SEEG                                                        IM ALLGÄU

VON THEODOR
ALBERTUS MAGNUS
FREY

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Martin Johann
Boos

Geboren am  25.12. 1762 als Bauernsohn in dem schwäbischen Huttenried (heute Weiler von Ingenried im Allgäu)

Gestorben am 29.8. 1825 in Sayn bei Neuwied
an einer Lungenentzündung

Führender Kopf der Allgäuer Erweckungsbewegung

Dillinger Sailerschüler


1794/1795 Kaplan bei Michael Feneberg in Seeg

Bild:Martin Boos.jpg

 
THEODOR FREY

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GESCHICHTE DER GEMEINDE BENDORF
           GESCHICHTE DER EVANG. GEMEINDE GALLNEUKIRCHEN
               MARTIN BOOS SCHULE
              
PREDIGT ÜBER MARTIN BOOS

 

 

BIOGRAPHIE


Aus dem Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL) von Friedrich Wilhelm Bautz

Während seines Studiums in Dillingen gab sich Boos viel Mühe, fromm zu leben. Er lag jahrelang - auch im Winter - auf dem Boden statt im Bett, geißelte sich bis aufs Blut, fastete und gab sein Brot den Armen, beichtete und kommunizierte fast alle acht Tage, weinte und betete um Frieden und Heilsgewißheit.

Als Kaplan zu Unterthingen im Kemptener Land besuchte Boos eine kranke Bäuerin, der er zum Trost sagte,
sie werde selig sterben, weil sie fromm gelebt habe, und war überrascht, als sie ihm entgegnete, sie wäre gewiß, daß sie verdammt würde, wenn sie im Vertrauen auf ihre Frömmigkeit stürbe. Durch ihr Bekenntnis, sie würde mit all ihren guten Werken ewig verloren sein, wenn nicht Christus für sie gestorben wäre, wurde Boos auf den evangelischen Heilsweg gewiesen und drang zu der Erkenntnis durch, »daß der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben« (Röm 3, 28).
Boos wurde Stiftskaplan in Kempten und bald darauf Kanonikus in Grönenbach, aber unter nichtigem Vorwand - in Wirklichkeit wegen seiner Predigt von der Rechtfertigung durch den Glauben - seines Amtes entsetzt.

Er wanderte ziellos durch das Land, bis er in Seeg (Allgäu) bei dem ihm gleichgesinnten Pfarrer Johann Michael Feneberg Zuflucht fand. Durch den Fürstabt von Kempten kam B. als Kaplan nach Wiggensbach, wo er durch seine Predigt eine Erweckungsbewegung hervorrief. Von seinen Gegnern wurde er Neujahr 1797 vertrieben, traf aber, weil ihm Feneberg auf die Kunde von dem Vorfall in Wiggensbach einen zuverlässigen Mann entgegenschickte, wohlbehalten in Seeg ein. Dort hatte er vor seinen Verfolgern Ruhe, bis sie seinen Aufenthaltsort entdeckten und plötzlich das Pfarrhaus in Abwesenheit Fenebergs überfielen. Da Boos schwerkrank war, mußte er sein Ehrenwort geben, vor dem geistlichen Gericht in Augsburg zu erscheinen, sobald er genesen sei.

Am 10.2. 1797 stellte er sich seinen Richtern und kam in das Priestergefängnis in Göggingen bei Augsburg.
Am 11.9. 1797 wurde er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, aber auf seine Bitte um ein milderes Urteil zu Stadtarrest begnadigt. Auch als Kaplan in Langeneifnach bei Augsburg setzte Boos trotz strengen Verbots seinen seelsorgerlichen Briefwechsel mit Kaplänen, Pfarrern und vielen anderen fort, bis seine Gegner einem Boten einen Trostbrief entrissen und das Schriftstück dem Bischof vorlegten, der ihn zur Verantwortung lud.

Boos begab sich nach Augsburg, suchte aber zunächst einen Freund auf, den er fragte, ob er vor dem Gericht erscheinen oder fliehen solle. Der Freund erinnerte ihn an Jesu Weisung, seine Jünger sollten, wenn sie in einer Stadt verfolgt würden, in einer andere fliehen (Mt 10, 23). Darum verließ Boos Augsburg und floh nach München, wo ihn ein gleichgesinnter Prediger drei Wochen bei sich verborgen hielt. Dann floh er weiter von Stadt zu Stadt, von einem Pfarrhaus ins andere und verbreitete so im Land das Evangelium, auch durch seine Briefe unter dem Decknamen Zobo. Schließlich stellte er sich seinen Richtern und verbrachte den Winter 1798/99 wieder als Stadtarrestant in Augsburg. Seine Freiheit verdankte er dem Generalvikar, der ihm riet, die Heimat zu verlassen.

Im Mai 1799 fand Boos bei dem Bischof von Linz (Donau) freundliche Aufnahme und konnte als Hilfsprediger in Leonding, bald darauf in Waldneukirch und dann in Peuerbach unangefochten wirken. 1806 wurde er Pfarrer in Gallneukirchen und durfte dort 1810 eine große Erweckung erleben. Nach so manchen vergeblichen Beschuldigungen erreichten seine Gegner schließlich doch, daß Boos am 24.7. 1815 seines Amtes entsetzt wurde und in das Linzer Klostergefängnis der Karmeliter kam. Durch nächtliche Gespräche mit Boos wurden zwei junge Mönche zum lebendigen Glauben erweckt. Sie ließen, als der Bischof verschärfte Haft anordnete, ein Paket, das ein gebratenes Huhn und - darin versteckt - Tinte, Feder und Papier enthielt, an einer starken Schnur vor das Fenster des Gefangenen hinunter. Boos benutzte nun diese »Luftpost« zur Beförderung seines Briefwechsels mit seiner Gemeinde und seinem Freundeskreis. Das war aber auf die Dauer der Zeit zu gefährlich. Da entdeckte Boos eines Tages, daß Mäuse einen Gang von außen in seine Zelle gegraben hatten. Er schob, wenn die beiden Freunde draußen durch Husten ankündigten, daß keine Gefahr vorhanden war, seine Briefe durch das Mauseloch und erhielt auf demselben Weg die Nachrichten von draußen. Trotz monatelanger Haft wurde Boos nicht mürbe: »Obschon meine Kleider und Schuhe mir in dem feuchten Gefängnis am Leibe verschimmeln und verfaulen, so erhielt mich der Herr doch fast immer gesund. Und wenn ich sterbe und nimmer reden kann, aber noch röchle, so soll noch mein letztes Röcheln sagen: Ich sterbe in dem Glauben, weswegen ich Gefangener bin. Wenn ich tot bin, so sag der Welt, ich lasse sie grüßen und habe ihr weiter kein Kräutlein geben wollen als dieses: daß der Gerechte aus dem Glauben lebe. Das hat mir und andern geholfen. Wenn ihr aber diese Brücke nicht gefalle, so könne sie mit eigenen Füßen durchs Weltmeer waten und zusehen, ob sie nicht ertrinke.« Bis zum 9.5. 1816 mußte Boos im Gefängnis auf die Entscheidung des Kaisers warten. Er untersagte ihm die Ausübung seines Amtes in der Diözese Linz, erlaubte aber die Auswanderung aus Österreich. B. reiste nach Bayern und hielt sich in der Nähe von München bei einem begüterten Freund längere Zeit auf, kam aber auch dort nicht zur Ruhe, weil die Konsistorien Augsburg, Linz und Freising ihn beschuldigten, er sei das Haupt des verderblichen Mystizismus. Im Oktober 1817 wurde B. von der preußischen Regierung als Professor und Religionslehrer an das Gymnasium nach Düsseldorf berufen und im Juni 1819 von der Regierung in Koblenz zum Pfarrer in Sayn ernannt. Er genoß das Wohlwollen seines Bischofs, so daß seine Verfolger aus Bayern und Österreich nichts auszurichten vermochten.

 

Werke:
Selbstbiogr., hrsg. v. Johannes Evangelista Goßner, 1826 (M. B., der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt); v. Otto Bornhak, 1926 (M. B., ein furchtloser Bekenner).


Schon im Alter von vier Jahren verliert er durch eine Seuche beide Elternteile. • Er wächst bei seinem Onkel, dem Geistlichen Rat Kögel, in Augsburg auf. • Besuch des strengen Jesuitengymnasium St. Salvator • Studien der Theologie und der Physik in Dillingen. • Professor Michael Sailer wir sein Freund, Mahner und Beschützer. • Priesterweihe am 2. September 1787. Beginn seines seelsorglichen Wirkens in der Nähe seiner engeren Heimat.• Großer Zulauf. • Neidische kirchliche Kreise werfen ihm vor, er würde protestantische Forde-rungen in seinen Predigten gebrauchen.• Er wird deshalb mehrmals versetzt und landet schließlich in einer Art Besse-rungsanstalt für Priester. • Nach seiner Freilassung im Februar 1798 wird er als Kaplan in Langeneifnach angestellt. • Neuerliche Ladung vor Gericht. • Er entzieht sich durch die Flucht nach Regensburg einer Verurteilung.• Anfang Dezember 1798 stellt sich Martin Boos freiwillig dem Gericht in Augsburg. Man hält ihn bis April 1799 in Untersuchungshaft.• Ende April des Jahres 1799 verlässt er Augsburg. Mit Empfehlung seines ehemaligen Professors Sailer an den Linzer Bischof Josef Anton Gall wird Martin Boos in der Diözese Linz aufgenommen. • Hilfspriester in Leonding und Wald-neukirchen, 5 Jahre Kaplan bei Pfarrer Bertgen in Peuerbach. • Nach kurzer Dienstzeit auf dem Pöstlingberg bei Linz übernimmt Martin Boos im Jahre 1806 mit Gallneukirchen eine der größten Pfarreien der Diözese. • 1809 wird das Vorleben von Martin Boos auch in der Diözese Linz bekannt. Sein Freund Sailer verteidigt ihn in Wort und Schrift, Boos nimmt immer häufiger Kontakte zu protestantischen Kreisen auf.• Heftige Tumulte am 8. September 1810nach einer „Frühlehre“, in der Boos die Anerkennung der guten Werke als Herabsetzung der Verdienste Jesu Christi betrachtet. Mit dieser „Rechtfertigungslehre“ schafft er sich viele Feinde. Die Spaltung der Pfarrgemeinde ist die Folge. • Boos ist sich seiner Verfehlungen gegen die katholische Lehre kaum bewusst. Immer noch glaubt er sich im Einklang mit dem biblischen Glauben und so mit der katholischen Kirche. • Der ehemalige Kaplan Jakob Brunner jedoch lässt – auch nachdem er selbst Pfarrer von Pöstlingberg geworden war – durch seine Anhänger gegen Boos agitieren.• Vorladung vor das bischöfliche Konsisto-rium. Verwarnung durch Bischof Hohenwart. • Tätliche Auseinandersetzungen am Christi-Himmelfahrtstag 1811 auf dem Gallneukirchner Marktplatz zwischen so genannten Boosianern und ihren Gegnern. • Langwierige kirchliche und staatliche Gerichtsverfahren folgen. • „Wiener Entscheidung“ vom November 1812: Boos ist ein Schwärmer, aber kein Irrlehrer. Die Regierung in Linz verlangt aber ein energisches Einschreiten.• Entbindung von „aller geistlichen Gewalt“ im Juli 1815 nach langem Ver-hör und Einweisung ins Klostergefängnis zu den Karmelitern in Linz trotz der Feststellung, dass er „in seinem Priester-amte untadelhaft“ sei.• Martin Boos muss Österreich verlassen! Betrübt nimmt er im Mai 1816 Abschied vom geliebten Gallneukirchen. Von der Polizei bewacht, steigt er in einen Postwagen, der ihn nach München bringt.• 1817 wird er Religionslehrer am Gymnasium in Düsseldorf.• Rückkehr in die Seelsorgearbeit: Boos wird Wallfahrtspfarrer in Sayn bei Koblenz. • Die Leiden des Schwerkranken mehren sich, doch selbst in dieser Lage versucht er, seine Aufgaben als Priester und Seelsorger bestmöglich zu erfüllen.• Am 29. August 1825 entschläft Martin Boos, ein Zeuge Jesu Christi, friedlich und umgeben von seinen engsten Freunden.

 


Huttenried


ein kleiner Weiler an der alten Straße Denklingen – Schwabsoien – Schwabbruck – Burggen – Füssen, gehört zwar politisch zur Gemeinde Ingenried, kirchlich jedoch zur Pfarrei St. Walburga, Schwabbruck. Die erste urkundliche Nennung des Ortes Huttenried erfolgte 1126 im Rahmen einer Schenkung an das Kloster Rottenbuch. In dieser Urkunde ist von der Schenkung eines Gutes bei Habratshofen an das Kloster Rottenbuch die Rede. Dabei tritt „Sigeboto de Huttenriet“, ein „Edler“ dieser Zeit, als Zeuge auf. In Huttenried hatten sich in der Anfangszeit bis zu sechs verschiedene Grundherren niedergelassen und dies gleichzeitig. Das bedeutete, dass der eine Bauer seine Pacht in Rottenbuch, der andere in Steingaden, ein dritter in Füssen und ein vierter beim Spital von Kaufbeuren abzuliefern hatte. Lediglich der Bischof zu Augsburg machte eine Ausnahme. Dieser schickte, wohl wegen der weiten Entfernung, einen Geldeintreiber.

 

An der Nordseite der Abteikirche des ehemaligen Praemonstratenser-Chorherren-Stiftes zu
Bendorf-Sayn bei Koblenz steht in einer uralten kleinen Friedhofskapelle eine gußeiserne Grabplatte
über der letzten Ruhestätte von Martin Boos, dessen Leben und Wirken in der damaligen Amtskirche viel Aufsehen und Ärgernis erregte. 

Beurteilung:

Martin Boos hatte seiner Zeit weit vorausgelebt. Heute nach dem 
2. Vatikanischen Konzil wäre sein Wirken und Auftreten in der Kirche zur Ökumene hin nichts Außergewöhnliches. So aber wurde er nicht nur als Prophet im eigenen Land, sondern auch überall, wo er predigte, kaum amtlich anerkannt. Noch Jahre hindurch wurde seine Grabstätte viel besucht. Da diese von Andenkensammlern mit der Zeit abgetragen wurde, ließ die Pfarrgemeinde 1862 zum 100. Geburtstag ihres berühmten Seelsorgers in der nahen Kunstgießerei im Sayntal ein würdiges Epitaph herstellen, auf dem der Wahlspruch dieses Reformators aus dem Römerbrief, Vers 17, zu lesen ist: "Der Gerechte aber lebt aus dem Glauben"

   
   
   

   
   

   

   

   
 

 

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