WERK VON N. MADER 1995


DREIFALTIGKEIT

DREIEINIGKEIT


ALBERT KELLER ÜBER DIE TRINITÄT

"Wer sagt, Gott sei Person oder existiere in dreifacher Grundgestalt, er sei die Liebe oder allmächtig, oder wer von seinem Willen und Wirken redet, müsste stets hinzusetzen: 'So ähnlich ist Gott, jedoch zugleich ganz anders, nämlich unvergleichlich viel besser.' "

"Nicht einmal ein Mensch ist in Sätze einzufangen, geschweige Gott, Wir können zwar redend auf Gott zielen, in seine Richtung weisen, aber ihn weder in Worte fassen noch in Bildern darstellen. Doch ohne über Gott zu denken und zu reden, finde ich keinen Zugang zu ihm und kann ihn erst recht anderen nicht erschließen."

"Das Christentum setzt sich "mit der Rede von dem einen Gott in drei Personen nicht selten dem Vorwurf aus, dadurch werde der Glaube an einen einzigen Gott aufgegeben.  . . . Für den Dialog zwischen den Religionen ist es deshalb unerlässlich . . . zu zeigen, dass sie mit der Überzeugung von der Einzigkeit Gottes nicht nur vereinbar ist," sondern das Verständnis Gottes näher bringt als andere Ansätze. 

"Wenn ein Christ  . . . nicht weiß, an wen er da glaubt, ist von einem Atheisten noch weniger zu erwarten, dass er sich überlegt wen er da leugnet. Er bezieht das Gottesbild, das er verwirft, doch meist von Glaubenden, die daher den Unglauben der Atheisten fördern durch die Gottesvorstellung, die sie ihnen anbieten."



PERSON

"In heutiger Sprache ist die Lehre von drei Personen eine Irrlehre, denn heute bedeutet Person das einzelne Individuum mit eigenem Bewusstsein, einem eigenen Erkenntnisvermögen und einem eigenen Willen."

Hier soll von Grundgestalt (Hypostase) gesprochen werden. "Der einzige Gott steht sich dreifach in je einer Grundgestalt gegenüber.

"Wer meint es gäbe drei Willen, einen des Vaters, einen des Sohnes, einen des Heiligen Geistes hinge einer Irrlehre an. . . . Gott hat nur einen Willen. So ist der Wille des Vaters derselbe - nicht nur der gleiche - wie der Wille des Sohnes Gottes. Jesus unterwirft sich als Mensch dem Willen Gottes, und das ist sein eigener, tiefster, göttlicher Wille, in dem sein menschlicher Wille gründet."

Positionen:

Modalismus: "Die drei Grundgestalten sind "nur heilsgeschichtliche Erscheinungsformen der in sich einen unterscheidungslosen göttlichen Person, die wir unter verschiedenen Rücksichten betrachten, so dass Dreifaltigkeit nicht in Gott, sondern nur in unserem Erkennen vorläge. Auch wenn ganz derselbe Gott nur drei voneinander abweichende Rollen einnähme, läge diese falsche monarchianische Auffassung vor."

Tritheismus: Gott als Kollektivbezeichnung für drei Personen. 

"Dieser Irrglaube wird . . . genährt durch die irreführende Fassung kirchlicher Lehraussagen über die drei Personen in Gott, als ob es in ihm drei Subjekte mit je eigenem Bewusstsein, eigenem Willen und je drei Entschlüssen gäbe, die etwa sich zusammen berieten und abstimmten."

 

Collage unter Verwendung eines Renaissance-Gemäldes von Jeronimo Cosida

 

Der christliche Glaube "muss sich gleichermaßen fernhalten von der undifferenzierten Gottesvorstellung des Modalismus wie von einer tritheistischen Aufspaltung Gottes, und zudem das Ungenügen jeder Aussage über Gott beachten, da sie Gott der Welt ähnlich beschreibt, ohne die je größere Unähnlichkeit ausdrücken zu können.""

"Natürlich sind 'Vater' und 'Sohn' und 'Wort' und 'Geist' Bildwörter, die Gottes Wirklichkeit nie ganz treffen.

"Was in Gott herkömmlich 'Person' genannt wird, ist eine jeweils eigenständige Grundgestalt des einzigen Gottes; schon zu sagen, es seien drei Gegebenheitsweisen ist unstimmig. Denn jede Vorkommensweise stehen die beiden anderen als Einheit (und nicht als zwei) gegenüber."  Und jede geht "ganz im Bezug zu den anderen auf. "Der eine Gott ist in der Selbstaussage das Wort und in der Selbsthingabe der Heilige Geist, zunächst in sich selbst, dann auch in seinem Verhalten zu uns (oder unserem Verhalten zu ihm)."

"Gott ist als Dreifaltiger Schöpfer der Welt und so als ihr Erhalter allgegenwärtig. Aber er ist nicht in der Welt als deren Teil vorhanden und er greift nicht zusätzlich zu seiner Schöpfungstätigkeit in die Welt ein. Eine einzigartige Ausnahme bilden Inkarnation und die damit zusammenhängende Geistsendung. Der Logos wurde in seiner Empfängnis und Geburt Mensch. 'Er war in der Welt' (Joh1, 10), Teil dieser Welt. Ihm stand 'überweltlich' die Einheit von Vater und Geist gegenüber. Zum Beginn seines öffentlichen Auftretens kam der Geist auf ihn herab; mit Jesus verbunden war nun auch der Heilige Geist in der Welt. In seinem Tod kehrte Jesus als 'Logos' zum Vater zurück, und der Geist wurde gleichsam in die Welt freigesetzt. Er ist jetzt der uns gegebene, in der Welt über die Schöpfung hinaus wirksame Gott, der uns mit dem Vater und dem Logos verbindet. Von Gott her gesehen fallen also Karfreitag, Ostern und Pfingsten in eins, nämlich Tod, Auferstehung Jesu und Geistsendung."

"Gott sagt sich in der Dreifaltigkeit selbst aus in seinem Wort, dem Logos. Den sagt er auch in seine Schöpfung hinein in der Menschwerdung. In ihm gibt er sich auf andere Weise kund als in der Schöpfung." Durch die [Schöpfung] lässt er Rückschlüsse auf sich als Urheber zu, die "aber unvermeidlich sehr unbestimmt und missverständlich" sind. "Erst in seinem Wort gibt er uns eindeutig kund, wer er ist, soweit das in einem endlichen Wesen geschehen kann. Hier teilt er uns nicht etwas über sich mit, sondern er gibt sich selbst uns hin. Diese Überzeugung prägt das Neue Testament."

"Nur aus zeitlicher Sicht gibt es Vergangenheit. Vor Gott, in der Ewigkeit, ist alles zugleich präsent. Eine Ahnung davon bringt die Überlegung, dass die Vergangenheit nicht vergeht. Was der Mensch in seinem Leben tut, speichert er für die Ewigkeit. Keine Tat, kein Versäumnis wird je wieder ungeschehen.  . . . Wir bauen uns selbst auf zu einer ganz detailliert ausgestalteten Person, Die aber wird festgeschrieben im Tod. . . . Jetzt können wir uns hinter tausenderlei Besorgungen und Zerstreuungen verstecken. Der Tod beraubt uns der Deckung durch die Welt. . . . Und wir werden mit Christus konfrontiert. Er ist unser Richter nicht als einer, der Urteilssprüche verkündet, sondern als die Richtschnur, die aufdeckt, wie wir hätten 'in Christus' sein sollen, und als der, der durch die Kraft seiner Gnade, die er uns angeboten hat, auch zeigt, wer wir hätten sein können. Und es ist die Begegnung mit Gott, der die Liebe ist, nicht einer, der verwirft, der rächt. Er liebt uns grenzenlos. Eben darin liegt die Härte des Gerichts, zu entdecken, dass wir uns nicht gegen eine Willkürherrn und Obertyrannen verfehlt haben, sondern gegen die schrankenlose Liebe selbst. Eine Aufspaltung in ein besonderes und ein allgemeines Gericht ist undenkbar, denn in der Ewigkeit fallen Tod und Weltende zusammen - und der erste Mensch kommt sozusagen zugleich mit dem letzten in der Ewigkeit an."