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Offenes Geheimnis
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| ähjäh | aschär |
ähjäh |
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| J | H | W | H | ||||||||||
| Tetragramm
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Ich bin, welcher ich bin |
Ich werde sein, der ich sein werde |
Ich bin für euch da als der, als der ich für euch da sein werde |
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Name, in dem sich Gott selbst offenbart und zugleich verbirgt (Ex 3, 14) (Enthüllung - Verhüllung) Paradox
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Dazu die
Thesen von Hans-Rudolf Stadelmann, in seinem Buch : "Im Herzen
der Materie - Glaube im Zeitalter der Naturwissenschaften": |
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Stadelmanns Thesen für ein Gottesbild, das mit dem evolutionären Weltgeist vereinbar ist ( Seite 79ff. ): |
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Gott ist Geist, der
"Weltgeist", der sowohl transzendent wie auch in der Welt
immanent ist. |
In der Diskussion wären folgende Aspekte aufzugreifen:
Diskussionsbeiträge: Heinz
Zahrnt im Gespräch mit Arnd Brummer im Sonntagsbaltt: Wir leben in einer religionsarmen Gesellschaft. Im Osten Deutschlands werden wir außerdem konfrontiert mit den Folgen staatlicher Religionsfeindlichkeit. Auf der anderen Seite stellt man fest, dass die Leute religiöse Gefühle und Bedürfnisse haben. Das äußert sich zunehmend in esoterischen, pantheistischen, naturreligiösen Phänomenen. Wenn ich Sie richtig verstehe, macht Ihnen das alles keine Angst oder keine Angst mehr? Und zum Wort Allgegenwart: Da ist ja die Brücke für den Pantheisten schon ein Stück weit gezimmert.
Wir werden damit rechnen müssen, dass wir auch innerhalb der Kirche in verschiedenen Bildern sprechen, wenn wir von unserem Glauben sprechen. Ich will Ihnen zwei Beispiele nennen. Erstens: Pantheismus. Im Gespräch zwischen Theologie und Naturwissenschaft können die Theologen nicht mehr mit dem festen theistischen, traditionellen Gottesbild auftreten. Sie müssen sich öffnen und sagen, es ist der Geist Gottes, der in der Natur wirkt. Zweitens: Es ist doch so, dass es sehr stark in Richtung Spiritualität und Mystik geht, wenn heute überhaupt Religion, religiöses Verlangen da ist. Ich möchte nur an das berühmte Wort von Karl Rahner erinnern: Der Christ der Zukunft wird Mystiker oder gar nicht mehr sein. Mystik kommt ohne Bilder und Begriffe aus. Und darum werden wir lernen müssen, dass Gott in einer neuen Weise ökumenisch geworden ist. Wir werden lernen müssen, uns innerhalb der Kirche in verschiedenen Bildern in einem höflichen Gespräch ohne Zank und Streit auszutauschen. Die Basis unserer Religion bilden Erfahrungen, die in der Bibel ihren Niederschlag gefunden haben. Ich halte nun für das Christliche im Christentum, dass hier wie in keiner anderen Religion der ganze Inhalt auf den Glauben konzentriert ist. Es gibt keine Religion, die so konzentriert vom Glauben spricht wie das Christentum und zugleich so radikal das Glauben als Vertrauen identifiziert.
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Ihre eigentliche Wahrheit besitzen alle Dinge, einschließlich des menschlichen Geistes, nur in Gott. Da Gott aber für menschliches Wissen unerreichbar ist, kann menschliche Erkenntnis, die es nur mit dem Abbild, mit der Andersheit, die immer ein Mehr oder Weniger zuläßt, zu tun hat, nur Mutmaßungen des der Wahrheit Ähnlichen sein. Heinzmann Richard; Philosophie des Mittelalters; S. 284; Über den Grundgedanken der belehrten Unwissenheit von Nikolaus von Kues (1401-1464) |
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Gott ist nicht der Andere - Er ist auch nicht ich. Sondern er ist Gott. Er existiert in seiner eigenen Kategorie, die in der Alternative: "entweder ist ER ich, oder Er ist der Andere", nicht steht. Das Wesen Gottes kann geradezu dadurch definiert werden, daß man sagt: Er ist Jener, der weder ich ist, noch der Andere. So steht er nicht in Konkurrenz mit mir. Ich brauche mich nicht Seiner zu erwehren, um ich zu sein. Sondern durch Ihn bin ich Ich-selbst. Er ist es, der mir überhaupt erst die Freiheit gibt, aus der heraus ich mich fragen kann, ob Er mich nicht in meiner Freiheit behindere. Sein Schaffen ist in keiner Weise Begrenzung, Bedrängnis, Konkurrenz, sondern hat die Qualität absoluter Großmut. Guardini - Ethik - 1095 |
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Diskussionsbeitrag zum Gottesbegriff: Jan Assmann Die Mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus Auszug: "Irgendwann im Laufe des Altertums – die Datierungen schwanken zwischen der späten Bronzezeit und der Spätantike – ereignete sich eine Wende, die entscheidender als alle politischen Veränderungen die Welt bestimmt hat, in der wir heute leben. Das ist die Wende von den »polytheistischen« zu den »monotheistischen« Religionen, von Kultreligionen zu Buchreligionen, von kulturspezifischen Religionen zu Weltreligionen, kurz: von »primären« zu »sekundären« Religionen, die sich zumindest in ihrem Selbstverständnis weniger aus den primären Religionen in einem Evolutionsprozeß entwickelt, als vielmehr in einem Revolutionsakt von ihnen abgewandt haben. ... Primäre Religionen sind über Jahrhunderte und Jahrtausende historisch gewachsen im Rahmen einer Kultur, Gesellschaft und meist auch Sprache, mit der sie unablöslich verbunden sind. Dazu gehörten auch die Kult- und Götterwelten der ägyptischen, babylonischen und griechisch-römischen Antike. Sekundäre Religionen dagegen sind Religionen, die sich einem Akt der Offenbarung und Stiftung verdanken, auf den primären Religionen aufbauen und sich typischerweise gegen diese abgrenzen, indem sie sie zu Heidentum, Götzendienst und Aberglauben erklären. Alle sekundären Religionen, die zugleich Buch-, Welt- und (mit Ausnahme vielleicht des Buddhismus) auch monotheistische Religionen sind, blicken auf die primären Religionen als »Heidentum« herab. Auch wenn sie im Zuge einer »synkretistischen Akkulturation« viele Elemente primärer Religionen in sich aufgenommen haben, sind sie in ihrem Selbstverständnis doch vom Pathos einer »antagonistischen Akkulturation« geprägt und haben starke Begriffe von dem, was mit ihrer Wahrheit (bzw. Orthodoxie) unvereinbar ist. Diese Wende hat nicht nur theologische Aspekte im Sinne einer Wandlung der Gottesvorstellung; im Sinne einer Wandlung von kulturspezifischen zu Weltreligionen hat sie auch einen politischen Aspekt. Religion wandelt sich von einem unablösbar in die staatlichen, sprachlichen und kulturellen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft eingeschriebenen und mit Kultur nicht nur koextensiven, sondern praktisch gleichbedeutenden System zu einem autonomen System, das sich von diesen Rahmenbedingungen emanzipieren, alle politischen und ethnischen Grenzen überschreiten und sich in anderen Kulturen enkulturieren kann. Diese Wende hat aber nicht zuletzt auch einen medientechnischen Aspekt, als Wende von der Kult- zur Buchreligion, die ohne die Erfindung der Schrift und ihre konsequente Nutzung zur Kodifizierung von offenbarten Wahrheiten nicht möglich gewesen wäre. Alle monotheistischen Religionen, auch der Buddhismus, ruhen auf einem Kanon heiliger Schriften auf. Dazu kommt ein psychohistorischer Aspekt, den vor allem Sigmund Freud herausgestellt hat: Die Wende zum Monotheismus mit seinen ethischen Forderungen, seiner Betonung des inneren Menschen und seinem Charakter als »Vaterreligion« verbindet sich mit einer neuen Geisteshaltung und einem neuen »Seelentum«, die das abendländische Menschenbild entscheidend geprägt haben. Schließlich handelt es sich bei dieser Wende auch ganz allgemein um einen Wandel des Weltbilds und vor allem des menschlichen Weltverhältnisses. Unter diesem Aspekt ist die Wende bisher am intensivsten erforscht; Karl Jaspers’ Begriff der »Achsenzeit« deutet sie als Durchbruch zur Transzendenz, und Max Webers Begriff der Rationalisierung deutet sie als einen Prozeß der Weltentzauberung. Den Kernpunkt dieser Wende bezeichne ich mit dem Begriff der »Mosaischen Unterscheidung«. Nicht die Unterscheidung zwischen dem Einen Gott und den vielen Göttern erscheint mir das Entscheidende, sondern die Unterscheidung zwischen wahr und falsch in der Religion, zwischen dem wahren Gott und den falschen Göttern, der wahren Lehre und den Irrlehren, zwischen Wissen und Unwissenheit, Glaube und Unglaube. Diese Unterscheidung wird einmal getroffen und wieder verwischt, um später in anderem Sinne, verschärft oder abgemildert, wieder eingeführt zu werden. Statt von einer »monotheistischen Wende« mit eindeutigem Vorher und Nachher kann man daher auch von »monotheistischen Momenten« sprechen, in denen die Mosaische Unterscheidung in aller Schärfe getroffen wird – im ersten bzw. ersten und zweiten Gebot, in der Geschichte vom Goldenen Kalb, mit der Scheidung der Mischehen unter Nehemia, mit der Zerstörung der heidnischen Tempel in der christlichen Spätantike –, um dann in der Praxis des religiösen Lebens mit ihren unvermeidlichen Kompromissen immer wieder verwässert oder geradezu vergessen zu werden. ... Vor dieser Wende gab es nur historisch gewachsene Stammes- sowie »polytheistische« Kult- und Nationalreligionen, nach dieser Wende gibt es neben einigen dieser in verschiedenen Kulturen noch weiter existierenden historisch gewachsenen Religionen auch neue Religione n, denen die Merkmale des Monotheismus, der Buch- oder Offenbarungsreligion und der Weltreligion gemeinsam sind, auch wenn man sich fragen kann, ob der Buddhismus wirklich ein Monotheismus, das Judentum wirklich eine Weltreligion, ja sogar, ob das Christentum wirklich ein Monotheismus und eine Buchreligion ist. Allen neuen Religionen gemeinsam aber ist ein emphatischer Wahrheitsbegriff. Sie alle beruhen auf einer Unterscheidung wahrer und falscher Religion und verkünden auf dieser Basis eine Wahrheit, die sich nicht ergänzend neben andere Wahrheiten, sondern alle anderen traditionellen oder konkurrierenden Wahrheiten in den Bereich des Falschen stellt. Diese exklusive Wahrheit ist das eigentlich Neue, und ihr neuartiger, exklusiver und ausgrenzender Charakter tritt auch in der Art ihrer Mitteilung und Kodifizierung deutlich hervor. Sie ist ihrem Eigenverständnis nach der Menschheit offenbart worden; kein Weg hätte die Menschen von der über Generationen akkumulierten Erfahrung aus eigener Kraft zu diesem Ziel geführt; und sie ist in einem Kanon heiliger Schriften niedergelegt worden, denn kein Kult und keine Riten wären dazu imstande, diese offenbarte Wahrheit über die Jahrhunderte und Jahrtausende zu bewahren. Aus der welterschließenden Kraft dieser offenbarten Wahrheit schöpfen die neuen oder sekundären Religionen ihre antagonistische Energie, die es ihnen möglich macht, das Falsche zu erkennen und auszugrenzen und das Wahre in ein normatives Gebäude von Richtlinien, Dogmen, Lebensregeln und Heilslehren auszubuchstabieren. Aufgrund dieser antagonistischen Energie und aus dem sicheren Wissen um das, was mit der Wahrheit unvereinbar ist, bezieht diese Wahrheit ihre Tiefe, ihre klaren Konturen und ihre handlungsleitende Orientierungskraft. Daher kann man diese neuen Religionen vielleicht am treffendsten mit dem Begriff der »Gegenreligion« kennzeichnen. Diese und nur diese Religionen haben zugleich mit der Wahrheit, die sie verkünden, auch ein Gegenüber, das sie bekämpfen. Nur sie kennen Ketzer und Heiden, Irrlehren, Sekten, Aberglauben, Götzendienst, Idolatrie, Magie, Unwissenheit, Unglauben, Häresie und wie die Begriffe alle heißen mögen für das, was sie als Erscheinungsformen des Unwahren denunzieren, verfolgen und ausgrenzen. ...
»Jan Assmann«, schreibt Karl-Josef Kuschel, »will den biblischen Monotheismus durch einen Kosmotheismus ersetzen und stellt sich damit in eine Traditionslinie, die er selber mit den Stichworten ›Alchemie, Kabbala, Hermetismus, Neuplatonismus, Spinozismus, Deismus und Pantheismus‹ beschrieb. .... Es liegt mir zwar nichts ferner, als den biblischen Monotheismus, in dem ich geistig und seelisch beheimatet bin, durch einen Kosmotheismus ersetzen zu wollen, der sich mir erst in jahrzehntelanger wissenschaftlicher Arbeit erschlossen hat, aber es ist mir auch bewußt, daß solche wissenschaftliche Erschließung ohne ein gewisses Maß an Empathie und einfachem Ernstnehmen nicht möglich ist. ... Von manchen Kritikern ist der Begriff der Mosaischen Unterscheidung als religionsfeindlich, ja geradezu als antisemitisch bzw. antichristlich empfunden worden, weil er in ihren Augen den Vorwurf impliziert, mit dem Monotheismus seien Haß, Intoleranz und Ausgrenzung in die Welt gekommen. Natürlich glaube ich nicht, daß die Welt der primären Religionen von Haß und Gewalt frei gewesen wäre. Sie war im Gegenteil von Gewalt und Feindschaft in verschiedensten Formen erfüllt, und viele dieser Formen sind von den monotheistischen Religionen im Zuge ihrer transformatorischen Machtentfaltung gebändigt, zivilisiert oder geradezu ausgemerzt worden, weil sie diese Gewalt mit der von ihnen vertretenen Wahrheit als unvereinbar empfanden. Das will ich in keiner Weise bestreiten. Ebensowenig läßt sich aber bestreiten, daß sie gleichzeitig eine neue Form von Haß in die Welt gebracht haben: den Haß auf Heiden, Ketzer, Götzendiener und ihre Tempel, Riten und Götter. Wenn wir solche Überlegungen als »antisemitisch« zurückweisen, erlegen wir uns Denk- und Diskursverbote auf, die unsere historische Reflexion in gefährlicher Weise einschränken. Wer sich nicht mehr Rechenschaft abzulegen wagt über den Weg, den er zurückgelegt hat, aus Angst, das erreichte Ziel könnte gegenüber dem verlassenen Ausgangspunkt oder den ausgeschlagenen Optionen als kontingent, relativ, vielleicht sogar weniger wünschbar erscheinen, leistet einer neuen Form von Intoleranz Vorschub. Die Fähigkeit zur Selbsthistorisierung und Selbstrelativierung ist Vorbedingung jeder wirklichen Toleranz. Der These, daß der Monotheismus auf der Unterscheidung von wahrer und falscher Religion beruht, halten meine Kritiker entgegen, daß der Monotheismus nicht die Religion der Unterscheidungen, sondern der Einheit und des Universalismus sei. Unterscheidungen treffe vielmehr der Polytheismus. Jedes Volk, jeder Stamm, jede Stadt verehrt ihre eigene Gottheit und findet den Ausdruck ihrer differenzierten Identität in einer entsprechend differenzierten Götterwelt. Jede Gottheit steht für eine Unterscheidung. Der Monotheismus hebt alle diese Differenzierungen auf. Vor dem Einen Gott sind alle Menschen gleich. Der Monotheismus zieht keine Grenzen, im Gegenteil, er reißt sie ein. So schreibt etwa Klaus Koch: »Polytheistische Götter sind wesensmäßig partikular, regional verortet und mit ihrem Verehrerkreis vergesellschaftet, deshalb abweisend, wenn nicht feindlich, gegen alles Unreine und Fremde … Konsequenter Monotheismus setzt hingegen eine Gottheit voraus, die jeden Menschen angeht, die an allen Orten zugänglich ist. Das schließt eine für alle gleichermaßen geltende Ethik ein, falls nicht eine geschlossene Gesellschaft von Erwählten den monotheistischen Horizont einschränkt. Je exklusiver die Gottheit, desto inklusiver die Menschheit.« ... Der Monotheismus hat seinen primären Sinn gerade nicht in der bloßen Behauptung, daß es nur einen Gott gebe statt vieler, sondern in seiner Bestimmung der menschlichen Welt: daß sie nicht gespalten sein soll im Widerstreit göttlicher Mächte und in der Verteilung unterschiedlicher Herrschaftsregionen, nicht zerrissen in einem unüberwindlichen Dualismus von Licht und Finsternis, von gutem und bösen Sein, nicht endgültig pluralisiert in der antagonistischen Selbstbehauptung der Völker. Das Christentum beruht in der Tat auf der Universalisierung der Mosaischen Unterscheidung, die nun nicht mehr nur für Juden, sondern für alle Menschen zu gelten hat. Daher sind derartige Vorwürfe kaum von jüdischer Seite erhoben worden. Das Judentum ist eine Kultur der Differenz. Für das Judentum ist es völlig selbstverständlich, daß der Monotheismus eine Grenze zieht und daß die Juden diese Grenze zu bewahren haben. So wie für das Christentum die Unterscheidung ein Horror ist, ist es für das Judentum die Assimilation. Für jüdische Leser ist daher die Kategorie der Mosaischen Unterscheidung kein Problem, sondern eine Selbstverständlichkeit. Der Universalismus, der dem Monotheismus innewohnt, wird im Judentum in eine messianische Endzeit verlegt; in der Welt, wie sie ist, sind die Juden die Hüter einer Wahrheit, die zwar alle Menschen betrifft, aber zunächst einmal den Juden als einer Avantgarde anvertraut wurde. Für die Christen freilich ist diese Endzeit seit 2000 Jahren angebrochen, hier darf es keine Unterscheidungen mehr geben. Daher hat sich die christliche Theologie selbst blind gemacht für die ausgrenzende Gewalt des Monotheismus. Das Judentum ist eine Religion der Selbstausgrenzung. Durch die Erwählung grenzt sich (bzw. grenzt Gott) Israel aus dem Kreise der Völker aus. Das Gesetz zieht einen hohen Zaun um das erwählte Volk und verhindert jede Kontamination mit oder Assimilation an die Vorstellungen und Bräuche der Umwelt. Zur Selbstausgrenzung bedarf es keiner Gewalt, zumindest keiner Gewalt gegen andere. Daher beziehen sich die Massaker, von denen die biblischen Schriften berichten, an den Verehrern des Goldenen Kalbs, an den Baalspriestern durch Elias und durch Josia, auf das eigene Volk, sie sollen den Ägypter bzw. den Kanaanäer »in uns« ausmerzen, in unserer Mitte und im eigenen Herzen, sie sind nach innen, nicht nach außen gerichtet. Die »Völker« (gojîm) mögen verehren, wen und wie immer sie wollen. Das Christentum und der Islam hingegen haben diese Grenze nicht anerkannt und sind aus ebendiesem Grunde in der Geschichte immer wieder nach außen hin gewalttätig geworden. Zum Prinzip der Selbstausgrenzung gehört der jüdische Glaube an die Auserwähltheit, zum Prinzip der Fremdausgrenzung das christliche Missions- oder islamische Unterwerfungsgebot. Indem Gott Israel als sein Volk erwählt, hebt er es aus dem Kreis der Völker heraus und verbietet die Assimilation an die Gebräuche der Umwelt. Indem Gott umgekehrt den Christen und Muslimen gebietet, die Wahrheit über den Erdkreis zu verbreiten, werden alle diejenigen ausgegrenzt, die sich dieser Wahrheit verschließen. Erst in dieser Form wird das dem Monotheismus innewohnende Ausgrenzungspotential gewalttätig. Diese Überlegungen sind auch wichtig für das Problem der Toleranz. Intoleranz beruht auf der Unfähigkeit bzw. Unwilligkeit, abweichende Anschauungen und daraus folgende Praktiken zu ertragen. Das setzt über die Unterscheidung zwischen dem Eigenen und dem Fremden hinaus die Inkompatibilität zwischen beiden voraus, wie sie durch die Unterscheidung zwischen wahr und falsch begründet wird. Toleranz, auf der anderen Seite, beruht auf den gleichen Voraussetzungen. »Tolerieren« kann ich im strengen Sinne nur etwas, das meinen eigenen Anschauungen zuwiderläuft und das ich nur deswegen »dulden« kann, weil ich es mir leisten kann, d. h. mächtig oder großzügig genug bin, das mit meinen Anschauungen Unvereinbare nicht als Gefährdung empfinden zu müssen. Mit Bezug auf die Polytheismen der heidnischen Antike kann man daher strenggenommen gar nicht von »Toleranz« sprechen, weil hier die Kriterien der Unvereinbarkeit fehlen und es daher, was die Religion der anderen betrifft, gar nichts zu »dulden« gibt. Daher habe ich unter Verweis auf die seit den Sumerern bezeugte Praxis der Übersetzung von Götternamen (erst von einer Sprache in die andere, dann aber auch von einer Religion in die andere) vorgeschlagen, statt von Toleranz von »Übersetzbarkeit« zu sprechen. Die Religion der anderen wurde als grundsätzlich mit der eigenen vereinbar empfunden. Das bedeutet nicht, daß die entsprechenden Völker weniger gewalttätig miteinander umgingen oder daß die Gewalt erst mit der Mosaischen Unterscheidung in die Welt gekommen sei. Es bedeutet nur, daß die politische Gewalt nicht theologisch begründet wurde, jedenfalls nicht in dem Sinne, daß es bei der Unterwerfung der anderen um die Bekehrung von Anhängern einer als falsch angesehenen Religion ginge. Wenn etwa die Assyrer sich bei ihren grausamen Bestrafungsaktionen abtrünniger Vasallen auf den Gott Assur beriefen, dann nicht, weil diese Apostaten ihren eigenen, falschen Göttern anhingen, sondern weil sie den bei Assur geschworenen Loyalitätsverpflichtungen untreu und dadurch zu Gottesfeinden geworden waren. ... Wichtig ist aber, daß das Prinzip der Mosaischen Unterscheidung diese Übersetzbarkeit blockierte. Natürlich steht es den »Völkern« frei, sich am Ende der Zeiten einmal zum wahren Gott zu bekennen, aber ihre gegenwärtigen Formen der Verehrung eines Höchsten Wesens werden nicht als wahrheitsäquivalent anerkannt. Jupiter läßt sich nicht in Jahwe übersetzen. Den Juden wäre es auf der Basis dieser Unterscheidung unmöglich geworden, mit den Assyrern ein Bündnis einzugehen, dessen eidliche Besiegelung die Gleichstellung und gegenseitige Übersetzbarkeit Assurs und Jahwes impliziert hätte. Die Mosaische Unterscheidung hat daher durchaus realpolitische Konsequenzen, und ich nehme an, daß es bei ihrer Einführung vor allem und ganz zentral auf diese angekommen ist. Für die Juden ließ sich Jahwe nicht mit »Assur«, »Amun« oder »Zeus« übersetzen. Das haben die »Heiden« nie verstanden. Auf der Grundlage der jahrtausendealten Praxis der Götterübersetzung hatte sich längst die Überzeugung herausgebildet, daß alle Götternamen im Grunde denselben Gott bezeichnen. Varro (116- 27 v. Chr.) hielt es für unnötig, zwischen Jovis und Jao zu unterscheiden, »weil es auf den Namen nicht ankäme, solange nur dieselbe Sache gemeint sei« (nihil interesse censens quo nomine nuncupetur, dum eadem res intelligatur).20 Celsus argumentierte in seinem Pamphlet gegen die Christen (Alethes Logos), daß »es keinen Unterschied macht, ob man Gott den ›Höchsten‹ nennt (Hypsistos) oder Zeus, oder Adonai, oder Sabaoth, oder Amun wie die Ägypter, oder Papaios, wie die Skythen«.21 Die blockierte Übersetzbarkeit dagegen macht es überhaupt erst möglich, sich zu einem Gott zu »bekennen«. Man kann sich nur zu einem Namen bekennen, nicht zu einem »Höchsten Wesen«, das in letzter Instanz mit allen anderen Göttern wenn nicht geradezu »mit allem, was ist« identisch ist. Für die heidnische Religiosität der Spätantike war der Name Gottes »Schall und Rauch« geworden, erstens, weil er konventionell war, und zweitens, weil Gott, den auch die Heiden längst als den Einen und Einzigen in und hinter der Fülle der Namen erkannt hatten, ohnehin keinen Namen brauchte, da er ja Einer war, und ein Name nur dort gebraucht wird, wo es gilt, den Einen von Anderen zu unterscheiden (Asclepius § 20, eine Überzeugung, die Laktanz als christlich reklamierte).22 Bei Juden und Christen dagegen spielt der Name Gottes, auch wenn er als unaussprechlich oder geradezu als verborgen gilt, eine fundamentale Rolle, die über Tod und Leben entscheiden kann. Qiddusch ha-Schem, »den Namen heiligen«, ist im Judentum die Formel für den Märtyrertod, und die Christen beten »Dein Name werde geheiligt«; beide meinen mit dieser Formel das unbedingte Bekenntnis zu diesem und keinem anderen Gott. Bei dieser Form der Intoleranz, die auf dem neuen Bewußtsein der Unvereinbarkeit beruht, geht es nicht um die Ausübung, sondern um die Erduldung von Gewalt, d. h. um die Entschlossenheit, für den eigenen Glauben eher zu sterben, als sich zu Handlungen oder Überzeugungen bereit zu finden, die mit der wahren Religion unvereinbar sind. Es geht also nicht darum, die Anschauungen und Handlungen anderer zu tolerieren, sondern Handlungen als unerträglich zu unterlassen, die einem von anderen zugemutet werden, also etwa das Essen von Opferfleisch als Zeichen der Anerkennung des römischen Kaiserkults. Es handelt sich also weniger um die Intoleranz der Täter, d. h. der Vertreter des Römischen Reiches, die meist zu allen möglichen Zugeständnissen bereit und mit Minimalformen der Anerkennung zufrieden gewesen wären, weil ihnen an Märtyrern wenig gelegen sein konnte, sondern um die Intoleranz der Opfer, die selbst das kleinste Nachgeben als Abfall von Gott und »Assimilation« empfunden hätten. Erst als die Christen dann selbst an die Macht gekommen und das Christentum Staatsreligion des Römischen Reiches geworden war, wandelte sich die negative in positive Intoleranz. Aus der Weigerung, Opferfleisch zu essen, wurde das Verbot, solche Opfer durchzuführen. Wenn man sich klarmacht, daß die dem Monotheismus innewohnende, sich aus der Mosaischen Unterscheidung mit Notwendigkeit ergebende Intoleranz zunächst einmal in passiver bzw. martyrologischer Form in Erscheinung tritt, d. h. als Weigerung, eine als falsch erkannte Religionsform zu akzeptieren und lieber zu sterben, als in diesem Punkt nachzugeben, dann zeigt sich, daß es bei dem Problem »Monotheismus und Gewalt« ebenso um das Erleiden wie um das Ausüben von Gewalt geht. Ebenso steht es mit dem Haß. Daß mit der Mosaischen Unterscheidung der Haß in die Welt gekommen sei, nämlich in der Form des Hasses auf die »Heiden«, die überhaupt erst im Licht dieser Unterscheidung als solche ausgegrenzt und als hassenswert erkennbar werden, ist nur die halbe Wahrheit. Viel entscheidender als der Haß auf die Ausgegrenzten ist der Haß der Ausgegrenzten selbst. Im babylonischen Talmud Traktat Sabbat 89a wird die Frage nach der Bedeutung des Namens »Sinai« gestellt. Weil es der Berg ist, so lautet die Antwort, auf dem der Haß (sin’ah) zu den Völkern der Welt heruntergekommen ist. Die Völker sind eifersüchtig auf das auserwählte Volk, dem am Sinai die Tora gegeben wurde. Diesem Argument wird heutzutage der Vorwurf gemacht, es liefe darauf hinaus, die Opfer selbst für ihr Schicksal verantwortlich zu machen. Aber was ist Martyrium anderes als die Verantwortlichkeit des Opfers für sein Schicksal? Natürlich wurden die von den Nazis ermordeten Juden nicht gefragt, ob sie sich zum Judentum bekannten oder nicht. Aber das darf uns nicht den Blick dafür verschließen, was »Bekenntnis« bedeutet und wie untrennbar diese Kategorie mit der Mosaischen Unterscheidung zusammenhängt. ... Durch diese Kraft der Negation gewinnt der Monotheismus den Charakter einer Gegenreligion, die ihre Wahrheit im Ausschluß des mit ihr Unvereinbaren bestimmt. Weder die ägyptische, mesopotamische, kanaanäische Religion, noch die archaisch-biblische Religion selbst lassen sich in diesem Sinne als Gegenreligionen klassifizieren, wohl aber die neue Religion, deren Konturen sich vor allem im Deuteronomium und den von dieser Tradition beeinflußten Büchern abzeichnen. "
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Unter dem Titel "Alle Götter sind eins" hat Jan Assmann in der SZ vom 15.9.2004 zum Vorwurf Stellung genommen, er würde in letzter Konsequenz die Juden selbst für den Holocaust verantwortlich machen, dadurch nämlich, dass er erstens den Monotheismus für Intoleranz und Gewalt und zweitens das Judentum für den Monotheismus verantwortlich mache. "Zwar war auch die 'polytheistische' oder 'heidnische Welt' schon voller Gewalt und Intoleranz, und doch kam erst mit der 'mosaischen Unterscheidung' verbotener beziehungsweise falscher Götter eine neuartige, rein religiöse Motivation für Gewalt und Intoleranz auf. ... Das sie 'als solche gewalttätig ist' sage ich nicht, stelle aber im Hinblick auf viele historische Situationen fest, dass das im Gedanken der exklusiven Wahrheit angelegte Sinnpotentioa sich immer wieder in Gewalt geäußert hat. Dass der Antisemitismus die 'notwendige Folge des Monotheismus, gewissermaßen seine Kehrseite' sei, habe ich nie gesagt, sondern nur eine innerjüdische Tradition in Erinnerung bringen wollen, die vom Talmud bis zu Sigmund Freud einen im Auserwähltheitsgedanken angelegten Antisemistismus antizipierend reflektiert. ... Der begriff der 'Mosaischen Unterscheidung' ist in der Tat ein metahistorisches theoretisches Konstrukt und bezieht sich auf eine Idee, die möglicherweise niemals in absoluter Reinheit geschichtliche Wirklichkeit geworden ist, aber dennoch, ... in die geschichtliche Wirklichkeit immer wieder aufs Intensivste eingewirkt hat und auf lange Sicht unsere westliche und weiterhin auf östliche Welt tiefgreifend verändert hat. ... Bei der fraglichen Idee ... geht es nicht nur um die Wahrheit des Einen Gottes, sondern auch um die Unwahrheit der anderen Götter, nicht nur um die Verkündigung des "Monotheismus', sondern auch um die Konstruktion des 'Heidentums'. ... Ein Ägyptologe weiß, dass es auch in den heiligen Texten der 'Heiden' um die Einheit Gottes, niemals um eine Ab- und Ausgrenzung anderer Religionen und Götter geht und dass das eigentlich unterscheidende Element daher anderswo zu suchen ist: nämlich in einem emphatischen und exklusiven Wahrheitsbegriff, der eine ganz neue, die Welt grundlegend, wenn auch nicht auf einmal, sondern auf lange Sicht verändernde Grenze zieht. ...Das Judentum selbst bestreitet genau wie die Muslime dem Christentum aufgrund dessen Trinitätslehre seinen Charakter als Monotheismus, und alle drei Religionen bekennen sich stolz zum Monotheismus, wie immer sie dann in der Vielfalt ihrer geschichtlichen Ausprägungen die monotheistische Idee verwässert haben mögen. Alle drei Religionen ist nun mal ein starker Begriff des Anderen gemeinsam, den sie, auf jeweils verschiedene Weise, verfolgend, umwerbend, missionierend, unterwerfend oder einfach nur ausschließend als goyim, gentiles, pagani, Ungläubige, Häretiker von sich abgrenzen. ... Das 'Wesen' der monotheistischen Idee liegt in dieser ausgrenzenden Unterscheidung, und nicht ... um die Zahl Eins. Es geht um die Unterscheidung, die sich als wahr und falsch, gut und böse, Licht und Finsternis, Freiheit und Knechtschaft, Glauben und Unglauben, Krieg und Unterwerfung, Idealismus und Materialismus ... und in letzter Konsequenz auf die Unterscheidung von Gott und Welt hinausläuft. Daher sehe ich auch das Gegenteil dieses so verstandenen 'Mono'thesimus nicht im 'Poly'-, sondern im 'Kosmotheismus'. Einr Rückkehr in das kompakte Weltbild des archaischen Kosmothesimus erscheint mir nun allerdings ganz und gar unmöglich. Die Unterscheidung von Gott und Welt hat uns befreit von der Tyrannei des Gegebenen und jenseits der Zwänge und Mächte dieser Welt Horizonte einer anderen Wirklichkeit erschlossen, ohne die wir auch in einer durch Globalisierung veränderten Welt nicht leben könnten. Diese Befreiung war allerdings nur durch die Sprengkraft einer Semantik zu erreichen, deren destruktives Potenzial bis heute virulent ist. Nicht zurück, sondern voraus muss die Devise lauten, in Richtung auf eine kritische Reflexion unseres kulturelles Erbes, das wir uns in seiner Ambivalenz bewusst machen müssen. In Moses der Ägypter habe ich dem exklusiven Monotheismus mit seine Devise 'Keine anderen Götter!' bzw. ' Kein Gott außer Gott' das antike Prinzip der Übersetzbarkeit gegenüberstellt, jene grundlegende Errungenschaft des 'heidnischen' Polytheismus, die die verschiedenen Götterwelten und damit Werte, Normen, Ziele und Ideale der damaligen Kulturen für einander transparent gemacht und schließlich zu einem inklusiven Monotheismus mit der Devise 'Alle Götter sind eins!' geführt hat. Ich halte dieses Prinzip der interkulturellen Transparenz noch immer für brauchbarer als den etwas abgegriffenen Begriff der Toleranz, der den anderen nur 'duldet', aber nicht verstehend in seinem Anderssein gelten lässt. Mir geht es darum, das Dynamit, das in den Gewaltpotentialen unserer (westlichen und islamischen) kulturellen Semantik angelegt ist, durch historische Reflexion zu entschärfen. |
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Die Muslime sind längst unter uns (Auszüge aus der ZEIT - März 2004) "Wenn Christen im Orient von ihrem Gott sprechen, sagen sie allah. Dieses arabische Wort ist das Äquivalent zum hebräischen el(ohim) und meint zweifellos denselben Gott. Vier Milliarden Menschen, Juden, Christen und Muslime in aller Welt, berufen sich auf Abraham und seine Bekehrung zum einen und einzigen Gott. Angesichts dessen kann man unsere gegenwärtige Art der Auseinandersetzung mit dem Islam nur als stümperhaft bezeichnen. Vor allem ist sie ängstlich. Der unselige Kopftuchstreit hängt ein Detail viel zu hoch, abgesehen davon, dass seine „Lösung“ auf Dauer ein christliches Eigentor sein wird. Gerade weil die inneren Motive nicht am äußeren Tuch zu sehen sind, sind Trotzreaktionen der Muslime schon spürbar, und das Stichwort Berufsverbot hat eine unselige Vorgeschichte. Tatsächlich gibt es eine große Tradition der Auseinandersetzung mit dem Islam. Das Mittelalter hat sie geführt mit Thomas von Aquins Summe gegen die Heiden, im 17. Jahrhundert gab es die großartige Koran-Ausgabe des gelehrten Mönchs Ludivico Marraccio mit dem Versuch der „internen Widerlegung“. Zu dieser Auseinandersetzung müssen wir zurückfinden: An Stelle überlieferter Ängstlichkeit und untauglicher Versuche zur abschirmenden Bemutterung sollten die Christen eine klare und offensive Position gegenüber dem Islam gewinnen. Sie wird im Augenblick nur von ultrarechts her eingenommen und hat oft nicht mehr als Dämonisierung des Islams zum Inhalt. Die Mitte zwischen Verteufelung und blinder Sympathie zu finden ist die Aufgabe. ... Das gegenwärtig aufgebaute Szenario der Angst ist die falsche Reaktion. Wenn irgendetwas Indikator für den inneren Zustand unseres Volkes ist, dann die Mechanismen des Verbietens, Nichthinguckens und Nichtwahrhabenwollens. Wir haben über zwei Millionen Muslime im Land. Weggucken gilt nicht. Genau das aber praktizieren wir. ... Wir fürchten, islamische Kultur, Geburtenfreudigkeit und Glaubensstärke könnten uns gleich dreifach treffen. Unsere Situation erinnert an die der christlichen Länder Anatolien und Nordafrika im 7. und 8. Jahrhundert, als ein morsches Christentum einfach überrannt wurde. Auch der Schock von 1683 (Türken vor Wien) sitzt noch, besonders den Süddeutschen, in den Knochen. Eine harte Auseinandersetzung um unsere Identität kommt zu uns zurück. Wir können unsere Schwäche beschwören und hinter Verbote und scheinbare Schutzwälle flüchten. Wir werden dadurch nichts aufhalten. Unsere Versuchung ist die Neigung zu Wehleidigkeit und Leidensscheu. Das biblische Erbe im Koran Wer den Koran als Christ liest, wird zwiespältig reagieren. Einerseits ist die Nähe zu Judentum und Christentum unübersehbar. Auch der Koran sagt, Jesus sei der Messias und habe Gottes Geist; die Auffassungen von Maria sind nahezu identisch. Andererseits scheint das Gemeinsame irgendwie „heillos verdreht“, fremdartig anders zu sein. Dieses Phänomen bei nachchristlichen Religionen gibt es nicht nur im Islam, sondern ähnlich bei Mormonen und Anthroposophen, so verschieden diese unter sich und gegenüber dem Islam sind. ... Vielmehr könnte die
neuerliche Konfrontation des Christentums mit dem Islam dreierlei
Konsequenzen haben: ... Gegenüber diesem geistlichen Weg gibt es wohl keine Alternative. Genannt werden aber immer wieder andere, untaugliche Wege. Der eine setzt auf fortschreitende Säkularisierung des Islams (inklusive einer historischen Koran-Kritik). Wer darauf hofft, sollte jedoch bedenken, dass gerade die westliche Form der Säkularisierung dem Islam große Chancen gibt. Das religiöse Vakuum erlaubt es dem Islam, sich als ernst zu nehmende abrahamitische Alternative zu profilieren. Es gibt die berechtigte muslimische Kritik, das Christentum sei völlig verweltlicht und bete Gott nicht mehr an. Der zweite untaugliche Weg besteht darin, dem Koran Defizite in der Rezeption des Christentums vorzuwerfen. Exegetisch und historisch lässt sich nachweisen, dass diese Rezeption (inklusive Anbetung Mariens und Leugnung der Kreuzigung Jesu) auf christlichen „Eigenleistungen“ beruht. Das heißt: Hier hat das vorislamische Christentum selbst Dinge verunklart. Das christliche Arabien wusste vom neutestamentlichen Kanon nicht mehr viel, es lebte hauptsächlich von den Agrapha („ungeschriebenen Jesusworten“) und Apokryphen; in seiner Christologie zeigte sich ein archaischer und nicht dogmatisch weiterentwickelter Glaube. Ähnliches gab es bei den arianischen Westgoten; auch dort wurde die Gottheit Jesu Christi nicht akzeptiert. Gottvergessenes Europa Erst unlängst wurde wieder beachtet, dass in manchen östlichen Kirchen noch nicht der Brauch besteht, während der Messe die Abendmahlsworte der Einsetzung im Neuen Testament zu zitieren. In alter Zeit war es eben noch anders möglich. Ähnlich steht es mit Christologie und Dreifaltigkeit im Koran. Hier gilt im Übrigen: „Was uns trennt, wird von uns selbst nicht verstanden.“ Man kann und muss daher durchaus die These diskutieren, der Koran repräsentiere eine synkretistische christliche Megahäresie. Dadurch wird die Auseinandersetzung nicht leichter, aber differenzierter und letztlich klarer. Nicht hilfreich sind Vorwürfe, die nur Fehler widerspiegeln, die Christen selbst jahrhundertelang praktizierten, was die Rolle der Frau anlangt, die Toleranz, insbesondere beim Abfall vom wahren Glauben, die mangelnde Kritik an Obrigkeiten. Wahr ist vielmehr, dass wir uns – mit leichterer oder stärkerer Zeitverschiebung – in Schwächen nichts vorzuwerfen haben. Wer heute mit Recht mangelnde Religionsfreiheit in der Türkei beklagt, sollte nicht die Schicksale österreichischer oder französischer Protestanten oder die Geschichte der Hamburger Katholiken im 18. Jahrhundert vergessen. Das monastische Beispiel zeigt vielmehr, dass – abgesehen vom notwendigen Wissen übereinander – vor allem das Herz und ernsthaft praktizierte Religion die Verwandtschaft zur Geltung bringen kann. Im Entscheidenden sind wir uns nahe; viele Differenzen sind kulturell bedingt. Es wird nichts helfen, die drei „K“ werden für Christen in dieser weltgeschichtlichen Auseinandersetzung notwendig werden: Katechismus, Kultur und Kinderfreundlichkeit. Mit Katechismus meine ich ein klares und verständliches Begreifen des eigenen Glaubens. Das betrifft besonders jene Positionen, die sich vom Islam unterscheiden, nämlich Dreifaltigkeit und Sühnetod Jesu. Wir können es nicht dabei belassen, dass nur der Islam auftritt als die „biblische Religion für die Leute von der Straße“. Ein schlichter, klarer Katechismus, wie wir ihn in der Nachkriegszeit hatten, ist überfällig. Unsere Kultur aber sollte mit traditionsbewusster Gelassenheit auftreten, die darum weiß, dass wir viel, aber eben bei weitem nicht alles dem Islam des Mittelalters verdanken. Die Begegnungen werden oft gerade dadurch erschwert, dass die Gemeinsamkeiten weiter reichen, als wir ahnen. Ich habe aber immer wieder Muslime erlebt, die vor glaubwürdig frommen Christen große Hochachtung hatten. So ist es auch im Koran." Klaus Berger lehrt neutestamentliche Theologie in Heidelberg |
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BEZIEHUNGEN |
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UNSAGBAR - UNSÄGLICH |
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Unaussprechlichkeit und Unsagbarkeit hüllen sich beide in Schweigen. ... Das Schweigen des Unaussprechlichen ist ein Präludium zu jenem verbalen Zustand, der das dichterische Wort einsetzt und auslöst. ... Was sage ich! dieses Schweigen ist bereits Gedicht und Musik, ist stillschweigend Musik und stummes Gedicht, und beide sind in der fruchtbaren Tiefe des Chaos verborgen. ... Das Schweigen des Unaussprechlichen, durchsichtig wie eine Sommernacht und unzählbar wie das Sternengewimmel, beschwört das allgegenwärtige und unendlich kleine Leben, das sich in der Unermeßlichkeit des Universums verliert. Das
unaussprechliche Schweigen, das stumme Antwort ist, hat etwas Erhabenes,
das unsägliche Schweigen hingegen flößt uns Angst und Schrecken ein. Im
Gegensatz zum schweigenden Sternenhimmel beschwört das unsägliche
Schweigen des Todes das furchterregende Schweigen der unendlichen Räume,
das Pascal schaudern ließ; hier bleibt unsere Frage ohne Antwort; hier
verhallt unsere Stimme in der Wüste: der Tod, stumm und taub erwidert
unseren Ruf nicht, und der Dialog fällt in die hoffnungslose Einsamkeit
des Monologs zurück."
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Die Vergegenwärtigung der Dreifaltigkeit/Dreieinigkeit konnten wir im Jahre 2005 auch in einem überwältigenden Raumerlebnis erfahren. In Stadl-Paura an der Traun, unweit von Lambach (Oberösterreich), steht dieses Raumwunder. Die Barocke Wallfahrtskirche, der "Heiligen Dreifaltigkeit" geweiht, ist ein formvollendeter Barockbau, der 1714-24 von J. M. Prunner errichtet wurde.
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Wie sollte es anders sein, die Zahl
3 ist bestimmend: dreieckiger Grundriss, 3 Türme, 3
Altäre, 3 Marmorportale, aber die Drei ist gebunden in eine Horizontale
und Vertikale Einheit. Aber diese Dreifaltigkeit ist kaum in dieser Einheit
zu fassen. Im näheren Umfeld sind immer nur zwei
Eingänge, nur zwei Türme zu sehen. Die Dreiheit ist
nicht leicht zu erschauen. Nach außen drei, nach innen eins, lautet das
theologische Grundprinzip des gesamten Kirchenbaus. Durch den äußeren
Dreiecksgrundriss ergeben sich drei gleiche Schauseiten mit drei reich
gegliederten Fassaden. In deren Scheiteln erheben sich die drei Türme;
sie flankieren den Zentralbau, der durch eine halbförmige Kuppel nach
oben abgeschlossen ist. Die Kuppel wird bekrönt von einer dreiseitigen
Laterne, auf der sich eine dreieckige Pyramide mit dem Auge Gottes erhebt.
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Geblendet ist man und überwältigend
ist es, wenn man vom Süd-Westeingang auf den im Nord-Osten
befindlichen "Altar des Vaters" mit dem goldene, göttlichen
Dreieck und der hebräischen Inschrift JAHWE blickt. Dieses
Trinitätssymbol läßt in der Nachmittagssonne die Kirche
erstrahlen.
Hier die Kuppel mit der abschließenden Pyramide
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Es wäre der ideale Ort über die
Beziehungen und Bewegungen zwischen Einheit und Vielheit, über Immanenz
und Transzendenz nachzudenken. Hegel und Schelling, aber auch Nikolaus von
Kues und Teilhard
de Chardin wären meine bevorzugte Partner.
Teilhard will beispielsweise den herkömmlichen Gottesgedanken in eine neue Dimension ausweiten. Der dreieinige Gott ist nicht einfach dasselbe, wie der "Unbewegte Beweger". Teilhard spricht vom Pleroma, als eine "ontologisch reichere Einheit als die Trinität"." Das Pleroma ist mehr als Gott allein, bevor Christus dorthin, mit der Ihm einverleibten Welt zurückgekehrt ist." In vielen Einzelheiten lässt sich über die Heilsgeschichte meditieren. Besonders eindrucksvoll ist auch die Lichtdramaturgie der Altergemälde. Natürliches Außenlicht geben ein theatralischen Erleben.
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Für Teilhard ist die absolute Fülle
Gottes eine zur Vollendung gelangten Weltgeschichte. Die
Vollendungsgeschichte von unten findet in der Erlösung von oben ihre höchste
Erfüllung. Das tiefste Fragen und Suchen des Menschen nach Sinnfülle
findet in der Selbstoffenbarung des ganz anderen Gotte seine innerste
Entsprechung. Beides ist unlösbar aufeinander hingeordnet in der
umfassenden Einheit eines Geschehens, in welchem sich die Vollendung der
Welt und der Menschheit und Vollendung Gottes miteinander verbinden. So
erhält auch all unser Tun, unser Empfinden und Denken eine nicht zu überbietende
Würde. |
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Ein
weiteres herausragendes Beispiel für die theologische
Sie wurde zwischen 1711 und 1716 als
erstes Gotteshaus in München im spätbarocken Stil von G.A.Viscardi
entworfen und von Zuccali und Ettenhofer ausgeführt. Cosmas Damian Asam
gestaltete 1714/15 das erste barocke Kuppelfresko in München. |
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