstehen kann. In dem einen Wort Ekstasis hat Heidegger beide notwendig verbundenen Seiten des philosophischen Aktes beisammen gefunden: das Ent-setzen und die Angst des endlichen Geistes, der denkend in sich die Öffnung der Unendlichkeit entdeckt, und das Ent-zücken vor dem Angesichtigwerden der spendenen und bergenden Fülle und Quelle. [...] Das Sein selbst enthüllt sein letztes Antlitz, das für uns den Namen trinitarische Liebe bekommt und erst mit diesem letzten Mysterium das andere Mysterium erhellt, warum überhaupt Sein ist und warum es uns als Licht und Wahrheit und Güte und Schönheit aufgeht.  Der philosophische Akt (den jeder Mensch, wie implizit auch immer, setzt) begegnet jetzt in der Seinstiefe der noch tieferen Tiefe des göttlichen Lichts. Indem diese tiefste Tiefe sich überhaupt erschließt, erweist sich ihre Freiheit (wie sollte, wenn Seiendes frei sein kann, der spendende Seinsgrund freiheitslos sein!), indem ihr freies Licht sich offenbart, ist im gleichen Zug gesagt, daß es den, in welchem es aufglänzt, zur göttlichen Freiheit hin befreien muß: es schenkt ihm die Freiheit der Antwort und damit auch die Möglichkeit der Ablehnung: es erwirkt im Glaubenden das Glauben und läßt ihm die Freiheit des Nichtglaubens. Das ist die Möglichkeit, ‘ Gott zum Lügner zu machen’.


 Uhde Bernhard, in Bibel heute, Nr. 125, 1. Quartal 1996, S. 113

Der Buddha hat erkannt: alles Entstehen und Vergehen geschieht in ‘Abhängigkeit’. Nicht erstlich kausal, sondern konditional ist alles Dasein verbunden: nicht weil etwas ist, ist ein anderes, sondern wenn etwas ist, ist ein anderes. Wenn von Eltern gesprochen wird, dann haben diese Eltern Kinder, wenn von Kindern, dann haben diese Eltern: wechselseitige Bedingtheit herrscht.

Heinzmann Richard; Philosophie des Mittelalters; S. 284; 
Über den Grundgedanken der belehrten Unwissenheit von Nikolaus von Kues (1401-1464)

Ihre eigentliche Wahrheit besitzen alle Dinge, einschließlich des menschlichen Geistes, nur in Gott. Da Gott aber für menschliches Wissen unerreichbar ist, kann menschliche Erkenntnis, die es nur mit dem Abbild, mit der Andersheit, die immer ein Mehr oder Weniger zuläßt, zu tun hat, nur Mutmaßungen des der Wahrheit Ähnlichen sein.

Levinas Emmanuel, Jenseits des Seins, S. 66

‘Was heißt: Sein? - fragt also in bezug auf das , was gerade in Frage steht. Die Antwort wird von vornherein in Begriffen des Seins verlangt, ob man darunter nun Seiendes oder Sein des Seiendes, Seiendes oder sein des Seins versteht. Die Frage ‘Was?’ ist so korrelativ zu dem , was sie entdecken will, und sie bedient sich dessen bereits. Ihre Sache spielt sich vollständig im Sein ab - in dem, was sie erst sucht. [...] Das Sein wäre nicht nur das problematischte - es wäre das im höchsten Maße Verstehbare.

Und doch wird diese Verstehbarkeit zur Frage. Daß die Verstehbarkeit zur Frage wird - ist erstaunlich. Hier taucht ein Problem auf, das der Frage ‘Wer?’ und der Frage ‘Was?’ vorausgeht.[...]

Warum wird die Suche zur Frage? Wie kommt es, daß das ‘was?’, das schon ganz ins Sein vertieft ist, um es noch weiter zu erschließen, zur bittenden Frage, zum Gebet wird, einer Spezialfrage, die in die ‘Kommunikation’ des Gegebenen einen Hilferuf einbringt, einen an den Anderen gerichteten Ruf um Beistand?

  
Wittgenstein Ludwig, Tractatus Logico-Philosphicus, 6.44

Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern daß sie ist.


Marqurd Odo, Grund und Existenz in Gott, 
in: Hrsg: Höffe,Pieper, F.W.J. Schelling, Über das Wesen der menschlichen Freiheit, S. 57 ff.

Drei einschlägige Antwortmöglichkeiten der Theodizee. - „Da ist:

a) der antike Ansatz. Die Allmachtsgrenze ist vor Gott. Die Übel, die Leiden, das Böse werden veruneigentlicht: sie gehören nicht zur eigentlichen Wirklichkeit. Es gibt die Übel, das Leiden, das Böse: doch Gott ist gut; denn: er konnte nicht anders, als die Übel, das Leiden, das Böse zuzulassen; er hat nämlich [...] nicht aus Nichts geschaffen, sondern aus Materie: daß die Materie vorgegeben ist, ist - als Grenze seiner Allmacht - das Alibi Gottes. Ohne Gott wäre nur das Chaos; durch Gott kommt es zur bestmöglichen Ordnung, die die Übel (das Böse) mindert. Dadurch ist Gott gerechtfertigt: seine Leistung ist, ‘to make the best of it’. - Da ist:

b) der christliche Ansatz. Die Allmachtsgrenze ist neben Gott. Die Übel, das Leiden, das Böse werden moralisiert: sie kommen - durch menschliche Schuld und als Strafe - von der Sünde. Es gibt die Übel, die Leiden, das Böse: doch Gott ist gut; denn: er konnte nicht anders, als die Übel, die Leiden, das Böse zulassen. Seiner Erlösung - vgl. Markion- und seiner Schöpfung - vgl. Augustinus - tritt nämlich ein Gegengott entgegen: der böse Schöpfergott oder der - wie Gott sein wollende - frei sündigende Mensch. Gegengott und menschliche Freiheit sind - als Funktionsnachfolger der antiken Materie - die Allmachtsgrenze Gottes: das Alibi Gottes. Zugleich beantwortet Gott die sündenbedingte Korruption der Schöpfung mit der Erlösung durch Christus. Dadurch ist Gott gerechtfertigt: seine Leistung ist, ‘ to make the best of it. - Da ist:

c) der neuzeitliche ausdrückliche Theodizeeansatz. Die Allmachtsgrenze ist in Gott. Die Übel, die Leiden, das Böse werden instrumentalisiert: sie - die modern nicht mehr veruneigentlicht und nicht mehr umfassend moralisiert werden können, denn es gibt neben dem ‘malum morale’ (darauf nicht rückführbar) das ‘malum physicum’ (das Leiden) und das ‘malum metaphysicum’ (die Endlichkeit) - werden Mittel zum Zweck des bestmöglichen Schöpfung (Leibniz) und der ‘Gottheit Gottes’ (Schelling). Es gibt die Übel, die Leiden, das Böse: doch Gott ist gut; denn: er konnte nicht anders, als die Übel, die Leiden, das Böse zuzulassen, und zwar wegen einer Allmachtsgrenze in Gott selber. Die Vernunft des göttlichen Verantwortungsschöpfers muß - durch eine grenznutzenbewußte Otimierungs-kalkulation beim Schaffen die Sachzwänge der Kompossibilitäten respektieren (Leibniz). Und in Schellings Freiheitsschrift ist es so: Gott selbst (‘Existenz’) hat es mit dem ‘Grund’ in Gott, der Natur in Gott so schwer, daß durch dieses Schwerhaben Gott die Möglichkeit des Bösen eröffnen muß. Anders und quasi psychoanalytisch gesagt: Gottes Ich hat es mit Gottes Es (‘Grund in Gott’) so schwer, daß er die korrumpierbare Welt und den Menschen mit seiner Freiheit zum Bösen und Guten braucht, um mit sich selber fertig, d.h. Gott zu werden. Das Alibi Gottes ist jetzt die Grenze seiner Allmacht in ihm selber: seine Vernunft oder sein Es. Dadurch ist Gott gerechtfertigt: seine Leistung ist, ‘to make the best of it’.“

[...] Die autonomistische Antwort [auf die Frage, warum hat Gott das Schaffen nicht bleiben lassen] ist: Gott ‘hat’ das Schaffen bleibenlassen, denn nicht Gott hat die Welt geschaffen, sondern der Mensch, zumindest als Kulturwelt. Gottes Allmacht wird so sehr eingeschränkt, daß der Ohnmachtsgrenzfall seiner Nichtexistenz eintritt; denn, wie Stendhal sagte: ‘Die einzige Entschuldigung für Gott ist, daß es ihn nicht gibt.’

  
Hegel, G.W.F.; Wissenschaft der Logik; S. 67; Hrsg. Lasson G.

Was die Wahrheit ist, ist weder das Sein, noch das Nichts, sondern daß das Sein in Nichts, und das Nichts in Sein - nicht übergeht, - sondern übergegangen ist. Aber ebenso ist die Wahrheit nicht ihre Ununterschiedenheit, sondern das sie nicht und unmittelbar jedes in seinem Gegenteil verschwindet. Ihre Wahrheit ist also diese Bewegung des unmittelbaren Verschwindens des Einen in dem Anderen: das Werden; eine Bewegung, worin beide unterschieden sind, aber durch einen Unterschied, der sich ebenso unmittelbar aufgelöst hat.

 
Guardini, Romano, Ethik, Band 2, S. 1158 ff.

Sichtweisen der Schöpfung, die nach Romano Guardini der echten Schöpfung im Sinne der (christlichen) Offenbarung gegenüberstehen:

A. Pantheistische Vorstellungen:

1. Die Welt ist einfachhin göttlich, und das Göttliche ist einfachhin die Welt Dann ist jedes Ding Gott, und Gott ist jedes Ding.

2. Die Welt geht aus der Gottheit hervor. Dann wird die Gottheit als das Unfaßlich Einfache, zugleich aber alle Möglichkeiten in sich Enthaltende angesehen, das den Charakter der Quelle hat; oder des Impulses, der Wirkung hervorbringt; oder des Keimes, der Gestaltungen aus sich entläßt. Dann ist die Welt das aus dem Göttlichen Strömende, Werdende, sich Herausgestaltende ...

3. Die Gottheit wird als das in ihrem An-Sich Unbewußte, zu Wort und Tat Unfähige angesehen, das sich dann in stummem Urdrang die Welt gegenüberstellt und in der Auseinandersetzung mit dieser Welt zu Bewußtsein, Freiheit und Geschichte gelangt.

 B: Postitivistische und materialistische Vorstellungen

Das Göttliche ist überhaupt nicht wirklich, sondern die Welt in ihrer empirischen Gegebenheit wird als das Einzige und einfachhin Seiende aufgefaßt. Die Welt ist da, und ist, wie sie ist.

 C: Mythische Vorstellungen:

Mythische Frömmigkeit besteht darin, alles auch den fragenden und fühlenden Menschen selbst, aus einem Urgrund heraus entstehen und in ihn zurückkehren zu lassen.

1. Im Anfang war das Chaos. Es ist das , was keine Gestalt hat - das Ungeheuer-Große meint in diesem Zusammenhang nichts Positives, sondern etwas Negatives - aber jede annehmen kann. Dem tritt eine Macht der Bewältigung gegenüber. Der Weltanfang hat also den Charakter der Arbeit und Kunst, oder den des Kampfes.

2. Am Anfang kann auch ein Symbol der Einbegreifung stehen; Ein Ausdruck für das Phänomen des Keims, der undifferenziert in sich ruht, aber alle Differenzierungen aus sich entläßt.

 D: Biblische Vorstellungen:

Die Welt hat einen wirklichen und echten Anfang. Man kann den Anfang diese Wirklichkeit nicht denken, weil das ja in der Anschauungsform der Zeit geschehen müßte. Jenseits dieses „Anfangs“ ist Gott. Er steht aber mit der Welt nicht im Kontinuum. Er hat sie in keiner Weise aus seiner Substanz herausgeformt oder herausentlassen, sondern hat gewollt, daß sie sei.

Gottes Schöpfung ist radikal; Er schafft ganz und gar, durch und durch, vom ersten Sinn und der einfachsten Materialität bis zur letzten Bestimmtheit... Das Schaffen ist nicht einmal eine Notwendigkeit in Gott selbst vorgegeben. Gott schafft nicht, weil Er muß; weder weil Er die Welt brauchte, noch weil Er nicht anders könnte, als sie ihr selbst zu schenken. .. Gott könnte auch ohne die Welt sein. Er wäre, was Er ist, auch wenn die Welt nicht wäre. Sie ist nur, weil Er will. Er will aber - weil Er will. Die absolute Freiheit springt hier vor, die wir nicht mehr denken könne..


Dazu ergeben sich für mich folgende Fragen:

Sind die Vorstellungen der Schöpfung wirklich so unvereinbar?

Welche ethischen Folgerungen ergeben sich aus den unterschiedlichen Schöpfungsvorstellungen?

Sind mit den Schöpfungsvorstellungen nicht immer auch die Vorstellungen des Endes der Schöpfung mitzudenken? Bedingen sich die Vorstellungen des Anfangs/Endes nicht die des Endes/Anfangs?



Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Vorlesungen über die Philosophie der Religion, 
Teil 1: Einleitung. Der Begriff der Religion/neu 
hrsg. von Walter Jaeschke. - 1993 (Abk.: RPhI); Seite: 273 f., RZ 259

Hegel zu den Einwendungen, seine Vorstellungen seien pantheistisch:

Pantheismus im eigentlichen Sinne heißt, alles, das All, das Universum, dieser Komplex von allem Existierenden, diese unendlich vielen einzelnen Dinge seien Gott; ... Nun ist die Behauptung, daß faktisch in irgendeiner Philosophie solch ein Pantheismus dagewesen sei, ganz falsch. Der Spinozismus selbst als solcher [...] enthält, daß in Allem das Göttliche nur das Allgemeine seines Inhalts, das Wesen der Dinge sei, so aber, daß dies auch als das bestimmte Wesen der Dinge vorgestellt wird. [...] Zu den einzelnen Dingen gehört noch vieles andere: Räumlichkeit, Zeitlichkeit; hier ist nur das Unvergängliche an dieser Einzelheit herausgehoben.

 
Hegel, RPhI S. 309 RZ 243

Das Wissen von Gott ist Vermittlung überhaupt, weil da eine Beziehung von mir auf einen Gegenstand, Gott, stattfindet, der ein anderer ist als ich.[...]Das eine ist dieses, das andere ein anderes; sie sind voneinander verschieden, nicht unmittelbar identisch, nicht ein und dasselbe. Ich und Gott sind voneinander verschieden. Wären beide eins, so wäre unmittelbare, vermittlungslose Beziehung auf sich selber, beziehungslose, d.h. unterschiedslose Einheit [...] wenn sie aber doch bezogen sind oder in ihrer Verschiedenheit zugleich Identität haben, so ist diese Identität selbst verschieden von ihrem Verschiedensein, weil sie sonst nicht verschieden wären. Die Vermittlung ist damit in einem Dritten gegen diese zwei Verschiedenen und ist selbst ein Drittes, das sie zusammenbringt, in dem sie vermittelt, identisch sind. Wir haben da das bekannte Verhältnis, den Schluß: Es sind zwei Verschiedene und eine Einheit, worin beide durch ein Drittes eins gesetzt sind.

  
Berger, John; Von ihrer Hände Arbeit“ Auszug aus der SZ Nr. 127 Seite III

Ist der Künstler ein Schöpfer, oder eher ein Empfänger? Was wie Schöpfung wirkt, ist ein Prozeß, in dem das von ihm Empfangene eine Form findet.

Heute zu malen, ist so eine Art Widerstand (gegen eine Einsamkeit, die täglich von einem Netz aus körperlosen und falschen Bildern verstärkt wird), der auf einen um sich greifenden Mangel antwortet, aber Hoffnung anzustiften vermag.


Rahner, Karl, zit. aus "Rechenschaft des Glaubens - Karl Rahner - Lesebuch" 
Hrsg. von Karl Lehmann und Albert Raffelt, S. 314f.

Erst wenn wir angekommen sind, werden wir ganz wissen, welches unsere Herkunft ist. Denn Gott ist das Geheimnis schlechthin, und was er setzte, als er uns in unseren Anfang einsetzte, ist noch das in seinem Offenbarungswort verborgene Geheimnis seines freien Willens. ... Alles was da, alles, was überhaupt ist, versammelt sich schweigend in dem Quellgrund unseres eigenen Daseins, und all das andere ist durchdrungen von dem, was jeder als er selber und so als Anfang gesetzt von Gott einmalig und unwiederholbar ist. Mit dem Schweren und Leichten. Mit dem Zarten und Harten. Mit den Abgründigen und Himmlischen. Und alles ist umfaßt von Gott, seinem Wissen und seiner Liebe. Und alles soll angenommen werden. Und allem gehen wir entgegen, alles, eines nach dem andern erfahren wir, bis die Zukunft die Herkunft eingeholt hat. ...In unserem Anfang ist auch die Differenz zwischen Gotteswille und Menschenwille mitten hinein gesetzt, sind wir auch schon im Anfang die von Gott und die von der Geschichte der Schuld Verfügten, so ist eben doch bei uns auch dieser Widerspruch immer nur zugelassen und schon umfangen durch die lautere Liebe und das heilige Vergeben. Und je mehr im Schmerz des Lebens und im lebendigmachenden Tod dieses Umfassende angenommen wird, je mehr es herauskommt und sich zeigen und unsere Geschichte durchwalten darf, um so mehr wird die Differenz, der Widerspruch im Anfang gelöst und erlöst. Und um so mehr wird sich offenbaren, daß wir mitgemeint waren... Dann wird Gott alles in allem sein...."

Weitere Literatur:

Magnus Striet "Den Anfang denken Bemerkungen zur Hermeneutik des creatio ex nihilo-Glaubens"


CiG, 2010, Seite 29, Der Kommentar

"Fürs Lob des Durchschnitts, des Mittelmaßes, ist in einer medial beherrschten Welt der Übertreibungen kein Platz. Aber das Mittelmaß ist nicht das Mittelmäßige, sondern das Maß der Mitte, was die Tugend ausmacht mitten im Mühen und Ergehen.  . .  Selbst die Extravaganten und Exaltierten kommen uns am Ende recht banal vor. Die Schöpfung ist eben Schöpfung, das Wetter nur Wetter, der Mensch bloß Mensch. Nichts Besonderes. Das aber ist das Besondere, das alltägliche Wunder - schlicht dazusein."