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Die Krise der christlichen Kirchen ist im Kern eine Krise des Gottesbildes.



 

Gottesbilder (Stadelmann)

Der Andere (Guardini)

Der Preis des Monotheismus (Assmann)

Die Muslime sind längst unter uns (Berger)

 

 Offenes 

Geheimnis

 

ähjäh aschär

ähjäh

J H W H
Tetragramm

                  

 

 

 

Ich bin,

welcher

ich bin

 

Ich werde

sein,

der ich

 sein werde

 

Ich bin für euch da

 als der,

als der ich für euch

 da sein werde

 

 

Name,

in dem sich Gott selbst offenbart

und zugleich verbirgt (Ex 3, 14)

(Enthüllung - Verhüllung)

Paradox

 

 


GOTTESBILDER

  • Ist der christlicher Glaube ein Auslaufmodell?
     
    Warum ziehen sich die Gläubigen zurück?

  • Warum nimmt die Bedeutung der christlichen Grundwerte in Wirtschaft und Politik ab?

 

Dazu die Thesen von Hans-Rudolf Stadelmann, in  seinem Buch : "Im Herzen der Materie - Glaube im Zeitalter der Naturwissenschaften":

Weil das Fundament des christlichen Glaubens, das verkündete Gottesbild (das sich in den 2000 Jahren seit Jesus kaum mehr verändert hat) nicht mehr geglaubt wird. 
 
Es wird nicht mehr geglaubt, da es sich mit dem heutigen Weltbild nicht mehr vereinbaren lässt. Es wird als irrelevant angesehen.

Stadelmann schlägt ein Gottesbild vor,
dass sowohl mit dem evolutionären Weltgeist
als auch mit wesentlichen biblischen Grundlagen verträglich sein soll.

 Stadelmanns Thesen für ein Gottesbild, das mit dem evolutionären Weltgeist vereinbar ist ( Seite 79ff. ):

*        Gott ist Geist, der "Weltgeist", der sowohl transzendent wie auch in der Welt immanent ist.
 
*        Gott als der Geist umfasst auch die Ursache seiner selbst, ist also selbst nicht mehr auf ein weiteres Prinzip zurückzuführen. Er ist die "letzte Wirklichkeit", der Urgrund allen Seins." - dies ist auch als Gottesbild anderen Religionen zu vermitteln - diese Frage stellt sich überhaupt - Gott ist ein Gott für alles für alle, insoweit ist ein Gottesbild zu finden, das alle Religionen umfasst.


*        Gott als der Geist ist einer, eben der Weltgeist.


*        Gott als der Geist konkretisiert und manifestiert sich in seiner Schöpfung. In dieser unserer Welt wirkt er im kosmischen Evolutionsprozess als Potentialität, als ermöglichender Geist. Indem er sich selbst mit der evolvierenden Welt zunehmend konkretisiert, wirkt er kreativ: Gott als der Geist ist kreativ.
 
*         Die Welt hat als einzigen Zweck Gott gewissermaßen als "Bühne" für seine Konkretisierung zu dienen. Gott und seine Schöpfung, unsere Welt, sind so wechselseitig aufeinander bezogen.
 
*        Energie und Materie sind von einfachsten zu kompliziertesten (komplexesten) Strukturen in steigendem Maße "geistbegabt": Gott wohnt seiner ganzen Schöpfung ein".
 
*        Auch der menschliche Geist ist eine im Evolutionsprozess entstandene Anpassungsstruktur an den Weltgeist und damit mit Gott, dem Weltgeist wesensverwandt, aber als sein Abbild natürlich bloß eine "Teilmenge" desselben, so etwas wie Geist in nuce.
 
*        Da selbstbewusster Geist immer komplizierte Netzwerke "elementargeistiger" materieller Strukturen (z.B. das neuronale Netzwerk des Gehirns) voraussetzt und wir annehmen können, dass Gott als der Geist eine Art von "höherem Selbstbewusstsein" besitzt, ist das, was wir heute unter "höheren Lebensformen" verstehen, eine Voraussetzung für die fortschreitende Manifestation des Geistes in der Welt.
 
*        Gott als der Geist "will" das Leben, um sich in ihm zu inkarnieren. Die kreative Potentialität Gottes zielt auf geistbegabtes Leben hin. In diesem Sinne ist Gott das "Woraufhin" aller evolutionären Anpassungsversuche.
 
*        In den bewussten Lebewesen (heute: in uns Menschen) wird sich der Weltgeist seiner selbst bewusst und kann sich so auf rein geistiger Ebene, d.h. ohne Notwendigkeit einer parallel aufenden weiteren Komplexifizierung materieller Strukturen, selbständig weiter konkretisieren und entwickeln (Evolution auf der kulturellen Ebene: Abstraktes Denken, Mathematik, Philosophie, Kunst, Religion ...) .
 
*        Die Konkretisierung des Geistes hat begonnen, sich von der Evolution der materiellen biologischen Strukturen mit ihrem Prinzip vom "Fressen und Gefressenwerden" abzukoppeln.
 
*        Humanisierende, geistige Werte (z.B. Altruismus) werden für das Überleben, Befinden, Selbstverständnis des Menschen wichtig. Gott der Geist konkretisiert sich in Richtung Humanität, in diesem Sinne verkörpert er einen Trend zum Guten.
 
*        Da die Evolution (Schöpfung) als ein anhaltender Prozess zu verstehen ist und sich Gott als der Geist der Welt mit fortschreitender Schöpfung zunehmen konkretisiert und damit auch immer wieder neu offenbart, kann Gott selber nicht länger als gänzlich unveränderlich ("ewig") gedacht werden, sondern er ist als in unaufhörlicher Selbst-Schöpfung begriffen, als ein lebendiger und sogar werdenden Gott zu verstehen. Gott selbst oder zumindest das Bild, das wir uns von ihm machen können, evolviert in Wechselwirkung mit seiner Schöpfung.
 

In der Diskussion wären folgende Aspekte aufzugreifen:

  • Position von Schelling, insbesondere die Diskussion des Pantheismus

  • Ist ein Unterschied zur Position von Teilhard de Chardin gegeben?

  • Diskussion des mißbrauchten Begriffes Gott. 

  • Ist Weltgeist nicht zu eng definiert - Weltengeist ? Wie ist dazu die Hegelsche Position zu sehen?

  • Gottesbegriff nach Auschwitz J.B.Metz - Hans Jonas

  • Diskussion des Begriffes vom "Werdender Gott"? Verlust der Allmächtigkeit?

Diskussionsbeiträge:

Heinz Zahrnt im Gespräch mit Arnd Brummer im Sonntagsbaltt:

Frage:

Wir leben in einer religionsarmen Gesellschaft. Im Osten Deutschlands werden wir außerdem konfrontiert mit den Folgen staatlicher Religionsfeindlichkeit. Auf der anderen Seite stellt man fest, dass die Leute religiöse Gefühle und Bedürfnisse haben. Das äußert sich zunehmend in esoterischen, pantheistischen, naturreligiösen Phänomenen. Wenn ich Sie richtig verstehe, macht Ihnen das alles keine Angst oder keine Angst mehr? Und zum Wort Allgegenwart: Da ist ja die Brücke für den Pantheisten schon ein Stück weit gezimmert.


Zahrnt: 

Wir werden damit rechnen müssen, dass wir auch innerhalb der Kirche in verschiedenen Bildern sprechen, wenn wir von unserem Glauben sprechen. Ich will Ihnen zwei Beispiele nennen. 

Erstens: Pantheismus. 

Im Gespräch zwischen Theologie und Naturwissenschaft können die Theologen nicht mehr mit dem festen theistischen, traditionellen Gottesbild auftreten. Sie müssen sich öffnen und sagen, es ist der Geist Gottes, der in der Natur wirkt. 

Zweitens: 

Es ist doch so, dass es sehr stark in Richtung Spiritualität und Mystik geht, wenn heute überhaupt Religion, religiöses Verlangen da ist. Ich möchte nur an das berühmte Wort von Karl Rahner erinnern: Der Christ der Zukunft wird Mystiker oder gar nicht mehr sein. Mystik kommt ohne Bilder und Begriffe aus. Und darum werden wir lernen müssen, dass Gott in einer neuen Weise ökumenisch geworden ist. Wir werden lernen müssen, uns innerhalb der Kirche in verschiedenen Bildern in einem höflichen Gespräch ohne Zank und Streit auszutauschen. Die Basis unserer Religion bilden Erfahrungen, die in der Bibel ihren Niederschlag gefunden haben. Ich halte nun für das Christliche im Christentum, dass hier wie in keiner anderen Religion der ganze Inhalt auf den Glauben konzentriert ist. Es gibt keine Religion, die so konzentriert vom Glauben spricht wie das Christentum und zugleich so radikal das Glauben als Vertrauen identifiziert.


Christsein entscheidet sich in der persönlichen Aneignung von Glauben und nicht dadurch, dass ich aus einer Familie stamme, aus einer Tradition?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ihre eigentliche Wahrheit besitzen alle Dinge, einschließlich des menschlichen Geistes, nur in Gott.

Da Gott aber für menschliches Wissen unerreichbar ist, kann menschliche Erkenntnis, die es nur mit dem Abbild, mit der Andersheit, die immer ein Mehr oder Weniger zuläßt, zu tun hat, nur Mutmaßungen des der Wahrheit Ähnlichen sein.

Heinzmann Richard; Philosophie des Mittelalters; S. 284; Über den Grundgedanken der belehrten Unwissenheit von Nikolaus von Kues (1401-1464)

 

 

Gott ist nicht der Andere - Er ist auch nicht ich. Sondern er ist Gott. Er existiert in seiner eigenen Kategorie, die in der Alternative: "entweder ist ER ich, oder Er ist der Andere", nicht steht. Das Wesen Gottes kann geradezu dadurch definiert werden, daß man sagt: Er ist Jener, der weder ich ist, noch der Andere. So steht er nicht in Konkurrenz mit mir. Ich brauche mich nicht Seiner zu erwehren, um ich zu sein. Sondern durch Ihn bin ich Ich-selbst. Er ist es, der mir überhaupt erst die Freiheit gibt, aus der heraus ich mich fragen kann, ob Er mich nicht in meiner Freiheit behindere. Sein Schaffen ist in keiner Weise Begrenzung, Bedrängnis, Konkurrenz, sondern hat die Qualität absoluter Großmut.

Guardini - Ethik - 1095



Die Muslime sind längst unter uns (Auszüge aus der ZEIT - März 2004)

"Wenn Christen im Orient von ihrem Gott sprechen, sagen sie allah. Dieses arabische Wort ist das Äquivalent zum hebräischen el(ohim) und meint zweifellos denselben Gott. Vier Milliarden Menschen, Juden, Christen und Muslime in aller Welt, berufen sich auf Abraham und seine Bekehrung zum einen und einzigen Gott. Angesichts dessen kann man unsere gegenwärtige Art der Auseinandersetzung mit dem Islam nur als stümperhaft bezeichnen. Vor allem ist sie ängstlich. Der unselige Kopftuchstreit hängt ein Detail viel zu hoch, abgesehen davon, dass seine „Lösung“ auf Dauer ein christliches Eigentor sein wird. Gerade weil die inneren Motive nicht am äußeren Tuch zu sehen sind, sind Trotzreaktionen der Muslime schon spürbar, und das Stichwort Berufsverbot hat eine unselige Vorgeschichte.

Tatsächlich gibt es eine große Tradition der Auseinandersetzung mit dem Islam. Das Mittelalter hat sie geführt mit Thomas von Aquins Summe gegen die Heiden, im 17. Jahrhundert gab es die großartige Koran-Ausgabe des gelehrten Mönchs Ludivico Marraccio mit dem Versuch der „internen Widerlegung“. Zu dieser Auseinandersetzung müssen wir zurückfinden: An Stelle überlieferter Ängstlichkeit und untauglicher Versuche zur abschirmenden Bemutterung sollten die Christen eine klare und offensive Position gegenüber dem Islam gewinnen. Sie wird im Augenblick nur von ultrarechts her eingenommen und hat oft nicht mehr als Dämonisierung des Islams zum Inhalt. Die Mitte zwischen Verteufelung und blinder Sympathie zu finden ist die Aufgabe. ...

Das gegenwärtig aufgebaute Szenario der Angst ist die falsche Reaktion. Wenn irgendetwas Indikator für den inneren Zustand unseres Volkes ist, dann die Mechanismen des Verbietens, Nichthinguckens und Nichtwahrhabenwollens. Wir haben über zwei Millionen Muslime im Land. Weggucken gilt nicht. Genau das aber praktizieren wir. ...

Wir fürchten, islamische Kultur, Geburtenfreudigkeit und Glaubensstärke könnten uns gleich dreifach treffen. Unsere Situation erinnert an die der christlichen Länder Anatolien und Nordafrika im 7. und 8. Jahrhundert, als ein morsches Christentum einfach überrannt wurde. Auch der Schock von 1683 (Türken vor Wien) sitzt noch, besonders den Süddeutschen, in den Knochen. Eine harte Auseinandersetzung um unsere Identität kommt zu uns zurück. Wir können unsere Schwäche beschwören und hinter Verbote und scheinbare Schutzwälle flüchten. Wir werden dadurch nichts aufhalten. Unsere Versuchung ist die Neigung zu Wehleidigkeit und Leidensscheu.

Das biblische Erbe im Koran

Wer den Koran als Christ liest, wird zwiespältig reagieren. Einerseits ist die Nähe zu Judentum und Christentum unübersehbar. Auch der Koran sagt, Jesus sei der Messias und habe Gottes Geist; die Auffassungen von Maria sind nahezu identisch. Andererseits scheint das Gemeinsame irgendwie „heillos verdreht“, fremdartig anders zu sein. Dieses Phänomen bei nachchristlichen Religionen gibt es nicht nur im Islam, sondern ähnlich bei Mormonen und Anthroposophen, so verschieden diese unter sich und gegenüber dem Islam sind.

... Vielmehr könnte die neuerliche Konfrontation des Christentums mit dem Islam dreierlei Konsequenzen haben:
Erstens sollten die Christen ihre eigenen Hausaufgaben machen. Religiöse Unkenntnis, Zerstrittenheit und Kompliziertheit der Dogmatik waren die inneren Gründe, weshalb der Islam sich seinerzeit in christlichen Ländern durchsetzen konnte.
Zweitens besteht für Christen durchaus Anlass, eigenes Gut im Islam zu entdecken und sich wieder anzueignen. Dazu gehört das tägliche wiederholte Gebet der Muslime. Es entstammt dem christlichen Stundengebet; noch immer läuten dreimal am Tag christliche Glocken zum „Engel des Herrn“ oder zum Vaterunser. Viele Formen der moralischen Säkularisierung sind für Muslime mit Recht ein Ärgernis. Es ist die  Frage, ob auf Dauer die Gleichgültigkeit gegenüber Wertvorstellungen uns selbst gut tut.
Drittens äußert sich der Koran positiv gegenüber Christen im Allgemeinen („Die Gläubigen stehen den Nazarenern, das heißt den Christen, am freundlichsten gegenüber“, Sure 5, 85) und gegenüber dem Mönchtum im Besonderen. Denn Mönche gelten als „nicht hochmütig“ und könnten deshalb eine besondere Brücke zum Islam sein; sie waren es übrigens immer. Das vorislamische Christentum in Arabien war monastisch geprägt.

...

Gegenüber diesem geistlichen Weg gibt es wohl keine Alternative. Genannt werden aber immer wieder andere, untaugliche Wege. Der eine setzt auf fortschreitende Säkularisierung des Islams (inklusive einer historischen Koran-Kritik). Wer darauf hofft, sollte jedoch bedenken, dass gerade die westliche Form der Säkularisierung dem Islam große Chancen gibt. Das religiöse Vakuum erlaubt es dem Islam, sich als ernst zu nehmende abrahamitische Alternative zu profilieren. Es gibt die berechtigte muslimische Kritik, das Christentum sei völlig verweltlicht und bete Gott nicht mehr an.

Der zweite untaugliche Weg besteht darin, dem Koran Defizite in der Rezeption des Christentums vorzuwerfen. Exegetisch und historisch lässt sich nachweisen, dass diese Rezeption (inklusive Anbetung Mariens und Leugnung der Kreuzigung Jesu) auf christlichen „Eigenleistungen“ beruht. Das heißt: Hier hat das vorislamische Christentum selbst Dinge verunklart. Das christliche Arabien wusste vom neutestamentlichen Kanon nicht mehr viel, es lebte hauptsächlich von den Agrapha („ungeschriebenen Jesusworten“) und Apokryphen; in seiner Christologie zeigte sich ein archaischer und nicht dogmatisch weiterentwickelter Glaube. Ähnliches gab es bei den arianischen Westgoten; auch dort wurde die Gottheit Jesu Christi nicht akzeptiert.

Gottvergessenes Europa

Erst unlängst wurde wieder beachtet, dass in manchen östlichen Kirchen noch nicht der Brauch besteht, während der Messe die Abendmahlsworte der Einsetzung im Neuen Testament zu zitieren. In alter Zeit war es eben noch anders möglich. Ähnlich steht es mit Christologie und Dreifaltigkeit im Koran. Hier gilt im Übrigen: „Was uns trennt, wird von uns selbst nicht verstanden.“ Man kann und muss daher durchaus die These diskutieren, der Koran repräsentiere eine synkretistische christliche Megahäresie. Dadurch wird die Auseinandersetzung nicht leichter, aber differenzierter und letztlich klarer.

Nicht hilfreich sind Vorwürfe, die nur Fehler widerspiegeln, die Christen selbst jahrhundertelang praktizierten, was die Rolle der Frau anlangt, die Toleranz, insbesondere beim Abfall vom wahren Glauben, die mangelnde Kritik an Obrigkeiten. Wahr ist vielmehr, dass wir uns – mit leichterer oder stärkerer Zeitverschiebung – in Schwächen nichts vorzuwerfen haben. Wer heute mit Recht mangelnde Religionsfreiheit in der Türkei beklagt, sollte nicht die Schicksale österreichischer oder französischer Protestanten oder die Geschichte der Hamburger Katholiken im 18. Jahrhundert vergessen. Das monastische Beispiel zeigt vielmehr, dass – abgesehen vom notwendigen Wissen übereinander – vor allem das Herz und ernsthaft praktizierte Religion die Verwandtschaft zur Geltung bringen kann. Im Entscheidenden sind wir uns nahe; viele Differenzen sind kulturell bedingt.

Es wird nichts helfen, die drei „K“ werden für Christen in dieser weltgeschichtlichen Auseinandersetzung notwendig werden: Katechismus, Kultur und Kinderfreundlichkeit. Mit Katechismus meine ich ein klares und verständliches Begreifen des eigenen Glaubens. Das betrifft besonders jene Positionen, die sich vom Islam unterscheiden, nämlich Dreifaltigkeit und Sühnetod Jesu. Wir können es nicht dabei belassen, dass nur der Islam auftritt als die „biblische Religion für die Leute von der Straße“. Ein schlichter, klarer Katechismus, wie wir ihn in der Nachkriegszeit hatten, ist überfällig. Unsere Kultur aber sollte mit traditionsbewusster Gelassenheit auftreten, die darum weiß, dass wir viel, aber eben bei weitem nicht alles dem Islam des Mittelalters verdanken. Die Begegnungen werden oft gerade dadurch erschwert, dass die Gemeinsamkeiten weiter reichen, als wir ahnen. Ich habe aber immer wieder Muslime erlebt, die vor glaubwürdig frommen Christen große Hochachtung hatten. So ist es auch im Koran."

Klaus Berger lehrt neutestamentliche Theologie in Heidelberg

 

BEZIEHUNGEN

UNSAGBAR   -   UNSÄGLICH


Aus dem eindrucksvollen Buch "DER TOD" von Vladimir Jankelevitch

"
Das Unaussprechliche läßt sich nicht in Worten fassen, weil die Worte fehlen, ein so reiches Mysterium auszudrücken oder zu definieren, weil darüber unendlich viel zu sagen, unermeßlich viel anzudeuten und endlos zu erzählen wäre. ...  
Das Unaussprechliche entzieht sich insofern dem Ausdruck, als es sich unendlich ausdrücken ließe und ungezählte Wörter  hervorriefe; da sich diese Sturzfluten von Wörtern aber gegenseitig aufheben würden, gelangen sie nicht zum Ausdruck. ...

Unaussprechlichkeit und Unsagbarkeit hüllen sich beide in Schweigen. ... Das Schweigen des Unaussprechlichen ist ein Präludium zu jenem verbalen Zustand, der das dichterische Wort einsetzt und auslöst. ... Was sage ich! dieses Schweigen ist bereits Gedicht und Musik, ist stillschweigend Musik und stummes Gedicht, und beide sind in der fruchtbaren Tiefe des Chaos verborgen. ...

Das Schweigen des Unaussprechlichen, durchsichtig wie eine Sommernacht und unzählbar wie das Sternengewimmel, beschwört das allgegenwärtige und unendlich kleine Leben, das sich in der Unermeßlichkeit des Universums verliert. 

Das unaussprechliche Schweigen, das stumme Antwort ist, hat etwas Erhabenes, das unsägliche Schweigen hingegen flößt uns Angst und Schrecken ein. Im Gegensatz zum schweigenden Sternenhimmel beschwört das unsägliche Schweigen des Todes das furchterregende Schweigen der unendlichen Räume, das Pascal schaudern ließ; hier bleibt unsere Frage ohne Antwort; hier verhallt unsere Stimme in der Wüste: der Tod, stumm und taub erwidert unseren Ruf nicht, und der Dialog fällt in die hoffnungslose Einsamkeit des Monologs zurück." 

 






























TOD

 

 

Die Vergegenwärtigung der Dreifaltigkeit/Dreieinigkeit konnten wir im Jahre 2005 auch in einem überwältigenden Raumerlebnis erfahren. In Stadl-Paura an der Traun, unweit von Lambach (Oberösterreich), steht dieses Raumwunder. Die Barocke Wallfahrtskirche, der "Heiligen Dreifaltigkeit" geweiht, ist ein formvollendeter Barockbau, der 1714-24 von J. M. Prunner errichtet wurde.

 

 

Wie sollte es anders sein, die Zahl 3 ist bestimmend: dreieckiger Grundriss, 3 Türme, 3 Altäre, 3 Marmorportale, aber die Drei ist gebunden in eine Horizontale und Vertikale Einheit. Aber diese Dreifaltigkeit ist kaum in dieser Einheit zu fassen. Im näheren Umfeld sind immer nur zwei Eingänge, nur zwei Türme zu sehen. Die Dreiheit ist nicht leicht zu erschauen. Nach außen drei, nach innen eins, lautet das theologische Grundprinzip des gesamten Kirchenbaus. Durch den äußeren Dreiecksgrundriss ergeben sich drei gleiche Schauseiten mit drei reich gegliederten Fassaden. In deren Scheiteln erheben sich die drei Türme; sie flankieren den Zentralbau, der durch eine halbförmige Kuppel nach oben abgeschlossen ist. Die Kuppel wird bekrönt von einer dreiseitigen Laterne, auf der sich eine dreieckige Pyramide mit dem Auge Gottes erhebt.

Geblendet ist man und überwältigend ist es, wenn man vom Süd-Westeingang auf den im Nord-Osten befindlichen "Altar des Vaters" mit dem goldene, göttlichen Dreieck und der hebräischen Inschrift JAHWE blickt. Dieses Trinitätssymbol läßt in der Nachmittagssonne die Kirche erstrahlen.

Hier die Kuppel mit der abschließenden Pyramide

Es wäre der ideale Ort über die Beziehungen und Bewegungen zwischen Einheit und Vielheit, über Immanenz und Transzendenz nachzudenken. Hegel und Schelling, aber auch Nikolaus von Kues und Teilhard de Chardin wären meine bevorzugte Partner.

Teilhard will beispielsweise den herkömmlichen Gottesgedanken in eine neue Dimension ausweiten. Der dreieinige Gott ist nicht einfach dasselbe, wie der "Unbewegte Beweger". Teilhard spricht vom Pleroma,  als eine "ontologisch reichere Einheit als die Trinität"." Das Pleroma ist mehr als Gott allein, bevor Christus dorthin, mit der Ihm einverleibten Welt zurückgekehrt ist."

In vielen Einzelheiten lässt sich über die Heilsgeschichte meditieren. Besonders eindrucksvoll ist auch die Lichtdramaturgie der Altergemälde. Natürliches Außenlicht geben ein theatralischen Erleben.

Für Teilhard ist die absolute Fülle Gottes eine zur Vollendung gelangten Weltgeschichte. Die Vollendungsgeschichte von unten findet in der Erlösung von oben ihre höchste Erfüllung. Das tiefste Fragen und Suchen des Menschen nach Sinnfülle findet in der Selbstoffenbarung des ganz anderen Gotte seine innerste Entsprechung. Beides ist unlösbar aufeinander hingeordnet in der umfassenden Einheit eines Geschehens, in welchem sich die Vollendung der Welt und der Menschheit und Vollendung Gottes miteinander verbinden. So erhält auch all unser Tun, unser Empfinden und Denken eine nicht zu überbietende Würde. 


Ein weiteres herausragendes Beispiel für die theologische
Interpretation der Dreifaltigkeit ist in der Dreifaltigkeitskirche
in München zu finden

Sie wurde zwischen 1711 und 1716 als erstes Gotteshaus in München im spätbarocken Stil von G.A.Viscardi entworfen und von Zuccali und Ettenhofer ausgeführt. Cosmas Damian Asam gestaltete 1714/15 das erste barocke Kuppelfresko in München.
Als einzige Kirche in der Innenstadt Münchens blieb die Dreifaltigkeitskirche von der Zerstörung durch Bomben im Zweiten Weltkrieg verschont.

 

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Trinitätssymbol in der Amsterdamer Nikolauskirche

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