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Theodor
Heuss
Sommerfrische
am Schwaltenweiher in den Jahren 1952/1953 auf dem großbürgerlichen
Landsitz, der 1909 erbaut wurde.
Heuss,
1884 als Sohn einen Straßenbauingenieurs in Brackenheim
geboren, war durchdrungen von unbändigem Bildungs- und
Aufstiegswillen; seine Lesewut kannte keine Grenzen, seine
Gier auf "das Neue" auch nicht. Er spürte es in
der Bildenden Kunst, in den Bildern von Hodler und Munch, in
dem anschwellenden Gegensatzpaar Großindustrie/Proletariat,
in der Gestalt seines Vorbildes, Freundes und Förderers
Friedrich Naumann, einem bedeutenden liberal-sozialen
Politiker. ... Im Jahre 1905 soeben hat er in München
promoviert, holte ihn Naumann als zweiten Redakteur zur
Zeitschrift Die Hilfe. Achtundzwanzigjährig, 1912
wurde er Chefredakteur der Neckarzeitung in
Heilbronn. .. Nebenher redigierte er die Kulturzeitschrift März
, herausgegeben von Hermann Hesse und Ludwig Thoma. ...
Er
wechselte 1918 abermals nach Berlin, dozierte an der
Hochschule für Politik , schrieb kleine Porträts und größere
Bücher, darunter das warnende Hitlers Weg. ...
Andererseits war er Politiker, Reichstagsabgeordneter der
liberalen Deutschen Demokratischen Partei und beging in
dieser Eigenschaft und in dieser verzwickten Konstellation
die einzige große Sünde seines Lebens, was ihm auch
sogleich bewusst war: Er stimmte für Hitlers "Ermächtigungsgesetz".
Aus
der SZ von Claus-Heinrich Meyer 2003
Zwei
Sommer hintereinander verbrachte Heuss seinen Urlaub im Allgäu
in einem weit abgelegenen Haus. An einem der ersten Tage
machte er auf einem Spaziergang unangemeldet dem
katholischen Pfarrer des Dorfes seine Aufwartung. Dieser war
hocherfreut über den Besuch und lud Heuss zu einem Glas
Tiroler Wein ein. Es sei ein sehr guter Tropfen, erklärte
er, den er von einer Reise mitgebracht und für einen ganz
besonderen Anlaß augehoben habe. Der Bundespräsident sagte
gerne zu. Umständlich entkorkte der geistliche Herr die
Flasche und schenkte ein. Da setzte der Bundespräsident
eine feierliche Amtsmiene auf, legte dem Pfarrer die Hand
auf den Arm und fragte: Hochwürden, bevor wir trinken,
gestatten Sie mir eine Frage: Ist der Wein verzollt?"
Der arme Pfarrer wurde rot bis über beide Ohren und
gestand, daß dies nicht der Fall sei. Darauf ergriff der
Bundespräsident sein Glas: "Dann bin ich beruhigt,
Herr Pfarrer!" und trank seinem Gastgeber mit
herzhaften Lachen zu.
Aus
"Heuss Anektoden" - Gesammelt und erzählt von
Hanna Frielinghaus-Heuss
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