Mein ganzes Wesen verstummt und lauscht,

wenn die zarte Welle der Luft mir um die Brust spielt.

Verloren in's weite Blau,

blik' ich oft hinauf an den Äether und hinein in's heilige Meer,

und mir ist, als öffnet' ein verwandter Geist mir die Arme,

als löste der Schmerz der Einsamkeit sich auf in's Leben der Gottheit.

         Eines zu seyn mit Allem, das ist Leben der Gottheit,

das ist der Himmel des Menschen.

         Eines zu seyn mit Allem, was lebt,

in seeliger Selbstvergessenheit wiederzukehren in's All der Natur,

das ist der Gipfel der Gedanken und Freuden,

das ist die heilige Bergeshöhe, der Ort der ewigen Ruhe,

wo der Mittag seine Schwüle und der Donner seine Stimme verliert

und das kochende Meer der Wooge des Kornfelds gleicht.

         Eines zu seyn mit Allem, was lebt!

Mit diesem Worte legt die Tugend den zürnenden Harnisch,

der Geist des Menschen den Zepter weg,

und alle Gedanken schwinden vor dem Bild der ewigeinigen Welt,

wie die Regeln des ringenden Künstlers vor seiner Urania,

und das eherne Schiksaal entsagt der Herrschaft,

und aus dem Bunde der Wesen schwindet der Tod,

und Unzertrennlichkeit und ewige Jugend beseeliget,

verschönert die Welt.

Friedrich Hölderlin

HYPERION

Erster Band

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