CARL FRIEDRICH VON WEIZSÄCKER   

 





Jetzt erkenne ich's stückweise;

dann aber werde ich erkennen,

gleichwie ich erkannt bin.


1.Kor.13,12 b


28. Juni 1912 - 28. April 2007

 

 

     

     

EINE SEITE VON THEODOR FREY



"Ich mache aber mal die Fiktion, die Phantasie, 
in tausend Jahren werde es noch eine Menschheit geben, 
die sogar noch etwas von der Geschichte weiß. 
An wen, wenn es ein einziger Mensch in unserem Jahrhundert ist, 
wird man sich positiv erinnern?
 So würde ich sagen: Mahatma Gandhi, der vorgeführt hat, 
dass man politische Ziele gewaltlos erreichen kann." 



 

  AUS DEN NACHRUFEN

         

 


Ein Denker universaler Zusammenhänge

Auszüge aus Tilman Spenglers Nachruf im Tagesspiegel vom 30.4.2007

"Carl Friedrich von Weizsäcker war ein Meister des klaren Denkens, der einfachen Formulierung und des Konditionalsatzes im Konjunktiv II. Die Theorie der Zeit war ihm auch eine praktische Verpflichtung. Seine Biografie verknüpft mehr (sympathische und weniger sympathische) Heroen des deutschen und des internationalen Geisteslebens im vergangenen Jahrhundert als die irgendeines anderen Denkers. Es war eine der seltenen Biografien, in der die vorgebliche Trennung zwischen den zwei Kulturen, der natur- und der geisteswissenschaftlichen und auch der künstlerischen, schlicht aufgehoben war. Das Denken richtete sich auf universale Zusammenhänge"  . . . 

"Nicht jedem war es vergönnt, als 17-Jähriger von Stefan George nach seinem Berufswunsch gefragt zu werden. Carl Friedrich von Weizsäcker antwortete schlicht: „Philosoph.“ Und erzählte diese Begebenheit wenige Wochen später seinem Freund und Mentor Werner Heisenberg, der ihn daraufhin ermahnte, zunächst ein „anständiges Fach“ zu lernen. ". . .

"Heisenberg ...  brachte ihn 1935 einmal mit Martin Heidegger zusammen, von Weizsäckers Onkel Viktor, einer der großen Vordenker der psychosomatischen Medizin, war mit von der Partie, und das Gespräch ging über den Faktor der Subjektivität in der Physik und in der Medizin. Heidegger gab damals den späteren Carl Friedrich von Weizsäcker und fasste die Thesen von Heisenberg und Onkel Viktor in eine für ihn verständliche Sprache und meldete Bedenken an, worauf der immer noch sehr junge, nämlich 24-jährige Carl Friedrich dem Existenzialphilosophen die bohrende Frage 
stellte . . .:
„,Was aber, Herr Heidegger, wenn die Mathematik auch unabhängig vom Menschen wahr ist?‘ Darauf blickte Heidegger kurz zu mir hoch und antwortete: ,Darüber müsste ich nachdenken.‘“ ...

"Der Diskurs war eine protestantisch und selbstredend an Kant geschulte Rede, sie verhandelte nach wie vor die ersten und die letzten Dinge, das Entstehen des Kosmos und sein Ende, doch sie warf ein überaus wichtiges Augenmerk auf jenen Bereich, den Kant der praktischen Philosophie zuordnete."

"Carl Friedrich von Weizsäcker gab ... die wichtigen seiner intellektuellen Antworten in einem Institut, das ihm die Max-Planck-Gesellschaft 1970 in Starnberg einrichtete. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass hier, 30 Jahre bevor das Wort „Globalisierung“ seine Runde machte, die theoretische, wenn man das denn in den Wirtschaftswissenschaften so sagen kann, Grundlage gefunden wurde. In Starnberg nannte man es damals höflich „die internationale Arbeitsteilung“." . . .

"Im Gedächtnis bleibt der stets so kluge, nie furchterregende ältere Herr, der einen stets in den Konditionalsatz trieb und der zudem eine angenehm befremdliche Liebe zu Kalauern hatte."







Ein aufgeklärter Mystiker

 in der Süddeutschen Zeitung vom 30.4./1.5. schreibt Klaus Podak:

"Dem Astronomen, Physiker, Philosophen, Friedensforscher, dem durch und durch religiös gestimmten Menschen Carl Friedrich von Weizsäcker ging es um: das All, die Sterne, die Natur, die Entwicklungsgeschichte von allem, um Sein und Zeit. Um den Menschen ging es ihm, der ein Teil dieses Ganzen ist, der alles, anschauend, denkend, zu verstehen versucht.

Carl Friedrich von Weizsäcker wollte etwas, das den meisten Wissenschaftlern und Philosophen unserer Zeit als etwas ganz und gar Unmögliches gilt. Er arbeitete unermüdlich an einer vollständigen Erklärung der Welt durch eine einzige Theorie.

Er suchte, ganz so wie Albert Einstein und sein Mentor Werner Heisenberg, die Weltformel, die alles bedeutete. Sie wäre die Erlösung der Menschheit, im Denken wenigstens, die endlich gefundene Gewissheit: Eines ist Alles, Alles ist Eins. . . .

'Philosophie", sagte er 1992 bei den Bamberger Hegelwochen, "Philosophie ist doch vermutlich zunächst einmal die Frage, ob man verstanden hat, was man tut, ob man verstanden hat, was man redet.'

Eine andere, von ihm oft vorgetragene Charakterisierung der Philosophie hieß 'Weiterfragen'. Das weist auf Philosophie als ein Geschehen, als ein Element der Unruhe, das nie stillzustellen ist. An jeden vermeintlichen Abschluss eines Erkenntnisvorgangs kann man die ewigen Kinderfragen stellen: "Aber warum denn? Warum so? Warum nicht anders?"

Man sieht sofort, dass es bei einem solchen Verfahren niemals zu einem endgültigen Abschluss des Philosophierens und der Theoriebildung kommen kann. Das ist ein in Weizsäckers Denken eingebauter Widerspruch: der Wille zur allumfassenden Theorie gegen den Stachel des Weiterfragens.

Doch dieser Widerspruch bezeichnet zugleich eine Chance. Er stört und zerstört die Beruhigung bei einer Lösung, die keine ist - wie sich im Weiterfragen erweist. Das Ziel steht immer vor Augen. Aber indem man sich ihm nähert, entfernt es sich, angetrieben von diesem unabschließbaren Fragen. Das Ziel ist der Horizont, der sich auch immer wieder entzieht, wenn man sich ihm nähern will. Doch bei dieser Verfolgung des Horizonts durchmisst man die Welt.

Der gestirnte Himmel und die Bergpredigt aus dem Neuen Testament waren die Triebkräfte seiner Jugend. Dann begegnete er dem Menschen, der seinem erwachsenen Leben die Bahn bestimmte. . . .[Heisenberg]

Heisenbergs berühmte Unbestimmtheitsrelation. Sie besagt, grob vereinfacht, dass man nicht Ort und Impuls (die Geschwindigkeit) eines atomaren Teilchens gleichzeitig erfassen kann: entweder nur den Ort oder nur die Geschwindigkeit.

Was man aber misst, hängt ganz und gar von der Entscheidung des beobachtenden Experimentators ab. Der Beobachter (das Subjekt) entscheidet durch die Wahl seines Verhaltens, was als objektiv erscheint.

Zusammengefasst: Subjekt und Objekt sind in der Welt der atomaren Teilchen untrennbar ineinander verflochten. Dieser aufregende, irritierende Befund musste einen philosophisch bewegten Kopf unentrinnbar faszinieren. Welt und Theorie über die Welt bedingten sich wechselseitig.
Alles, was Carl Friedrich von Weizsäcker philosophisch-physikalisch bis hin zu seinen letzten Schriften als Geheimnis der Wirklichkeit umkreiste, hat seinen Grund in dieser rätselhaften Wechselwirkung. Sie machte die kühnsten Spekulationen möglich.

In einer der Studien, die er in seinem Buch "Die Einheit der Natur" systematisch geordnet hat, ist zu lesen: 'Was wir Atome nennen, sind selbst formal kaum mehr etwas anderes als gewisse sich durchhaltende Gesetzmäßigkeiten in der Entscheidung einfacher experimenteller Alternativen. Das ist nun eine These über die begriffliche Struktur der heutigen Elementarteilchenphysik. Wenn sie wahr ist, dann steht, von dieser Physik aus gesehen, aber nichts der Behauptung im Wege - die allerdings auch nicht aus ihr folgt - dass, wenn ich einmal klassische Begrifflichkeit benutzen darf, die Substanz, das Eigentliche des Wirklichen, das uns begegnet, Geist ist.'

Das Eigentliche des Wirklichen, sozusagen die Wirklichkeit der Wirklichkeit, ist Geist - eine ungeheuerliche Spekulation, ein spekulativer Traum, mit außerordentlicher Behutsamkeit mutig vorgetragen. Die Welt eines kruden Materialismus wäre, wenn sich das bewahrheiten ließe, mit einem Schlag erledigt.

Spätere Überlegungen nähern sich diesem revolutionären Traum immer wieder, vorsichtig, ein wenig indirekt. Da heißt es dann, Materie sei wahrscheinlich nichts anderes als Information. Das ist, dem gängigen Denken ein wenig akzeptabler zubereitet, dieselbe Sache.

Da kommt dann alles zusammen, die Kindererfahrung der gewaltigen, unnennbaren Schönheit des gestirnten Himmels, die Suche nach Gott, der selbst Geist ist, in alles eingesponnen das menschliche Ich, das sich versteht und auflöst als Teil des großen Ganzen, kaum noch sagbar. Darin gründete sich auch sein tief empfundener Pazifismus und seine gesunde Skepsis gegen die Politik."

 



Zum Tod des Physikers und Philosophen schreibt Michael Hampe in der Neuen Züricher Zeitung

"Die Einheit der Physik und die Einheit der Natur sollten für ihn argumentativ ausweisbar und nicht lediglich Slogans sein. Das zwang ihn als Physiker zur Philosophie. Er wurde sich jedoch als Mitarbeiter des Atombombenprogramms im Nazireich auch deutlich der Gefahren bewusst, die dem Erkenntnisfortschritt mit dem technischen Fortschritt auf dem Fusse folgen. Das brachte ihn zur Friedenspolitik.

. . .

Weizsäcker war mit 24 Jahren als junger Wissenschafter am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik in Berlin-Dahlem alt genug, um ab 1936 von den Versuchungen und Gefahren des Regimes berührt zu werden. Als der Chemiker Otto Hahn 1938 von der gelungenen Uranspaltung berichtete, war Weizsäcker und seinem Freund, dem Philosophen Georg Picht, klar, was die Konsequenzen dieser Entdeckung waren: «1. Wenn Atomwaffen möglich sind, wird es jemanden auf der Erde geben, der sie baut. 2. Wenn Atomwaffen gebaut sind, wird es jemanden auf der Erde geben, der sie kriegerisch einsetzt. 3. Also wird die Menschheit die moderne Technik nur überleben können, wenn es gelingt, die Institution des Krieges zu überwinden.» Diese Einsichten haben Weizsäcker nicht daran gehindert, ein Jahr später selbst im Atomprogramm der Nationalsozialisten mitzuarbeiten.

Weizsäckers Institut war damals am Wettlauf um die Bombe beteiligt. Die Lage der deutschen Kernforscher im Nazireich war brisant. . . . Er selbst sagte über diese Zeit in einem Interview: «. . . eine grosse Schwierigkeit, wenn man nachträglich unser Verhalten unter den Nazis interpretieren will, lag darin, dass wir wussten, wenn wir die Wahrheit sagen, sind wir am nächsten Tag eingesperrt und am übernächsten Tag tot. Wir mussten also versuchen, uns geeignet zu äussern. Und wir sagten: Wenn wir an einer Waffe arbeiten, dann werden wir nicht eingezogen, und dann werden wir nicht ins Gefängnis gebracht. Nachdem wir zwischen 1939 und 1941 an der Atomwaffe gearbeitet hatten, habe ich mir hinterher gesagt: Ein solches Risiko will ich nicht noch einmal in meinem Leben eingehen.»

Als Heisenberg und Weizsäcker 1941 klar wurde, dass die Amerikaner das Wettrennen um die Kernwaffe gewinnen werden, scheinen die beiden bei Bohr im besetzten Dänemark versucht zu haben, mit dem Bluff, die Deutschen hätten bald die Bombe, die Amerikaner abzuschrecken. Vielleicht allein aus humanitären und patriotischen Motiven und nicht infolge einer Regimetreue wollten Heisenberg und Weizsäcker verhindern, dass die Amerikaner mit einem Atombombenabwurf über Deutschland den Krieg für sich entscheiden. Die Drohung mit einer deutschen Bombe, die im Vergeltungsschlag eingesetzt werden könnte, hätte dann das «Gleichgewicht des Schreckens» antizipiert, mit dem sich später die USA und die Sowjetunion gegenseitig in Schach hielten. Von Bohr erhofften sich die beiden deutschen Physiker eine Weitergabe ihrer vagen, aber euphorischen Erfolgsmeldungen über das deutsche Atomprogramm. Diese Meldungen sollten den USA die Gefahr einer atomaren Vergeltung deutlich machen. Weizsäcker erfuhr dann vom ersten Abwurf der Atombomben über Japan im englischen Internierungslager Farm Hall, in das zehn Mitglieder des deutschen Uranvereins gebracht worden waren.

Das bis heute brisante Problem der Kernwaffen hat Weizsäcker zu einem lebenslangen friedenspolitischen Engagement motiviert, dessen bekanntestes Resultat die von ihm vor fünfzig Jahren initiierte «Göttinger Erklärung» von achtzehn Kernphysikern war, sich niemals «an Herstellung, Erprobung oder Einsatz von Atomwaffen zu beteiligen». . . .

Das Problem, ob die Institution des Krieges überwunden werden kann, war für Weizsäcker letztlich allerdings «eine Frage an die Religion», die sich ihm als Christ so stellte: Kann die Lehre der Bergpredigt weltweit soziale Realität werden? Weizsäcker hat keine Gelegenheit ausgelassen, die evangelische Kirche auf ihre Mitverantwortung für die Kriegsverhinderung hinzuweisen.

Dass die Folgelasten der modernen Wissenschaft enorm sind, es jedoch unmöglich ist, der Forschung aus Furcht vor gefährlichen Konsequenzen präventiv Erkenntnisgrenzen zu setzen, war Weizsäcker wie wenigen anderen bewusst. Die Frage, wie mit dem Problem umzugehen sei, dass Erkenntnisfortschritt nicht notwendigerweise von moralischer Reife und politischer Klugheit begleitet wird, bewog Weizsäcker zur Gründung des Max-Planck-Instituts zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt in Starnberg, das er zusammen mit Jürgen Habermas von 1970 bis 1980 leitete. Weizsäcker ging nach Starnberg, nachdem er seit 1957 in Hamburg als Philosophieprofessor gelehrt hatte. Das Starnberger Institut war keine Rückzugsfestung, in der man sich vor der damaligen Studentenrevolte verschanzte. Vielmehr wurden in ihm sozial- und technikphilosophische, umwelt- und sicherheitspolitische Probleme in einer Weise aufeinander bezogen, dass seine Arbeit quasi als Einlösung der Forderung nach Übernahme öffentlicher Verantwortung der Wissenschaft gelten konnte.

Der Kernphysiker Weizsäcker konnte die von ihm im Zweiten Weltkrieg begonnenen Arbeiten nach der Internierung in England praktisch bruchlos als Abteilungsleiter am Max-Planck- Institut für Physik in Göttingen seit 1946 fortsetzen. Seine Forschungsergebnisse waren bedeutend. . . .

In seiner Interpretation von Bohrs Quantentheorie sah Weizsäcker Bohr in den Spuren Kants wandeln, obwohl jener die Schriften des Königsberger Philosophen wohl nie gelesen hatte. Tatsächlich strebte Weizsäcker in einer Reihe von gedankenreichen Skizzen selbst eine an Schelling und Goethe erinnernde Naturphilosophie an, die das Verhältnis von gewusster Natur und wissender menschlicher Subjektivität als das einer gegenseitigen Bedingung begreift, die in einem «Kreisgang» zu explizieren sei: Wir können die Natur nur erkennen, weil sie uns hervorgebracht hat. Aber was wir in ihr erkennen, sind auch Strukturen unser selbst, vor allem die Asymmetrie der Zeit, die schon vielen Philosophen als Kern unserer Subjektivität erschienen ist."

         

 

 

  PHILOSOPH

        

 

"Im naturwissenschaftlichen Denken ist es ein naturwissenschaftlicher Fehler, das Höhere (etwa das Differenziertere oder das Umfassendere) so zu behandeln, als sei es von der Struktur des Niederen. Im philosophischen Denken ist es ein philosophischer Fehler, Dualismen absolut zu setzen; nur das Eine ist absolut. Der methodische Ansatz, beide Kurzschlüssigkeiten zu überwinden, ist in der Philosophie der Einheit der Natur die Kreisbewegung, die die beiden Teilansätze als 'Halbkreise' zusammensetzt.

Geschichtsphilosophisch haben wir es mit der Doppel- 'Entdeckung' der europäischen Neuzeit, dem Objekt und dem Subjekt, zu tun. Das neuzeitliche Subjekt ist herausgelöst aus den Ordnungen, die wir in der Neuzeit objektive Ordnungen nennen. Das neuzeitliche Objekt ist herausgelöst aus dem Sinn, den wir in der Neuzeit als eine subjektive Sinngebung ansehen. Diese Herauslösung des Einzelnen aus seinem Zusammenhängen bedeutet wachsende Freiheit, wachsende Komplexität, geschichtliche Veränderung. 

Für den, der die Einheit dieser Vielheit noch zu denken vermöchte, würde sie eine neue Art von Einheit bedeuten."

Carl Friedrich von Weizsäcker in Zeit und Wissen S. 1109

Eine der historischen Blindheiten der christlichen Theologie war ihre Verwerfung der außerchristlichen Religionen. Die Intoleranz des Elia gegen die Baalspriester war der Kampf für die Erkenntnis des Unterschieds von Gut und Bös, eines geschichtlich nötigen Schritts über jene Vegetationsgottheiten hinaus. Die Anwendung der Intoleranz auf Islam, Buddhismus, Hinduismus ist eine Simplifizierung eines sehr viel subtileren, noch völlig unerkannten Verhältnisses. Die religiös suchenden westlichen Intellektuellen sind hier in aller Ratlosigkeit weiter vorgedrungen, als es die Kirche noch vor kurzem war. Ihnen sind Chassidismus, Zen, Yoga lebendige Begriffe geworden, auch wenn sie daraus keine gültige Lebensform gewonnen haben. In dieser Durchdringung bisher getrennter Wirklichkeiten steht ein Bewußtseinswandel vor der Tür, der freilich nicht nach Jahrzehnten zu bemessen ist.

Carl  Friedrich von Weizsäcker in "Die Einheit der Natur"

 

"Für die drei bedeutendsten Zeitgenossen in der Physik, die ich gekannt habe, schien mir klar, dass Einstein hinter Spinoza hergeht, Bohr hinter Kant und Heisenberg hinter Platon. Alle diese drei Philosophen stehen auch meinem Herzen nah. Vielleicht fühle ich mich selbst am heimatlichsten bei Platon. ... Einstein wie Spinoza wollten wissen, was ist, Bohr wie Kant wollten wissen, was wir wissen können. Da ich nun dezidiert Schüler von Bohr und Heisenberg war, stand mir Kant näher als Spinoza".

Carl  Friedrich von Weizsäcker in "LIEBER FREUND! - LIEBER GEGNER! - Briefe aus fünf Jahrzehnten"

 

wird fortgesetzt . . .

 

    

   

 

MYSTIKER

Müsset im Naturbetrachten
Immer eines wie alles achten;
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen:
Denn was innen das ist außen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis.

 

GOETHE

 

 

 

Weizsäcker fragt in "Zeit und Wissen" (S. 980):

"Läßt sich mit der Kenntnis der heutigen Physik eine echte Versöhnung finden, die nicht nur Goethe und der Physik verschiedene Wirklichkeitsbereiche zuweist? Wir müssen uns dafür an die Quantentheorie wenden."