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NIKOLAUS VON KUES
* 1401 in Kues an der Mosel; † 1464 in Todi, Umbrien

coincidentia absconditi et manifesti
Zusammenfall von Verborgenheit und Offenbarkeit


 


 DE DOCTA IGNORANTIA


„Es ist ja einleuchtend, daß kein Name eigentlich dem Größten angemessen sein kann, da es das schlechthin Größte ist, zu dem nichts in Gegensatz tritt. Alle Namen sind nämlich aufgrund einer gewissen Besonderheit in der verstandesmäßigen Erfassung den Dingen zugelegt, auf der die Unterscheidung der einen vom anderen beruht. Wo jedoch alles eines ist, da kann es keinen besonderen Namen geben. Hermes Trismegistos sagt darum mit Recht: ‚Da Gott die Gesamtheit der Dinge ist, so gibt es keinen ihm eigenen Namen, müsste doch Gott sonst mit jeglichem Namen benannt werden oder alles mit seinem Namen. Er umgreift ja in seiner Einfachheit die Gesamtheit aller Dinge. Gemäß seinem eigentlichen Namen - der für uns als unaussprechbar gilt und das Tetragramm ist [ ... ] - müsste man ihn deuten als ‚Einer und Alles' oder ‚Alles in Eins', was noch besser ist. So haben wir oben die größte Einheit gefunden, die dasselbe ist wie ‚Alles in Eins'. Freilich noch gemäßer und zutreffender als ‚Alles in Eins' erscheint der Name ‚die Einheit'. Deshalb sagt der Prophet, daß ‚an jenem Tage Gott Einer sein wird und sein Name das Eine', und an anderer Stelle‚ Höre Israel' (das bedeutet ‚der, welcher Gott mittels der Vernunft erschaut'), dein Gott ‚ist Einer'."andiose Weise hat die Pointe dieses Gedankens bereits Nikolaus von Kues im 15. Jahrhundert in seinem Werk De docta ignorantia zum Ausdruck gebracht:

 










DE DOCTA IGNORANTIA


Im Begriffe, die höchste Lehre vom Nichtwissen zu behandeln, halte ich es für nötig, das Wesen der Größtheit selbst zu untersuchen. Das Größte nenne ich das, mit dem verglichen nichts größer sein kann. Absolute Fülle kommt in Wahrheit nur einem Einzigen zu; daher fällt die Einheit mit der Größtheit zusammen, die auch die Seinsheit ist. Wenn diese Einheit selbst absolut frei ist von jeder Beziehung und Eingeschränktheit, so ist deutlich, daß ihr, da sie die absolute Größtheit ist, nichts entgegengesetzt werden kann. Das absolut Größte ist daher Eines, das Alles ist; und Alles ist in ihm, weil es das Größte ist. Weil ihm nichts entgegengesetzt werden kann, fällt zugleich das Kleinste mit ihm zusammen; deshalb ist es auch in Allem; und weil es absolut ist, ist es in Wirklichkeit alles mögliche Sein, ohne von den Dingen eingeschränkt zu werden, als das, von dem alles ist. 









coincidentia absconditi et manifesti
Zusammenfall von Verborgenheit
und Offenbarkeit


Im Unendlichen gibt es eine nicht-numerische Vielheit. Von "dreien" dürfen wir nicht sprechen, aber wir können "dreimal" sagen: das Eine.Zählen heißt: Zum Einen ein Anderes hinzusetzen. Aber in der unendlichen Einheit gibt es keine Andersheit. Hinter der Grenze, schlägt die Andersheit in Identität um. An der Grenze sieht das Auge des Intellekts , dass an der Grenze Verborgenheit und Offenbarkeit zusammenfallen. Aber wir verstoßen gegen das koinzidentale Denken, wenn wir das Unendliche nur als verborgenen Gott denken. Zu denken ist der Zusammenfall. Die Trinität kann als eine "Drei-Einheit" von liebend, liebenswert und dem Nexus (Verbindung, Gefüge) beider gedeutet werden, als vollkommene Liebe. Hier fällt das noch Denkbare (offene) mit dem  Verborgenen (Geheimnis) zusammen.



 

Cusanus - Stifterbild

vom Hochaltar der Kapelle des

St. Nikolaus-Hospitals in Bernkastel-Kues (ca. 1460)

 

















 

 

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