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      WESTALLGÄU

Blick vom Edelsberg (Nesselwang) ins Vilstal und zur Zugspitze

 

 ALLGÄU

Im Jahr 817 wurde der Allgäu in einer St. Gallener Urkunde zum ersten Mal urkundlich als „Albigauge“ (später „Albigoi“) erwähnt. . . . Das Allgäu ist eine Teilregion von Oberschwaben und hat keine streng definierte geographische Begrenzung, oft geht es fließend in die benachbarten Landschaften über. Insbesondere nach Westen und Norden ist dies der Fall. Allerdings gibt es einen Bereich, der in der Fachliteratur als Urallgäu gilt.  . . . Für größere Ausdehnungen des Allgäus werden von verschiedenen Forschern als Kriterien beispielsweise die landwirtschaftliche Bewirtschaftungsform, hier vor allem die Milchwirtschaftsgrenze, die Sprache, Bauart und Lebensweise der Menschen herangezogen. Ebenfalls wird teilweise die Niederschlagsmenge betrachtet, was in Zusammenhang mit der Lage unmittelbar vor dem Gebirge der Alpen und der Meereshöhe von über etwa 600 Metern steht, in der sich die Voralpenlandschaft des Allgäus befindet. Im Süden ist die Landschaft durch den Hauptkamm der Allgäuer Alpen relativ eindeutig abgegrenzt. Nach Osten stellt der Flusslauf des Lech im Wesentlichen die Grenze dar, wobei im südlichen Ostallgäu der Bereich etwas nach Osten zu den Ammergauer Alpen hin ausgedehnt ist. Landschaftlich und sprachlich können auch Teile des benachbarten österreichischen Vorarlberg (Kleinwalsertal) und Tirols (Außerfern/Bezirk Reutte) zum Allgäu gerechnet werden.

Quelle: Wikipedia

BLICK VON DER ALPSPITZ (NESSELWANG) IN DEN NORDEN VON WEST NACH OST


KARTE VON CHRISTOPH HURTER AUS DEM JAHRE 1619 (Ausschnitt)

 

 Das Allgäu gleicht dem Adler!

Wären die Adler "nachdenksam und seherische Wesen, so hätten sie sich Gedanken machen müssen über das Land unter ihnen. Wie es ringsum ganz ihnen glich, zackig, krallig, wild, mörderisch und himmelanstrebend, wie es eine vielgeteilte Burg und Zuflucht für alles war, was grimm und kriegerisch ist, für Wetter und Lawinen, für Raubtiere und Raubmenschen. Und wie dann mitten im Gefels paradiesische Weiden von wonnigem Grün, tiefe Täler sich auftaten, die ganz den Rehen und Kitzen glichen, die sie verfolgen und schlugen. Sie hätten sogar Lust haben müssen, in den lieblichen Tälern weiter hinaus und rund um die Trutzburg der Trolle ihre Kreise zu ziehen. Diese waren alle zusammen ein einziger bunter Teppich - dunkel von den Wäldern auf den Höhen, smaragden von den Matten und Egarten, lichtgelb von Hafer- und Gerstenäckern und himmelblau in der Blütezeit der Flachsfelder.  

Dörfler beschreit hier die Gestalt des Jahres 1828

Das Wort »Egarten« gehört der alemannischen u. bayrischen Mundart an und bedeutet »Brachland«.

Peter Dörfler - Die Akllgäu Triologie -  Der Notwender  S. 31




In der Nachbarschaft des Allgäus

Mieminger Berge mit Seebensee
Foto Heinrich Scherbaum jun.

Dazu ein Gemälde des Gebietes vom Münchner Maler Rudolf Reschreiter (1867-1938)





 

Die Iller entsteht am Illerursprung nördlich von Oberstdorf, wo die drei Quellbäche Stillach, Breitach und Trettach zusammenfließen. Die Trettach kommt vom Mändeleskopf, die Stillach entspringt im Haldenwanger Eck und wird ab Einödsbach Stillach genannt. Die Breitach hat ihren Ursprung in Bödmen / Kleinwalsertal und fließt durch die bekannte Breitachklamm.



Franz Sales Lochbihler (1777 - 1854)

Ausschnitt - Die Illerlandschaft mit Blick auf Kempten  (um 1830/1840)




NESSELWANG

MARIA TROST

 

Das Gnadenbild "Maria Trost" , zunächst im Besitz einer Familie in Regen (Niederbayern), überstand die Brandschatzung des Ortes fast unversehrt (1633). Die Frau des Pflegers von Fürsteneck, Argula von Grimming, erwarb es für die Schloßkapelle der Burg. 1652 wird das Bild von ihrem Sohn Rudolf in die Ursprungskapelle auf dem Plainberg gebracht. 1658 kam Rudolf mit dem Gnadenbild nach Nesselwang im Allgäu. 1676 kehrte das Originalbild nach Salzburg zurück.  Rudolf starb 1692 in Durach.

mehr zu Maria Plain (Salzburg) . . .

mehr zu Maria Trost (Nesselwang) . . .



BLICKE VON DER ALPSPITZ - EDELSBERG



Blick von Maria Trost aus in Richtung Weissensee - Füssen (Hohes Schloss) - Neuschwanstein

 






Blick ins Füssener Land mit dem "alten Sportheim Böck"






 





































































MARIA RAIN

 

















 







 

 

 

WERTACH

St. Ulrich und Josef


   
 
ZEITFENSTER

Im hohen, dunklen Fenster,
lichte, helle Durchblicke.
Rück-Sicht ins Alte,
als könnte das Jahrhundert
noch nicht geschehen sein.
Vor-aus-Sicht ins Neue
und noch der Glaube,
es könnte sich zum Guten wenden.

 

tam

 

 

 

 









Rokokotabernakel, des aus Hindelang stammenden Johann Richard Eberhard (1739 - 1813)













 


 

 

 

Am 16.4.1893 fiel die Kirche einer schrecklichen Feuersbrunst zum Opfer. Nur der Tabernakel, die beiden Seitenaltäre und einige Paramente konnten gerettet werden. Im Jahre 1896 war die neue Kirche mit Turm fertiggestellt.

 

 

"Der Hochaltar hat noch den aus der alten Kirche geretteten, in reichem Goldschmuck strahlenden Tabernakel. Das große Altargemälde vom Münchner Maler Locher stellt Jesus, Maria und Josef auf dem Gang zum Tempel dar. Im oberen Altarbild sehen wir Ulrich und Afra. Links an der Chorwand befinden sich zwei Wandgemälde, der Tod des hl. Josef und die Ungarnschlacht auf dem Lechfeld 955, mit dem hl. Ulrich auf dem weißen Pferd (alle Bilder von Locher). Das Deckenbild im Chorraum stellt die Himmelfahrt Christi dar. In den Gewölbefeldern des Kirchenschiffes sehen wir bei der Orgelempore: Maria Verkündigung, Chirsti Geburt, der 12 jährige Jesus im Tempel, die Übergabe der Schlüsselgewalt an Petrus und die Kreuzigung. Die Seitenaltäre haben noch die vom Brand 1893 geretteten Altarbilder, die von unserem Wertacher Maler Franz Sales Lochihler im Jahre 1833 geschaffen wurden. Links die hl. Familie mit dem Johannesknaben und St. Michael, rechts: der vom Kreuz abgenommene Leichnam Jesu im Schoß seiner Mutter. Über dem rechten Seitenaltar sehen wir den hl. Bruder Konrad v. Parzham. Über dem linken Seitenaltar befindet sich das alte Wallfahrtsbild, der hl. Josef, von dem Konstanzer Maler Christoph Storer (1611-1671). "

Quelle: Internetseite der Gemeinde Wertach











Bonifaz Locher

7.11.1858  Ringschneit bei Biberach an der Riß - 27.10.1916 in München

1878- 1887 an der Münchner Kunstakademie,
wo Alexander Wagner, Andreas Müller und Wilhelm Lindenschmit d.J. zu seinen Lehrern gehörte.
Er schuf Fresken und Altarbilder in zahlreichen bayerischen und
württemberischen Kirchen in ausgezeichneter Qualität.

Eine Würdigung seines Werkes findet sich anläßlich seines Todes in der Zeitschrift
"DIE CHRISTLICHE KUNST - Dreizehnter Jahrgang 1916/1917"




"Die christliche Monumentalmalerei hat einen ihrer besten Vertreter verloren - Bonifaz Locher ist am 27. Oktober gestorbe! Ein Künstlerdasein hat sein Ende gefunden, das berufen war, durch harte Schwierigkeiten, durch des Lebens herbe Not sich zu Kraft und Anerkennung durchzuringen. Locher hat die Aufgabe seines Lebens gelöst. Er hat Werke geschaffen, die seinem Namen ein ehrenvolles und rühmliches Gedächtnis sichern, und noch manches wäre von seiner Leistungsfähigkeit zu hoffen gewesen, wenn nicht der Tod ihn zu früh hinweggenommen hätte. . . .

Bonifaz Locher war geborener Württemberger; er kam 1858 in Ringschneit bei Biberach zur Welt. Seine künstlerische Vorbildung genoß er auf der Zeichenschule zu Biberach und der Kunstschule zu Rottenburg. Von dort ging es zur Münchner Akademie, wo Strähuber, Al. Wagner, Lindenschmit und Andr. Müller (letzterer für Komposition) seine Lehrer waren. Nur unter großen Schwierigkeiten und Entbehrungen konnte Locher das Studium durchsetzen. Um so rühmlicher ist, daß er es schon als Schüler zu einem beträchtlichen Erfolge zu bringen vermochte: Sein Lehrer Müller überließ ihm die Ausführung eines großen Deckengemäldes in der Kirche St. Max zu Augsburg. Nachdem Locher die Akademie verlassen hatte, blieb sein Streben fast ganz der Monumentalkunst zugewandt. Groß ist die Zahl der von ihm geschaffenen kirchlichen Decken- und Wandgemälde. Zu den frühesten gehören die zu Haunstetten bei Augsburg, Jengen bei Buchloe, Stefflengen in Württemberg, spätere befinden sich in Dürkheim (Württemberg), in Unterreitnau bei Lindau, Gaimersheim bei Ingolstadt usf. Wiederholt erhielt Locher Regierungsaufträge; so den für drei Deckengemälde in der Stadtpfarrkirche zu Pegnitz (Christi Himmelfahrt, die Anbetung des Lammes und die Verherrlichung des Evangeliums); ferner den Staatsauftrag für gotische Fresken in der Kirche von Zell im Allgäu; für Malereien an der Luitpoldschule und im Zentraljustizgebäude zu Bamberg (fünf Allegorien der Gerechtigkeit).  Daselbst hatte er auch die Rathausfresken zu erneuern. Denn geschicktes, fein verständnisvolles Herstellen - der Eingeweihte weiß, wie schwer dies ist! - gehörte zu Lochers besonderen Fähigkeiten, und er hat sie noch in der für Originalmalereien wenig günstigen Kriegszeit bewährt. Als er mit einer zweiten Herstellung des Bamberger Rathausfresken beschäftigt war, befiehl ihn die Todeskrankheit.

Lochers Arbeiten interessieren durch Trefflichkeit der Zeichnung, durch edle Farbe, durch Kraft, durch volle und klare Komposition, sie beschäftigen den Geist durch die Tiefe ihres Inhalts, sie erfüllen durch die ihnen eigene Festigkeit, Innerlichkeit und Echtheit der Glaubensüberzeugung höchste religiöse Absichten."

Doering




 

 

 

 

 

 
 

 

 







Schlacht auf dem Lechfeld
links unten signiert: B.L. 1897

 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 
 
 
 

















Zu Wertach siehe auch Winfried Sebald . . .

OBERSTAUFEN

 



Die  Pfarrkirche St. Peter und Paul wurde von 1859 - 63 gebaut, an der Innengestaltung wurde seit 1860 gearbeitet. Die Weihe der Kirche durch den Bischof von Augsburg, Pancratius von Dinckel, fand am 30. Juli 1865 statt.

Sie dazu die Beiträge zum Historismus . . .








Die Maße der Figuren sind gewaltig. Der Gekreuzigte misst in der Höhe 5,20 m, die Spannweite beträgt 4,25 m. Maria und Johannes sind 3,30 m hoch.  Die Oberstaufener Skulpturen zählen damit zu den größten der Spätgotik und werden Heinrich Iselin zugeschrieben, 1500 bis 1510.

 








DIE "SCHWABEN" - "DIE VERSONNENE" AN DER LUITPOLDBRÜCKE IN MÜNCHEN

 






ALLGÄUER DIALEKT (SPRACHE)

Johannes Rinderle hat ein erhellendes und amüsantes Buch über den "Dialekt im Süden des Ostallgäus" vorgelegt. Sein Titel: "Die Uibr isch bei dr Eisr obadoob"

ISBN 978-3-00-038956-6

"I lueg gäere allebott nei"

Hier ein paar  Kostproben:

Die Seeger fahren nicht einfach nach . . . 

Viel aussagekräftig ist es, wenn man sagen kann: 

"Ich fahr . . .

auf Lengewang naa,

auf Roßhobde numm,

in d Hopfarau und auf Fiesse nei,

auf Pfrondda nauf,

auf Kembde numm und

in de Rick hindre."

S geit nix Nuis, mier hand no am Alte gnue.

Es gibt nichts Neues, wir haben  noch am Alten genug.

Nix gseet isch gloobed gnue.

Nichts gesagt ist genug  gelobt.

 






         EINE SEITE VON THEODOR FREY

 DES ALLGÄUS






Römische Provinz
15 v.Chr
 - 387 n. Chr





Frühmittel-
alter und Romanik

600 - 1200




Renaissance
1420 - 1610



Klassizismus und Romantik
1750 - 1850


Realismus und Impressionismus
ab 1850

Die klassische Moderne
20. Jahrhundert

Kelten
bis 15 v.Chr

 Manierismus

Moderne, Postmoderne
ab 1960

Frühchristentum
ab 200 n. Chr


Gotik
1140 - 1520



Barock und Rokoko
1575 - 1770




Stilpluralismus,
Historismus
Biedermeier und Gründerzeit

ab 1815





jugendstil 
art deco
ab 1896







Gegenwart

 
Kulturgeschichte außerhalb dieses Rahmens - insb. außereuropäische Kunst
Türkei




Indien China

EINE SEITE VON THEODOR FREY 

 

Frühzeit - Kelten
bis 15 v.Chr

Erste Spuren der Besiedelung um den Auerberg in der Jungsteinzeit (etwa 2500 Jahre vor Chr.) sind seit 1918 durch den Fund eines Steinbeils im Ort Heggen belegt. Um 1200 bis 1000 v. Chr. siedelten vereinzelt Illyrer aus dem Balkan. Ab dem 8. Jahrhundert v Chr. brachten die eingewanderten Kelten die neue Technik des Salzbergbaus, sowie der Eisenverhüttung und -verarbeitung mit. 

DAMASIA - Hochburg und Heiligtum der keltischen Licatier auf dem Auerberg

Der antike griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabo schreibt ".....Vindeliciern,...ihre Städte sind.....Kambodunum und Damasia, gleichsam die Burg der Likattier." Hier ist Damasia als Felsenburg („Akropolis“) beschrieben, als Hauptstadt des keltischen Stammes der Likatier (= Bewohner des Lechgebiets). Da am Lech aber keine vergleichbare Höhenburg liegt, könnte der Auerberg das gesuchte Damasia sein. Der Auerberg, (1055 m ü.M.) ein kegelförmiger Berg vor den Alpen (Oberbayern-Allgäu), ist der größte voralpenländische Berg am Lech.

Ausgrabungen ergaben ein von einer weitläufigen Stadtmauer (Ringwall) umgebenes städtisches Siedlungsgebiet (Therme, Fabrica, u.a.m.) Der Auerberg wurde in zwei Zonen unterteilt, den Schlossberg östlich und den Kirchberg westlich. Nur fünf Prozent des Auerberges sind bisher archäologisch untersucht worden.

Quelle: Wikipedia

15 v.Chr. -  "Nach Gegenwehr der Keltischen Estionen marschiert Tiberius über das Quellgebiet der Donau gegen das Zentrum des Allgäus.  . . . Die überlebende Bevölkerung wird großenteils deportiert, 40 000 Frauen und Kinder auf den Sklavenmärkten Italiens versteigert, die wehrfähige Jugend in römische Uniformen gesteckt und im Verbande römischer Hilfstruppen an fernen Kriegsschauplätzen eingesetzt. Der römische Heeresbericht kann wieder einmal die erfolgreiche 'Befriedung' eines neueroberten Gebietes melden."

Quelle: Alfred Weitnauer - Allgäuer Chronik - S. 7

 

 

 

Römische Provinz

15 v. Chr - 387 n. Chr.

Die Gipfelregion des Auerberges die wohl älteste, großflächige römische Siedlung in Bayern. Etwa 5 km östlich davon, führte entlang des wilden Gebirgsflusses Lech die römische Staatsstraße Via Claudia Augusta aus der Richtung Füssen kommend am Auerberg vorbei nach Norden in den Landsberger Raum, wo sie bei Epfach auf die Römerstraße Cambodunum (Kempten)–Abodiacum stieß.

Quelle: Wikipedia

 

 

ABODIACUM - Epfach

Auerberg

CAMBODUNUM - Kempten

 

 



Germanen - Frühchristentum

400 - 800 n. Chr.

Germanische Alemanneneinfälle in der Zeit der Völkerwanderung führten zu einer flächendeckenden Landnahme und ab dem 6. und 7. Jahrhundert zur Entwicklung einer keltisch-alemannisch-römischen Mischbevölkerung. Gleichzeitig gewann das Christentum an Boden. Die Urfarrei St. Georg auf dem Auerberg dürfte bereits in der Zeit um 800 n. Chr. entstanden sein.

Quelle: Wikipedia

Die Heiligen Magnus (gestorben um 750) und Gallus auf Wanderschaft

Fresko aus der Krypta der Kirche St. Mang in Füssen (um 1000)

 

 



Frühmittelalter und Romanik
600 -1200

Frühmittelalter 
(6. - Anfang 10. Jh.)
Epoche der Merowinger (5. - 8.Jh.) und Karolinger ( 751 - 987)

Hochmittelalter
(Anfang 10. Jh. bis ca. 1250)
Zeit der Ottonen, Salier und Staufer

Albertus Magnus 

* um 1200 in Lauingen † 15.11.1280 in Köln)

Altenstadt bei Schongau

Die Basilika St. Michael entstand zwischen 1180 und 1220 als Pfarrkirche der später Altenstadt genannten Ursiedlung von Schongau. Der spätromanische Tuffsteinbau ist nahezu vollständig in seiner hochmittelalterlichen Gestalt erhalten oder wiederhergestellt.

Die schlichte, monumentale Architektur der querschiffslosen Basilik verweist auf direkte Vorbilder in Oberitaline. Der Neubau dürfte von einer oberitalienisch-lombardischen Wanderbauhütte ausgeführt worden sein, zumindest waren dem Baumeister die italienischen Vorbilder wohl vertraut (etwa S. Savino in Piacenca). Altenstadt zeigt zudem deutliche Ähnlichkeiten zur Basilika St. Peter im niederbayrischen Straubing. Beide Kirchen unterstanden dem Bischof zu Augsburg.

Quelle: Wikipedia

 

 

 

Gotik
1140 - 1520

Spätmittelalter 
(ca. 1250 bis ca. 1500) 
nach dem Scheitern der klassischen Kaiseridee

Die Herrschaft Eisenberg war ursprünglich Eigentum der Herren von Hohenegg. 1382 übergab Bertold von Hohenegg seinen Besitz an Herzog  Leopold III. von Österreich (1351 – 1386), um ihn anschließend für sich und seine Erben als Lehen wieder zu erhalten. Erbin war seine Tochter Anna, die vor 1376 den Friedrich von Freyberg ehelichte.

Im 15. Jahrhundert spalteten sich zwei selbständige Besitzkomplexe ab: Ca. 1420 die Herrschaft Freyberg-Eisenberg-Hohenfreyberg mit dem Amtmannsitz in Zell und 1467 die Herrschaft Freyberg-Eisenberg-Hopferau mit dem Amtmannsitz in Hopferau. Der eisenbergische Amtmann wohnte im Schlösschen in Weizern. Dort hatten die Freiherrn von Freyberg-Eisenberg zu Eisenberg ein Niedergericht für ihren Herrschaftsbereich eingerichtet.

Quelle: Wikipedia

 

Die Grenzstadt Füssen bewahrte neben dem gotischen „Hohen Schloss“ der Bischöfe von Augsburg umfangreiche Reste seiner Stadtbefestigung. Das Schloss beherbergt heute eine Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlung.

 

 

 

Renaissance
1420 - 1610

"Man stürzte Welten ein, sagte aber, man wolle nur zu den Quellen oder man stelle das Ursprüngliche wieder her."(Kurt Flasch)

 

 

 

Barock und Rokoko
1575 - 1770

Johann Jakob Herkomer
(1652 - 1717)

Johann Jakob Herkomer (1652 -1717 - Baumeister, Maler und Stukkateur) , dessen Großvater Christof Herkommer aus Seeg stammt. 

Das Taferngut zu Sameister bei Roßhaupten wurde 1639 von Balthasar Herkomer gekauft. Dieser war der Vater des dort 1652 geborenen Barockbaumeisters Johann Jakob Herkomer. 

Domenikus und 
Johann Baptist Zimmermann

Johann Baptist Enderle

SEEG IM OSTALLGÄU - ST. ULRICH




 

 

Im Gasthaus zur 'Alten Post' in Füssen wurde am 24. April 1745 
der Frieden zwischen Kurfürst Max Joseph von Bayern und Kaiserin Maria Theresia 
nach einem vierjährigen Krieg um die österreichische Erbfolge geschlossen

Der Vertrag wurde am 22. April 1745 in Füssen 
vom bayerischen Bevollmächtigten Joseph Fürst zu Fürstenberg 
und dem österreichischen Verhandlungsführer
Rudolph Joseph von Colloredo-Waldsee unterzeichnet.

 

Klassizismus und Romantik
1750 - 1850

 

 

 

 

Stilpluralismus, Biedermeier und Gründerzeit
ab 1815

Christoph von Schmid
1768 - 1854


 

 

Realismus und Impressionismus 
ab 1850

 

 

 

Jugendstil und 
Art Deco
ab 1896

 

 

 

Die klassische Moderne
20. Jahrhundert

Otto Modersohn

(1865 - 1943)

In den Frühjahrs- und Sommermonaten arbeitete Otto Modersohn nach dem Erwerb eines alten Bauernhauses 1930 auf dem Gailenberg bei Bad Hindelang. Das Allgäu brachte für seine Malerei neue Anregungen. 1936 erllitt er durch eine Netzhautablösung den Verlust des Sehvermögens seines rechten Auges und wurde dadurch gezwungen die Malaufenthalte im Allgäu einzustellen.

Seine Bilder sind, auch wenn die dargestellte Landschaft in die Tiefe führt, als Fläche empfunden, wie ein Gewebe aus dunklen Farbtönen.

Quelle: Wikipedia

Nach 1945 - die 50er und 60er Jahre

 

 

 

Moderne, Postmoderne
ab 1960

 

 

 

Gegenwart

Otto Kobel

Kilian Lipp

 

 




 

RÖMERSTRASSEN IM ALLGÄU

 

Via Claudia Augusta

15 n. Chr. unter Nero Claudius Drusus

Von Venetien über Verona, Bozen (Pons Drusi), Meran (Statio Maiensis), durch den Vinschgau,
 
über den
Reschenpass, Finstermünz und den Fernpass über Füssen (Foetes) nach Augsburg

(
Augusta Vindelicorum)

 

"Die Allgäustraße

war eine überdurchschnittlich breite (9,5 Meter) Römerstraße in der römischen Provinz Rätien (Raetia=, die von Augsburg (Augusta Vindelicorum) in Richtung Südwesten über Kempten (Cambodunum) nach Bregenz (Brigantium) führte. Von dort hatte sie Anschluss nach Chur (Curia Raetorum) und entlang des Bodensees (Brigantinus Lacus) nach Obergermanien (Germania superior) und Gallien (Gallia). Von Chur gab es über den Septimerpass eine Verbindung nach Como (Comum) in Italien. Der lateinische Name dieser Straße hat sich nicht erhalten."




VIA DECIA !?






Quelle: Gerald Grabherr
Die "Via Decia" - Eine postulierte römische Reichsstraße
(Diplomarbeit Innsbruck 1994)

Kritisch setzt sich Gerald Grabherr mit der "Via Decia" auseinander:

"Nur wenig überzeugend scheinen ebenso die Gründe zu sein, welche für den Bau dieser Straße ins Feld geführt werden. Vorwiegend wird angeführt, daß die Römer aufgrund der andauernden Alamanneneinfälle das Alpenvorland zu meiden suchten und eine inneralpine Verbindungsstraße anlegten, um rasch Truppen vom Raum Veldidena - Brenner zum Bodensee verschieben zu können. So eine Straße für Truppenverschiebungen kann aber nur aus taktischen Überlegungen heraus angelegt werden und würde wohl nur für eine kurze Benützungsdauer geplant werden, was mit der Aufstellung von Meilensteinen nicht unbedingt in Einklang zu bringen ist. Als dauerhafte strategische Verbindung scheint sie aber nicht der römischen Militärpolitik unter Decius zu entsprechen, wenn man bedenkt, daß dieser auch die römische Heerstraße von Mogontiacum/Mainz nach Augusta Vindelicum/Augsburg, die ja als Aufmarschroute des Limes anzusehen ist, ausbauen ließ. Aus militärischen Gesichtspunkten ist jedoch der Ausbau sowohl einer West-Ost-Verbindung durch die Alpentäler als auch der Ausbau der Straße Mainz-Augsburg nicht sinnvoll. "

"Nachsatz:
Die Ablehnung einer unter Kaiser Decius angelegten Straße vom Raum Innsbruck nach Bregenz/Brigantium wurde durch einen neuentdeckten Meilenstein dieses Kaisers aus Mittenwald bekräftigt, wodurch die Zuweisung der beiden Tiroler Decius-Steine zur römischen Brennerroute als erwiesen angesehen werden kann. "
Siehe: K. Dietz/M. Pietsch, Zwei neue Meilensteine aus Mittenwald. Mohr – Löwe – Raute. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Garmisch-Partenkirchen 6, 1998, 41-57

Publikation: Gerald Grabherr, Zur sogenannten Via Decia, Bayer. Vorgeschbl. 61, 1996, 229-244

"

 

 

 

 



 

Allgäuer Namen

Winfried Sebald   I   Gerhard Köpf   I   Christian Wagner   I   Theo Waigel   I   Markus Pfeiffer   I

 

Winfried G. Sebald wurde am 18.5.1944 in Wertach (Allgäu) als zweites Kind von Georg und Rosa Sebald geboren. Bis zu seinem 9. Lebensjahr wohnte die Familie bei Seefelder Ulrich und später über der Gaststätte von Pepi Steinlehner in Wertach. Nach dem Umzug nach Sonthofen besuchte er das Gymnasium in Immenstadt und Oberstdorf. In seinem Werk "Schwindel. Gefühle" beschreibt er auch seine Kindheit in Wertach. Er kam am 14.12.2001 bei einem Autounfall ums Leben. 

Auszüge aus seinem Buch "Schwindel.Gefühle"

" Gegen Mittag ...erreichte der Bus mit dem letzten Fahrgast das Zollamt von Oberjoch. Das Wetter hatte inzwischen wieder umgeschlagen. Eine dunkle, ins Schwarzfarbene übergehende Wolkendecke lag über dem ganzen Tannheimer Tal, das einen niedergedrückten, lichtlosen und gottverlassenen Eindruck machte. Nirgends rührte sich das geringste. ... Auf der einen Seite stiegen die Berge in den Nebel hinein, auf der anderen dehnte sich eine nasse Moorwiese, und dahinter erhob sich aus dem Vilsgrund herauf der kegelförmige, aus nichts als aus schwarzblauen Fichten bestehende Pfrontner Wald. Der diensthabende Zöllner, der, wie er mir sagte, in Maria Rain zu hause war, versprach mir, meine Tasche nach Feierabend, wenn er auf der Heimfahrt durch W. komme, für mich im Engelwirt abzuladen. Ich konnte also, ..., bloß mit dem kleine ledernen Rucksack über der Schulter durch die ans Niemandsland grenzenden Moorwiesen und den Alpsteigtobel hinab nach Krummenbach und von dort über Unterjoch, die Pfeiffermühle und das Enge Plätt nach W. hinausgehen. ...

Das letzte Tageslicht war im schwinden, als ich ins enge Plätt kam. Linker Hand war der Fluß, zur Rechten die triefenden Felswände, aus denen man um die Jahrhundertwende die Straße herausgesprengt hatte. Oberhalb, voraus und bald auch hinter mir nichts als die unbeweglichen schwarzen Tannenwälder. Das letzte Wegstück zog sich tatsächlich so endlos lange hin, wie ich es von früher in Erinnerung hatte. ...

Als ich aus dem Plätt herauskam, war es auch draußen Nacht geworden. Aus den Wiesen stiegen die wei0en Nebel, und drunten an dem nunmehr ein gutes Stück weit entfernten Flußlauf erhob sich die schwarze Sägmühle, die im fünfziger Jahr, unmittelbar nach meiner Einschulung, mit ihrem gesamten Holzlager in einem großen, das ganze Tal erleuchtenden Feuer niedergebrannt war. ... Auf der steinernen Brücke kurz vor den ersten Häusern von W. blieb ich lange stehen, horchte auf das gleichmäßige Rauschen der Ach und schaute in die nun alles umgebende Finsternis. ...

Gut dreißig Jahre war ich nicht mehr in W. gewesen. Obzwar im Verlauf dieser langen Zeit - eine längere Zeit gab es für mich überhaupt nicht - viele der mit W. verbundenen Örtlichkeiten wie das Altachmoos, der Pfarrwald, die Allee nach Haslach hinaus, das Wasserwerk, der Pestfriedhof von Petersthal oder das Haus des buckligen Dopfer in der Schray in meinen Tag- und Nachtträumen beständig wiederkehrten und mir jetzt vertrauter schienen, als sie es vormals gewesen waren, lag das Dorf, wie ich mir bei meiner späten Ankunft dachte, weiter für mich in der Fremde als jeder andere denkbare Ort.  In gewissem inn war es mir eine Beruhigung, daß ich jetzt, bei meinem ersten Rundgang durch die in einem bleichen Licht daliegenden Straßen, alles von Grund auf verändert fand. Das Haus des Forstverwalters, eine geschindelte kleine Villa mit einem Hirschgeweih und der Jahreszahl 1913 über dem Eingang, hatte samt dem kleinen Baumgarten einem Ferien heim Platz gemacht, das Spritzenhaus mit dem schönen jalousierten Turm, in dem die Feuerwehrschläuche hingen in stiller Erwartung der nächsten Brandkatastrophe, stand nicht mehr, die Bauernhöfe waren ausnahmslos umgebaut und aufgestockt, der Pfarrhof, das Kaplanhaus, die Schule, das Bürgermeisteramt,...die Käsküche, das Armenhaus, die Kurz- und Kolonialwarenhandlung von Michael Mayr, all das war auf das gründlichste renoviert, wo nicht gar vollends verschwunden. "

 

 

 

Vortrag des Schriftstellers W. G. Sebald zur Eröffnung des ersten Literaturhauses in Baden-Württembergs (19.11.2001)

Ich sehe uns noch in der Vorweihnachtszeit des neunundvierziger Jahrs in unserer Stube über dem Engelwirt in Wertach sitzen. Die Schwester ist damals acht, ich selber bin fünf gewesen, und beide hatten wir uns noch nicht recht an den Vater gewöhnt, der seit seiner Rückkehr aus der französischen Kriegsgefangenschaft im Februar 1947 wochentags in der Kreisstadt Sonthofen als Angestellter (wie er sich ausdrückte) beschäftigt und immer nur von Samstag- bis Sonntagmittag zu Hause war. Vor uns auf dem Stubentisch aufgeschlagen lag der neue Quelle-Katalog, der erste, den ich zu Gesicht bekommen hatte, mit seinem mir märchenhaft erscheinenden Warenangebot, aus dem dann im Verlauf des Abends und nach längeren Diskussionen, in denen der Vater seinen Vernunftstandpunkt durchsetzte, für die Kinder je ein paar Kamelhaarhausschuhe mit Blechschnallen ausgesucht wurde. Reißverschlüsse waren, glaube ich, zu jener Zeit noch ziemlich rar.

Immerhin wurde als Zugabe zu den Kamelhaarhausschuhen ein so genanntes Städtequartett bestellt, mit dem wir dann die Wintermonate hindurch oft gespielt haben, sei es, wenn der Vater zu Hause war, sei es mit einem anderen Gast. Hast du Oldenburg, hast du Wuppertal oder hast du Worms, haben wir etwa gefragt, und an solchen Namen, die ich noch nie gehört hatte zuvor, habe ich lesen gelernt. Ich entsinne mich, dass ich mir unter diesen Namen, die so ganz anders waren als Kranzegg, Jungholz und Unterjoch, auch später lang nichts vorstellen konnte als das, was auf den jeweiligen Spielkarten abgebildet war, also zum Beispiel Roland der Riese, die Porta Nigra, der Kölner Dom, das Krantor von Danzig oder die schönen Bürgerhäuser rings um einen Hauptplatz in Breslau.

Tatsächlich war in dem Städtequartett, wie aus meiner aus der Erinnerung geholten Aufstellung erhellt und worüber ich mir seinerzeit naturgemäß keine Gedanken machte, Deutschland noch ungeteilt, und nicht nur ungeteilt ist es gewesen, sondern auch unzerstört, denn die gleichmäßig dunkelbraunen Abbilder der Städte, die früh in mir die Idee erweckten von einem finsteren Vaterland, diese Bilder zeigten die deutschen Städte ausnahmslos so, wie sie vor dem Krieg gewesen waren: das verwinkelte Giebelwerk unter der Nürnberger Burg, die Fachwerkhäuser von Braunschweig, das Holstentor vor der Lübecker Altstadt, den Zwinger und die Brühlschen Terrassen.

Das Städtequartett stand aber nicht nur am Anfang meiner Laufbahn als Leser, sondern auch am Anfang der in mir bald nach meiner Einschulung zum Ausbruch gekommenen Erdkundemanie, eines in meiner weiteren Lebensentwicklung stets zwanghafter werdenden Topografismus, dem ich, über Atlanten und Faltblätter jeder Art gebeugt, endlose Stunden geopfert habe. Auch Stuttgart habe ich, inspiriert von dem Städtequartett, bald auf der Karte gesucht. Ich sah, dass es, verglichen mit den anderen deutschen Städten, nicht allzu weit entfernt war von uns. Aber was es für eine Reise dorthin wäre, das konnte ich mir nicht ausmalen, ebenso wenig wie es ausschauen mochte in dieser Stadt, denn jedesmal, wenn ich an Stuttgart dachte, sah ich bloß den auf einer der Spielkarten abgebildeten Stuttgarter Hauptbahnhof, jene von dem Baumeister Paul Bonatz, wie ich später erfuhr, vor dem Ersten Weltkrieg entworfene und bald darauf fertig gestellte Natursteinbastion, die in ihrem kantigen Brutalismus einiges schon vorwegnahm von dem, was später noch kommen sollte, vielleicht sogar, wenn ein derart absurder Gedankensprung erlaubt ist, die paar Zeilen, die ein, der ungelenken Schrift nach zu schließen, ungefähr fünfzehnjähriges englisches Schulmädchen von einem Ferienaufenthalt in Stuttgart an eine Mrs. J. Winn in Saltburn in der Grafschaft Yorkshire geschrieben hat auf der Rückseite einer Ansichtskarte, die mir Ende der sechziger Jahre in einem Brockenhaus der Heilsarmee in Manchester in die Hände gefallen ist und die, neben drei anderen Stuttgarter Hochbauten, den Bonatz-Bahnhof zeigt, seltsamerweise in genau der gleichen Perspektive, wie er dargestellt gewesen ist in unserem längst verloren gegangenen deutschen Städtequartett.

Betty, so hieß das in Stuttgart den Sommer verbringende Mädchen, schreibt unter dem Datum des 10. August 1939, also knapp drei Wochen vor dem so genannten Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – mein Vater lag zu diesem Zeitpunkt bereits mit seinem Kfz-Zug vor der polnischen Grenze in der Slowakei –, Betty schreibt, dass die Leute in Stuttgart sehr freundlich seien, that she had been out tramping, sunbathing and sightseeing, to a German birthday party, to the pictures and to a festival of the Hitler Youth.

Als ich diese Karte, sowohl des Bahnhofsbilds als auch der rückseitigen Botschaft wegen, auf einer meiner langen Stadtwanderungen durch Manchester erstand, war ich selber noch nie in Stuttgart gewesen. Man ist ja, als ich in der Nachkriegszeit im Allgäu am Heranwachsen war, nicht weit herumgekommen, und wenn man, im angehenden Wirtschaftswunder, doch ab und zu einen Ausflug machte, so ist man mit dem Omnibus nach Tirol gefahren, nach Vorarlberg oder höchstenfalls in die innere Schweiz. Für Exkursionen nach Stuttgart oder in andere der immer noch schandbar ausschauenden Städte gab es keinen Bedarf, und so kam es, dass mir mein Vaterland, bis ich es mit einundzwanzig Jahren verließ, ein weit gehend unbekanntes, irgendwie abgelegenes und nicht ganz geheures Territorium geblieben ist.

...

Wozu also Literatur? Soll es werden auch mir, fragte Hölderlin sich, wie den tausenden, die in den Tagen ihres Frühlings doch auch ahnend und liebend gelebt, aber am trunkenen Tag von den rächenden Parzen ergriffen, ohne Klang und Gesang heimlich hinuntergeführt, dort im allzu nüchternen Reich, dort büßen im Dunkeln, wo bei trügerischem Schein irres Gewimmel sich treibt, wo die langsame Zeit bei Frost und Dürre sie zählen, nur in Seufzern der Mensch noch die Unsterblichen preist? Der synoptische Blick, der in diesen Zeilen über die Grenze des Todes schweift, ist verschattet und illuminiert doch zugleich das Andenken derer, denen das größte Unrecht widerfuhr. Es gibt viele Formen des Schreibens; einzig aber in der literarischen geht es, über die Registrierung der Tatsachen und über die Wissenschaft hinaus, um einen Versuch der Restitution.

Gehard Köpf, geboren 1948 in Pfronten/Allgäu                   Innerfern  I   Die Strecke  I   Die Erbengemeinschaft  I

 

Mithin räumliches Erzählen als Alternative zum stumpfsinnig additiv Linearen
sie erzählen auch das Erzählen und seine Bedingungen. (...) Erzählen ist Widerstand: auch gegen Unvernunft und Ignoranz, gegen die Leitplanken im Kopf, gegen das schleichende
des Unddannunddann."

Markus Pfeiffer

"Pfeiffers Liste" - wie ein Schwangauer Bäckergeselle zum Engel von Rom
wurde


Das Leben endet oft makaber. So wurde ein Mann, der in Rom während der
deutschen Besatzung tausende Menschen aus den Fängen der SS und Gestapo
unter Einsatz seines Lebens gerettet hatte, kurz nach Kriegsende, am
Himmelfahrtstag des Jahres 1945, in der Ewigen Stadt ausgerechnet von einem
britischen Militärjeep überfahren. Zwei Tage später erlag Pater Pankratius
Pfeiffer, der Ordensgeneral der Salvatorianer und Vatikandiplomat seinen
schweren Kopfverletzungen.


1872 kam Markus Pfeiffer in Brunnen bei Schwangau zur Welt, arbeitete in
der Ziegelei seines Vaters, lernte dann das Bäckerhandwerk und musste es
wegen einer Mehlstauballergie aufgeben. Mit 16 Jahren folgte Pfeiffer
seinem Bruder nach Rom und trat in den Orden der Salvatorianer ein. Er nahm
den Ordensnamen Pankratius an und legte eine erstaunliche Karriere hin: vom
Bäckergesellen zum Ordensgeneral der Salvatorianer.

30 Jahre lang stand er an der Spitze des Ordens. Nach der deutschen Besatzung Roms
1943 agierte er als Mittelsmann zwischen den NS-Kommandeuren und dem Vatikan.
In riskanten Rettungsaktionen versteckte er römische Bürger, Juden, Soldaten und
Mitglieder der Resistenza im Mutterhaus der Salvatorianer, in anderen
Klöstern und in Katakomben und verhalf ihnen zur Flucht. Als "Engel von
Rom" wird Pater Pfeiffer bis heute verehrt. Auch Rolf Hochhuth hat ihm in
seinem umstrittenen Stück "Der Stellvertreter" ein Denkmal gesetzt.

(Andrea Zinnecker)