DAS JAHR 
IN DER SEEGER KIRCHE
ST. ULRICH

EINE SEITE VON THEODOR FREY



2. Sonntag der Osterzeit
IM JAHRESKREIS (A)
Joh 20, 19-31

Acht Tage darauf kam Jesus und trat in ihre Mitte


FOTO VON HEINRICH SCHERBAUM JUN.     

19Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! 20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. 21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! 23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert. 24Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. 26Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! 27Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott! 29Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. 30Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan. 31Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.


Die zwei Figuren des Eingangstores zur Friedhofsanlage zeigen  schattenhaft zwei Nachfolger Jesu, den heiligen Franz Xaver und den heiligen Johannes Nepomuk (gearbeitet in Sandstein 1762 von Johann Schweiger - Das Original befindet sich im Heimatmuseum). 

Nähern wir uns bei Nacht, sehen wir im Hintergrund nur das goldene Licht aus dem Inneren der Kirche. Wir können die Herrlichkeit des Raumes nur erahnen. Wir sehen nicht und können doch daran glauben, dass dieser Raum uns eine Offenbarung des Schönen schenkt. Wir müssen durch diese zwei schwarzen Zwillingsfiguren , durch unsere Zwei-fel,  ja, durch den Ort der Toten, dem Friedhof, hindurchgehen, erst dann können wir des Glanzes von Innen ansichtig werden.  

 

WEITUNGEN

Eigener Text aus  "Vom offenen Geheimnis - Die Fünf"

Spaltung, Zweifel, Einheit

Wir erfahren in uns die Spaltung, den Zweifel, den Verlust der Einheit, das Ja und das Nein. Es begegnet uns das immer Doppelgesichtige im Sein in allem was ist und was wir sind.

Im Ich ist das ungefragte Ja zum Leben, das erste Einatmen. Jedes Ja wird aber immer erst wieder lebendig durch ein Nein, das Ausatmen. Der Urzyklus wird auch in uns geschlossen.

Doch jedes neue Ja gleicht nicht dem Vergangenen, denn es kennt das Nein, den Tod. Jedes Ja und Nein, das von einer der Seiten des Ichs ausgeht, wird von den Ja und Nein Entscheidungen der anderen Seiten des Seins, dem Empfinden, dem Denken, Tun und Lassen mit bedingt.

Erst im Erfahren dieser Zusammenhänge können wir uns als Einheit empfinden. Doch was wir als Ursache, was wir als Wirkung meinen zu kennen, ist immer abhängig von der Zufälligkeit des Beginns unseres Suchens.

Wir suchen nach der Wahrheit, den wahren Zusammenhängen, der Gestalt, die alles mit aufnimmt; aber in unserer Verzweiflung, das Wahre zu verfehlen, finden wir oft nur Gründe, mit denen wir meinen unsere erlebte Vergangenheit und unsere erhoffte Zukunft im Jetzt rechtfertigen zu können.

Zwar verlieren wir uns immer wieder beim Versuch uns zu finden, doch jedes Verlieren gibt schon den Anstoß zu neuem Finden, zum Finden einer veränderten Gestalt.

Mit jedem Tun können die Seiten des Empfindens und Denkens beschädigt werden; aber auch in jedem Nicht-Tun kann Empfinden verloren gehen.

Im Nicht-Empfinden kann Denken entschwinden, wie mit jedem Denken auch Tun versäumt werden kann.

Im Leben ist der Tod stets gegenwärtig. Es ist die Frage nach seinem Sinn, seinem Wann, Warum, Wozu und Wohin, die uns drängt unserem Leben Gestalt zu geben.

Tod und Leben, sind aufeinander bezogen im Ich. Wie ist zu fassen, was im Prozeß des Lebens und Sterbens uns Halt geben kann, wie zu fassen, was uns hoffen läßt, das jeder Tod immer wieder nur ein Vorletztes ist ?

Wir sind in der Zeit des Ichs verloren in den Tod hinein, in der Zeit des Seins lebendig im Werden der  Gestalt, aber erst im Sein ohne Zeit, Tod und Leben verlierend, werden wir erfüllt in das Unermeßlichen hinein.

 Leid und Freude ist im Atem dieser Tod - bewußten Zeit.


 

 

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