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Sofia
Gubaidulinas „In tempus praesens“ |
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„Mit suchender, fast flehentlicher Geste schraubt sich zu Beginn die Sologeige in die Höhe. Schließlich fällt das Orchester mit flirrend silbrig glänzenden Klängen ein. Der Gestus des Suchens bleibt während des gesamten Stücks erhalten. Sofia Gubaidulinas zweites Violinkonzert ist zweifellos ein Werk der Suche, der Suche nach Wahrheit und Schönheit. Verzweifelt schön klingt denn auch oft die Solovioline in ihren kantilenenhaften Sequenzen. Natürlich ist das Werk auch inspiriert von der Geigerin, für die es geschrieben wurde: Anne Sophie Mutter. Wobei vor allem die Namensgleichheit von Komponistin und Solistin für Gubaidulina von Bedeutung war. Sophia ist die Göttin der Weisheit, die auch in der russischen Orthodoxie verehrt wird. Sie steht für das schöpferische Prinzip des Daseins, somit für die Kunst. ‚Beim Komponieren des Stücks hat mich diese Figur immer begleitet’, sagt Gubaidulina. Der Titel des Werks ‚In tempus praesens’ soll die Hörer zudem für das Gegenwärtige sensibilisieren, schon lange ein besonderes Anliegen Gubaidulinas. Sie kritisiert die Gegenwartslosigkeit unserer Zeit, in der das Jetzt oft nur als Übergang vom Vergangenen zum Zukünftigen angesehen wird. Gerade die Musik als absolute Gegenwartskunst erhält für die Komponistin philosophische Dimensionen. Musik ist Aufmerksamkeitskunst, sie fordert die Konzentration auf den Augenblick. Und so ist auch dieses Stück in der für Gubaidulina so bezeichnenden Verbindung aus Innerlichkeit und Expressivität in jedem Moment spannend und zieht die Aufmerksamkeit des Hörers jederzeit auf sich. Anne-Sopie Mutter lässt den Solopart in warmen Farben leuchten, vermittelt aber auch immer wieder viel von der Zerbrechlichkeit und Gefährdetheit, die in dieser Musik ebenfalls mitschwingt. Vor allem ausgedrückt durch eine gewisse Bedrohlichkeit im Orchester. " (Robert Jungwirth, KlassikInfo 3.9.07)
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