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Teilhard de Chardin / LE MILIEU DIVIN |
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Wenn wir die ganze Fülle unseres Menschseins und unseres Christseins leben wollen, müssen wir die Stumpfheit überwinden, die uns die Dinge um so mehr verstecken sucht, je näher sie uns kommen und je größer sie sind. Gehen wir von den allerpersönlichsten Zonen unseres Bewußtseins aus und verfolgen wir die Verlängerungen unseres Seins durch die ganze Welt hindurch! Die Übung ist heilsam und lohnt sich. Wir werden überwältigt feststellen, wie vielfältig und wie eng wir mit dem Weltall verbunden sind.
Die Wurzeln unsers Seins? Durch die Materie wirkt in jedem von uns die ganze Geschichte der Welt in einem Teil nach. Mag unsere Seele auch noch so selbständig sein, sie ist doch die Erbin eines Daseins, das vor ihr durch das Zusammenwirken aller irdischen Kräfte wunderbar bereitet wurde. Auf einer bestimmten Entwicklungsstufe begegnet sie dem Leben und vereinigt sich mit ihm. -Kaum findet sie sich an diesem bestimmten Punkte des Weltalls eingefügt, fühlt sie sich ihrerseits schon umlagert und durchdrungen von der Flut kosmischer Einflüsse, die sie ordnen und verarbeiten muß. Blicken wir um uns! Die Wellen kommen von überallher aus der Tiefe des Horizonts. Durch alle Zugänge überflutet uns das Wahrnehmbare mit seinen Reichtümern. Speise für den Körper und Nahrung für die Augen, Harmonie der Töne, Fülle des Herzens, unbekannte Erscheinungen und neuer Wahrheiten, all diese Schätze, alle diese Reize, all diese Anrufe steigen von allen vier Enden der Welt auf und durchdringen in jedem Augenblick unser Bewußtsein.
Was wollen sie in uns bewirken? Wenn schon die unscheinbarste und materiellste Nahrung imstande ist, unsere geistigen Fähigkeiten tief zu beeinflussen, was ist dann von den unendlich tiefer durchdringenden Kräften zu halten, die die Musik der Schattierungen, der Töne, der Worte und der Ideen mit sich führt? Es gibt in uns nichts Körperliches, das sich unabhängig von der Seele ernährt. Was immer der Leib annimmt und umgestaltet, muß auch von der Seele vergeistigt werden. Sie tut das natürlich ihrer Würde gemäß und auf eigene Weise. Aber sie kann sich dieser universellen Berührung und pausenlosen Verarbeitung nicht entziehen. So vollendet sich in ihr auf Glück und Gefahr immer mehr die ihr eigentümliche Kraft zu verstehen und zu lieben, die ihre ganz durchgeistigte Einmaligkeit ausmacht. Wir wissen zwar nicht, in welchem Verhältnis und in welcher Form die natürlichen Fähigkeiten dereinst in unser letztes Tun, in der Schau Gottes, übergehen. Doch man kann kaum daran zweifeln, daß wir uns auf Erden mit Gottes Hilfe jene Augen und jenes Herz bereiten, aus denen eine letzte Umwandlung die entsprechenden Organe schaffen wird.
Diese werden einst - bei jedem auf seine Art - über die Kraft verfügen,
anzubeten, und über die Fähigkeit selig zu sein." |