DAS JAHR
IN DER SEEGER PFARRKIRCHE
ST. ULRICH


EINE SEITE VON THEODOR FREY

Taufszene am linken Seitenaltar von
Johann Baptist Enderle (Ausschnitt)



2. SONNTAG IM JAHRESKREIS (A)


Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube (Joh 1, 29-34)

29 Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. 30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 31 Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekanntzumachen. 32 Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. 33 Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34 Das habe ich gesehen und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.

Über einen Gnadenstrahl, der von Gott Vater als dem Herrscher des Universums (Zepter) ausgeht und über den Heiligen Geist die Hand des Johannes erreicht,  wird das Taufwasser über Jesu Haupt ausgegossen. Jesus, vom weißen Tuch umwunden, das die Reinheit symbolisiert, kreuzt seine Arme und weist damit bereits auf sein Schicksal, seine Bestimmung hin. Er steht mit einem Fuß im Wasser, mit dem anderen auf dem Land. Hier sehe ich einen Bezug auf die Szene in der Apokalypse. In Kapitel 10 steht:
"
Ein Engel kam vom Himmel herab, mit einer Wolke bekleidet und dem Regenbogen auf dem Haupt und ein Antlitz wie die Sonne und Füße wie Feuersäulen. Und er hatte ein Buch in seiner Hand, das war aufgetan. Und er setzte seinen rechten  Fuß auf das Meer und den linken auf die Erde."

Johannes ist mit  rotem Tuch dargestellt, das einen Hinweis auf sein aktives auch von Zorn geprägtes Denken symbolisiert. Er hält den Stab des Wanderpredigers in der Hand. Es zeigt in der Kreuzform seine Rolle als Vorläufer des Gekreuzigten.

 

WEITUNGEN

Eugen Biser über diese Szene

Einweisung ins Christentum (Seite 230)

"Der große Durchbruch in der religiösen  Erlebniswelt Jesu muß darin bestanden haben, daß er über sich den Vaternamen Gottes, mehr als jeden anderen, ausgerufen wußte. Das war der Pfeiler einer Gewißheit, welche die alten Zweifel, ob Gott geliebt oder gefürchtet sein wolle, ein für allemal beseitigte; das war die Quelle der Freiheit, die ihn über alle Bindungen, die sich sonst mit dem Begriff 'Religion' verknüpfen, insbesondere über die an das mosaische Gesetz, erhob; und das war die Bahn, die ihn zu seinem definitiven Selbstverständnis als 'Sohn' dieses Vaters führte."

 

ÜBERBLICK             I              NÄCHSTER SONNTAG             I               VORHERGEHENDER SONNTAG

 

EIGENE ZEICHNUNGEN ZUR THEMATIK

Ausschnitte aus der Zeichnung: "Und der Himmel öffnete sich" (TAM) 

 

ÜBERBLICK             I              NÄCHSTER SONNTAG             I               VORHERGEHENDER SONNTAG