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DIE
LESUNGEN AUS DEN VERBRANNTEN BÜCHERN AM 10. MAI 2008

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Es
gibt wohl keine Quellen, welche Bücher in München genau
verbrannt wurden.
![[Video: Bücherverbrennung]](ani.gif)
Durch
Doppelklick auf das Bild zum Video der
Bücherverbbrennung auf dem
Opernplatz in Berlin
Am 10. Mai 2008
lasen Prominente und Freunde von Gerhard
Schmitt-Thiel am Odeonsplatz aus den Büchern die auf
die schwarzen Listen der Nazis kamen.
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Gustava
Everding,
die sich sehr für die Hospiz-Bewegung
engagiert, und von 1963 an mit August
Everding verheiratet war. |
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Sie
las von Erich Mühsam "Der Revoluzzer"
Erich Mühsam:
Der Revoluzzer
Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet
War einmal ein
Revoluzzer,
Im Zivilstand Lampenputzer;
Ging im Revoluzzerschritt
Mit den Revoluzzern mit.
Und er schrie: 'Ich revolüzze!'
Und die Revoluzzermütze
Schob er auf das linke Ohr,
Kam sich höchst gefährlich vor.
Doch die Revoluzzer schritten
Mitten in der Straßen Mitten,
Wo er sonst unverdrutzt
Alle Gaslaternen putzt.
Sie vom Boden zu entfernen,
Rupft man die Gaslaternen
Aus dem Straßenpflaster aus,
Zwecks des Barrikadenbaus.
Aber unser Revoluzzer Schrie:
'Ich bin der Lampenputzer
Diesen guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!
Wenn wir ihn' das Licht ausdrehen,
Kann kein Bürger nichts mehr sehen,
Laßt die Lampen stehen, ich bitt!
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!'
Doch die Revoluzzer lachten,
Und die Gaslaternen krachten,
Und der Lampenputzer schlich
Fort und weinte bitterlich.
Dann ist er zu Haus geblieben
Und hat dort ein Buch geschrieben:
Nämlich wie man revoluzzt
Und dabei noch Lampen putzt.
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Gaby
Dohm |
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Sie
las von Erich Kästner "Phantasie
von Übermorgen"
Und als der nächste
Krieg begann, da sagten die Frauen: Nein !
und schlossen Bruder, Sohn und Mann fest in der Wohnung
ein . . .
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Ricci
Holdt
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von
Kurt
Tucholsky mit zwei Gedichten
und
dem Text "Der
Mantel".
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Sunniy
Melles |
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erinnerte
an ihre Beziehung zu George
Tabori und las sehr eindrucksvoll einen Text von ihm über
das Erinnern
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Antonia
Peters |
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las
das Gedicht von Franz
Werfel " Ich habe eine gute Tat getan . . ."
Ich habe eine
gute Tat getan
Herz frohlocke!
Eine gute Tat habe ich getan.
Nun bin ich nicht mehr einsam.
Ein Mensch lebt,
Es lebt ein Mensch,
Dem die Augen sich feuchten,
Denkt er an mich.
Herz, frohlocke:
Es lebt ein Mensch!
Nicht mehr, nein, nicht mehr bin ich einsam,
Denn ich habe eine gute Tat getan,
Frohlocke, Herz!
. . .
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Kardinal
Friedrich Wetter |
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las
aus dem Roman "Das
siebte Kreuz" von Anna Seghers die Episode der
Fluchtnacht von Georg Heisler im Mainzer Dom. Anna Seghers wurde
1900 in Mainz geboren.
Leider
gab es wohl keine Reaktion der Kirchen auf die
Bücherverbrennungsaktionen.
I
Hier ein
Detail aus dem Mainzer Dom, den wir bei unseren Südwesterkundungen
kürzlich besuchten
Wohl die
heilige Katharina von Alexandrien. Sie zählt zu den 14
Nothelfern.
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Hans-Georg
Küppers
seit 2007 Kulturreferent der Stadt München |
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konnte
mit einem Auszug aus Lion
Feuchtwangers Roman "Der Erfolg" über die
bayerische Lebensart das Publikum oft zum Schmunzeln
bringen.
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Monika
Strauch und Peter Machac |
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erinnerten
an mit drei Gedichten an JURA
SOYFERS. Hier ein paar Ausschnitte:
Im KZ
Dachau schrieb Soyfer zusammen mit dem Komponisten
Herbert Zipper das Dachau Lied mit dem Refrain:
- . . .
Doch wir haben die Losung von Dachau gelernt,
- Und wir
wurden stahlhart dabei.
- Bleib ein
Mensch, Kamerad,
- Sei ein Mann,
Kamerad,
- Mach ganze
Arbeit, pack an, Kamerad:
- Denn Arbeit,
denn Arbeit macht frei,
- Denn Arbeit,
denn Arbeit macht frei!
Lied
von der Käuflichkeit des Menschen (1937)
Ins Himmelblau
die Rohstoffpreise steigen
Als holde Boten junger Konjunktur.
Der Markt belebt sich schon, und schamhaft zeigen
Sich zarte Triebe börslicher Natur.
Und bleibt die billigste in jedem Land:
Das ist die Ausschussware „Mensch“ genannt.
Der Mensch kommt
heutzutag im Durchschnittspreise
Auf zehn Pfund Sterling nur pro Exemplar,
Die Liefrungskosten spart er klugerweise,
Er liefert selbst sich aus mit Haut und Haar.
Ja, er verkauft sich fertig appretiert,
Mit seiner Menschenwürde ausstaffiert,
Und bist du, Käufer mit den Mitteln knapp,
So kauf sie auf Kredit und stottre ab.
. . . |
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Gerd
Bergmann |
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las
drei Gedichte von Erich Kästner
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und schließlich
mit so besonders
schönen Wendungen
. . . der Mai,
der Mozart des Kalenders
. . . die Apfelbäume hinterm Zaun erröten
. . . Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
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Thorsten
Otto |
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mit
wundervollen Gedichten von Joachim
Ringelnatz (eigentlich Hans Bötticher). Hier die Anfänge.
Ein
Nagel saß in einem Stück Holz
Ein Nagel saß in einem Stück Holz.
Der war auf seine Gattin sehr stolz.
Die trug eine goldene Haube
Und war eine Messingschraube . . . .
Die
Briefmarke
Ein
männlicher Briefmark erlebte
was Schönes, bevor a klebte.
Er war von einer Prinzessin beleckt
Da war die Liebe in ihm erweckt . . . .
Ehrgeiz |
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Bruno
Jonas |
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Regionalbischöfin
Breit - Keßler |
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mit Gedichten von Else
Lasker-Schüler
Nur
Dich
Versöhnung
Weltende
Es
ist ein Weinen in der Welt
Als ob der liebe Gott gestorben wär,
Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
Lastet grabesschwer.
Komm, wir wollen uns näher verbergen...
Das Leben liegt in aller Herzen
Wie in Särgen.
Du! Wir wollen uns tief küssen-
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
An der wir sterben müssen.
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Gerhard
Schmitt-Thiel |
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stellte der Loreley von Heinrich Heine (
Ich
weiß nicht, was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.
. . .
das
Kästner Gedicht
Der
Handstand auf der Loreley
Nach einer wahren Begebenheit 1932
Die
Loreley, bekannt als Fee und Felsen,
ist jener Fleck am Rhein, nicht weit von Bingen,
wo früher Schiffer mit verdrehten Hälsen,
von blonden Haaren schwärmend, untergingen.
Wir
wandeln uns. Die Schiffer inbegriffen.
Der Rhein ist reguliert und eingedämmt.
Die Zeit vergeht. Man stirbt nicht mehr beim Schiffen,
bloß weil ein blondes Weib sich dauernd kämmt.
Nichtsdestotrotz
geschieht auch heutzutage
noch manches, was der Steinzeit ähnlich sieht.
So alt ist keine deutsche Heldensage,
daß sie nicht doch noch Helden nach sich zieht.
Erst
neulich machte auf der Loreley
hoch überm Rhein ein Turner einen Handstand!
Von allen Dampfern tönte Angstgeschrei,
als er kopfüber oben auf der Wand stand.
Er stand,
als ob er auf dem Barren stünde.
Mit hohlem Kreuz. Und lustbetonten Zügen.
Man frage nicht: Was hatte er für Gründe?
Er war ein Held. Das dürfte wohl genügen.
Er stand,
verkehrt, im Abendsonnenscheine.
Da trübte Wehmut seinen Turnerblick.
Er dachte an die Loreley von Heine.
Und stürzte ab. Und brach sich das Genick.
Er starb
als Held. Man muß ihn nicht beweinen.
Sein Handstand war vom Schicksal überstrahlt.
Ein Augenblick mit zwei gehobnen Beinen
ist nicht zu teuer mit dem Tod bezahlt!
P.S. Eins
wäre allerdings noch nachzutragen:
Der Turner hinterließ uns Frau und Kind.
Hinwiederum, man soll sie nicht beklagen.
Weil im Bezirk der Helden und der Sagen
die Überlebenden nicht wichtig sind.
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Dies
soll genügen! Es war ein gute Erinnerungsveranstaltung an einem
traumhaften Maitag - Anlass zur Hoffnung? Erinnern
möchte ich noch an die Grabstätten von Oskar Maria Graf,
Anette Kolb und natürlich Erich Kästner auf dem Bogenhausener
Friedhof und an den Schriftsteller, dessen Name ich auch
tragen darf: Alexander
Moritz August Theodor Frey (*1881 in München; † 1957
in Zürich). Er schrieb und veröffentlichte vorwiegend als A.
M. Frey. |
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