|
|
tam |
elemente |
beziehungen |
bewegungen |
gestalten |
|
seiten von theodor frey |
| räume & zeiten | ||||
|
Wie
sich der Sonne Scheinbild in den Dunstkreis Schiller |
||||
|
|
|
|
|
|
|
WERKE |
DICHTER - DRAMATIKER |
|
|
NORA
I BRAND - IBSEN Mittagswende - Claudel |
|
|
|
Alphabetische Übersicht nach Autoren |
|
|
|
|
||
|
Thomas Bernhard - Der Theatermacher
Meine
Komödie ist so
Die
Männer sind Theater
Thomas Bernhard "Die Berühmten"
|
||
|
"Und der Engel nahm das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde. Und da geschahen Donner und Stimmen und Blitze und Erdbeben. Und die sieben Engel mit den sieben Posaunen hatten sich gerüstet und hoben an. Offb. 8,5 f.
zur Aufführung im Residenztheater München . . .
|
Woyzeck |
|
|
|
|
Feydeau Georges |
|
|
|
Floh
im Ohr |
||
|
Fleißer |
|
|
|
Der
starke Stamm
Licht: Max Keller siehe
auch: |
||
|
im Stück von Kerstin Specht
Marieluise Fleißer
Sie
schrieb gegen ihr eigenes Vergessen: Marieluise Fleißer. Jetzt erlebt
sie eine zweite Renaissance. Die erste war noch zu ihren Lebzeiten, als
ihre "Söhne" Rainer
Werner Fassbinder,
Franz Xaver
Kroetz und der kürzlich verstorbene Martin Sperr sie wieder entdeckten
und ihre Stücke erneut in die Spielpläne aufgenommen wurden - ja,
sogar in Ingolstadt. Ingolstadt - die Stadt, in der sie vor einem
Jahrhundert geboren wurde und vor einem viertel Jahrhundert starb. Die
Stadt, in der sie hochgeachtet und verachtet wurde, setzte ihr ein
weiteres Denkmal: Ein Stück über die Fleißer wurde in Auftrag
gegeben. Es entstand Kerstin Spechts "Marieluise". Aus der
Arbeit an diesem Stück entwickelte die Autorin den Monolog "Die
Rückseite der Rechnungen", der nun an den Kammerspielen unter
der Regie von Regina Wenig zur Aufführung gelangt.
Die Zeit läuft dem Professor Alexander davon, weshalb die Neckereien mit seiner so viel jüngeren Frau in einer Wolldeckenschlacht ausartet, bis Jelena nachts allein zu schollernden Rachmaninoff- Akkorden einen eckigen Verzweiflungstanz vollführt. Sunnyi Melles macht aus ihrem Bühnencomeback das komödiantisch übersteuerte Furioso einer Zappelphilippine, und doch gelingt ihr das Porträt einer hochnervösen Frau, die ihre Sehnsüchte nicht zu leben wagt. Im blassblauen - blassrosa - blassgrauen Seidenfähnchen zu knöchelhohen Sneakers staks und stiefelt sie über die Bühne und verzaubert alle mit dem androgynen Charme eines Weibsteufelkumpel- weibchens. Einmalig ihre Schlangenmenschennummer, als sie hinterm Rücken den Lippenstift aus der Handtasche angelt, um sich die Lippen nachzuziehen. Gerade versucht sie tollpatschig und wie ein scheuendes Heißblut Astrows Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch der, bei Stefan Hunstein ein vernagelter Öko-Stoffel, fällt über sie her wie über einen knusprigen Grünkernbratling, bis sie wie abgefressen vom Steh-Quickie davon humpelt. ... aus der SZ von 28./29. Juni 2003 von Christopher Schmidt |
|
Fosse |
|
|
|
Da
Kommt noch wer
Traum im Herbst Schatten
|
||
|
Goethe |
|
|
|
Stella
Torquato Tasso Iphigenie
auf Tauris
|
||
|
|
|
Händl Klaus |
|
|
|
Wide
- Der Mann mit den traurigen Augen
|
||
|
Handke |
|
|
|
Das
Spiel vom Fragen |
||
|
Hauptmann |
|
|
|
|
||
|
|
||
|
|
VOR SONNEN- UNTERGANG |
Ausschnitt aus einem Foto von Andreas Pohlmann |
|
|
||
|
Helene - Julia Jentsch Hoffmann - Michael Neuenschwander Carl William - Murali Perumal Alfred Loth - Stephan Bissmeier Regie: Thomas Ostermeier Licht: Max Keller
|
"Es
kann einem bei dieser überraschend dringlichen Version von
|
Weblog Menschenrechte"Ein
gerechtes Ziel lässt sich nicht mit ungerechten Mitteln erreichen"
|
|
|
||
|
Julia Jentsch und Stephan Bissmeier
|
||
|
Hebbel |
|
|
|
Hilling Anja |
|
|
|
Monsun |
||
|
Horváth |
|
|
|
Glaube Liebe Hoffnung mit Brigitte Hobmeier
|
||
|
Houellebecq |
|
|
|
Elementarteilchen
|
||
|
Ibsen |
|
|
|
"Ich glaubte die Wahrheit sei Schönheit an sich" "Den Lebenseiligen hat Ibsen viel Aufmerksamkeit gewidmet, ihre Wege begleitet, ihre Schritte verfolgt und manches Mal versucht, in ihren Herzen und traurigen Seelen ein Licht anzuzünden. Das schreckliche Licht der Erkenntnis und das unerträgliche Licht der Wahrheit. So manche Figur starb in diesem Licht oder zog sich lichtscheu wieder ins Dunkel des Inneren zurück. Genau dahin hat Ibsen seine literarische Reise unternommen. Hier ruhen all seine Motive, tief im Inneren der vereinsamten Menschen sind sie bei ihm zu Hause." "Mit seiner analytischen Technik trat Ibsen mitten hinein in die historische Krise des modernen Dramas. Seine Weltbeschreibung schockierte und brachte Stürme gegen sich auf. Er brachte das Verdrängte zum Vorschein, die Kreuzungs- und Knotenpunkte irregewordener Lebens- und Familiengeschichten. " "Vor den 'Umrissen einer düsteren, in gleichmäßigen Regen getauchten Fjordlandschaft' sitzt man bei Ibsen in den schönen Stunden beisammen. Und dann beginnt ein jeder, von der Vergangenheit zu sprechen - immer mehr von der Vergangenheit als von der Gegenwart, denn alles liegt im Vergangenen beschlossen, scheinbar versiegelt und wird nun wieder wie ein dunkler Schatz gehoben. Dann wird die Zeit selbst sichtbar und die immer wieder so benannten 'langen Jahre' und das 'verpfuschte Leben'." Yvanne Gebauer in der SZ vom 9.10. 2006 bei der Vorstellung des Buches von Aldo Keel: Ibsen für Eilige, Aufbau Verlag, Berlin 2006. 221 Seiten
BRAND
Thomas Langhoff inszeniert am Residenztheater Ibsens Gottsucher-Stück "Brand"
"Ist
das jetzt großartig oder grauenhaft?", fragt mitten im
fünften Akt der Schulmeister. Das steht natürlich nicht im Text.
Aber Robert Joseph Bartl, der den Lehrer spielt, als sei er ein
Clown, setzt diesen Satz dennoch mit glutäugiger Ironie ans Ende
jener Szene, in der Brand, der gottbeseelte Eiferer, seine
Gemeindeschelte mit einigem Fanatismus ins Publikum schleudert und
ihn das aufgeputschte Dorfvolk auf den Schultern abträgt. Bartl
dürfte so manchem Premierenbesucher aus der Seele gesprochen haben. Denn es bleibt auch nach dieser Aufführung im Münchner Residenztheater ein durchaus zweifelhaftes Unternehmen, das Stück "Brand" wieder aus der Versenkung zu holen. Thomas Langhoff, der ausgewiesene Ibsen-Spezialist, aber tat es. Und da sich Ibsens frühes Drama von 1866 (in der "Faust"-nahen Vers-Übersetzung von Christian Morgenstern) um die Themen Schuld, Erbsünde und absolute Identität mit sich und Gott dreht, da von Dornenkrone die Rede ist und die Titelfigur als Prediger, Heilsversprecher und Märtyrer daherkommt, kam dem Regisseur - obwohl doch eher atheistisch orientiert - der Abend vor Karfreitag als Premierentermin gerade recht. In diesem Fingerzeig Langhoffs allerdings steckt genau ein Funken jener Unaufrichtigkeit, die Ibsens Pastor Brand als billige Gottgefälligkeit geißelt. Doch das nur am Rande. Was mag Langhoff und das Bayerische Staatsschauspiel tatsächlich dazu bewogen haben, dieses Stück zu spielen? Wohl kaum die Tatsache, dass hier in sechs Wochen mit "Baumeister Solness" schon der nächste Ibsen über die Bühne geht. Eher die zeitkritische Nähe des Dramas zu unserer Gegenwart; der Zorn, der sich dagegen richtet, dass sich die Menschen Gott auf ihr bequemes Maß zurechtstutzen; aber auch, dass sie anfällig sind für den Fanatismus eines Hass- und Heilspredigers wie Brand. Vor allem aber - und das ist Langhoffs Fach - die Beziehung der Eheleute und ihre Liebe, die der Pfarrer seinem Credo "Alles oder nichts" hingibt. Brand, sein Name ist Brand. Es brennt in ihm. Ein Held im Glauben, gefürchtet in seiner Unerbittlichkeit, bewundert in seinem Mut und der Fähigkeit, den Menschen ins Herz zu schauen. Erbarmungslos und selbstgerecht, ausgestattet mit dem Pathos des Wollens - so tritt dieser Brand an, gegen die Beliebigkeit zu kämpfen. So opfert er das Leben seines Kindes, das seiner Frau und sein eigenes. In Stefan Hunstein hat Langhoff einen Brand, der klug mit den - wenn auch gewaltig zusammengestrichenen - Texttiraden umzugehen weiß; der sich die schnelle und wohlfeile Aktualisierung dieser Figur versagt; der sie in ihrem Gotteskriegertum, ihrer Faschismus-Nähe, aber auch in ihrer Traurigkeit zur Diskussion stellt. Hunsteins Pfarrer ist ein Brandstifter unter den Biedermännern. Wie eine sich selbst verzehrende Fackel steht er immer wieder kerzengerade und unangefochten in diesen ewigen Eisbrocken, mit denen Stefan Hageneier sehr poetisch und symbolistisch die Bühne ausgestattet hat. Aber auch Hunstein kommt nicht ungefährdet über Ibsens Monologberge hinweg. Am besten ist er daher immer in den sehr scharf geführten, direkten Auseinandersetzungen. Etwa mit dem Landrat, von dem der großartige Rainer Bock eine sehr treffende, komische, weil übliche Politiker-Type zeichnet. Oder mit dem Propst, dem der ausgezeichnete Ulrich Beseler gefährliche Jovialität verleiht. In solchen Streit-Dialogen offenbart sich Langhoffs ganzer Reichtum der Schauspielerführung. Am schönsten allerdings in den Eheszenen. Sie und vor allem Agnes sind der Kern dieser Inszenierung: der dritte und vierte Akt, im Pfarrhaus, ein mehrere Jahre umfassender Zeitraum, mit kurzen Blackouts als jeweilige Zäsur. Über den Tod des Kindes und Brands Verbot, über diesen Verlust zu trauern, ja, dass er sie am Weihnachtsabend zwingt, einer Bettlerin Taufkleid, Mäntelchen und alle anderen Erinnerungsstücke herzuschenken - darüber kann Agnes nicht hinweg. Beim "Gute Nacht"-Sagen wartet sie noch einmal auf Trost von Brand. Sein Blick aber ist nur in die Ferne gerichtet. Dass Agnes sich hier in den Tod verabschiedet hat, erfährt der Zuschauer einen Akt später. Eine junge Schauspielerin stellt sich in dieser Rolle erstmals in München vor: Stephanie Leue. Wunderbar in ihrer altmodischen Verhärmtheit und Genügsamkeit, ihrer trostlosen Fraulichkeit, ihrem plötzlichen Aufleuchten, wenn sie sich das tote Kind vergegenwärtigt. Wie sie sich, leicht gebeugt, nach innen gekehrt, allmählich loslöst von Brand, um ihre Liebe zu ihm zu retten, sehr unspektakulär und immer ganz bei sich - das ist das Herzstück der Aufführung und das Glanzstück des Abends. Das lässt einen den wenig gelungenen Anfang und die musikalische Berieselung getrost vergessen. Und auch darüber hinwegsehen, dass fürs Finale Langhoff nicht mehr eingefallen ist, als Ibsens ausführlichen Fantastereien und Traumerscheinungen zu streichen und Stefan Hunstein unverständlich brabbelnd durch die Eisgletscher humpeln zu lassen. Und kein Theatergott, der - wie von Ibsen gewollt - eine Lawine schickt.
|
||
|
Bisher gesehen EIN VOLKSFEIND HEDDA GABLER WENN DIE TOTEN ERWACHEN DIE FRAU VOM MEER BAUMEISTER SOLNESS BRAND
|
Regie: Thirza Bruncken (2000) Elmar Goerden (2001) - Amelie Niermeyer (1995) Peter Zadek (1991) Thomas Langhoff (1989) Peter Zadek (1983) Thomas Langhoff (2006) |
|
IBSEN NORA 18.1.2004 Schaubühne am Lehninerplatz Berlin in den Kammerspielen in der Maximilianstraße
|
Bühne Jan Pappelbaum
Anne Tismer (Nora)
Jörg Hartmann (Rechtsanwalt Helmer)
|
|
Artikel
aus der Berliner Morgenpost Online vom 13.04.2003 von
Reinhard Wengierek
|
|
|
Kleist |
|
|
|
Prinz Friedrich von Homburg Regie: Johan Simons (9.3.07) mit Paul Herwig als Prinz bereits gesehen in 1995 in der Regie von Dieter Dorn mit Michael von Au als Prinz und Rolf Boysen als Kurfürst
|
||
|
Kieslowski |
|
|
| Die Zehn Gebote | ||
|
Kobell |
|
|
|
Der
Brandner Kaspar und das ewig Leben von Kurt Wilhelm |
||
|
LaBute |
|
|
| Tag der Gnade | ||
|
Laurens Joanna |
|
|
| Fünf Goldringe | ||
|
Lessing |
|
|
|
Nathan
der Weise
Philotas |
||
|
Marthaler |
|
|
|
Groundings in Zürich (2. Juni 03) |
||
|
Miller Arthur |
|
|
| Tod eines Handlungsreisenden | ||
|
Molière |
|
|
| Der eingebildet Kranke | ||
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
"Ein Kobold, ein Gespensterchen, ein zappliger Irrwisch - aber mit Nylonbeinen: eine oxydgebleichte Salontussi im Glitzermieder, wohlgefüllt mit apfelrundem Weiberfleisch, gemacht, die Männer zu kirren. Aber dann zischt und knurrt und faucht ihr Mundwerk, das aufklappend vorstößt, männliche Jammerlappigkeit kaltweg nieder. Das bebt und lodert und ballt die Fäustchen und schraubt sich in den Haß mit flatternder Bauchdecke, immer auf dem Sprung, - ja wohin? Aus sich heraus. Exaltation." So beschreibt Michael Skasa die hochbegabte Schauspielerin. |
|
O'Neill |
|
|
|
Eines langen Tages Reise in die Nacht Trauer muß Elektra tragen
|
||
|
Parvidino |
|
|
| Peanuts | ||
|
|
|
|
|
Don
Karlos
Die Räuber Landestheater Salzburg |
||
|
Shakespeare |
|
|
|
Shaw George Bernard |
|
|
| Androklus und der Löwe | ||
|
Strauß(ss) Botho |
|
|
| Die eine und die andere | ||
|
Tätte |
|
|
| Bungee jumping | ||
|
Tschechow |
|
|
| Onkel Wanja Barbara Frey | ||
|
|
|||||||||||
|
Es
spielen Regie
Weitere Arbeiten von Barbara Frey am Bayerischen Staatsschauspiel Endspiel von Beckett Phädra von Racine |
Tschechow
Sunnyi Melles spielt Tschechow, zum esten Mal. Und zum ersten Mal steht sie damit, als Jelena auf der Bühne des Residenztheaters. Mit dem Herzklopfen, das ihr stets die "Symbiose mit dem Publikum" verursacht. Es ist ein Zusammentreffen von Neuem und Bekannten. Obwohl sie im Dornschen Theaterkosmos das letzte Mal in "Cymbelin" zu sehen war, in den Kammerspielen, bevor diese Ende 1999 wegen Renovierung geschlossen wurde, fühlt sie sich dem Ensemble zugehörig. Das hängt mit Dorn und Ruckhäberle zusammen, die den jetzigen Auftritt auch einfädelten, aber auch mit Kollegen, die sie von früher kennt. Thomas Holtzmann etwa, der nun ihren Professoren-Gatten spielt. Oder Helmut Stange, der einst ihr Sprechlehrer war. ... Mit Barbara Frey sieht sie sich am Beginn einer neuen, wunderbaren Freundschaft, einer vielleicht wiederholten Zusammenarbeit. ... Sie liebt die Probenarbeit mit Barbara Frey. Die die acht Schauspieler in Einklang brachte, mit viel Musikalität ungeahnte, neue Dinge aus Melles zu Tage förderte, die stets die Individualität zuließ, ja förderte, diese aber auch einbaute in die Achterseilschaft. |
||||||||||
|
Die Zeit läuft dem Professor Alexander davon, weshalb die Neckereien mit seiner so viel jüngeren Frau in einer Wolldeckenschlacht ausartet, bis Jelena nachts allein zu schollernden Rachmaninoff- Akkorden einen eckigen Verzweiflungstanz vollführt. Sunnyi Melles macht aus ihrem Bühnencomeback das komödiantisch übersteuerte Furioso einer Zappelphilippine, und doch gelingt ihr das Porträt einer hochnervösen Frau, die ihre Sehnsüchte nicht zu leben wagt. Im blassblauen - blassrosa - blassgrauen Seidenfähnchen zu knöchelhohen Sneakers staks und stiefelt sie über die Bühne und verzaubert alle mit dem androgynen Charme eines Weibsteufelkumpel- weibchens. Einmalig ihre Schlangenmenschennummer, als sie hinterm Rücken den Lippenstift aus der Handtasche angelt, um sich die Lippen nachzuziehen. Gerade versucht sie tollpatschig und wie ein scheuendes Heißblut Astrows Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch der, bei Stefan Hunstein ein vernagelter Öko-Stoffel, fällt über sie her wie über einen knusprigen Grünkernbratling, bis sie wie abgefressen vom Steh-Quickie davon humpelt. ... aus der SZ von 28./29. Juni 2003 von Christopher Schmidt
|
|||||||||||
|
Das Allererste, was mir einfällt auf die Frage, warum mich Tschechow so fasziniert, ist, dass er so unglaublich genau ist in seinem Blick auf die Menschen. Er franst nicht aus, sondern bleibt immer ganz dicht dran. Darin besteht seine Ähnlichkeit mit Beckett. Wie Beckett beschreibt Tschechow die Unfähigkeit zum Nihilismus. Das ist ja das alte Missverständnis: Bei beiden geht es nicht um den Nihilismus, sondern um die Unmöglichkeiten, ihn zu leben. Zum anderen ist mir Tschechow so nah, weil er - wahrscheinlich weil er ja Arzt war - Tod und Krankheit ganz genau kennt, die Vergänglichkeit und Vergeblichkeit des Lebens und die Kostbarkeit, die es darum besitzt. Für mich ist Tschechow extrem präsent im Alltag. Ich bin regelrecht infiziert von ihm, weil ich gar nicht glauben kann, dass es ihn nicht mehr geben soll, so vital, wie er ist, und sich immer wieder von Neuem revitalisiert. Er ist uns zugleich ganz nah und trotzdem ganz weit weg. 1904 ist er gestorben, und in einer Hinsicht ist er wirklich von gestern. Darin, dass er vollkommen unzynisch ist und nicht locker-flockig nihilistisch daherkommt, wie das heute üblich ist. Und dann liebe ich ihn natürlich, weil seine Stücke solche Schauspielerbrocken sind, einfach toll zu spielen. Auch die Nebenrollen sind ja ganz genau und intelligent geschrieben. Er hat so viel Material für Schauspieler und umgekehrt. Und es gibt großartige Frauenrollen bei Tschechow, im Gegensatz zu Beckett, Figuren, die in die Moderne vorausweisen. Bei ihm bringen sich die Frauen eben nicht mehr um wie bei Tolstoi oder Fontane, sondern sind im Aufbruch. Vielleicht, weil wir selbst aufgebrochen sind, erkennen wir erst rückblickend diesen Aufbruch der Frauen bei Tschechow. Tschechow ist nie gleichgültig - illusionslos, aber nie gleichgültig. Er gibt den Menschen niemals auf, lässt ihn niemals abstürzen. Auch die, die sich in seinen Stücken umbringen, werden von ihm nicht verlassen, er bleibt bei ihnen. Was ihn mit Shakespeare verbindet, ist eine Art anthropologische Konstante. Man wird immer über Tschechow sprechen, ich kann mir nicht vorstellen, dass er irgendwann nicht mehr aktuell ist, weil er sich erhebt über Modeströmungen. Er war ein Meister der Miniatur, auch das scheint mir wichtig - ihm lag die kleine Form, Erzählungen, Briefe, nicht der Roman. Er hatte nicht den langen Atem von Tolstoi - das macht ihn modern, geradezu filmisch mit seiner Schnitt-Technik. Sein aushaltender Blick auf die Menschen vergeht nicht. Wenn es so wäre, würde ich aufhören, Theater zu machen. Barbara Frey, geboren 1963 in Basel, inszenierte in der Spielzeit 2002/03 ¸¸Onkel Wanja" am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15. Juli 2004
Michael Thalheimer über Tschechow
Was mich an Tschechow fasziniert? Na Tschechow! Jean-Louis Barrault hat einmal etwas sehr Kluges über Tschechow gesagt. Er sollte den ¸¸Kirschgarten" beschreiben und meinte: Der erste Akt - der Kirschgarten soll verkauft werden. Der zweite Akt - der Kirschgarten wird verkauft. Der dritte Akt - der Kirschgarten ist verkauft. Der vierte Akt - der Kirschgarten ist verkauft worden. Der Rest - das Leben. Das scheint mir anwendbar auf alle Stücke von Tschechow. Tschechow ist der unglaublichste und beste Beobachter der menschlichen Existenz. Es ist bei ihm immer, als seien da lauter große Kinder auf der Bühne, und man hat als Regisseur das Gefühl, selbst wieder Kind zu sein. Was mir an Tschechow so gut gefällt, ist seine unbedingte Liebe zu den Figuren, die er nie bloßstellt, und trotzdem zeigt er die komplette Lächerlichkeit ihrer Existenz, den Versuch, das Leben in den Griff zu bekommen und dabei zu scheitern. Das meinte ich mit dem Kinder-Vergleich. Er zeigt das alles: Träumen, Kämpfen, Sehnsucht, Philosophieren, Sich-Verlieben, Sich-Duellieren, Essen, Trinken, Sterben. Zwei Zitate fallen mir ein zu Tschechow. Das eine ist der Titel eines Romans von Milan Kundera: ¸¸Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", das andere ein Beckett-Zitat. Samuel Beckett hat einmal über Tschechow gesagt: ¸¸There was never a smile like his". Tschechow ist in meinen Augen ein Wegbereiter Becketts, ein Avantgardist, der den Naturalismus auf der Bühne überwunden hat. Das ist das, was mir eineinhalb Jahre nach meiner Beschäftigung mit den ¸¸Drei Schwestern" im Urlaub spontan zu Tschechow einfällt.
Michael Thalheimer, geboren 1965 in Münster bei Frankfurt am Main, inszenierte in der Spielzeit 2002/03 die ¸¸Drei Schwestern" am Deutschen Theater Berlin. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15. Juli 2004
Luk Perceval über Tschechow
Olga Knipper, Tschechows Frau, sagte nach seinem Tod aus, dass unmittelbar nach seinem letzten Atemzug die Champagnerflasche, die neben seinem Bett auf dem Nachtkästchen stand, sich aus dem Nichts und mit einem plötzlichen Knall öffnete und der Korken wie eine Rakete durch die Luft flog. Dieses Bild habe ich stets vor Augen, wenn ich an Tschechow denke. Trauer und Fröhlichkeit in ein und demselben Moment vereinigt - typisch für den Schriftsteller, der seine oft aussichtslosen Observationen der Wirklichkeit ¸¸Komödien" nannte. Typisch auch für seine Figuren: Verdammt und eingeklemmt zwischen Traum und Wirklichkeit und gebückt unter der Erkenntnis, dass es keinen Ausweg gibt. Aber es ist nicht allein seine geniale Beobachtungsgabe und sein Sinn für Ironie und Widerspruch, die Tschechow unsterblich machen. Auch nicht die ¸¸Wiedererkennbarkeit" von Menschen und Situationen. Immer wieder aufs Neue habe ich bei der Arbeit an seinen Werken das Gefühl, als ob die Figuren aus meinem unmittelbaren Familienkreis kämen. Ein Gefühl des Wiedererkennens, das jeder Regisseur, jeder Leser, jeder Zuschauer hat. Nicht umsonst lässt er mit der nötigen Selbstironie in der ¸¸Möwe" den Erfolgsautor Trigorin mit einem Notizblock herumlaufen, damit er alles, was ihm auffällt und brauchbar erscheint, aufschreibt. Nicht umsonst hatte Tschechow oft Konflikte in erster Linie mit weiblichen Zuschauern, die sich in seinen Stücken ¸¸gebraucht" fühlten (im Sinne eines Gebrauchtwagens). Dank dieser höchstpersönlichen und privaten Randbemerkungen ist sein Werk eine Chronik unseres kollektiven Unterbewusstseins, belebt von Figuren, die wir alle irgendwann einmal getroffen haben. Aber es ist nicht nur dieser Spiegel der Selbsterkenntnis, der Tschechow so einzigartig und einmalig macht. Es ist sein ¸¸Nicht-Urteil", es sind seine ¸¸Nicht-Held / Nicht- Opfer"-Personen. Der Blick, der Geist und das Herz eines solchen Schöpfers sind erfüllt mit einer ungeheuerlichen Empathie, einer Liebe für seine Mitmenschen mit der Kraft einer sich selbst entkorkenden Champagnerflasche. Luk Perceval, geboren 1957 in Lommel (Belgien), inszenierte zuletzt in der Spielzeit 2003/04 ¸¸Onkel Wanja" am Het Toneelhuis Theater Antwerpen. Süddeutsche Zeitung, 15. Juli 2004 |
|||||||||||
|
Walser Robert |
|
|
| Der Gehülfe | ||
THEATER
WERKE
|
|
|
Sophokles
|
Beispiel: Vers 1224 ff Ihr im Lande
Thebe Bürger, sehet diesen Ödipus,
|
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
Zu Beginn sitzen sie mit Koffern vor einem hydraulischen Vorgang, die Weltkarte zu ihren Füßen, in einem Seminarraum mit Sechziger-Jahre-Appeal, den Anna Viebrocks Bühnenbild herbeizitiert. Vor ihnen voluminöse Clubsessel, die als Schleudersitze dienen. Wer darin Platz nimmt und das Abschiedsdefilee der zu Krokodilstränen gerührter Kollegen hinter sich hat, brettert durch eine Wand aus Presspappe und ab in den Orkus. Die Senator-Lounge wird zum Fegfeuer, Destination Hölle, man wartet auf den verspäteten Flieger und vertreibt sich die Zeit in dieser finalen Warteschleife mit clownesker Weiterbildung und Liedern, vom Beresinalied bis zu Bob Dylans "Mr. Tambourine". Jürg Kienberger wühlt dazu in der Orgeltastatur wie ein römischer Priester in Tiereingeweide. ... Die Firmengeschichte der Swissair wird satirisch abgewedelt, dann sucht man gemeinsam die beste Apotheke zwecks Dämpfung der berufsbedingten Psychosomatik, um endlich eine Krisensitzung einzuberufen. Stephanie Carp hat aus Sitzungsprotokollen, Werbeslogans, Medienberichten und Fachliteratur das Stück virtuos zusammen gezimmert. Roger de Weck über die Schweizer: "Der Ordnungssinn - jener Firnis, den die Ausländer sehen - verdeckt bloß die Radikalität. Die Schweizer sorgen deshalb für Ordnung, weil sie wissen, wie rasch bei ihnen ein Konflikt ausartet, sobald er ausbricht. Die Ordnung ist Korsett, korsettiert sind Fleisch und Blut und andere Säfte, Leben, Anarchie, Leidenschaft, Amok. Die Schweizer sind dermaßen rücksichtslos in ihrem Streben, daß sie Maß halten müssen in ihrem Tun. Und dann verwandeln sie sich in Extremisten des Maßhaltens."
|
||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Alkestis |
Das Drama kommt auf Zehenspitzen, schleichend wie anderswo der Tod. Auf der Bühne ist es zuerst einmal still. Nur von Ferne hört man das Krächzen der Krähen und manchmal, ganz leise, eine zarte Musik. - "So ruhig und leer ist's vor dem Palast? So still und so stumm in den Hallen Admets?" - Der Raum ist ins Dunkel getaucht. Jossi Wieler hat die Tragödie, aufgeschrieben vor knapp 2500 Jahren, in die gutbürgerliche Welt von heute geholt: eine sehr genaue und dichte Inszenierung. Alkestis, die an Stelle ihres Mannes Admetos in den Tod geht, wird am Ende von Herkules ins Leben zurückgeholt. Admetos muß aber ganz schön schlucken, wenn er seine Frau wieder hat, und Alkestis am Ende mit paralysiertem Blick ins Publikum starrt. Eine große Ernüchterung. Kein Ausweg. Nicht einmal Veränderung. Wieler schaut das Stück durch die Lupe der bürgerlichen Kultur des 20. Jahrhunderts an, und dabei tritt ganz groß und klar ein Familiendrama hervor - eine Geschichte von Vätern und Söhnen, Schuld und Entschuldbarkeit, Kälte und Geld. Sie handelt vor allem davon, daß sich jeder selbst der Nächste ist. Jossi Wieler kratzt an der schicken Fassade, bis sie anfängt zu bröckeln. Buchstäblich: Da werden Tassen und Gläser zerbrochen und eine Lampe wird lose (oder war es ein Kurzschluß?). Jens Kilians Bühne erinnert an eine Wohnhalle mit Saloncharakter. (die Atmosphäre blendend umschreibend). Und auch schauspielerisch ist die Inszenierung ein Fest. nach der Rezension in der SZ von Christine Dössel
Das Göttliche
zeigt sich in mancher Gestalt. (Schlußchor aus Alkestis) |
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Peanuts
|
Buddy Ser? Was-ser? Was Wasser? Ach Wasser, willst du Wasser? War es das, was du sagen wolltest? Piggy Ja. Buddy Ich kann dir keins geben. Tut mir leid, wenn's nach mir ginge, würde ich dir was geben, aber ich kann nicht. Ja, ich weiß, keiner würde es erfahren, deshalb könnte ich dir eigentlich auch was geben, aber weißt du ... ich kann nicht alles machen, worauf ich Lust habe. Außerdem hab ich keine Lust. Du meinst vielleicht, dass ich nett bin und dass du das ausnutzen kannst, das machen viele, aber, ich bin vielleicht besser erzogen als der, der vorhin da war, trotzdem... ich will diesen Job gut machen. Ja, ich glaub daran. Manchmal ist es nicht einfach, aber... ich kann dir keins geben. Dir geht's schlecht, du hast Durst, aber ich kann nicht. Es gibt Salzwasser, das darf ich dir geben, aber ich glaub nicht, dass du das willst. das will niemand. Auch weil dir nachher der Mund austrocknet und du noch mehr Durst bekommst, danach fühlt man sich schlechter, ich weiß nicht, ob du's schon mal probiert hast. Vielleicht hättest du es gern, aber ich kann's die nicht raten. Trotzdem, es ist deine Entscheidung. Willst du Salzwasser? - Pause - Das hab ich mir gedacht. Ich versteh, dass du mich nicht gerade für einen guten Menschen hältst, weil ich dir nichts gebe, aber wenn du in meiner Lage wärst, würdest du mich verstehen. Weißt du, manchmal muss man auch zu harten Mitteln greifen, um die Demokratie gegen ihre Bürger zu verteidigen, wenn sie bedroht ist. Das sagen sie uns, wenn wir ein bisschen schlecht drauf sind. Aber meistens geht's uns ganz gut. Wir haben Höhen und Tiefen, wir alle.
Charles
M. Schulz hat seine "Peanuts" seit 1965 auch fürs Fernsehen
geschaffen. Im Mittelpunkt steht Charlie Brown, der ewige Pechvogel, ein
leidenschaftlicher Baseballspieler, der seine Mannschaft aber noch nie zu
einem Sieg geführt hat. Dann gibt es da noch Lucy, ein resolutes Mädchen,
das Charlie immer wieder gnadenlos auf seine Schwächen hinweist, deren
Bruder Linus mit seiner Schmusedecke, Schroeder, der Beethoven-Liebhaber,
der allen Annäherungsversuchen Lucys stoisch die Stirn bietet, und natürlich
Snoopy, der Wunder-Beagle.
Aus Charlie Brown ist bei Paravidino ein gewöhnlicher Name wie Buddy geworden, Minus ist Linus, Schroeder hat sich in Schkreker verwandelt.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
Wittenbrink's
Liederabende |
|
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
Metamorphosen
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
OVID METAMORPHOSEN XV. BUCH - Pythagoras Alles verändert sich nur, nichts stirbt. Herüber, hinüber Irrt der belebende Hauch, und in andre beliebige Glieder Ziehet er ein und geht aus Tieren in menschliche Leiber Und Getier von uns und besteht so ewige Zeiten. Wie das geschmeidige Wachs, zu neuer Gestalt sich bequemend, Weder verbleibt, wie es war, noch hält an den selbigen Formen. Was war, das bleibet dahinten; Was nicht war, das wird, und jede Minute verjüngt sich. Keines verbleibt in derselben Gestalt, und Veränderung liebend Schafft die Natur stets neu aus anderen andere Formen, Und in der Weite der Welt geht nichts - das glaubt mir - verloren; Wechsel und Tausch ist nur in der Form. Entstehen und Werden Heißt nur anders als sonst anfangen zu sein, und Vergehen Nicht mehr sein wie zuvor. Sei hierhin jenes versetzet, Dieses vielleicht dorthin: im Ganzen ist alles beständig. Unter dem selbigen Bild - so glaub' ich - beharrt auf die Dauer Nichts in der Welt. Weil
ich auf offener See nun treib' und die Segel den Winden |
||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Rückseite
der Rechnungen |
Sie schrieb
gegen ihr eigenes Vergessen: Marieluise Fleißer.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
Schiller
|
Für dumm verkauft: "Don Karlos" an den Kammerspielen "Jetzt gib mir einen Menschen, gute Vorsicht." Im dritten Akt seines "Don Karlos" lässt Friedrich Schiller König Philipp jenen Stoßseufzer gen Himmel schicken. Wir schließen uns dem Flehen an. Aber es hilft nichts. Auf der Bühne der Münchner Kammerspiele führen uns bis zum bitteren Ende nur aufgemotzte Winzlinge ihre aufdringlichen Faxen vor. Das Theater verkauft sein Publikum für dumm und liefert mit der Premiere des "Dramatischen Gedichts" das Stück über politischen Zwang und Ideale der Freiheit, über Jugend, Liebe und Revolte, über Männerfreundschaft und den Dualismus der Macht den seichten, unernsten Gesetzen der Comedy aus. Karlos: ein lispelnder Batman. Elisabeth: eine schlecht sprechende Giraffe. Posa: ein blasser Westentaschendiplomat. Eboli: eine alberne Travestiecharge. Philipp: ein verklemmter Popanz. Alle anderen Hoffinsterlinge: so grau wie ihre Anzüge. Die Bühne: ein scheußlich schwarzer Raum mit hohen, schweren Vorhängen. Und der Regisseur: einer, der Schiller einfach nicht gewachsen ist; der nicht kenntlich machen kann, warum er ausgerechnet das Stück inszenieren muss; der Politik und Privates nicht auf die Reihe kriegt; der nach dem Griff in den ausgebeulten Gagkoffer der selbsternannten, selbstverliebten, selbstgerechten Stück-Erneuerer nur noch den Einfall hat, das Ganze in dem heute zu einem Museum umfunktionierten Königspalast spielen zu lassen. So schlecht und langweilig wie diese Aufführung aber ist kein Museum der Welt. Die bayerische Schlösser- und Seenverwaltung sollte wegen Rufschädigung eine einstweilige Verfügung erwirken. Ein trauriger Triumph der Schäbigkeit und Schamlosigkeit des billigen Theaters, das man so doch nicht billigend in Kauf nehmen darf. Die erste Verszeile des "Don Karlos" - "Die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende" - ist, wie die Eingangsszene überhaupt, gestrichen. Das passt, denn: Die gute Zeit der Kammerspiele ist längst Geschichte. Kürzlich ließ Intendant Frank Baumbauer überraschend selbstkritisch verlauten: "Wir müssen besser werden." Nur muss er endlich damit anfangen, zuerst naturgemäß bei sich. SABINE DULTZ |
|||||||||||||||||||||||||||||||
|
Gadamer - Zitat: |
Das
Zitat stammt aus dem Werk von Hans-Georg Gadamer (ich
hatte das Glück ihn noch persönlich bei einem Vortrag in München zu hören
und zu erleben) „Die Aktualität des Schönen – Kunst als Spiel, Symbol
und Fest“, das in der gelben Reclam Reihe Nr. 9844 erschienen ist. Der
Text ist eine überarbeitet Fassung der Vorlesungen, die während des
Salzburger Hochschulwochen 1974 von Gadamer gehalten wurden. "Die symbolische Repräsentation, die Kunst leistet, bedarf keiner bestimmten Abhängigkeit von vorgegebenen Dingen. Gerade darin liegt vielmehr die Auszeichnung der Kunst, daß das, was in ihr zur Darstellung kommt, ob reich oder arm an Konnotationen oder ein reines Nichts derselben, uns zum Verweilen und zur Zustimmung bewegt wie ein Wiedererkennen. Es wird zu zeigen sein, wie sich gerade von dieser Charakteristik her die Aufgabe ausnimmt, die die Kunst aller Zeiten und die Kunst von heute für jeden von uns stellt. Es ist die Aufgabe, das, was da sprechen will, hören zu lernen, und wir werden uns eingestehen müssen, daß Hörenlernen vor allem meint, sich aus dem alles einebnenden Überhören und Übersehen zu erheben, das eine immer reizmächtigere Zivilisation zu verbreiten am Werk ist." |
|||||||||||||||||||||||||||||||