MÜNCHEN - BOGENHAUSEN ST. GEORG

WEHRLE   I   DELP  I   SPERR   I  v. LEONROD

Hermann Joseph WEHRLE, 
Der 45 jährige wurde noch am Tage der Verurteilung in eine der Todeszellen des Gefängnisses in Berlin-Plötzensee gebracht. Dort wurde er in einem Gefängnisschuppen durch den Strang ermordet. Seine Asche wurde über Kanalisationsgewässer, sogenannte Rieselfelder, verstreut. Wehrle, ein Verwandter des selig gesprochenen Paters Rupert Mayer, gehört zu den mehr als 700 Frauen und Männer, die in das deutsche Martyrologium der Blutzeugen des Glaubens im 20. Jahrhundert aufgenommen worden sind. Anlässlich des 60. Todestages feiert der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, am 14.9.2004, dem Fest der Kreuzerhöhung, in der Pfarrkirche Heilig Blut um 18.30 Uhr einen Gottesdienst. Im Bogenhausener Friedhof fand am gleichen Tag eine Gedenkfeier statt. Dabei sprach der Jesuitenpater Karl Adolf Kreuser (Kado), der besonders Pfarrer Delp, aber auch Kaplan Wehrle noch als Jugendlicher kannte. Eindringlich erzählte er von seinem Charisma. Zukünftig sollen an den Jahrestagen der vier Widerstands kämpfer ähnliche Gedenkveran staltungen stattfinden. 

Karl Adolf Kreuser wurde in seiner Jugendzeit tief geprägt von der Verhaftung und Ermordung des Jesuitenpaters Alfred Delp, der in den 40er Jahren Kaplan in St. Georg war. Delp war ein Freund seiner Eltern. Kado, wie ihn seine Freunde nannten, war beteiligt an der Errichtung des Denkmals der Jünglinge im Feuerofen vor dem Friedhof. Kreuser setzte sich für die Errichtung eines Waisenhauses in Polen und sammelte Spenden für soziale Projekte.  Karl Adolf Kreuser ist 2008 im 80. Lebensjahr verstorben. Auf dem Nachttisch lag ein Heft über Alfred Delp, der ihn bis zum Tod begleitete und wohl ihm auch in den letzten Stunden Trost und Zuversicht spendete. 

Jesuitenpater Karl Adolf Kreuser am 14.9.2004 
bei der Gedenkveranstaltung
an der Gedenkstätte

 


WEHRLE, Hermann Joseph, Priester und Märtyrer,
* 26.7. 1899 in Nürnberg, + 14.9. 1944 in Berlin-Plötzensee

"Nach seiner Jugend, einem Hilfs- und Militärdienst trat Wehrle am 10.12. 1918 ins Priesterseminar in Fulda ein. Dort begann er sein Theologiestudium. ... Es folgten Studien der Philosophie und der kath. Weltanschauung in Frankfurt, ein Studienaufenthalt in der Schweiz und schließlich die Promotion in Geschichte. Er wurde tätig als Journalist und Referent, als Nachhilfelehrer und Mitarbeiter in der Stadtbibliothek zu Frankfurt, mit großem Idealismus wirkte er in der Una-Sancta-Bewegung, vorab in Verbindung mit dem berühmten Benediktiner Hugo Lang aus St. Bonifaz zu München.

Dann aber setzte ein ungemein intensives Ringen ein um seinen eigentlichen geistlichen Weg: Kloster Ettal, Präfekt im Canisiuskonvikt in Ingolstadt, Noviziat im Benediktinerkloster in Scheyern. Nach seinem Austritt begann er am 1.9.1938 als Erzieher am weltlichen Schülerheim der Städtischen Oberschule Marktbreit in Unterfranken. Hier zeichnete er sich vor allem dadurch aus, daß er versuchte, den Schülern christlichen Geschichtsunterricht zu geben und es beharrlich vermied, von den »Idealen der Gegenwart« zu sprechen. Es dauerte nicht lange, da mußte er die Schule und das Heim verlasssen und siedelte zur Wiederaufnahme des Theologiestudiums an die Ordenshochschule der Missionsbenediktiner von St. Ottilien in Oberbayern über. Als dieses Kloster im April 1941 aufgelöst wurde, bewarb sich Wehrle um Aufnahme ins Priesterseminar in Freising und zog dort am 1. Mai 1941 ein.

Nach seiner Priesterweihe am 6. April 1942 wirkte er zunächst für kurze Zeit im Priesterseminar in Freising. Dann folgten Kaplansjahre in den Pfarreien St. Elisabeth in Planegg und in Heilig Blut in München - Bogenhausen. Seine Tätigkeit umfaßte nicht nur eine sehr umfangreiche Beichtvatertätigkeit. Er äußerte sich auch immer wieder zu zeitgeschichtlichen Fragen und stand in engem Kontakt mit dem Jesuiten Alfred Delp. Trotz angeschlagener Gesundheit hörte W. eifrig die Beichte und da kam es am 13. Dezember 1943 zu jenem unter dem Siegel der Verschwiegenheit geführten Gespräch mit Ludwig Freiherr von Leonrod über das Problem des Tyrannenmordes, das ihm und dem Freiherrn bald das Leben kosten sollte. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde W. am 18. August 1944 verhaftet, um im Prozeß gegen Freiherrn von Leonrod auszusagen.

Nun wurde Wehrle selbst mit in das Geschehen vom 20. Juli 1944 hineingezogen. Aus dem vertraulichen Gespräch unter dem Beichtsiegel mit Leonrod konstruierte das Gericht, daß Wehrle Kenntnis von einem Plan zur Ermordung Hitlers erhalten und darüber keine Anzeige gemacht habe. Er wurde zum Tode verurteilt und am 14. September 1944 in Berlin-Plötzensee durch den Strang hingerichtet. Mit Recht geht Wehrle in die Geschichte des Beichtgeheimnisses ein, da Leonrod, um sein eigenes Leben zu retten, von diesem Gespräch in letzter Minute Mitteilung gemacht hatte."

Lit.: B.M. Kempner, Priester vor Hitlers Tribunalen, München 1967, 453-458; - 
U. von Hehl, Priester unter Hitlers Terror, Mainz 1984, 785; - 
Fr. J. Morschhäuser, Hermann Josef Wehrle (1899-1944); - Zeuge des Glaubens in bedrängter Zeit, St. Ottilien 1994.
Achimov, Gisela: Hermann Josef Wehrle - ein Lebensbild. Festschrift zum sechzigsten Todestag von Hermann Josef Wehrle. Fest Kreuzerhöhung 2004. Herausgegeben von der Kath. Pfarrei Heilig Blut, München-Bogenhausen.

Quelle: Ekkart Sauser in Biographischs-Bibliograhisches Kirchenlexikon