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Pfarrer Karl
Knaus wurde am 11. März 1886 im württembergischen Dörfchen
Frickingen
bei Dischingen
(Pfarrei
Dunstelkingen,
Rottenburg) als eines von zehn
Kindern geboren. Drei wurden zu Priestern geweiht.
7.2.1912
Verleihung des "Allerhöchsten
Landesherrlichen Tischtitels [ heute mit
einem
Stipendium vergleichbar, der bis
zur Priesterweihe gültig war] zum
Zwecke des
Empfangs der höheren Weihen"
durch "Seine Königliche Hoheit
Prinz Luitpold"
hier
die Urkunde ...
25.
7. 1912
erhielt er in Dillingen die Priesterweihe
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"Obwohl
er als einer der Besten das Abitur gemacht hatte und auf der
Philosophisch- Theologischen Hochschule Dillingen in fast allen
Fächern ausgezeichnete Examina, ließ ihn im Priesterseminar
die Angst nicht los, den kommenden Aufgaben nicht gewachsen zu
sein. Nur zögernd kam sein Ja zur Priesterweihe."
Quelle:
Die Zitate stammen aus einem Zeitungsartikel von Hermann
Mors
(Datum unbekannt) |
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Hier
der Fächerüberblick aus dem Zeugnis 1908 (Reifezeugnis
Gymnasium Elwangen), das allerdings nicht gut ausfiel: 1.
Sittliches Verhalten
Fleiß und wissenschaftliches Interesse
2. Kenntnisse
a) in deutschem Aufsatz
b) in der lateinischen Sprache
c) in der griechischen Sprache
d) in der französischen Sprache
e) in Geschichte und Geographie
f) in Mathematik
g) in der Geschichte der deutschen Literatur
h) in der philosophischen Propädeutik
i) in Physik 3.
Fertigkeit im Turnen 4.
in fakultativen Fächern: in der hebräischen Sprache
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WEITERE
THEMEN
ZU SEEG / ALLGÄU
GEBIRGSPANORAMA VOM SEEGER BERG
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ULRICH
ZUR
THEOLOGIE UND ÄSTHETIK DER KIRCHE
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VON SCHMID
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MICHAEL FENEBERG
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ALLGÄUER
ERWECKUNGSBEWEGUNG
OTTO
KOBEL - ENTFALTUNG SEINES LEBENS
EDWIN
ERICH DWINGER
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2.9.1912 Kaplan in
Illereichen
27.9.1912 Kaplan in
Hohenwart
22.9.1916 Stadtkaplan
in Lindenberg (Weiler)
7.5.1916
Stadtkaplan in Pfaffenhofen a. I.
28.5.1918 Stadtkaplan
in Dinkelsbühl
16.12.1920 Kuratbenefiziat in
Dinkelsbühl
13.1.1927 Pfarrer in Kühbach
bei Aichach
Bereits am 8.3.1927 gründet er den Arbeiter- und
Arbeiterinnenverein
mit 30 Mitgliedern
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"
Burschen-, Mütter- und Arbeitervereine ließ Pfarrer Knaus dann
in Kübach bei Aichach aus religiösem Boden wachsen. Inmitten
der Wirtschaftskrise hatte er 1932/1933 durch Organisations- und
Finanzierungsgeschick ein Caritasheim mit einem Altenheim,
Kindergarten, einer Näh- und Kochschule, einer ambulanten
Krankenpflege und einem öffentlichen Bad erreichtet. Die
Dillinger Franziskanerinnen konnte er für die Leitung
gewinnen."
1997
erhielt das Caritas-Heim den Namen: Pfarrer-Knauss-Heim.
Eine Büste des Gründers wird am Eingang aufgestellt.
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Am
16.4.1930 schreibt Pfarrer Knaus an das Ordinariat eine
Stellungsnahme zu den Aussagen in der Christenlehre: "Es
ist wirklich an der Zeit, daß gerade unsere Mädchen und Frauen
wieder auf sich selbst besinnen bevor der Bolschewismus auch
über uns hereinbricht. Bleiben wir, was wir sind u. achten wir
uns selbst, sonst können uns andere nicht achten. Es ist doch
wahrhaftig keine Schande Arbeiters- oder Bauernkind zu sein.
Darauf können wir sogar stolz sein. Auf dem Arbeiter - und
Bauenstand ruht der ganze Staat. " "Es
ist doch eigenartig, wie man in gewissen Kreisen heute schimpft
u. hetzt gegen die Großkopfigen u. anderseits daher kommt wie
eine Fürstin u. Gräfin, so dass unsere Baronesse ein
Bettelmönch dagegen ist". ... "Kleidet euch auch nie
zu auffällig, wenn je eines in die Stadt kommt, leicht könnte
es den Verdacht erregen, als wäre so eine in der Hasengasse,
Ackerstraße u.s.f."
Pfarrer Knaus führt zu seinen Aussagen weiter aus: "
... Hure. Solche Worte gebrauche ich nicht vor Kindern, Luder
lautete mein Ausdruck. Hasengasse und Ackerstraße glaubte ich
den austretenden Mädchen als Warnung mitgeben zu dürfen, wäre
aber besser unterblieben, wie ich selbst nachher hörte, weil
einige fromme Seelen meinten, das bräuchten Kinder noch nicht
wissen." Abschließend
weist er noch darauf hin, dass "meine soziale Tätigkeit im
Arbeiterverein vielen ein Dorn im Auge" ist. 30 Jahre war
hier unter Ära Brand rot ausschlaggebend u. jetzt soll Kühbach
etwa schwarz werden." |
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12.9.1936
Eingabe an den Bischof
"Ich
bitte Eure Excellenz um huldvolle Übertragung der Pfarrei Seeg"
Zuvor bat er
um die Übertragung der Pfarrei Oberstaufen im Allgäu.
5.11.1936
Pfarrer in Seeg
"Als er sich nach 1933 zu
sehr als mutiger Kritiker der NS-Politik exponierte
und das schillernde Wort vom
'positiven Christentum' (siehe Hinweis rechts . .)
durchschaut hatte, wechselte er in die Pfarrei Seeg
bei Füssen.
Dort rettet ihn ein Reichskultursenator,
der früher in Buchenbühl im
Westallgäu lebende Schriftsteller
Edwin Erich Dwinger,
vor der Verhaftung. 'Unser Pfarrer
ist durch und durch sozial, durch und durch
national', sagte man in
seinen Gemeinden." (Quelle: Hermann Mors)
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In
den Qualifikationsbogen finden sich folgende Hinweise: |
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"Predigt
in jeder Beziehung gut, vielleicht manchmal zu starke
Ausdrücke"
"Sehr
tätig im kath. Arbeiter- und Arbeiterinnenverein"
"Beschäftigt sich viel mit der sozialen Frage ... Ein
Draufgänger, der es gut meint aber vielleicht mehr erreichen
würde, wenn er sich mehr Reserve auflegen würde." |
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Vorwurf der "stillen Gegenpropaganda" gegen das NS-Regime
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An
die Regierung von Schwaben u.Nbrg. wurde im Juni 1938 gemeldet: |
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Die
"Gemeinde Seeg ist politisch immer noch nicht zur Ruhe
gekommen." Es "geht die Meinung
vieler Pg. [wohl: Partei- genossen] dahin,
daß die seitens Pfarrer Knaus und des Kaplans Hefele, ... nicht
greifbare stille Gegenpropaganda gegen alles was nationalsoz.
ist, die eigentliche Ursache der Unruhe darstellt. Der
Unruheherd kann nur dadurch aus der Welt geschafft werden, wenn
seitens der Reg. beim B. Ordinariat in Augsb. die sofortige
Versetzung des Geistlichen durchgesetzt, zu mindestens aber bei
beiden die Erlaubnis zur Ausübung des Religionsunterrichtes
widerrufen wird."
Das
Ordinariat schreibt in seiner Stellungnahme, daß der größte
Teil der Gemeinde hinter den beiden Seelsorgern steht und es
großes Aufsehen erregen würde, wenn Maßnahmen ergriffen
werden würden und beteuert:
"Die
beiden Geistlichen werden sich bemühen in kirchlicher und
vaterländischer Treue friedlich weiter zu wirken." |
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Zur
Zeit des Nationalsozialismus und Dwinger in Seeg hier mehr
...
1943/1944
Am 1.1.1944 ging folgender Antrag auf den Erlass eines Strafbefehls an
das
Amtsgericht Füssen. Das Dokument
(Abschrift) liegt beim Bayerischen
Hauptstaatsarchiv unter der Nummer
MK 37915:
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"
Nach einer Anzeige der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizei
-Leitstelle München vom 18.11.1943 haben Sie der Verordnung
über die Handhabung des Feiertagsrechtes während des Krieges
[vom 27.10.1941 - RGBl. I.S. 662] zuwidergehandelt: Nach dieser
Verordnung wurde für die Dauer des Krieges der Fronleichnamstag
auf den darauffolgenden Sonntag verlegt; der Wochentag, auf den
das Fronleichnamsfest fällt, ist ein Werktag, das Abhalten von
kirchlichen Veranstaltungen ist für die Kriegsdauer auf den
Umfang der Veranstaltungen an gewöhnlichen Werktagen zu
beschränken. Demnach haben Sie am 26.6.1943 (Fronleichnamstag)
in der Pfarrkirche in Seeg eine Messe unter Mitwirkung des
Kirchenchores abgehalten. Der Kirchenchor singt sonst an
gewöhnlichen Werktagen nur bei Hochzeiten und Beerdigungen, die
Mitwirkung des Kirchenchores bei der Messe am 24.6.1943 ging
also über den an gewöhnlichen Werktagen üblichen Rahmen
hinaus. Wenn auch die Anregung hiezu von Mitgliedern des
Kirchenchores ausgegangen ist, so hätten Sie doch diesem
Wunsche nicht nachgeben dürfen."
"Beweismittel:
Zeugnis des Meisters der Gendarmarie [Handschriftlich
eingefügt: Schmitt] in Seeg."
Beantragt
wurde eine Geldstrafe von "50 Reichsmark festzusetzen, an
deren Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit eine
Gefängnisstrafe von 10 Tagen tritt und dem Beschuldigten die
Kosten des Verfahrens aufzuerlegen." |
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1949
Es wird ein schwerer
Herzmuskelschaden mit Krampfzuständen im
Kranzader-Kreislauf
attestiert und Hilfe für den Außendienst angeraten.
Nach dem 2. Weltkrieg : Bau
des Caritasheimes mit Entbindungsstation und
Kindergarten in Seeg.
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"Positives Christentum" in
Art. 24 im Programm der NSDAP
"Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat,
soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits-
und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen.
Die
Partei als solche vertritt den Standpunkt eines positiven
Christentums, ohne sich konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis
zu binden. Sie bekämpft den jüdisch- materialistischen Geist in und außer
uns und ist überzeugt, daß eine dauernde Genesung unseres Volkes nur
erfolgen kann von innen heraus auf der Grundlage: Gemeinnutz
vor Eigennutz." |
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" 1945 kaufte er
... von der Gemeinde
die alte Turnhalle. Sein ganzes Vermögen investierte er in seinen Wunsch, aus
dieser ein Heim "von der Wiege bis zur Bahre" zu gestalten, sein
Augenmerk galt insbesondere einem Altersitz für die Knechte und Mägde, die
auf den Höfen oft nur noch geduldet waren und der Betreuung von Kindern.
Er schaffte es, die Einheimischen zum Aufbau des Heimes zu bewegen - vom
tatkräftigen Steineklopfen bis hin zu finanzieller Unterstützung. Noch heute
erzählen damals Beteiligte, dass die Leute wohl nur deshalb so viel
spendeten, weil jeder wusste, dass der Pfarrer
schon vor ihm das Letzte gegeben hatte und selbst Hand anlegte.
Im gemeinsamen Aufbau des heutigen Alten- und Pflegeheimes liegt wohl der
Ursprung der tiefen Verwurzelung des Hauses im Gemeindeleben.
Neben dem Kindergarten und dem Pflegeheim eröffnete Pfarrer Knaus in seinem Heim
auch eine Entbindungsstation und eine Haushaltungsschule. Die
Entbindungsstation wurde 1961 wieder aufgelöst, die Haushaltungsschule 1988
nach Kempten eingegliedert.
Für die Betreuung der Kinder als auch der alten Leute gewann er Schwestern
aus dem Orden der Schulschwestern von 'Unserer Lieben Frau' mit ihrem Mutterhaus
in Auerbach/Oberpfalz, die auch heute noch in Zusammenarbeit mit weltlichen
Mitarbeit die Bewohner pflegen und betreuen.

Das Caritasheim (1954)
Unter dem Namen AllgäuStift-Cartitas-Stiftungsgesellschaft gGmbH
beginnt 2002 die Zusammenarbeit mit dem AllgäuStift- Netzwerk.
Durch mehrere Anbauten bietet das Alten- und Pflegeheim heute Platz für 64
Bewohner. Umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen stellen sicher, dass diese auf dem
neusten Stand der Seniorenbetreuung gepflegt und betreut werden.
Nach wie vor ist das
Alten- und Pflegeheim [St. Marien] eng mit dem im Haus integrierten
Kindergarten verbunden."
Quelle
Pia Böck:
Chronik Seeg "wie es war - wie es
ist"
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1952/1953
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Zwei
Sommer hintereinander
verbrachte
Heuss seinen Urlaub im Allgäu in einem weit abgelegenen Haus. [Sommerfrische
am Schwaltenweiher auf dem großbürgerlichen Landsitz, der 1909
erbaut wurde]. An
einem der ersten Tage machte er auf einem Spaziergang
unangemeldet dem katholischen Pfarrer des Dorfes seine
Aufwartung. Dieser war hocherfreut über den Besuch und lud
Heuss zu einem Glas Tiroler Wein ein. Es sei ein sehr guter
Tropfen, erklärte er, den er von einer Reise mitgebracht und für
einen ganz besonderen Anlaß aufgehoben habe. Der Bundespräsident
sagte gerne zu. Umständlich entkorkte der geistliche Herr die
Flasche und schenkte ein. Da setzte der Bundespräsident eine
feierliche Amtsmiene auf, legte dem Pfarrer die Hand auf den Arm
und fragte: Hochwürden, bevor wir trinken, gestatten Sie mir
eine Frage: Ist der Wein verzollt?" Der arme Pfarrer wurde
rot bis über beide Ohren und gestand, daß dies nicht der Fall
sei. Darauf ergriff der Bundespräsident sein Glas: "Dann
bin ich beruhigt, Herr Pfarrer!" und trank seinem Gastgeber
mit herzhaften Lachen zu.
Aus
"Heuss Anektoden" - Gesammelt und erzählt von Hanna
Frielinghaus-Heuss
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Am
11.8.1960 wandte er sich mit folgenden Worten an das Ordinariat: "
Stehe im 75. Lebensjahr. Muß da an baldige Resignation denken."
Mit den Hinweis auf den großen Priestermangel wurde Pfarrer Knaus
gebeten weiter zu bleiben.
Gestorben am 18. August 1961
im Augsburger Westkrankenhaus
Seine Auszeichnungen: Geistlicher Rat, Ehrendekan
Seine Schwester Frl. Ottilie Knaus schrieb an den Dekan: "Mein
Bruder fehlt mir halt sehr"
Spruch
an seinem Grabkreuz in Seeg
"Du
liebes Seeg,
des Himmels Segen sei mit dir
Ein
Vater Unser bete Du für mich,
ein
zweites noch, das bete dann für Dich."
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