PFARRER KARL KNAUS

          1886 - 1961

 

 

                  Pfarrer in Seeg 

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   Pfarrer Karl Knaus wurde am 11. März 1886 im württembergischen Dörfchen
      
Frickingen bei Dischingen (Pfarrei Dunstelkingen,  Rottenburg) als eines von zehn
       Kindern geboren. Drei wurden zu Priestern geweiht.

   7.2.1912     
      Verleihung des "Allerhöchsten Landesherrlichen Tischtitels
[ heute mit einem
       Stipendium vergleichbar, der bis zur Priesterweihe gültig war] 
zum Zwecke des
       Empfangs der höheren Weihen" durch "Seine Königliche Hoheit
       Prinz Luitpold" 

                             hier die Urkunde ...

   25. 7. 1912  erhielt er in Dillingen die Priesterweihe

      

"Obwohl er als einer der Besten das Abitur gemacht hatte und auf der Philosophisch- Theologischen Hochschule Dillingen in fast allen Fächern ausgezeichnete Examina, ließ ihn im Priesterseminar die Angst nicht los, den kommenden Aufgaben nicht gewachsen zu sein. Nur zögernd kam sein Ja zur Priesterweihe."

Quelle: Die Zitate stammen aus einem Zeitungsartikel von Hermann Mors 
(Datum unbekannt)

Hier der Fächerüberblick aus dem Zeugnis 1908 (Reifezeugnis Gymnasium Elwangen), das allerdings nicht gut ausfiel:

1. Sittliches Verhalten
    Fleiß und wissenschaftliches Interesse
2. Kenntnisse
a) in deutschem Aufsatz
b) in der lateinischen Sprache
c) in der griechischen Sprache
d) in der französischen Sprache
e) in Geschichte und Geographie
f) in Mathematik
g) in der Geschichte der deutschen Literatur
h) in der philosophischen Propädeutik
i) in Physik

3. Fertigkeit im Turnen

4. in fakultativen Fächern: in der hebräischen Sprache

 

WEITERE THEMEN ZU SEEG / ALLGÄU


GEBIRGSPANORAMA VOM SEEGER BERG

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ZUR THEOLOGIE UND ÄSTHETIK DER KIRCHE
CHRISTOPH VON SCHMID
JOHANN MICHAEL FENEBERG
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ALLGÄUER ERWECKUNGSBEWEGUNG

OTTO KOBEL - ENTFALTUNG SEINES LEBENS
EDWIN ERICH DWINGER



   2.9.1912      Kaplan in Illereichen
      27.9.1912    Kaplan in Hohenwart
      22.9.1916    Stadtkaplan in Lindenberg (Weiler)
      7.5.1916      Stadtkaplan in Pfaffenhofen a. I.
      28.5.1918    Stadtkaplan in Dinkelsbühl
      16.12.1920  Kuratbenefiziat in Dinkelsbühl

              

   13.1.1927 Pfarrer in Kühbach bei Aichach

       Bereits am 8.3.1927 gründet er den Arbeiter- und Arbeiterinnenverein 
       mit 30 Mitgliedern


" Burschen-, Mütter- und Arbeitervereine ließ Pfarrer Knaus dann in Kübach bei Aichach aus religiösem Boden wachsen. Inmitten der Wirtschaftskrise hatte er 1932/1933 durch Organisations- und Finanzierungsgeschick ein Caritasheim mit einem Altenheim, Kindergarten, einer Näh- und Kochschule, einer ambulanten Krankenpflege und einem öffentlichen Bad erreichtet. Die Dillinger Franziskanerinnen konnte er für die Leitung gewinnen."

 

1997 erhielt das Caritas-Heim den Namen: Pfarrer-Knauss-Heim
Eine Büste des Gründers wird am Eingang aufgestellt.

 

 

Am 16.4.1930 schreibt Pfarrer Knaus an das Ordinariat eine Stellungsnahme zu den Aussagen in der Christenlehre:

"Es ist wirklich an der Zeit, daß gerade unsere Mädchen und Frauen wieder auf sich selbst besinnen bevor der Bolschewismus auch über uns hereinbricht. Bleiben wir, was wir sind u. achten wir uns selbst, sonst können uns andere nicht achten. Es ist doch wahrhaftig keine Schande Arbeiters- oder Bauernkind zu sein. Darauf können wir sogar stolz sein. Auf dem Arbeiter - und Bauenstand ruht der ganze Staat. "

"Es ist doch eigenartig, wie man in gewissen Kreisen heute schimpft u. hetzt gegen die Großkopfigen u. anderseits daher kommt wie eine Fürstin u. Gräfin, so dass unsere Baronesse ein Bettelmönch dagegen ist". ... "Kleidet euch auch nie zu auffällig, wenn je eines in die Stadt kommt, leicht könnte es den Verdacht erregen, als wäre so eine in der Hasengasse, Ackerstraße u.s.f."

Pfarrer Knaus führt zu seinen Aussagen weiter aus:

" ... Hure. Solche Worte gebrauche ich nicht vor Kindern, Luder lautete mein Ausdruck. Hasengasse und Ackerstraße glaubte ich den austretenden Mädchen als Warnung mitgeben zu dürfen, wäre aber besser unterblieben, wie ich selbst nachher hörte, weil einige fromme Seelen meinten, das bräuchten Kinder noch nicht wissen."

Abschließend weist er noch darauf hin, dass "meine soziale Tätigkeit im Arbeiterverein vielen ein Dorn im Auge" ist. 30 Jahre war hier unter Ära Brand rot ausschlaggebend u. jetzt soll Kühbach etwa schwarz werden."

   12.9.1936    Eingabe an den Bischof 

      "Ich bitte Eure Excellenz um huldvolle Übertragung der Pfarrei Seeg"

       Zuvor bat er um die Übertragung der Pfarrei Oberstaufen im Allgäu.

    5.11.1936    Pfarrer in Seeg
      
"Als er sich nach 1933 zu sehr als mutiger Kritiker der NS-Politik exponierte 
       und das schillernde Wort vom 'positiven Christentum' (siehe Hinweis rechts . .)
       durchschaut hatte,  wechselte er in die Pfarrei Seeg bei Füssen. 
       Dort rettet ihn ein Reichskultursenator,
       der früher in Buchenbühl im Westallgäu lebende Schriftsteller  Edwin Erich Dwinger,
       vor der Verhaftung. 'Unser Pfarrer ist durch und durch sozial, durch und durch
        national', sagte man in seinen Gemeinden."  (Quelle: Hermann Mors)

 

In den Qualifikationsbogen finden sich folgende Hinweise:

"Predigt in jeder Beziehung gut, vielleicht manchmal zu starke Ausdrücke"

"Sehr tätig im kath. Arbeiter- und Arbeiterinnenverein"
"Beschäftigt sich viel mit der sozialen Frage ... Ein Draufgänger, der es gut meint aber vielleicht mehr erreichen würde, wenn er sich mehr Reserve auflegen würde."

 

    Vorwurf der "stillen Gegenpropaganda" gegen das NS-Regime 

An die Regierung von Schwaben u.Nbrg. wurde im Juni 1938 gemeldet:

Die "Gemeinde Seeg ist politisch immer noch nicht zur Ruhe gekommen." Es "geht die Meinung vieler Pg. [wohl: Partei- genossen] dahin, daß die seitens Pfarrer Knaus und des Kaplans Hefele, ... nicht greifbare stille Gegenpropaganda gegen alles was nationalsoz. ist, die eigentliche Ursache der Unruhe darstellt. Der Unruheherd kann nur dadurch aus der Welt geschafft werden, wenn seitens der Reg. beim B. Ordinariat in Augsb. die sofortige Versetzung des Geistlichen durchgesetzt, zu mindestens aber bei beiden die Erlaubnis zur Ausübung des Religionsunterrichtes widerrufen wird."

Das Ordinariat schreibt in seiner Stellungnahme, daß der größte Teil der Gemeinde hinter den beiden Seelsorgern steht und es großes Aufsehen erregen würde, wenn Maßnahmen ergriffen werden würden und beteuert:

 "Die beiden Geistlichen werden sich bemühen in kirchlicher und vaterländischer Treue friedlich weiter zu wirken."


                                      Zur Zeit des Nationalsozialismus und Dwinger  in Seeg hier mehr  ...

    1943/1944  

       Am 1.1.1944 ging folgender Antrag auf den Erlass eines Strafbefehls an das
       Amtsgericht Füssen. Das Dokument (Abschrift) liegt beim Bayerischen
       Hauptstaatsarchiv unter der Nummer MK 37915:

" Nach einer Anzeige der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizei -Leitstelle München vom 18.11.1943 haben Sie der Verordnung über die Handhabung des Feiertagsrechtes während des Krieges [vom 27.10.1941 - RGBl. I.S. 662] zuwidergehandelt: Nach dieser Verordnung wurde für die Dauer des Krieges der Fronleichnamstag auf den darauffolgenden Sonntag verlegt; der Wochentag, auf den das Fronleichnamsfest fällt, ist ein Werktag, das Abhalten von kirchlichen Veranstaltungen ist für die Kriegsdauer auf den Umfang der Veranstaltungen an gewöhnlichen Werktagen zu beschränken. Demnach haben Sie am 26.6.1943 (Fronleichnamstag) in der Pfarrkirche in Seeg eine Messe unter Mitwirkung des Kirchenchores abgehalten. Der Kirchenchor singt sonst an gewöhnlichen Werktagen nur bei Hochzeiten und Beerdigungen, die Mitwirkung des Kirchenchores bei der Messe am 24.6.1943 ging also über den an gewöhnlichen Werktagen üblichen Rahmen hinaus. Wenn auch die Anregung hiezu von Mitgliedern des Kirchenchores ausgegangen ist, so hätten Sie doch diesem Wunsche nicht nachgeben dürfen."

"Beweismittel: Zeugnis des Meisters der Gendarmarie [Handschriftlich eingefügt: Schmitt] in Seeg."

Beantragt wurde eine Geldstrafe von "50 Reichsmark festzusetzen, an deren Stelle im Falle der Uneinbringlichkeit eine Gefängnisstrafe von 10 Tagen tritt und dem Beschuldigten die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen."

    1949 
        Es wird ein schwerer Herzmuskelschaden mit Krampfzuständen im
        Kranzader-Kreislauf attestiert und Hilfe für den Außendienst angeraten.


    Nach dem 2. Weltkrieg : Bau des Caritasheimes mit Entbindungsstation und
        Kindergarten in Seeg. 

 


"Positives Christentum" in 
 Art. 24 im Programm der NSDAP

"Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat, soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen.

Die Partei als solche vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums, ohne sich konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis zu binden. Sie bekämpft den jüdisch- materialistischen Geist in und außer uns und ist überzeugt, daß eine dauernde Genesung unseres Volkes nur erfolgen kann von innen heraus auf der Grundlage: Gemeinnutz vor Eigennutz."

" 1945 kaufte er ...  von der Gemeinde die alte Turnhalle. Sein ganzes Vermögen investierte er in seinen Wunsch, aus dieser ein Heim "von der Wiege bis zur Bahre" zu gestalten, sein Augenmerk galt insbesondere einem Altersitz für die Knechte und Mägde, die auf den Höfen oft nur noch geduldet waren und der Betreuung von Kindern.

Er schaffte es, die Einheimischen zum Aufbau des Heimes zu bewegen  - vom tatkräftigen Steineklopfen bis hin zu finanzieller Unterstützung. Noch heute erzählen damals Beteiligte, dass die Leute wohl nur deshalb so viel spendeten, weil jeder wusste, dass der Pfarrer schon vor ihm das Letzte gegeben hatte und selbst Hand anlegte.
Im gemeinsamen Aufbau des heutigen Alten- und Pflegeheimes liegt wohl der Ursprung der tiefen Verwurzelung des Hauses im Gemeindeleben.

Neben dem Kindergarten und dem Pflegeheim eröffnete Pfarrer Knaus in seinem Heim auch eine Entbindungsstation und eine Haushaltungsschule. Die Entbindungsstation wurde 1961 wieder aufgelöst, die Haushaltungsschule 1988 nach Kempten eingegliedert.

Für die Betreuung der Kinder als auch der alten Leute gewann er Schwestern aus dem Orden der Schulschwestern von 'Unserer Lieben Frau'  mit ihrem Mutterhaus in Auerbach/Oberpfalz, die auch heute noch in Zusammenarbeit mit weltlichen Mitarbeit die Bewohner pflegen und betreuen.

Das Caritasheim (1954)


Unter dem Namen AllgäuStift-Cartitas-Stiftungsgesellschaft gGmbH beginnt 2002 die Zusammenarbeit mit dem AllgäuStift- Netzwerk.

Durch mehrere Anbauten bietet das Alten- und Pflegeheim heute Platz für 64 Bewohner. Umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen stellen sicher, dass diese auf dem neusten Stand der Seniorenbetreuung gepflegt und betreut werden.
Nach wie vor ist das Alten- und Pflegeheim [St. Marien] eng mit dem im Haus integrierten Kindergarten verbunden."

Quelle Pia Böck: Chronik Seeg  "wie es war - wie es ist"

    1952/1953

Zwei Sommer hintereinander verbrachte Heuss seinen Urlaub im Allgäu in einem weit abgelegenen Haus. [Sommerfrische am Schwaltenweiher auf dem großbürgerlichen Landsitz, der 1909 erbaut wurde]. An einem der ersten Tage machte er auf einem Spaziergang unangemeldet dem katholischen Pfarrer des Dorfes seine Aufwartung. Dieser war hocherfreut über den Besuch und lud Heuss zu einem Glas Tiroler Wein ein. Es sei ein sehr guter Tropfen, erklärte er, den er von einer Reise mitgebracht und für einen ganz besonderen Anlaß aufgehoben habe. Der Bundespräsident sagte gerne zu. Umständlich entkorkte der geistliche Herr die Flasche und schenkte ein. Da setzte der Bundespräsident eine feierliche Amtsmiene auf, legte dem Pfarrer die Hand auf den Arm und fragte: Hochwürden, bevor wir trinken, gestatten Sie mir eine Frage: Ist der Wein verzollt?" Der arme Pfarrer wurde rot bis über beide Ohren und gestand, daß dies nicht der Fall sei. Darauf ergriff der Bundespräsident sein Glas: "Dann bin ich beruhigt, Herr Pfarrer!" und trank seinem Gastgeber mit herzhaften Lachen zu.

Aus  "Heuss Anektoden" - Gesammelt und erzählt von Hanna Frielinghaus-Heuss

 

   Am 11.8.1960 wandte er sich mit folgenden Worten an das Ordinariat: " Stehe im 75. Lebensjahr. Muß da an baldige Resignation denken." Mit den Hinweis auf den großen Priestermangel wurde Pfarrer Knaus gebeten weiter zu bleiben.

    Gestorben am 18. August 1961 im Augsburger Westkrankenhaus
Seine Auszeichnungen: Geistlicher Rat, Ehrendekan
Seine Schwester Frl. Ottilie Knaus schrieb an den Dekan: "Mein Bruder fehlt mir halt sehr"

 

Spruch an seinem Grabkreuz in Seeg 

"Du liebes Seeg, 
des Himmels Segen sei mit dir

Ein Vater Unser bete Du für mich,

ein zweites noch, das bete dann für Dich."

 

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Urkunde zur Verleihung des Tischtitels