JÜDISCHES LEBEN

 

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über Gott - Welt - Mensch

9. November

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1939

1989

2003

2006

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experimente zur gestaltwerdung

"Wie könnte ich auch, hin- und hergerissen zwischen Schock und Dankbarkeit, Seligkeit und Enttäuschung, Bestürzung und Verwunderung, mit diesem Land je zu Rande kommen."

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9. NOVEMBER

Jüdisches Leben in München
und das Gedächtnis des 9. November

von Michael Brenner
Michael Brenner lehrt Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München.


"Es gibt Tage, an denen der Kalender gleichsam symbolisch den Grundgehalt nationaler Erzählstrukturen festschreibt. In der jüdischen Geschichte gebührt diese Ehre dem 9. Tag des Sommermonats Aw. Der jüdischen Tradition zufolge wurden an diesem Tag sowohl der Erste wie auch der Zweite Tempel in Jerusalem zerstört, fiel am Ende des Bar-Kochba-Aufstands gegen die Römer im Jahre 135 die Festung Betar und – als wäre dies nicht genug der Katastrophen – lief angeblich im Jahre 1492 die Frist für die spanischen Juden ab, sich für Taufe und damit Verbleib in der Heimat oder aber fürs Exil und damit Verbleib im Glauben zu entscheiden. Bis heute begehen fromme Juden diesen Tag als Trauer- und Fasttag.

Es ist der 9. Tag des Monats November, der die deutsche Geschichte des 20. Jahrhundert en miniature beschreibt. Als ob es für einen Tag in der deutschen Geschichte nicht reichte, dass ein Kaiser abdankt, ein Putsch scheitert, die Synagogen brennen, die Mauer fällt. Wäre die Bombe am Münchner St. Jakobsplatz explodiert, hätte der deutsche "nine/eleven“ noch eine weitere tragische Komponente erhalten. Doch denken wir nicht nur an jene bekannten Ereignisse in den Jahren 1918, 1923, 1938 und 1989! Vergessen wir nicht, dass der  9. November auch in der Geschichte der alten Bundesrepublik aufgrund seiner Vergangenheit immer wieder Anlass zu symbolischen Handlungen gab. Es ist der Tag, an dem man schon seit Jahrzehnten Grundsteine für Synagogen legt (bereits 1957 für das Gemeindezentrum in der Berliner Fasanenstraße und seitdem allerorts) und an dem man bundesweit Gedenkreden hält (die – wie am 9. November 1988 – auch schon mal den Rücktritt eines Bundestagspräsidenten auslösen können).

Der verflixte  9. November steht nun also auch für den Neubeginn jüdischen Lebens in München. Hier wird, allen Drohungen zum Trotz, das neue Gemeindezentrum erbaut werden. Wenn am St. Jakobsplatz ein weiterer Grundstein für den Wiederaufbau jüdischen Lebens in der Bundesrepublik gelegt wird [und heute am 9.November 2006 die Einweihung erfolgt], dann mag man sich auch daran erinnern, dass für München und seine jüdische Bevölkerung der 9. November seine ganz besondere Bedeutung hatte.  

1918

Als in Berlin Prinz Max am 9. November 1918 die Abdankung des Hohenzollers meldete, waren die Wittelsbacher schon gestürzt. Am Tag zuvor hatte Kurt Eisner in München als erster Ministerpräsident einer bayerischen Republik die Regierungsgeschäfte übernommen. Eisner war nicht Mitglied der jüdischen Gemeinde, aber seine jüdische Herkunft hatte er niemals verleugnet. Von ihm ist der Spruch überliefert, solange es noch Judenhass gebe, solange wollte er ein Jude bleiben. Diese Art von Trotzjudentum war in der jüdischen Gemeinde nicht unbedingt beliebt, zudem stieß sein Sozialismus dort nicht auf große Zustimmung. Da es im Kaiserreich keine jüdischen Minister gegeben hatte, fürchtete man gerade in der Umsturzsituation, dass die gesamte jüdische Gemeinde Leidtragende einer Gegenrevolution werde. In der Allgemeinen Zeitung des Judentums hieß es dazu: " Es ist die alte Geschichte, dass gerade die Männer, die sich am weitesten aus dem Judentum herausgestellt haben, stets als Kronzeugen gegen uns angeführt werden.“

Noch deutlicher distanzierte sich der Sprecher der Münchner jüdischen Orthodoxie, Sigmund Fraenkel, wenig später in einem offenen Brief von den jüdischen Protagonisten der kurzlebigen Räterepubliken wie Ernst Toller, Erich Mühsam und Gustav Landauer: "Unsere Hände sind rein von den Gräueln des Chaos und von dem Jammer und Leid, das Ihre Politik über Bayerns zukünftige Entwicklung heraufbeschwören muss.“ Wenig bekannt ist auch, dass Münchner Juden sich auf allen Seiten der Fronten befanden, dass die beiden jüdischen Rechtspraktikanten Franz Gutmann und Walter Löwenfeld am Palmsonntag versuchten, die Räteregierung zu stürzen und dass sogar der Eisner-Mörder Graf Arco mütterlicherseits aus der Familie Oppenheim stammte.



1923

Der 9. November fünf Jahre später war zweifellos ein Münchner Ereignis, auch wenn Hitlers gescheiterter Putsch an der Feldherrenhalle selbstverständlich weit über München hinaus einschneidende Konsequenzen gehabt hätte. Doch es bedurfte gar nicht des Erfolgs von Hitler, um im selben Jahr zahlreiche jüdische Familien polnischer Staatsbürgerschaft aus München und anderen Teilen Bayerns auszuweisen. Diese Maßnahmen waren dem 9. November bereits vorausgegangen und von der Regierung von Kahr in einer Atmosphäre zunehmender Judenfeindlichkeit initiiert worden. Hierzu gehörte auch der akademische Antisemitismus, der den Chemiker und Nobelpreisträger Richard Willstätter 1925 von seiner Münchner Professur zurücktreten ließ. Ein anderer Münchner Jude, Lion Feuchtwanger, hielt den Geist dieser Zeit in seinem Roman 'Erfolg' fest. Dennoch wäre es gewiss verkürzt, nur diese Seite jüdischen Lebens im München der Weimarer Jahre zu sehen. Noch 1932, als der FC Bayern mit seinem jüdischen Präsidenten Kurt Landauer und seinem Trainer Richard "Littl“ Dombi, der als Richard Kohn geboren wurde, seine erste Deutsche Meisterschaft feierte, glaubten viele an die Möglichkeit der Integration.

30 Zentimeter weiter rechts


Am 9. November 1923 marschierte eine Kolonne von rund 2000 Mann - darunter viele wie Hitler bewaffnet - vom Bürgerbräukeller zum Kriegsministerium in der Schönfeldstraße (heute Hauptstaatsarchiv).
"Am oberen Ende der Residenzstraße, als die Marschierer zum Odeonsplatz an die Feldherrnhalle kamen ... trafen sie auf den zweiter größeren Polizeikordon. 'Da kommens, Heil Hitler!' schrie ein Zuschauer auf. Dann ertönten Schüsse. Wer zuerst geschossen hat, wurde nie ganz geklärt, aber es war vermutlich einer der Putschisten. Danach folgte ein wilder, fast halbminütiger Schußwechsel. Als das Feuer eingestellt wurde, lagen 14 Putschisten und vier Polizisten tat am Boden. Unter den Toten war einer der Initiatoren des Putsches, Max Erwin von Scheubner- Richter. ... Hätte die Kugel, die Scheubner-Richter tötete, 30 Zentimeter weiter rechts getroffen, wäre die Weltgeschichte anders verlaufen."

(Aus Ian Kershaw - Hitler 1889-1936 S. 265)

 

 





Eine gespenstische Szenerie bei einfallendem Nebel (2005)


Hitler, der sich seine linke Schulter ausrenkte wurde in Hanfstaengls Haus in Uffing gebracht, wo ihn die Polizei am 11. November aufspürte und verhaftete. "Laut Hanfstaengs später verfaßten Bericht, der auf Aussagen seiner Frau beruhte, sei Hitler bei der Ankunft in Uffing verzweifelt gewesen. Doch für Geschichten, die später kursierten, daß er vom Selbstmord abgehalten werden mußte, [und die auch heute am Odeonsplatz so dargestellt wurde] fehlen die sicheren Belege." (Kershaw S. 266)

 

1924 wurde Hitler zwar zu einer ehrenvollen, hotelähnlichen "Festungshaft" verurteilt, aber diese Verurteilung war ein Sieg.  Der Vorsitzende Geog Neithardt sympathisierte offen mit den Nationalisten. Er verharmloste den Marsch als "Propagandazug". Hitler durfte die Verhandlungen zu mehrstündigen Propagandareden nutzen: er sei kein Hochverräter , vielmehr kämpfe er gegen die Hochverräter und Novemberverbrecher von 1918. Das die Nazis vier Polizisten erschossen hatten, blieb im Prozess unerwähnt.



 

 

 

Erinnerung an Ellen Ammann

"Als eine der wenigen Politiker der damaligen Zeit betrachtete sie mit besonderer Sorge die zunehmende „Erstarkung des Nationalsozialismus, dessen Gefahr sie von Anfang an erkannte, richtig einschätzte und frühzeitig genug davor warnte. Sie bemühte sich im Frühjahr 1923 um eine Ausweisung Adolf Hitlers aus Bayern. Sie war wesentlich an der Niederschlagung des Hitlerputsches vom 9. November 1923 beteiligt. Nachdem sie vom geplanten Marsch zur Feldherrnhalle erfahren hatte, versammelte sie alle erreichbaren Regierungsmitglieder in ihrer Schule.“ In einer Resolution an das bayerische Volk wurde der Putsch als Staatsverbrechen verurteilt. Ammann sorgte dafür, dass sich gefährdete Personen in Sicherheit bringen konnten und dass Einheiten der Reichswehr nach München verlegt wurden. Der seinerzeit amtierende bayerische Kultusminister Franz Matt erinnerte sich später mit den Worten:

„Die Kollegin Ammann hatte damals mehr Mut bewiesen als manche Herren.“

Unmittelbar nach einer Rede im Parlament über die Hilfe für die kinderreichen Familien starb Ellen Ammann 1932 an den Folgen eines Schlaganfalls. Die Grabstätte von Ellen Ammann befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München. "

Quelle: Wikipedia

 


1938

Spätestens am 9. November des Jahres 1938 war dieser Traum ausgeträumt. Doch auch hier waren für Münchens Juden bereits die entscheidenden Ereignisse vorausgegangen. Die Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße konnte im Novemberpogrom nicht mehr in Flammen aufgehen, da die Nationalsozialisten sie bereits im Juni davor "aus verkehrstechnischen Gründen“ abgerissen hatten. Im Stürmer hieß es dazu: "Ein Schandfleck verschwindet“.

 

 

 

 

Hauptsynagoge in der Herzog-Max-Straße

 

Wie bereits fünfzehn Jahre vorher, wurden auch hier die Ereignisse des 9. November mit der Abschiebung polnischer Juden eingeleitet. Am 27. und 28. Oktober wurden die Münchner Juden polnischer Staatsangehörigkeit verhaftet und wenig später über die Grenze gebracht, wo sich die polnische Regierung zunächst weigerte, sie aufzunehmen.

In der Pogromnacht freilich brennen noch die orthodoxe "Ohel-Jakob-Synagoge“ in der Herzog-Rudolf Synagoge, wird die Synagoge der osteuropäischen Juden in der Reichenbachstraße verwüstet, werden Geschäfte jüdischer Eigentümer zerstört und wenig später die jüdischen Männer nach Dachau gebracht.



Anzeige aus dem "Völkischen Beobachter" vom 2.12.1938

Hintergrund:

Am Vormittag des 7. November 1938 hatte in der Deutschen Botschaft in Paris der 17jährige Herschel Seidel Grünspan (Grynszpan) den 29jährigen deutschen Gesandtschaftsrat Dr. Ernst Eduard vom Rath erschossen. Für Hitler und Konsorten bildete die Tat des jungen Juden den willkommenen Anlass, um in ganz Deutschland in der "Kristallnacht" die Synagogen in Flammen aufgehen zu lassen, jüdische Geschäfte zu plündern und die ohnehin fast schon unerträglichen Bedingungen, unter denen die jüdischen Bürger leben mussten, weiterhin zu verschärfen.

 

 

Der Berliner Domprobst Bernhard Lichtenberg betete in St. Hedwig öffentlich für die Verfolgten und bemerkte zum Synagogenbrand von der Kanzel: "Dort brennt eine Synagoge. Das ist auch ein Gotteshaus." Er wurde später aufgrund einer Denunziation verhaftet und starb auf dem Transport nach Dachau. In Israel wurde er als "Gerechter unter den Völkern" geehrt und von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.


1939

8. November 1939 (fast am 9. November!)

Attentat von Georg Elser  (1903 - 1945) 

"Ab Ende August 1939 suchte Elser den Bürgerbräukeller jeden Abend auf, nahm dort zunächst eine einfache Arbeitermahlzeit für 60 Pfennige zu sich und wartete eine günstige Gelegenheit ab, um sich unbemerkt in der Besenkammer zu verstecken. Dort verharrte er noch mehrere Stunden, bis das Gasthaus abgeschlossen wurde. Insgesamt 30 Nächte lang höhlte er dann in mühevoller, riskanter Kleinarbeit eine Säule aus, um die Bombe mit Zeitzünder darin zu deponieren. Die anfallenden Späne versteckte er in einem zusammengerollten Teppich."

Am 8. November 1939 explodierte die Bombe exakt zu der von Elser vorgesehenen Zeit um 21:20 Uhr. Das Attentat misslang jedoch, da Hitler wegen schlechten Wetters nicht mit dem Flugzeug, sondern mit der Reichsbahn zurück nach Berlin fahren musste. 

Quelle: Wikipedia

 



1989

Die Nachkriegsgeschichte jüdischen Lebens in München begann bereits 1945, als hier das Zentrum der Holocaustüberlebenden entstand, die auf dem Weg nach Israel oder in die Vereinigten Staaten in der amerikanischen Zone halt machten. Doch ohne den Fall der Mauer am 9. November 1989 wäre es wohl auch hier eine Geschichte ohne langfristige Perspektive geblieben. Damals öffneten sich auch die Tore für Juden aus der Sowjetunion, denen jahrzehntelang jeder Zugang zu jüdischer Kultur und Religion verwehrt war. Die Zahl der in Deutschland lebenden Mitglieder jüdischer Gemeinden hat sich innerhalb des letzten Jahrzehnts von 30 000 auf über 100 000 erhöht. In München hat sich die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde mehr als verdoppelt und ist heute bei etwa 9 000 nahezu auf dem gleichen Stand wie vor 1933. Dass die vorhandenen Gemeindeeinrichtungen den neuen Gegebenheiten nicht mehr entsprachen, führte zum Beschluss, ein neues jüdisches Gemeindezentrum entstehen zu lassen. Es ist dies eine späte Entscheidung. Bereits Jahrzehnte früher entstanden ähnliche Neubauten in Berlin, Frankfurt und andernorts. München erhält als letzte große jüdische Gemeinde in Deutschland ein neues Zentrum und setzt damit das Signal für einen Aufbruch

 

Am 9. November um 18.53 Uhr, verliest Günther Schabowski die neuen, freizügigen Reiseregelungen für alle DDR-Bürger. Die Nachfrage eines Journalisten, ab wann sie gültig sei, beantwortet das Politbüromitglied mit den legendären Worten: "Nach meiner Kenntnis gilt das ab sofort. Unverzüglich."

 

 



2003

Ein (vorerst?) letzter 9. November. Ein neues Haus ist noch keine Garantie für einen Neuanfang, zumal dann, wenn es schon in die Luft gejagt werden sollte, bevor es überhaupt steht. Die Steine mit Leben zu füllen wird eine schwierigere Aufgabe sein, als sie zu einem Gebäude zu formen. Jeder weiß, dass man auch in Zukunft jüdische Einrichtungen in München, ebenso wie in Mailand oder Madrid, nicht am Davidstern, sondern an Absperrungen und Polizeischutz erkennen wird. Ein Narr, wer auch heute noch die brüchige Zukunft jüdischen Lebens verkennt.

Und dennoch: Es gibt keine Alternative zum Neuanfang. In den verstaubten Räumen, in der Hinterhofatmosphäre weiterzuwursteln, würde ebenso ein Signal setzen: nämlich keine Zukunft zu planen. Der Jakobsplatz darf nicht zum Präsentierteller werden, zum Schaufenster, durch das man – verblendet durch Klezmerromantik und falsche Schuldgefühle – eine neue jüdische Szene wahrnehmen will. Das Jüdische Gemeindezentrum dient in erster Linie den Bedürfnissen der Münchner Juden. Es liegt aber auch an ihnen, dass es zur Attraktion für alle Münchner wird. Wenn der Blick in die Zukunft gerichtet wird und wenn trotz aller weiterhin bestehenden Drohungen das neue Haus ein offenes, vielschichtiges Haus sein wird, in dem Museum und Restaurant und Kulturzentrum allen Münchnern Heimat werden, dann mag tatsächlich auch ein Bau Zeichen setzen.

Um Haaresbreite wäre der  9. November 2003 in München zu einem neuen 9. Aw geworden. Es liegt an den jüdischen wie nichtjüdischen Münchnern, diesen 9. November stattdessen als Tag des Aufbruchs und Neubeginns, als einen Tag, an dem auch in München Mauern fielen, in ihren Kalender einzuschreiben.


2006

Aleph

א

1

Beth

ב

2

Gimel

ג

3

Daleth

ד

4

He

ה

5

Waw

ו

6

Zajin

ז

7

Chet

ח

8

Tet

ט

9

Jod

י

10

 

 

 

Eine Festung aus Stein und Glas

Auszüge einer Würdigung des Baus von Ulf Meyer

10. November 2006 - Neue Zürcher Zeitung

"Die neue Münchner Synagoge am Jakobs- Platz ist ein Meisterwerk zeitgenössischer Sakralarchitektur. Sie stellt zusammen mit dem noch nicht eröffneten Museum und dem Gemeindehaus das größte Bauvorhaben einer jüdischen Gemeinde seit langem in Europa dar. Der Synagogenbau selbst besteht aus zwei aufeinandergestellten minimalistischen Kuben, von denen der untere, fensterlose mit Naturstein verkleidet ist und den Tempel Salomons in Jerusalem symbolisiert. Er bildet den Sockel für den Glasquader, der den Gebetsraum beleuchtet und zugleich den Blick der Gläubigen hinauf zum Himmel richtet. Die stählerne Stützkonstruktion der gläsernen Hülle besteht aus einem Dreiecksmuster, das Davidsterne bildet. Das sensible Spiel von Licht und Schatten verleiht dem Raum eine einzigartige Atmosphäre. Nachts schimmert der Glaskörper von innen her in goldenem Licht und schreibt sich in die Silhouette der Stadt ein wie einst die 1887 geweihte Münchner Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Strasse.

Die archaisch abstrakten Kuben wirken skulptural und massiv, sinnlich und einfach zugleich. Ihre ganze Wirkung werden sie aber erst entfalten, wenn am 22. März 2007 auch das Jüdische Museum eingeweiht wird, welches das gestalterische Thema des geschlossenen Steinblocks variiert. Der dritte Neubau am Jakobs-Platz ist das Gemeindehaus der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Bibliothek, Sporthalle, Volkshochschule, Rabbinat, Kindergarten, Schule, Verwaltung und ein koscheres Restaurant gruppieren sich hier um einen begrünten Innenhof. Die drei Teile des Ensembles fügen sich in den kleinteiligen Massstab des Jakobs-Platzes ein, setzen durch ihre Schrägstellung und ihre Form aber dennoch städtebauliche Akzente.

Das neue Gotteshaus gleicht entfernt der neuen Synagoge in Dresden. Dies ist kein Zufall, denn beide Sakralbauten wurden vom Architekturbüro Wandel Hoefer Lorch aus Saarbrücken entworfen. Der Münchner Neubau soll den spirituellen Bedürfnissen der in den letzten Jahren auf 9000 Mitglieder angewachsenen Gemeinde ebenso dienen wie der alltäglichen Gemeinde- und Bildungsarbeit. Mit ihm kehrt jüdisches Leben wieder in das Herz Münchens zurück."

 

 


im Bau - September 2005














 

 
































 

 

 













 

 

theodor frey

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