VOM
OFFENEN
GEHEIMNIS



4 Symphonien in 12 Sätzen













Prolog   I   1. Symphonie   I   2. Symphonie   I   3. Symphonie   I   4. Symphonie   I   Epilog



Prolog




 



Α - ¥





Im Anfang liegt,
was auch mich bedingt,
liegt bereits was mich fragen läßt,
warum ist Etwas
und nicht vielmehr Nichts.
Diese Frage stellt Alles in Frage,
auch Zeit und Raum.
Sie führt mich
an die Grenze
des Sagbaren.

Darüber hinaus
ist mein Sagen nichts,
auch wenn ich Alles
in Worte fassen möchte.

An der Grenze
trifft das Schweigen,
das mir alles
in Fülle zu sagen vermag,
auf mein Hören,
das schweigend 
sich der Leere öffnet.

Geschenkt wird mir
das Hören der Frage
nach dem Etwas;
meine erste Antwort
ist die stumme Entgegennahme
dieses Geschenks.

Das Unsagbare
vom Sagbaren geschieden
wird im Anfang.

Was war vor dem Anfang ?
Warum überhaupt ein Anfang ?

Fragen,
die vermessen die Grenze
zu überschreiten versuchen,
doch daß wir sie stellen können,
zeigt die Größe unserer Art,
die Großartigkeit des Menschen.

Aber muß nicht viel Größeres 
in dem liegen,
das uns diese Fragen
 stellen läßt ?

Seit dem Anfang
wird Zeit und Raum
im Sein gehalten,
entfalten sich die
Elemente,
in den
Beziehungen
zueinander,
werden aus den
Bewegungen
jeden Augenblick 
neu die
Gestalten.

War im Anfang 
alles in sich vollkommen,
so war noch nicht
das Werden des Anderen,
war noch nicht die Freiheit im Geschaffenen,
war noch nicht 
die Gestaltwerdung
durch das Geschaffene.

Das Werden 
bringt zur Entfaltung,
was im Ruhenden immer war,
bringt das Grenzenlose auch zu uns,
entgrenzt auch uns.
Erst im Werden können 
die gestaltgewordenen 
Möglichkeiten des Seins,
in die sich entfaltende Einheit
aufgenommen werden.

Entfaltet sich 
mit dem Werden
 in Zeit und Raum auch das,
was unsere Begrenztheiten 
ins Grenzenlose 
überschreitet ?
Entfaltet sich 
mit der Vielfalt des Seins
auch das ganz Andere ?

Das Werden der Gestalt
ist für uns so viel weiter als weit
und zugleich 
so viel näher 
als nah.

Es ist die
Zeit,
wir versuchen
sie zu fassen in den 
Zahlen.
Es ist der
Raum,
wir versuchen ihn zu umgreifen im
Maß der Symbole.
Die Verbundenheit 
von Zeit und Raum
findet sich gespiegelt 
in den Zahlensymbolen.

Mit ihnen lassen sich die
Elemente des Seins bezeichnen.
Ihre Beziehungen zueinander
geben die Möglichkeit 
das Sein zu ordnen.
Ihre Zuordnungen in der Zeit
zeigen die Bewegungen
im Werden zu den
Gestalten.

Mit den vier Grundkategorien,
den Elementen,
Beziehungen,
Bewegungen und
Gestalten,
lassen sich in der Zusammenschau 
Wege weisen
vom Nicht - Mehr 
zum Noch - Nicht,
von der Gestalt,
die Freiheit bereits gebunden hat,
zur Gestalt,
in der mögliche Freiheit 
noch gebunden wird.
 
In allem was ist,
ist Zahl und Maß.
Die Zahlen finden 
gibt Ordnung.
Im Maß geben 
ist bereits Erkennen.

Mit den Zahlensymbolen
versuche ich 
die Struktur des Seins 
nachzubilden,
versuche ich das Sein zu öffnen.

Sie sind mir 
Orientierungszeichen,
damit ich mich nicht verliere
 im Einzelnen.
Mit ihnen sollen die Gestalten,
die vom Anfang her kommen
und sich auf das Ende 
hin entwickeln,
gehalten werden,
Gestalten,
die im Anfang 
das Ende schon umfassen
und im Ende 
den Anfang 
nicht verlieren.

In vier Symphonien
wage ich das Experiment.
Sie werden komponiert aus den
3 Grundelementen:
Einheit,
Dualität,
Ich.

Diese werden
4-fach
zueinander in Beziehung
gesetzt,
um sich damit
12-fach
zu entfalten.
Die 12-fache Entfaltung 
wird gespiegelt
in 12 Seinsbereichen,
um damit
in 144 Themen
aufzuscheinen.

Das Ganze des Sagbaren 
wird gehalten im Unsagbaren,
symbolisiert durch die Nichtzahl
O,
die als Prolog vor den Anfang,
und der Nichtzahl
Unendlich,
die als Epilog 
nach dem Ende 
gesetzt wird.

Die Gestalten 
die sich uns zeigen,
werden damit eingebunden 
in die gestaltlose Gestalt
vor und nach dem Sein.

Das Ganze 
ist als ein Gerüst,
als Netzwerk, zu begreifen,
das auch den Sonnenzyklus 
mit seinem
12- fachen Rhythmus 
der 12 Monate,
die 2 x 12 Stunden 
des Tages und der Nacht,
wie auch die Symbolzahl 
für das Unendliche,
144 (12 x 12),
aufgreift.
Die Gestalten 
sind durchdrungen 
vom Rhythmus,
der die 3 mit der 4 verbindet.
Aus diesen Zahlen ergibt sich
multipliziert 
wiederum die Zahl 12,
addiert 
die Zahl 7.

Mit der
7
wird auch 
der Wochenrhythmus 
mit 7 Tagen,
der Mondzyklus mit
4 x 7 Tagen 
(28 =1+2+3+4+5+6+7)
und der Lebensrhythmus,
mit dem jeweiligen 
Vielfachen von 7,
in die Gestalten aufgenommen.
84 (3 x 28)
kann dann als Symbolzahl
für ein langes Erdenleben 
dienen.



1. SYMPHONIE



Von der Einheit zum Ich



Die Einheit



Die Eins



In der Einheit spiegelt sich
das Bedingungslose im Erfahrbaren 
wider.
Doch die Einheit ist stets gefährdet,
nicht zu fassen,
und war schon verloren,
als sie im Anfang
ins Sein geworfen worden war.
Im ersten Augenblick,
wurde aus der Einfalt,
die weder ist noch nicht ist,
das Nicht - Nichts,
das Ewige wird, 
wird im Etwas.
  
Von da an sucht das Verlorene
das Vollkommene wiederzufinden,
das sich lückenlos Ergänzende,
das alle Grenzen Sprengende,
das sich bedingungslos Erfüllende.
Es wird das Sein gesucht,
das den Raum 
und die Zeit
nicht zu beachten 
braucht.

Die Symbole der Einheit
sind der Kreis oder die Kugel.
Wir wissen nicht den Anfang
 und das Ende des Kreises,
doch wo wir den Weg 
auch beginnen,
er führt uns immer 
zum Anfang zurück.
Anfang und Ende
sind verbunden
im Kreis.
Unendlich viele 
Kreisschalen können
in der gleichen Mitte 
ihren Halt finden.
Und ist die Kugel 
nur unendlich groß,
so ist jeder ihrer Raumpunkte
 zugleich
allgegenwärtiger Mittelpunkt.
Die Einheit des ersten Seins 
bildet,
mit dem Ursprung von Allem,
die erste 
entfaltete 
Gestalt.

Wo können wir 
diese Gestalt der Einheit
in unserem Dasein entdecken ?
Wo ist diese Einfalt,
diese so vollkommene Form 
des Kreises,
durchlässig zu uns hin ?
Wie können wir durchlässig werden
für das Geheimnis der Einheit ?
Wann können wir hinein hören
in die Stille des Einen ?
Wo zeigt sich der Abglanz
des Lichts aus dem Urgrund ?

Wie die Einheit verschwindet,
wenn ich sie zu fassen versuche,
so verliert sich auch die Zeit
zwischen dem Nicht - Mehr und dem Noch - Nicht.
Aber im geglückten Augenblick
ist die Einheit des Anfangs 
zu erahnen,
scheint der 
Mythos des Paradieses auf.
Dann sind wir mehr 
als nur Erinnerung,
und mehr als nur Hoffnung.
 
In der Stille
zwischen den Tönen,
in der Leere
zwischen den Formen,
in den Träumen
zwischen dem Wachen,
kann die Grenze 
erfahrbar werden.

Gelänge es 
das Dazwischen zuzulassen,
sich in das Dazwischen fallen zu lassen,
die Grenzen zur Einheit öffneten sich
und uns könnte geschenkt werden,
was längst verloren geglaubt.

Erkennbar ist für uns,
daß alles mit Allem verbunden ist,
daß im Geflecht des Seins
bereits geringste Veränderungen,
die Richtung im Ganzen beeinflussen,
daß die Wirklichkeit offen ist
für unendliche Möglichkeiten.
Und daß dies für uns erfahrbar ist,
gibt bereits Werte für unser Sein,
auch wenn uns Maß und Ziel 
des Ganzen
noch verschlossen bleiben.

Die Gestalt der Einheit 
ist im Werden.
 

Die Dualität



Die Zwei



Im Dasein ist Spaltung,
mit dem Licht 
war auch der Schatten,
war Weiß und Schwarz.
Die Zeit teilt.
Die Einheit wird zum
Noch - Nicht und Nicht - Mehr.
Die Eins wird weiter gezählt.
Es gibt die Eins und die Zwei,
das Wenn und das Dann,
das Entweder - Oder
das An und das Aus,
das Ja und das Nein,
das Werden 
und Vergehen.

Die Einheit ist
in den Raum der Möglichkeiten,
in die Zeit der Notwendigkeiten,
in den Rahmen der Entfaltung 
gelangt.
Die Freiheit beginnt ihren Weg
durch das Sein.
 
Angelegt in der ersten Trennung
ist schon die zweite,
und in jedem der Teile
sind die Möglichkeiten
der eigenen Entfaltungen 
mitgegeben,
in einem Gegeneinander,
in einem Miteinander.

Die in die Materie 
eingeschriebenen Gesetze
beginnen ihre Wirkungen 
zu entfalten,
drängen in immer 
neue Gestalten hinein,
die stets mehr sind 
als nur die Summe ihrer Teile.

Die Einheit wirkt
in und durch 
ihre Entfaltungen
und sucht sich
immer neu zu finden.
Die Dualitäten,
sie gehören zum Atem,
zum Puls des Seins,
zum Willen zum Leben,
zur Ordnung des Lebendigen.

Chaos quillt hervor,
aber stets auch neue Ordnungen.
Ein wechselseitiges Durchdringen,
in dem das Lebendige gefaßt
und das Gefaßte 
lebendig bleiben kann.

Ordnung und Chaos 
entstanden ohne uns,
wie auch Chaos 
und Ordnung 
ohne uns zerfällt;
aber daß dies für uns 
staunend erfahrbar wird,
ist das nicht Wunder genug ?

Leben wurde möglich,
getriebenes Sein,
bis sich Leben entwickelte,
das selber den Trieb kennt.
Passives wurde um Aktives erweitert,
so daß 
aus der geschehenen Entfaltung,
Entfaltung wurde, 
die mit gestaltet.
Aber was ist denn aktiv, 
was ist denn passiv ?
Ich vermeine es zu wissen,
doch ich beginne 
mit dieser Frage in mir selbst,
wo die Ursprünge zum Handeln
oft geheimnisvoll im Dunkeln bleiben.
Dann aber kann, 
was für mich aktiv erscheint,
durch das in der Vergangenheit
oder Zukunft Verborgene
mir bereits auferlegt sein.

Im Sein ist der Prozeß verankert,
der zwischen aktiv und passiv vermittelt,
der wechselseitig stets neu erkundet,
wie aus den Notwendigkeiten
Möglichkeiten werden können.
Doch alle Möglichkeiten 
sind vielfach begrenzt,
werden aus den Gesetzen des Daseins
nicht entlassen.
Damit ist in jeder Entfaltung
notwendig auch Trennung,
in jedem Gewinn und Zuwachs
stets auch Verlust und Mangel.

Es ist ein Werden und Vergehen
im Atem der geschaffenen Zeit.

Das Ich



Die Drei



Wieviel
Teilung und
Entfaltung, bis der
Mensch war, der sich
seines Ichs bewußt wurde.
Das Licht des Ursprungs fand
seinen Widerschein im Element
des Ichs, im Ich der Dreiheit,
von Empfinden, Tun
und Denken.

Eine 
neue 
Gestalt,
eine neue 
Ordnung, in der 
die Elemente der 
Einheit und Dualität
nicht ausgelöscht
sondern 
gebunden 
wurden
und 
sich 
stets 
neu 
binden.

Das Ich ist geworden,
ohne selbst Einfluß
auf die Gesetze des Werdens 
zu erlangen,
es ist im Dasein,
ohne gefragt worden zu sein,
es ist ein Ergebnis 
der Prozesse des Daseins,
des passiven Geschehens 
des Seins.

Doch dem Ich sind
Möglichkeiten der Entfaltung zugewachsen.
Es kann etwas über die 
Gesetze des Werdens,
etwas über sich selbst,
etwas über seine
Beziehungen 
und Bewegungen
in der Gestaltwerdung.
aussagen.

Ich,
weniger als ein Lächeln lang 
in der Zeit,
ist im Dasein 
ein winziger Samen auf der Erde,
ein ungleich noch viel Kleineres
im denkbaren Raum,
ein Nichts vor dem Geheimnis 
vor und nach dem Sein.
Und doch ist alles was ist,
doch nur in, mit und durch mein Ich,
Sein für mich.

Das Zahlensymbol 
des Dreiecks
fügt dem geteilten Kreis 
ein Drittes hinzu,
verläßt die Harmonie des Kreises,
verliert die einfache Gegensätzlichkeit des geteilten Einen
und findet sich
in der Verbundenheit 
und Getrenntheit
von Tun,
Empfinden
und Denken
wieder.

Drei Seiten,
wie im Dreieck 
miteinander verbunden,
und keine darf fehlen,
keine darf dominieren,
soll das Ich 
nicht verloren 
gehen.
 
Das farblose,
alles in sich bergende Licht
es wird im Dreieck
in Farben
zerlegt,
in das
Blau des Empfindens,
dem Dunkel nah,
in das
Rot des Tuns,
dem Dasein eingefleischt,
in das
Gelb des Denkens,
ein Widerschein des Lichts.

In jeder Farbe
schwingen die anderen mit,
aus ihrem Zueinander,
ihren Mischungen,
ihrem Gegeneinander,
wird das Bild des Ichs gestaltet,
die Gestalt, die ich im Sehen bin.
Ein Zusammenspiel,
in dem sich mit dem Licht 
auch der Schatten zeigt,
ein Zusammenklang,
der mir aber auch 
die Gestalt der Einheit
vor der Dualität
erfahrbar macht.

Rot,
die Farbe des Tun und Lassen,
des Augenblicks,
sie verlangt Entscheidungen
an der Schwelle 
von den Erinnerungen 
des Nicht - mehr
zu den Verheißungen 
des Noch - nicht.

Rot tritt heraus aus dem
Blau,
das dem tiefen Raum 
der gewordenen Empfindungen
verhaftet ist.

Rot nimmt das
Gelb auf,
das aus den weiten Räumen
des werdenden Denkens entgegenkommt.

Auch Töne 
sind durch ein dreifaches,
Höhe, Stärke und Dauer.
Aus ihnen wird 
im Erklingen und Verklingen,
im zu- und miteinander
eine Gestalt,
die sich von Augenblick zu Augenblick neu entfaltet,
eine Gestalt des Seins,
die ich im Hören bin.

Im Ich ist
Empfangen und Geben.
Es ist Empfinden,
das uns entgegenkommt.
und Empfinden, das wir, 
aus unserem Wollen geboren,
weiter geben.

Es ist Tun
als unsere Gabe im Handeln
und Tun,
das uns geschieht.
Es ist Denken
als unser Nach- 
und Vordenken
in die Gestalten 
unseres Seins hinein.

In der Freiheit und 
Bedingtheit des Empfangens,
in der Möglichkeit 
und Notwendigkeit 
des Gebens,
ist das Ich eingebunden.

Aber wo findet sich der Plan
für die Zuordnung 
der Seiten des Ichs,
wo ist der Schlüssel
für den Zusammenklang 
der Zeichen,
was ist es, der die Musik des Ichs
immer neu zu öffnen vermag?

Wie kann das Empfinden
den Einklang mit dem Denken,
wie das Denken 
seinen Ausdruck 
im Tun finden ?

Und wie kann 
aufgeschlossen werden,
wie das Denken geprägt wird
von meiner erfahrenen
aktiven und passiven Leiblichkeit ?
Es ist Suchen und Finden
des geschaffenen

Fragen, die aus dem Gewordenen
uns als Gewordene,
Gestalten suchen lassen,
die eingebunden bleiben 
in das Ganze.
 




2. Symphonie



Vom Suchen zum Finden



Suchen



Die Vier

 


Das Ich sucht im Geflecht von

Tun, Empfinden und Denken

ein Viertes,

etwas, 

das die drei Seiten 

des Elements Ich

zu binden vermag,

das Orientierung gibt

in einem Anderen.

Kenn ich auch die Seiten des Ichs,

fehlt doch das,

was sie zueinander 

binden könnte.

  
Das Ich ist für das Ich

die Mitte des Daseins,

das spürt,

daß die Mitte des Seins 

woanders ist.

Diese Mitte wird gesucht im Einen,

das dem Ich den Zugang 

zum Urgrund und Zielgrund

seiner Dreiheit erhoffen läßt.

 


Mit dem Bewußtsein 

des eigenen Ichs

entstanden in unzähligen Entfaltungsprozessen

Erfahrungen einer

ursprünglichen Einheit.

Angestoßen durch die Triebe,

werden, im Sehen, Hören, Spüren,

Schmecken und Riechen,

im Not - wendenden 

Tun des Daseins

und im denkenden Ordnen,

Gestalten der Einheit

immer neu gesucht.


Und suchen wir die äußerste Nähe,

so zeigt sich auch der Weg 

zur innersten Weite.

  
Das Ich ahnt dann

den Klang, das Wort, das Licht,

die uns aus der Mitte 

entgegenkommen.

Das Zusammenfallen des Getrennten

wird uns angekündigt.

 


Im Ich

ist die Hoffnung verankert,

im Strudel des Daseins 

nicht verloren zu gehen.

 
Aus dieser Hoffnung 

werden 

Darstellungen

in Gestik,

in Bildern,

in Tönen.

Es werden Sprachen,

als Gestalten, 

die wir im Denken sind.

Und auch im fortwährenden Experimentieren,

in den Regeln der

Wenn - Dann Beziehungen,

geschieht ein stetiges Eindringen 

in die gesuchte Gestalt.

 
In allem bilden wir 

das Nicht - Verfügbare,

das uns Bedingende 

in uns nach

und geben ihm Namen,

Namen, 

die das Unauslöschliche bannen,

das Unfaßbare festhalten möchten,

Namen, die unsere Sprachen 

dafür kennen.

Ich gebe ihm den Namen,

der mir in meiner Sprache überliefert wurde:

Gott.

 

Spaltung



Die Fünf



Wir erfahren in uns 

die Spaltung,

den Verlust der Einheit,

das Ja und das Nein.

Es begegnet uns das immer Doppelgesichtige im Sein

in allem was ist

und was wir sind.

 
Im Ich ist 

das ungefragte 

Ja zum Leben,

das erste Einatmen.

Jedes Ja wird aber immer erst 

wieder lebendig

durch ein Nein,

das Ausatmen.

Der Urzyklus 

wird auch in uns geschlossen.

Doch jedes neue Ja

gleicht nicht dem Vergangenen,

denn es kennt das Nein,

den Tod.

 
Jedes Ja und Nein,

das von einer der Seiten des Ichs ausgeht,

wird von den Ja und Nein Entscheidungen

der anderen Seiten mit bedingt.

 
Erst im Erfahren 

dieser Zusammenhänge

können wir uns 

als Einheit empfinden.

Doch was wir als Ursache,

was wir als Wirkung 

meinen zu kennen,

ist immer abhängig

von der Zufälligkeit des Beginns 

unseres Suchens.

 
Wir suchen nach der Wahrheit,

den wahren Zusammenhängen,

der Gestalt, die alles mit aufnimmt;

aber in unserer Verzweiflung,

das Wahre zu verfehlen,

finden wir oft nur Gründe,

mit denen wir meinen 

unsere erlebte Vergangenheit

und unsere erhoffte Zukunft

im Jetzt rechtfertigen zu können.

 
Zwar verlieren wir uns immer wieder

beim Versuch uns zu finden,

doch jedes Verlieren

gibt schon den Anstoß

zu neuem Finden,

zum Finden 

einer veränderten 

Gestalt.


Mit jedem Tun können 

die Seiten

des Empfindens und Denkens 

beschädigt werden;

aber auch in jedem Nicht-Tun

kann Empfinden 

verloren gehen.

Im Nicht-Empfinden

kann Denken entschwinden,

wie mit jedem Denken

auch Tun 

versäumt werden kann.

 
Im Leben ist der Tod 

stets gegenwärtig.

Es ist die Frage 

nach seinem Sinn,

seinem Wann, Warum, 

Wozu und Wohin,

die uns drängt

unserem Leben Gestalt zu geben.

Tod und Leben,

sind aufeinander bezogen

im Ich.

 
Wie ist zu fassen,

was im Prozeß des Lebens 

und Sterbens

uns Halt geben kann,

wie zu fassen,

was uns hoffen läßt,

das jeder Tod

immer wieder nur 

ein Vorletztes ist ?

 
Wir sind in der Zeit des Ichs

verloren in den Tod hinein,

in der Zeit des Seins

lebendig im Werden des Gestalt,

aber erst im Sein ohne Zeit,

Tod und Leben verlierend,

werden wir erfüllt

 in das Unermeßlichen 

hinein.

  
Leid und Freude ist im Atem

dieser Tod - bewußten Zeit.

 

Vom Finden



Die Sechs

 


Im Du erfahre ich,

daß mich das Sein angeht,

daß es sich an mich richtet,

daß ich verletzbar und

beglückbar bin.

 
Das Du

schenkt sich,

gibt sich hin,

berührt

und durchdringt damit auch

meine Seiten des Ichs.

Im Du

werde ich angesprochen,

wird die Dreiheit meines Ichs

Sechsfach durchbrochen.

 
Die Beziehungen

von Ich und Du

verdoppeln die Dreiheit

zur sechseckigen Gestalt.

Die Farben, die Töne des Ichs

mischen und verbinden sich,

das Klangbild des Lebens

entsteht.

Die Symphonie

erklingt im miteinander.


Violett,

in dem sich

Blau und Rot

durchdringen,

gibt dem Empfinden ein Wollen,

damit daraus die Tat entsteht,

wie auch aus dem Tun

das Empfinden

immer wieder

neue Anstöße erfährt.

 
Grün

blüht auf

aus dem Blau des Empfindens

und wird zusammen

mit dem Gelb

des lichten Denkens

zur Hoffung,

daß sich Sinn zeigen kann

in immer neuem Werden.

 
Verschränken sich

Tun und Lassen

mit dem in erfüllter Leere

sich selbst vergessenden Denkens,

wird Orange,

die Symbolfarbe,

die auszudrücken vermag,

wie eng Körper und Geist

aufeinander angewiesen sind.

 
Die verdoppelte Dreiheit,

sie bindet die Seiten des Ichs

enger aneinander

und näher zur Mitte hin.

In ihrer Farbigkeit

erscheint die Sehnsucht

nach der heilenden Einheit

von

Körper,

Seele

und Geist.

 
In diesem Miteinander

kann das Ich

den Weg finden,

der den Verlust der Einheit

für Augenblicke in Lust

vergessen macht.

So wird in der Vereinigung

von Ich und Du

das Werden im Sein bezeugt,

und in der Verschmelzung

von Ich und Du

neues Leben,

neues Werden gezeugt.

 
Im anderen Ich

begegne ich mir selbst,

im Du

erfahre Ich das Andere,

wie auch das mir Gleiche.

Erst in dieser unablässigen

Erfahrung der Begegnung

wird der Mensch

zum Individuum

und die Menschen

zur Gattung.

 
Erst im Du

finde ich mich,

erhalte ich

durch den Ruf des Du

meinen Namen.

 
Finde ich mich im Du,

entsteht eine Gestalt,

die mehr ist

als nur die Zuordnung

der Elemente.

Vom Du her

wird mir der Sinn im Dasein

eröffnet.

Im sechseckigen Stern

blinkt

das Licht

des Ursprungs.

 

 




3. Symphonie



Vom Licht zur Antwort im Menschsein

 


Heilendes Licht



Die Sieben

 


Die Mitte ist unverrückbar,

doch wo sie zu finden ist,

kann von den Seiten des Ichs allein

nicht erkannt werden.

Gehe ich nur von einer Seite aus,

werde ich in die Irre geleitet,

gehe ich alleine,

fehlen mir die Kräfte für den Weg.

 
Du und Ich,

Wir,

suchen nach dem Empfinden,

das uns aus der Mitte

entgegenkommt,

dem Handeln in Gelassenheit,

das die Bewegung

zur Mitte anstößt,

dem Denken,

das den Weg zur Mitte

zeigt.

 
Wir erfahren

die Vielfarbigkeit des Daseins

und ahnen,

daß sich bereits

im gebrochenen Licht

unseres Daseins,

ein strahlendes, wärmendes,

heilendes Licht

zeigen kann.

 
Menschen haben

aus der gesuchten

und gefundenen Mitte

ihrer Dreiheit heraus,

dieses Licht geoffenbart.

Sie geben uns

Maß.

 
Durch sie ist Licht

ins Dasein gekommen.

In ihnen leuchtet das Licht.


Von ihnen strahlt das Licht aus.

Mit ihnen werden wir in das Licht

hinein genommen,

das die Nacht

unseres Todes erhellt.

Brennender,

Erleuchteter,

Licht vom Lichte,

Lichtkünder.

Gottessohn

vor und nach der Zeit

Menschensohn in der Zeit,

Offenbarer im Geist

durch die Zeiten hindurch.

 
Wenn ein Du mich anspricht,

mich annimmt

wie ich zu sein vermag,

wird es heller,

ein heilendes Licht

kommt mir entgegen.

 
Ich und Du

finden uns dann

in einer Gestalt,

die das Licht aus der Mitte

erhellt.

 
Die Seiten des Ichs

drehen sich

um die Achse der Mitte.

Außen

als besinnungsloses,

rasendes Drehen,

Innen

als Schweben in gedehnter Zeit,

im Innersten

als zeitlose Ruhe,

die alle Unruhe hält.

 
Gottsucher sind wir

aus unserem

dreifachen Menschsein heraus geworden;

aus dem Empfinden,

daß wir nicht

aus uns selbst geworden sind,

aus dem Handeln im Dasein,

das uns Freiheit schenkt und Verantwortung fordert,

aus unserem Denken,

das immer wieder

 in Grenzen festhalten will,

was sich erst  im Loslassen

entfalten kann.

 
Die Dreiheit des Ichs

zieht das Unsagbare

immer wieder

zum Sagbaren herab,

entfaltet damit Gott

als Einheit,

als Vielheit,

als Vater, Sohn und Geist.

 
Das Kostbare

wird im Gefäß des Sagbaren

gesammelt.

Ohne das Gefäß

zerfließt sein Inhalt,

aber ohne es

immer wieder neu zu füllen,

vertrocknet das Kostbare

und auch das Gefäß

erstarrt, zerspringt.

 
Im Wechsel von

Nachfüllen und reifen lassen,

wird der Glaube

lebendig bleiben.

So wird jeder Augenblick

zum Experiment

eines immer neuen Scheiterns

aber auch zur Hoffnung

eines immer neuen Gelingens.

 
Wir suchen das Rettende

im wahren Denken,

im empfundenen Schönen,

im Tun des Guten

und können es nur finden

im Zusammenklang,

im Dazwischensein,

im Unausdenklichen.

 
Wir öffnen Zwischenräume,

für die Beziehungen,

die im Geheimnis des Seins

verborgen sind

und doch unsere Dasein umfangen,

und nennen dies Beten.

Damit versuchen wir immer wieder

auf das Innerste im Innen,

auf das Äußerste im Außen,

auf das Schweigen und Lachen

an den Grenzen des Seins

zu hören.

 

 

Entzweiung


Acht


In das heilende Licht

der pulsierenden Hoffnung

schleicht sich das Schwarz

des Zweifels.

Liebe - Gott,

zwei mißbrauchte Begriffe,

verschmutzt

im Dunkel der Zeiten.

 
Schwarz verdreckt Rot.

Tod ist allem Tun,

aber auch allem untätigen Geschehenlassen,

eingefleischt.

Schwarz zerstört Gelb.

Gedanken

werden zerfressen

von Haß und Neid.

 
Schwarz verdunkelt Blau.

Haßerfülltes Wollen

schleicht aus dem Gefängnis

der Empfindungen.

Das verlorene Geheimnis

wird durch monströse Prothesen

ersetzt,

wird vergewaltigt

und verraten.

 
Ist der gute,

der rettende Gott

selber noch zu retten ?

Regiert uns Liebe oder Haß ?

Ist das Böse,

das Grauen,

der Wahn-Sinn

nur dem Menschen

anzulasten ?


Oder

kommen wir doch

aus den Händen

böser Mächte,

verflucht uns Gott ?

 
Bilden wir Gott

nach unserem Sein?

Wird er durch uns

zu einem unheilvollen,

übergroßen Du,

zu unserem

übermächtigen

oder machtlosen

Spiegelbild,

Angst schaffend

durch seine strafende Macht,

verlacht und verspottet

 in seiner sinnloser Ohnmacht.


Es ist dieser

von uns gemachter Gott,

der Gott unserer Kurzsichtigkeit,

der zu allem

mißbraucht werden kann.

Dieser von uns Geschaffene

läßt alles zu.

Dieser Gott

wird zu allem benutzt,

zur Vergottung

des Nutzens

und der Lust.

 
Dieser Gott

lähmt,

er tötet.

Angst und Ignoranz

sind seine Wirkungen,

die Dualität, die Trennung

sein Ursprung.


Ist Gott tot ?

Und wer ist schuld

an seinem Tod ?

 
Wir, die wir

aus unserer Unmündigkeit

nur nach uns selber rufen,

nur uns selber träumen,

nur uns selber schaffen ?

 
Wir, die wir

in unserer Beschränktheit

einen winzigen Teil

für das Ganze und Wichtigste

halten ?

Wir, die wir

die Suche abbrechen,

bevor das Licht

die Nacht

erhellen kann ?

 
Wer tötet?

Ist es unser in Freiheit

verirrter Wahn ?

 
Aber unser Schreien,

nach dem Warum

des unschuldigen Leidens,

im Atem

der schuldbeladenen Zeit,

es verhallt ungehört

im Schwarz des Nichts.

 
Du,

Bild

des offenen Geheimnisses,

wir klagen an:

Wo warst Du,

Gott allmächtiger,

Du Gott der Liebe,

in

in

in

in

in

in

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Auschwitz

in

in

in

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.

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.

 
Wolltest

oder  willst du nicht eingreifen,

oder kannst du es nicht ?

Sind wir ohne Hoffnung,

von dir losgelöst,

gekettet an uns selber ?

 
Es ist doch dein Werden,

dem dies alles geschieht.

 
Du läßt doch dein Sein werden

auch durch unsere Taten

und Untaten,

durch deine Gestaltwerdung

in den uns

eröffneten Möglichkeiten.

Wir werden doch

 in unserem Leiden

mit dir zu einer Gestalt.

 

Die Antwort im Menschsein

 


Die Neun

 


Geschenktes und

gefundenes Wissen

um das werdende Sein,

sagt mir im Gewissen das Sollen.

Ich soll mich vom Geheimnis

annehmen lassen,

wie ich auch das andere Du

annehmen soll,

wie mein eigenes Ich,

in allen seinen Seiten.


Unter der Herrschaft

von Zeit und Raum,

im Freiheitsraum der Möglichkeiten,

suchen wir Antworten

auf das Wort aus der Mitte.

 
Ein mühsamer, unaufhörlicher Dialog,

der vom dreifaltigen Licht des Einen

im dreifachen Ichsein

jedes Menschen entzündet wird.


Ein unendlicher Dialog,

der seinen Sinn erst entfalten kann,

wenn er im Aufleuchten

wieder auf die Einheit zurückstrahlt.


Die Fülle der Farben

wird in der Menschheit

in allen Mischungen entfaltet,

mit allen Aufhellungen im Weiß,

mit allen Schattierungen im Schwarz.

 
Eine Vielfalt,

die im Einzelnen

uns gefangen nimmt

und in der Zusammenschau

verwirrt.

Daraus wird stets

Wissen und Nichtwissen

um das was ist,

Empfinden und Nichtempfinden

in dem was ist,

Tun und Lassen,

für das was sein soll.

 
Es ist das Richtig und Falsch,

das Schön und Häßlich,

das Gut und Bös.

Es ist in allen

Wissenschaften,

Künsten

und Politiken.


Wir suchen,

begrenzt

durch die Bindungen im Dasein,

nach den Möglichkeiten,

die Sinn geben

für das Ich,

das Ich und das Du,

das Wir,

Sinn für das was war,

Sinn für das was sein soll.

 
Aus unseren engen Grenzen

kriecht die Angst

den Sinn zu verfehlen,

die verzweifelt Erkenntnis des Ungenügens.

 
Aber gerade diese Begrenzungen,

unsere Ängste,

die Urangst vor dem Tod,

stoßen Erkenntnisse,

Änderungen,

Neuerungen an.

 
Gerade im Mitempfinden

der Ängste des Anderen,

der Anderen,

zeigen sich Wege

unser Ich zu entgrenzen,

um dann gemeinsam

Sinnwege gehen zu können.

 
Die Neun ist die Symbolzahl

für das Suchen

der Antworten des Alltags,

Antworten, die im Hier und Jetzt

gegeben werden müssen

im Blick auf das Gewordene

und Kommende,

in der Hoffnung

der werdenden Gestalt

damit Fülle zu verleihen.


Die Antworten werden gesucht

im Licht der Vernunft,

das die Seiten des Ichs

aneinander bindet

und im Gedächtnis des Seins

bewahrt.

 
In diesem Miteinander

finden die Dreiecke

die Gestalten von Pyramiden

oder sich vielfach

durchdringender Dreiecke.

Es werden

Zeichen zu Bildern,

Töne zu Symphonien,

es werden

Regeln zu Ordnungen,

Gedanken zu Systemen,

und in allem wird unser Dasein

und mit ihm unser Sein gestaltet.

 
Aber wo ist das Maß zu finden,

das Maß für das was sein soll ?

 
Was wir denken

wird nicht verloren sein, wenn

es in der Mitte gehalten wird.

Was wir tun und lassen

wird sein,

wenn es zur Mitte führt.

Was wir empfinden

wird weiterwirken,

wenn es von der Mitte

gespeist wird.

 
Die Wege zur Mitte

werden für jeden von uns

andere sein, schon deshalb,

da bereits der Beginn des Suchens,

der Beginn des Weges,

für jeden woanders liegt.

Aber der Sog zur Mitte

ist für jeden von uns der Gleiche,

da die entfaltete Gestalt

nur eine Mitte kennt.

 
Deshalb

habe Ehrfurcht vor dem Leben

in seiner ganzen Fülle

und achte

die unterschiedlichen Wege,

die bisher gegangen worden sind.

Denn welche Schuld

liegt im Zerstören von dem,

was die Fülle des Seins

noch zu weiten vermag.

 
Erfahre dich

als ein Gewordener,

der für sein so sein

immer wieder nach Gründen

zu seiner Rechtfertigung sucht.

Denn welche Schuld

liegt in der Unwahrhaftigkeit,

die die Fülle des Seins verengt.

  
Besinne dich,

daß in dein Urteilen

und Entscheiden

immer auch deine

Ängste und Hoffnungen

eingehen.

Denn welche Schuld

liegt darin,

die Wege der Anderen

mit Vorurteilen zuzuschütten.

 
Bedenke,

daß jedes Verletzen

und verletzt werden

den Weg verdunkelt,

daß jede erfahrene

und geschenkte Zuneigung

aber Wegzeichen geben.

Denn welche Schuld liegt darin,

Andere in finsteren Nacht

auf den Weg zu schicken.

 
Besinne dich

auf das,

was all deine Seiten

wirklich bedürfen,

um sich gegenseitig befruchten

zu können.

Erkenne,

daß der abgewogene Verzicht

bei einer Seite deines Ichs,

den anderen Seiten

an Fülle zuwachsen kann.

 
Setze dich dafür ein,

den Schwächeren

Möglichkeiten zu eröffnen,

um ihre Ängste mit Hoffnungen

zu vertreiben.

Denn welche Schuld liegt darin,

daß auch durch dich

Möglichkeiten des Seins

zerstört werden.


Beziehe die Möglichkeiten

des Zukünftigen

in dein Handeln ein.

Wäge die Folgen ab

und verzichte im Zweifel.

Denn welche Schuld liegt

im Tun, daß die Folgen

nicht zu bändigen vermag.

 
Bin bereit zu widerstehen,

wenn du in wissender

und gewissenhafter Prüfung

überzeugt bist,

daß du in Ordnungen

eingebunden wirst,

die dem Dasein

die Fülle berauben.


Spüre,

deine Verantwortung

für die Freiheit des Anderen.

Denn welche Schuld liegt darin,

geschehen zu lassen,

daß in der Unterdrückung

das Werden des Seins

geknechtet  wird.

 
Erkenne,

daß alles im Teil Richtige,

im Ganzen doch die Richtung

verfehlen kann.

Wisse um die Fülle

von Wahrheiten

in jedem Du,

doch vergiß nicht,

diese im Dialog

an das Geheimnis der Mitte

zu binden.

 
Sei im offenen Geheimnis

und sei es mit den Anderen

und dann erst sei

Jude, Buddhist, Christ, Muslim ...

Löse dich von deinen Bildern,

die das Geheimnis festhalten möchten.

Denn welche Schuld liegt darin,

wenn aus den Bildern

Waffen geschmiedet werden.

 
Suche

das rechte Reden

und Schweigen

vor dem Geheimnis,

das uns immer mehr sagt,

als wir es für möglich halten.

Suche in der

dir geschenkten Freiheit

nach Antworten in den Möglichkeitsräumen,

nach dem, das uns

in den Verschiedenheiten

die Einheit öffnet.

Suche nach den Beziehungen

und Bewegungen im Sein,

die wir, in der umfassenden

Gestalt des offenen Geheimnisses,

als die große Liebe

erfahren dürfen.

  
In all diesem Sollen

kreuzt sich

das vergangene Werden

mit der entgegenkommenden Fülle.

So ändert sich In jedem Augenblick

das Sollen,

da sich auch das Sein

stets verändert ,

aber es bleibt stets auch gleich

in seiner Orientierung

am immer Gleichen des uns Entgegenkommenden.

 
Unser Sein ist

Dazwischen-Sein,

nie im Ganzen

verlassen,

nie im Ganzen

daheim.

 
Erst wenn die Zeit beginnt

das Sein zu verlassen,

kann sich

der Sinn

als Ganzes zeigen,

die Fülle

seiner ganzen Gestalt.

 




4. Symphonie


Von der Erlösung zur Fülle des Seins


Die Zehn

 


Das Sein bleibt 

im Werden immer offen,

ereignet sich immer neu,

wächst auch in unser Ich hinein,

und findet darin die Laute und Töne

 für seine Symphonie.

 


Aus dem Gefundenen 

meinen wir das Mögliche 

zu wissen,

aber die Möglichkeiten,

die der Gestalt die ganze Fülle erst verleihen,

sind für uns unvorhersehbar,

nur als Hauch erahnbar.

 
So bleibt aber immer 

die Hoffnung

auf Lösung unseres Seins, 

allen Seins,

aus seinen Dualitäten

in ein Anderes hinein,

ein Öffnen zum Geheimnis hin,

ein Werden des Anderen,

auch durch uns.

 
Alles Mögliche wird

im Werden der Gestalt 

das Wirkliche.

Wird die Eins (die Einheit),

mit der Zwei (der Dualität),

der Drei (dem Ich)

und der Vier (dem Ich, 

das die Mitte sucht)

zusammen gezählt,

ergibt sich die Symbolzahl

Zehn.

 
Im Tod

verliert unsere Dreiheit des Ichs

den Bezug zum Sein 

in Raum und Zeit,

aber das im Seinsbezug 

Gewordene 

und Gewonnene

bleibt solange 

in den Möglichkeiten des Daseins,

bis es endgültig 

im Geheimnis ankommt

und mit ihm 

die letzte Wirklichkeit bildet.

  
Alle Versuche,

das Trennende bereits im Dasein

zu binden und zu umgreifen,

geben uns,

trotz aller Zweifel,

einen ersten Halt,

geben uns Beständigkeit 

und Bestätigung im Werden.

Das Ich kann sich 

mit dem Du loslösen

aus dem betäubenden Drehen 

in der Zeit,

um der Klarheit 

der Mitte entgegen zu fallen.

Hier geschieht bereits 

ein Ent-werden 

in weitendes Sein.

 
Und sind wir auch nur 

eine winzige Episode,

so wäre doch alles Sein 

ein Anderes

ohne die uns geschenkte Freiheit.

 
Unser aller Wollen, Sollen, 

Tun und Lassen

ist im Sein verankert,

nimmt Anteil 

an der Entfaltung zur Fülle,

gestaltet mit.

 
Im Tod

lösen sich die Seiten des Ichs,

um sich im Glanz 

von Silber und Gold,

in der Zusammenschau 

einzulösen.

Dies wird mir geschehen,

wenn dafür in meinem Hoffen, 

Wollen und Tun

Verbindungen geknüpft wurden,

die die Kraft enthielten 

sich weiter zu entfalten,

bis Raum und Zeit 

das Sein verlassen.

Dann erst erfährt unsere Freiheit 

ihr letztes Wozu.

Dort erst vereinigen sich

Liebe und Gerechtigkeit und

bringen sich der Wahrheit dar.

 
Aber allein aus uns selbst

ist letztendlich keine Lösung 

aus dem Sein möglich,

wir und alles bedarf 

der Loslösung in ein Anderes

durch Erlösung.

 
Unser Dasein 

gewinnt eine letzte Fülle,

mißbrauchte Worte 

gewinnen ihren vollen Klang.

Hier hebt der Jubel an.

Die Farben glänzen auf zum Entschwinden in der Zeit,

die kalten Schatten 

lösen sich im Glanz 

des heilenden Lichts.

Diese Lösung 

aus dem Sein 

in das Geheimnis hinein,

sie geschieht überall 

im ganzen Universum,

in ungeahnten Formen,

in unsagbaren Weisen,

in unausdenkbaren Wesen.

 
Im Zusammenklang 

von Allem 

wird, in der  

Symphonie des Seins,

das Geheimnis 

Gestalt.

 

Gericht




Im Atem der erschöpften Zeit

wird das Sein zur Fülle 

des Einen entgrenzt

oder zum Nichts des Vielen 

verengt.

Ein letztes Werden

hin zur Erlösung oder Verdammnis.

Ein letztes Wort

an das geschenkte Sein,

dem das Sein

nur wortlos 

mit letzter Hingabe 

zu antworten vermag.

 
Das Wort des Anfangs

wird im Ende erfüllt.

im Licht der Gestalt 

des einen Ganzen.

Das Geheimnis des Lebens,

des Weges und

der Wahrheit 

wird geöffnet.

 
Im Gericht erfahren wir

das in der geschenkten Freiheit Verlorene,

das im geforderten Sollen 

Zerstörte.

Wir schauen das von uns Zurückgeschenkte,

Geglückte,

vom Geheimnis 

angenommene.

Alles Erfahrene, 

Gedachte, 

Getane

holt uns ein.

 
Wer scheidet, wer richtet ?

Werden wir gerichtet ?

Richten wir uns selbst ?

 
Richten wir uns selbst

in das Geheimnis hinein,

das bis Zuletzt grenzenlos offen ist 

für alles Gewordene ?

Verlieren wir uns selbst,

mit dem, 

was durch uns im Werden 

verloren wurde ?

Werden wir zusammen 

mit dem Raum und der Zeit

dann endgültig ins Nichts 

des ewigen Dunkels geworfen

oder erhellt in einem neuen Werden

und in diesem Werden

dem zeitlos Gleichen gleich?


Aller Schatten 

wird zum Nichts,

wir erblinden,

doch alles Licht

wird im reinen Licht 

der vollendeten Einheit 

aufgefangen,

wir schauen.

 
Das Sein zwischen

Noch- Nicht und Nicht- Mehr

wird zum Augenblick 

der Ewigkeit.

Der Name,

mit dem wir gerufen wurden,

wird bewahrt im Innersten 

des offenen Geheimnisses;

dies bleibt uns im Sein

als letztes Hoffen,

als letzte Gnade,

als letzte Gabe.

Hier stockt der Atem der Zeit.

Hier ist Geber und Gabe eins,

Tiefe und Höhe eins,

Innen und Außen eins.

  
Und doch sind 

alle Dualitäten nicht verloren

sondern eingewoben

in das geöffnete Geheimnis.

Die Bewegung aus dem Ursprung

wird durch den Endsprung in die Zeitlosigkeit vollendet.

 
Es ist ein Erhellen und Einklingen

in die Wahrheit

des immerwährenden Erinnerns,

aber auch ein 

Ausklingen und Erblinden

ins Nichts 

des immerwährenden 

Vergessens.

  

Die Fülle des Seins

 


Die Zwölf

 


Kein Entweder - Oder,

sondern ein

Sowohl als Auch

ist das Maß der Fülle.

Sowohl Materie

als auch Geist

ist in allem Sein.

Sie fallen zusammen

im reinen Licht

und verschwinden

doch nicht im Nichts,

lösen sich nicht auf

in der Unendlichkeit,

sondern werden

ein Anderes.

 
Der Stern

bildet

aus unendlich

vielen Elementen,

Innen und Außen,

sowohl den Kreis des Anfangs

als auch des Endes,

sowohl die unentfaltete

als auch die entfaltete Einheit .

Die Zwölf

mit sich selbst vervielfältigt

wird damit zum Symbol

der Unendlichkeit,

zum Kristall,

der mit seinen unendlich

vielen Ecken

funkelt im reinen Licht.

In ihm spiegeln sich

die unendlichen Möglichkeiten

wider

und

unzählige Punkte

lassen Raum und Zeit

verschwinden.

 
Die Gestalten,

sie brauchen

keine Orientierung mehr,

denn sie ist ihnen

in der einen Gestalt der Fülle

gegeben.

Dann kann keine Bewegung,

die aus den Dualitäten

geboren wurde,

dem schattenlosen Geheimnis

ein noch so Winziges

hinzufügen.

 
 Die Zeit wird regiert vom Tod.

Doch schon im Dasein

kreuzen sich Tod und Leben,

Zeit und Ewigkeit,

bis sich alles Kreuzen,

in der Gestalt

nach und vor der Zeit,

in der Einheit des Kreises

erschöpft und vollendet.

 
Wenn sich

das Dazwischen-sein

weitet,

sich die Leere

zwischen den Formen

füllt,

werden die Bilder des Seins entschlüsselt

und alle Töne und Laute

in der Stille hinein genommen.

Frage und Antwort

treffen und versöhnen sich

im Schweigen.

 
Der Atem

findet seine Ruhe,

wird mit Allem

 in der und durch

die Mitte gebunden,

so daß sich in der Fülle

gleicht,

was sich im Weg

unterschied.

  
Was allein

kann dem Gegebenen

das Sein

wieder nehmen,

was allein

die Möglichkeiten

aufheben

in eine letzte Notwendigkeit

hinein,

was allein

den Raum und Zeit

in ein Anderes

wandeln,

was allein

das Ende mit dem Anfang

verbinden,

als ein unsagbare Geheimnis,

das uns das Sein

und uns im Sein

diese Hoffnung gab ?

 
Ich bin, der ich bin,

ich bin, der ich sein werde,

und ich werde der sein, der ich im Sein werde.

Sind diese Worte auch dem Dasein entsprungen,

sind sie uns doch zugerufen

von der Grenze des unsagbaren Geheimnisses her.

Dort wird dieses Verlöschen

im erfüllten Schweigen der Allfalt

zur Geburt

des Lichts

im Licht

des Lichts.

 

Epilog



Α - Ω



Nichtzahl Unendlich,

sie bleibt für uns

im Sein

ans Endliche gebunden,

will mehr sagen

als möglich ist,

will zuviel erdenken,

will zuviel empfinden,

will überschreiten

und scheitert.

 
Deshalb

zerschlagen wir das Gerüst,

nein,

auch das ist zuwenig,

überlassen wir

das Unendliche

dem maßlosen Maß,

überlassen wir

morgen und gestern,

das Sein und das Nichts,

dem Kommen

des immer schon

Dagewesenen.

 
Im Dasein aber

ist für uns immer wieder

ein Heute,

ein neuer Anfang möglich,

ein Anfang,

der die Gestalt im Ende

mit zu prägen vermag.

 
Deshalb

verliere nicht den Mut

im Suchen

immer neuen Gestalten,

denn die Frage des Anfangs -

„Warum ist Etwas

und nicht vielmehr Nichts ?“ -,

bleibt zwar auch

am Ende unseres Fragens

ein Geheimnis,

aber zwischen

der Eins und der Zwölf

wurde es uns geschenkt,

das Geheimnis

um ein Winziges

zu öffnen,

zu öffnen

nicht als gewußte Wirklichkeit,

aber doch als

erahnte Möglichkeit.

 
So sind wir,

und alles,

sowohl vom Anfang

als auch vom Ende

bedingt.

So sind wir gehalten

in der Ewigkeit.

 
Im Durchlässigwerden

zum Geheimnis hin

und von ihm her,

in seinem Erspüren,

Erleben und

Erkennen

in allem Sein,

wird alles Wirkliche

wirklicher,

denn das Unsagbare wirkt,

wird alles Werden,

durch das Werden

in neuem Werden erfüllt,

wird das Geheimnis

auch zu mir hin

geöffnet.

 
Staune

über das Wunder des Seins,

das sich dir öffnet,

um von dir

angenommen zu werden.

Laß es an dir geschehen,

laß es dich sehen und hören,

dich fühlen und denken.

Bewege das Sein

durch die Wandlung

deiner selbst.

 
Was ist

wird dann auch

in dir

Ganz.

 
Der Kreis beginnt sich zu schließen,

die Grundstruktur ist

einmal durchlaufen.

Kehre zum Anfang,

zum A zurück,

und beginne deine Symphonien

zu komponieren,

dein Suchen des Ganzen.

  
Nutze die Struktur der 144 Motive

in den 12 Seinsebenen.

Nehme sie immer wieder auf,

durchdringe sie

horizontal, vertikal und

in allen anderen Richtungen,

so daß sich das Geheimnis weiter entfalten, erweitern

und zum Ganzen,

zum großen Kristall,

öffnen kann.

 

¥ - Α