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"Es handelt sich bei diesem Stil nicht nur um Verwirklichung im Bild. Kaum zu bestimmen, wo im Barock Bild, Platik, Bauwerk aufhört und das Dasein beginnt. Die Kirche des Johannes von Nepomuk in München wächst aus einem Grund von Felsen. Einerlei, daß inmitten der Sendlinger Gasse diese Felsen künstlich sind. Sie bedeuten den allegorischen Stand der Kirche auf dem Fels. Sie bedeuten zugleich den Übergang der Kirche zur Wirklichkeit, zum Bereich der ungeformten Natur, zum Tag, zum Volk. Zwiefache Überwindung der Abstände. Die Allegorie der Kirche auf dem Fels wird naturalisiert; so handgreiflich naturalisiert, als es überhaupt geschehen kann. Allegorie und Bildwerk werden verschmolzen. Allegorie und Bildwerk werden. miteinander verklammert, zugleich in die Unmittelbarkeit der Gasse hereingezogen: zwischen Gasse, dem Alltag, dem Bürger und dem Urgedanken der Kirche Petri bleibt nicht ein Millimeter Zwischenraum. Das Barock ist ein Stil: es verschlingt das Leben. Ein Stil! Die Gewalt des Wortes sei ermessen: trotz aller Naturalisation bleibt die Atmosphäre einer Form, und in der Sekunde, in der die Naturalisation ihr Höchstmaß erreicht, Alles in den Ablauf gemeinen Daseins hineingerissen wird, treibt sie ihre Spirale in die Sphäre waghalsiger Formalität hinauf. Die Kunst der Verführung ist bis zu ihrer letzten Vollkommenheit gediehen. Entblößung und Verhüllung sind nicht mehr zu unterscheiden. Das gemeine Leben weiß nicht mehr, wie ihm geschieht: ist es selbst die Kunst? Die Kunst weiß nicht, wie ihr geschieht: ist sie das Leben? Die Unterscheidung hört auf." Wilhelm Hausenstein - Vom Geist des Barock, 1924, S. 117 ff.
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