DAS JAHR IN DER SEEGER KIRCHE ST. ULRICH

EINE SEITE VON THEODOR FREY

 

3. Sonntag der Osterzeit IM JAHRESKREIS (A)
Lk 24, 13-35

Sie erkannten ihn, als er das Brot brach

13Am ersten Tag der Woche waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. 14Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. 15Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. 16Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so dass sie ihn nicht erkannten. 17Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, 18und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? 19Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. 20Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. 21Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. 22Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, 23fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. 24Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. 25Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. 26Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? 27Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. 28So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, 29aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. 30Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen. 31Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. 32Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? 33Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. 34Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. 35Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach

 

WEITUNGEN

DAZWISCHENSEIN  -  " INTER - ESSE "

Du und Ich, Wir, suchen nach dem Empfinden, das uns aus der Mitte entgegenkommt, dem Handeln in Gelassenheit, das die Bewegung zur Mitte anstößt, dem Denken, das den Weg zur Mitte zeigt.

Wir erfahren die Vielfarbigkeit des Daseins und ahnen, daß sich bereits im gebrochenen Licht unseres Daseins, ein strahlendes, wärmendes, heilendes Licht zeigen kann.

Menschen haben aus der gesuchten und gefundenen Mitte ihrer Dreiheit heraus, dieses Licht geoffenbart. Sie geben uns Maß. Durch sie ist Licht ins Dasein gekommen. In ihnen leuchtet das Licht. Von ihnen strahlt das Licht aus. Mit ihnen werden wir in das Licht hinein genommen, das die Nacht unseres Todes erhellt. 

Wenn ein Du mich anspricht, mich annimmt wie ich zu sein vermag, wird es heller, ein heilendes Licht kommt mir entgegen. Ich und Du finden uns dann in einer Gestalt, die das Licht aus der Mitte erhellt. 

Die Seiten des Ichs drehen sich um die Achse der Mitte. Außen als besinnungsloses, rasendes Drehen, Innen als Schweben in gedehnter Zeit, im Innersten als zeitlose Ruhe, die alle Unruhe hält.

Gottsucher sind wir aus unserem dreifachen Menschsein heraus geworden; aus dem Empfinden, daß wir nicht aus uns selbst geworden sind, aus dem Handeln im Dasein, das uns Freiheit schenkt und Verantwortung fordert, aus unserem Denken, das immer wieder in Grenzen festhalten will, was sich erst im Loslassen entfalten kann.

Die Dreiheit des Ichs zieht das Unsagbare immer wieder zum Sagbaren herab, entfaltet damit Gott als Einheit, als Vielheit, als Vater, Sohn und Geist.

Das Kostbare wird im Gefäß des Sagbaren gesammelt. Ohne das Gefäß zerfließt sein Inhalt, aber ohne es immer wieder neu zu füllen, vertrocknet das Kostbare und auch das Gefäß erstarrt, zerspringt. Im Wechsel von Nachfüllen und reifen lassen, wird der Glaube lebendig bleiben. So wird jeder Augenblick zum Experiment eines immer neuen Scheiterns aber auch zur Hoffnung eines immer neuen Gelingens.

Wir suchen das Rettende im wahren Denken, im empfundenen Schönen, im Tun des Guten und können es nur finden im Zusammenklang, im Dazwischensein, im Unausdenklichen. Wir öffnen Zwischenräume, für die Beziehungen, die im Geheimnis des Seins verborgen sind und doch unsere Dasein umfangen, und nennen dies Beten.

Damit versuchen wir immer wieder auf das Innerste im Innen, auf das Äußerste im Außen, auf das Schweigen und Lachen an den Grenzen des Seins zu hören.

 

DER AUFERWECKTE VON OTTO KOBEL (OSTERLEUCHTER)

 

 

EIGENE GRAFIKEN ZUR THEMATIK

BILD FÜR KINDERGOTTESDIENST IN ST. RITA - MÜNCHEN - ZUM THEMA "GANG NACH EMAUS" 

Zwei Menschen sind unterwegs und erleben eine tiefe Verbundenheit. Sie empfinden ihr Nachdenken über das in der Schrift verkündete und das, was geschehen war, ihr miteinander Gehen, die Stimmung der Natur so eindrücklich, dass sie später sagten: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?"

Zwischen Ihnen war der, der in ihren Herzen auferstanden war. Sie sahen sein Antlitz als Widerschein im Gelesenen. In Ihnen brannte die Wunde und das Licht leuchtete. Sie öffneten ihre Herzen und dieses Erdendasein weitete sich aus ihrer Mitte nach oben in eine große Weite.




ÜBERBLICK             I              NÄCHSTER SONNTAG             I               VORHERGEHENDER SONNTAG