| EUGEN BISER | ||
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| THEOLOGE
- RELIGIONSPHILOSOPH - SEELSORGER * 6. 1. 1918 in Oberbergen am Kaiserstuhl |
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"Daß Eugen Biser zu den herausragenden Gestalten in der Reihe der Theologen und Religionsphilosophen der zweiten Hälfte des 20. und des beginnenden 21.Jahrhunderts zählt, steht außer Frage." Der Philosoph Richard Heinzmann in seinem Vortrag zum 90. Geburtstag von Eugen Biser in der Katholischen Akademie |
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Auf diesen Seiten möchte ich meine persönliche Sichtweise |
BR-alpha
- 28.04.2003
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Bisers Ansatz des Christentums als eine therapeutische und mystische Religion Quelle:
Eugen Biser
Stiftung |
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Unter
dem Titel "Das spirituelle Vakuum: Die entbehrte Mystik" "Wenn die Anzeichen nicht trügen, steht das Christentum insgesamt im Begriff, sich von seiner moralischen Selbstdarstellung [..] zu verabschieden, um in seine mystische Zukunft einzutreten. Da eine derartige Verabschiedung sich niemals reibungslos, sondern immer nur in Stauungen, Konflikten und Brüchen vollzieht, sind die gegenwärtigen Spannungen [..] aus der Natur des Übergangs zu erklären. Verständlich wird in dieser Sicht vor allem die moral- und sexualethische Engführung der kirchlichen Doktrin, die nun als nachdrückliche Manifestation einer sich primär als moralische Autorität verstehenden Kirche erscheint; [...] Die Glaubensgemeinschaft wird in ihrer sensiblen Spitze mit aller Kraft dem Kommenden entgegenstreben, wenn nicht gar es vorwegnehmen. Karl Rahner versicherte, der Christ der Zukunft werde ein Mystiker sein oder er werde überhaupt nicht sein. Damit setzte er Nietzsches aggressiver Untergangsprognose die Überzeugung von einem zu seiner eigenen Innerlichkeit erwachenden Christentum entgegen. Diese Mystik-Prognose läßt sich durch eine theologische Deutung der neueren Geistesgeschichte stützten, sofern sich diese wie ein sich zusehends verschärfender Disput um den ontologischen Gottesbeweis ausnimmt."
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Von
den Vorlesungen Eugen Bisers besitze ich eine Reihe von Mitschnitten
und Mitzeichnungen. Er ist ein begnadeter Redner und kann - trotz seines
Alters -die Weite der religiösen und philosophischen Entwicklungen
anschaulich wiedergeben.
In
einem Interview, das am 27.8.2006 vom Bayerischen Rundfunk
ausgestrahlt wurde, tat der 88 jährige Religionsphilosoph Eugen Biser etwas
von seinen Plänen kund. Nietzsche über "Mein Begriff von Freiheit" aus "Götzen-Dämmerung - Streifzügen eines Unzeitgemäßen"
Biser hat über Nietzsches provokative Kritik des Christentums ein Buch mit dem Titel "Gottsucher oder Antichrist" geschrieben und dieses Karl Löwith, dem Menschen und Denker in dankbarer Erinnerung, gewidmet. Biser sieht Nietzsche als kritischen Außenseiter, denen das Christentum noch immer wichtigste Erkenntnisse und Impulse zu verdanken hat. "Wie kein anderer geriet Nietzsche ... in den Verdacht, der Vorbote und Eideshelfer Hitlers zu sein. Daß dieser dem Nietzsche-Archiv einen Besuch abstattete, seiner 1935 verstorbenen Leiterin ein Staatsbegräbnis ausrichten ließ und Mussolini zu dessen 50. Geburtstag eine eisenbeschlagene Prachtausgabe des 'Zarathustra' übersandte, schien diesen Verdacht aufs nachdrücklichste zu bekräftigen."
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"Jesus sieht den Menschen im Horizont seiner je größeren Möglichkeiten, wenn es um die Kultivierung der Mitmenschlichkeit geht. Zwar weiß er um den blickverstörenden "Balken", der im Interesse gerechter Beziehungen aus dem Auge entfernt werden muß (Lk 6,41f), und um den tief sitzenden Hang zu Mißgunst (Mt 20,15) und Unbarmherzigkeit (18,28 -34); doch setzt er mit seiner Immunisierungsstrategie zugleich in den Menschen das Vertrauen, daß er nicht nur durch Gesetze vom Bösen abgehalten, sondern durch die ihm eingestiftete Liebe außer Stand gesetzt wird, Böses zu wollen oder gar zu tun. Von daher gesteht er ihm nicht nur die Fähigkeit zu selbstvergessener Nächstenliebe, sondern sogar zur Feindesliebe zu." (In "Das Antlitz" S. 213) |
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ZEITRYHTHMEN
Ausschnitt:
Joseph Mallord William Turner (1775 - 1851) "Ostende" 1844
- Neue
Pinakothek in München
(Gerhard
Richter - Stukkas - Pinakothek der Moderne in München) |
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Am 1.12.2004 hörte ich die Vorlesung des Religionsphilosophen Eugen Biser an der LMU München. In einem Vorwort ging er auf die aktuelle Situation in der Ukraine ein und erwähnte die positive Rolle von Kanzler Schröder. Biser war auch überrascht, dass Putin Neuwahlen zustimmte. Er erzählte von seinen persönlichen Erfahrungen beim Einmarsch der deutschen Truppen im Jahre 1941 in der Ukraine. "Wir wurden mit Triumphbögen empfangen". Für viele Ukrainer war es eine Befreiung von der Stalin-Diktatur. Das radikale Industrialisierungsprogramm führte dazu, dass viele Menschen verhungerten. Die Menschen in der Ukraine sahen noch nicht, dass Hitler die Absicht hatte, sie als Sklaven zu halten. Biser erwähnte auch die Partisanen, die zum Beispiel Krankentransporte sehr mühselig machten, da die Bahngleise immer wieder über Nacht zerstört wurden. Er selbst wurde in der Nordukraine verwundet. Nach der Vorlesung war auf dem Geschwister-Scholl Platz vor der Uni eine Demonstration mit Fakeln von Juschtschenko-Anhängern. Dabei wurden auch Ukrainische Lieder gesungen. |
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In
der Süddeutschen Zeitung gab Eugen Biser am 22. 4. 2005 ein Interview über
die Papstwahl. War es eine gute Wahl? Eine ausgezeichnete. Trotz aller Konflikte, die die deutschen Katholiken mit ihm hatten? Die bisherige Tätigkeit war ihm aufgetragen und von ihm nie gesucht - und eine der schwierigsten in der Kirche. Ist man an dieser Stelle automatisch ein Bremser? Ein Bremser und ein Kritiker. Aber offensichtlich war das eine Last, unter der er gelitten hat. Die Aufgabe als Präfekt der Glaubenskongregation war ihm offensichtlich nicht auf den Leib geschrieben, er ist von Johannes Paul II. in die Pflicht genommen worden. Aber jetzt ist er Herr seiner eigenen Situation. Tatsächlich? Das Amt bringt dich auch Zwänge mit sich, nur eben andere. Schon. Aber er hat sich ja bereits geäußert und diese Äußerungen stimmen mich hoffnungsfroh. Er hat gesagt, er will seine ganze Kraft der Vereinigung der Kirchen widmen. Ich habe ihm gerade geschrieben, dass zum äußeren Ökumenismus auch der innere gehört: eine Überwindung der in der Kirche bestehenden sehr großen Spannungen. Kardinal Ratzinger hat doch eher polarisiert denn zusammengeführt. Das war ja nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe war, auftretende Irritationen und Widersprüche auszuschalten. Was ihm bei der Schwangerenberatung ja wunderbar gelungen ist - mit allen menschlichen Verletzungen. Ratzinger hat nie mit persönlicher Härte reagiert, wo er anderer Meinung war. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Er hat ganz andere Qualitäten, als man ihm in der Öffentlichkeit zutraut. Läßt Ratzinger mit sich reden? Ratzinger ist ein Theologe. Ein Theologe, der nicht mit sich reden läßt, ist kein Theologe sondern ein Ideologe. Glauben Sie, dass Benedikt XVI. eine andere Position zum Thema Verhütung einnimmt als sein Vorgänger? Das kann ich mir sehr wohl vorstellen. Die Kirche hat ja schon oft Positionen, die eine Zeit lang als irreversibel gegolten haben, geändert. Das Verbot Kondome zu benutzen, muss natürlich aufgehoben werden. Das ist für Afrika lebensnotwendig. Man kann nicht gegen ein Millionen-Problem wie Aids mit einer rigiden Sexualmoral angehen. Hier muss eine lebensnahe und konstruktive Lösung gefunden werden. Was bedeutet die Wahl eines deutschen Papstes? Es ist eines der größten Sensationen. Denn Deutschland steht noch immer im Abseits der Weltachtung aufgrund der furchtbaren Vorkommnisse in der Nazi-Ära. Durch die Wahl eines deutschen Papstes wird Deutschland im Konzert der Nationen aufgewertet und in eine Position geführt, die ihm behilflich ist, seine Schlüsselrolle beim Aufbau eines neuen Europa wirksam wahrzunehmen. Sie wollen eine mystische Kirche. Ist das auch die Kirche Benedikts XVI.? Das ist der Standpunkt meines großen Vorgängers, Karl Rahner. Und ich könnte mir vorstellen, dass eine mystisch orientierte Theologie die Akzeptanz von Benedikt XVI. findet. Wie wäre die Kirche dann? Sie wäre eine Kirche, bei der der Glaube nicht nur in der Akzeptanz von Dogmen besteht, sondern als Einladung zur Gotteserfahrung verstanden wird. Eine Kirche, bei der Christus in den Herzen der Menschen wohnt. Das sind Dinge, die bislang hintangehalten worden sind. Die Kirche wird oft kaum als liebenswürdiger Zusammenschluss von Gläubigen wahrgenommen. Eher als Ansammlung von Reglementierungen, die mit dem Leben nichts zu tun haben. Hier hat sich in den letzten Wochen ein Wandel vollzogen. Denn noch nie wurde die von Kant dem Christentum zugute gehaltene Liebenswürdigkeit so seh mit dem Bild der Kirche verbunden wie gerade in den letzten Tagen des verstorbenen Papstes. Es ist sein schönstes Vermächtnis an seinen Nachfolger, die Kirche bis hinein in ihre Strukturen im Glanz dieser Liebenswürdigkeit erscheinen zu lassen. Aber Benedikt XVI. ist ein ganz anderer Charakter. Wie kann er diese Lebendigkeit aufrecht erhalten? Es wird ihm gelingen. Er hat ein ganz wunderbares Programm entworfen, indem er sich offen zum Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils bekennt und daraus den Auftrag zu einem weltweiten Ökumenismus ableitet. Und dies kann er nur in einem Klima der Verständigung, der Versöhnung, der gegenseitigen Rücksichtnahme umsetzen.
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Unter
dem Titel I. Eugen Biser hat "ein ebenso weit ausgreifendes wie in die Tiefe gehendes wissenschaftliches Werk auf hohem spekulativem Niveau vorgelegt. " Das Werk von Eugen Biser kann man "mit gutem Recht als 'Theologie der Zukunft' bezeichnen." Das Unterscheidende und in die Zukunft Weisende der Theologie von Eugen Biser ist, dass er einen Neuansatz präsentiert , "der den Ursprung, und damit das Fundament, von Theologie und Christentum überhaupt betrifft und der sich deshalb auf Theorie und Praxis gleichermaßen auswirkt." "Daß ein solcher Neuansatz, ein solches Zurückgreifen auf den Ursprung, erforderlich geworden war, weist darauf hin, daß sich Theologie und Kirche im Laufe der Jahrhunderte durch heterogene philosophische Einflüsse ebenso wie durch innertheologische Kontroversen, nicht zuletzt durch die Übernahme profaner Herrschaftsstrukturen, zunehmend von dem alleinigen und normativen Maßstab ihres Ursprungs wegbewegt haben. Dadurch kam es zu einem ständig wachsenden Glaubens- und Glaubwürdigkeitsverlust, der heute Gegenstand allgemeiner Irritation ist." "Nach der Einschätzung von Eugen Biser erklärt sich ,die gegenwärtige Glaubens und Kirchenkrise' aus der mangelnden Konzentration auf die Mitte des Christentums und muß deshalb als 'Identitätskrise' verstanden werden (Einweisung, S. 11). In einer vergleichbaren Lage befindet sich der einzelne Mensch in seiner konkreten, geschichtlich bedingten Situation. Den sicheren Tod vor Augen, von der unausweichlichen Frage nach dem Sinn seines Daseins bedrängt und der Angst vor einem ambivalenten Gott ausgesetzt, steht er ständig in der Gefahr zu verzweifeln. Der Glaube, verstanden als ein Fürwahrhalten von Sätzen, bietet ihm keine Hilfe. In der Gestalt einer zu akzeptierenden Lehre ist das Christentum nicht imstande, auf existentielle Probleme eine Antwort zu geben, im Gegenteil, es wird als eine zusätzliche Fremdbestimmung und Belastung empfunden, durch die nun seinerseits der Mensch in eine ausweglose Identitätsnot gerät."
"Die Theologie von Eugen Biser verfolgt das Ziel, die Offenbarung, die Selbstmitteilung Gottes, als Antwort auf die Sinnfrage des Menschen zu interpretieren, eine Brücke zu schlagen zwischen der Heilsbotschaft Jesu und der existentiellen Aporie des Menschen." Biser " denkt nicht im Horizont griechischer Metaphysik, die von der alles dominierenden Frage nach dem Allgemeinen und den unveränderlichen Strukturen beherrscht wird. Er fragt nicht nach dem Wesen des Christentums und nicht nach dem Wesen des Menschen, sondern danach, was für authentisches Christsein wesentlich ist. " II. Die Wurzeln der Glaubens- und Kirchenkrise liegen in der Begegnung der christlichen Heilsbotschaft mit der spätantiken Philosophie. Die Offenbarung, die Selbsterschließung Gottes in Jesus Christus, wurde als Lehre verstanden. "Sie wurde von einer Lebenswirklichkeit zu einem System von Wahrheiten umgestaltet, das im Mittelalter seine volle wissenschaftliche Gestalt erhielt." "Ohne daß man sich dessen bewußt gewesen wäre, kam es dadurch zu einem folgenschweren Bruch mit dem Ursprung. . . . Die Lehre, die Dogmen eingeschlossen, ist deshalb nicht die Primärquelle der Wahrheit. In diesem Kontext unterscheidet Eugen Biser ausdrücklich zwischen der „Wahrheit des Christentums“, die in der Lehre ihren Niederschlag findet, und der „Wahrheit Christi“, die in der Lebenswirklichkeit gründet und durch personale Erfahrung dialogisch vermittelt wird (Dialog, 366f). Das Wesen des Christentums ist also nicht eine formulierbare Wahrheit, sondern eine Person, nämlich der Offenbarer selbst. " "Der Dialog ist deshalb im Rückgriff auf den Ursprung ebenso wie in der Vermittlung und der Verkündigung die allein adäquate Methode. . . . Das Neue Testament ist nicht die Offenbarung. Es kommt nicht auf die Worte an . . . sondern auf die Person selbst, die hinter diesen Worten steht, und von der das Neue Testament spricht. Die Irrtumslosigkeit der Schrift wird davon nicht tangiert, denn diese bezieht sich nicht auf den Modus der Bezeugung, sondern auf die bezeugte Wirklichkeit (Erweckung, 137)." "Die Mitte und die Norm des Evangeliums ist Jesus Christus selbst mit seiner 'revolutionären' Botschaft von Gott als dem bedingungslos liebenden Vater. Biser " korrigiert damit den anderen gravierenden Bruch der Christentumsgeschichte mit der Grundbotschaft des Neuen Testamentes: die Pervertierung des Gottesbildes. Nicht zuletzt unter dem Einfluß des späten Augustinus war aus dem Gott der Liebe ein Angst und Schrecken verbreitender Willkürgott geworden, der die Mehrheit der Menschen verdammt und nur wenige rettet." "Die
in Christus bleibend präsente Botschaft von der Güte und Menschenfreundlichkeit
Gottes ist das allein verbindliche Auslegungsprinzip des Neuen
Testamentes und aller normativen Texte des Christentums." Der alleinige Grund, das Christentum und die Kirche überhaupt gibt, "ist die Auferstehung Jesu von den Toten. Gegen die Zuschreibung einer derart fundamentalen Bedeutung der Auferstehung könnte man einwenden, daß die Auferstehungsberichte zu widersprüchlich sind, um eine sichere Basis für diese zentrale Funktion des Auferstehungsglaubens abzugeben. Dem ist entgegenzuhalten, daß die Widersprüche im Bereich der Darstellung liegen, die nicht beschreibend, sondern bildlich zu verstehen ist. Das zugrunde liegende Zeugnis wird davon nicht betroffen." Aber wohin ist er auferstanden? Biser betont: "In die Mitte der in seinem Namen Versammelten (Mt 18,20), und damit in die Herzender Seinen." "Mit diesem Gedanken setzt Eugen Biser die von ihm vollzogene Wende zurück zum Zentrum des Christentums mit der Wende von der Vergegenständlichung zur Innerlichkeit fort. Ostern . . . 'ist unverkennbar die Wende von der Lebens- zur Wirkungsgeschichte Jesu, der Umschlag von seiner historischen zu seiner mystischen Biographie, das Ende seines Wirkens für die Seinen und der Anfang seiner Einwohnung in ihnen'(Antlitz, 254). "In dieser Sicht der Auferstehung findet nicht nur das Christentum wieder zu seiner Identität zurück, durch die Einwohnung Christi wird auch die Heteronomie des Menschen überwunden." "Damit wird der Blick auf das Phänomen der christlichen Mystik geöffnet. Nach dem Urteil von Biser hat die Mystik bei der Lösung der anstehenden Probleme des Christentums „höchste Priorität“(Erweckung, 191). Alle Verobjektivierungen und Vergegenständlichungen wie sie in der Lehre, den Dogmen, im Ethos, im Kult und in der Institution Kirche selbst begegnen, werden auf das in ihnen anwesende Mysterium hin durchbrochen und überstiegen. " Aus dieser Reflexion auf die Auferstehung resultiert mit zwingender Notwendigkeit eine „Glaubenswende“(1986), die nach Biser in unseren Tagen bereits zu erkennen ist. In der Tradition wurde christlicher Glaube primär unter dem Gesichtspunkt der Autorität und des Gehorsams entfaltet. Mit der Einwohnung Christi tritt dieses Verständnis in den Hintergrund. Der Akzent liegt jetzt auf dem Erfahren und Verstehen. In der Beziehung zwischen Mensch und Gott fungiert Christus als der „inwendige Lehrer“(1994), der dem Menschen in einem dialogischen Geschehen sich selbst und damit die Wahrheit des Glaubens mitteilt. Seine Bewährung findet solcher Glaube in der Tat der Nächstenliebe. Damit wendet sich der Glaubende wieder der konkreten Wirklichkeit zu. In dieser Selbstmitteilung Jesu werden der Lehrer zur Lehre, der Botschafter zur Botschaft und der Helfer zur Hilfe (Kierkegaard) – und das nicht nur in individuellem Verständnis. "Die
Erörterungen über die Einwohnung Christi münden unmittelbar in die
christliche Anthropologie.
Die personale, dialogisch zu verstehende Wirklichkeit der Einwohnung
des Geistes erhebt den Menschen zur Gotteskindschaft
und führt ihn
dadurch zu seiner
eigenen Identität. Die mit Zeit und Raum gegebenen Differenzen werden
dabei gegenstandslos." III. " Wer gewohnt ist, die Glaubenssätze für den Gegenstand des Glaubens zu halten, wird sich zumindest anfänglich schwertun, die Differenz zwischen der Wirklichkeit und der Rede von der Wirklichkeit zu realisieren. Es ist der Schritt, so formuliert es Eugen Biser, von der Fassade am Dom des Glaubens in den Innenraum dieses Domes selbst." "Dabei geht nichts verloren, aber es erscheint alles in einem völlig neuen Licht, weil das Ganze auf Gott zentriert ist (Einweisung, 421f). So wird sich zeigen, daß manche theologische Kontroverse mehr ein Streit um vorausgesetzte philosophische Konzeptionen als ein Ringen um die Sache selbst war." "Insbesondere im ökumenischen Gespräch wird diese Innenperspektive der Mysterien des Glaubens über strittige Formulierungen und Vergegenständlichungen hinaus zur Sache selbst und dadurch leichter zu einem Konsens führen. " An vorderster Stelle notwendiger Selbstkorrekturen nennt Biser . . . die Vorstellung, daß Gott, der vorbehaltlos liebende Vater, als Sühne den grausamen Tod des eigenen Sohnes fordere, damit ihm selbst Genugtuung für die Schuld der Menschen geschehe: Diese Ansicht, ist "in sich widersprüchlich und muß mit aller Entschiedenheit als unchristlich, wenn nicht gar als antichristlich zurückgewiesen werden. Damit ist zugleich gesagt, daß der Tod Jesu in keinem Fall als Sühneopfer interpretiert werden darf, er muß vielmehr als letzte Liebeshingabe erkannt werden." "Von dem Motiv der Einwohnung her muß bei allen Sakramenten der personaldialogische Aspekt mit Nachdruck herausgearbeitet werden. Dabei ist immer zu bedenken: Das Heil Gottes ist weder an Institutionen noch an Kulthandlungen gebunden. Alle magischen Assoziationen sind sorgfältig zu vermeiden." "Schließlich muß auch die traditionelle Sichtweise der Strukturen der Kirche hinterfragt und einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Die Erhebung des Menschen zur Gotteskindschaft impliziert eine fundamentale Gleichheit, die tiefgreifende Korrekturen des tradierten Kirchenverständnisses erforderlich macht." IV. "Die . . . gewonnenen Einsichten verweisen nicht nur auf erforderliche Selbstkorrekturen der kirchlichen Lehre und Praxis. Sie eröffnen zugleich . . . Perspektiven, die geeignet sind, die derzeitigen Verwerfungen in Kirche und Gesellschaft zu überwinden und solchermaßen den Weg in die Zukunft freizumachen. "
Ohne die Glaubensinformation zu
vernachlässigen (Erweckung, 282), zeigt seine existentielle Theologie den
Weg nach
innen, und damit in die Zukunft. Um den Titel eines seiner Hauptwerke zu
zitieren: Er weist den
Menschen ins Christentum ein." |
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Unter
dem Titel Hier Auszüge des Interviews geführt von Andreas Schaller
MK:
»Der Name Balthasar gehört heute für
viele schon zu einer längst vergessenen Vergangenheit.« Sehen Sie das auch
so? |